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Marokko 2017
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Reisebericht

Warten am Hafen 30.10.2017

Wir kommen gut in Barcelona an und hoffen noch immer auf Fährtickets

Die Fahrt durch die Nacht verlief sehr gut, einzig vor Genf verlieren wir 45 Minuten im Sonntagsstau auf der Autobahn. Danach geht es aber zügig durch Frankreich. Wir wechseln uns mit Fahren ab und so sind die 960km eigentlich kein Problem. Um 4:30Uhr treffen wir in Barcelona ein. Hier fahren wir im Hafen etwas ziellos umher, da wir keine Ahnung haben, wohin wir müssen. Plötzlich sehen wir einige PW’s und Lieferwagen mit riesigem verschnürtem Dachgepäck. Das sieht doch ganz nach Marokko aus. Also parken wir irgendwie in der Nähe und merken dann, dass hier die Büros mit gleichem Signet sind, wie ich die Fähre buchen wollte. Leider ist es über Internet aber nicht möglich, entweder zu spät, ausgebucht oder Systemfehler. Wir hoffen auf das Letztere und warten hier nun im Morgengrauen, bis diese Schalter öffnen und wir endlich wissen, ob wir hier Fährtickets bekommen oder ob wir eiterfahren müssen.

Anita versucht hinten zu schlafen und ich halte die Stellung.

Check-In und Ticket-Kauf in Barcelona 30.10.2017

Wenn man das erfolgreich bestanden hat, kann in Marokko einfach nix mehr schief gehen

endlich geschafft!

Man glaubt es kaum, ich halte doch tatsächlich Tickets in den Händen! Es war aber schon unser erstes Abenteuer.

Zuerst standen wir vor dem Gebäude mit ein paar Spaniern, Franzosen oder Marokkanern und wussten nicht so recht, was wir nun um halb sechs am Morgen da tun sollten. Irgendwann gegen sieben gab es im Gebäude drin dann Licht und die Türen öffneten sich. Also stürmten alle hinein an den Ticketschalter, ich hatte mir die zweite (ja richtig, die 2.) Position ergattert und denke mal, dass ich so noch ein Ticket erhalte. Eine geschlagene Viertelstunde warten wir in schöner spanischer Einerkolonne. Danach hebt der Schalterbeamte den Kopf und sagt, dass wir alle zuerst auf das Parking fahren müssen, dort kriegen wir einen Zettel mit einem Stempel drauf. Danach sollen wir zurück kommen. Alle Raus in die Autos und zur Schranke des Parking rasen. Dort warten wir dann wieder eine Ewigkeit. Endlich geht sie auf und einer nach dem andern darf durch. Als ich dran komme, will der junge Beamte einen Zettel von mir (der gleiche Beamte, der vorhin sagte, wir müssen zuerst ins Parking, wenn wir ein Ticket kaufen wollen). Ohne Ticket komme ich nicht ins Parking. Ich müsse zuerst an den Schalter.

Bei mir beginnt es im Innern leicht zu köcheln. Also zurück vor das Schaltergebäude. Schlange stehen und ruhig warten, bis ich nach einer Viertelstunde endlich an der Reihe bin. Vorn angekommen die Frage, ob ich eine Reservation habe? Nein, ich will ein Ticket kaufen, zum jetzt dritten Mal! Ok, kein Problem, sie brauchen aber den Fahrzeugausweis! Zurück zum Auto, schon nicht mehr nur leicht kochend, und mit dem Fahrzeugausweis hinten an der Schlange wieder anstehen. Als ich endlich wieder vorne am Schalter bin, sage ich, ich will ein Ticket kaufen! Ob ich eine Reservierung habe? Nein, ich will ein Ticket kaufen! (es gibt insgesamt nur drei Personen, zwei am Parkplatz, einer am Schalter, und an allen drei bin ich schon mindestens zweimal vorbeigekommen jetzt). Ah, kaufen! Endlich werden die Daten vom Fahrzeugausweis aufgenommen und auch endlich meine Pässe kann ich da zeigen. Ich habe mich echt nicht getraut, unser Schweizer ID hinzuzeigen, denn dann hätte ich sicher die Pässe holen können.

Ich bekomme aber nur einen Zettel, noch nicht die Tickets. Mit dem Zettel zurück zum Auto und beim Parkwächter Nr. 1 zwei Stempel abholen und die Frage beantworten, wie lang und schwer unser Womo ist. Hä, steht doch im Fahrzeugausweis, oder? Egal, ich bleibe freundlich, gebe die Masse an und kriege zwei Stempel. Zwei Meter weiter (2m) kontrolliert der zweite Parkplatzwächter den Zettel und nickt wohlwollend mit dem Kopf, ich kann auf den Warteparkplatz fahren. Jetzt muss ich aber zu Fuss wieder zurück zum Schalter und den abgestempelten Zettel vom Parkwächter abgeben. Und man glaubt es kaum, ich halte danach unser Tickets in den Händen und kann seelenruhig zu unserem Knutschi laufen.

Ein Spanier vor mir hatte die Reservation und das Ticket auf dem Handy per App gekauft, nützt alles nichts, er musste den gleichen Weg wie ich machen, wir trafen uns immer und immer wieder in der Schlange vor dem Schalter…

Richtiges Check-In für Barcelona - Tanger

Richtige Vorgehensweise beim Kauf von Tickets und Check-In in Barcelona Richtung Tanger: Ins Schaltergebäude, Tickets kaufen, egal was die da sonst sagen. Mitnehmen Fahrzeugausweis und Pässe, bezahlen, und danach mit dem Zettel zur Parkschranke, dort den Zettel abstempeln lassen, auf den Parkplatz fahren, zurück zum Schalter mit dem abgestempelten Zettel und dort die Tickets aushändigen lassen. Zurück zum Auto und dort in der Schlange warten, bis man die Tickets abgeben muss und in die Fähre fahren kann.

Fähre Barcelona - Tanger mit dem Wohnmobil 31.10.2017

Tipps und unsere Erfahrung auf der Fährstrecke Barcelona - Tanger inklusive der Einreise in Marokko. Wie man alle Hürden ohne Probleme meistern kann.

All diese Angaben benutzten wir mit der Fährlinie GNV, einer Tochtergesellschaft der Grimaldi Lines.

