Wir landen hoch oben im Heinzenberg
Nachdem wir gestern Abend unsere Abreise auf heute verschieben mussten, starten wir um 9 Uhr Richtung Bündnerland. Allerdings starten wir nur, denn kurze Zeit später müssen wir wieder umdrehen, Anita vergass ihr Handy zu Hause…
Also starten wir ein zweites Mal und tanken in der Raststätte Viamala noch Gas. Und was uns auffällt: der Diesel ist hier etwas günstiger wie bei uns zu Hause bei der Migrol-Tankstelle. Obwohl dies hier fast eine Autobahnraststätte ist, würden wir also besser hier den Diesel tanken. Gut, zu wissen.
Danach, fahren wir mit vollen Gasflaschen direkt den Berg hoch Richtung Tschappina. Unten hat es ein Verkehrsschild, das die Maximalbreite auf 2.30m beschränkt. Allerdings sehen wir die Tafel nicht (wir hätten besser genau hingeschaut, denn bis zum Stellplatz hier gibt es gar keine Breiteneinschränkungen...) und auf 5cm kommt es ja nicht wirklich an, oder? Die Strasse ist schön ausgebaut, auch das Kreuzen mit dem grossen Postauto ist ein Klacks (das ist doch 2.50m breit, oder?).
Wir fahren durch Masein, danach durch Urmein Richtung Oberurmein. Ab da wird die Strasse etwas schmaler, aber immer noch problemlos und auch nicht wirklich steil. Kurz vor Oberurmein sehen wir schon den ersten Wohnmobilwegweiser, der uns zum Stellplatz führt. Eingangs Parkplatz steht eine Infotafel mit der Parkordnung. Es gibt zwei Ebenen, wo die Womos stehen dürfen. Die obere etwas schönere, ist leider gesperrt. Je nachdem, wo sich das Vieh befindet und ob der Platz gebraucht wird, wird dieses Trasse geöffnet oder gesperrt, im Hochsommer ist es dann eher offen.
Wir parkieren bei Platz Nummer 9, wo man direkt via Payrexx mit Kreditkarte oder Twint und QR-Code bezahlen kann. Wir sind alleine auf dem grossen Platz, wer hat also gesagt, alle Stellplätze seien voll?
Das Wetter ist noch nicht wirklich sonnig und warm, also erledige ich noch schnell ein paar Arbeiten und danach erkunden wir die Gegend. Oberurmein besteht vor allem aus Ferienhäusern, Ansonsten gibt es nicht viel. Nach 500m Fussmarsch erreichen wir den Patrutgsee, ein wunderschönes Seelein mit vielen schönen Grillstellen und Bänken. Sogar einen kleinen Spielplatz gibt es, ein wirkliches Paradis auch für Kinder.
Die Patrutghütte hat heute leider auch geschlossen, aber es müsste hier wirklich schön sein, mit dieser Aussicht einen Kaffee zu trinken…
Also schlendern wir wieder zurück, und beschliessen, morgen dem Restaurant Skihaus einen Besuch abzustatten.
Inzwischen sitzen wir vor dem Womo, denn die Sonne kam wieder hervor und geniessen die Ruhe und die Aussicht. Wir werden nicht zum letzten Mal diesem Stellplatz einen Besuch abstatten.
auf dem Heinzenberg
Nach einer sehr ruhigen Nacht werden wir vom blauen Himmel und strahlendem Sonnenschein geweckt. Schon früh morgens ist es wärmer wie gestern den ganzen Tag lang. Also hält uns nichts mehr im Bett und wir geniessen die Sonnenstrahlen vor dem genialen Bergpanorama.
Wir frühstücken ausgiebig vor dem Womo, mit 3-Minuten-Ei (wobei auf dieser Höhe die Eier mit 4 Minuten Kochdauer genau richtig sind) und einem feinen Birchermüesli. Danach nützen wir den blauen Himmel aus und laufen nochmals zum kleinen Seelein hinauf. Fotos mit blauem Himmel, verschneiten Bergen und blauer See im Vordergrund wären eben schon nicht so schlecht…
Wir geniessen die Zeit am See auf einem Picknickplatz, lassen unsere Haut von der Sonne wärmen und geniessen den Ort.
