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Marokko 2017
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Reisebericht

Polarkreis überfahren 5.6.2024

Er hat aber überlebt

Markierung Polarkreis

Wir haben es morgens nicht eilig, unser Ziel ist Bodø und der Platz am Hafen wird nicht wahnsinnig schön sein. Es gibt also keinen Stress, auch für mich nicht, der Hochzeitstag ist vorbei und ich kann wieder normal tun und muss nicht gar alles liebevoll erledigen. So starten wir erst nach 9 Uhr, denn unsere anvisierte Fähre Nr. 17 fährt nach unserem Plan um 10:30 Uhr und ist nur eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt. Wir starten den Motor, biegen auf die 17 ab und fahren den Wegweisern nach. Der Fährhafen kommt schon nach 10 Minuten, wir stellen uns wie gewohnt in die Schlange und geniessen die Sonne. Da ich trotz viel Zeit morgens keine Zeit habe, unser Navi zu programmieren, hole ich es nun nach.

Ups, und nach der doppelten Konsultation von Google Maps merken wir, dass wir im falschen Ort am falschen Fähranleger sind. Mist. Wie machen wir uns nun diskret von hier aus dem Staub mit unserem auffälligen Knutschi? Wir stehen in der Kolonne und können ja niemanden sagen, dass wir am falschen Hafen stehen, da blamieren wir uns ja bis auf die Knochen! Also frischfröhlich vor mich her pfeifen, wie selbstverständlich ins Auto steigen, Motor anlassen und ohne rot zu werden die Kolonne rechts überholen, zuvorderst auf dem Platz eine 180 Grad Wende machen, wo alle zuschauen können, und mit einem Lächeln auf den Lippen davonbrausen. Es hätte ja sein können, dass wir einen Notfall oder es uns doch anders überlegt haben!?

Na ja, eine halbe Stunde später stehen wir dann in Kilboghavn richtig und nicht mehr in Stokkvågen, wo es nur auf die Sackgass-Inseln geht. Der Fähranleger hier ist dann richtig schön, der schönste, den wir bisher erlebt haben. So warten wir auf die Fähre, reden mit anderen Wohnmobilfahrern, die wir schon gestern auf einer Fähre kennen gelernt haben. Es sind immer ungefähr die gleichen Womos auf der gleichen Fähre, alle haben das Ziel Bodø und nachher die Lofoten.

Als wir auf der Fähre sind, nehme ich dieses Mal das grosse Objektiv aus dem Womo, denn wir werden auf dieser Fährfahrt den Polarkreis überfahren und da will ich unbedingt vom Polarkreiswahrzeichen am Ufer ein gutes Foto machen. Es ist gar nicht so einfach, denn es windet extrem stark, wir würden sagen, ein Föhnsturm zieht übers Land. Denn genau so fühlt es sich an, es ist extrem warm, um die 20 – 24 Grad, starker Wind und Föhnwolken am Himmel. Genauso wie zu Hause.

Das Foto gelingt, und Anita und ich sind nun schon zum dritten Mal über dem nördlichen Polarkreis! Irgendwie schon etwas Spezielles. Ab jetzt haben wir vorläufig keine Nacht mehr und die Sonne geht vorerst für uns nicht mehr unter.

Nach einer Stunde sind wir wieder an Land und fahren zur Fähre Nr. 18. Hier landen wir auf Anhieb am richtigen Hafen und sind nach weniger wie einer halben Stunde schon über diesen Fjord.

einer von vielen Stopps

Die Landschaft wird allmählich etwas karger, und als wir später noch einkaufen gehen, merken wir auch, dass die Preise etwas angestiegen sind. Nicht nur beim Diesel, auch bei den Lebensmitteln. Aber wir sind nun schon so weit im Norden, dass sehr vielen hergefahren werden muss und nicht mehr viel Angebaut werden kann.

Der Schnee auf den Bergen kommt immer etwas weiter Richtung Meer hinab und auch der Svartisen-Gletscher sehen wir von der Meereshöhe aus. Wir stoppen viel an den Aussichtspunkten und Rastplätzen, überall gibt es tolle Fotos. Und wir haben es immer noch nicht eilig.

brütender Austernfischer

Anita stellt dann den Blinker nach der Saltstraumenbrücke auf den Parkplatz. Als wir vor 10 Jahren hier waren, hat es geregnet, also einen guten Grund, um nochmals anzuhalten. Wir erwischen um 17 Uhr gerade die Zeit, wo die Strömung unter der Brücke am Grössten ist. Der Fjord «leert» sich und 400 Mio Kubikmeter Wasser strömen ins Meer, nur um drei Stunden später wieder beginnen, zurückzufliessen (Das ist übrigens gleichviel Wasser, wie der ganze Grande Dixence- Stausee im Wallis. Der wird also in 6 Stunden geleert und in den weitern 6 wieder gefüllt). Wahnsinn, so etwas. Es ist die weltweit stärkste Gezeitenströmung und an dessen Ränder bilden sich gewaltige Strudel, die bis zu 10m gross und 4m tief sein können. Extrem eindrücklich. Wir schauen diesem Schauspiel gespannt zu und schwitzen vor uns her, es ist so warm, wie wir es fast nicht mehr gewohnt sind.

Saltstraumen mit Wirbel

Nach knapp einer Stunde fahre ich dann wieder die restliche Strecke nach Bodø, wo wir zuerst noch in den Biltema gehen. (ein grosser Baufachmarkt, wo es alles gibt…) Anita kauft sich dort Wanderhosen (ich habe nix gesagt, kosten nicht mal 30.- CHF. (Outdoorhosen für Damen, Wind- und Wasser abweisend)) und sonst noch ein paar notwenige Kleinigkeiten (z.B. einen Trichter für die Flaschenomeletts).

Danach richten wir uns auf dem Parkplatz am Hafen ein und überlegen uns, was wir machen sollen, jetzt wo es nicht mehr dunkel wird. Wir entschliessen uns, 20 Minuten ins Zentrum zu laufen und dort Fish & Chips essen zu gehen. (Von unserem norwegischen Pizza-Trauma haben wir uns noch lange nicht erholt). Die Stadt soll 42'000 Einwohner haben, aber wo sind die alle? Es ist fast wie ausgestorben, in einigen Restaurants in Hafennähe (Italiener, Thailänder, Chinese, Mexikaner) hat es Leute drin, aber sonst? Bodø ist Kulturhauptstadt 2024 aber irgendwie läuft nicht gerade viel. Und wirklich Charme hat sie auch nicht, immerhin mehr wie Hammerfest (aber das ist auch nicht schwer). Irgendwann finden wir dann Annas Gatekjøkken, wo wir Fish & Chips essen. Was die Essenspezialität Norwegens ist, wissen wir übrigens noch nicht. Nach dem Angebot in den verschiedensten Geschäften, müssten es Hamburger und HotDogs sein…

Wir sind dann um 23 Uhr wieder bei unserem Knutschi und nun muss noch der Blog geschrieben und die Fotos ausgewählt werden. Und dabei müssen wir morgen spätestens um 4:45 Uhr am Fähranleger stehen, denn unsere Fähre geht um 5:30 Uhr.

Gute Nacht am Tag.

Sonnenaufgang: 1:41 Uhr
Sonnenuntergang: -
18 - 24 Grad, windig

236km
4:14h Fahrzeit
55km/h
8.9l/100km

Übernachtung

Bodø - Hafen***
Parkplatz Koordinaten: 67.29329,14.402963
N 67° 17' 35.8"  E 14° 24' 10.7"
letzter Besuch: 6.2024

Lofoteninsel Værøy 6.6.2024

Wie viele Lieblingsinseln darf man haben?

Eines vorweg: wir sind total verliebt in diese Insel! Nicht mal einen Tag haben wir bisher darauf verbracht, aber uns hat es nun schon den Ärmel hereingezogen. Aber der Reihe nach.

Um 4:30 Uhr schellte der Wecker, aber er hätte gar nicht klingeln müssen, ich war schon wach. Um Mitternacht sind wir vom ruhigen Stellplatz am Hafen in die Warteschlange an der Fähre disloziert. Wir dachten, wir sind super schlau und können so eine halbe Stunde länger schlafen. Es war aber keine gute Entscheidung, die Fähre von den Lofoten kam etwas nach drei Uhr an und wurde zuerst entladen und dann beladen. Natürlich musste jedes Fahrzeug noch den Motor aufheulen lassen und der Kühllaster auf der Spur eins machte auch dauernd Lärm, wenn das Aggregat wieder einschaltet. Also insgesamt schlechte Idee.

