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Reisebericht

Sahara 14.11.2017

Wir sind im ewigen Sand, übernachten bei eisiger Kälte im Zelt und geniessen die einzigartige Natur

Der Beweis: wir reiten

Überpünktlich holt uns Abdou mit einem ausgeliehen 4x4 Pickup auf dem Campingplatz ab. Sein Traum ist irgendwann, selber einen Pickup zu besitzen, damit er mehr Touren anbieten kann. Vor der Abfahrt fragt er noch, ob wir eine warme Jacke haben und noch Streichhölzer mitnehmen können. Und dann geht es um 10 Uhr los.

Wir machen uns auf den Weg

Sofort nach dem Campingplatz beginnt es zu schütteln, kleine Sanddünen hoch, hinten wieder runter. Mit dem Womo ist also beim Camping garantiert fertig und muss nicht meinen, man könne noch weit fahren. Ausser man hat ein 4x4 und mehr Bodenfreiheit. Es schüttelt und slidet im Pickup, obwohl Abdou sehr human fährt, schliesslich haben wir darum gebeten. Alle etwa 30 Minuten machen wir eine kurze Pause, Abdou muss eine Rauchen und wir etwas die Füsse vertreten und Fotos machen. Die Gegend wechselt von kleinen Sanddünen, zu ganz flachem steinigen Gelände zu steiniger Mondlandschaft und zwischendurch sogar etwas grünen Ebene.

und so sieht der Weg aus

„Vor drei Wochen hat es hier geregnet, darum ist jetzt überall grün und der Rucola spriesst aus dem Boden, das ist gut für die Dromedare und gut für uns. Wir machen daraus Suppe und Salat und ist alles gratis“. Allerdings der letzte grosse Regen, der mit Flüssen das Wasser weiter in die Sahara bringt, darauf warten sie schon seit drei Jahren. Jetzt führen die Pisten meist durch die völlig ausgetrockneten Flussbette weiter der Sonne entgegen.

Zwischendurch halten wir auch an Brunnen, es habe ca. alle 15 km einem Brunnen oder eine Wasserstelle. An einem Brunnen besuchen wir kurz eine der noch wenigen Nomadenfamilien, die wirklich noch in der Wüste leben. Sie haben ein technisches Problem mit einem Eselskarren, darum nehmen wir hinten auf der Ladefläche des Pick-Up’s ein Nomade bis zu nächsten Oase mit. Dort steigt er ab und trottet in die Wüste davon. Wohin er denn nun wohl geht?

In der Oase gibt es tatsächlich eine Quelle die ganzjährig einige Lite Wasser in der Minute hergibt und Abdou ist davon ganz begeistert und erklärt uns, wie schön dass es hier doch ist. Aber ganz ehrlich, so wirklich begeistert tut es uns nicht, ein paar Palmen in der Einöde, dazu ein mit Lehmmauern ummauertes Gelände , ein abgewackter 4x4 und 200m von der Quelle auch noch einen Brunnen. Mehr nicht.

„Im Sommer kommen die Nomaden hierher und übersommern bei 55 Grad im Schatten, weil sie hier immer Wasser und Schatten haben“. Jetzt im Winter und während der Touristensaison fährt vielleicht alle 30 Minuten ein Pickup mit Wassertank zum Brunnen, füllt diese Tanks mit 200l und fährt dann wieder zurück in die Camps am Rande der Sand-Sahara. Abdou kennt jeden und hält mit jedem einen Schwatz, dazwischen kocht er uns Tee, tischt einen Salat auf und danach auch noch Trutenspiesse. Er bedient uns wie die Könige, während dem wir im Schatten sitzen.

Nach zwei Stunden Mittagsrast geht es weiter Richtung Sand. Von weitem sehen wir die für uns typische Sahara mit den Sanddünen. Allerdings ist dies nur der allerkleinste Teil der gesamten Wüste, aber den Teil, den man auf den Fotos immer sieht. Die anderen Teile sind eben Steinwüste, Felsen, karges Buschland und kleinere vertrocknete Salzseen.

Dann am Rande des Sandes kommen uns vier Kamele mit einem Führer entgegen und Abdou meint nun, wir müssen jetzt das Gefährt wechseln.

Ab jetzt schaukelt es mehr, wir sitzen höher aber auch auf einem 4x4. Geradehaus und berghoch geht es einigermassen und wir können sogar Fotos vom Rücken der Dromedare machen, geht es aber etwas bergrunter, ist gut festhalten angesagt… Nach 30 Min machen wir eine Pause und Anita und ich klettern natürlich auf die höchste Sanddüne, die wir finden, währendem sich die Dromedare etwas ausruhen.

Pause für die Dromedare

Es ist fantastisch hier oben, genauso, wie man sich die Wüste vorstellt, einfach faszinierend!

Danach geht es wieder weiter und ich wäre eigentlich ganz froh, wenn wir endlich am Ziel währen. Dann, nach weiteren 30 Minuten steigen wir in einem Zeltcamp ab und Abduo fährt mit seinem Pick-Up vor.

Wir sind noch nicht ganz am Ziel, Abdou sagt, wir nehmen ein Camp zum Übernachten, dass ausserhalb der Touristenströme liegt, wo es schön ruhig ist. Touristenstöme? Wir haben gerade mal eine Dromedarkarawanne, vier andern Pickups und etwa an fünf andern leeren Zeltcamps vorbeigefahren / geritten.

Nach nochmals einer Stunde schütteln sind wir dann im richtigen Zeltcamp. Es sieht echt edel aus, inkl. Duschzelt mit warmem Wasser, Keramiktoilettenschüsseln, Küchen- und Restaurantzelt. Dazu vier Zelte mit jeweils einem Doppelbett drin! Wow, was für Luxus.

Wir können schnell unser Zelt beziehen und werden dann auf einer Sanddüne zum Tee erwartet, wo wir den Sonnenuntergang geniessen können. Was für ein Verwöhn Programm!

Etwas später kommen dann noch drei französische Touristen aus Paris, wir sind also fünf Touristen mit insgesamt sechs „Bediensteten“. Es wird uns wirklich jeden Wunsch von den Augen abgelesen und sie kochen uns ein zauberhaftes Abendessen mit verschiedenen Salaten, Rinds-Tajine und einen leckeren Früchtekompott zum Dessert. Und das alles an gedeckten Tischen unter freiem Himmel mit einem unglaublichen Sternenhimmel!

Anita vor unserem Camp

Zum ersten Mal beobachte ich das famose Kreuz des Südens, das bei uns in Europa am Himmel nicht sichtbar ist und nach dem früher alle grossen Seeexpeditionen navigiert haben. Während dem Staunen sehen wir drei wunderschöne Sternschnuppen vom Himmel fallen, einfach perfekt.