Anfahrt zum Hafen Barcelona

Ab Barcelona immer dem Wegweiser Port folgen, dieser ist schon sehr früh angezeigt oder das Navi programmieren.  Unseres hat uns sehr direkt an den grossen Kreisel geführt, ab dem sich die verschiedenen Gesellschaften und Kreuzfahrtspier mit Wegweiser gekennzeichnet sind. Fährt man mit der GNV muss man dem Wegweiser Grimaldi Lines folgen. Das für uns wichtige Gebäude hat die Koordinaten 41.363459, 2.172956

Check-In mit Ticketkauf

Muss man zuerst noch die Tickets kaufen, vor dem Gebäude parken und die Tickets am Schalter kaufen. Sich am Schalter nicht abwimmeln lassen, denn sie vermuten, dass alle schon eine Reservierung haben. Es wird spanisch, italienisch und französisch gesprochen, kein Problem also mit der Sprache. Allerdings braucht man zum Kauf der Tickets den Fahrzeugausweis und die Reisepässe. Nach dem Bezahlen erhält man dann den Reservierungszettel für das Parking und ab jetzt geht alles wie, wenn man reserviert hätte.

Wir empfanden den Preis bei der Direktbuchung  genau gleich teuer wie bei der Internetbuchung. Allerdings hat man bei der Direktbuchung vor Ort grössere Chancen, noch ein Ticket zu bekommen, wenn es knapp mit dem Platz wird. Bei uns mit der Fahrt am Montagmorgen war die Fähre nicht mal halbvoll.

Checkin mit Reservierung

Besitzt man schon eine Reservierung, diese unbedingt ausdrucken und um das Gebäude fahren, wo man mit diesem Zettel auf das Parking/Verlademole fahren darf. Eingangs bei der Parkschranke gibt es einen Stempel auf das Papier. Das Parking öffnet ca. zwei Stunden vor Abfahrt auf.

Hat man diese Stempel auf dem Zettel, muss man wieder zurück an den Schalter im Gebäude und erhält dort die Tickets. Es nützt also nichts, wenn man die Reservierung elektronisch hat, Papier ist gefragt.

Das Beladen der Fähre geht dann schnell und einfach.

Fahrt nach Tanger

Die Fahrt dauert ca. 30 Stunden (unsere Fähre war zwei Stunden zu früh in Tanger). Viel los ist auf dem Schiff nicht, die Restaurants machen nur zu den Essenszeiten auf und draussen gibt es nicht viele Sitzgelegenheiten. Unbedingt Getränke mitnehmen, denn kaufen kann man sie nur an der Bar und zum Essen in den Restaurants.

Während der Fahrt ist im Innern des Hauptdecks ein Polizist anwesend, wo man ein Einreiseformular ausfüllen und mit dem Reisepass die Registration bei der Polizei schon auf dem Schiff machen kann. Wieder sind dort zwei Stempel auf Papier und im Pass notwendig, damit erspart man sich diese Prozedur am Einreisehafen. Wir liessen unsere Pässe im Auto und darum mussten wir das dann am Hafen nachholen, war aber kein Problem, aber viel Zeitverlust.

Besonderheiten

Wie ihr wisst, nehmen wir häufig auf den Fähren die Junior-Suite, damit wir einfach etwas mehr Platz haben. Auf diesem Schiff waren die ganz vorne und wir hatten herrliche Aussicht auf den Bug.

Im Allgemeinen ist das Schiff halt schon eher marokkanisch wie italienisch, überall etwas geflickt, nicht ganz alles funktioniert und auch nicht so glänzend wie auf anderen Fähren. Aber alles ok.

Auf dem ganzen Schiff wird italienisch und französisch gesprochen. Ein paar Durchsagen erfolgen sogar auf Deutsch.

Es gibt W-Lan auf Teilen des Schiffes, wie auf allen anderen der Grimaldi-Lines, ist aber ziemlich teuer und langsam. Unseres war nur gerade Defekt. Zwischendurch hat man auch Mobile-Empfang von den spanischen Anbietern vom Festland, aber nicht überall und nicht regelmässig.

Auschecken und Einreise in Marokko

Fährt man von der Fähre muss man beim ersten Polizisten die auf dem Schiff abgestempelten Zettel und den Reisepassstempel zeigen. Ist alles ok, fährt man ca. einen Kilometer weiter bis so zu Zahlhäuschen vor dem Zoll. Dort hat es dann meistens Stau. Bei so einem Zahlhäuschen muss man sich einen Zettel in Dreifachausführung holen, Name, Passnummer, Fahrgestellnummer, Nummernschild und Automarke markieren und den ausgefüllten Zettel im Häuschen registrieren lassen. Eventuell füllt ein offizieller mit Warnweste oder sonst wie beschriftet diesen Zettel anhand des Fahrzeugausweises aus. Will ein nicht gekennzeichneter Herr behilflich sein und den Zettel für die Ausländer ausfüllen, will er danach Bonbons (Bezahlung mit Geld, am liebsten Noten), also abwimmeln und selber ausfüllen, geht nämlich einfach oder am Häuschen ausfüllen lassen. Wichtig ist, dass der Zöllner im Häuschen diese Zettel registriert.

die Zahlhäuschen

Danach geht es im Schrittempo oder noch viel langsamer mit einem gedrängten, chaotischen, nicht funktionierenden Reisverschluss-System in den Zoll. Dort muss man die Reisepässe, den Fahrzeugschein und die drei Zettel, die man 50m vorher bekommen hat zeigen. Die Zettel nimmt der Zöllner mit und kommt dann irgendwann wieder und gibt einem zwei abgestempelte Zettel wieder zurück. Je nach Lust und Laune durchsucht er dann das Womo (Touristen werden meistens verschont, wir mussten nicht mal eine Türe öffnen) und wenn er es für gut befindet, darf man weiterfahren, wenn man dann Platz hat. Nun ist man in Marokko!

Es gibt sehr viel Polizisten überall bei diesen Punkten und auch viele Jünglinge, die Betteln und von den Polizisten regelmässig vertrieben werden. Wir beobachteten, dass viele einheimische Reisenden diesen Sandwich, Gebäck etc gaben, aber auf keinen Fall Geld.

Wir brauchten für das ganze Prozedere der Einreise rund zwei Stunden.

Ankunft in Marokko 31.10.2017

Die Fährüberfahrt geht im grossen und ganzen gut, bei den Anreiseformalitäten war etwas Geduld gefordert aber nun sind wir in Afrika.