Als wir dann um 5:30 Uhr auf die Fähre fahren dürfen, sind wir froh, dass es losgeht. Es sind ca. 10 Fahrzeuge in deren Bauch, andere 60 hätten auch noch Platz. Ein schönes Minusgeschäft, allerdings wäre es auch ein Minusgeschäft, wenn sie voll wäre, denn diese Fähre ist kostenlos.

Wir machen uns in den Sesseln bequem und als die Fähre lostuckert, ist das Meer noch schön ruhig. Aber allmählich werden die Wellen stärker, der Wind bläst von hinten, und das Schiff rollt und schwankt immer mehr. Es schwankt manchmal wirklich bedenklich, so etwas habe ich auf Fähren noch nicht erlebt. Darum habe ich Angst um Anita, die mucksmäuschenstill in ihrem sitz eingekullert ist, keinen Wank von sich gibt aber auch nicht auf die Toilette springen muss oder nach einer Kotztüte ruft. Echt erstaunlich. Und dann nach drei Stunden fahrt ist die Fähre im Hafen und Anita kann sogar aufstehen und ist nicht kreideweis im Gesicht. Kurz: ihr ist nur etwas schummrig, aber keinesfalls schlecht. Viel hätte aber nicht mehr gefehlt…

Im Womo ist ihr aber bedeutend wohler und so fahre ich vorsichtig von der Fähre auf die schmalen Strässchen, biege Richtung Norden der Insel ab und muss nach jeder Kurve wieder stoppen. Das Meer leuchtet manchmal türkisblau wie in der Karibik, die Berge haben die typische Lofoten-Form und ringsum viel natur. Nach nicht mal 10 km sind wir beim alten Flugplatz auf der Landepiste angekommen, wir können uns irgendwo auf dem 800m langen und 20m breiten Rollfeld einen Platz aussuchen. Es sind nur zwei andere Womos hier, also Platz zum versauen.

Später kommen dann noch ein paar wenige Womos und einer der Franzosen weiss wieder nichts bessres, wie 3m neben unser Knutschi zu parken. Ich glaube es einfach nicht, warum suchen die Kuschelcamper immer uns aus? Er hätte 700m Platz! Mehr dazu am Schluss des Eintrages.

schon sehr steil

Wir bekommen vorerst aber nichts davon mit, denn wir machen uns auf zu einem kurzen Spaziergang mit Fotoapparat. 500m entfernt gibt es sogar eine Entsorgungsstation, einfach perfekt. Etwas weiter hinten sehen wir einen schmalen Wanderweg, wo führt der wohl hin? Er führt in die Richtung der steilen Fels- und Geröllwand und wir wollen ja nur etwas erkunden. Es wird aber immer steiler und steiler, und wir sind schnell höher und der Ausblick immer schöner. Jetzt können wir nicht mehr drehen, denn wir wollen wissen, wohin der führt.

Es ist steil, sehr steil, und irgendwann erreichen wir einen Sattel mit fantastischem Ausblick auf die Südseite der Insel. Aber es geht noch höher. Und dann kommen wir auf dem Værøyhornet an, wahrscheinlich dem höchsten Berg der kleinen Insel. Ich überlege mir schon, was ich im Blog schreiben werde und bin mir noch unsicher, ob dieser Berg nun 800m hoch ist oder gar die 1000m Marke knackt. Das muss ich unbedingt noch herausfinden.

Gipfel erreicht, wir fühlen uns wie auf einem 4000er

Aber kurz nach dem Gipfel kommt eine Gipfeltafel, wo nur 346m draufsteht. Das kann doch gar nicht sein, die haben vorne sicher eine 1 vergessen. Mist, ist er doch nicht so hoch, wie meine Kondition sich anfühlt?

wurde da eine 1 vergessen?

Egal, gerade als wir oben sind, drückt die Sonne durch und Anita und ich machen eine lange Pause und geniessen einfach diesen tollen Ausblick. Es ist wahnsinnig schön und genau darum sind wir Fan von Skandinavien und seit heute Fan der Insel Væroy.

Beim Abstieg müssen wir dann etwas aufpassen, denn die Beine schmerzen schon ein wenig und auch die Kehle ist ziemlich trocken. Für den Spaziergang haben wir nämlich nicht mal einen kleinen Rucksack mitgenommen. Beim Abstieg sehe ich dann meinen Kuschelcamper das erste Mal und ich rege mich fürchterlich auf. Ich bin schon vorher nicht gut auf die Franzosen zu sprechen, und heute erst recht nicht.

Allerdings geniessen wir dann beim Womo trotzdem die immer wieder hervorschauende Sonne, Wärme wäre zu viel gesagt, es sind nur 9,4 Grad. Aber das Wetter soll auf den Abend noch besser werden und wir haben von hier einen tollen Ausblick auf die Mitternachtssonne, die wir heute hoffentlich in voller Pracht sehen können.

Anita uf Vogelpirsch (vom Liegestuhl aus)

Wir sitzen draussen, philosophieren, Anita strickt und wir geniessen die Zeit, denn es ist erst 14 Uhr und wir haben unser Tagespensum schon erfüllt. Richtig Ferien. Anita meint plötzlich: «Sollen wir die Fähre auf die Lofoten wirklich erst morgen nehmen oder schon heute Abend?» Ich verneine vehement, denn diese Ruhe an so einem schönen Ort haben wir uns verdient, und den morgigen Tag grad auch noch, denn die Fähre Richtung Moskenes legt morgen erst um 22 Uhr ab.

Der Wohnmobilfahrer

Der Wohnmobilfahrer ist ein Herdentier, überall wo es Wohnmobilfahrer hat, gesellen sich andere dazu. Jeder sagt aber, er wolle individuell und allein in der Natur stehen. Aber wirklich den Mut hat er dann doch nicht. Und er hat noch ein Prinzip: möglichst sein Hirn nie benutzen.

Hier gibt es das besagt grosse Rollfeld, perfekt gelegen, riesig, jeder kann allein stehen, top -Aussicht aufs Meer und die Berge und von der Gemeinde explizit erwünscht, dass hier übernachtet wird und nicht an einem anderen Ort. Entlang des Rollfeldes führt eine schmale Strasse 500m weiter zu einem Wanderparkplatz. Auf dem Rollfeld stehen 5 Womos, auf dem kleinen Wanderparkplatz 8, Seite an Seite und so, dass die normalen Benützer dieses Parkplatzes gar nicht mehr parken und danach wandern können. Auf der schmalen Strasse gibt es meerseitig zwei Ausweichbuchten, und genau dort parken weitere Wohnmobilfahrer ihr Gefährt am liebsten.

Warum ist das so? Warum haben Wohnmobilfahrer kein Hirn? Wollen sie sparen oder sind sie so arme Kerle, dass sie sich die 15 € Übernachtungskosten nicht leisten können? Man weiss es leider nicht, aber das sind wohl Gründe, warum der natürliche Lebensraum der Wohnmobilfahrer immer mehr eingeschränkt wird und sie bald nur noch in einem Zoo gehalten werden können. Selbst schuld!

Ach ja, mein Kuschelcamper hat jetzt seinen Motor gestartet und ist weggefahren. Wohin will der denn noch in um diese Zeit? 15 € sparen?

Nachtrag: seit der Franzose weg ist, habe ich plötzlich schnelles Internet. Hat dieser in der Pampa hier wohl noch den TV gestreamt, um mich einfach noch hässiger zu machen?

Vorwarnung

Morgen kommt der Blogeintrag wieder spät, weil wie geschrieben, die Fähre erst um 22 Uhr ablegt.

Sonnenunter und Aufgang: -

20km
23km/h
0:52 h Fahrzeit
11.1 l/100km

Übernachtung

Væroy - Flugfeld Nordlandshagen*****
frei Koordinaten: 67.68819,12.672377
N 67° 41' 17.5"  E 12° 40' 20.6"
letzter Besuch: 6.2024

Adieu Værøy 7.6.2024

zittern um die Fähre

Måstad

Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem voraussichtlichen Tag ohne Stress werde ich morgens, nachdem Anita aufgestanden ist, schon etwas barsch angemotzt: «Mann, warum hast du die Bananen die ganze Nacht an der Sonne liegen lassen?» Wir schauen uns an und müssen lachen. Tönt doch irgendwie gut, oder?