Nach dem Essen wird ein grosses Lagerfeuer angezündet, das in der eisigen Nacht (8 Grad) schöne Wärme verstrahlt. Alle nomadischen Helfer versammeln sich auch um das Feuer, zaubern Gitarre und Trommeln hervor und dann werden die Nomadenlieder der Sahara gesungen.

Eine fantastische Stimmung an einem fantastischen Ort. Zum Glück haben wir diesen Ausflug gebucht! Er hat uns insgesamt 3200 Dh gekostet, (ca. 300€) für zwei Personen, und war bis jetzt jedes einzelne Dirham Wert.

Wenn jetzt nur nicht das Schlafen im kalten Zelt kommen würde…

Weitere Fotos folgen.

Sahara und Tipps in Mhamed 14.11.2017

Die Sternennacht und der Sonnenaufgang waren gewaltig.

Morgenspaziergang in der Sahara

Es war kalt nachts, wir schätzen so um die 7 bis 8 Grad. Im Nomadenzelt sind wir nur gerade durch halbdurchsichtige Tücher gegen das Wüstenklima geschützt. Allerdings haben wir ein richtiges Bett mit Matratzen, dazu ein grosses Leintuch und zwei (wahrscheinlich) Kamelhaardecken.

Die Berber-Nomaden beim Zeitvertreib am Abend - Musizieren

Es sieht schon ziemlich warm aus. Zur Vorsicht schlafen wir aber mit Socken, langen Trainerhosen und Jacke. Wir ziehen also fast alles an, was wir in der Wüste dabei haben und kuscheln uns dann eng aneinander. So haben wir erstaunlich warm und keine Probleme. Nur das WC-Zelt ist etwa 100m weit weg und der Weg dorthin und zurück ist affenkalt. Dafür sieht man den unglaublichen Sternenhimmel im Dunkeln der Wüste funkeln. So stark, dass ich mich um 4 Uhr Nachts anziehe und eine Stunde Fotos rund um das Camp mache. Um fünf kuschele ich mich wieder unter die Bettdecke bis sechs Uhr und stehe dann auf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Es war also eine ziemlich kurze Campingnacht.

Ich marschiere durch den feinen, weichen Sand auf die höchste Düne, die ich finde. Dort warte ich mit Skijacke geschützt und ganz alleine in der Wüste, bis die Sonne auf geht. Es ist wahrlich ein fantastisches Schauspiel und ich geniesse die Einsamkeit.

unser Campingzelt

Die Fotos werden super und bis ich wieder im Camp bin, ist es schon sieben Uhr, wo gerade das Frühstück draussen serviert wird. Von Eierspeisen in der Tajine, über frisches Brot gebacken in einem Sandloch, frischen Kaffee und frisch gepressten Orangensaft, wir werden verwöhnt wie es nur geht.

Gegen acht Uhr brechen wir dann mit Abdou mit dem 4x4 auf und müssen nun die 60km durch die Wüste zu unserem Campingplatz zurückfahren. Es rumpelt und schüttelt, und wir haben viel Zeit, um Abdou Fragen zu stellen und wie dass dann genau so läuft hier in der Wüste mit den modernen Nomaden.

Morgendliche Aussicht

Zuerst will er nicht so recht rausrücken, aber mit der Zeit wird er immer gesprächiger. Mhamid, das Städtchen am nächsten an der Wüste, lebt momentan nur von den Touristen. Das Problem sei aber, dass immer mehr grössere Reiseanbieter kommen und die Gäste mit Prospekten und Websiten locken. Für die einheimischen Führer und echten Nomaden bleibt immer weniger. Darum besuche er mit seinen Gästen auch nur bestimmte Camps, die von den Einheimischen geführt werden und vieles hier sei auch gespielt. Alles was Thuareg angeschrieben sei, sei Betrug, denn hier in Marokko habe es noch nie Thuareg gegeben und die sähen ganz anders aus, haben schmalere Gesichter und längere Finger. Sie hätten zwar auch blaue Gewänder, aber das sei das einzig gemeinsame.

Er führt mit seinem Bruder den allerletzten Campingplatz vor der Wüste und bis die Touristen auf dem Platz ankommen, sei ihnen jweiles im Dorf schon Kameltouren verkauft worden, obwohl es nur Dromedare sind. Auch die Wüstenführungen in die Camps seien da schon gebucht. Die Verkäufer seien im Dorf ziemlich aufdringlich. Ihnen bleibe nur die Brotsamen des Campingplatzes übrig, dabei wären die Führungen viel lukrativer und für sie auch eine Möglichkeit, ihr Wissen zu teilen. Wir seien die Ausnahme, dass wir so eine Tour bei ihm gebucht hätten. Aber wenn er sich dann mal ein eigenes Auto leisten könne, könne er sparen für den Ausbau des Campingplatzes. Die Miete des Autos, auch wenn es einem Freund gehöre, verschlinge viel Geld. Er habe übrigens seit neustem eine Facebookseite und wenn alles gut gehe, habe er in einem Jahr das Geld zusammen, um eine eigene Website machen zu lassen.

Nach einer weiteren Stunde Autofahrt verspreche ich ihm für seinen Campingplatz, den allerletzten vor der Wüste, eine Website zu machen. Fotos habe ich ja jetzt genug und eine einfache Website stürzt mich auch nicht in den Ruin. Er bedankt sich mit 100 Inschallah‘s und ich sei in seinem Haus zu Lebzeiten immer willkommen, inklusive meine Familie und Freunden…

nach Mhamid hier rechts zum Campingplatz

Und er hat mich schon eingeladen, im März zum Internationalen Nomadenfestival zu kommen. Das müsse ich unbedingt sehen, da gäbe es drei Tage Musik, Essen, Dromedar-Rennen mit Nomaden aus der ganzen Welt. Und wir seien mit dem Wohnmobil ja auch irgendwie Nomaden… So, und jetzt habe ich den ersten Kunden aus Afrika!

Also, wenn ihr mal nach Mhamid kommt, unbedingt durch das ganze Dorf fahren, bei niemanden anhalten und nur freundlich lächeln, dort wo die asphaltierte Strasse und die Zivilisation aufhört insgesamt 300m weiter, sich zuerst links und dann rechts halten und dann kommt man beim allerletzten Gebäude vor der Wüste zu dem schönen Campingplatz "La Boussoule" mit umwerfender Aussicht. Bis dorthin kommt man mit jedem Wohnmobil problemlos, aber ja nicht auf eigene Faust weiter fahren, denn danach kommt der Sand und man bleibt stecken. Und die Einheimischen haben das als neue Geschäftsquelle entdeckt. Denn die, die stecken bleiben, bezahlen alles, um wieder heraus zu kommen (haben wir von einem Einheimischen als Ratschlag bekommen, ratet mal von wem?)…

Der Rest des Tages ist schnell erzählt, wir machen einen kleinen Spaziergang durch Mhamid und Anita kauft ihr Tuch Nr. 9 in Marokko….

