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Sahara 2019
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Rote Spur nach Ohrid

Ab jetzt nur noch Campingplätze

Ich habe schlecht geschlafen. Immer wieder muss ich an die zugeklebten Reifen und das Durchdrehen der Räder denken. Kommen wir da je wieder weg? Oder muss ich in diesem Dreck, wo an meinen Turnschuhen 2 cm klebriger Lehm unten an der Sohle festkleben, meine Schneeketten montieren, um wegzufahren? Anita als unverbesserliche Optimistin kann meine Nervosität nicht verstehen.

Als es endlich Morgen ist, Anita endlich ihren Kaffee getrunken hat und wir endlich bereit sind, es zu versuchen, lese ich noch über Lehm nach. Und da steht wenig Erbauendes:

  • Lehm kann bei Regen extrem rutschig werden, weil er sehr feine Tonpartikel enthält. Diese binden Wasser und bilden eine schmierige Schicht, die fast wie Schmierseife wirkt. Gerade für ein 3,5 Tonnen schweres Wohnmobil kann das zum Problem werden:
  • Kaum Bodenhaftung: Die Reifen können auf der nassen Lehmschicht durchdrehen, obwohl das Gelände fast eben ist.
  • Zugeschmiertes Reifenprofil: Der klebrige Lehm setzt die Profilrillen zu. Aus einem Winterreifen wird dann beinahe ein Slick.
  • Einsinken: Durch das hohe Fahrzeuggewicht können sich die Räder in den weichen Boden drücken. Beim Anfahren graben sie sich unter Umständen noch tiefer ein.
  • Nach dem Trocknen steinhart: Derselbe Boden, der bei Regen kaum befahrbar ist, kann bei Trockenheit ausgesprochen fest sein.

Genau das erleben wir nun, zu 100 %. Ich bin nervös, als ich den Motor starte, Rückwärtsgang rein und schon beginnen sich die Räder an Ort zu drehen, aber langsam bewegt sich auch unser Knutschi rückwärts. Es geht immer schneller und die steile Auffahrt zur Strasse meistern wir rückwärts. Dann stehen wir auf der Strasse, ein Riesendreck überall, die Hinterreifen mit 2 cm Lehm ummantelt, aber ein gewaltiger Felsbrocken fällt von mir ab.

Aber ich habe die Schnauze voll vom Freistehen, heute suchen wir einen Campingplatz. Wir machen uns Richtung Ohrid auf den Weg und schon 700 m später sind wir beim grossen Parkplatz bei einem Pfahlbauerdorf. Wir ziehen eine rote Spur Lehm hinter uns her und genieren uns etwas, den Parkplatz so dreckig zu machen. Aber ein Honigverkäufer mit seinem Stand lacht nur. Wir kommen mit ihm ins Gespräch und kaufen ihm Honig, Likör, Halswehspray und was weiss ich nicht alles ab. Alles kostet 40 € und wahrscheinlich macht er am frühen Morgen nach unserem Einkauf schon Feierabend …

Das Pfahlbauerdorf, Strand der Knochen, haben wir ziemlich schnell gesehen. So einmalig ist das nun auch wieder nicht. Danach ziehen wir unsere rote Spur weiter Richtung Ohrid. Dort finden wir schnell einen Campingplatz direkt am See und so parkieren wir unser Knutschi schon nach 14 Kilometern. Die rote Spur zieht sich übrigens bis zum Campingplatz, aber dort wird sie durch graue Spuren der Betonmischer der Baustelle daneben überfahren …

Nach der Ankunft machen wir uns zu Fuss Richtung Ohrid auf. 4 km sollen es sein. Der Weg mündet nach 400 m in einen breiten, verlassenen Fussgängerboulevard entlang des Sees. Links und rechts gar nichts. Sind hier Hotels geplant?

Der Spaziergang ist wunderschön, immer die Stadt in unserer Blickrichtung. Ohrid gehört zu den wenigen Orten, deren Natur- und Kulturerbe gemeinsam auf der UNESCO-Welterbeliste stehen. Die Stadt wird oft als «Jerusalem des Balkans» bezeichnet. Einer Legende zufolge soll es früher 365 Kirchen gegeben haben und sie war schon bei den alten Griechen besiedelt und als Lychnidos bekannt.

Wir geniessen den Spaziergang, es wird immer belebter und vor allem blinzelt die Sonne durch. Nach der Ankunft schlendern wir durch die schöne, enge Altstadt, immer dem See entlang. Die Strasse mündet auf einen Holzsteg und dann sehen wir sie, die Sveti Jovan Kaneo, wohl das bekannteste Fotomotiv von ganz Nordmazedonien!

Sie sieht wirklich toll aus, vor allem bei dieser Lage. Nachdem wir uns sattgesehen haben, machen wir uns auf den Rückweg in die Altstadt und suchen uns ein feines Restaurant direkt am See aus.

Der See ist übrigens etwa 30 × 15 km gross, aber mit fast 300 m ziemlich tief. Obwohl er kleiner als der Bodensee ist, beinhaltet er die grössere Wassermenge und ist einer der ältesten Seen in Europa mit einem Alter von fast 2 Mio. Jahren. Und weil der See isoliert ist, gibt es viele Tiere, die sich hier vor Millionen Jahren abgespalten und sich anders weiterentwickelt haben als andere Tierarten. So gibt es hier z. B. einen Süsswasserschwamm, quasi ein lebendes Fossil. Ach ja, im Bodensee erneuert sich das Wasser ca. alle vier Jahre, hier im See dauert es 70 Jahre und trotzdem ist es eines der klarsten Seegewässer auf der ganzen Welt, Sichtweite 20 m.

Nach einem feinen Essen und sehr freundlichem Personal schlendern wir über den verlassenen Boulevard zu unserem Campingplatz zurück.

Diese Nacht werde ich wohl tief und fest, ohne Nervosität schlafen können.

Übernachtung

Ohrid - Camper Stop Kj Divono ***
Nordmazedonien, Camping

Koordinaten: 41.09145, 20.800669
N 41° 5' 29.2"  E 20° 48' 2.4"
letzter Besuch: 11.2026

 

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