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Chaos, Polizei und andere Unannehmlichkeiten

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. So könnte man den heutigen Tag mit der Anfahrt auf die Alp d’Huez betiteln.

Aber von Anfang an. Unser Wecker klingelte um 3:25 Uhr, um 3:30 Uhr wurden die Motoren gestartet und unser Abenteuer Alp d’Huez beginnt. Mit uns fahren noch zwei andere Womos. Hanspeter fährt später, da er noch eine Sicherung für sein Elektrik-Problem suchen muss, Markus ist seit drei Tagen oben und sechs Womos sind seit gestern Abend auf der Alp.

Was wir von ihnen hören: Wahrscheinlich hat es noch Platz. Nicht ganz so vertrauenswürdig diese Infos. Oder anders gesagt: ungefähr gleich präzise wie ein Wetterbericht für nächsten Monat.

Also fahren wir Richtung Grenoble, entsorgen auf einer Autobahnraststätte und weiter nach Le Bourg-d'Oisans. Jeden Kilometer, den wir näher kommen, steigt die Spannung: Ist die Bergfahrt für Womos noch geöffnet? Dann der letzte Kreisel und siehe da, wir fahren tatsächlich in die Steigung rein. Ein wichtiger Teil ist geschafft.

Nun geht es steil hinauf, 21 Kehren, jede einzeln beschriftet und nummeriert. Jeder nur erdenkliche Ausweichplatz ist von Wohnmobilen, Dachzelten oder Wohnwagen besetzt. Offenbar hat ganz Europa dieselbe Idee gehabt. Da es erst 7 Uhr ist, hupen wir zur Begrüssung bei keinem Rennvelofahrer, den wir überholen. Man muss es ja nicht gleich am ersten Morgen mit allen verderben.

warum dürfen andere und Markus nicht!

Dann kommt die Kehre Nr. 6, dort, wo die Polizei Markus vor drei Tagen weggeschickt hat: Es darf kein Womo an der Strecke stehen! Was machen denn alle anderen? Und in der Kehre 6 stehen nun zwei Dänen und ein Belgier, aber kein Markus. Er ärgert sich grün und blau, dass er auf Befehl weggefahren ist und nachher nicht mehr zurückkehrte. Offenbar gilt das Halteverbot nicht für alle gleich.

Nach der Kurve 1 sind wir bald im Dorf. Nichts angeschrieben, keine Ahnung, wo die Parkplätze für Wohnmobile sind. Wir fahren die Zielgerade hoch, die noch ganz leer ist, immer weiter hoch, bis wir irgendwo zwischen einer Baustelle auf eine Wiese fahren, wo schon andere Camper platziert sind. Frei nach dem Motto: Wenn schon alle hier stehen, kann es ja nicht ganz falsch sein.

Zielgerade noch leer

Wir finden ein kleines Fleckchen, das noch frei ist. Allerdings müssen wir unsere Womos so hinquetschen, dass wir die Garage nicht mehr öffnen können, Jörg total schräg steht und Dominik nicht zur Ausbautüre raus kann. Einmal eingeparkt, gilt: Bitte bis Freitag nichts mehr brauchen. Aber wir haben einen Platz, das ist das Wichtigste. Da es erst halb acht ist, legen wir uns nochmals aufs Ohr.

endlich schön platziert

Wir werden von Klopfen an der Türe geweckt und einer angeregten Diskussion draussen. Anscheinend stehen wir auf einem Durchfahrtsweg für Biker und der Chef des nebenanliegenden Bikeparks ist überhaupt nicht zufrieden und ruft die Polizei. Die macht uns schnell klar, dass wir hier weg müssen. Aber wohin denn? Sie machen uns den Vorschlag, gleich daneben ins knietiefe Gras zu fahren. Wenn sie das meinen? Also spielen wir nochmals Tetris mit unseren Womos und parken alle schön nebeneinander im Gras. Der neue zugewiesene Platz ist viel, viel besser als der alte und vor allem haben wir jetzt sogar Platz zum Atmen. Manchmal muss man eben zuerst vertrieben werden, um den besseren Stellplatz zu bekommen.