Externe Links

Übernachtung

Mhamid - La Boussoule***
Stellplatz

letzter Platz vor der Sahara, rundum nur noch Wüste

Koordinaten: 29.828550,-5.732619
letzter Besuch: 11.2017

Wir verhandeln endlich abgebrüht 15.11.2017

Es hat gedauert, aber nun lassen wir uns nicht mehr übers Ohr ziehen

während dem Abendessen

beim Frühstück

Heute verlassen wir das kleine Städtchen Mhamid am Rande der Wüste, verabschieden uns von den neuen Freunden Abdou und Kalifa vom Camping Boussoule und machen uns in die nächste etwas grössere Stadt Zagora auf. Auf den 100km passieren wir etwa drei Städtchen, ansonsten Wüste und zwei kleinere Hügelketten.

wir verlassen die Wüstenstadt

Die Strasse nach Mhamid ist noch nicht lange durchgehend asphaltiert und auch jetzt noch gibt es einige Baustellen. Die neuen Abschnitte sind schön breit und die alten immer noch wie typisch Marokko. Die Strasse ist zwar breit, aber asphaltiert ist nur die Mitte für ein Motorfahrzeug. Kommen andere Autos entgegen, müssen beide Parteien auf das Bankett ausweichen und danach wieder auf den Asphalt einschwenken. Irgendwie cool und richtiges Marokkofeeling.

Auch in Zagora haben wir wieder Marokkofeeling. Einige Ladenbesitzer warten vor ihren Läden und zehren die Touristen (wir sind momentan ziemlich die einzigen) mit irgendwelchen Tricks in ihr Lokal. Dort zeigen sie dann ihre Schatzkiste von Alibaba und betören die Frauen und Männern mit Komplimenten, so dass man dann etwas kauft, was man gar nicht will.

In der Boutique Ali Caravane Mille Etoiles, wo man auch den Laden verlassen kann, ohne etwas zu kaufen

Wir haben uns nun daran gewöhnt und sind schon ganz gut im Abwimmeln. Wir besuchen trotzdem drei Läden. In zweien kaufen wir rein gar nix, trotz Teeangebot und des arabischen Gesülze. Wir sind also schon ganz gut. So gut, dass wir uns nicht mal auf Verhandlungen einlassen. Beim dritten Laden haben wir das eigentlich auch vor, aber Anita findet Ohrringe, die ihr  super gefallen und von der Art Hänger, die nicht schwer sind. In der Schweiz fand sie bisher nie sowas, was sie auch tragen könnte und was schön ist. Aber hier gibt es doch tatsächlich das eine Paar, das ihr wirklich zusagt. Und nun sind wieder meine Verhandlungsgeschicke gefragt. Der Ausgangspreis ist 650 Dh, als 65€. Ok, meine Holde Kunigunde hätte sie für diesen Preis absolut verdient, aber wir sind in der arabischen Welt. Mein Gegenangebot sind 200Dh und nicht mehr. (Ich komme mir schon etwas schäbig vor, für Anita Ohrringe zu kaufen die sie unbedingt will und ich dann nur 20€ biete). Es geht hin und her, echt Silber, einzigartig, Handarbeit etc etc. Aber der Händler geht schon auf 450 Dh runter. Danach verlange ich den „Armeschluckerpreis“ und dass wir in der Schweiz für unser Geld hart arbeiten müssen, was den Preis auf 400Dh runterbringt. Da meine Kreditkarte gesperrt wurde (zuviel eingekauft) habe ich nicht mehr viel Bares und würde 300Dh mit der Kreditkarte bezahlen, falls sie geht. Kein Problem, meint der Händler, auf seinem Gerät gehen immer alle Kreditkarten. „Ok, dann sind wir uns Handelseinig“ frage ich „falls die Kreditkarte akzeptiert wird? „Wieviel Bares ich denn aufbringen könne?“ ist die Gegenfrage. Ich schaue entgeistert in mein Portemonnai, ohne dass der Andere sieht, wieviel ich drin habe. Nuschele etwas umher und sage, dass ich Maximum 250 Dh momentan aufbringen könne, ansonsten er bis morgen warten müsse, da wisse ich, ob die Kreditkarte wieder akzeptiert wird (Guter Trick, nicht?). Das ist ihm dann zu unsicher und er willigt bei 250Dh ein. Immerhin, ich bin 50Dh rauf, er 400 runter. Langsam lerne ich dazu.

Blöd ist nur, dass Anita dabei war und weiss, dass ich nur 25€ für ihre schönsten Ohrringe bezahlt habe…

Wir sind übrigens auf dem Campingplatz palmeraie d‘amezrou in Zagora gelandet. Echt schön, unter hohen Dattelpalmen im Grünen, gute Infrastruktur und mit allerherzigsten, freundlichen Kindern der Besitzer (echt jetzt, und überhaupt nicht sarkastisch gemeint). Auch durften wir unsere Wäsche der Frau des Besitzers geben und sie wäscht sie uns in ihrer neuen Waschmaschine. Sie spricht zwar nur arabisch (die Frau, nicht die Maschine) aber wir haben dennoch irgendwie mit ihr geplaudert. Jetzt gehen wir in das Berberzelt auf dem Campingplatz essen und sind gespannt, was es gibt.

Unser Abendessen im Zelt

90Minuten später

Es gab eine Tajine, was denn sonst in Marokko. Aber es war echt lecker mit einem fast ganzen Poulet, viel Gemüse und Kartoffeln. Und dann immer noch diese herrlichen Fladenbrote. Mit dem Resultat, dass wir wiedermal zu viel gegessen haben…

Übernachtung

Zagora - Camping palmeraie d amezrou****
Camping

relativ neu, gute Infrastruktur

Koordinaten: 30.313983,-5.830581
letzter Besuch: 11.2017

Filmstudios und das erste Mal frei Stehen 16.11.2017

Wir landen in der Gegend von Quarzazate und erleben einen fantastischen Sonnenuntergang an einem See.

fantastischer Sonnuntergang

Morgens nehmen wir noch unsere gewaschene Wäsche von der Trockenleine ab, packen zusammen, Ent- und Versorgen, bezahlen den Campingplatz und das gestrige Nachtessen und sind wieder on the Road. Heute geht es Richtung Norden. Wir überqueren wiedermal richtige Berge, sehen die Schlucht Tizi'n-Tinififft und fahren dann runter bis Quarzazate, das aber immerhin auch noch auf 1150m.ü.M. liegt. Wir sind also ziemlich hoch da, merken von dem aber nix.

Tizi N-Tinififft Schlucht

Hier im Ort gibt es zwei Grosse Filmstudios und grosse Filmgelände. Klar lösen wir die 4€ Eintritt pro Person und lassen uns von einem Führer die Filmstudios und Requisiten erklären. Wir rudern in der Galeere von Ben Hur, gehen auf das gleiche WC wie Brad Pitt, sehen die Hügel von Asterix und Kleopatra und wissen dass im Film die Mumie diese in Küchenpapier eingewickelt war. Unser Führer, ein junger Marokkaner vom Ort, kommt immer mehr ins schwärmen, erklärt uns die arabische Sprache und welche Wörter im Englischen vom Arabischen abstammen und so weiter und so fort.

