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Marokko 2017
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Reisebericht

Wir sind im Winter mit Womo am Nordkap 3.4.2018

Die letzten Kilometer waren aber weitaus härter wie ich je gedacht hätte, von wegen locker Konvoi fahren

geschafft!

Wir erwachen am Hafen von Honningsvag gegen sieben Uhr und das erste natürlich den Strassenzustandskarte aufrufen. Übrigens die wichtigste Webseite, wenn man im Winter mit dem Wohnmobil ans Nordkap will: vegvesen.no immer topaktuell. Also rufe ich diese Seite auf und sehe, dass die Strasse ans Nordkap in der Nacht geräumt wurde, der erste Konvoi fährt um 11 Uhr von der Kreuzung weg. So cool, wir werden es also tatsächlich schaffen und da diese Kreuzung nur 17km von Honningsvag weg ist und wir die Schneeketten schon drauf haben, müssen wir uns überhaupt nicht beeilen. Heute bekommt meine Holde ihren Morgenkaffee und auch das Frühstück ans Bett serviert. Während wir uns bereit machen, kommt noch ein französischsprechender Landsmann zu uns und fragt uns über das Nordkapp aus. Er will unbedingt da hoch und heute ist seine letzte Gelegenheit. Ich empfehle ihm aber, dass er die Schneeketten hier montieren soll. Nicht nötig, wir sind schon vier Wochen durch ganz Norwegen gefahren und hatten sie noch nie gebraucht. Na gut, wenn er meint.

Wir fahren dann um 9 Uhr los, es schneit und ich will nicht zu spät kommen. Mehr wie 40 km/h können wir nirgends fahren und die Steigung schaffen wir fast problemlos. Die Strasse hat viel mehr Schnee wie gestern und die Sicht ist nicht wirklich gut.

An der Schranke sind wir dann die ersten und müssen noch eine Stunde warten. 10:45 Uhr kreuzt dann der Romand mit bachnassem Gesicht aus, holt ohne zu zögern seine Schneeketten und fragt mich, ob ich nicht helfen könne. Er habe sie erst einmal zur Übung montiert. Seine Frau flucht wie ein Rohrspatz auf ihn ein und sagt, dass er doch viel besser auf mich hören sollte und die Schneeketten schon in Honningsvag montieren hätte sollen. Anscheinend sind sie zweimal mit ihrem Büssli in einer Schneemade gelandet und nur ganz knapp den Berg hoch gekommen.

Danach wird der Konvoi eingeteilt, zuerst der Schneepflug, dann vier Autos vom Personal, ein Tourist, der Romand und wir dann hinten. Hinter uns dann noch das Kontrollfahrzeug. Ich muss zuhinterst fahren, weil der Schneepflugfahrer sagt, dass es sein könnte, dass ich trotz Schneekette nicht hochkomme und so die Kolonne nicht aufhalte. Das gibt mir ja schon mal richtig Moral. Das kann doch nicht so schwer sein!!!

Zwischen VW und Schneepflug fahren nochmals vier Autos

Als die Schranke sich öffnet, legt der Schneepflugfahrer einen Blitzstart hin, die vom Personal auch und wir Touristen versuchen irgendwie mitzuhalten. Die Fahrzeuge vor einem wirbeln so viel Schnee auf, dass man von der wenigen Sicht nun gar nichts mehr sieht. Die Strasse ist zwar freigefräst, aber vom Wind hat es so starke Schneeverwehungen, dass man zum Teil nichts mehr von den Räumarbeiten sieht. Und echt, der Schneepflug pflügt nicht gerade breit, nur das nötigste.

Hier war die Strasse breit

Ich bin echt angespannt und es heisst nun, nur nicht in den Tiefschnee zu gelangen und sich zu blamieren. Die Steigungen und das Eis ist kein Problem, aber die Sicht und das in der Spur bleiben, ist happig. Der ganze Konvoi erreicht nach 13km Fahrt wohlbehalten das Nordkap, aber es war bis jetzt meine anstrengendste Fahrt in meiner Womokarriere. Umso stolzer sind wir, dass wir es geschafft haben!

Wir sind nun 6 Touristen auf dem Nordkap und haben alles ganz alleine. Es kommt sogar einer vom Personal und entschuldigt sich, dass die Hallen und das Restaurant erst in einer Stunde öffnet, sie müssen noch den Eingang freischaufeln.

Fast alleine am Nordkap

Wir sind seit 9 Tagen die ersten Touristen, die es bis hierhin geschafft haben! Und wir sind die allerersten, die das Foto vor der Weltkugel machen!

Die Stimmung ist mythisch und wir saugen alles in uns auf. Und als der Eingang dann freigeschaufelt ist (mit einem Trax) sind wir endlich in der Halle und können unsere Nordkapp-Besucherurkunde abstempeln lassen. Jetzt haben wir schon zwei Besuche hier und die Mitgliedschaft im Royal North Cap Club hat sich schon gelohnt. Als Mitglieder haben wir lebenslang kostenlosen Zutritt. Und bei fünf Besuchen bekommen wir eine Goldkarte! Es fehlen noch drei Besuche und was man mit der Goldkarte dann für Vorteile hat, weiss ich auch noch nicht…

einfach nur mystisch

Es ist fantastisch, und wir haben den nördlichsten Punkt tatsächlich im Winter erreicht!

90 Minuten nach unserer Ankunft kommen dann etwa sechs Busse mit Touristen vom Hurtigruten-Schiff und dann ist fertig mit Ruhe...

Für die noch abenteuerliche Rückfahrt folgt der Bericht in etwa zwei Stunden, jetzt müssen wir zuerst essen und die Fotos begutachten.

Konvoi fahren in Norwegen 3.4.2018

Bei schlechten Verhältnissen ist es in Norwegen üblich, in ganzen Konvois zu fahren.

so ist es doch perfekt

Auf dem Bild der Webcam vom Nordkap 11:45 Uhr sieht man alle 6 Touristen der vergangenen neun Tage auf einen Blick, und zwei davon sind wir (blaue und weisse Jacke). Aber schon kurze Zeit später kamen die Busse mit den Touristen vom Hurtigruten-Schiff und es war fertig mit der Ruhe.

Um 13:45 Uhr war dann die Abfahrtzeit des Konvois zurück. Zuerst die sieben Busse mit den Schiffstouristen, dann ein norwegischer Kleinbus, wir (wir durften jetzt weiter vorne fahren, da der Schneepflugfahrer nun glaubte, dass wir nicht stecken bleiben) und hinter uns drei Porsches und zwei Jeeps einer Finnland-Nordkap-Ralley (ich staunte nicht schlecht, dass es die Porsches bis hierhin geschafft hatten). Ganz zuhinterst wieder das Kontrollfahrzeug.

Da es inzwischen ziemlich heftig zu schneien begann, war die Strasse und die Sicht noch schlechter wie beim Hinweg. Und auch beim Rückweg legte der Schneepflug ein Blitzstart hin, die Busse sofort hinterher und der Kleinbuss auch. Ich wusste nun, dass das wichtigste ein nicht zu grosser Abstand zum Vordermann ist und darum klemmte ich mich mit etwa 50m Abstand an den Kleinbus. Ich musste echt voll Gutzi geben, damit ich den Abstand halten konnte. Da der Vordermann das Licht an hatte, war das für mich perfekt und ich konnte so sehen, wohin die roten Rücklichter jeweils fuhren. Mit dem 50m Abstand konnte ich auch genau seine Spurrinne halten und hatte es da ziemlich gut im Griff. Es gab zwei drei heikle Stellen, wo trotz des voraussfahrendem Schneepflug richtig Triebschnee auf der Strasse war. Im Rückspiegel sah ich auch, dass der hinter mir fahrenden Porsche einen ziemlich grossen Abstand hatte (ca. 100m) was bei diesem Wetter eindeutig zu viel ist. Da alles weiss war, konnte er mit diesem Abstand nicht genau meinen Rücklichtern folgen und blieb dann im Triebschnee stecken. Ich konnte mir ein Lächeln auf den Stockzähnen nicht verkneifen, unser Womo hängt einen Porsche ab. Wir haben die hinter uns den Rest des Tages nie mehr gesehen….

zuviel Abstand

Als wir die breite Strasse endlich erreichten, musste der Schneepflug wenden und die Porschefahrer retten. Die Hurtigrutenbusse blochten dann unverändert weiter, der Kleinbuss vor uns auch und ich konnte endlich mit meinen Schneeketten ein angemessenes Tempo von 40 km/h fahren.