Viel machen wir heute dann doch nicht mehr. Zum Radfahren sind die Strassen zu steil (wir haben noch keine Elektrovelos) und Anita kann noch nicht wirklich eine Wanderung machen, seit ihrer Operation ist das Laufen noch nicht wirklich angenehmen. Also geniessen wir die Aussicht, schauen den nahenden Wolken und den ankommenden Wohnmobilen zu und entschliessen, noch eine Nacht hier zu bleiben.
Um 16 Uhr machen wir uns auf ins Restaurant Skihütte, das gleich neben dem Stellplatz liegt. Die sonnige Terrasse lädt zum Verweilen ein und Anbau des Restaurants ist aus Glas und Holz. Wenn man da drinnen sitzt, sitzt man fast mitten im Bergpanorama, denn auch das Dach ist aus Glas. Da dürfte es während einem Schneesturm genau gleich wohlig warm sein, wie jetzt im Frühling.
Obwohl es noch sehr früh ist, bestellt Anita ein Rindsgeschnetzeltes mit Rösti und ich Älplerknöpfli. Selbstverständlich verputzen wir alles bis auf den letzten Resten, aber eben, viel zu viel. Danach suche ich die Chefin Nora und will wissen, warum ein Wohnmobilist hierher auf den Heinzenberg kommen soll. Wie aus der Kanone geschossen kommt: «Weil es der schönste Ort der Welt ist. Grüne Blumenwiesen, weisse Berge, blauer Himmel und einen fantastischen Ausblick.» So ganz unrecht hat sie nicht, und wir wissen jetzt schon, dass wir nicht zum letzten Mal hier oben sein werden.
Danke den Skiliften Tschappina, die diesen Stellplatz ermöglichen. Wir werden sicher auch mal im Winter kommen, denn das familiäre Skigebiet könnte noch ganz toll sein. Bei uns ist dies auf alle Fälle vorgemerkt.
Jetzt verbringen wir einen ruhigen Abend im Womo. Insgesamt stehen noch fünf andere Womos hier, die den Weg hier hinauf auch geschafft haben. Oder sollen wir noch einen Verdauungsspaziergang machen?
Vom Bündnerland nach Zürich
Wieder werden wir mit Sonnenschein geweckt, aber dieses mal mit dem Wissen, dass wir nun definitiv weiter müssen. Das Frühstück wird noch genossen, danach packen wir langsam zusammen und machen uns abreisebereit.
Die Strecke von Oberurmein den Berg hinunter bis nach Thusis ist wunderschön. Die Strasse relativ breit, so dass es wirklich keine Probleme gibt. Links und rechts tausende von gelben Löwenzahnblüten in den saftigen grünen Wiesen. Einfach traumhaft.
Danach von Thusis über Chur nach Sargans. Dort stellen wir tatsächlich den Blinker und fahren noch schnell nach Hause. Für Anita ist ein Päckchen angekommen mit dem lang erwarteten Strickzeug. Und das müssen wir natürlich noch abholen. Ich selber muss auch noch eine Stunde ein paar wichtige dinge am Compi erledigen und dann sind wir wieder abfahrbereit Richtung Zürich.
Ich habe einen Platz beim Restaurant Zen in Adliswil gebucht. Dieses chinesische Restaurant hat das Label «Wohnmobil willkommen» und da wir chinesisches Essen lieben, heute unseren 10. Hochzeitstag haben, bestellte ich vorgängig bei Christin ihre Spezialität Pekingente.
