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Appenzell Schweiz 2014
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Reisebericht

Guter Tag mit Planungsfehler 25.3.2017

Das Projekt Zugvogel ist gut in Italien angekommen, aber die ersten Planungsfehler sind schon aufgedeckt.

Uns geht es sehr gut!

Punkt 10 Uhr fahren wir mit unserem Knutschi im Altersheim vor, unser Gast Johann erwartet uns schon sehnsüchtig. Seine sieben Sachen, eher nur sechs, haben an einem kleinen Örtchen platz und sind schnell verstaut. Die Verabschiedung von all seinen Mitbewohnern hat schon die gesamten letzten Tagen angedauert und so können wir 20 Minuten später Richtung Süden losfahren.

Das Wetter ist super, der blauer Himmel und die schneeverschneiten Berggipfel begleiten uns über den San Bernardino, weiter durch das Tessin Richtung Mailand. Wir kommen sehr gut vorwärts, wenig Verkehr, und so sind wir schon um halb drei kurz vor Sirmione.

während der Fahrt

Ab da staut es ein wenig, ich glaub, halb Italien will heute Sirmione besichtigen. Auf dem grossen Parkplatz kurz vor dem Städtchen erwischen wir grad noch einen Platz auf dem Womoparkplatz direkt am See. Allerdings ist es verdammt eng, kaum einen Meter Platz zwischen den Womos. Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt!

Unsere Laune lassen wir uns aber nicht verderben und schlendern mit Johann in die Altstadt. Schnell haben wir ein herziges Ristaurante gefunden, Antipasti und eine Pizza zum Teilen bestellt und lassen es uns gut gehen.

Es ist warm, ca. 23 Grad und Sonnenschein.

der erste Blick auf den Gardasee

Aber eben, alleine sind wir nicht, es hat sehr viele Leute hier. Bei der Planung haben wir das nicht berücksichtigt, dass wir am Weekend hier ankommen. Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, wir hätten Sirmione unter der Woche auf dem Programm, statt am Wochenende. Das ist aber noch nicht unser grösster Fehler!

zimlich voll

Als wir nach einem Glace endlich wieder am Womo ankommen und den Blutzucker von Johann messen wollen, merken wir, dass das Messgerät nicht mitkam! Es waren insgesamt drei Personen verantwortlich, dass Johann alles mitnimmt! Viele Köche verderben den Brei!

Tja, also mache ich mit Rolf einen zügigen Abendspaziergang in die nächste Apotheke (3km hin, 3 km zurück) kaufen so ein Messgerät (wie heissen die Dinger auf Italienisch? Zum Glück kann Rolf italienisch und so kann er es so beschreiben, dass sie wissen, was wir wollen), und können danach die Messungen machen und die Werte eintragen.

Das Fazit des ersten Tages ist sehr positiv! Johann hat eine riesen Freude und er strahlt über das gesamte Gesicht. Die Spaziergänge sind halt einfach kürzer und langsamer, wie gewohnt. Überhaupt, geht alles etwas gemächlicher, aber das wussten wir ja schon vor dem Start.

Übernachtung

Sirmione - Sirmione Parceggio**
Stellplatz

Direkt am See, vielfach voll und sehr eng, nicht romantisch

Koordinaten: 45.486898,10.610619
letzter Besuch: 3.2017

Wilder Gardasee 26.3.2017

Der See ist aufgewühlt und wir wechseln den Platz von Sirmione nach Lazise.

Morgenstimmung

Nachts regnete es, nicht stark, aber trotzdem so, dass wir es auf dem Dach gehört haben. Johann, unser Gast aus dem Altersheim, schläft im hinteren Teil, Rolf und ich im Hubbett. Da sind wir etwas näher zusammen wie normal, wäre ja schön, aber bewegen können wir uns leider trotzdem nicht allzu viel, denn sonst schwankt unser Knutschi und Johannes kann nicht schlafen ;-)

Die Nacht geht schnell vorüber, sogar Johann schläft lange. Im Heim steht er jeweils schon um halb sieben auf, hier schläft er bis knapp vor neun Uhr. Der Tag gestern war anscheinend doch etwas strenger, wie er es sich gewohnt ist.

