Wir sind hier auf einem puren Schweizer-Fest, aber wie soll es weitergehen, wenn plötzlich hochdeutsch gesprochen wird?

Ich gebe es zu, obwohl in meiner Verwandtschaft viele Schwinger den Sport ausübten, bin ich zum ersten Mal an einem Schwingfest. Mit Ländlermusik und Jodeln hatte ich bisher nix am Hut. Aber es hat mir den Ärmel hineingezogen, aber wie kann man so ein friedliches, riesengrosses Fest erhalten?
Eigentlich dürfte ich nicht darüber schreiben, je bekannter es im Ausland wird, desto mehr Touristen kommen an dieses Fest. Und jetzt echt: eigentlich gehören Touristen nicht an dieses Fest! Punkt. Basta! Ich weiss, das tönt sehr hart und ich bin beileibe kein Feind von Touristen, im Gegenteil.
Aber das hier ist Schwingen! Und das ist die Tradition für Schweizer und nicht einfach Haligalli. Auf der Tribüne von 56'500 Sitzplätzen hat man nur eine kleine Chance auf Tickets, wenn man Mitglied eines Schwingklubs ist. Alle andern Schweizer haben praktisch keine Chance, ausser man ist VIP-Gast. Und das ist auch richtig so. Es sollen die Leute auf der Tribüne sitzen, die vom Sport und dessen Tradition etwas verstehen. Alle andern kommen ja eh nur wegen dem Spektakel. Und genau auf diese Leute kann der Schwingsport eben verzichten.
Wenn ich Chef des hiesigen Campingplatzes wäre, würde ich den Campingplatz nur mit Schweizern Campern füllen. Erst wenn jeder Schweizer, der möchte, Platz hat, würde ich es für den Rest öffnen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern nur mit Tradition. Auf dem riesigen Campingareal liegt nicht ein Fetzchen Papier herum, kein einziges Stück Abfall liegt dort, wo es nicht hingehört. Jeder sitzt zu jedem, da wird getrunken und diskutiert mit wildfremden Leuten. Hat jemand die Thurgauerfahne vor dem Womo, weiss man schon, welchen Sportlern er die Daumen drückt. Man ist sofort im Gespräch. Gewinnt dann ein andere, feiert man einfach mit den Siegern mit. Null Probleme hier. Wo kann man weltweit mit einem grossen Messer problemlos ins Stadion kommen? Aber eben, das muss man hier, denn man hat Fleisch, Käse und Brot im Rucksack, richtet sich auf der Tribüne ein und beginnt mit dem Znüni oder Zmittag. Das Bier wird auch in der Arena aus Glasflaschen getrunken, man stelle sich so etwas an einem Fussballspiel vor!
Es hat enorm viele Jungen Leute, vom Land, die alte Spiele spielen und nicht am Handy hängen. Camper ohne Wasser, ohne Strom, ohne Entsorgung, aber wen stört das schon? Man hat ja Kerzen. Das Fest geht auch auf dem Campingplatz bis 3 Uhr morgens, aber keiner, wirklich keiner reklamiert wegen dem Lärm. Ok, um 7 Uhr morgens wenn man wieder zur Tribüne pilgert, gibt es viele brummende Köpfe, aber wen stört dass den schon, wenn es nicht der eigene ist?
Und jetzt haben wir ein Problem hier. Zum ersten Mal überträgt eine ausländische Fernsehstation das Schwingfest live ins Ausland. So werden die Leute dort das riesige und friedliche Fest sehen und werden denken, da muss ich auch mal hin. Und eigentlich gibt es genau das zu vermeiden. Sonst artet es aus wie die Basler Fasnacht, wo es inzwischen mehr Touristen hat, wie Einheimische, oder das Oktoberfest, wo die halbe Welt hinreist und die Münchner die Minderheit sind. So etwas gibt es zu vermeiden. Das Schwingfest und der Schwingsport soll den Schweizern gehören. Nur den Fans! Es tönt hart und ich hätte nie gedacht, dass ich mich zu so einer Aussage hinreissen lasse, aber ich stehe 100% dahinter.
Bleibt alle zu Hause, die ihr euch nicht fürs Schwingen interessiert! So wie unsere Sportministerin die zu Hause bleibt und dafür Bundesrat Ueli Mauer schickt, schliesslich ist er von je her Schwingfan. Die richtigen Leuten sollen am richtigen Ort sein, und das sind momentan alle Schwingfans in Zug. Die andern haben dieses Wochenende hier eigentlich nichts verloren.