Gewürze im Supermarkt

Um ca. 14 Uhr fährt die Fähre in den neuen Hafen von Tanger Med ein, aus der Fähre sind wir ziemlich schnell aber danach ist Geduld gefragt, bis der Papierkram durch ist, unser Auto registriert beim Zoll etc etc. Wenn man aber weiss wie, wäre es ziemlich schnell gemacht, darüber kommt aber dann ein separater Eintrag mit allen Infos. Es waren aber durchwegs freundliche und hilfsbereite Zöllner, keine Frage.

die ersten Eindrücke der Landschaft

Nach ein paar wenigen Kilometern Autobahn fuhren wir die zweite Ausfahrt runter und gingen in einen Supermarkt Marjane Tanger Ikhlass (35.726547,-5.756671) einkaufen. Das Gute daran ist, in diesem Supermarkt gibt es auch eine kleine Zweigstelle von Maroc Telekom, wo wir eine Prepaid-Sim-Karte kaufen, 1 GB Datenvolumen und Gespräche inkl. SMS für gerade mal etwa 3€. Via Web oder Rubelkarte kann jederzeit mehr Guthaben geladen werden.

Dann im Laden drin war schon das erste grosse Marokko-Feeling: Früchte und Gemüse muss man in eine Papiertüte packen, zum „Wägemeister“ bringen und der druckt das Preisschild aus und klebt es auf den Sack. Das ist ja fast normal, aber es hat dort auch riesige Gewürzkörbe, wo man sich sein Gewürz offen in eine Tüte füllen kann und dann auch zum Wägemeister bringt. 1kg Curry kostet ca. 7€ und wie die Gewürze alle riechen!!! Und es ist ein Supermarkt! Und nicht nur das, auch Teigwaren, Reis, Mehl, alles offen, selber abfüllen, Tüte zum Wägemeister bringen und beschriften lassen. Wir haben viel zu viel gekauft, nur um offen jeweils selber abfüllen zu können. Und schlussendlich sind unsere Vorräte voll und wir haben nicht mal 30€ bezahlt. (1 Liter Coca Cola z.B. 8 Dirham oder ca 80 Rp.)

Teigwaren im Offensausschank im Supermarkt

Auch den Dieseltank füllen wir mit dem günstigen Diesel (ca. 83 Cent / Liter) und düsen dann noch etwas nach Süden. Allerdings sind wir etwas überrascht, dass trotz Zeitverschiebung von einer Stunde (wir haben jetzt eine Stunde früher wie ihr in Europa mit Winterzeit) schon um 18 Uhr alles dunkel ist. Das ist vielleicht nicht so geschickt, dass wir grad die erste kleine Etappe bei Dunkelheit machen müssen, denn die Geschwindigkeitsunterschiede auf der Autobahn mit Lastwagen, die mit 40km/h den Berg hinaufschnaufen, sind schon gewaltig.

Aber wir kamen gut in Bousselham auf dem Camping International an, wo wir uns dann morgen etwas umsehen.

Wegen der Zeitverschiebung wird in den nächsten vier Wochen der Blogeintrag immer etwas spät erscheinen, also nicht nervös werden.

Internetzugang mit Maroc Telekom

Der sehr freundliche Angestellte dort brachte zwar unser Internet nicht zum Laufen. Das habe ich aber heute Abend dann irgendwie nachgeholt. Der Herr hatte den APN wap.iamgprs.ma programmiert, hat aber einfach nicht funktioniert. Ich habe dann www.iamgprs2.ma eingetippt (unter Einstellungen/Mehr/Mobilfunknetze/Zugangspunkte/) und dann bekam ich zwei SMS auf das Telefon mit den automatischen Einstellungen. Beide SMS musste ich durch einen Klick bestätigen und 30 Sekunden später hatte ich Internet. Schon komisch, denn der APN ist jetzt wieder wap.iamgprs.ma

Übernachtung

Bousselham - Campingplatz***
Camping

ziemlich gepflegt

Koordinaten: 34.875150,-6.287716
letzter Besuch: 11.2017

Als einzige Touristen auf dem Souk 1.11.2017

Eigentlich wollten wir heute nur einen Angewöhnungstag an Marokko machen, dass wir grad von Null auf Hundert durchstarten, war nicht absehbar.

Im Morgengrauen als es aber noch fast stockdunkel ist, werden wir von monotonem Gebetsgesang von einem Minarett geweckt. Es tönt genauso, wie man es sich vorstellt und in Filmen schon gehört hat. Irgendwie faszinierend und uns wird schon im Bett bewusst, wo wir sind.

Nach einem kargen Frühstück entscheiden wir uns, zu Fuss ins Städtchen zu gehen und uns so langsam an diese Mentalität zu gewöhnen. Zu Beginn war es schon etwas mulmig, wenn uns so eine Gruppe marokkanischer Jugendliche entgegenkam. Bei uns haben wir ja immer das Gefühl, das ist der Pöbel und die haben nur Schlechtes im Kopf. Von den Männern in den traditionellen Gewändern und den Frauen mit den Kopftüchern und den langen Kleidern fühlen wir uns überhaupt nicht bedroht. Nach einiger Zeit aber merken wir, dass wir hier ja in Marokko sind, alle so aussehen und uns niemand etwas schlechtes wünscht. Viele lächeln freundlich, nicken und sind überhaupt nicht gefährlich.

jeder hat eine Sat-Schüssel

Nach einer Einkehr und einem sehr feinen, süsslichen Tee kehren wir gestärkt auf den Campingplatz zurück und machen uns abfahrbereit. Auf dem ganzen Spaziergang durch das gesamte Dorf haben uns nur zwei Fischer vor dem Campingplatz angesprochen, ob wir nicht eine Bootstour zu den Flamingos machen wollen. War also ganz easy und niemand aufdringlich.

Na gut, die Übung war ja jetzt auch nicht so schwer, aber wenn wir morgen noch nach Casablanca wollen, müssen wir ja irgendwie schon etwas Erfahrung haben.

Nach dem Bezahlen des Campingplatzes (ca 8 €) fahren wir 200km über Rabbat nach Bouazza, ca. 20km hinter Casablanca. Es gibt dort einen Campingplatz, wo man mit dem Taxi nach Casablanca fahren kann. Wir fahren die gesamte Strecke auf der Autobahn, die Sicht ist irgendwie milchig und wir wissen jetzt nicht genau ob wegen Smog, Luftfeuchtigkeit, Sand in der Luft oder Rauch. Irgendwie alles ein wenig gemischt. Einmal hatten wir das Gefühl, wir seien in einem kleinen Sandsturm. Perfekt um sich noch mehr an zu klimatisieren.