Nach einem feinen Frühstück mit frischen, aufgebackenen Brötchen aus dem Womobackofen packen wir zusammen. Es ist einfach etwas eng hier in Sirmione auf dem Parkplatz, zwar schön am See, aber wir wollen die Campingstühle und den Tisch vor das Womo stellen können. Wir fahren weiter nach Lazise und landen dort auf den Gemeindecampingplatz fast im Zentrum.

Hier gefällt es uns sehr gut und wir richten es uns schön ein. Die meisten Campingplätze haben noch geschlossen und öffnen erst nächstes Wochenende oder noch später. Und die Stellplätze sind nun vorwiegend von italienischen Campern besetzt.

Nach einem kurzen Spaziergang in das wirklich sehr schöne Städtchen (sehr zu empfehlen) beobachten wir den Gardasee mit seinen hohen Wellen.

Lazise

Er ist momentan ziemlich wild, die Wellen überschwemmen zum Teil die gesamte Strandpromenade. Die Wetterprognosen sind heute noch nicht wirklich sehr gut, aber ab morgen soll es schön sonnig und angenehm warm werden.

Heute Abend kochen wir so richtige Spaghetti Bolognaise selber, denn unser Projektbudget (versuchen wir mit Spenden zusammen zu bringen) hatten wir gestern ziemlich überzogen  und müssen heute etwas sparen ;-) Auch die Blutzuckerwerte von Johann haben wir heute top im Griff, obwohl wir die Werte jeweils Umrechnen müssen, das gestern gekaufte Gerät hat eine andere Masseinheit.

Aber es tut uns wirklich sehr gut und Johann strahlt den ganzen Tag bis zu seinen Ohren. Man merkt richtig, dass er riesen Freude hat und alles so richtig geniesst. So macht es auch mir und Rolf Spass, wenn man merkt, man macht etwas Gutes…

Camping Minicipale Lazise

Übernachtung

Lazise - Campeggio Comunale****
Camping

sehr gute Lage, direkt am See und im Dorfzentrum, keine Seesicht

Koordinaten: 45.508520,10.732153
letzter Besuch: 3.2017

Genusstag in Lazise 27.3.2017

Zwischendurch ist unser Johann sogar auf dem Campingplatz verschollen

Nach einem kurzen morgendlichen Spaziergang haben wir für das Frühstück frische Brötchen und einen italienischen Salami erstanden. Und nach dem Essen klart das Wetter immer mehr auf bis der Himmel nur noch blau und wolkenlos ist.

Der obligatorische Spaziergang durch das alte Städtchen fiel etwas länger aus wie normal. Denn auch heute konnten wir einfach nicht an den Gartenrestaurants direkt am Gardasee vorbeilaufen. Wir liessen es uns richtig gut gehen, mit Drinks und was feines zu essen. Aber natürlich haben wir den Zuckerhaushalt unseres Mitreisenden nicht vernachlässigt. Aber irgendwie hat er hier mit uns viel weniger Probleme mit dem Diabetes, wie im Altersheim zu Hause. Ob das an unserer Gesellschaft liegt oder wohl doch an den etwas weiteren Spaziergängen?

Den Nachmittag verbringen wir vor unserem Womo, sitzen unter der Markise (die haben wir aber nur wegen den Fotos draussen) denn so richtig warm ist es nicht. Abends beschliessen wir, zu grillen und während Rolf und ich das Essen vorbereiten, macht sich Johann auf den Weg zur 150m entfernten Toilette. Als er eine halbe Stunde später immer noch nicht zurück ist, überkommt uns ein etwas mulmiges Gefühl. Wir sind mit grillen schon lange fertig und warten noch immer. Irgendwann mache ich mich auf die Suche nach ihm. Ich höre ihn dann schon von weitem lachen und bin beruhigt. Auf dem Weg zur Toilette und zurück hat er an jedem Wohnmobil angehalten, mit jeder Besatzung ein Gespräch begonnen und gequatscht und gequatscht und gequatscht. Ob all diese Leute mit ihm auch so Freude gehabt haben, wie er mit ihnen?