Der Schneefall wurde immer heftiger und die Sicht noch schlechter. An irgend einem Punkt sahen wir weder die roten Stangen am Strassenrand noch sonst irgend etwas.Alles nur weiss. Wir mussten aussteigen und nach den nächsten roten Strassenmarkierungen Ausschau halten, denn wir wussten nicht mehr, ob wir nun quer oder längs in der Strasse standen. Es war echt grenzwertig, oder besser gesagt, schon etwas darüber. Ich weiss nicht wie, aber wir erreichten Honningsvag doch noch und irgendwie wussten wir, wir müssen jetzt einfach so schnell wie möglich weiter, denn diese Strasse wird sicher geschlossen und wir sitzen dann fest. 300m vor dem Honningsvagtunnel demontieren wir dann die Schneeketten, damit wir besser durch den Tunnel kommen und fahren wie auf Eiern Richtung Nordkaptunnel. Da müssen wir einfach durch, sonst sitzen wir hier eventuell einige Tage fest.

ein Schneesturm nähert sich Honningsvag

Und dann der Schock: Die Schranke beim Tunnel ist schon unten und wir das dritte Auto, das nun festsitzt. Das kann doch nicht sein! Ich montiere meine neue echt warme Nordkappjacke und steige aus, die Situation checken. Der Tunnel ist seit zwei Stunden geschlossen aber in 20 Minuten startet hier der erste Konvoi durch den Tunnel und ca. 30km weiter, bis die Verhältnisse etwas besser werden. Aufatmen, da hatten wir also noch Glück.

Nun haben wir ja schon Routine mit Konvoi fahren und wissen wie das abläuft. Ein Kontrollfahrzeug checkt jedes mitfahrende Fahrzeug ab, fragt, wie viele Personen mitreisen und weist einen Platz im Konvoi zu. Vorne die schweren Lastwagen, dann die Busse inklusive wir, hinten die PKW’s, zuhinterst das Kontrollfahrzeug, ganz vorne der Schneepflug. Und auf den Blitzstart des Schneepfluges sind wir nun vorbereitet. Allerdings schwitze ich Blut, ob wir mit unseren Reifen ohne Spikes überhaupt vom Platz wegkommen. Alles geht glimpflich und wir sind wieder 50m hinter unserem Vordermann. Aber echt jetzt, wir rasen bei misslichen Sichtverhältnissen, schneebedeckter und vereister Fahrbahn zwischen 70 und 80km/h durch die Gegend! Mir ist nicht mehr ganz wohl dabei und Anita ist kreidebleich. Das einzig Gute daran: es kommt mit Sicherheit kein Gegenverkehr und man kann die besten Seiten der Strasse ausnützen. Und wir kommen schneller voran, wie wenn wir frei fahren könnten.

Wir sind wirklich froh, hat das Ganze nach 50km ein Ende und der Schneepflug fährt in eine Haltebucht. Vorne die LKW’s werden auch etwas langsamer (oha, denen ging es wohl auch etwas zu schnell) aber sonst ändert sich nichts, der ganze Konvoi fährt einfach so weiter, Einerkolonne schön aufgereiht, durch eine nicht sichtbare Winterlandschaft.

Nach 80km Konvoi am Stück bin ich nudelfertig und schwenke bei der ersten möglichen Kreuzung nach Alta/Hammerfest ab. Jetzt einfach mal durschnaufen und ganz gemütlich und sicher weiterfahren. Nach weiteren 40km sind wir bei der Brücke von Kvalsund, wo es irgendwo einen Platz zum Schlafen haben soll. 

Wir finden einen Parkplatz mit Sicht auf die Brücke, parken unser Knutschi, tätscheln es für die guten Dienste heute und sind einfach glücklich, was wir erleben durften und das nichts passiert ist.

die Brücke von Kvalsund

Wir öffnen nur noch eine Fertigbüchse Chilli con Carne (das heisst, wir wollen sie öffnen, wissen aber nicht mehr, wie dieser scheiss Büchsenöffner funktioniert und ich fast die Nerven verliere, bis wir merken, dass die Büchse unten (oder oben, wenn man sie nicht verkehrt herum hält) einen Schnellöffnungsmechanismus hat) und schmeissen den Inhalt in die Pfanne…


Hammerfest und Alta 4.4.2018

Wir werden Mitglied im Eisbärenclub, besichtigen danach die Nordlichtkathedrale und sind endlich wieder mal sauber.

echt sehr schön und feierlich

Es scheint, dass wir momentan richtig Wetterglück haben, denn obwohl die Prognosen Schnee hatte, scheint schon morgens die Sonne und über Nacht gab es etwa 10cm Neuschnee. Die Landschaft sieht also schon wieder top aus, auch wenn wir hier das Gefühl haben, der Schnee wird hier oben einfach nicht dreckig und bleibt weisser wie Meister Propper wäscht.

Heute wollen wir nicht so viel fahren und haben da eben noch Zeit einen Abstecher nach Hammerfest zu machen. Mit der nördlichsten Stadt der Welt haben wir noch eine Rechnung offen. Auf unserer letzten Skandinavien Reise schrieben wir in unserem Blog, dass sich diese Stadt nicht lohnt und man sie getrost auslassen kann. Stimmt das wirklich? Das müssen wir herausfinden und fahren darum direkt in die Stadt, die in Europa als erstes elektrifiziert wurde.

Es ist schon nicht eine wirkliche Schönheit aber mit dem weissen Schnee, dem dunklen Meer und dem farbigen Hafen sieht es doch auch echt toll aus. Wir fahren durch die ganze Stadt bis ans Ende, denn dort befindet sich die Meridiansäule, die an die Weltvermessung erinnert. Und ich als gelernter Vermesser muss die einfach nochmals sehen, auch wenn es nun schon zum zweiten Mal ist. Einfach eindrücklich, mit welchen Mitteln dazumal die Welt genau vermessen wurde.

zum zweiten Mal an der Meridiansäule

Nach diesem Besuch (extra für mich, Anita interessiert sich überhaupt nicht für solche technischen Dinge, Zahlen und Berechnungen) besuchen wir noch den Eisbärenclub von Hammerfest. Das spricht ihr viel eher zu, schliesslich begleitet uns seit dem Matratzenkauf in Deutschland (wir schlafen übrigens herrgöttlich gut) unser kleiner Eisbär auf der Reise und wir sprechen auch täglich mit ihm ;-), diesem Lümmel…

Das kleine Eisbärenmuseum ist herzig gemacht und alle Beschreibungen sind auch auf Deutsch. Es ist interessant zu lesen, wie die Robbenschiffe und Polarexpeditionen hier in Hammerfest starteten und wie wenige schlussendlich zurückkamen. Wir melden unser Knutschi als Mitglied des weltweit einzigen königlichen Eisbärenklub an, Nr. 264‘726. So werden wir jeden Januar an die Generalversammlung nach Hammerfest eingeladen. Wir nehmen uns fest vor, die irgendwann einmal wirklich zu besuchen. Elvis Presley wurde übrigens als Mitglied abgelehnt, da er nie persönlich in Hammerfest erschien, im Gegensatz zur gesamten königlichen Familie Norwegens, die alle Mitglied sind und den Antrag hier in Hammerfest ausfüllten.

im königlichen Eisbären Club

Und es hat übrigens nur gerade 200m vom Museum ein Stellplatz für Womos direkt am Meer, der auch im Winter geräumt ist und Stromsäulen besitzt. Dieses Mal also der Tipp, Hammerfest doch zu besuchen, mindestens im Winter.