Sandsturm?

Kurz nach Casablanca wechseln wir unsere Positionen, Anita fährt jetzt und ich lese die Karte bis zum Campingplatz. Auch den finden wir problemlos und werden wieder sehr freundlich empfangen. Es seien insgesamt gerade mal vier Gäste hier und wir können uns hinstellen wo wir wollen. Wir sollen uns aber beeilen, denn der wöchentliche Souk (Markt) findet grad 200m entfernt vom Campingplatz statt und der soll fantastisch sein. Wir sollen unbedingt hin und das noch erleben, meint der Platzchef.

nur Einheimische am Kaufen

Der Ratschlag ist uns Befehl und sofort ziehen wir los. Alles voll uralt-Taxis, noch älteren dreirädrigen Tuck-Tucks, ein riesen Gewirr aus Lautsprecherstimmen, Anpreisungen und Getratsche, gemischt mit unzähligen verschiedenen Düften empfängt uns. Wir sind erschlagen von dem, was wir sehen. Alles Offenverkauf, was man sich nur Vorstellen kann, über die obligaten Gewürze, Mehl, Teigwaren und andere Grundnahrungsmittel, Süssigkeiten, Gemüse, Früchte, Kleider, lebendige Hühner, Truthähne, Kaninchen und toten Fischen, einfach alles. Und alles bei dauerndem Beschall von Stimmen von jeder Seite. Wir sind die einzigen Touristen rund um einheimische Frauen, Männer, Kinder, Aussteller, Verkäufer, Polizisten, Taxifahrer, Helfer, alte und junge. Wir fallen ziemlich auf und jeder Verkäufer lächelt meine Holde Kunigunde an. Ich weiss, dass sie eine Schönheit ist, aber hier hätte sie hunderte von Verehrern. Allerdings muss man auch sagen, niemand ist aufdringlich, keiner nervend und ein unsicheres Gefühl kommt keine Sekunde auf. Aber von den Eindrücken erschlagen, getrauen wir vorerst nichts zu kaufen. Werden wir übers Ohr gehauen? Sind die Lebensmittel ohne Durchfall zu geniessen? Die hygienischen Bedingungen sind nicht gerade so, wie wir es uns gewohnt sind und als wir dann noch durch das Abteil der Metzger und Fischer laufen, an lebendigen Hühnern vorbei kommen, die grad da geschlachtet und gerupft werden, überlegen wir uns, ob wir nun doch Veganer werden sollen.

Aber nach dem ersten Schock kaufen wir dann noch drei Fladenbrote (zusammen -.30 Rp) und einen Sack verschiedenster Gebäck (-.50 Rp). Ging ohne Probleme und wir hatten auch nicht das Gefühl, dass wir wegen den Preisen übers Ohr gehauen wurden.

überall Hühnerfedern

Beim Wohnmobil zurück müssen wir uns zuerst einmal etwas erholen und unsere Gedanken ordnen. Hier in Bouazza ist also jeden Mittwoch Markt und der Campingplatz International ist dafür absolut perfekt gelegen, auch wenn wir von hier aus die Stimmen und Lautsprecherdurchsagen in Arabisch so hören, wie wenn wir selber auf dem Markt wären…

Die Fotos und Filmaufnahmen machte ich übrigens sehr unauffällig direkt aus dem Handgelenk und so, dass es niemand bemerkte. Einfach so durchlaufen und fotografieren hätte ich mich doch noch irgendwie nicht getraut.

Der Training- und Angwöhnungstag war nun echt genial, und sicher haben wir uns zu jedem Zeitpunkt auch gefühlt.

Der Veganer ist nun doch wieder vom Tisch und wir werden uns heute noch Poulet grillen und ein Curryreis dazu machen. Die gekauften Gewürze müssen schliesslich probiert werden. Auch sind wir momentan noch irgendwo froh, auf einem Campingplatz nächtigen zu können, gibt momentan noch ein etwas besseres Gefühl wie irgendwo sonst…

Übernachtung

Bouazza - Camping International***
Camping

jeden Mittwoch Markt nur 200m entfernt

Koordinaten: 33.504824,-7.848183
letzter Besuch: 11.2017

Hassan II Moschee in Casablanca 2.11.2017

Als nicht Muslime durften wir nun unsere erste Moschee besichtigen. Eindrücklich phänomenal!

die drittgrösste Moschee der Welt

Heute Morgen bestellte uns der Campingplatzchef ein Taxi zur Moschee. Er telefonierte wahrscheinlich mit irgendeinem Cousin und der kam dann mit dem Taxi. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt verhandelten wir mit 300 Dh. Ein guter Preis, denn im Netz bei andern Reiseberichten las ich etwas von 400 Dh. Also sind wir dem Taxifahrer sympathisch, allerdings kommt der Campingchef gleich auch mit, er muss wohl in Casablanca noch etwas erledigen. Die knapp 30km bis zur Moschee schwitzen wir ein wenig, denn wo zwei Fahrspuren sind, stehen die Autos dreispurig... Aber wir kommen sicher bei der Moschee an und sagen dem Taxifahrer, er soll uns in zwei Stunden wieder abholen.

eindrücklich, wie gross alles ist

Die Moschee ist gewaltig und das Minarett 200m hoch, das höchste religiöse Bauwerk der Welt! In Marokko dürfen Nichtgläubige nur gerade zwei Moscheen betreten, und die Hassan II Moschee ist eine davon, übrigens die drittgrösste weltweit. Wir lösen eine Führung (240Dh für Ausländer, also ziemlich teuer ca. 24CHF für zwei Personen). Die Führung startet gleich darauf, allerdings erwischen wir einen französischsprachigen Guide. Man merkt an seinen interessanten Ausführungen, dass die Marokkaner sehr stolz auf diese Moschee sind. Sie ist auch ein technisches Wunderwerk, das Dach lässt sich bei schönem Wetter und voller Moschee öffnen, so ist die Frischluftzufuhr bei vollem Haus mit 25‘000 Gläubigen gewährleistet. Und die Türe auf dem Foto ist 10m hoch und 34 Tonnen schwer!

wo ist die Türfalle?