Als ich ihn dann endlich zurück hatte, konnten wir unsere gegrillten Würste essen. War das lecker! Und danach mussten wir uns beeilen, damit Rolf noch ein paar Fotos von dem berühmten Sonnenuntergang am Gardasee machen konnte.

Jetzt sitzen wir im Womo und warten, bis Johann wieder so früh ins Bett geht, wie gestern. Ob er es mit uns wieder nur bis 20 Uhr aushält und dann schlafen gehen muss? Vor allem Rolf hätte da nichts dagegen, denn dann könnte er mit mir endlich noch eine gewisse Zeit alleine verbringen ;-) Manchmal ist es schon noch etwas anstrengend, den ganzen Tag mit Johan zu reden und ihm immer zu antworten… Aber spannend ist es immer und langweilig wurde es uns noch keine Sekunde.

Übernachtung

Lazise - Campeggio Comunale****
Camping

sehr gute Lage, direkt am See und im Dorfzentrum, keine Seesicht

Koordinaten: 45.508520,10.732153
letzter Besuch: 3.2017

Dem Gardasee entlang schlendern 28.3.2017

Schöner könnte der Frühling am Gardasee nicht sein

Johann am Gardasee

Wir erleben totales Feriengefühl, erholen uns wie sonst fast nirgends so, dass wir auf dem Campeggio Municipale in Lazise grad nochmals einen Tag verlängert haben. Vom Wohnmobil haben wir gerade 100m bis zum See und in 200m beginnt schon die Fussgängerzone des alten Städtchens. Der Campingplatz ist relativ klein und gemütlich, sehr freundliche Gastgeber und der Duft so richtig italienisch. Auch wenn es nun fast mehr deutschsprachige Gäste wie italienische hat.

Morgen früh soll grad vor dem Eingang noch einen Markt stattfinden, das gefällt uns natürlich auch. Allzu viel habe ich heute also nicht zu schreiben, mit Johann geht es immer noch sehr gut. Ach ja, wir mussten noch einen Schuhlöffel für ihn suchen, denn heute Morgen hat er beim Schuhanziehen so richtig geflucht. An was man da alles denken muss!?

Mittags waren wir ein italienisches Glace essen, abends eine einheimische Pizza direkt am See. Was will man mehr?

Nachmittags bei einem Spaziergang dem Ufer entlang, liess Rolf noch die Drohne steigen. Allerdings ist ihm der Start völlig missglückt und die Drohne schrammte noch an Johann vorbei. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert ;-) Die Fotos aus der Luft wurden aber super.

Morgen werden wir wahrscheinlich weiter Richtung Norden des Sees fahren. Mal schauen, wie weit wir da kommen.

Übernachtung

Lazise - Campeggio Comunale****
Camping

sehr gute Lage, direkt am See und im Dorfzentrum, keine Seesicht

Koordinaten: 45.508520,10.732153
letzter Besuch: 3.2017

Umdisponierung der Reise 29.3.2017

Wir verlassen den Gardasee und schauen uns noch die Dolomiten an

Beim Frühstücken an der Sonne vor unserem Knutschi sehen wir ausserhalb des Campingplatzes Marktstände. Ich bin natürlich sofort Feuer und Flamme und überrede meine zwei Begleiter, doch den Markt zu besuchen, statt abzureisen. Meinem auferlegten Dackelblick können sie nicht widerstehen und so schlendern wir eine halbe Stunde später durch den Markt. Er ist im ganzen Städtchen Lazise verteilt, sehr viele Stände und es ist einfach herrlich. Sogar Rolf gefällt es, er kauft sogar ein paar Lederschuhe, was schon fast als Sensation zu bezeichnen ist. Ich gönne mir eine neue, gelbe Ledertasche und Johann ruiniert fast noch ein teures Paar Lederschuhe, weil er uns zeigen will, wie man echtes Leder von unechtem unterscheiden kann. Die Standbesitzerin feuert ihm einen feurigen Blick und ein paar Schimpfwörter nach, aber wir können grad noch schlichten und so passiert nichts weiter (die Schuhe waren übrigens echtes Leder…). Glück gehabt!