Danach fahren wir zurück nach Skaidi, biegen dort Richtung Alta ab und durchfahren die für uns faszinierende Hochebene zwischen Skaidi und Alta, deren Namen wir jetzt nach der dritten Durchfahrt immer noch nicht wissen. (Danke Walter, diese Hochebene heisst Sennalandet)

In Alta stoppen wir dann bei der Nordlichtkathedrale und finden endlich Zeit, diese in Ruhe zu besichtigen. Es ist eindrücklich, besinnlich und sehr schön gemacht, modern und doch irgendwie feierlich. Eintritt müssen wir übrigens keines bezahlen, das Kassensystem ist momentan ausser Betrieb.

Wir wollten eigentlich auf dem grossen Parkplatz übernachten, aber morgen finden hier die Norwegischen Langlaufmeisterschaften mit all den Olympiastars statt und die Strecke führt direkt an der Kathedrale vorbei und den Einkaufsboulevard quer durch die Stadt runter. Und heute Abend ist die Eröffnungszeremonie auf dem Parkplatz, da ist es glaub besser, wir fahren mit unserem Knutschi aus dem Weg. Wir hätten die Langlaufskis ja dabei, aber wir können uns trotzdem nicht mehr zum Start melden, wir sind keine Norweger. Die haben wohl Angst vor uns…

Loipe quer durch die Flaniermeile zur Kathedrale

Dafür machen wir einen Einkaufsbummel durch diesen Boulevard (ich notiere das hier extra, das jeder Leser Zeuge ist, dass ich mit Anita shoppen ging…).

Danach finde ich im Internet 5km weiter einen Campingplatz, der auch im Winter offen hat. Wir checken ein und geniessen danach noch den ersten warmen Frühlingstag mit sagenhaften +5 Grad an der Sonne vor unserem Womo. Leider wird das gemeinsame Foto nichts, denn die 10Sek Selbstauslöser reichen einfach nicht, dass ich mich auch auf den Stuhl setzen kann. Und als es Anita besser machen will, ist sie nicht mal auf dem Foto…. (trotz ihren neuen Schuhspikes). 

zu spät, die 10 Sekunden Selbstauslöser reichten auch beim 4. Versuch nicht

Und wir benützen hier auf dem Camping gleich noch die kostenlose Kleiderwaschmöglichkeiten, denn meine Socken stinken schon arg heftig…

Und nun habe ich noch einen Auftrag von Anita: ich soll endlich mal unseren Lesern danken, die uns stetig im Web folgen, uns Tipps und Anregungen geben und auch Mut zusprechen. Das ist echt Klasse von euch, echt wahr! Wir haben so immer das Gefühl, dass wir nicht alleine reisen und so gar nix schief gehen kann. Danke euch allen! Wir lesen alle Kommentare, Anita ist plötzlich ganz vergiftet darauf und so kenne ich sie gar nicht. Ihr ist es sonst schnuppe, was andere von uns denken…


Übernachtung

Alta - Alta River Camping****
Camping

sehr schön, direkt am Fluss, mit herzigen Grillhäuschen

Koordinaten: 69.929783,23.261114
letzter Besuch: 4.2018

Schneelawine verzögert Weiterfahrt 5.4.2018

Die Lawine verzögert unsere Fahrt, dafür geht endlich der Kühlschrank wieder und wir stehen irgendwo im Niemandsland, da wir es nicht nach Karasjok schaffen.

eine Lawine verschüttet die Strasse

Wir wollen heute nur 200km weiter wieder ins Zentrum von Lappland, nämlich nach Karasjok. Also haben wir es nicht eilig und ich kann morgens mit dem schnellen Internet des Campingplatzes noch ein paar dringende berufliche Arbeiten erledigen. Wir (ich) wollten um 12 Uhr weg aber es wird dann doch wieder nach 13 Uhr, bis wir frisches Wasser voll haben, etc etc etc.

Zuerst ein paar Kilometer zurück, die letzte Gelegenheit noch nützen, um LPG zu tanken. In Finnland kennen sie keine solchen Tankstellen und die nächste kommt erst nach der Fähre von Helsinki in Estland. Der Gasverbrauch wird also unser Reisetempo bestimmen. Allerdings hat uns der Abstecher von Alta ans Nordkap und zurück gerade mal 17l LPG gekostet. Für das dass wir immer ohne Strom geheizt haben, viel weniger wie erwartet. Wir können also in etwa 8- 10 Tagen Finnland ohne Landstrom durchqueren und ohne frieren zu müssen. Mehr Zeit also, wie ursprünglich geplant.

ein Rentier sucht unter dem Schnee etwas essbares

Ganz in der Nähe der LPG-Station sehen wir noch ein Wohnmobilhändler, also machen wir auch dort halt. Unser Kühlschrank kühlt auf Gas schon seit der Abfahrt zu Hause nicht wirklich, egal was wir gemacht haben, es war im Kühlschrank jeweils der wärmste Ort. Bei kalten Temperaturen ja nie ein Problem, die Lebensmittel haben auch schon auf unserer Trittstufe übernachtet… Aber jetzt, wo es doch schon einige Grade über Null hat, wollen wir das Problem beheben lassen.

Die Leute sind freundlich und ein Mechaniker findet nach etwas knobeln heraus, dass unsere Gaseinspritzdüse (oder wie das Ding auch heisst) verstopft ist und nur mit Druckluft nicht reinigen lässt. Er nimmt das Ding und kommt dann 20 Minuten später mit strahlendem Gesicht wieder. Nach dem Einbau merken wir sofort, dass es jetzt auf Gas auch wieder perfekt läuft. Die Lebensmittel können nun ab sofort wieder im Kühlschrank übernachten.

Mit ziemlich Verspätung fahren wir dann endlich von Alta weg (ja ich weiss, die Kartenansicht auf der Webseite funktioniert nicht mehr, ist aber morgen geflickt, versprochen) Richtung Kautokeino. Aber schon nach wenigen Kilometern in einem Tal müssen wir wieder stoppen. Kurz vorher ist eine Lawine über die Strasse gedonnert und nun geht es nicht mehr weiter. Es bleibt uns nichts anderes übrig als auf norwegische Art in aller Gelassenheit zu warten. Der Winterdienst ist in Norwegen perfekt organisiert, unsere Strasse wird sofort am Anfang und Ende geschlossen, so dass nicht noch mehr Fahrzeuge auf unsere Kolonne auffahren. Wir sind in dieser Richtung etwa 8 Fahrzeuge und über der Lawine sehen wir nur die ersten zwei.

während den Räumungsarbeiten

Die Lawine sieht zwar mickrig aus, aber ich weiss aus Erfahrung, dass so ein Lawinenkegel aus Schnee hart wie Beton sein kann, also mit unserer Schneeschaufel will ich mich da nicht blamieren und warte darum auch auf die Räumfahrzeuge.

45 Minuten Später sind ein Schneepflug und ein grosser Radschauffellader hier und beginnen zu arbeiten. Das Lawinchen entpuppt sich doch als ein grösseres Ding, aber irgendwann ist die Strasse dann wieder frei und wir können weiter.