Nur ein Sklave am Rudern von Gladiator

Danach können wir auch noch die Aussendrehorte anschauen, die etwa 2km in der Wüste gelegen sind. Wir fragen unseren Führer, ob er Lust habe, uns auch diese zu zeigen. Auf eigene Faust ohne Hintergrundwissen ist es doch nur halb so spannend.

Wir fahren mit unserem Knutschi und unserem Guide die zwei Kilometer Piste fast im Schritttempo und kommen dann bei einer mächtigen Burg an. Alles nur Styropor, Gips und Holz, gehalten von Baugerüsten. Aber trotzdem, im Innenhof sieht es echt imposant aus. Es gibt insgesamt etwa fünf verschiedene Innenhöfe, wo zum Teil Games of Thrones, Gladiator, Prince of Persia oder Die Mumie gedreht wurden. Dazu wurde in der Umgebung von unzählige Bibelfilme bis über James Bond sehr viele Wüstenszenen gedreht.

imposante Filmkulisse

Unser Guide kommt wieder ins Schwärmen und sagt, dass viele Hollywoodfilme hier gedreht werden, weil sich auf kleinstem Raum in Marokko sehr viele verschiedene Landschaften finden und die Leute auch alle sehr unterschiedlich aussehen, von Schwarzen über Berber, Weissen, braunen und dunkelbraunen. Mit ihren Gesichtern passen sie vor allem zu Filmen, die viel Früher spielen. Nur Asiaten können sie nicht bieten und für den Film Kundun (über den Dalei Lama) wurden alle asiatisch aussehenden Schauspieler eingeflogen. Auch viele „Ballerfilme“ in der Wüste mit Militär und so wurden hier gedreht.

Danach geben wir Mohamed, unserem Guide, 100 Dh, weil er es wirklich gut gemacht hat und uns über zwei Stunden bestens unterhalten hat. Er strahlt aus beiden Augen und ich frage ihn dann, wie dass den sei mit seinem Verdienst.

Es ist sehr unterschiedlich, viele ausländischen Touristen wollen auf keinen Fall einen Guide, weil sie Angst haben, sie werden über den Tisch gezogen. Die Ausländer haben dann alle das Marrakesch-Syndrom, wie das hier intern heisst. Die Guide und Händler in Marrakesch machen allen anderen im ganzen Land das Leben schwer und vermasseln ihre Geschäfte, einfach, weil dort die Touristen über den Tisch gezogen werden. Auch meinen viele, dass er einen Lohn von den Filmstudios beziehe, dem ist aber nicht so. Er lebe ausschliesslich vom Trinkgeld und das sei zwischen 10 und 50 Dh. Dass er mal 100 bekomme sei sehr selten. Er sei aber so ganz zufrieden, denn so könne er das machen, was er liebe (die Filme) und verdiene erst noch Geld für die Familie.

Wir haben jetzt für rund 2 ½ Stunden Führung, inklusive Eintritt und kleiner arabisch-Kurs insgesamt für zwei Personen nicht mal 18 € bezahlt… Ich finde das auch für Marokko sehr gut vertretbar.

Nach den Filmstudios fahren wir weiter durch die Stadt Quarzazate und biegen nach einigen Kilometern von der Hauptstrasse rechts weg an die Ufer einer der wenigen Seen von Marokko. Hier ist es geduldet, frei zu stehen. Das erste Mal, dass wir das nun benützen. Bis anhin waren wir immer auf Campingplätzen, aber die waren zum Teil so, wie frei Stehen. Wir haben es also nicht vermisst bisher.

Unser Übernachtungsplatz

Es steht noch ein Holländer hier und auch einige Marokkaner verbringen den Abend mit einem fantastischen Sonnenuntergang am Ufer des Sees.

Ein herrlicher Abend und danach gibt es das erste westliche Abendessen, seit wir in Marokko unterwegs sind: Spaghetti! Wir sind einfach zu faul, heute etwas mit mehr Aufwand zu kochen…

Übernachtung

Quartzazate - El Mansour Eddahabi****
frei

mit nix, aber tolle Aussicht auf den See

Koordinaten: 30.961267,-6.757006
letzter Besuch: 11.2017

Gorges Dadés und die Vernunft siegt doch 17.11.2017

Wir sind gespannt, ob wir die Strecke heute mit unserem Womo schaffen oder umkehren müssen. Einfach nicht steckenbleiben!

Dadés Schlucht mit dem Womo

Nach einer sehr ruhigen Nacht beim See machen wir uns auf eine ungewisse Etappe. Wir wollen die Schlucht Gorges Dadés besichtigen und danach auf der kleinen Strasse immer weiter ins Tal fahren. Dort soll es eine Abkürzung in das Tal der anderen Schlucht Gorges Toudra geben. Es soll aber nichts asphaltiert sein und eine Strecke, die die 4x4-Touristen häufig fahren. Falls das nicht geht, ist auf einer Karte der Weg geradeaus nach Agoudal eingezeichnet, das soll aber auch nicht durchgehend asphaltiert sein. Wirkliche hilfreiche Infos im Netzt finde ich aber auch nicht, also fahren wir ziemlich ins Ungewisse.

Zuerst auf gut ausgebauter Strasse 80km über die Hochebene und dann kommt 20km eine Ortschaft an der anderen, praktisch immer Häuser. Total ungewohnt. Die Abzweigung in das Dadés-Tal ist nicht zu übersehen und schon sind wir fast alleine. Die Landschaft wird wieder sehr bergig, die Strasse schmaler und schlechter. Noch geht aber alles gut.

ging alles noch problemlos

Bei der ersten Engstelle der Schlucht geht die Strasse spektakulär zwischen den Felsen durch. Sieht wirklich gut aus. Danach kommt das erste Fragezeichen von Heute: es solle eine steile Passstrasse sein, die die Busse nicht hochkommen und auch die grossen Taxis sollen hier nicht mehr weiterfahren. Es geht aber ziemlich easy mit unserem grossen Womo von 7.50m Länge, also kein Problem, die erste Hürde ist geschafft und bei weitem nicht so schlimm, wie auf dem Web überall beschrieben.

das Pässchen im Dadés-Tal meistert ein Womo ohne Probleme

Jetzt fahren wir in einer fantastischen Landschaft immer weiter in das Tal hinein. Schnell fahren können wir nicht, die Strasse ist schmal und holprig, aber asphaltiert. Als wir ca. 60km im Tal sind, kommt die Ortschaft M’semrir und dort soll die asphaltierte Strasse fertig sein.

