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Mont Ventoux Frankreich 2015
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Inseltag auf Langeoog

mit Dorfführung

Um 9:30 Uhr fährt unser Schiff zu einer der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln: der „langen Insel“ Langeoog. Wir haben dort eine Führung gebucht, die bereits auf der Überfahrt beginnt. Wobei „Fähre“ etwas hoch gegriffen ist: Langeoog ist autofrei, man kann also höchstens mit dem Velo übersetzen. Wir sind heute aber zu Fuss unterwegs, vom Campingplatz zum Hafen sind es gerade einmal 1,5 Kilometer.

Kurz nach der Hafenausfahrt sehen wir bereits eine Gruppe Seehunde, die sich auf einer Sandbank genüsslich an der Sonne herumlümmeln. Schon während der Überfahrt erfahren wir einiges Interessantes über das Wattenmeer, die Schiffsverbindungen und die Insel.

Nach rund 40 Minuten kommen wir auf Langeoog an und müssen in die farbige Inselbahn umsteigen. Nun geht es noch knapp drei Kilometer bis ins Zentrum zum Inselbahnhof. Während rund 80 Minuten lauschen wir unserem Guide gespannt. Immer wieder wechseln wir den Standort und hören Geschichten über Sturmfluten, das Leben auf der Insel und die besondere Geschichte Langeoogs.

Besonders eindrücklich ist die Erzählung über die Weihnachtsflut von 1717. Damals überlebten angeblich nur diejenigen, die sich gerade im Weihnachtsgottesdienst befanden. Der Inselpastor hatte zuvor eine schwere Flut vorhergesagt, welche die Ungläubigen, Trinker und „Putzdamen“ (also Frauen, die sich aufputzten und schminkten) mit in die Hölle nehmen würde. Dass die Sturmflut dann tatsächlich am Weihnachtsabend kam, festigte den Ruf der Inselbewohner allerdings eher noch: Die Langeooger galten lange als trinkfest und nicht gerade zimperlich.

Während dieser Sturmflut wurde die Insel in zwei Teile gerissen und war danach mehrere Jahre unbewohnt, bis sie erneut besiedelt wurde. Noch heute wird jener Abschnitt, der damals überspült wurde, regelmässig mit Sand verstärkt und gesichert.

Überhaupt wandern alle ostfriesischen Inseln langsam nach Osten. Im Westen wird Sand abgetragen, im Osten wieder angeschwemmt. Langeoog hat sich seit etwa 1650 um rund 700 Meter ostwärts verschoben. Heute geschieht das langsamer, weil Dünen, Strände und Küstenlinien aktiv geschützt werden.

Etwas länger verweilen wir auch beim Denkmal von Lale Andersen, der berühmtesten Bewohnerin der Insel. Ihre Lieder Lili Marleen und „Ein Schiff wird kommen“ wurden weltberühmt.

Nach den Ausführungen beim Wasserturm, einer Erhebung von rund 20 Metern und damit höher als jeder natürliche „Berg“ auf dem ostfriesischen Festland, werden wir entlassen. Um 16 Uhr wieder am Bahnhof zu sein, ist unsere einzige Aufgabe.

Da unser Guide viele Jahre ein Hotel auf der Insel geführt hat, gibt er uns zum Schluss noch Tipps, wo man besonders gut essen kann. Das nutzen wir natürlich aus und landen in der Alten Post. Dort essen wir Buntbarschfilet „Nizza Art“ und Filet vom Nordsee-Wittling. Der Tipp war Gold wert.

Danach schlendern wir durch das Dörfchen, schlecken zum Dessert ein Glacé und besichtigen den 14 Kilometer langen, extrem flachen Sandstrand auf der Nordseite der Insel. Es ist traumhaft und unglaublich erholsam. Barfuss im Sand zu laufen, haben wir schon lange nicht mehr gemacht.

Irgendwann wird es dann wieder Zeit, sich Richtung Bahnhof zu bewegen und die Rückreise zu Knutschi anzutreten.

Der Versuch gestern Abend von Anita, ein Fondue zu machen, ging übrigens gewaltig in die Hosen. Schlussendlich entstand irgendwo eine Mischung zwischen Käseschnitten und Käsespätzli. Aber schuld daran war sicher, dass Fondue auf einem Meter über Meer wahrscheinlich einfach nicht funktioniert, egal was man macht. Eventuell lag es aber auch am ostfriesischen Käse. Auf alle Fälle waren die Älplermagronen mit den Resten des Fondues heute ausgezeichnet.


Lale Anderson

Sie wuchs in Bremerhaven auf und arbeitete zunächst als Sekretärin. Schon früh interessierte sie sich für Musik und Theater. Mit 17 Jahren heiratete sie den Maler Paul Ernst Wilke. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, die Beziehung zerbrach später, weil sie um jeden Preis Sängerin und berühmt werden wollte. In den 1930er-Jahren trat sie in Berliner Kabaretts und Varietés auf. Dort nahm sie den Künstlernamen „Lale Andersen“ an. Als Sängerin war sie allerdings nicht gefragt, weil ihre Stimme nicht der damaligen Zeit entsprach. 1939 nahm sie das Lied „Lili Marleen“ auf. Zunächst blieb es unbeachtet. Erst durch Radiosendungen des Soldatensenders Belgrad während des Zweiten Weltkriegs wurde das Lied weltberühmt auf deutscher wie auch auf alliierter Seite. Und auch nur darum, weil der Sender eine begrenze Auswahl von Schallplatten hatte und dieses Lied erst am Schluss der Sendezeit um 22 Uhr spielte, weil dann am wenigsten Höhrer zuhörten. Aber weil das Lied jeden Tag das letzte war, wurde es so bei allen Soldaten quasi zum Ritual und wurde sehr bekannt.

Obwohl sie so in Deutschland berühmt wurde, geriet sie zeitweise unter Druck der Nationalsozialisten. Unter anderem wurden ihre Kontakte ins Ausland misstrauisch beobachtet. Zeitweise erhielt sie Auftrittsverbote und hat sich dann gerade auf der gesperrten NS-Insel Langeoog versteckt. Nach dem Krieg wurde sie von dort stationierten Kanadischen Soldaten erkannt und ab da wurde sie erfolgreich und trat international auf. Sie sang Chansons, Seemannslieder und melancholische Balladen. Lale Andersen starb 1972 in Wien im Alter von 67 Jahren. Sie wurde auf dem Dünenfriedhof von Langeoog beigesetzt. Ihr Grab ist bis heute ein bekannter Ort für Besucher der Insel.

Übernachtung

Bensersiel - Camping ****
Deutschland, Camping

Koordinaten: 53.67546, 7.5612358
N 53° 40' 31.7"  E 7° 33' 40.4"
letzter Besuch: 5.2026

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