Wir merken allerdings schon bald, dass wir ziemlich spät in Karasjok ankommen werden und da einige Campingplätze jeweils schon um 16 Uhr geschlossen haben, entschliessen wir, uns irgendwo unterwegs zur Ruhe zu setzen. Problemlos finden wir einen schönen Rastplatz und richten uns bei Sonne gemütlich ein.

in der Nähe unseres Rastplatzes

Wir stehen im Niemandsland, ganz alleine, keine Lichter und nur ganz wenig Internet und Verbindung zur Aussenwelt. Es wäre der perfekte Ort, Nordlichter zu fotografieren, wenn denn welche erscheinen würden. Und frieren müsste ich jetzt auch nicht, Anita hat mir mit Wolle aus einer Tankstelle während den letzten Fahrten eine schöne neue Mütze mit Ohrwärmer gestrickt.

meine neue Mütze

Kilometer: 130km
Temperatur: +4 bis -3 Grad
Schnee: ca. 1 bis 1.30m 


Übernachtung

Lahpoluoppal - Rastplatz***
frei

Rastplatz an der wenig befahrenen Strasse

Koordinaten: 69.373834,24.387695
letzter Besuch: 4.2018

Nordlichter Pølse und Samistiefel 6.4.2018

In Karasjok, dem Parlamentssitz der Samen, kleidet sich Anita ein und verzichtet auf das Fahren mit Schneescootern

mein Fotomodell

Gestern Nacht standen wir ganz alleine in der Wildnis, wir hatten sogar nur ganz schwachen Handyempfang und das will in dem Top-Organisierten Norwegen doch echt was heissen. Also die beste Voraussetzungen, um Nordlichter zu beobachten, ist doch die nächste Lichtquelle einige Kilometer entfernt. Allerdings ist die Sonnenaktivität momentan sehr schwach und die braucht es, um Polarlichter erscheinen zu lassen. Schon die ganze Woche ist der Nordlichtindex zwischen schwachen 2 und 3 von 10. Trotzdem wagen wir den Schritt vors Womo bei -10 Grad.

Nach einigem Warten sehen wir am Himmel weissliche, sich bewegende Wolken. Wir sind nicht sicher, ob das die Polarlichter sind und machen darum ein Foto (iso 1600, Belichtung 6 sek und Blende 3,5) und siehe da, auf dem Foto sind diese Wolken tatsächlich grün, also schwache Nordlichter.

Wir schauen dem Treiben über unseren Köpfen zu, wo sich die Lichter immer schneller bewegen und intensiver werden. Zuerst sehen wir nur einen Grünstich, dann werden sie immer grüner und plötzlich strahlt und tanzt der Himmel in einem satten Grün! Wir können unsere Münder vor Staunen nicht mehr schliessen und geniessen es einfach. Es ist absolut gewaltig! Dieses riesige Spektakel dauert vielleicht eine Minute, und danach merken wir, dass wir gar keine Fotos machten. Irgendwie nicht schlimm, aber dies einmal so stark zu erleben, ist einfach traumhaft.

Polarlicht über unserem Knutschi

Danach sind sie wieder nur noch schwach aber wir haben dennoch das Gefühl, dass sie viel näher sind wie letztes Mal. Dadurch bewegen sie sich schneller und das Fotografieren wird schwieriger.

Wir müssen uns irgendwann extra einmal auf eine Polarlichterexpedition machen, wenn die Sonnenaktivität grösser ist.

Später gehen wir durchgefroren Schlafen, denn die Nacht wird eisig kalt. Man merkt einfach, dass wir schon wieder vom relativ warmen Meer entfernt sind.

Morgens haben wir nur 50km zu fahren, denn wir wollen in Karasjok auf dem Campingplatz übernachten und dort eine Fahrt mit den Schneescootern buchen. Aber es beginnt schon bald zu schneien, die Landschaft ist weiss in weiss ohne Kontrast, und da müssen wir schon vor der Ankunft eingestehen, dass Schneescooter fahren bei dieser Sicht für Anita gar nix ist. Sie wäre danach drei Tage mit Schwindel im Bett, also lassen wir es besser bleiben.

Fussmarsch ins Zentrum

Stattdessen besuchen wir nach dem Einkauf den Sami Park. Allerdings sind wir hier in Karasjok wohl die einzigen Touristen und im Park wurde nicht mit uns gerechnet. Es ist überhaupt nix los, immerhin hat die Boutique offen und das freut meine Anita. Und da ich gestern die selber gestrickte warme Mütze bekam, darf sie sich auch etwas gönnen.  Schlussendlich kauft sie echt schöne Sami Fell-Stiefel und Mütze (Wolle für meine Mütze: 11.- Sami-Fellstiefel und Fellmütze: 300.- ausgeglichen, meint Anita). Sie sieht nun aus wie ein Filmstar oder ein Mitglied der königlichen Familie, echt gut, oder?

Auch beim Parlament der Samen schauen wir kurz rein, um uns dann im Wohnmobil den ersten selber gemachten Pølse zu verschlingen. So etwas wie der nationale Hot-Dog, den man an jeder Tankstelle bekommt und echt gut ist. Allerdings haben wir nur Toastbrot und kein richtiges Pølsebrot.

Polse

Irgendwie geniessen wir auch den heutigen Tag mit wenig gefahrenen Kilometern und für einmal nicht ganz perfektes Wetter, denn es schneit noch immer…

Der Campingplatz hier ist echt schön angelegt, grosszügig, gut gelegen und eine schöne Aussicht. Auch das Sauna-Hüttchen, Whirlpool, Grill-Hütte etc alles vorhanden. Und trotzdem sind wir auf dem ganzjährig geöffneten Platz die einzigen Gäste…

Sauna des Campingplatzes

Unsere Reise wird morgen nach Finnland weiter gehen und dort werden wir in den nächsten Tagen das ganze Land durchqueren, irgendwann in Helsinki auf die Fähre fahren und dann durch Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien und Deutschland zurück in die Schweiz. Schliesslich müssen wir noch einige Destinationen für unsere Webseite der 100 schönsten Orte mit dem Wohnmobil rekognoszieren…

Wir sind also noch bis mindestens 30. April unterwegs und haben jetzt nicht mal die Hälfte hinter uns.

Übernachtung

Karasjok - Camping****
Camping

ganzjährig offen, schön gelegen

Koordinaten: 69.469072,25.488083
letzter Besuch: 4.2018

Fantastisches Lappland, genialer Spark und neue Reiseidee 7.4.2018

Wenn wir nicht schon lange Fan von Lappland wären, hätten wir es heute werden müssen.

Wir geniessen den Nachmittag

Schon um 6 Uhr weckt uns die Sonne bei allerschönstem Wetter aus unseren Träumen. Bei so einem herrlichen Wetter können wir einfach nicht unter unseren Decken bleiben. Also streune ich auf dem Platz herum und hoffe insgeheim, jemand anzutreffen, um ihn zu fragen, ob wir nicht heute eine Schneemobil-Tour machen könnten. Der Campingplatz schläft noch, oder besser gesagt, er ist verlassen, wir sind ja die einzigen Gäste und von der Besitzerfamilie ist auch niemand hier. Aber dann entdecke ich den Spark, ein einfach genialen Schlitten, den wir schon ganz viele Male in Skandinavien gesehen haben. Benützt von alten Leuten, Kindern, Müttern oder einfach von jedem. Manchmal gebraucht als Rollator, als Einkaufswagen, als Transportmittel oder als Sitzgelegenheit. Der Schlitten ist kurz und hat hinten erhöhte Griffe, aber seine Kufen reichen etwa einen Meter hinter den Schlitten mit der Möglichkeit, darauf zu stehen. Die Kufen sind ziemlich dünn und nur aus Stahl, so lassen sie sich seitlich verbiegen und man kann Kurven fahren. Ist ja klar, dass wir den sofort ausprobieren müssen.

Spark, der Superschlitten

Einfach genial das Ding, ich glaube, es ist das Beste Fortbewegungsmittel auf Schnee, dass es gibt. Am liebsten würde ich so einen grad einpacken und nach Hause nehmen.

