oder wie mein Ego Stellplätze bekam

Eigentlich beginnt der Tag alles andere als spektakulär. Wir machen unser Knutschi startklar für ein europäisches Treffen der Wohnmobilisten mit integrierter Jahresversammlung. Nicht gerade die Reise, die ich mir freiwillig aussuchen würde. Letztes Jahr habe ich mich erfolgreich gedrückt, aber dieses Jahr findet das Treffen in der Schweiz statt. Da wird Fernbleiben langsam schwierig zu erklären.
Auf dem Weg ins Wallis machen wir zuerst Halt in St. Gallen. Dort haben wir noch eine Sitzung mit der Stadt wegen unseres Stellplatzes Pfauengässli von Wohnmobilland Schweiz. Mitten in der Stadt, nur rund 200 Meter von der Altstadt entfernt. Viel besser kann ein Stellplatz kaum liegen.
Und jetzt kommen die Zahlen, die sogar mich überraschten: Nach nur zwei Monaten Betrieb konnten wir bereits rund 60 Wohnmobile begrüssen. Über 100 Gäste haben dort übernachtet und Gästetaxen bezahlt. Für drei Stellplätze ist das eine beachtliche Auslastung.
An der Sitzung folgt dann die nächste Überraschung. Die Stadt macht uns ein Angebot: Der Stellplatz könnte von drei auf zehn Plätze erweitert werden. Wir müssen lediglich ein kleines Konzept erarbeiten und dafür sorgen, dass die vermieteten PW-Parkplätze verfügbar bleiben. Das sollte machbar sein. Vielleicht werden es am Ende nicht zehn, sondern acht Wohnmobilplätze. Aber die Lage bleibt unschlagbar.
Und ja, ich gebe es zu: Darauf bin ich schon ein wenig stolz. Aus einer Idee, die im Mai 2020 entstanden ist und die ein paar Blogleser unterstützt haben, wurde etwas, das heute über 4'100 Mitglieder verbindet. (Wer ist noch nicht Mitglied? Der verpasst definitiv etwas…) Manchmal staune ich selbst darüber, was aus Wohnmobilland Schweiz geworden ist!
Nach der Sitzung fahren wir weiter Richtung Wallis. Die Autobahn zeigt sich von ihrer freundlichen Seite. Wir kommen problemlos durch Zürich, ohne Stau bis Bern. Fast schon verdächtig.
In Bulle verlassen wir die Autobahn und fahren Richtung Greyerz und weiter auf den Col des Mosses. Dort oben sind wir am 8. August 2023 vorbeigefahren. Damals sahen wir einen riesigen Platz und dachten sofort: Das wäre doch ein perfekter Stellplatz. Noch am selben Abend schrieb ich der Gemeinde ein Mail mit Ideen, Informationen und einem kleinen Schuss Begeisterung.

Danach passierte ... nichts. Zwei Jahre lang. Absolute Funkstille.
Und dann plötzlich, genau zwei Jahre später, die Nachricht: Der Stellplatz ist eröffnet.
Natürlich musste ich mir das endlich mal von Nahem anschauen. Also stehen wir heute hier. Und die erste Überraschung: Es gibt sogar ein WC. Die zweite Überraschung: Im Nachbardorf befindet sich eine offizielle Entsorgungsstation. Da hat jemand mitgedacht.
Ganz ehrlich: Auch hier erfüllt mich eine gewisse Zufriedenheit. Wäre dieser Stellplatz heute da, wenn ich damals dieses Mail nicht geschrieben hätte? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber ich bilde mir gerne ein, dass mein Mail zumindest nicht geschadet hat.
Viel erleben können wir heute allerdings nicht. Es schifft in Strömen. Spaziergänge fallen aus, die Aussicht versteckt sich hinter Wolken und selbst die Kühe scheinen keine Lust auf Touristen zu haben.
wir haben deswegen keine schlechte Laune
Schliesslich muss mein Ego irgendwo trocken untergebracht werden. Und heute steht es auf diesem Stellplatz, auf den ich ein kleines bisschen (oder auch sehr) stolz bin.
Es macht einfach Spass, wenn man als Wohnmobilland Schweiz etwas bewegen kann.
Nebengeschichte: heute bin ich zufrieden und stolz auf dem Col de Mosses, aber es gab auch eine andere Zeit. An der Tour de France 1997 führte die 16. Etappe über den Col de Mosses nach Fribourg. Ich hatte wirklich eine schlechte Form und war total kaputt. So wurde ich unten am Pass als erster abgehängt. Hinter mir fuhr der Besenwagen und immer wenn es Zuschauer hatte, rief er laut durch das Megaphon: «Et voilà, le dernier coureur de Tour de France, Rolf Schermaan»
Ich habe mich in Grund und Boden geschämt und in Greyerz demoralisiert aufgegeben. (das einzige Mal, wo ich die TdF nicht fertig fuhr. Ich habe die TdF also nie in Frankreich aufgegeben…).
3.6.2026 - Lieber Rolf, wir haben zwar noch keinen Stellplatz in der Schweiz besucht, weil wir sehr lange nicht in Eurem wunderschönen Land waren, aber es sind schon ganz viele für uns interessante Plätze in Google Maps markiert. Ich finde es absolut bewundernswert, welche Initiative Du mit "Wohnmobilland Schweiz" ins Leben gerufen hast. Schon von Anfang an verfolge ich die Aktivitäten und möchte Dir ganz herzlich für Dein Engagement danken.