Headbild
bei Michel von Loeneberga Schweden 2014
Du befindest dich hier: Blog \ Reisebericht

Theater bei Otto

Wir stecken fest

Sonntags gehen wir es gerne gemütlicher an, ausschlafen und so. Das geht so lange gut, bis wir die Idee haben: wir könnten ja nach Norderney fahren? Mit dem Womo auf die Fähre und dann auf der kleinen ostfriesische Insel auf einem Campingplatz. Nachdem wir diese Idee haben kommt Hektik auf, schliesslich müssen wir da eine Stunde mit der Fähre rechnen und einen Platz haben wir auch noch nicht gebucht. Also schnell zusammenräumen, WC leeren, Grauwasser ablassen und los. In Theorie wenigsten. Denn es stockt bei der Ausfahrt beim Stellplatz. Die Schranke öffnet nicht. Was ist los. Also nochmals zurück, unser Parkticket kontrollieren. Alles gut, wir haben bezahlt, bis 14 Uhr muss man draussen sein und unsere Autonummer wurde auch richtig eingelesen. Also nächster Versuch. Aber wieder nichts. Je moderner die Systeme, desto mehr kann etwas nicht klappen. Wir stehen da wie die Esel am Berg.

Irgendwo finden wir die Telefonnummer des Platzwartes. Aber es kommt nur die Combox. Mist. Inzwischen gibt es schon einen ziemlichen Auflauf von Leuten bei der Ausfahrt. Alle wollen uns helfen, aber keiner kann es. Und bei allen andern öffnet sich die Schranke. Ich fahre sogar rückwärts zur Schranke, damit mein hintere Autonummer eingelesen werden kann. Nichts.

Nochmals beim Platzwart anrufen, immer noch nichts. Auch andere Wohnmobilisten wollen anrufen, aber nichts. Nach einer Stunde stehen wir immer noch dort. Anita findet die Telefonnummer vom Ortsbrandmeister der Feuerwehr. Etwas anderes fällt uns nicht ein. Eine freundlcihe Frau gibt uns dann die Tel.Nr. des alten Platzwartes. Aber auch dieser ist nicht zu Hause. Also nochmals zur Feuerwehr. Wieder kriege ich eine andere Nummer, wieder niemand zu Hause. Sind die alle im gleichen Biergarten? Also telefoniere ich nochmals Inke, die ich jetzt schon ziemlich gut kenne. Dann verspricht sie mir, dass sie jemand von der Gemeinde sucht, der uns erlösen kann. 10 Minuten später telefoniert mir Hilda, was unser Problem sei. Ich erkläre es nochmals ausführlich. «Ich komme vorbei, vielleicht kann ich etwas machen.» Hilda braust etwa später mit dem Velo im Regen heran. Und tatsächlich, sie kann unsere Schranke öffnen. Wo der Fehler liegt, ist aber auch ihr nicht klar. Bei unserem Ausfahrttickets ist alles ok.

Wir verabschieden uns und verlassen nun Ditzum mit zwei neuen Telefonnummern von sympathischen Damen.

Allerdings haben wir nun zwei Stunden verloren. Wir begraben die Idee von Norderney und fahren aufs gratewohl nach Greetsiel. Der bekannteste Ort in Ostfriesland. Hoffentlich habe wir Platz auf dem dortigen Stellplatz.

Greetsiel

Kein Problem, wir kommen gut an, und weil es grad nicht regnet, zu Fuss vorbei an den Zwilingsmühlen, durch das schicke Dörflein, zu den Krabbenfischerbooten und dann sehen wir hinter dem Hafen ein kleiner Markt. Also zuerst endlich mal ein Fischbrötchen. Und diese sind extrem lecker, wirklich. Viel, viel besser wie das Fischabendessen gestern Abend. Wenn man böse sein wollte, könnte man sagen, uns hat man gestern trockene Fischstäbchen serviert. Aber eben, vielleicht haben wir keine Ahnung von Fisch.

super feine Fischbrötchen

Wir geniessen Greetsiel und etwas später unser Womo. Um 18 Uhr packen wir dann noch unsere Räder aus, fahren nochmals durch Dörfchen und 5km weiter dem Deich entlang. Diese Deiche sind hier übrigens überlebenswichtig. Ohne sie würden grosse Teile Ostfrieslands regelmässig unter Wasser stehen. Nach den verheerenden Sturmfluten der vergangenen Jahrhunderte, besonders der Weihnachtsflut von 1717, bei der an der Nordseeküste Tausende Menschen starben, wurden die Deiche immer höher und stärker gebaut. Heute wirken sie friedlich, aber sie schützen das Land Tag und Nacht vor der Nordsee.

Krabbenfischkutter

Die Fahrt ist wunderschön, bis wir beim Leuchtturm Pilsum sind. Gelb-rot gestreift, im Film hat da Otto gewohnt. Der kleine Leuchtturm ist nur elf Meter hoch und eigentlich viel kleiner, als er auf Fotos wirkt. Berühmt wurde er erst durch Otto Waalkes und ist heute wahrscheinlich der bekannteste Leuchtturm Ostfrieslands.

Wir sind alleine dort, machen ungestört Fotos und Anita findet sogar noch einen Geo-Cache.

welches ist der richtige Cache? Keiner, ist ganz an einem anderen Ort.

Aber dann heisst es, tempo nach Hause. Dunkle schwarze Wolken ziehen sich zusammen, wir fahren immer schneller, die ersten Tropfen spürend. Dann mit Volldampf durch das inzwischen leere Greetsiel zu Knutschi. Kaum sind die Velos in der Womogarage verstaut, prasselt ein Platzregen runter. Glück gehabt.

Und seither regnet es, Anita kocht, ich schreibe.

Übernachtung

Greetsiel - Wohnmobilstellplatz ***
Deutschland, Stellplatz

Koordinaten: 53.49827, 7.1044341
N 53° 29' 53.8"  E 7° 6' 16"
letzter Besuch: 5.2026

 

Diesen Artikel kommentieren oder Fragen dazu stellen