Danach studieren wir die Karte, nehmen einen Kalender zur Hand und legen in ungefähr unsere Reiseroute für die nächsten Tage fest. Wir müssen ja auch schauen, dass wir nicht zu früh oder zu spät zu Hause sein werden. Wir waren am nördlichsten Punkt von Europa und sind nun ziemlich östlich. Wir könnten ja den östlichsten Punkt von Europa grad auch noch besuchen? Aber wo liegt der? Europa ginge ja bis zum Ural, aber Russland gehört meiner Meinung nach nicht dazu, ebenso wenig die Ukraine und Weissrussland. Das würde also heissen, dass der östlichste Zipfel von Finnland auch der östlichste Punkt Europas ist. Nach finnischer Strassenkarte und Google Maps ist der Punkt 62.747428, 31.404103 das östlichste, was man mit dem Womo erreichen kann (oder hat jemand einen anderen östlichsten Punkt?). Also werden wir diesen Punkt besuchen. Aber nicht mehr heute, heute geht es gemütlich weiter.

Als um 10 Uhr immer noch keine Menschenseele anzutreffen ist, packen wir zusammen und fahren los. Allerdings haben wir ein Luxusproblem: nach der Einreise nach Norwegen haben wir 2000 Kronen gewechselt und jetzt haben wir noch 2400 Kronen. Wir bekamen die Mehrwertsteuer von Anitas Stiefeln direkt im Laden bar ausbezahlt...  Die müssen wir ja irgendwie brauchen, man weiss ja nicht, wann wir wieder hier sein werden. Also tanken wir unser Knutschi trotz des teureren Diesels noch in Norwegen voll, kaufen einen weiteren Pølse und überqueren kurze Zeit später die Grenze nach Finnland.

Die Fahrt ist wieder einmal unvergesslich: weisse Landschaft, weisse Strasse, lichter Wald und nur ganz selten irgendein Auto. Die Schneehöhe unterschätzen wir immer noch ganz krass, wenn wir etwas in den Schnee weg von der Strasse wollen, um ein Foto zu schiessen. Wir können uns nur auf Wegen und Schneemobiltouren fortbewegen, brauchen also doch noch unbedingt Schneeschuhe.

viel mehr Schnee wie es aussieht (gut, Anita ist ja auch klein)

In Inari, der ersten grösseren Siedlung suchen wir aber Schneeschuhe vergeblich, aber wir besuchen dort Siida, eine Ausstellung und Museum der Sami. Wir sind echt begeistert, es ist toll gemacht und wir erfahren endlich alles über die acht Jahreszeiten der Lappen, ihre Geschichten und die Tiere des Nordens. Alles ist sogar auch auf Deutsch beschriftet und wirklich einen Besuch wert.

Siida, echt schön gemacht

Nach diesem Stopp schwenken wir auf die 955 Richtung Kittilä ab und durchfahren den Lemmenjoki-Nationalpark, den grössten in Finnland. Es ist einfach nur Traumhaft und wir saugen jeden Kilometer in uns auf und wir wollen da irgendwo übernachten. Aber wir müssen ganze 70km fahren, bis wir den ersten halbwegs geräumten Rastplatz antreffen. Alle anderen sind unter einem Meter Schnee begraben und auch andere Parkier Möglichkeiten gibt es keine. Wir müssen beim Rastplatz dann noch eine Bucht für unser Knutschi selber vom Neuschnee frei schaufeln, bis wir entgültig stehen können.

zuerst den Rastplatz freischaufeln

Wir sitzen in einer fantastischen Winterlandschaft, geniessen die Sonne, sitzen bei 3 Grad draussen, trinken Kaffee und geniessen die herrliche Ruhe. Wir sitzen etwa drei Stunden draussen, in dieser Zeit fuhren fünf Autos und drei Schneemobile vorbei. Wenn das nicht ein schöner Platz ist?

Jetzt warten wir auf den Sonnenuntergang und hoffen, vielleicht einen Elch zu sehen. Vielleicht fahren wir morgen ja auch um sechs Uhr weg, damit wir grössere Chancen haben. Die Elche benützen momentan die Strassen als Hauptverkehrswege ebenso, weil daneben einfach zu viel Schnee liegt.

Toivotamme sinulle hienon sunnuntain huomenna

Übernachtung

Repjoki - Rastplatz****
frei

Rastplatz an der selten befahrenen Strasse,

Koordinaten: 68.449780,25.954444
letzter Besuch: 4.2018

Anlaufschwierigkeiten und Fragen 8.4.2018

Strahlendes Wetter und ein Traum geht in Erfüllung, aber nicht ganz ohne Komplikationen

Ein weiterer Punkt auf meiner Liste kann ich abhacken: Langlaufen in Lappland

Der Vorsatz, heute bei Morgengrauen abzufahren um Elche auf der Strasse zu sehen, wird eben bei diesem Morgengrauen über den Haufen geworfen. Wir haben Anlaufschwierigkeiten, um uns um halb sechs von unseren so bequemen Matratzen zu erheben. Die Elche sind uns in diesem Moment gar nicht mehr so wichtig.

Aber die Nacht muss kalt gewesen sein, an unseren Fenstern bildeten sich wieder Eisblumen, aber wie kalt, bleibt leider ein Rätsel. Unser Aussenthermometer hat auch Anlaufschwierigkeiten oder einfach keine Batterie mehr. Jetzt sollte ich unter das Auto kriechen, abmontieren, Batterien wechseln, wieder runter kriechen und montieren. Die erste Frage: wo und wie montiert ihr eure Aussenthermometer? Kriecht ihr auch unters Auto, um die Batterien zu wechseln?

Um neun Uhr krieche ich dann doch unter unser Knutschi. Es hat auch Anlaufschwierigkeiten, weil die Handbremse angefroren ist. Ich weiss, man sollte die Handbremse bei grosser Kälte nicht anziehen, aber wie macht ihr denn das, wenn ihr so schief steht, dass ihr auf einen Keil fahren müsst? Zieht ihr dann keine Handbremse an? Oder was habt ihr da für Lösungen?

Ich vermute Mal, dass die Handbremse die hinteren Räder blockiert und merke: ich habe keine Ahnung von dieser Art Bremse, wie sie unter dem Auto aussieht und wo sie genau liegt. Also hämmere ich mit einem Hammer (gute Idee, den mitzunehmen) überall um das Rad die dicken festgefrorenen Eisbrocken weg. Es tut sich danach aber immer noch nix. Also stecke ich unseren Föhn an und blase unter dem Auto liegend irgendwie in den Bereich Räder oder dorthin, wo ich die Handbremse vermute.

Ich stelle aber keine Verbesserung fest und versuche nochmals etwas vor- und zurück zu fahren. Dabei fällt mir auf, dass die Räder gar nicht blockiert sind, sondern nur die rote Kontrollleuchte der Handbremse leuchtet. Eventuell ist ja auch nur der Seilzug eingefroren? Die Bremsbacken können nicht an den Rädern angefroren sein, denn sonst würden die Räder ja blockieren. Also fahre ich mal 200m über rüttelige Stellen auf der Strasse, stoppe und schaue, ob irgendwo etwas glüht oder nach Gummi stinkt. Aber nichts dergleichen und der Handbremshebel lässt sich nun auch wieder normal anziehen und lösen. Problem richtig fachmännisch gelöst!

Kilometerlang...

Und als wir dann endlich mit einer Stunde Verspätung losfahren können, geniessen wir die wunderschöne Fahrt über die nächsten 90 km. Auf dieser Fahrt sehen wir genau drei Pkw’s und ein Lastwagen. Und die Gegend ist superschön, strahlend weiss und blauer Himmel. Die Sami haben insgesamt acht Jahreszeiten und die jetzige Hankikanto (Frühlingswinter) sei die Schönste. Das empfinden wir hier im Herzen von Lappland auch.