Wir kommen gegen vier Uhr gut dort an, sehen die Label-Tafel schon von weitem und parkieren unser Knutschi. Da wir noch etwas früh sind, machen wir einen Spaziergang der sehr nahen Sihl entlang. Und staunen! Wir staunen wirklich! Wir merken, dass wir totale Landeier sind und vom Stadtleben keine Ahnung haben. Wir dachten, dass hier Haus an Haus steht. Dabei hat es der Sihl entlang grosse Grünflächen, sogar Bauernhöfe, grossartige Velo- und Spazierwege, sogar Outdoorfitnesscenter, Grillplätze und was weiss ich noch alles. 200m laufen und man ist draussen aus der Stadt und total auf dem Land. Irgendwie schon fantastisch.
Uns gefällt es total, aber noch viel besser gefällt es uns, als wir um 18 Uhr unseren Platz im Garten einnehmen. Rosenblätter auf dem Tisch, mit roten Herz-Dekorationen und sofort haben wir einen Hochzeitsapero in der Hand.
Danach werden wir gefragt, wie wir die Pekingente genau haben wollen. Von den drei Varianten entscheiden wir uns für die Version mit der süsssauren Sauce.
Kurz vor der Vorspeise präsentiert uns die Chefin die ganze Pekingente, sieht total knusprig aus und steigert unsere Neugierde ins unermessliche. Wir hatten noch nie eine ganze Pekingente und freuen uns nun, was kommen wird. Zur Vorspeise gibt es knusprige Entenhaut serviert mit Pfannkuchen, Lauch, Gurken und Sojabohnensauce. Echt jetzt, extrem knusprige Haut, überhaupt nicht fettig, wie wir schon verschiedentlich von Pekingenten gehört haben (also, wir haben das nicht von Enten gehört, aber gelesen, dass ein Menu Pekingente schon ziemlich fettig sein kann). Mit der Sauce und den Zutaten schmekct es wirklich sehr raffiniert. Die chinesische Serviertochter muss uns aber noch zeigen, wie man diese Pfannkuchen richtig belegt und einwickelt, bis wir es dann drauf haben und alles ratzeputz leer essen. Es ist so fein, dass wir glatt vergessen, dass noch eine Hauptspeise kommt.
Danach kommt dann die Ente mit Ananas (süss-sauer). Wir essen, bis wir fast platzen, aber am Hochzeitstag darf man das doch, oder?
Anita und ich müssen unbedingt dieses chinesische Restaurant weiterempfehlen. Es ist wirklich sehr gut und Christin und das Personal sehr freundlich. Wir reden dann noch ziemlich lange über ihre Erfahrungen mit WohnmobilDinner und sie freut sich, dass sie nun mit «Wohnmobil willkommen» weitermachen darf. «Die Wohnmobiltouristen sind so unkomplizierte Leute, es ist einfach schön. Und wir haben das Gefühl, dass wir mit WohnmobilDinner viele neue Gäste auch aus der engeren Umgebung gewonnen haben» meinte sie.
Nach dem Gespräch parken wir unser Womo noch um, nämlich genau vor den Haupteingang. Hier ist es schon ruhiger, als hinten auf dem Parkplatz direkt an der vielbefahrenen Bahnlinie.
Für uns war es ein richtig schöner Abend, den wir nicht so schnell vergessen werden.
Label Wohnmobil willkommen: in der Schweiz gibt es momentan 72 Restaurants, die dieses Label haben. Bei diesen Restaurants kann man Essen und darf danach mit dem Wohnmobil übernachten.
Ein Besuch der drittältesten Jura-Stadt
Morgens fahren wir von Adliswil Richtung Basel. In Kaiseraugst müssen wir noch etwas abladen und fahren danach weiter Richtung Jura. Unser Ziel haben wir noch nicht wirklich definiert, beschliessen aber unterwegs, nach Saint Ursanne an die Doubs zu fahren. Dieses bekannte Städtchen liegt auf der Grand Tour of Switzerland und ist im Kanton Jura ein Tourismusmagnet. 612 lebte hier der Einsiedler Ursicinus, ein Gefährte des heiligen Kolumbans, daher trägt das Städtchen auch diesen Namen.
Vor vielen Jahren als Radprofi flitzen wir an der Tour de Suisse über den Kopfsteinpflastern durch die Ortschaft, aber seither war ich nie mehr hier. Also endlich einmal Zeit, genauer hinzuschauen.