Wir haben heute eine kleine Wanderung auf dem Programm, dazu chillen und dann abends ginge eine Fähre von der Insel auf die Lofoten. Das heisst, es ist heute die einzige Fähre, die diesen Weg macht und morgen gar keine. Und im Internet wird angezeigt, dass diese eine Fähre ausgebucht ist! Schöner Mist. Sind wir gestrandet auf Værøy? Denn auch Sonntag und Montag sind die Fähren ausgebucht, das einzige was wir kriegen können, ist eine Fähre morgen zurück nach Bodø, von dort sind wir hergekommen und es ist nicht unbedingt unsere Traumroute dorthin zurück zu fahren.

Aber da wir morgens dagegen doch nichts machen können, geniessen wir die Ruhe, den Ausblick, das Meer und die Berge. Gegen Mittag verlassen wir dann den Platz Richtung Hafen, es sind ja nicht mal 10km und erkunden uns, wo wir da eventuell abfahren könnten. Es gibt drei Spuren, eine für reseservierte Buchungen, eine nach Bodø, eine nach Moskensen. Die zwei ersten genannten kommen für uns nicht in Frage, also müssen wir die dritte Spur nehmen und da möglichst früh dort sein, damit wir möglichst weit vorne warten können und dann möglichst noch auf der Fähre Platz finden. Aber jetzt um 12 Uhr ist es schon noch etwas gar früh.

Also drehen wir und fahren nochmals ganz wenige Kilometer zu einem Wanderparkplatz. Dort steigen wir in unsere Wanderschuhe, packen Rucksack (ohne Getränke, wir lernen nicht dazu) und wandern los den Berg hoch. Ziel ist der Berg Håen, mit 438m.ü.M. der zweithöchste Gipfel. Tönt gut, die Wanderung ist aber ein Kinderspiel, denn es gibt sogar eine asphaltierte Militärstrasse zur Radarstation auf dem Gipfel. Man darf nicht hochfahren, muss also laufen.

Die Wanderung ist nicht speziell, aber die Aussicht! Immer wieder müssen wir stoppen, den Fotoapparat zur Hand nehmen und ein Foto vom Inseldorf vor dem Meer eingebettet in den Bergen machen. Wir machen die gleichen Fotos beim Abstieg wie auf dem Anstieg. Vielleicht haben wir ja eines vergessen? Und bei diesem blauen Himmel darf man das sicher machen.

Auf dem Gipfel vorbei an der Radarstation und der Blick Richtung Süden ist einfach gewaltig! An der Insel hängt da noch die Halbinsel Måstad. Jeder Meter lohnt sich nur schon wegen dieser einen Aussicht.

Wir geniessen den Gipfel an der Sonne, aber wirklich warm ist es nicht. So marschieren wir zurück runter zu unserem Knutschi und fahren wieder zurück ins Dorf. Dort stoppen wir beim Coop (gegenüber entsteht gerade ein neuer Stellplatz inkl. Entsorgung) und gehen einkaufen. Wir brauchen nichts, haben Zeit und Hunger. Also kaufen wir nur Dinge, die wir nicht kennen und eigentlich auch nicht unbedingt gesund sind, aber einfach lecker aussehen. Rosarotes Berlinerherz, Berliner mit Vanillefüllung, norwegische Cremeschnitten, das grösste Glacé, Schokocréme, Bamse Mums (Süssigkeiten, wo es in jedem Laden das grösste Verkaufsgestell gibt) und dann überlegen wir, welchen Fisch wir kaufen sollen. Wir sind uns uneinig, ob es die Fischstäbchen von Findus sein sollen oder… (das war ein Witz…)

Retourweg

Danach fahren wir zum Fähranleger und sind auf der Spur nach Moskensen immerhin das dritte Fahrzeug. Wir machen es uns an der Sonne gemütlich, bearbeiten die Fotos, essen ungesundes Zeugs und sind einfach glücklich. Etwas später reden wir mit anderen Wohnmobilisten und vertreiben uns die lange Zeit von 4 ½ Stunden. Aber wir wollen nicht riskieren, dass wir dann das letzte Fahrzeug sind, das nicht auf die Fähre darf.

Im laufe der Zeit kommen immer mehr davon, viele Wohnmobile, Lastwagen. Schlussendlich stehen über 30 Fahrzeuge hier und von denen sind nur vier auf der Spur der Reservationen. Etwas angespannt sind wir nun doch!

Die Fähre hat etwas Verspätung, legt präzise an und die Fahrzeuge verlassen das Schiff. Als das letzte Fahrzeug an Land ist, sehe ich, dass die grosse Fähre nun leer ist und da haben locker alle wartenden Fahrzeuge nun Platz. Wir hätten also auch erst kurzfristig anfahren können.

Für alle Wohnmobilfahrer, die die Fähren auf den Lofoten benützen wollen, veröffentliche ich am Sonntag einen speziellen Bericht. Ich habe jetzt nämlich Infos von Fährarbeitern und der Schifffahrtsgesellschaft, die ich vorher nicht hatte und wie man Geld sparen kann und dennoch keine Angst haben muss, vor einer vollen Fähre zu stehen.

die Lofoten unter der Mitternachtssonne

Als wir auf der Fähre loslegen und Richtung Osten fahren, können wir nochmals einen Blick auf unsere Insel Værøy werfen, Ein Besuch, der sich unbedingt lohnt und wir jederzeit wieder machen werden. Sie ist bei unseren Lieblingsinseln ganz weit oben.

Noch ein Tipp: es fliegt täglich ein Helikopter in 20 Minuten von Bodø nach Værøy und zurück. Das ist mal ÖV !!! Der Flug kostet pro Person 1200 NOK (100 CHF), wo kann man so lange so günstig mit einem echten Helikopter fliegen?

Aber nun steuert unser Schiff den Hafen in Moskensen an und damit ins Herz der Lofoten. Wir sehen die ganze Inselgruppe unter der Mitternachtssonne, ein Wahnsinn!

Ausblick von unserem Übernachtungsplatz

Nach der Ankunft fahren wir 10 Minuten nach Reine und stellen weit nach Mitternacht unser Knutschi auf dem Stellplatz im Hafen ab, draussen ist es hell, Abendrot, dass fliessend ins Morgenrot hinübergeht. Die Sonne sehen wir aber nicht mehr, die ist hinter den Bergen verschwunden.

Ach ja, wusstet ihr, dass die Nordseite der Lofoten mehr Sonnenstunden hat wie die Südseite? Die Nordseite hat um Mitternacht auch Sonne, die Südseite liegt im Schatten und Mittags haben beide Seiten Sonne, da die Sonne viel höher steht.

Sonnenunter und Aufgang: -

90km
2:06 h Fahrzeit
43km/h
9.0 l/100km

Übernachtung

Reine - Hafen***
Stellplatz

gute Entsorgung, schöne Lage

Koordinaten: 67.93510,13.097344
N 67° 56' 6.4"  E 13° 5' 50.4"
letzter Besuch: 6.2024

Reinebringen 8.6.2024

1974 Steinstufen, die sich lohnen

gwaltige Aussicht vom Reinebringen

Als wir morgens die Verdunkelungen öffnen, scheint uns die Sonne direkt ins Gesicht. Was für einen Anblick aus dem Hafen von Reine quasi mitten ins Herz der Lofoten. Strahlend blauer Himmel, aber so wirklich warm ist es dann doch nicht. In windgeschützten Ecken und an der Sonne ist es schön warm, an der Sonne und nicht windgeschützt sind es 14 Grad. Wir werweissen, ob wir den geplanten Aufstieg auf den Reinebringen mit kurzen oder langen Hosen in Angriff nehmen. Ich entscheide mich für kurze, Anita für lange. Aber im Rucksack kommen auch noch Ersatzwäsche und warme Jacken mit, man weiss ja nie.