Wieder zurück am Knutschi, staunen wir einmal mehr, wie das Altersdiabetes von Johann auf einem sehr guten Niveau reguliert hat. Ich muss ihm unter Tags praktisch nie Insulin spritzen, mit sowas hätte ich jetzt gar nicht gerechnet.

Um 14 Uhr entscheiden wir dann doch, an das Nordende des Gardasees zu fahren. Obwohl es hier wirklich sehr schön war, wollen wir Johann doch auch noch etwas anderes zeigen.

Die Fahrt nach Turbel ist wunderschön, die Gegend wird bergiger und auf der Strasse hat es fast keinen Verkehr. Allerdings nimmt auch der Wind etwas zu und es zieht ziemlich. Und als wir nach dem vierten Campingplatz Bescheid bekommen, dass sie erst nächsten Samstag öffnen, ist Rolf etwas konsterniert. Laut Internet sollten zwei Campingplätze offen sein, sind sie aber nicht. Was machen wir jetzt?

Während der Fahrt hat Johann ein paar Male die steilen Berge angesprochen und so kommen wir darauf, dass Johann auch noch nie in den Dolomiten war (ich übrigens auch nicht), so macht Rolf den Vorschlag einen Campingplatz am Lago die Molvena zu fahren, in den Dolomiten und an einem See. Sofort sind wir einverstanden und fahren los.

Die Fahrt geht immer mehr in die Berge, die Strasse steiler aber wunderschön. Die Fahrt ist wirklich zu empfehlen, nur als wir am Lago ankommen, hat er fast kein Wasser drin. Es ist ein Stausee, aber es sieht irgendwie doch toll aus.

Auf dem grossen Campingplatz sind wir fast alleine, mit Blick auf den See und so richtig sonnig (wenn sie nicht schon hinter den Bergen verschwunden wäre, aber es ist ja auch schon halb sechs Uhr, als wir ankamen).

Uns gefällt es hier und wir machen nochmals Teigwaren zum Znacht. Denn wir haben gemerkt, bei Teigwaren langt Johann so richtig zu…

Übernachtung

Malfein - Camping Spiaggia Lago Molveno***
Camping

grosser Platz, sauber, Seesicht (2017 ist der See aber abgelassen)

Koordinaten: 46.137894,10.960482
letzter Besuch: 3.2017

Am Kalterer See 30.3.2017

Wir fahren weiter an einen See, wo es wenigstens Wasser drin hat.

am Kalterer See

Der Campingplatz am Lago di Molveno ist riesig aber fast leer (genau wie der See, der ist auch leer). Es sind genau drei Fahrzeuge mit ihren Besatzungen hier, also sehr, sehr ruhig. Wir geniessen wiederum die Sonne und machen einen Spaziergang zum abgelassenen See. Es ist anscheinend bei weitem nicht normal, dass der Seespiegel so tief ist, der See wird generalüberholt und darum wird er dieses Jahr ganz abgelassen. Das ganze sieht schon etwas ausserirdisch aus.

Wir liegen faul herum und wissen nicht so recht was tun. Johann geniesst die Ruhe aber gleichzeitig ist ihm etwas langweilig. Als dann der Wind auffrischt und es auf 900m über Meer abkühlt, beschliessen wir plötzlich, weiter zu fahren. Als Ziel geben wir den Kalterer See ein, diesen Tipp bekommen wir aus einer Facebookgruppe und der Namen Kalterer gefällt Johann sowieso, schliesslich kennt er ihn vor allem von seinen Zweierli Rotwein.