Wir laufen ehrfürchtig in Socken oder Barfuss in der riesigen Moschee umher, wechseln irgendwann zu einer Gruppe, die einen deutschsprachigen Führer hat und merken auch dort, wie stolz er auf dieses Bauwerk ist. In den heiligsten Teil dürfen wir nicht, denn das ist nur den betenden Muslims vorbehalten. In der ganzen Moschee hat es Teppiche mit parallelen Linien. Diese Linien zeigen an, wo sich die Gläubigen während dem Beten hinzustellen haben, so dass jeder genügend Platz hat, sich hinzuknien und zu verbeugen.

im Innern mit Linien auf dem Teppich

Im unteren Stock, also im Keller, sind die Waschräume mit über 120 Brunnen. Jeder muss sich dort dreimal gründlich waschen (Hände, Gesicht, Nase, Ohren), bevor er beten darf. Es können sich insgesamt 1200 Personen gleichzeitig diesem Waschritual unterziehen. Eigentlich keine schlechte Einrichtung vom Islam, denn so wuschen sich die Gläubigen früher mindestens vor dem Beten gründlich und Seuchen konnten verhindert werden.

Frauen und Männer sind in der Moschee übrigens getrennt, nicht nur während dem Waschen.

Die Besichtigung machte uns mächtig Eindruck und jetzt muss nur noch der Taxifahrer pünktlich kommen. Na ja, er hat 20 Minuten Verspätung, ist das jetzt für marokkanische Verhältnisse pünktlich oder nicht?

Mittags sind wir schon wieder beim Womo und Anita kocht mit den Gewürzen von gestern leckere Teigwaren. Anita schneidet mir vor dem Womo noch die Haare und danach wollen wir einen Verdauungsspaziergang ans Meer machen. Wir finden auch einen tollen Sandstrand aber bis wir wieder zurück beim Womo sind, laufen wir über zwei Stunden. Das haben wir uns definitiv kürzer vorgestellt.

irgendwo in der Pampa auf dem Spaziergang

Jetzt während dem Blog schreiben, bekommen wir noch zwei Kuschelcamper in riesigen Concorde’s aus Finnland. Immerhin beleuchten sie uns unser gesamtes Camping-Equipment draussen und wir können unser Licht löschen und Strom sparen. Wir sitzen nämlich immer noch draussen bei rund 22 Grad. Morgen geht es sowieso weiter nach Marakkesch.

Ach ja, wir fühlen uns noch immer sehr sicher und mussten heute nirgends einen Bettler oder aufdringlichen Verkäufer abwimmeln. Es geht also wirklich ganz einfach und der Erholungswert ist hoch!

Übernachtung

Bouazza - Camping International***
Camping

jeden Mittwoch Markt nur 200m entfernt

Koordinaten: 33.504824,-7.848183
letzter Besuch: 11.2017

Von Schlangenbeschwörern, Geschichtenerzähler und anderen Halunken 3.11.2017

Wir sind heil vom Markt in Marrakesch wieder zurück, was nicht selbstverständlich ist.

unser Abendessen-Lokal

Aber von ganz vorne. Zuerst fahren wir ganz normal mit unserem Knutschi Richtung Landesinnere und Marrakesch. Die Felder sind fruchtbar, die Autobahn in einem Top-Zustand. Nach 80km und 120km vor Marrakesch ändert sich alles schlagartig, die Erde wird zu Sand, das braun zu rot. Man hat das Gefühl, man komme jeden Moment in die Wüste. Bis anhin war die Landschaft ja noch nicht wirklich zum Ausflippen, aber ab da kommt schon das richtige Feeling auf.

fast schon Wüste

In der Nähe des neuen Stadions in Marrakesch sollte unser anvisierter Stellplatz liegen. Die Karte führt uns rechts von der vierspurigen Strasse auf einen Feldweg. Das kann aber nicht sein und ein Stellplatz ist weit und breit nicht in Sicht. Also langsam geradeaus zur nächsten Kreuzung und dort irgendwie rechts. Wir fahren einfach weiter und halten uns rechts, denn irgendwo in dieser Gegend muss er sein, unser Stellplatz. Dann sehen wir plötzlich ein verwittertes Schild „Relais blue“. So soll doch unser Platz heissen. Und tatsächlich, wir biegen auf einen Feldweg ein, es rumpelt und holpert, aber plötzlich stehen wir vor einer kleinen Oase. Wir sind richtig.

Wenige Minuten später haben wir einen schönen Platz unter Palmen gefunden, eingecheckt und alles ist in Butter. Sogar einen Pool, Bar mit Alkoholausschank und ein paar Holländer mit riesen Klappe gibt es.

Wir sind eingerichtet, erholen uns ein wenig von der Fahrt und erkundigen uns danach, wie man da ins Stadtzentrum zum Markt kommt. Die Oase bietet einen Bus-Service ins ca. 7km entfernte Zentrum an, den wir gerne benutzen und so sind wir dann schon um 16 Uhr mitten in Marrakesch.

tolle Eindrücke

Der Platz ist riesig, Menschen aller Rassen, Schlangenbeschwörer mit lebendigen Schlangen, Marokkaner mit traditionellen Gewändern, vollverschleierte Muslime, Touristen in Hot-Paints, einfach alles quer gemischt. Hunderte von Ständen, die Gewürze, Kleider, Säfte, Früchten, Nüssen und was weiss ich noch alles verkaufen. Schnell sind wir als nichtsahnende Touristen entdeckt, werden ausgenommen wie vollgestopfte Gänse und haben eine Stunde später unseren Rucksack voll traditionellen Berberkleidern, Anita zwei Garnituren, ich auch eine. Immerhin liessen wir uns keine Sandaletten andrehen und auch bei den Gurten blieben wir hart.

Auf dem bis jetzt freien Plätzen sind gegen Abend blitzschnell kleine Imbissrestaurants aus dem Boden gestampft. Schon beim ersten werden wir an einen Tisch „gesetzt“ und zeigen auf Pouletspiesse, Zucchetti, Couscous und was noch irgendwie aussieht, als ob man das Essen könnte. Die ganzen Ziegenköpfe auf der Theke lassen wir aber aus.

Danach wird das Essen aufgetischt, und zwar echt lecker und alles in schön kleinen Schalen. Irgendwie fühlen wir uns hier fast etwas beschützt, keiner quatscht uns mehr an und wir können dem Treiben auf dem Markt zuschauen und der Musik der Schlangenbeschwörer, Trommeln der Tänzer und zwischendurch dem Bet-Gesang des Minaretts zuhören. Eine einmalige Stimmung! Inzwischen wurde es dunkel, wir bezahlen den Touristenpreis für das Menu, der garantiert viermal so hoch ist, wie der einheimische Preis, oder eher sechsmal…

was er wohl spannendes erzählt?