Wir haben sogar Platz, um Fritz anzurufen, ob er auch hier stehen will, und für Hanspeter haben wir ebenfalls noch Reserve. Wenn das nicht purer Luxus ist? Allerdings gibt es gleich das nächste Theater mit den Arbeitern der Baustelle daneben. Fritz darf den Zufahrtsweg nicht benützen und wir müssen ihn von der anderen Seite umleiten. Also Zaun öffnen, durchs Gras fahren und dann ist auch sein Womo platziert. Ganz offiziell... oder zumindest fast.

Fast gleichzeitig bekommen wir die Meldung, dass Hanspeter das Sicherungsproblem gelöst hat und in Grenoble im Stau steht. Es könnte also noch dauern.

Wir sitzen natürlich nicht untätig zusammen, sondern schnappen unsere Velos und fahren vier Kilometer runter zur Kurve 1. Nach intensiven Diskussionen befinden wir, dass dies der richtige Ort ist, um am Freitag die Rennfahrer anzufeuern. Wir müssen nur früh genug da sein, um diese Kurve zu besetzen.

Kehre 1

Also wieder vier Kilometer hoch zum Womo – ohne E-Motor, wohlgemerkt – und endlich etwas ausruhen.

Aber nichts da. Hanspeter telefoniert. Er steht unten an der Alp d’Huez und die Strasse ist gesperrt. Sie lassen keine Wohnmobile mehr hoch! Der Streckenposten redet nur Französisch, Hampi alles, nur das nicht.

Also rede ich via Telefon mit dem Streckenposten und erkläre ihm, dass wir Hampi dringend brauchen, er einen reservierten Platz hat und wir eine Reservation im Restaurant etc. etc. etc. Schliesslich maile ich Hampi unsere Reservation, die er dann gemeinsam mit dem Streckenposten durchackert. 45 Minuten läuft das Theater und dann darf Hampi tatsächlich mit dem Womo noch hochfahren. Alle jubilieren. Fast ein bisschen wie ein Etappensieg.

Keine fünf Minuten später wieder ein Telefon. Schon wieder ein Streckenposten, der ihn nicht hochfahren lässt. Das Theater beginnt von vorne, geht aber etwas schneller, bis das Womo sich wieder bergwärts in Bewegung setzen darf. Wie viele solcher Streckenposten kommen denn bitte noch? Wahrscheinlich einer pro Kehre.

Aber schlussendlich quetscht sich auch Hampi zu unseren Womos. Gerade rechtzeitig, um wieder ins Dorf unterwegs zu unserem reservierten Restaurant zu sein für einen kleinen Vortrag über Radsport, Tour de France und Doping. Und das für alle unsere Mitreisenden in der Gruppe.

Als wir beim Restaurant ankommen: niemand hier. Restaurant geschlossen. Merde, was ist heute nur los? Das Hotel nebenan telefoniert dem Besitzer und der hat unseren gemieteten Raum total vergessen. Auch das noch. Wenigstens ist ihm unsere Reservation fürs Nachtessen noch im Gedächtnis geblieben. Immerhin etwas.

20 Minuten verspätet beginne ich dann zu erzählen. Auch das Nachtessen danach war echt fein und der Abend nach etlichen Schwierigkeiten doch noch gerettet.

Rückblickend war es eigentlich ein ganz normaler Tag an der Tour de France. Nur mit etwas mehr Französisch, etwas mehr Polizei und deutlich mehr Tetris als erwartet.

 

23.7.2026 - Liebe Anita Lieber Rolf kurzweilig um zu lesen was an der Strecke passiert, das muss ja eine einmaliges Spektakel sein. Ich schaue das vom Sofa aus :-) liebe Grüsse aus Rovana

Ernst


5.8.2026 - Das klingt nach einem echten Abenteuer mit allem, was dazugehört: frühes Aufstehen, Spannung, enge Kurven und natürlich ein bisschen Chaos unterwegs. ? Die Fahrt auf die Alp d’Huez mit einem Wohnmobil ist sicher nichts für schwache Nerven, aber genau solche Erlebnisse bleiben am Ende in Erinnerung. Besonders spannend ist, wie unterschiedlich Regeln manchmal ausgelegt werden – ärgerlich für diejenigen, die sich daran halten und dann sehen, dass andere scheinbar freie Bahn haben. Trotzdem zählt am Ende die Aussicht, die Atmosphäre und das Gefühl, es geschafft zu haben. Für weitere spannende Geschichten und Inspiration lohnt sich auch ein Blick auf https://win-airline.ch/.

Claudeb Iahhan


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