Ist sie nicht, also fahren wir die nächsten drei Kilometer weiter bis zur Abkürzung über die Berge. Der Abzweiger ist nur mit weisser Farbe auf der Strasse markiert und die Piste sieht schon etwas mitgenommen aus. Wir inspizieren sie genau und müssen dann schweren Herzens sagen, das schafft unser Fiat Ducato mit Vorderradantrieb nicht. Und der höchste Punkt der Strecke ist auf 2800m, also wird es noch arg berghoch gehen. Die Vernunft siegt vor dem Abenteuergeist und wir entscheiden, der asphaltierten Strasse im Tal weiter zu folgen.

unser Abzweiger, und darum haben wir es nicht gewagt

3km später fragen wir einen LKW-Fahrer, wie die Strasse weiter im Tal nach Agoudal geht. Er mustert unser Wohnmobil und sagt dann, dass wir das auch nicht schaffen, es sei eine 4x4 Piste. Aber er kennt doch unser treues Knutschi nicht! Aber es ist vielleicht auch besser, wenn wir drehen statt noch satte 60km über Rüttelpiste zu fahren und mit unsicherem Ausgang, ob wir das überhaupt schaffen.

Eine Flussschlaufe des Dadés

Also drehen wir und fahren die inzwischen fast 70km im Tal zurück. Wir geniessen dafür nochmals die herrliche Landschaft und rasen dann wieder auf einer gut ausgebauten Strasse nach Tinghier. Dort schwenken wir zum erst besten angeschriebenen Camping ab und landen auf einem schön angelegten Stellplatz eines Hotels.

Wir sind ziemlich kaputt heute, fuhren lange und sehnen uns nach einem Ruhetag. Wir haben in den letzten Wochen so viel Neues gesehen, jeden Tag entweder auf einem Ausflug oder mit dem Knutschi herumgereist, so dass wir nun die Karte studieren und entschliessen, morgen nach Merzouga zu fahren und dann dort am Rande der Sandwüste Nummer zwei mindestens zwei Tage zu bleiben. Das morgen schaffen wir noch locker…

Irgendwie juckt es mich aber ein bisschen, dass wir diese Strecken nicht doch probiert haben! Hat das schon jemand gemacht, M’semrir – Gorges Toudra oder M’semrir – Agoudal? Wie sind die Strassen dort wirklich?

Ach ja, wir haben jetzt gerade das Essen hier im Hotel bestellt: Hähnchen-Gemüse Tajine für zwei Personen und der Stellplatz alles zusammen, 195Dh (knapp 20€).

Ach ja zum zweiten: Anita läuft mit einem pinken Turban, ich mit meinem blauen umher und der Chef hier sagte uns, dass in dieser Region weiss oder gelb angesagt ist. Wir müssen also noch wechseln, wenn wir zu den Einheimischen zählen wollen…

Übernachtung

Ait Senan - Hotel Camping du Solei****
Stellplatz

schöne Anlage 

Koordinaten: 31.547652,-5.589980
letzter Besuch: 11.2017

Feuchte Stirn und trockener Tank 18.11.2017

Wir machen eine Planänderung und vergessen dabei, dass es in den Bergen keine Tankstellen gibt.

Gestern Abend bekamen wir via Facebook von Erich den Tipp, wir sollen doch durch die Toudgha-Schlucht weiter und uns dann rechts halten und so nach Guelmim fahren. Auf unserer Karte ist diese Strecke nur ganz dünn und weiss eingezeichnet, eigentlich ein schlechtes Zeichen. Aber Erich ist diese Strecke schon vor zwei Jahren mit einem TI gefahren und dann können wir das auch! Also Planänderung und wir fahren zuerst nördlich durch die Schlucht.

Es ist eine fantastische Schlucht, die Strasse verläuft meistens an der Talsohle, links und rechts senkrechte, rote Felsen. Es ist wirklich eindrücklich. Die Schlucht ist länger und irgendwie etwas eindrücklicher wie gestern die Dadés-Schlucht. Allerdings die ganz spektakulären Passagen fehlen etwas, das war gestern besser.

tolle Landschaften überall

Nach 30km staunen und bewundern schaue ich per Zufall auf die Tankanzeige. Mist, ich wollte doch gestern noch Tanken und habe das auf heute Morgen verschoben, in der Meinung, wir fahren durch Tinghir zurück. Laut Tankanzeige reicht der Diesel noch für 150km und nach Guelmim zurück in der Zivilisation sind es schätzungsweise 170km. Das wird verdammt knapp, vor allem wenn dazwischen noch hohe Berge kommen! Mist, was sollen wir machen? Hier in den Bergen kommt erfahrungsgemäss keine Tankstelle. Eventuell können wir einem Einheimischen oder einem 4x4 Tourist einen Kanister abkaufen, denn die haben immer mindestens zwei auf dem Dach. Bis jetzt dachte ich immer, das sei Bluff aber heute wäre ich froh drum.

wir bekommen Hilfe

Wir entschliessen uns, mal einfach noch sehr dieselsparend weiter zufahren und in Assimeg die Lage nochmals zu überdenken. Denn von dort würde der Diesel auch wieder zurück reichen zur Tankstelle. Vor Assimeg ist die Lage genau auf Messers Schneide, es könnte ganz knapp reichen oder auch nicht. Jetzt ist guter Rat teuer! Die Gegend ist so einmalig schön, dass wir unbedingt weiterfahren wollen, andererseits, wenn wir stehen bleiben. Die Notfallszenarien sind die, einen Einheimischen aufzuhalten, ihm einen Bündel Dirham und den Auftrag zu geben, einen Kanister Diesel zu bringen. Sollte also machbar sein im schlimmsten Falle. Also fahren wir mit etwas Angstschweiss auf der Stirn weiter.

Aber schon nach weinger als einem Kilometer hat es im Zentrum von Assimeg einen Autowerkstatt, wo draussen ein selbstgemaltes Plakat steht „Gasoile und Sans plomb“. Sofort stoppe ich und erkundige mich in der Werkstatt, ob sie hier wirklich Diesel verkaufen? „Klar, wieviel brauchst du?“ „20 Liter“ „So viel? Das reicht ja für vier Autos!“ Wir sind gerettet, der Automech pumpt von einem Ölfass 20 Liter in einen Kanister, kommt dann raus und verpasst unserem Knutschi den rettenden Saft. Er will dann genau 10 Dh pro Liter (an der Tankstelle im Tal kostet es 9,8Dh). Ich bin richtig froh und gebe ihm dann noch ein Trinkgeld. Er bedankt sich, lächelt ohne Zähne und wir können unsere wunderschöne Reise fortsetzen.

unterwegs

Die Strassen sind erstaunlich gut, nur zwischendurch durch die Bachbetten etwas rumpelig und bei einer Furt von bis jetzt sicher hundert haben wir das erste Mal Wasser. Nicht viel, aber ein Ralley-Feeling kommt trotzdem auf.

