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Falun Schweden 2018
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Kampf auf die Fähre

Und wir werden ausgenommen, schlimmer wie naive Touristen

endlich in der Kabine

Wir treffen wie ursprünglich geplant etwas vor 16 Uhr am Hafen Tanger Med an, späteste Check-in-Zeit wäre 18 Uhr und Abfahrt der Fähre nach Barcelona/Sète 22 Uhr. Also eigentlich perfekt, auch wenn es noch etwas früh ist.

Vor dem ersten Durchfahtshäuschen werden wir schon von zwei GNV-Mitarbeiter abgefangen, wir drehen die Scheibe runter und müssen unser Reservierungsformular zeigen. Und dann geht es schnell, zu schnell für mich: Pässe abgeben, grüner Zettel der Einfuhr des Fahrzeuges rausgeben und schon verschwindet eine Person. Mist, schon wieder reingefallen, das ist kein offizeller Mitarbeiter sondern nur ein «freier Mitarbeiter» der den Bürokram macht und anschliessend ein Obolus will. Dabei wollte ich doch dieses Mal nicht auf so einen reinfallen, aber er sah wirklich echt aus mit dem Ausweis der Reederei.

Aber immerhin, keine drei Minuten später kommt er schon zurück, Ein-/Ausfuhrzettel des Womos abgestempelt, unser Check-in gemacht inklusive Kabinennummer und alle Formulare zurück im Womo. Und dann schwatzt er auf mich ein und verlangt einen Obulus. Ich zücke meint Portemonnaie und gebe ihm 100 Dhm. Er sagt, er finde das schon ein bisschen mickrig für diesen guten Service, das sei normalerweise 200 Dhm. Ich Idiot öffne das Portemonnaie nochmals, er sieht, dass da noch mehr Geld drin ist und ich zücke noch eine 200Dhm Note, da ich keine 100 Dhm-mehr habe. Natürlich nimmt er die 200 Dhm auch und gibt mir aber die ersten 100 Dhm nicht mehr zurück. Dann kommt der zweite und sagt, er wolle jetzt auch noch Geld. Da ich in der Kolonne stehe und vorne schon ein Polizist auf uns wartet, zücke ich auch noch für diesen eine 200 Dhm Note. Und dann beginnt er zu diskutieren und zu jammern, dass sein Kollege 300 Dhm bekommen habe und er nicht mal gleichviel. Und wir die Dhm ja doch nicht ausführen dürfen und diese nicht mehr brauchen können. Aber dann erkläre ich ihm, dass man in M’hamid für dieses Geld eine ganze Woche, oder besser einen ganzen Monat, leben kann und er jetzt echt genug bekommen hat. Wir diskutieren weiter, aber ich bleibe hart, und der Polizist weiter vorne winkt immer noch. 

Immerhin bin ich bei dieser grossen Diskussion der kleine Sieger und rücke kein Geld mehr raus. Dennoch wurde ich ausgenommen wie ein naiver Tourist und habe jetzt 500 Dhm (50€) weniger, wie wenn ich diese Formulare selber organisiert hätte. Ich nerve mich zu Tode, oder besser gesagt, ab meiner Naivität, wie einfach ich zu überlisten bin. (Tipp: vor der Ankunft am Hafen Portemonnaie leeren und nur 100 Dhm drin haben, auch keine Euro, dann können sie nicht mehr verlangen). Und das machen sie mit jedem, ausser dem hinter mir. Da hat der Fahrer des Büsschen die Papiere ebenfalls rausgegeben, seine Ehefrau steigt aus und geht resolut dem Marokkaner nach, schimpft mit ihm und reisst ihm die Papiere aus der Hand und nimmt sie in das Büsschen zurück. Die will denen keine Dhm schenken…

Dadurch haben sie uns nun überholt und beim ersten richtigen Polizisten, wo wir die Reservation zeigen müssen, sind wir nun auch durch, beim zweiten, wo wir die Check-in-Daten und den abgestempelten Zettel zeigen müssen, können wir durchfahren und das Büsschen muss wieder drehen und die Formalitäten bei den ersten Marokkanern doch noch machen. Ups, das wird jetzt wahrscheinlich für die teurer wie beim ersten Mal…

100m weiter vorne müssen wir schon wieder den abgestempelten Zettel zeigen und werden auf eine Spur eingewiesen. Wieder bei so einem Kassenhäuschen werden wir forsch angewiesen, «Fiche jaune et passport» Gelber Zettel, haben wir aber keinen «Fiche jaune et Passport!», ich zucke mit den Achseln und sage «pas de fiche jaune» und der Beamte blickt richtig düster. Parkieren, 100m zurücklaufen, gelber Zettel holen, ausfüllen und mit Pass und ausgefüllten Zettel zwischen den Autos wieder zum Beamten. Dieses Mal schaut er freundlich, schnappt sich die gelben Zettel und knallt den Ausreisestempel in den Pass.