Danach lauschen wir einem Geschichtenerzähler, dem sicher rund 100 Einheimische zuhören. Trotz Handyzeitalter, Internet und TV (das hier bestimmt jeder hat) lauschen alle ganz gespannt diesen traditionellen Erzählern. Wir verstehen nix und schlendern weiter. Plötzlich hat eine Frau die Hand von Anita und beginnt, mit Henna auf ihren Arm zu malen. Das Muster wird immer grösser und die Frau lässt uns einfach nicht weg. Fünf Minuten später ist die gesamte Hand von Anita voll (ich lass mir in meinem Leben sicher nix malen, sagte sie noch eine halbe Stunde zuvor). Als es endlich fertig ist, will die Malerin 60€ !! Wir kriegen mit ihr fast Krach, ein riesen Palaver, riesen Diskussion und schlussendlich bezahlen wir dann 100 DH (ca. 10€) sie scheint aber beleidigt zu sein, uns aber egal. Wir flüchten in eine Seitengasse, kramen unsere mitgebrachte WC-Papierrolle aus dem Rucksack (hier gibt es auf den WC’s nämlich nirgends Papier) und wischen die Zeichnung so gut es geht irgendwie weg.

auch von ihr liessen wir uns erwischen

Als wir uns umsehen sind wir in irgendeiner Seitengasse, nur einheimische, keine Touristen mehr, ziemlich eng und düster. Wir schlucken zweimal leer und laufen einfach geradehaus, manchmal weghechtend vor hupenden Motorrädern und streifenden Radfahrern. Nach unendlich langen ca. 500m sind wir endlich wieder auf einem grossen beleuchteten Platz irgendwo in der Altstadt von Marrakesch.

Ich krame den Prospekt von unserem Stellplatz hervor, den ich wohlweislich in unserem Rucksack mitgenommen habe und laufe auf ein paar Taxis zu. Sofort sind wir umringt von vier Taxifahrer, die auf uns einreden, ich halte denen den Plan hin und nach etwa drei Minuten Diskussion weiss einer, wo wir hin müssen. Dieser erklärt dann dem, der fahren sollte, nochmals zwei Minuten wo das ist und danach handeln wir den Fahrpreis aus. Was heisst hier handeln, ich versuche es zumindest, aber nicke doch nur noch, als mein Gegenangebot abgelehnt wird und bin richtig froh, als wir vorerst im sicheren und ruhigen Taxi sitzen.

Der Rückweg fährt der Taxifahrer dann aber zz (ziemlich zügig) fährt beinahe fünf Mopedfahrer und zwei Fussgänger um, kollidiert danach fast mit einem Lastwagen und wird beinahe von einem Bus zerquetsch.

Egal, wir sind wieder im Knutschi, ein paar Einheimische verdienten an uns eine goldene Nase und lachen über die Touristen, aber wir haben wieder unser Ruhe und leben noch.

Übernachtung

Marrakesch - Le Relais blue****
Stellplatz

Zufahrt über Kiesstrassen, aber sehr schön und gepflegt

Koordinaten: 31.707093,-7.989888
letzter Besuch: 11.2017

Weiter Richtung Süden 4.11.2017

Wir sind wieder weg von den Touristen und werden wie Könige behandelt

die Gegend unterwegs

Der gestrige Markttag in Marrakesch gibt mir noch viel zu denken. Irgendwie konnte ich die Eindrücke gar nicht richtig aufnehmen, viel zu stark war ich konzentriert auf „Nein“ sagen, Abwinken und abwimmeln. Im Nachhinein muss ich sagen, wir hätten den Markt eher ende Tour anfahren sollen und nicht grad zu Beginn. Das Erlebnis wäre dann wahrscheinlich noch intensiver gewesen und man hätte sich auch mehr getraut. Aber man lernt eben nie aus.

Entsorgung unter Palmen in Marrakesch

Heute Morgen bei Sonnenschein und 26 Grad entsorgen wir unter Palmen und fahren dann weiter auf der Autobahn Richtung Süden. Wir bewundern die karge Gegend, rote Berge, sandige Ebene und freuen uns, wenn wir nach Agadir endlich die meiste Strecke gefahren sind und die Autobahnen meiden können.

Anita fährt, ich navigiere. Sie macht das super im Gewühle vom Grossraum Agadir, gibt nicht immer jedem Taxi nach und weicht auch den Eselsgespannen auf der Autostrasse gekonnt aus. Den anvisierten Campingplatz finden wir nach insgesamt drei Stunden Fahrt auch sofort, auch wenn wir dafür irgendwo im Niemandsland sind. Erst ganz kurz vor dem Meer taucht dann das Dörfchen Sidi-Wassay auf und der Camping ist nicht zu übersehen.

Wir sind wieder neben einem deutschen Wohnmobilpärchen die einzigen Gäste, bekommen vom freundlichen Platzchef Instruktionen, was wir wo im Dorf kaufen können. Nach den Ausführungen solle es drei Supermärkte und eine Bäckerei geben. Da wir uns mit Wasser und Brot eindecken müssen, laufen wir also los. Und tatsächlich, keine 100m vom Campingplatz finden wir die Bäckerei. Allerdings sind die nicht so, wie man sie von uns her kennt. Es ist eine Privatwohnung an der staubigen Dorfstrasse, mit einem grossen Fenster zur Strasse hin. Dort hat es hinter dem Fenster etwa vier verschiedene Gebäckarten ausgestellt und mehr sieht man nicht, da ein Vorhang gezogen ist. Allerdings hören wir Stimmen aus dem Innern und machen uns mit einen freundlichen und lauten „Bonjour“ bemerkbar. Sofort kommt Fatima mit einem Strahlen hinter dem Vorhang hervor und freut sich sichtlich, dass sie Kundschaft hat. Wir fragen nach Brot und sie verschwindet wieder und kommt einigen Sekunden später mit einem Fladenbrot nach vorn. Wir nehmen zwei, decken uns noch mit ausgestelltem Gebäck ein (wie sich später herausstellt, wirklich HERRVORRAGEND) und fragen danach nach dem Preis. Alles zusammen 8 Dh, etwa 80 Pfennig. Wir geben 10 Dh und werden noch mehr angestrahlt. Sie stellt sich vor und ruft sofort Anita hinter die Theke, wo ich dann von Beiden noch ein Foto machen darf.