Der Reinebringen Aussichtspunkt ist ein erster kleiner Gipfel mit einer Höhe von 448m und bietet einen gewaltigen Ausblick auf das Dörfchen, die umliegenden Berge und das Meer. Der eigentliche Gipfel ist dann noch etwa 200m höher, was dann nicht mehr viele ersteigen, auch wir nicht. Viele typische Fotos von den Lofoten wurden von diesem Aussichtspunkt aus geschossen. Und so ein Foto wollen wir auch.

steil, sehr steil

So starten wir gut gelaunt und gut ausgerüstet mit Rucksack beim Stellplatz am Hafen. Zuerst sind es 2.8km flach der Strasse entlang zum Aufstiegsstart des Wanderweges. Es sind schon ziemlich viele Wanderer unterwegs, und nicht nur Touristen. Auch viele Norweger besteigen den Berg heute Samstag bei diesem tollen Wetter. Man erkennt sie jeweils sofort, die Männer meistens oben ohne (bei dieser Hitze) und die Frauen zu zweit laut redend, während dem alle anderen nur schnaufen und hächeln.

Wir sind dann doch etwas erstaunt, der gesamte Aufstieg besteht nur aus steinernen Treppenstufen, ziemlich hohe dazu und ganz unregelmässig. Nach Webseite des Tourist-Infos sind es 1974. Es ist steil, sehr steil und anstrengend. Aber das sieht man schon von unten.

So steige ich in einem langsamen Tempo die Treppenstufen vor Anita hoch. Im ersten Viertel werden wir dauernd überholt aber dann plötzlich ab der Mitte überholen wir alle wieder. Die meisten Wanderer steigen viel zu schnell hoch und müssen dann alle paar hundert Stufen eine Pause machen. Auch wir machen zwischendurch Pause, aber dank des langsamen Tempos nur drei Stück und so sind wir dann nach 55 Minuten (nur der Aufstieg) vor allen andern oben, die uns überholt haben. (NorwegerInnen zählen nicht, denn die rennen nach oben.) Auf der Infotafel unten steht, dass die Wanderung bis nach oben zwischen 1 und 2 Stunden dauert. Wir sind also ein bisschen stolz und ich muss Anita ein Kompliment machen, top-Leistung!

geschafft

Bevor oben ein Foto geschossen wird, ziehen wir ein trockenes T-Shirt an und unsere warmen Jacken. Es zieht gewaltig und hat wahrscheinlich keine 10 Grad. Und in verschwitzen Kleidern da oben haben wir keine Lust, uns zu erkälten. Erst als wir schön warm eingepackt sind, bewundern wir die Aussicht. Es ist gewaltig, jede einzelne Stufe hat sich gelohnt. Sogar das Fotostativ habe ich hinaufgeschleppt, damit ich eine Langzeitbelichtung von der Landschaft machen kann. Hat sich aber nicht wirklich gelohnt, denn bei diesem Wetter kann man auf den Fotoapparat drücken, wo man will, die Fotos werden immer gut.

Wir bleiben fast eine Stunde oben und geniessen nur. Es kommen immer mehr Wanderer oben an und es ist bald eine kleine Völkerwanderung auf dieser Steintreppe. Unten hat es mehr Verkehr wie oben, denn ich glaube, dass viele wieder umdrehen. Wir haben da Gestalten gesehen, die nach 100 Stufen schon total am Limit waren. Dabei, wenn man schön langsam aber stetig eine Stufe an der anderen nimmt, ist es kein Hexenwerk. Technisch anspruchsvoll wäre anders.

Hinunter geht es dann einfacher und ist gar nicht so schlimm, wie ich es mir im Aufstieg vorgestellt habe. In 35 Minuten sind wir unten (wir haben die Zeiten nicht gestoppt, aber Anhand der Fotos waren diese leicht auszurechnen).

Nur die letzten fast zwei Kilometer bis zum Stellplatz wollen nicht enden und die Oberschenkel brennen schon etwas.

Im Knutschi müssen wir uns von der Wanderung und den Eindrücken zuerst etwas erholen und machen ein kleines Schläfchen, während ein selbstgemachtes Brot im Backofen gute Düfte verbreitet. Schliesslich sind wir auch erst heute weit nach Mitternacht ins Bett gekommen.

Danach fühlen wir uns wieder besser, räumen auf und machen unser Womo reisefertig. Bei der Entsorgungsstation füllen wir Wasser, Entleeren und beseitigen unseren Abfall.

Danach fahren wir mit dem Womo nach Å an den äussersten Spitz der Lofoten zurück. Auf den Stell- und Campingplätzen sind 100er Womos abgestellt und an jedem freien Parkplatz steht mindestens eines. Man könnte meinen, die gesamte Womowelt ist aktuell in den Lofoten unterwegs. Aber das haben wir gewusst, und darum sind wir weder überrascht noch enttäuscht.

Å

Vom Parkplatz in Å bis ins Zentrum des kleinen Fischerdörfchen sind es dann etwa 400m und dort läuft absolut nix. Wo sind denn alle die Touristen hin? Und das an einem Samstag Nachmittag, 16 Uhr? Wir haben die roten Häuschen für uns alleine, machen Fotos und wollen dort im einzigen Restaurant etwas Essen, Fisch wäre angebracht hier. Aber nicht mal im Restaurant bekommen wir etwas zwischen die Zähne, sie schliessen das Mittagsmenu um 15 Uhr und beginnen mit dem Abendmenu erst um 18 Uhr. Also machen sie mit uns jetzt kein Geschäft, aber zwei Stunden warten, ist dann für uns doch zu viel.

Also zurück zum Knutschi und dann fahren wir gemütlich in die andere Richtung los. Überall stehen Womos, aber auf der Strasse und in den Dörfern ist irgendwie wenig los. Wir geniessen die Fahrt durch die Inselgruppen und stoppen für viele Fotohalte. Nach 60km stellen wir den Blinker und folgen einem Wegweiser zu einem Campingplatz, der 10km entfernt sein soll und auf der Nordseite der Insel liegt. Wir wollen auf der Nordseite übernachten, damit wir die Mitternachtssonne geniessen können, die Südseite liegt dann meistens im Schatten der Berge.

Nach 5km kommt auf der schmalen Strasse ein Womo entgegen und macht uns Zeichen, dass der Campingplatz voll ist. Wenigstens interpretieren wir sein Handzeichen so. Also drehen wir um, denn wir haben einen Kilometer vorher einen tollen Freistehplatz gesehen, der direkt am Meer liegt. Und er ist wirklich super toll! Schnell entschliessen wir, hier unser Nachtlager aufzubauen. Wir stehen etwas im Wind, aber mit draussen Sitzen ist es für uns sowiso nichts. Die Sonne scheint vom Himmel aber unser Aussenthermometer gibt nur 11 Grad an. So sitzen wir im warmen Knutschi, schauen auf das tiefblaue Meer hinaus und sind glücklich.

Sonnenunter und Aufgang: -

90km
9.0 l/100km
2:06 h Fahrzeit
43km/h

Übernachtung

Bøstad - Motorsport Senter****
frei Koordinaten: 68.26694,13.762831
N 68° 16' 1"  E 13° 45' 46.2"
letzter Besuch: 6.2024

kostenlose Lofoten Fähren 9.6.2024

Ein paar Tipps

Um die Lofoten zu besuchen, muss man nicht unbedingt mit einer Fähre übersetzen, man kann alles auch direkt fahren. Aber es gibt je nach Reiseroute wichtige Fährverbindungen auf die Lofoten. Die Bekannteste und längste ist Bodø – Moskenes. Richtung Norden fährt man in Bodø drauf, Richtung Süden in Moskenes. Viel liest man, dass diese Fähren schnell ausgebucht sind und manchmal tagelange Wartezeiten gibt, die Kapazitäten dieser Fähre reiche einfach nicht. Versucht man auf der Webseite torghatten.no diese Fähre zu buchen, muss man zur Hauptsaison meistens wirklich tagelange Wartezeiten in Kauf nehmen oder vorher buchen. Aber: eigentlich kann man Inland-Fähren in Norwegen gar nicht vorbuchen! Es gibt einige wenige Ausnahmen und einer diese Ausnahme ist die genannte Strecke. Aber zur Info: die Fährgesellschaft gibt auf dieser Strecke nur 50% der zur Verfügung stehende Plätze zum Buchen frei. Wenn die Fähre also ausgebucht ist, ist sie nur zur Hälfte gebucht und die andere Hälfte wird an die Spontanfahrer vergeben. Wenn man etwas früher am Hafen ist, hat man also sehr gute Chancen, trotzdem auf der Fähre Platz zu finden. Die Vorausbuchung ist übrigens teurer, wie wenn man spontan fährt und ist nur über die Webseite der Fährgesellschaft möglich ! Man kann also durch ganz Norwegen problemlos ohne Buchungen fahren, auch auf die Lofoten.