Nach gut einer Stunde Fahrt über Berg und Tal kommen wir an diesem See an, dieses Mal an einem See, der auch mit Wasser gefüllt ist. Der Campingplatz gefällt uns super, haben wir doch von unserem Platz direkt Seesicht. Und Sonne und Schatten und und und, einfach perfekt.

Johann ist heute etwas ruhiger wie normal, warum wohl? Doch langsam etwas müde von der Reise, zu viel Sonne erwischt, will er doch partout kein Sonnenhut anziehen oder einfach, weil er gestern drei riesige Teller voll mit italienischer Pasta gegessen hat?

Jetzt stellt sich nur die Frage, was wir heute Abend essen. Eigentlich haben wir Fondu vorgesehen, aber Johann hat noch keinen Hunger und wir noch kein Brot gekauft. Also könnte es gut sein, dass wir uns einfach ins nächste Seerestaurant setzten und uns bedienen lassen…

Übernachtung

Sankt Josef am See - Gamping Gretl am See****
Camping

direkt am See, sehr schön gelegen

Koordinaten: 46.382535,11.258019
letzter Besuch: 4.2017

Fondue am See 31.3.2017

Im Südtirol auf dem Campingplatz Gretl am See geniessen wir den ganzen Tag und Essen Abends noch ein Fondue

Fondue

Man könnte meinen, es sei Hochsommer! Wir erleben einen wirklich schönen Tag direkt am Kalterer See. Johann geniesst es für einmal, keine grossen Spaziergänge zu machen und einfach nur zu sein. Klar, wir jassen vor dem Wohnmobil und haben immer etwas zu reden. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Einmal laufen wir noch in das nächste Gartenrestaurant und dort lädt uns Johann noch zu einem Glace ein. Das heisst, uns spendiert er ein Glace, sich selber bestellt er knapp zwei Stunden nach dem Mittagessen einen Toast. Wenn Appetit eine Aussage über den Gesundheitszustand ist, dann ist heute Johann sehr, sehr gesund! Denn zum Abendessen machen wir draussen noch ein Fondue und auch da greift er wacker zu. Kein Vergleich zu gestern, da ging Johann dann schon um 18 Uhr ins Bett und Rolf und ich gingen noch zu zweit fein Nachtessen. Das war grad auch herrlich, nur wir zwei!

Der Campingplatz Gretl am See können wir wirklich nur empfehlen. Er ist relativ klein, ok, die Standplätze etwas schief, man braucht also Keile, aber einen herrlichen Seeblick und viel Grün rundherum. Uns gefällt es wirklich sehr gut.

Morgen werden wir uns schon auf die Heimfahrt machen. Johann würde am liebsten nochmals eine Woche anhängen statt ins Altersheim zurück, es gefällt ihm super und er strahlt den ganzen Tag vor sich. Es gibt uns ein sehr schönes Gefühl, dass wir ihm so etwas Gutes machen konnten…

Übernachtung

Sankt Josef am See - Gamping Gretl am See****
Camping

direkt am See, sehr schön gelegen

Koordinaten: 46.382535,11.258019
letzter Besuch: 4.2017

Fazit Reisen mit betagten Personen 1.4.2017

Unsere erste Reise mit einem betagten Gast ist nun zu Ende. Uns hat es allen sehr gut gefallen.

Der letzte Tag verläuft wieder reibungslos. Zuerst verbringen wir den Vormittag noch auf dem Campingplatz, gehen dann mit Johann Mittagessen und fahren anfangs Nachmittag los Richtung Norden. Brenner und Arlberg passieren wir problemlos, erst bei der Verabschiedung drücken wir uns etwas länger wie normal und dann zottelt Johann ins Altersheim, wie wenn nie etwas anderes gewesen wäre…

Fazit

Eine Woche von der Schweiz an den Gardasee und über die Dolomiten und Süd-Tirol zurück. Wir hatten Traumwetter und manch fröhliche Stunde. Aber es gibt doch ein paar Punkte mehr zu beachten, wenn man mit einer fremden, betagten Person aus einem Altersheim verreist.