Anita und Fatima in der Bäckerei

50m weiter kommt dann der erste Supermarkt, ca. 4m2 gross und vollgestopft mit Sachen, aber kein Wasser. Wir stehen auf der Strasse und sagen dem Verkäufer, was wir kaufen möchten, dieser bringt es dann nach vorne. So läuft das überall hier. Wir kaufen eine Aprikosen Konfitüre für 6 Dh und decken uns dann mit 5l Wasserkanister im folgenden Geschäft, etwa 6m2 gross, ein.

Ich glaube, nach unserem 10 minütigen Einkauf kennt uns schon das ganze Dorf, denn jeder begrüsst uns sehr, sehr freundlich.

unsere neue Garderobe von Gestern

Uns gefällt Marokko schon jetzt extrem gut!

Wieder zurück im Womo geniessen wir einen fantastischen Sonnenuntergang über dem Meer und sind einfach nur glücklich! Was will man denn mehr?

Sonnenuntergang vom Womo aus

Übernachtung

Sidi-Wassay - Camping****
Stellplatz

freundlich, Meersicht, gute Infrastruktur, kein Schatten

Koordinaten: 30.055334,-9.689047
letzter Besuch: 11.2017

Grosseinkauf in Tiznit 5.11.2017

Schmuck, marokkanisches Kochgefäss und Teekrug, Kohle und Esswaren und dabei haben wir das Gefühl, gut eingekauft zu haben.

Stadteingang von Tinzit

Wir lieben die Marokkaner! Wir sind ja nun ziemlich im Süden von Marokko und es ist einfach super. Zuerst bewunderten wir den super Strand von Sidi Wassay und den fast völlig leeren Stellplatz mit perfekter Meersicht und danach unternahmen wir einen Spaziergang, dorthin wo die Wüste auf das Meer trifft.

die Wüste trifft auf das Meer

Wir konnten uns fast nicht sattsehen, beschlossen dann aber doch, weiter nach Tiznit zu fahren. Es waren zwar nur 40km aber genauso faszinierend. Die Hauptstrasse war sehr gut ausgebaut, nur an die Geschwindigkeitsbegrenzung sollte man sich unbedingt halten. Schon zum vierten Mal sahen wir die Polizei mit ihren Radarpistolen die Geschwindigkeiten messen, wir waren aber immer richtig. Und praktisch an allen grösseren Ortsein- oder Ausgängen werden Kontrollen gemacht, wir als Ausländer mussten aber noch nie anhalten und die bereitgelegten Nagelbretter kamen bei uns auch noch nicht zum Einsatz.

Als wir dann Tinzit erreichen, war der Campingplatz auf sehr alten, fast unleserlichen Tafeln aber dennoch gut gekennzeichnet und wir fanden einen schön sonnigen Platz direkt an der Stadtmauer. Es hat hier doch einige Womos, praktisch alles Franzosen. Und wie immer werden wir sehr freundlich empfangen und das Check-In geht problemlos.

Weil wir so nahe im Stadtzentrum sind, stürmen wir sogleich darauf los und sind gespannt, was uns erwartet. Wir schlendern durch das Stadttor, bleiben auf der Hauptstrasse und kommen an Früchteständen, Metzgereien, Gemischtwarenläden und was weiss ich noch vorbei. Es herrscht ein reges Treiben. Wir kaufen Minze für den Marokkanischen Whisky (süsser Tee), Fladenbrot und ein Baguette. Eventuell machen wir heute Abend noch Fondue.

erste heutige Shoppingtour

Zurück im Womo laden wir das unterwegs halb gegessene Fladenbrot und den Rest ab und marschieren schon wieder ins Zentrum los. Dieses Mal mit Tasche, damit wir etwas mehr kaufen können.

Es hat nun noch mehr Leute aber es ist hier viel angenehmer wie in Marrakesch. Keiner quatscht einem an, keiner ist aufdringlich, man kann ungestört schauen und schlendern. Einfach nur Top! Anita will so ein marokkanisches Teeservice, also halten wir bei einem Eselkarren an, der solche Kannen geladen hat. Der alte Verkäufer zeigt uns verschiedene Modelle von Teekrügen und schnell haben wir einen schön silbrig glänzenden mit sechs verzierten Gläsern gekauft. Handeln ist irgendwie gar nicht nötig, es kostet insgesamt nur gerade 45Dh (4.50€). Voller Stolz marschieren wir in den immer enger werden Gassen weiter. Der absolute Renner hier bei den Kindern sind rot, blau, grün und orange gefärbte junge Hühnerkücken! Viele kaufen da die farbigen, lebendigen Bibeli und den ganzen Abend piepst es immer wieder aus Kartonschachteln, die Kinder freudestrahlend nach Hause tragen.

einer gehört nun uns

Auch wir werden frecher, betreten Geschäfte, fragen die Verkäufer, verhandeln (nicht viel, es ist so günstig hier) und Anita kauft ihre farbigen Stofftücher, auf die sie schon lange ein Auge geworfen hat. Drei Stück für insgesamt 90 Dh, und sie sind echt schön, muss sogar ich sagen. Es ist hier 10x günstiger wie in Marrakesch, die Leute freundlicher und so kommen wir in einen Kaufrausch. Denn wir wollen schon lange so eine Tajine (marokkanisches Kochgeschirr in Kegelform) aus Ton. Der ca. 90 jährige Verkäufer erklärt uns ganz genau, wie man darin Couscous macht, verpackt alles in Zeitungspapier und verlangt danach 45 Dh. Da verhandeln wir echt nicht mehr, die 4€ 50 ist uns das allemal wert. Wir fragen ihn aber danach noch, wo man denn dafür noch Kohle kaufen kann. Er schickt uns Richtung Polizeiposten, dort soll es in einer Garage Kohle zu kaufen geben. Allerdings finden wir diese Garage nicht und fragen dann einen ärmlich aussehenden Jüngling. Er strahlt über das ganze Gesicht und führt uns in einen Hinterhof, wo kiloweise Kohle in Säcke abgefüllt werden. Wir nehmen drei Kilo, bezahlen 21 Dh, geben dem Jüngling für das Zeigen auch noch 5Dh.

beim Kauf von Kohle

Er strahlt über das ganze Gesicht, nimmt mir die Kohle und die Tajine ab und sagt, wir müssen unbedingt noch mit ihm kommen. Er kenne noch einen Handwerkshop der Berber, wo alles selber gemacht wird, nicht solche Chinaware wie in Marrakesch. Eigentlich wollen wir ja nicht, aber wir laufen ihm hinterher, er schwatzt und schwatzt, und schon sind wir in so einem Berbergeschäft. Der Chef dort ist sehr freundlich, nicht aufdringlich, zeigt uns die Werkstatt und erklärt, wie das hier abläuft. Das was uns gefällt können wir in eine Tonschale legen und er sagt uns am Schluss dann den Preis.