Hat man gebucht, muss man mindestens 45 Minuten vor Abfahrt am Anlieger sein, sonst verfällt die Buchung und man muss dort in die Spuren 1 - 3 «Reservert felt» warten, die nicht gebuchten fahren normal in Linie 1 - 3. Es ist darauf zu achten, immer zuerst Linie 1 zu füllen und dann Linie 2 zu beginnen und so weiter. Es wird dann auch genau so auf die Fähre gefahren, wer also zuletzt am Fähranlieger ankommt, fährt auch zuletzt auf die Fähre. Da sind die Norweger sehr pingelig und wehe, man drängt sich da vor!

Fährhafen Bodø

Die gebuchte Fähre auf dieser Linie kostet für ein Wohnmobil bis 8m aktuell 1761 NOK (ca. 150 CHF). Die spontan-Reisenden bezahlen übrigens nur 1211 NOK ( 102.- CHF).

Es gibt auch die kostenlose Variante über die Insel Værøy oder Rest an die oben erwähnte Zielhäfen zu fahren. Dann bezahlt man gar nichts. Die besten Routen sind die Direktfähren nach Værøy. Dort kann man anderntags weiter fahren und auf dem alten Flugfeld übernachten, die Insel geniessen (lohnt sich), wandern oder sogar Papageientaucher beobachten. Diese Strecken sind übrigens noch schneller «ausgebucht», aber auch kein Wunder, denn die Fährgesellschaft gibt dort nur 30% der Plätze für die Vorausbuchungen frei! Also auch hier, wenn auf der Webseite erscheint, dass die gesuchte Fähre ausgebucht ist, kann man trotzdem drauf.

Man muss aber etwas aufpassen, diese Fähren fahren nicht im Takt und auch nicht jeden Tag. Und zum Teil könnten es ziemlich lange Fährfahrten sein, wenn die Fähre noch Zwischenhalte macht. Wenn man z.B. Bodø – Værøy gebucht hat, die Fähre aber in Moskenes einen Zwischenhalt macht, darf man dort nicht vom Schiff und muss die nächste Etappe auch fahren. Auf diesen Strecke darf man nicht im Fahrzeug bleiben.

Die anderen Verbindungen auf die Lofoten Svolvær – Skutvik (ebenfalls kostenlos, 30 Minuten) oder Lødingen – Bognes (ca. 57 CHF, eine Stunde) können nicht vorgebucht werden. Dann kommt man dran, wenn man an der Reihe ist. Ist doch irgendwie auch viel gerechter…

Noch ein Hinweis: wenn die Fährstrecke über 20 Seemeilen betrifft, darf man nicht im Fahrzeug bleiben, sondern muss das Deck mit den Fahrzeugen verlassen. Ebenso muss man bei nicht gebuchten Fähren am Hafen einen QR-Code mit Handy scannen und dort auf der Webseite die Reisenden mit Namen, Geburtsdatum und Nationalität registrieren. Hat man dies gemacht, erhält man sofort einen QR-Code als Bestätigung, den man beim Beladen der Fähre dem Kontrolleur zeigen muss. Ohne diesen Code kann man nicht auf die Fähre. Das betrifft vor allem die Fähren auf der Strecke Bodø - Røest - Værøy - Moskenes, da dort einzelne Strecken länger sind.

Externe Links

Teure Klatreburger 9.6.2024

im Venedig des Nordens

gelohnt haben sie sich aber doch

Morgens erwache ich mit schmerzenden Beinen, ich habe extremen Muskelkater in den Beinen, Anita geht es nicht besser. Das kommt von den fast 2000 Treppenstufen hinunterlaufen gestern, da muss man kein Doktor sein, um das heraus zu finden. Also genau das richtige für ein Eisbad bei schönstem Wetter. Also mache ich mich bereit und steige zum Meer hinab und steige doch tatsächlich in das saukalte Wasser. Also ich so drin stehe, kommt mir in den Sinn, dass ich ein riesen Glück habe: ich habe ja nur Muskelkater in den Waden, warum also tiefer ins Wasser? Genützt hat es leider schlussendlich dann doch nichts.

Fast etwas wehmütig verlassen wir erst gegen Mittag den Platz, wo wir gestern Nacht die tolle Mitternachtssonne ohne Wolken erlebt haben. Es war einfach ein sehr erhabenes Gefühl. Auch heute Morgen ist das Wetter kitschig: strahlend blau. Allerdings zu Begin auch noch recht frisch, die Temperatur steigt nur allmählich von morgens 11 Grad auf nachmittags 20 Grad.

Wir entschliessen, uns heute keine Landschaftsbilder auf dem Blog zu zeigen, sie wirken zu kitschig bei diesem Wetter! Und weil wir die Sonne im Rücken haben, sehen wir vor uns türkisblaues Meer, grüne Felder, leuchtende Berge und blauer Himmel in den kräftigsten Farben.

auf dem Weg, wieder einmal eine Brücke

Wir kommen wieder einmal nicht vom Fleck, an jedem Rastplatz wird gestoppt. Dann sehen wir einen Wegweiser nach Henningsvær. Da war doch mal was? Das ist doch die schöne Ortschaft, wo alle hin wollen und wo es aussen auf den Klippen ein Fussballplatz gibt? Also Blinker stellen und die paar Kilometer Richtung Dorf fahren. Bei der Einfahrt vor dem Dorf gibt es einen grossen Parkplatz mit einigen Wohnmobilen. Auf einem sind 2 Stunden kostenlos, aber danach muss man gehen und auf dem anderen kostet die Zeit etwas, kann aber so lange bleiben, wie man will. Wir bezahlen per App auf dem Zweiten zwei Stunden, falls wir länger im Dorf bleiben, können wir im App online verlängern.

So müssen wir 500m über eine geschwungene Brücke zum Dorfeingang marschieren, wo es ebenfalls einen engeren Parkplatz gibt. Die Frage, die sich uns nun stellt: warum muss man mit einem grossen Wohnmobil ins Dorf fahren, dort mehrere Parkplätze belegen und so den PW’s und auch den Einheimischen die Parkmöglichkeiten blockieren? Und warum muss man mit den selben grossen Wohnmobilen das Dorf durchqueren und auf Glück hoffen, irgendwo einen kleinen Parkplatz zu finden, wo man dann kostenlos übernachten kann? Und wenn nicht, was meistens der Fall ist, wieder umdrehen und nochmals durchs Dorf fahren? Und das bei allerschönstem Wetter an einem Sonntag, wo es auch viele Norweger im Dorf hat? Warum wundert man sich, wenn die Einheimischen momentan nicht so gut auf die Wohnmobile zu sprechen sind? Wir lassen die Antworten offen, müssen aber einfach den Kopf schütteln, was wir da innerhalb zwei Stunden gesehen haben.

Henningsvær

Wir schütteln etwas später auch den Kopf, weil wir eigentlich Fisch essen gehen wollen aber im Fischrestaurant kann man nur drinnen sitzen. Jetzt, bei 20 Grad an einem Sonntag an der Sonne? Wann kann man dann draussen sitzen? Heute drinnen essen ist nichts für uns, also schlendern wir etwas später zum Klatrekaféen, sitzen direkt an die Hafenmole an die Sonne und bestellen an der Theke den Klatreburger. Etwas erstaunt sind wir dann schon, als es umgerechnet mit den Getränken um die 65 CHF kostet. Allerdings sind wir hier im Venedig des Nordens quasi am Markusplatz, dem besten Platz des Ortes. Am richtigen Markusplatz kostet ein grosser Cappuccino auch 15 € und da haben wir lieber die wirklich sehr, sehr guten und grossen Klatreburger bei freundlichem Personal als 4 Cappuccini. Der Ausflug und das Essen haben wir echt nichts auszusetzen. Und ich gebe es zu, der Titel dieses Beitrages ist schon etwas reisserisch, aber ich brauche noch Leser…

Lofoten-Kathedrale

Genau nach zwei Stunden (es hätte auch der Gratisparkplatz gereicht) fahren wir mit unserem Knutschi weiter und es geht so weiter, wie es begonnen hat: bei jedem Rastplatz ein Stopp mit Fotos. Irgendwann sind wir dann in Fiskebøl am ferjekai. Die Fähre wartet wieder fast auf uns und so setzen wir nach Melbu auf der Vestraleninsel Hadseløya über. Auf dieser Insel soll es ziemlich viele Elche geben. Wir wollen heute Nacht auf Elchjagd.