Die Gegenden sind einfach wieder himmlisch, die Fahrt wird aber immer länger und durch die Städte ist meist ein ziemliches Chaos. Endlich um 17 Uhr nach 307km kommen wir in Merzuga, am Rande der Wüste an. Auch dort finden wir unseren anvisierten Campingplatz sofort und sind gerade rechtzeitig für den Sonnenuntergang auf den Sanddünen.

Ankunft bei der Sandwüste zum Sonnenuntergang

Morgen ist Ruhetag angesagt, ich schreibe den Womoblog und draussen vor der Tür köchelt die Tajine. Was für ein Leben wir haben!

Übernachtung

Merzuga - Camping Africa****
Camping

bei den Dünen und sehr zurückhaltend, gute Sanitärräume

Koordinaten: 31.095148,-4.005078
letzter Besuch: 11.2017

Steinewerfende und bettelnde Kinder 19.11.2017

Man hört ja viel von Marokko und wir haben nun auch einiges erlebt

Wir sind nun viel in Marokko umhergekommen, auch wenn es das erste Mal war. Im Vorfeld haben wir schon einiges gehört und waren echt gespannt auf die Wirklichkeit und ob es wirklich so schlimm ist.

Der erste Eindruck erhielten wir schon im Hafen von Tanger Med beim Warten bei der Einreise. Jugendliche kletterten über den drei Meter hohen Zaun und schlichen sich hinter den Polizisten auf die Wartenden zu um zu betteln. Sie hielten sich aber ausnahmslos an die Einheimischen und kein einziger Jugendlicher näherte sich unserem Wohnmobil. Einige Einheimische gaben ihnen die auf der Fähre nicht verzehrten Sandwiches oder Gebäck. Keiner gab ihnen Geld, alle nur Esswaren. Für uns war es irgendwie schockierend, sowas zu sehen, darauf waren wir nicht vorbereitet, aber wie gesagt, wir wurden absolut nicht belästigt und die einheimische Polizisten vertrieben die Jugendlichen immer wieder. Sie sahen jetzt auch nicht so aus, als wären sie vor dem Verhungern oder waren sehr schlecht gekleidet. Ich glaube, einiges war doch nur Show…

Danach hatten wir absolut keine Vorfälle auf den nächsten Etappen. In Tiznit fragte ich in der Stadt einen Burschen, wo man da Kohle kaufen könne. Er führte mich in die Garage, trug danach die Kohle und unsere Einkäufe bis zum Campingplatz und fragte danach, ober ich nicht ein T-Shirt oder andere Kleider für ihn hätte. Da hätten wir unsere nicht mehr gebrauchten Kleidungsstücke brauchen können.

Im Gegenteil, der Atlantikküste hinab bis Sidi Ifni und dann ins Landesinnere bis zur Sahara in Mhamid im Süden gab es keine weiteren Vorfälle mehr. Alle Kinder am Strassenrand winkten freundlich oder wenn sie einfach nur schauten und wir winkten, begannen sie zu lachen und winkten wie verrückt zurück.

In Mhamid dann die ersten Kinder, die auf dem Stadtbummel scheu fragten, ob wir nicht für sie einen Dirham hätten (10 Cent). Hatten wir nicht, denn wir verteilten auf der ganzen Reise überhaupt nix ohne Gegenleistung, weder Süssigkeiten noch irgendwelches Geld. Nur ein Knabe wollte nicht kapieren, dass wir kein Geld verteilen. Als ich ihm dann auf französisch klarmachte, dass nur der Dirham bekommt, der auch arbeitet und dass das auf der ganzen Welt so ist, liess er uns in Ruhe.

Ging also ganz easy und vor allem die Mädchen freuten sich jeweils riesig, wenn wir ihnen zuwinkten. Ob das wohl so ist, da hier Knaben mehr zählen wie Mädchen und sie sonst weniger Aufmerksamkeit bekommen? Übrigens auch die Frauen waren immer sehr freundlich und winkten zurück.

Wir hatten also absolut keine Probleme bis zur Dadés-Schlucht. Vorher wurden wir von einem Schweizer Ehepaar gewarnt, dass in der Tourgha- und Dadés-Schlucht die Kinder nervig sind. Wir konnten das nicht glauben, bis wir wirklich auch da waren.

Je weiter hinten wir im Tal waren, je abgelegener es wurde, umso frecher wurden die Kinder. Zuerst machten sie unserem Wohnmobil Handzeichen, dass wir anhalten sollten. Hielten wir an, fragten sie ungeniert nach Geld. Bei den Fotostopps sprangen von irgendwoher Kinder und wollten irgendwelche Dinge zu Fantasiepreisen verkaufen. Einen Becher für 100Dh z.B. und wenn wir nichts kauften, machten sie eine ziemliche Schnute und fragten nach Dirhams. Man muss bedenken, dass im Dorf im selben Tal ein grosses Brot 2 Dh kostet und der Bäcker den ganzen Tag schuftet, um ein Einkommen zu haben. Und wenn dann ein Kind von „dummen“ Touristen mit 100 oder auch nur 20Dh beschenkt werden, dieser Bäcker sich ziemlich blöd vorkommen muss. Geld also nur für Gegenleistung.

Im selben Tal ging es dann so weit, dass sich uns eine Gruppe von 5 – 7 Kindern schätzungsweise 9 – 13 jährig auf der Strasse in den Weg stellten und wir anhalten mussten. Nach einem lauten Hupen schreckten die zurück, zwei klatschten aber mit den Händen auf die Aussenwand des Womo. Das liess ich mir nicht gefallen, hielt sofort an, stieg aus und die Kinder rannten wie der Teufel die Strasse runter und ich hinterher, bis sie im Gebüsch verschwanden. Unserem Womo machte es nichts, und ich denke, das war der jugendliche Übermut dieser Gruppe. Auch bin ich mir sicher, dass die Eltern sowas nicht erfahren durften, denn sie würden dies nicht goutieren. Denn die Erwachsenen in diesem Tal waren überaus freundlich und hilfsbereit.

Etwas weiter auch in den gleichen Bergen aber einem anderen Tal zwang uns nochmals eine Gruppe Kinder zum Anhalten und als wir einfach auf die Hupe drückten und fuhren, las einer dann wirklich einen kleinen Stein vom Boden auf und warf es nach unserem Wohnmobil ohne zu treffen. Das gleiche Spiel, anhalten und Rennen. Beide Gruppen waren ausserhalb der Dörfer, wo weit und breit kein Erwachsener zu sehen war.

Wir trafen also nur einen einzelnen Knaben, der einen kleinen Stein warf, aber viele, die bettelten. Und darum nochmals: ohne Gegenleistung keine Belohnung! Sonst leiden danach die nachfolgenden Touristen.