Anita verliebt sich sofort in so ein wirklich schönes Stück, Fingerring und Armreif, verbunden mit einer Silberkette. Ich schlucke schon mal leer und lege das Stück in die Tonschale. Anita strahlt über das ganze Gesicht und ich überlege mir, was ich denn für dieses Ding bereit wäre, zu bezahlen. Ich muss aber sagen, dass sie von mir schon lange keinen Schmuck mehr bekommen hat und das Stück ist wirklich sehr schön, gefällt mir ausserordentlich gut und es steht ihr super. Zähneknirschend komme ich dann mit mir zum Schluss, dass ich dafür schon 100€ bezahlen würde, bin aber nicht sicher, ob das wirklich reicht.

Dann beim entscheidenden, gespannt herbeigesehnten Moment der Verhandlung, will der Berber 450 dH (ca. 40 €) mir bleibt grad die Spucke weg und bin so baff, dass ich als Gegenangebot nur gerade 400 Dh rausbringe. Schnell haben wir uns auf 425 Dh geeinigt und wir verlassen das Geschäft wirklich mit einem guten Gefühl. Klar, wir hätten noch mehr Handeln sollen, aber echt, es war auch so ein Schnäppchen! (nicht ironisch gemeint, sondern ehrlich). Sofort ist der Junge von vorhin wieder da und trägt uns unser ganzes „Gepäck“ bis zum Eingang des Campings. Dort fragt er eher scheu, ob wir vielleicht nicht noch ein T-Shirt oder eine Hose für ihn hätten.

Ich hole ein T-Shirt von meinem Kleiderstapel und bringe es ihm vor dem Campingplatz. Er strahlt wirklich und verabschiedet sich überschwenglich von uns.

Wir sind echt zufrieden hier und wie gesagt, 10x besser wie in Marrakesch! Das Fondue haben wir ganz vergessen, Anita kocht einen feinen Whisky, läuft mit Schmuck und Kopftuch als Marokkanerin durch den Campingplatz und strahlt über das gesamte Gesicht. (Fotos folgen morgen)

Wenn das kein perfekter Tag war!

Übernachtung

Tiznit - Camping Municipal****
Stellplatz

tolle Lage sehr nahe am Zentrum

Koordinaten: 29.694192,-9.725769
letzter Besuch: 11.2017

Muslime, Verschleierung und andere Gedanken 6.11.2017

Ein paar persönliche Gedanken über die Kultur unseres Ferienlandes

Ich geben es zu, ich bin nun zum ersten Mal in einem wirklich muslimischen Land. Auf der Strasse, am Markt und überall gehören verschleierte Frauen zum Alltag. Einige tragen nur ein Kopftuch, bei andern sieht man nur die Augen. Wenn in unserem Dorf zu Hause eine solch ganzverschleierte Frau entgegenkommt, schiessen mir viele Gedanken durch den Kopf und dann eher negative. „Warum passt sich diese Frau nicht an in unserem Land?“ „Macht sie das freiwillig?“ „Sie sieht aber gefährlich aus!“ und ähnliches.

Und hier plötzlich ist alles anders. Ich freue mich richtig, wenn solche Frauen uns entgegenkommen, in farbigen Gewändern, lachend, tratschend und freundlich. Bei manchen sieht man nur die Brille, bei andern vermutet man eine ältere oder jüngere Frau unter den Gewändern. Und es sehen bei weitem nicht alle gleich aus! Einige haben einen tollen Gang, andere kunstvoll gewundene Kopftücher  oder leuchtende Augen, manche Figurbetont, andere eher in alten Bademänteln. Die einen gestresst schnell gehend, die anderen schlendernd, einige grüssen freundlich, andere gehen stumm vorüber. Aber keine einzige ist bedrohlich, gefährlich oder abweisend, und das, obwohl wir ja ganz anders gekleidet sind. Klar, es gibt auch Marokkanerinnen, die so gekleidet sind wie wir, vor allem die Jungen, aber ebenso viele Junge sieht man in den traditionellen Gewändern, alles bunt gemischt.

Ich glaube nicht, dass mir in solch einem Gewand wohl ist. Wir haben sogar so ein Gewand gekauft und obwohl fast alle so rumlaufen, getraue ich mich nicht, es zu tragen. Ich fühle mich einfach nicht wohl, bin nicht ich selber. Da fühle ich mich in Jeans und T-Shirt einfach sicherer, auch wenn alle anderen anders rumlaufen. Und warum soll das den verschleierten Frauen in der Schweiz anders ergehen? Wenn sie plötzlich in Blusen und Röcken auf die Strasse müssten, die würden sich ja so fühlen, wie wenn wir nackt die Zürcher Bahnhofstrasse hochlaufen müssten.

Ich nehme mir fest vor, die nächsten verschleierten Frauen in der Schweiz freundlich zu grüssen und nicht einfach nur negative Gedanken zu zulassen.

Und zum andern, obwohl man hier nicht mal die Gesichter ganz sieht, gibt es hübsche und weniger schöne Gestalten. Durch die Art, wie sie sich kleiden, gehen, bewegen und sprechen teile ich sie unbewusst in sympathisch oder nicht ein. Wäre das nicht viel schlauer auch bei uns? Bei uns ist doch unter den Frauen ein Kampf ausgebrochen, wer ist die hübscheste, wer gefällt am Besten. Und die Auswüchse mit vollschlanken Weibern in engen Leggins, Knochengerüsten in Miniröcken, blondgefärbten Haaren der 70jährigen, ist doch überhaupt keinen Fortschritt im fortschrittlichen Europa. Und warum darf bei uns denn eine 50jährige keine grauen Haare haben? Der Wettkampf um Aufmerksamkeit bei unseren Frauen nimmt doch extreme Auswüchse an, und wir Männer machen da voll mit.

Da bewundere ich hier die Sitten und Gebräuche, ohne dass eine Frau sich als Sexobjekt fühlt, kann sie sich doch mit verschiedenen Faktoren von der Mehrheit abheben, egal welche Figur und Aussehen sie hat. Manchmal ist das neue eben nicht besser.

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