Nun warten wir an einem super schönen Übernachtungsplatz auf die Nacht, ähh, auf den Teil des Tages, wo die Sonne etwas tiefer steht.

Von der Jagd auf Elche berichte ich später…

wann kommen die Elche?

Ach ja, wir revidieren unser 10 jähriges Urteil über die Lofoten! Die Lofoten sind superschön und die muss man gesehen haben!

Sonnenunter und Aufgang: -

129km
3:07 h Fahrzeit
41km/h
8.6 l/100km

Übernachtung

Hadseløya - Yttersida****
frei Koordinaten: 68.55582,14.619883
N 68° 33' 21"  E 14° 37' 11.6"
letzter Besuch: 6.2024

Elche 10.6.2024

Auf den Vesterålen

Das (wahrscheinlich) Weibchen nahe an der Strasse

Wir haben heute extra einen Übernachtungsplatz im Wald gewählt, und zwar dort, wo es auf der Inselgruppe Elche haben soll. Diese Information haben wir von Conny und Sirko, die ihren nordlandblog.de betreiben. Sie sagen, dass man im Nordwesten der Insel Hadseløya jeweils ziemlich sicher Elchsichtungen machen kann. Und wo schlafen wir heute? Klar im Nordwesten der Insel.

Vorgängig habe ich mich bei einem Safari-Anbieter auf der Insel ein paar Auskünfte über seine Elchtour geben lassen, weil wir dachten, wenn wir mit so einem Tour-Anbieter Nachts geführt gehen, sehen wir sicher Elche. Die Antwort auf mein Mail war aber irgendwie ernüchtern und wir hatten das Gefühl, da geht es nur ums Geld. Also haben wir wegen unserem Bauchgefühl nicht zugesagt und versuchen es nun selber. (Wir können nichts Schlechtes sagen, weil wir die geführte Tour nicht probiert haben).

Wir warten bis 22:30 Uhr und dann machen wir uns voll professionell zu Fuss auf den Weg. Dunkle Wanderhosen, dunkelgrüne Jacken, so dass wir überhaupt nicht auffallen und wir sind bewaffnet mit Fotoapparaten. Wir haben keinen Plan und laufen einfach drauflos. In jeder Waldlichtung könnten Elche sein, meinen wir, aber wir sehen nix. Immerhin fotografieren wir einen Vogel mit sehr langem Schnabel, der einen riesigen Krach macht und uns alle Elche verscheucht. Also in die andere Richtung. Plötzlich hören wir etwas rascheln und als wir uns anpirschen, hoppelt ein Hase weg… Er ist aber zu schnell für unsere Fotos.

Wenig später finden wir einen vertrocknen Dunghaufen, ist das einer eines Elches? Dass muss einer sein (wie wir später herausfinden, lagen wir meilenweit daneben), es sind also welche in der Nähe. Wir legen uns auf die Lauer, aber nix, eine Stunde später sind wir enttäuscht wieder beim Womo. Die Elche lachen sich wahrscheinlich schlapp über uns. Hätten wir doch eine Tour buchen sollen?

eine Familie? Gibt es Elch-Familien?

Aber so schnell geben wir nicht auf. Wenn es zu Fuss nicht klappt, fahren wir jetzt mit unserem Knutschi. Wir wollen 10km fahren, dann drehen und wieder zurück. In diesem Gebiet soll es eben Elche haben.

Ich fahre langsam die Strasse entlang, (es gibt noch Jogger um diese Uhrzeit und andere Spaziergänger, aber praktisch keine Autos). Anita bewaffnet mit Fotoapparat späht sie rechts und links in den Wald, ich auf die Strasse ob vielleicht weiter vorne einer die Strasse überquert.

Männchen mit wachsendem Geweih

Nach vier Kilometern höre ich Anita «döt! döt!» (für Nicht-Schweizer: das Schweizerdeutsche Wort für «dort»). Und tatsächlich, ich fahre noch ein paar Meter vor und wir sehen drei Elche in der Abendsonne unser Knutschi bewundern. Sie sind vielleicht 50m weg und alle drei starren zu uns. Ich stelle den Motor ab, Anita macht Fotos. Wir stehen vielleicht zwei Minuten so da, die Elche überlegen, was sie machen sollen und wir schiessen ein Foto nach dem andern und freuen uns wie kleine Kinder. Der kleinste der Elche entscheidet dann, dass es ihm unangenehm wird und trottet in den Wald, die andern zwei folgen ihm dann schnell. Und weg sind sie, keine Chance, sie noch zwischen den Bäumen zu sehen.

Wir fahren langsam weiter, weil wir hier nicht drehen können und die vorgenommenen 10km noch nicht zu ende sind. Kaum zwei Kilometer später steht ein Riesenviech direkt neben der Strasse und starrt uns an. Wow, was für ein Anblick! Der Blickkontakt geht vielleicht wieder 45 Sekunden und dann springt er ziemlich schnell und irgendwie schwerfällig in den Wald. Wow! Anita hat alles auf Film, das heisst, auf der Speicherkarte!

Wir können es kaum fassen und auf dem Rückweg sehen wir leider keinen mehr. Aber wir überlegen schon, ob wir morgens um drei diese Fahrt nochmals machen sollen. Als wir aber bei unserem Übernachtungsplatz wieder ankommen und die Fotos sichten, sind wir super zufrieden. Besser kann man sie gar nicht treffen, also können wir den nächsten Ausflug sparen und ins Bett.

Was für ein Tag!

Wir sind noch insgesamt 20km gefahren.

Externe Links

Keine Hurtigrute 10.6.2024

Schiffahrt fällt ins Wasser

Die Tickets für dieses Schiff hatten wir schon für die Hinfahrt

Nach unserer erfolgreichen Elchfahrt schlafen wir wieder etwas länger und weil das Wetter heute noch hält und schön bleibt, wollen wir etwas spezielles machen. Wir wollen mit dem Hurtigruten-Schiff von Stokmarknes nach Svolvær fahren. Die Hurtigruten Postschiffe sind legendär und schon seit 1893 gibt es diese Verbindung zwischen den norwegischen Küstengemeinden. (Hurtigrouten -> hurtige Route -> schnelle Verbindung) Für einige norwegischen Dörfer ist diese tägliche Verbindung der einzige Nabel zur Aussenwelt. Und so etwas wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Die Tickets kann man online kaufen und da mühe ich mich durch die norwegische Seite, bis ich endlich für heute zwei Tickets auf der Südroute für zwei Personen habe, Abfahrt 14:30. Und dann brauche ich noch zwei Tickets auf der Nordroute für die Rückfahrt von 21:30 Uhr in Svolvær. Fast alles klappt, nur das Datum stimmt nicht, Rückfahrt am 11. Juni. Heute ist aber der 10. Und etwas später realisiere ich dann, dass heute gar kein Schiff auf der Nordroute in Svolvær ablegt. Ich meinte, die Schiffe fahren täglich? Nun merke ich, es heisst fast täglich, ausgerechnet heute aber nicht. Mist, diese Fehlplanung muss ich auf meine Kappe nehmen und die schon ausgegebenen 70 € für die Hinfahrt abschreiben. Wir haben schon blöder Geld ausgegeben, meint Anita. (Allerdings, was kann blöder sein wie für nix zahlen?)

So, Hurtigrutenfahrt fällt ins Wasser, was machen wir jetzt? Anita will weiter auf Entdeckungen, ich sehne mich nach etwas Ruhe. Irgendwie war ich immer etwas angespannt, jeden Tag weiter, jeden Tag irgendeine Attraktion, jetzt brauche ich mal Pause. Bisher konnten wir immer Plan A verfolgen, brauchten weder Plan B noch Plan C. Und heute wo ich keinen Plan B, C, D oder E habe, fällt Plan A ins Wasser.

