Und ein Solarproblem

Nachdem wir auf dem Col de Mosses am Morgen erwacht sind, habe ich routinemässig den Ladezustand unserer Batterien überprüft und war etwas geschockt, dass wir nur noch 42 % Kapazität hatten. Warum das denn wohl? Es müssten eigentlich noch mindestens 80 % sein.
Also Hirnschmalz einsetzen und nachdenken. Irgendwann sehe ich dann, dass unsere Solaranlage seit 9 Tagen keine Leistung mehr erzeugt. Komischer Zufall: Vor 9 Tagen habe ich das Dach gründlich gereinigt. Habe ich ein Panel kaputt gemacht oder ist ein Kabel locker?
Gar nicht so einfach, das ohne eine Leiter herauszufinden. Ein Drohnenflug übers Dach (gute Idee, oder?) brachte auch keine neuen Erkenntnisse. Unsere ausziehbare Womoleiter, die wir im Winter dabei hatten, ist seit letztem Winter entsorgt, und wir müssten sowieso eine neue kaufen. Das ist jetzt genau die Gelegenheit, dies nachzuholen.
Also fahren wir den Col de Mosses hinunter und gehen in Conthey in die Landi. Fünf Minuten später haben wir eine Leiter in der Garage von Knutschi, und weitere fünf Minuten später kommen wir auf dem grossen Gelände des europäischen Wohnmobiltreffens an.

Wir werden etwas kompliziert eingewiesen, danach habe ich aber Zeit, in Ruhe die neue Leiter zu testen und auf dem Dach den Fehler zu finden.
Den Fehler habe ich in 10 Sekunden gesehen: Tatsächlich war ein Kabel aus dem Stecker gerissen. Also das lose Kabel wieder in den Stecker drücken, und schon liefert die Solaranlage wieder Strom. Zu Hause muss ich diesen Defekt dann noch etwas besser beheben.
Tags darauf, am Donnerstag, geht das Treffen richtig los. Die restlichen Teilnehmer von Wohnmobilland Schweiz platzieren sich neben uns, und am Nachmittag ist dann die Delegiertenversammlung der europäischen Clubs. Mit den Resultaten sind wir als Wohnmobilland Schweiz nicht wirklich zufrieden, aber das ist ein anderes Thema.
Irgendwann kommt Maria, die Präsidentin des Spanischen Verbandes, mit einem Schweizer Abfallsack zu mir. Dieser Abfallsack wurde jedem Teilnehmer abgegeben und dann fragt sie mich scheu: "sorry Rolf, kannst du mir sagen wofür dieser Sack ist". "Das ist der Abfallsack, wo der Abfall reinkommt." "Hä, aber da darf man ja gar nichts reintun?" Ein externer Blick auf die Abfallpolitik der Schweiz...

Abends findet dann die Eröffnungszeremonie mit guter Jazz-Musik statt, und wir Schweizer sitzen noch lange zusammen, treffen uns auch mit den Spaniern, Belgiern und Italiener.
Heute besichtigten wir Sion, das keine 5 km entfernt ist, und verbringen den Tag dort. Sion ist die Hauptstadt des Wallis und gilt als eine der sonnigsten Städte der Schweiz (ausser heute). Über der Altstadt thronen die beiden markanten Hügel mit den Wahrzeichen Valère und Tourbillon, die man von fast überall in der Stadt sieht.

Mit Markt, Festival d’Artistes und einer Stadtführung ist es subito Mitte Nachmittag. Es überrascht mich, dass die französische Sprache in Sion immer mehr die Deutsche verdrängt, da auch die deutschsprachige Bevölkerung rasant abnimmt.

Also sitzen wir danach vor dem Womo und überlegen uns, wie wir heute den gemeinsamen Clubabend, an dem alle internationalen Clubs Spezialitäten präsentieren sollen, mit Anstand über die Bühne bringen. Denn wie so ein Clubabend wirklich abläuft, hat keiner von uns irgendeinen blassen Schimmer.
Schauen, wie es geht, improvisieren und überzeugt sein, dass wir die Besten sind, ist unsere einzige Chance …