Am befriedigsten war für uns natürlich, die Freude zu sehen, die Johann jeden Tag zeigte, ach was, schon Monate im Voraus freute er sich sichtlich auf diese Reise. Und das Strahlen im Gesicht in das wir jeden Tag blicken durften, tat unheimlich gut und wertete diese Reise auch für uns enorm auf. Gleichzeitig hatten wir das Gefühl, dass sich sein Gesundheitszustand von Tag zu Tag verbesserte, wir mussten extrem viel weniger Insulin wie im Altersheim spritzen und auch seine Kondition für längere Spaziergänge nahm zu. Er war in den letzten vier Jahren wahrscheinlich nie so viel an der frischen Luft, wie diese Woche.

Allerdings mussten wir unser Reiseverhalten etwas anpassen. Auf Campingplätzen übernachten war schlussendlich einfacher, da die Infrastruktur wie WC und Dusche einfach grosszügiger sind wie in unserem Womo. Normalerweise haben wir da nie Wert drauf gelegt, da wir alles im Womo erledigten. Auch deren Auswahl erwies sich etwas schwieriger wie sonst: allzu gross durften die Plätze nicht sein und sie mussten ziemlich zentral liegen. Denn einfach so mal zwei Kilometer zu Fuss spazieren liegt einfach nicht immer drin und dann ist es schon ein Vorteil, wenn man nur schon wenige Meter bis zum Ausgang des Campingplatzes hat.

Daneben gibt es viele kleine Dinge, die wir zu Beginn nicht beachtet haben. Ein fehlender Schuhlöffel kann für den mitreisenden Gast ein fast unüberwindbares Hindernis sein. Und auch wenn ich mich vorher sehr über die Essgewohnheiten informiert habe, alles kann man einfach nicht wissen. Und da gibt es dann auch während dem Essen die eine oder andere Überraschung. Vorbereitung ist eben auch nicht alles.

Was uns erstaunlicherweise keine Mühe gemacht hat: dass eine fremde Person in unserem eigenen Bett schläft. Normalerweise schlafen wir ja in den Doppelbetten und allenfalls ein Gast im Hubbett. Für diese Reise mussten wir tauschen, da Johann nicht ins Hubbett klettern kann.

Am meisten Umstände machten eigentlich die unterschiedlichen Schlafgewohnheiten. Johann ging zwischen 18 und 20 Uhr ins Bett, einfach dann, wann er müde war. Wir hatten Glück mit dem Wetter, so dass Rolf und ich dann noch etwas draussen sitzen konnten, aber ich hatte schon Jahre lang nicht mehr so viel Schlaf wie diese Woche. Was will man da Abends auch machen, wenn man im Wohnmobil ruhig sein sollte und sich das ganze Womo hin und her wiegt, wenn man sich im Bett bewegt? Alleine hat uns das nie gestört, aber jetzt zu dritt fiel uns das sehr auf.

Aber das schwierigste an dieser Reise war, die Einhaltung der ethische Entscheidungsfindung: Autonomie, Gutes tun, nicht schaden und Gerechtigkeit. Da stand ich jeden Tag vor Grundsätzlichem: Wie mache ich Johann klar, dass er sich mit Sonnencreme eincremen soll oder einen Sonnenhut tragen soll, wenn er behauptet, er habe in seinem Leben noch nie Sonnencreme benutzt? Er aber schon einen roten Kopf hat? Und er sich partout weigert? Autonomie walten lassen, Gutes tun oder nicht schaden? Solche Beispiele gibt es noch zu Hauf auf dieser Reise.

Aber für mich war einfach das Wichtigste, dass es Johann gefällt! Und dieses Ziel haben wir alle auf dieser Reise ganz sicher erreicht!

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