Geht man zum Essen beim Campingplatzchef, auch wenn man es bezahlt, darf man gerne ein paar Süssigkeiten für seine Kinder dalassen oder auch, wenn man ein Kind nach dem nächsten Bäcker fragt, darf es ruhig etwas Süsses danach bekommen.

Das liest sich jetzt ziemlich schlimm, aber wenn man bedenkt, dass wir drei Wochen unterwegs sind, war es wirklich easy und bei weitem nicht so dramatisch, wie es sich vielleicht anhört. Also, unbedingt nach Marokko fahren, die Kinder sind echt kein Problem.

Aber nochmals, wir hatten ansonsten während 99% der Kontakte oder des Weges absolut kein Problem mit Kindern…

 

Aladin und das Fondue 19.11.2017

Wir machen einen Ruhetag und Essen unser Fondue in der Wüste

Aladin und das Fondue

Wir verpassen den Sonnaufgang und den sonntäglichen Kirchengang, denn wir schlafen so richtig aus. Wobei so kuschelig ist es dennoch nicht, als wir erwachen haben wir 9 Grad im Womo. Also zuerst mal kräftig aufheizen, dann einen heissen Kaffee machen und erst dann kommen wir in die Gänge.

Zuerst heisst es einkaufen in Merzouga, also ein kleiner Fussmarsch an Dromedaren vorbei ins Zentrum. Dort kaufen wir das fehlende Gemüse und vier  Fladenbrote, denn wir wollen heute ein Fondue geniessen. Auf dem Rückweg nehmen wir in einem kleinen Restaurant noch einen Tee ein und meine Holde zieht es ins nächste Tüchergeschäft. Sie sind dort so schön farbig! Resultat: Tuch Nr. 12, Tuch Nr. 13, Tuch Nr. 14 und Tuch Nr. 15 landen in unserer Einkaufstüte. Und dann der Ausspruch: „So jetzt habe ich echt alles, was ich brauche!“. Mist, und ich habe das nicht auf Tonband aufgenommen, damit ich einen Beweis habe beim nächsten Geschäft. Das könnte ich in Zukunft noch viele Male bereuen…

die Tücher 12 bis 15

Wieder beim Womo machen wir uns für die Wüstenexpedition bereit. Wir ziehen uns richtig an, packen den Rucksack mit Getränken, Tüchern und Fondue und marschieren Richtung Erg Chebbi (Wüste).

Start zur Wüsenexpedition

Der Sand beginnt gleich hinter dem Campingplatz und wir marschieren eine Düne nach der anderen hinauf und hinten wieder hinunter. Es ist eine faszinierende Landschaft, aber lange nicht so leer wie die Wüste in Mhamid. Ist ja irgendwie auch klar, diese hier ist viel einfacher zu erreichen, direkt von der asphaltierten Strasse weg und man ist in den Sanddünen. Das lockt natürlich viele Touristen an, die mit Motocrossrädern, Quads, 4x4 Autos oder Sandbuggys im Sand herumrösten. Und dazwischen eine Dromedarkarawane an der nächsten. Es ist nicht immer ganz ruhig, aber das hört man auf den Fotos nicht.

Fondue in der Wüste

Wir geniessen unsere Sanddüne trotzdem ganz alleine, machen unser Fondue und geniessen die Farben der Abendstimmung. Aber noch bevor die Sonne ganz untergeht, machen wir uns wieder auf den habstündigen Weg zu unserem Womo. Aber welche Richtung? Es ist echt nicht ganz einfach so orientierungslos in ungefähr der Sonne zu laufen und hoffen, dass man irgendwo in der Nähe des Campingplatzes wieder aus der Wüste kommt. Wir treffen ihn auch nicht direkt, sondern sind etwa 300m zuviel südlich aus der Wüste marschiert. Ist aber nicht schlecht, oder? Andere wären jetzt noch in der Wüste und wahrscheinlich am verdursten…

Abendstimmung auf dem Heimweg

Ach ja, der Bericht von heute morgen über steinewerfende und bettelnde Kinder in Marokko unterlag anscheinend in Facebookguppen der Zensur. Bei einer flog ich raus und bei der anderen wurde mein Beitrag gelöscht. Ist anscheinend doch nicht alles ganz so frei und objektiv ;-)

Übernachtung

Merzuga - Camping Africa****
Camping

bei den Dünen und sehr zurückhaltend, gute Sanitärräume

Koordinaten: 31.095148,-4.005078
letzter Besuch: 11.2017

Ihr habt die Uhr, wir die Zeit 20.11.2017

Nach diesem marokkanischen Ausspruch verbrachten wir heute den Tag.

war echt steil

Das einzige, was wir heute erledigen müssen: einen Bancomaten finden um Bargeld zu haben, Telefonkarten für Internetguthaben kaufen und ein Dromedar für die Weihnachtskrippe besorgen.

Den Bancomaten und das Bargeld haben wir relativ schnell gefunden. Man kann in ganz Marokko jeweils nur 2000Dh als Höchstlimite beziehen (200€). Auch die Telefonkarten, wo man seine Prepaid-Sim-Karte aufladen kann, findet man wirklich überall. 10GB Datentvolumen für 100Dh. Und als wir dann das Bargeld und einen Tee getrunken haben, will Anita endlich ihr gestern gesehenes Kamel für die Weihnachtskrippe kaufen. Das letzte fiel einem Angriff unserer Katze zum Opfer, die dem Kamel bei weitem überlegen war. Und hier gibt es so wirklich schöne kleine Dromedare, die genau die richtige Grösse haben und erst noch aus echtem Dromedarfell. Und das erstaunliche, gestern kostete es beim Händler noch 140Dh, heute beim gleichen nur noch 120. Sollen wir nochmals einen Tag warten? Aber Anita handelt für die 12€ nicht mal mehr, in der Schweiz könnte man dieses Kamel sicher für 80CHF verkaufen. Sollen wir ins Kamelgeschäft einsteigen und eine ganze Herde kaufen?

Fleischkauf

Wir lassen es aber bleiben und kommen dann noch bei einem Metzger vorbei. Das sind jeweils auch so kleine Läden, wo am Fenster ohne Scheibe dann ganze Ziegen, Truthähne oder andere Fleischstücke hängen. Wir haben glaub noch nie so wenig Fleisch gegessen wie in diesem Urlaub. Es ist für uns eben schon etwas gewöhnungsbedürftig einfach so hängendes Fleisch zu kaufen, wo man sagen kann, welche Stücke man will, dann mit einem Hackmesser ungefähr das ausgewählte herausgehauen wird, in Zeitungspapier eingewickelt und dann bezahlt. Die dreckigen Geldnoten mit den gleichen Händen angefasst wird, wie nachher wieder das Fleisch und nirgends irgendetwas zum Händewaschen. Aber wir Europäer sind einfach verweichlicht. Und das Fleisch war übrigens jedes Mal hervorragend. Nur das Kaufen ist etwas gewöhnungsbedürftig und kostet uns etwas Überwindung.