In der inzwischen recht grossen Autokolonne 100m weiter bis zum nächsten Häuschen und dort den grünen und weissen Zettel inklusive Pässe abgeben, weisser Zettel wird auch abgestempelt und zurückgegeben, der grüne wird archiviert, die Pässe haben wir auch wieder.

So, die Ausfuhr wäre also gemacht, denn jetzt können wir wieder etwa 500m fahren, bis wir wieder im Stau stehen. Nächstes Häuschen wieder Polizei, Pässe werden begutachtet und dann sind wir auch da durch. Allerdings staut es jetzt zurück vom Röntgengerät, wo alle Fahrzeuge durch müssen. Es wird um jede Position gekämpft, keiner gibt auch nur einen cm nach, wo sich die Spur von drei auf zwei verringert. Als wir dann die einspurige Kurve in Zweierkolonne durchfahren (gar nicht so einfach mit unserem grossen Knutschi) öffnet hinter uns die Absperrung und die normalen PW können durch und nur die Busse und die Womos müssen zum Röntgen. Und da geht es sehr langsam. Sehr, sehr langsam, bis wir endlich auch die nächste einspurige 180 Grad Kurve in Zweierkolonne durchfahren oder besser durchschleichen, cm hinter der Stosstange des Vordermannes, nicht dass noch einer vordrängen kann. Und bis wir dann auf der Röntgenspur sind, wo der Röntgenlastwagen in Zeitlupe röntg, ist schon arg Zeit vergangen. Nach dem Röntgen werden wir dann aus unerfindlichen Gründen nochmals 10 Minuten behalten und als wir endlich weiterfahren dürfen, sind wir auf Position 2899 von 3000 Fahrzeugen, die auf die Fähre kommen. 

Dann dürfen wir wieder 300m fahren und werden wieder auf eine Spur eingewiesen, dieses Mal direkt vor der Fähre. Aber man glaubt es kaum, wir sind jetzt 2 Stunden im Hafen, haben unzählige Kontrollen hinter uns sind auf dem allerletzten Platz aller Fahrzeuge abgerutscht, die auf die Fähre wollen!

Dann ist erst mal warten angesagt, insgesamt nochmals zwei Stunden, bis unsere Spur endlich an die Reihe kommt. Zuerst alle PW’s, dann alle die in Barcelona raus müssen, dann die Spur rechts und dann die zwei Spuren links und wir stehen immer noch an letzter Stelle und an Ort.

Dann endlich, geht es ganz langsam nach vorne. Denn kurz vor der Fähre werden nochmals die Pässe kontrolliert und 50m weiter vorne auch noch jedes Fahrzeug einzeln unter die Lupe genommen, jeder Kofferraum geöffnet, das Gepäck durchwühlt, mit Hunden um die Autos geschlichen und auf das Dach und unter das Auto geschaut. Hey, wir wurden geröngt!!! Und jetzt nochmals??? Aber das Positive und man glaubt es kaum, wir überholen bei dieser Prozedur zwei Fahrzeuge und können als drittletzte auf die Fähre, wenn das mal kein Erfolg ist?

Und dann stellen wir den Motor ab, ziehen die Handbremse an, verschliessen unser Knutschi und sind endlich, endlich auf der Fähre!


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Datum
30.11.2018
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1.12.2018 - Was nimmt nicht alles in Kauf, damit man wieder nach Hause kommt.. Wünsche eine gute Über-und Heimfahrt. LG

- Richard Herzog


2.12.2018 - Das mit dem "freien Mitarbeiter" hätte mir auch passieren können. Ich dachte in Tanger Med gibt es weniger von diesen ungewollten Helfern. Was kann man denn machen, um dies zu umgehen? Beim 1. Durchfahrtshäuschen einfach weiterfahren etwa? Hättest du ein paar Tipps parat? Ist das bei der Einreise auch so?

Thomas


5.12.2018 - Freie Mitarbeiter sind nicht so einfach zu umgehen. Das Problem ist, dass diese Helfer von Polizei und Zoll toleriert werden, damit das Einschiffen schneller abläuft und die Zöllner weniger Probleme haben. Das einzige, was wir Ausländer machen können, den Helfer maximum 100Dhm geben und denen das leere Portemonnaie zeigen...

Rolf


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