Lappland im Frühlingswinter

Wir schätzen, dass hier mindestens 1.50m Schnee liegt, wenn nicht gar mehr. Und wir werden da wieder erinnert, dass wir eigentlich Schneeschuhe brauchen, wenn wir nur 5m neben die Strasse wollen. Über Levi erreichen wir dann schon gegen Mittag Äkäslompolo, dort soll es einen Stellplatz direkt neben der Langlaufloipe haben.

Zuerst fahren wir aber ins Dorf selber, denn es ist ein bekannter Ski-, Langlauf- und allgemein ein Sportort. Es hat mindestens drei grosse Sportgeschäfte, die wie die meisten anderen Geschäfte hier auch Sonntags offen haben. Kurze Zeit später besitzen wir echte, finnländische Tiefschneeschneeschuhe, das Beste vom Besten (nach dem Preis zu beurteilen).

mit den neuen Schneeschuhen

Endlich können wir nun den Stellplatz anfahren und erschrecken: da stehen ja schon insgesamt mindestens 50 Wohnmobile und –wagen! Was ist denn hier los? Bis jetzt haben wir auf der gesamten Reise nicht so viele zusammen gesehen! Anscheinend sind wir in der Zivilisation zurück, auch wenn wir noch oberhalb des Polarkreises sind und es stehen nur Finnen hier, wir sind die einzigen Ausländer.

Knutschi hinstellen, Langlaufausrüstung aus der Garage kramen, uns in den Dress werfen und merken, dass dieser schon wieder kleiner geworden ist seit letztem Jahr. Gehen die denn immer ein? Nach einer riesen Portion Spaghetti Bolognaise zum Mittagessen starten wir unser Lappland-Langlaufabenteuer. Es war schon seit meiner Kindheit der Traum, einmal im Leben in Lappland mit den Langlaufskis in den Wäldern unterwegs zu sein. Es ist echt traumhaft, Loipen bis zum abwinken, Wegweiser in alle Richtungen, über Seen und durch Wälder und immer ganz einsam. Hin und wieder kommt uns ein anderer Skilangläufer entgegen, aber sonst sind wir sehr einsam unterwegs. Zum Glück machen die etwa 1000 finnischen Braunbären ihren Winterschlaf, denn wenn uns einer fressen würde, würde das hier gar niemand merken.

Das Problem ist dann nur der Rückweg, erstens weil wir in der Euphorie nicht daran gedacht haben, dass wir ja auch mal Müde werden und die Wälder und Wegweiser sehen alle so verdammt ähnlich aus! Hier waren wir doch schon mal! Siehst du irgendwo einen Campingplatz oder Wohnmobile? Ich habe Blasen, nimm doch einfach den kürzesten Weg! Wo ist denn der kürzeste Weg, verdammt nochmal? Wir müssen nur noch dort über den See! Nein, dort durch den Wald!

Langlaufwegweiser, sorry, die Linse des Fotoapparates war auf dem Heimweg vom Schwitzen angelaufen

Na egal, nach 25km Langlaufen kommen wir totkaputt endlich bei unserem Knutschi an und ich kann wieder einen Punkt in meiner Liste abstreichen, von den Dingen, die ich unbedingt einmal in meinem Leben machen will (es bleiben jetzt nur noch ganz wenige übrig).

Wir sind glücklich, frisch geduscht und völlig kaputt.

Übernachtung

Äkälslompolo - Ylläksen Lyhty Ky***
Stellplatz

Sauna inbegriffen, für Männlein und Weiblein aber getrennt, direkt an der Loipe

Koordinaten: 67.607431,24.145080
letzter Besuch: 4.2018

Zeit um Innezuhalten 9.4.2018

Ungefähr die Hälfte unserer Reise ist nun um, da haben wir uns einen Tag mit Nixtun verdient.

einfach nur fantastisch

Es war bis anhin eine fantastische Reise, immer irgendwie auf Adrenalin: weil es so schön war, weil immer wieder Neues kam, weil nicht alles planbar ist, weil wir Angst haben, einen tollen Moment zu verpassen. Typisches Beispiel gestern Nacht: Womoblog geschrieben, gekocht, Haushalt gemacht und bereit, sich endlich mal hinzulegen und früh schlafen zu gehen. Ein letzter Blick aufs Handy, mein App der Nordlichter öffnen und erschrecken, trotz schlechten Prognosen soll nun plötzlich eine Wahrscheinlichkeit von 25% bestehen, an unserem Ort Polarlichter zu sehen. Also doch den Kopf zur Tür in die sternenklare Nacht halten um tatsächlich hinter dem Campingplatz einen grün schimmernden Himmel zu erspähen. Der Campingplatz ist hell erleuchtet, wenn wir diese Lichter also genauer anschauen wollen, müssen wir die 200m zur dunkeln Langlaufloipe marschieren. Schuhe anziehen, Jacke, Handschuhe, Mütze, Fotoapparat und Stativ packen und in die Kälte hinausziehen.

Und dann stehen wir da, starren in den Himmel und staunen einfach nur, mal ganz schwach, dann wieder ganz starke Lichter. Ich mache ein Foto am andern, habe Angst, dass der Apparat nicht richtig eingestellt ist und stehe schon wieder unter Adrenalin. Es folgt eine fantastische halbe Stunde mit Polarlichtern, ja keinen Blick vom Himmel wenden, wir könnten ja etwas verpassen.

Nordlichter über der Langlaufloipe

Und schon wieder ist es Mitternacht nach unserer Zeit, in Finnland sind sie eine Stunde voraus, das heisst also, es ist ein Uhr nachts. Wie soll man sich so in den Ferien erholen können? Und wie muss ich nun diese Eindrücke wieder verarbeiten?

Darum kommt der heutige Tag mit Schneefall und Wind grad richtig. Wir müssen keine Angst haben, irgend etwas zu verpassen. Ich grabe morgens unser Womo aus, erledige dann einige berufliche Pendenzen und Anita liest in Seelenruhe ihr neues Buch und beginnt zum etwa vierten Mal meine neue blau-weisse Mütze zu stricken. Die soll nun einfach perfekt sein und zur gekauften Winterjacke passen.

beim Relaxen

Als das Wetter etwas besser wird, marschieren wir zum nahegelegenen Supermarkt, kaufen das nötigste ein und verkriechen uns wieder im Womo.

Unser Dachboden im Hubbett hat sich total bewährt. Wir haben dort die Matratze rausgenommen und alle unsere Skikleider so auf das Bett versorgt. Wir können so die Kleider jeden Morgen frisch gebügelt in Empfang nehmen.

der herunterlassbare Kleiderschrank

Ich kann auch unsere weitere Route in Ruhe planen. Morgen geht es nach Rovaniemi, wir wollen natürlich den echten Santa Claus besuchen, dieses Mal mit Schnee. Bei unserem letzten Besuch hatten wir 28 Grad und das war nicht gerade romantisch. Abends ist dann noch die beste Polarlichternacht unserer Reise prognostiziert, also werden wir mit unserem Knutschi irgendwo hin fahren, wo es schön dunkel und einsam ist.

Übermorgen werden wir den Zoo in Ranua besuchen. Es sollen dort viele der arktischen und einheimischen Tiere gezeigt werden und es soll ein schöner Campingplatz angegliedert sein. Danach wollen wir dann den östlichsten Punkt der EU anfahren und erwandern. Schliesslich haben wir jetzt ja Schneeschuhe. Und wenn alles klappt, will ich dann um den Grenzstein laufen, das heisst, ich hätte meine Füsse zum ersten Mal auf russischem Boden, falls keine Grenzwächter in Sicht sind. Ein Visum für Russland haben wir nämlich nicht.