Aber das Einkaufen ist jeden Tag ein Erlebnis, die ganz kleinen Läden, einer hat Früchte, der andere Gemüse, einer Gewürze und der vierte einfach alles, vor allem Wasser und Brot. Diese Kleinstläden sind übrigens auch 10x günstiger wie jeder Supermarkt, da sie immer nur die lokalen Waren haben. 1kg Gemüse bezahlten wir jeweils etwa 10 Dh (1€) und es ist dann egal, ob Kartoffeln, Tomaten, Karotten oder Peperoni. Oder ein Fladenbrot klein 1 Dh oder gross 2Dh (10 oder 20 Cent).

Nach dem Einkauf sonnen wir uns bei rund 28 Grad vor dem Womo, geniessen die Ruhe auf dem Platz mit Sicht in die Wüste. Ich buche noch unsere Rückfahrt von Nador aus nach Almeria und immer wieder schauen wir an diese riesige, grosse, gelbe Sanddüne. Bis wir dann irgendwann entscheiden, diese müssen wir einfach noch besteigen. Macht ja nix, wenn wir erst morgen wegfahren von hier.

eine echte Monsterdüne

Also starten wir unsere Dünenbesteigungsexpedition, wieder bekleidet wie die Marokkaner mit Turban, Schluderhose, Schludderhemd und barfuss. Nur der Rucksack, die Sonnenbrille und der Fotoapparat unterscheidet uns von den Einheimischen.

Wir laufen und laufen durch den Sand und diese riesige Düne will einfach nicht näher kommen. Der Weg täuscht gewaltig und im tiefen, heissen Sand ist es auch nicht gerade einfach. Und dann endlich als wir am Fuss ankommen, liegt ein grausig langer und harter Aufstieg vor uns. Drei Schritte vorwärts, zwei zurück! Wir haben zusammen schon 4000er bestiegen, dann werden wir diesen verdammten Sandhügel wohl auch noch schaffen!

Endlich sind wir oben, total verschwitz aber mit grandioser Aussicht, denn sie ist sicher etwa 200m hoch. Wir sehen von da oben aber auch, dass diese Wüste, die Erg Chebbi, gar nicht so gross ist, denn wir sehen hinten bis an den Rand. Na ja, wenn wir bedenken, wie lange wir nur hatten, bis hierher, dann täuscht das gewaltig bis ans andere Ende…

Gipfelfoto

Wir ruhen uns aus, geniessen den warmen Sand und schauen all den Motogrossfahrern und anderen Gefährten zu, die auch Düne um Düne erklimmen wollen. Es gelingt nicht allen, aber wir sind auf der höchsten!

Runter geht es dann viel einfacher und viel schneller, auch den Campingplatz finden wir auf direktem Weg. Danach dusche ich mal ausgiebig, wechsle wieder in die westliche Kleidung und finde in meinem Schrank sogar noch eine frische Jeans. Man fühlt sich wieder wie neu geboren!

Sollen wir noch eine Sternenwanderung machen?

Abends, schon ziemlich kalt

Übernachtung

Merzuga - Camping Africa****
Camping

bei den Dünen und sehr zurückhaltend, gute Sanitärräume

Koordinaten: 31.095148,-4.005078
letzter Besuch: 11.2017

Ganzer Tag geradeaus 21.11.2017

Und eine Warnung von fünf Kurven auf den nächsten 26km

Achtung, gefährliche Strecke

Als wir bei der Erg Chebbi erwachen, merken wir, dass das Wetter bewölkt ist. In der Wüste und keine Sonne? Das ist ein Grund, weiter zu fahren. Na gut, wir hätten es sowieso getan. Nach der herzlichen Verabschiedung des Platzchefs sind wir wieder auf der Strasse Richtung Norden. Wir verlassen allmählich die Sandwüste und fahren fast den ganzen Tag eben geradeaus. Die Gegend ist einsam, links und rechts Ödland, die Strasse etwas rumpelig und immer begleitet von einer, zwei oder gar drei Stromleitungen.

so sah es fast den ganzen Tag aus

Wir fahren knapp der algerischen Grenze entlang, die Marokko hermetisch abgeriegelt hat. Darum kommen uns auch zwei Militärkonvois entgegen und auch die Polizeikontrollen nehmen wieder zu. Just in dem Augenblick, als wir nur etwa zwei Kilometer von der Grenze weg sind, gibt es links von uns eine gewaltige Explosion. Haben die Algerier nun auf uns geschossen? Eher nicht, wahrscheinlich irgendeine Übung des Militärs oder vielleicht eine Sprengung bei einer Baustelle. Dieser Klapf bleibt heute aber der einzige Aufreger.

was war da explodiert?

Nicht mal die grosse Tafel mit dem Hinweis „gefährliche Strecke auf den nächsten 26km“ kann uns beunruhigen. Es kommen nämlich gerade mal fünf Kurven (im Durchschnitt alle 5km eine) und ich muss darum nicht mal den Tempomat rausnehmen.

Den nehme ich erst raus, als im Niemandsland ein altes Ehepaar am Strassenrand Autostopp macht und die 50km bis nach Bouarfa mitgenommen werden will. Weil das auch unser Tagesziel ist nehmen wir sie gerne mit, denn sonst hätten sie nochmals eine halbe Stunde auf das nächste Auto warten müssen. Leider sprechen sie nur arabisch und die Konversation ist daher ziemlich mangelhaft.

immer wieder schöne Gegend, warum in die USA fahren?

In Bouarfa lassen wir sie im Zentrum aus unserem Womo steigen und machen uns auf die Suche nach dem Hotel Climat de Maroc, wo man mit dem Camper auf dessen Tennisplatz übernachten kann. Auch hier wieder alles ganz easy und Anita und ich marschieren kurz danach noch einkaufen. Wir kaufen wieder in einem kleinen Laden 10 Eier und zwei Brote. Die Eier werden einfach in die Stofftüte gelegt und das Brot darauf. Nicht durch ein Eierkarton geschützt oder so. Wir Europäer sind einfach zu kleinlich….

Danach entdecken wir noch eine Bäckerei und machen dort zur Freude der Besitzerin ein riesen Einkauf. Unsere Lust nach Süssigkeiten übermannt uns: zwei Cremeschnitten, ein Stück Schockokeks, zwei Blätterteigstengel, zwei Blätterteignussgebäcke, ein Muffin und für morgen noch vier Croissant. Alles zusammen nicht mal 3 €

wir schlagen zu

Und jetzt platzen wir aus allen Nähten…

Übernachtung

Bouarfa - Hotel Climat Du Maroc**
Stellplatz

auf einem Tennisplatz eines Hotels, mit Entsorgung

Koordinaten: 32.525857,-1.958633
letzter Besuch: 11.2017

Reisestrecken

unseres Reisestrecke