Ich weiss, dass irgendwo auf den Vesterålen Schweizer Auswanderer einen wunderschönen Campingplatz betreiben. Das wäre doch genau das richtige. Ausruhen am Meer. Ich suche etwas und schon ist das Navi nach Myre programmiert. Wir müssen nicht so weit fahren und kommen schon am Mittag auf dem wunderschön gelegenen Campingplatz Oppmyre an. Sarah und Marco zeigen uns alles und wir stehen direkt am Meer vor einer traumhaften Aussicht. Die beiden haben letztes Jahr diesen Campingplatz gekauft und sind so nach Norwegen ausgewandert. Kein Wunder, hat es darum ein paar Schweizer Womos hier auf dem Platz.

Wir geniessen es, sitzen rum und erholen uns von unseren bisherigen Ferien. Auch Anita findet nun, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wir wäschen unsere gebrauchten Kleider, bei mir dringend nötig, denn ich habe neben dem heutigen Planungsfehler auch einen Packungsfehler gemacht. Ich habe nur zwei langärmlige Pullover mitgenommen, etwas gar wenig für den Norden.

Danach überlegen wir, ob wir noch nach Nyksund fahren sollen und dort Abend essen wollen. Aber schlussendlich lassen wir auch das bleiben und lassen unsere Seele mit Blick auf das Meer baumeln.

Ich merke erst hier so richtig, dass ich immer etwas unter Strom war: sehen wir Elche, ist die Wanderung nicht zu streng, haben wir Platz auf der Fähre, ist der Übernachtungsplatz genug schön und so weiter und so fort. Und auch das kostet Energie, die jetzt aufgebraucht war. Aber nun gegen Abend sind die Batterien mittels Solar schon wieder voll und wir überlegen uns, wie es die nächsten Tage weiter gehen soll. Ziel Nordkap ist und bleibt klar, und giggerig für Neues sind wir auch schon wieder.

Wir geniessen den Campingplatz, schauen der Wäsche beim trocknen zu, sie kann ja die ganze Nacht an der Sonne hängen, machen kurze Spaziergänge und machen sonst einfach nichts.

Der Campingplatz ist übrigens sehr zu empfehlen, eine wirklich tolle Lage. Beim ersten Eindruck sah er etwas kahl aus, aber was sollen schattenspendende Pflanzen hier im Norden, wo jeder Sonnenstrahl genossen werden muss? Vom Campingplatz aus soll man auch Wale im Meer sehen können, darum ist unser Feldstecher in Benutzung, aber ohne dass wir einen sichten. Wäre ja auch zu schön gewesen, wobei, einen springenden Wal vor der Mitternachtssonne ist immer noch möglich…

Sonnenauf- und Untergang: -

79km
1:31h Fahrzeit
7.9 l/100km
51km/h

Übernachtung

Myre - Oppmyre camping****
Camping

tolle Lage, nette Betreiber, gute Ausstattung

Koordinaten: 68.89188,15.085884
N 68° 53' 30.8"  E 15° 5' 9.2"
letzter Besuch: 6.2024

Zwei Däppen unterwegs 11.6.2024

trotzt Regen haben wir es lustig

Manchmal ist es besser, wenn man sich nicht zu ernst nimmt, das Leben ist einfacher. So wie heute. Die Berge sind verhangen, es macht ums Regnen herum und das soll den ganzen Tag so bleiben. Also fahren wir weiter. Zuerst wird entsorgt, das heisst, unser Urintank geleert. Theoretisch, den praktisch hat er sich schon mal teilentleert, als ich das WC öffne. Wir zwei Däpps haben nicht kontrolliert, wann er voll ist und nun ist er total überlaufen. Die letzte, die aufs WC ging, war wahrscheinlich meine Holde Kunigunde, aber gemerkt hat sie nichts. Dabei ist sie unter anderem zuständig, die Füllmenge des Urintanks zu überwachen. Wir haben klare Aufgabenteilung in unserem Womo und Anita wäre zuständig für kochen, abwaschen abtrocknen, Kleider waschen, Kleider trocknen, Dekoration, Einkaufen, Vorräte auffüllen, gute Laune machen, warme Sachen stricken, Innenreinigung, Urintank überwachen, WC-reinigen, nachts alles verdunkeln, Blog auf Fehler überprüfen, Schlafenszeit einhalten, Übernachtungsplatz finden, Wärme im Womo regulieren, Wärme während dem Fahren regulieren, schauen dass ich saubere Kleidung anziehe, Finanzen überwachen, saubere Sonnenbrillen, saubere Fenster, bereite Fotoapparate und aufgeladene Handys. Ich bin zuständig für Planung und fahren.

Und da der Urintank ganz klar in ihr Ressort gehört und sie von ihrem Pflegeberuf viel mehr Erfahrung hat im Urin sauber zusammenwischen, muss gar nicht diskutiert werden, wer nun an der Reihe ist.

Gas tanken

Etwas später sind wir dann abfahrbereit, allerdings ändern wir noch unser Route. Die geplante Fährüberfahrt von Andenes nach Gryllefjord findet heute nur morgens und abends statt. Für morgens sind wir zu spät, bis abends dauert es uns zu lange. (An den Appenzeller Kaffeeröster und seine sympatische Frau: die Fähre fährt auch morgen Mittwoch nur morgens und abends, erst am Donnerstag zusätzlich mittags. Wir haben nicht mal nach euren Namen gefragt… Das App «Vegvesen trafikk» ist offiziell und immer auf dem neusten Stand). So improvisieren wir und fahren halb aussen rum. Halb, weil wir nicht ganz aussen rum fahren auf der E6, was schneller wäre, sondern zwischendurch mit weiteren Fähren, also über Vik – Harstad – Hamnvik. Unsere Route kann man übrigens live mitverfolgen, alle 30 Minuten wird die Position unseres Knutschis aktualisiert auf unserer Webseite.

Wir fahren also los und in Sortland füllen wir unser Gas, nicht dass wir irgendwann noch frieren müssen. Wir haben es gerne kuschelig. Danach geht es einkaufen, dieses Mal probieren wir den Rema 1000. Bei Coop, Spar, Extra und Biltema waren wir schon.

warten auf die Fähre

Es kommen noch ein paar Kokobollen (Mohrenköpfe) und andere Kleinigkeiten mit, bis wir uns endlich auf den Weg machen können. Beim Einkaufen war dann plötzlich die Bezahlung mit Visa-Card nicht mehr möglich und dann brach im Laden fast das Chaos los. Alle bezahlen hier mit Kreditkarten, Bargeld hat fast niemand mehr. Aber nein, wir zwei Chaoten haben alles richtig gemacht und sogar noch norwegische Kronen im Portemonnai. «Pardon, lasst uns durch, wir können zahlen!»

Kurze Zeit später fahren wir in Flesnes auf die Fähre und der Kontrolleur hat Mühe, unser Nummernschild einzulesen, d.h. es geht gar nicht. Er ist kurz vor dem Verzweifeln, als ich das Fenster runterkurble und ihm «Sveits» zurufe. Er nickt dankbar und dann geht das Einlesen problemlos. Wir Schweizer haben vorne auf dem Fahrzeugschild nämlich keine Landeskennzeichnung und manchmal werde wir darum vorne mit Einheimischen verwechselt. Wir haben die gleiche Typenaufbau wie die alten Norwegernummern. ZH -> Tromsö, LU -> Vestfjord, SZ -> Bergen, SH -> Rogaland etc. aber SG gibt es in Norwegen nicht und darum werden wir jeweils nicht gefunden, wenn sie nicht manuell Schweiz oder Sveits eingeben. (Wahrscheinlich bekommen Zürcher, Luzerner Schaffhauser etc. viel weniger Mautgebühren nach Hause zugeschickt, weil die irgend einem Norweger belastet werden).

Mjøsundbrua (35 m hoch)

Egal, wir fahren im Regen weiter und stellen die super tolle Landschaft einfach so vor, wie wenn es schön wäre. «Wow, sieh mal, wie sich die Berge im See spiegeln» sagen wir häufig zueinander, auch wenn wir den See kaum sehen. Und jedes Mal, wenn die Sonne etwas durchdrückt, sofort stoppen und ein paar coole Fotos machen. Egal wo man hier ist, man kann immer super schöne Fotos machen.

Wir kommen nicht vom Fleck, können selten mal wirklich 80km/h fahren, denn mit den Kurven und den engeren Strassen liegt vielfach höchstens knapp 50 drin. Dazu halten wir Ausschau nach Elchen in Wäldern und Walen im Meer. Allerdings nix, denen ist es auch zu nass.