Es steht also noch viel an, ein weiterer Grund, heute einfach nur Kräfte zu sammeln.

früh morgens

Bei unserem Womo haben wir nun glaub ich jeden Winterkniff erprobt und ausprobiert, so dass wir in Zukunft überhaupt keine Angst mehr haben müssen, dass irgendetwas im Winter nicht mehr funktioniert. Auch die Ausrüstung ist optimiert, ebenso die Einrichtung. Z. B. unsere Kaffeemaschine, die hat nun vier Jahre jede Reise über holprige Strassen mitgemacht und noch nie hatten wir Probleme damit. Auch den Kaffee dafür fanden wir bisher vom Polarkreis bis nach Marokko, von Kroatien bis nach Frankreich immer in einem Supermarkt. Oder auch der Kühlschrank, der jetzt wieder optimal funktioniert.

Ich glaube, wir würden auch jetzt nochmals genau das gleiche Wohnmobil kaufen, denn unser Knutschi ist einfach perfekt. Als Luxus wäre eigentlich nur eine Ausführung als 4x4 Modell, das würde uns auf den jetzigen über 1000km auf schneebedeckten Fahrbahnen etwas mehr Sicherheit geben.


Übernachtung

Äkälslompolo - Ylläksen Lyhty Ky***
Stellplatz

Sauna inbegriffen, für Männlein und Weiblein aber getrennt, direkt an der Loipe

Koordinaten: 67.607431,24.145080
letzter Besuch: 4.2018

Es wird immer noch besser 10.4.2018

Eigentlich glauben wir nicht mehr, dass diese perfekte Reise noch perfekter werden könnte, aber wir täuschen uns.

Es ist ein echter Schneemann aus echtem Schnee

Gestern Abend nach dem Schneefalltag verzogen sich plötzlich die Wolken und der Sternenhimmel kam zum Vorschein. Genau richtig für die Polarlichtsession. Wir sahen echt gute Polarlichter, aber um 22 Uhr war es einfach noch zu hell für top Fotos. Bei unserem Standort über dem Polarkreis wird jeder Tag nun mindestens 10 Minuten länger dauern wie sein Vorgänger, aktuell sind wir schon bei 15 Std. und 6 Min Tageslänge. Da bleibt schon nicht mehr viel Zeit übrig um eine dunkle Nacht zu erleben, vor allem wenn Schnee liegt. Astronomische Morgen- und Abenddämmerung findet schon gar nicht mehr statt.

Wir verschieben unsere Fotosession auf Mitternacht und kehren wieder zum Womo zurück, vor allem auch, weil es wieder unter -10 Grad kalt ist. Um halb zwölf tritt Anita vors Womo und klopft sofort an die Tür. Unser Zeichen, dass sich was am Himmel tut. Sofort warm anziehen, Fotoapparat schnappen und vor das Womo treten.

was für ein Spektakel

Und was wir dann sehen stellt alles Bisherige weit, weit in den Schatten. Am Himmel genau über uns ein Lichterregen in allen Farben, das Licht tanzt wild umher und es ist fast tageshell. Es ist besser wie jedes gesehene Feuerwerk! Bei den Fotos muss ich die Sekunden und die Iso-Zahl herunterschrauben, damit sie nicht überbelichtet werden. Ich mache aber gar nicht viele Fotos (und ein paar noch mit dem falschen Womo drauf) sondern staune nur und geniesse die Show.

Nach etwa fünf Minuten ist der ganze Glitzerglammer vorbei und die Polarlichter sind wieder „nur“ grün. Immer noch toll und einmalig, aber wir können uns von der vorherigen Show gar nicht erholen. Um Mitternacht ist dann alles mehr oder weniger vorbei und wir treten ins Womo. Wir müssen morgen etwas früher abfahren und da brauchen wir dringend den Schlaf. Wir schliessen alle Verdunkelungen und schauen extra nicht mehr zum Fenster hinaus, denn sonst schlafen wir noch lange nicht und erwarten immer die nächsten Nordlichter.

Morgens um 8 weckt uns neben dem Wecker schon die Sonne weit am Himmel oben. Wir packen zusammen, leeren unseren Urinkanister (der Feststoff-Behälter des WC’s haben wir immer noch nie geleert. Ist echt super so!), bezahlen den Campingplatz und wollen um 9 Uhr wegfahren. Wie immer starte ich vorsichtig den Motor, er kommt in die Gänge dreht aber etwas unruhig, so wie fast immer nach sehr kalten Nächten. Aber plötzlich nach ein paar Sekunden beginnt es zu Qualmen und zu stinken, ich stelle sofort ab. Was zum Teufel ist denn das wieder? Ich öffne die Motorhaube und als Nicht-Fachmann sehe ich genau gleichviel, nämlich nichts. Wie soll ich da etwas von einem Defekt merken, wenn ich nicht mal weiss, wie so ein Motor funktioniert? Ich sehe ein paar ganz wenige Eiszapfen und Vereisungen (meine Motorabdichtung zeigt also voll Wirkung) aber das kann doch das Problem nicht sein? Anita und ich raten, was wir machen sollen und was es sein könnte. Einzige Idee: nochmals probieren.

Also Motor starten und er kommt wie immer in die Gänge, dreht nun aber runder und kein Rauch und kein Stinken mehr. Auch alle Kontrolllampen erlöschen und nirgends zeigt es ein Problem an. Was war denn das vorher? Öl eingefroren? Also fahren wir vorsichtig Richtung Süden ab und alles geht gut.

Wir wollen heute bis nach Rovaniemi, also etwa 180km. Nach einer wieder wunderschönen Fahrt auf schneebedeckten Strassen ist sie plötzlich Eis- und Schneefrei. Das hatten wir nun doch schon sehr lange nicht mehr. Ich kann sogar den Tempomat einwerfen und wir cruisen mit 90km/h Richtung Stadt am Polarkreis.

In Rovaniemi fahren wir direkt zum Santa Claus Village aber wir wissen genau, dass etwa drei Kilometer vorher noch der Santa Claus Park kommt und das ist nicht das gleiche und dort wollen wir auch nicht hin. Vor vier Jahren bei unserem ersten Besuch hier haben wir dort nämlich noch eine oder zwei Ehrenrunde gedreht.

Mittags sind wir dann dort, wo der richtige und weltweit einzige Santa Claus wohnt und arbeitet. Wir haben bei ihm ja schon einen Besuch abgestattet und müssen ihn darum nicht noch einmal sehen. Wir wollen aber zum Santa Claus Postamt, wo seine Wichtel die Briefe erledigen. Wir kaufen Ansichtskarten und vor allem die Sonderbriefmarken, die es nur hier gibt. Und dann werden wir Postkarten schreiben und in den roten Briefkasten werfen. Die Briefe dort werden dann erst vor Weihnachten mit einem Sonderstempel abgeschickt und unsere Empfänger kriegen Post vom echten Weihnachtsmann!

Für die Souvenirläden haben wir nicht mehr so viel Zeit, denn um 13:45 Uhr müssen wir beim Artic Circle Snowmobil park sein, ein Haus des Santa Claus Villages. Ich habe da gestern per Mail naiv angefragt, ob es möglich wäre, heute eine 2-stündige Snowmobil-Tour zu buchen, aber wir kommen leider erst um 14 in Rovaniemi an. Die normalen Touren für die Touristen beginnen eben um 12 Uhr und da wir nicht Kolonne fahren wollen, fragte ich um einen Termin um 14 Uhr. Über diesen Veranstalter von Snowmobil-Touren habe ich bis jetzt nur immer gutes gelesen und war darum sehr gespannt, wie es ausgehen wird. Lange Rede kurzer Sinn: es hat hervorragend geklappt!

zwei echte Profis


Anita und ich konnten alleine mit Roman, unserem Guide, ein 60km lange Snowmobil-Tour machen. Jeder auf einem eigenen Snowmobil und es war herrlich. Zuerst noch etwas vorsichtig wurden wir dann auf dem Kemijoki, dem längsten Fluss Finnlands, quer durch Rovaniemi immer etwas mutiger und rasten mit 70km/h über Schnee und Eis. Es ist schon cool, mit einem Schneemobil unter Brücken hindurch auf einem zugefrorenen Fluss dahin zu brausen. Später ging es dann durch Wälder auf Hügel, wir kamen an Picknickplätzen, Aussichtspunkten und schmalen Brücken vorbei, die wir überqueren mussten.

Aber ich muss sagen, von der Landschaft selber habe ich nicht so viel gesehen, ich musste voll Gutzi geben, damit ich Roman und Anita hinterher komme. Anita ist glaub ein Naturtalent für Schneemobile, denn ich habe gegen sie keine Chance. Ihr Geschwindigkeitsrekord heute: 80km/h.

Stopp unterwegs


Es war echt toll, ein super Erlebnis und auch eindrücklich, dass es genau gleich wie auf der Strasse Verkehrssignale, Hinweisschilder, Wegweiser und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Schneemobil-Strassen und Wege gibt. Ich bin ja nicht so ein Fan von allem was Motoren hat (ausser Womos), aber das hat mir echt gefallen! 

Nach der Tour beschliessen wir, dass wir noch ein Stückchen weiterfahren und nicht im Santa Claus Village übernachten.

Irgendwie ist das Dorf und auch der Polarkreis viel schöner und interessanter, wenn man sich von Süden nähert. Kommt man von Norden, hat man das Gefühl, das Ganze sei schon wirklich touristisch und man kommt hier in die „Zivilisation“ zurück.

bei unserem Übernachtungsplatz

Jetzt stehen wir auf dem Vikaköngäs-Rastplatz, echt sehr schön und ich hoffe, ich könne dann Abends noch ein paar Langzeitaufnahmen von Fluss und Hängebrücke machen, und wenn sich noch ein paar Nordlichter zeigen, umso besser. Aber schöner wie Gestern, das geht einfach nicht und da mache ich mir auch keine Hoffnungen.


Übernachtung

Vikajärvi - Vikaköngäs****
frei

schöner Rastplatz im Wandergebiet

Koordinaten: 66.619268,26.185141
letzter Besuch: 4.2018

Wir verlassen den Polarkreis 11.4.2018

Nochmals Nordlichter und nun geht es langsam südwärts in die Zivilisation zurück

Der Briefmarkeklebeelf im Santa Claus Postoffice

Gestern spät abends machten wir noch einen kleinen Rundgang um unseren Übernachtungsplatz und blieben bei einer tollen Feuerstelle hängen. Da es wieder ziemlich kalt war (ca. -8 Grad) entfachten wir in der Feuerstelle ein schönes Feuerchen und warteten auf die Nordlichter. Etwas später gesellten sich zwei Japanerinnen und ihr finnischer Guide zu uns. Die Japanerinnen sind genau zwei Tage in Finnland und haben nun einen Nordlichttripp gebucht. Also müssten wir da ja am genau richtigen Ort sein, wenn ein Guide mit denen hierher kommt.

unser romantisches Feuerchen


Und tatsächlich, sind wir auch. Und schon wieder sehen wir fantastische Nordlichter! Wir sind einfach glücklich und dem finnischen Guide ist die Erleichterung anzumerken… Für uns wäre es nicht so schlimm gewesen, wenn die heutige Show am Himmel ausfallen würde, denn wir haben ein warmes, romantisches Feuerchen in einer fantastischen Landschaft.

versprochen, das letzte Nordlichtbild

Die anschliessende Nacht war dann nicht mehr so kalt und als ich um 9 Uhr müde im Womo erwache, wende ich die Taktik von Anita an: Hier ist es 9 Uhr, in der Schweiz aber erst 8 Uhr und wenn man bedenkt, dass draussen noch viel Schnee liegt und wir eigentlich in Winterzeit rechnen müssten, haben wir erst 7 Uhr. Ein Grund also, noch liegen zu bleiben…

Irgendwann stehen wir dann gegen 10 Uhr doch auf (Nach welche Zeit genau, überlassen wir euch) und dann müssen wir noch all die Postkarten schreiben, da wir gestern keine Zeit mehr hatten.

Als auch das erledigt ist, fehlen uns noch zwei Karten, aber da wir im Santa Claus Village doch nochmals stoppen wollen, kein Problem.

Santa Claus Village Rovaniemi

Jetzt geniessen wir dieses Village total. Vor allem das Santa Claus Postoffice und das eigentliche Heim des Santa Claus sind echt wirklich schön gemacht und auf jedes Detail wird da geschaut. Die Angestellten sind alle als Elfen verkleidet und eine Elfe klebt den ganzen Tag im Postoffice die original Santa Claus Briefmarken von Hand auf tausende von Postkarten. Diese Briefmarken gibt es nur hier und nur hier haben sie ihre Gültigkeit. Wenn ich jetzt einen Briefmarkensammler kennen würde, könnte ich ihm sicher eine Freude machen.

Wir kaufen noch zwei Postkarten, schreiben diese auch direkt auf den dafür extra vorgesehen Tischen im Postoffice und dann können wir den Briefkasten wählen: entweder den, der jeden Tag geleert wird oder den roten, der nur vor Weihnachten geleert, alle Karten mit dem exklusiven Stempel abgestempelt und in alle Welt verschickt werden. Ist ja klar, dass wir unsere Karten in den roten werfen. Ein paar ganz liebe Leute können sich also kurz vor Weihnachten auf Post vom Santa freuen…

wer bekommt wohl von uns Post?

Übrigens auch das Heim des einzig wahren Santa Claus ist wirklich schön gemacht. Leider darf man dort keine Fotos machen, denn die geschäftstüchtigen Elfen wollen dort ihre eigenen Fotos verkaufen. Wer kann es ihnen schon verübeln.

Klar, es ist touristisch, aber uns gefällt es da wirklich gut. Auch wenn die Weihnachtsmusik kitschig ist, was sollen sie denn im Weihnachtsdorf anderes Spielen? Hardrock etwa? Wir haben schon viel kitschigere und plumpere Touristenattraktionen besucht… Wer in der Gegend von Rovaniemi unterwegs ist, sollte dieses Dorf wirklich besuchen.

der markierte Polarkreis lassen wir nun hinter uns

Nachdem wir uns vom Polarkreis und von der Weihnachtsmusik verabschieden, geht es Richtung Süden. Aber nur gerade 80km, dann sind wir beim Ranua Artic Zoo (deren Webseite hat grad einen Aussetzter und funktioniert nicht..), dort gibt es 100m vorher einen neuen Stellplatz. Dieser Stellplatz ist für uns echt perfekt, schön angelegt, super Sanitärgebäude inklusive Sauna, und auch schnelles WLan (mit Zusatzantenne). Was für ein schönes Leben.

Allerdings schliesst der Zoo im Winter schon um 16 Uhr und darum können wir heute den Tieren keinen Besuch mehr abstatten. Wir verschieben es aber gerne auf morgen und gehen stattdessen noch einkaufen. Oder sollen wir doch noch eine Hundeschlittenfahrt mit den Huskys machen? (machen wir aber heute nicht mehr).

Jetzt geniessen wir (ich) das schnelle Internet und bereit mich seelisch auf den Saunabesuch vor. Aber vorher sassen wir sicher noch eine Stunde im Schnee an der Sonne und machten genau gar nix.


Übernachtung

Ranua - WildlifePark****
Stellplatz

direkt neben dem Zoo mit super Sanitärgebäuden

Koordinaten: 65.944321,26.461879
letzter Besuch: 4.2018

Reisestrecken

unseres Reisestrecke