Und gegen Abend tut es dann schon etwas auf und wir suchen nach einem Übernachtungsplatz. Schlussendlich sind wir nicht so weit gekommen, wie wir wollten, aber der Platz am kleinen Hafen ist schnuckelig schön, das Wetter stimmt auch und Anita erfüllt ihre Pflicht mit einem sehr feinen Znacht im Knutschi. Jetzt muss sie dann nur noch abwaschen und abtrocknen und die anderen Dinge auf der Liste erledigen…

Sonnenauf- und Untergang: -

260 km
8.4 Liter Diesleverbrauch
4:55 Std Fahrzeit

Übernachtung

Lysnes - Småbåthavn***
Stellplatz Koordinaten: 69.44547,17.992849
N 69° 26' 43.7"  E 17° 59' 34.3"
letzter Besuch: 6.2024

Wendemanöver im Tromsø -Tunnel 12.6.2024

Und wer kennt die Storelvan silta?

Storelvan silta

Es wird heute unser Tag! Das spüre ich schon, als ich um 5 Uhr morgens wach im Bett liege und der Regen aufs Dach prasselt. Was für ein Glück, dass es regnet, denn es könnte ja auch schneien. Anita weiss aber noch nichts von meinem unbändigen Willen, heute die Welt zu verändern.

Ungeduldig warte ich, bis um 7 Uhr endlich der Wecker klingelt und dann schnell auf, für Anita einen heissen Kaffee zubereiten (die gestrig veröffentlichte Aufgabenliste gab zwischen uns noch zu diskutieren), zusammenpacken und um 7:15 Uhr sind wir abfahrbereit. Wir müssen 20 Minuten zur nächsten Fähre fahren, die um 8 Uhr ablegen will. Wir schaffen es problemlos und es hat auch genügend Platz. Die Angst, dass zu viele Womos warten und wir dann erst die nächste Fähre nehmen können, war völlig unbegründet.

Aktuell sind hier oben im Norden extrem viele Womos unterwegs, sogar die Campingplatz-Besitzer meinen unisono, dass sie so etwas noch nie erlebt haben, dass viele Plätze schon Anfangs Juni ausgebucht sind.

das Fährcaffee mit der Kaffeemaschine

Es ist regnerisch und neblig, die Sicht nicht wirklich einladend und so machen wir es uns in der Cafeteria der Fähre gemütlich. Es ist eine alte Fähre, die auch noch nicht auf Elektromotoren umgebaut wurde. Von unseren vielen Fähren in Norwegen waren nur noch zwei oder drei Diesel betrieben, alle anderen fuhren mit grünem Strom. Die zwei Hausfrauen in der Fährcafeteria bereiten uns eine Waffel mit Erdberkonfi zu und die ist so lecker, dass wir danach grad noch eine bestellen.

schade, die 27. und vorläufig letzte Fähre

Nach der Fähre fahren wir Richtung Tromsø, wahrscheinlich die schönste Stadt in Norwegen, wenigsten für uns. Aber da wir diese Stadt schon das letzte Mal besichtigt haben und das Wetter noch nicht mitspielt, beschliessen wir, weiter zu fahren. Zuerst über die tolle, hohe und lange Sandnessundbrua bis auf die kleine Insel mit dem Flughafen, danach in den Tunnel, der unter der Stadt und dem nächsten Fjord untendurch geht. Wir wissen, dass dieser Tunnel ebenfalls einen Kreisel beinhaltet, wir wissen aber nicht, dass es zwei sind. Und unser Susi aus dem Navi in einem Tunnel oder GPS-Empfang ist ein Totalausfall und so haben wir keine Ahnung, welche Ausfahrt wir beim zweiten Kreisel nehmen sollen. Prompt entscheiden wir uns für die schlechteste Variante und landen 300m weiter unterirdisch vor einem Parkhaus mit Höhenbegrenzung 2:30m. Unser Knutschi ist aber 3:05m hoch! Was machen? An Board bricht Panik und die Pest aus und die einzige Lösung: im Tunnel mit unserem 7.40m Knutschi auf der Strasse wenden ohne Reserve zu den felsigen Tunnelwänden. Puls 200, schwitzige Hände, dunkel, Lärm von der Lüftung, Anita, die draussen winkt, ich, der irgendwie das Knutschi wendet, bevor die Polizei hier ist. Danach wie ferngesteuert dem Wegweiser «Centrum» folgend, nur raus aus diesem Loch! Ich erwarte, dass bei der Tunnelausfahrt die Polizei mich stoppt, aber nichts, ich fahre durch die Altstadt, danach über die Tromsøbrua bis wir endlich wieder auf einer Hauptstrasse sind.

Ich bin fix und fertig. Und Anita schmunzelt fies…

Danach fahren wir weiter zur nächsten Fähre und zu übernächsten. Heute sind es unsere Fähren Nr. 25 bis 27 und auf dieser Reise und bis zur Rückfahrt in Schweden unsere letzten. Irgendwie schade.

Aber dann, am Breitengrad Nord 60,60 erreichen wir zum ersten Mal die E6, quasi die Autobahn von Norwegen Richtung Norden. Wir haben es tatsächlich geschafft, bis hierhin diese Strasse nicht zu fahren. Weiter ohne die E6 ist unmöglich. So überqueren wir wenige Kilometer später die Storelvan silta, eine kleine unscheinbare Brücke, die fast niemand kennt und eigentlich alle Nordkap-Fahrer kennen sollten. Denn jeder, der in Norwegen ans Nordkap fährt oder von dort kommt, fährt über diese Brücke. Man kann sie nicht umfahren, weder mit einer Fähre noch auf einer anderen Strasse. Hier gibt es nur gerade diesen einen Weg von Nord nach Süd und umgekehrt. Wenn diese kleine Brücke gesperrt ist, ist der Norden und Süden von Norwegen nicht mehr mit Fahrzeugen verbunden!

Und weil diese Brücke so unscheinbar ist, hat sie doch genau für alle anderen unscheinbaren Bauwerken einen Ehrenplatz verdient. Denn alle grossen, edlen und geschwungenen Wasserüber- oder Unterquerungen kann man umfahren und werden tausendfach fotografiert. Die Storelvan silta nicht!

Wer von den Nordkap Fahrern kennt diese Brücke? Eben!

Dafür ist hier im hohen Norden wieder vieles anders. Was uns auffällt: die Wohnmobilfahrer grüssen wieder! Bei jedem entgegenkommenden Womo (und das sind viele, geschätzt 1/4 aller Verkehrsteilnehmer) wird gegrüsst oder grüssen zurück. Im Süden sind es vielleicht 10%, die grüssen.

der Schnee kommt dem Meer immer näher

Hatten die alle gutes Wetter am Nordkap und sind darum gut gelaunt? Und die, die gegen Norden fahren, sind voller Hoffnung darauf? Denn jeder, der es bis hierhin geschafft hat, will auch das Nordkap sehen. Viele andere Sehenswürdigkeiten gibt es nämlich nicht mehr (ausser grandioser Natur).

Wir sind heute genug gefahren und auf der E4 sehr gut vorwärts gekommen, gut ausgebaut, wenig Kurven, sind wir uns gar nicht mehr gewohnt. Der erste anvisierte Stellplatz gib es nicht mehr, der zweite ist voll und so landen wir auf dem Arctic Fjordcamp mit grandioser Sicht über den Kvænangen-Fjord. Das Wetter ist übrigens schon lange wieder besser und wir sehen zwischendurch den blauen Himmel.

Anita hat nun auch ihre neuen, warmen Socken mit Norweger-Wolle fertig. Genau richtig für den ganz hohen Norden und das Nordkap.

Anitas tolle Norwegersocken

Alles im grünen Bereich und wir hatten recht, es wurde unser Tag, auch wenn wir zwischendurch gezweifelt haben.

Ach ja, ein Tipp an alle drehenden Sat-Schüssel-Womo-Besitzer: hier oben im Norden auf dem 69 Breitengrad gibt es keinen Sat-Empfang mehr. Der ist spätestens ab dem 64. Breitengrad nicht mehr möglich!

Sonnenauf- und Untergang: -

270km
8.5 l/100km
54 km/h
5:00 h Fahrzeit

Übernachtung

Storeng - Artic Fjordcamp***
Camping Koordinaten: 70.00868,22.016929
N 70° 0' 31.3"  E 22° 1' 0.9"
letzter Besuch: 6.2024

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