Der Stellplatz ist auf dem Parkplatz eines Firmengeländes, kostet für zwei Personen 14.- pro Nacht und liegt etwa 400m südlich von der alten Doubsbrücke Porte Saint-Jean entfernt. Auf der vierbogigen Brücke thront noch immer die Statue von des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk. (Dieser Heilige gilt als Schutzpatron von Böhmen, Bayern, Salzburg, Seckau, Correggio, Prag, Banat und Santander, auch beschützt er Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer und Müller, er steht für das Beichtgeheimnisse und für Verschwiegenheit, schützt vor Wassergefahren und ist der Schutzpatron der Brücken. Also sehr vielbeschäftigt).
Das Städtchen ist frisch herausgeputzt, fast die gesamte Pflästerung der Strassen ist neu gemacht, die Häuser neu renoviert. Einzelne Gerüste stehen noch, man ist also noch am Arbeiten.
Wir schlendern die Hauptstrasse entlang, gerade viel läuft diesen Samstag Nachmittag nicht. Danach besuchen wir die Stiftskirche, die seit dem 12. Jahrhundert eine bewegende Geschichte hat. Immerhin stürzte sie nach einem Erdbeben zusammen und blieb während über 100 Jahre eine Ruine, bevor sie Mitte des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut wurde. Der Kreuzgang mit Hof ist klein aber fein und alleweil einen Besuch wert.
Das das Wetter nicht wirklich mitspielt, erreichen wir unser Knutschi grad wieder, bevor es von oben losschüttet.
Anita kocht uns einen feinen Znacht, den wir dann mit viel Lust verspeisen. Danach machen wir Pläne, was wir im Jura ohne Sonne noch alles anstellen könnten.
Wer hat eine Idee?
auch wenn ich mich kurz nerve
Unser Urintank ist morgens voll, also müssen wir weiter. Eine Entsorgungsstation ist nur wenige Kilometer Richtung Pruntrut auf der Autostrasse. Also fahren wir dorthin, entleeren unser Abwasser und Urintank und denken, wenn wir ja schon mal hier sind, können wir Pruntrut anschauen. Wir wissen, dass es in der Nähe des Schlosses einen Stellplatz gibt und das Schloss sehen wir schon von weitem. Also schlagen wir jene Richtung ein und fahren dann direkt darauf zu. Vor dem grossen, runden Turm sehen wir eine Womotafel, die geradewegs in der Schlosswiese steht. Wow, der Stellplatz liegt direkt unter dem Turm an der grossen Mauer. Ist ja klar, dass wir hier grad mal unser Knutschi parken. Selbstverständlich zahle ich grad via Twint mal die 14.- und dann beraten wir, wie es weitergeht.
Durch einen Prospekt werden wir auf den «Circuit secret Porrentruy» aufmerksam, eine Geheime Tour durch Pruntrut. Tönt spektakulär und das Beste: man kann diese Tour alleine mit einem Schlüsselbadg machen und so verschiedenste Sehenswürdigkeiten sehen, wo man sonst alleine nicht hinkommt. Leider funktioniert die Webanmeldung nicht, aber nicht so schlimm, beim Tourismusbüro kann man sich anmelden und dann direkt von dort aus starten.
Also laufen wir die 10Minuten ins Zentrum der Altstadt und melden uns an, also, wir würden gerne. Ich werde etwas säuerlich, denn dass Büro hat am Sonntag zu. Super, und wie sollen wir jetzt auf diese Tour? Anscheinend habe wir alte Infos erhalten, aber warum ist ein Tourismusbüro am Sonntag zu, wenn es am meisten Touristen hat?
Na, ich rege mich schnell wieder ab und wir laufen einfach so durch Pruntrut. Wir sind überrascht, es ist wirklich schön, viele kleine Läden (die heute Sonntag geschlossen sind) mit verschiedensten Produkten, nicht einfach so die normalen Souveniershops, sondern wirklich coole Dinger, die man nicht oft sieht. Viele kleine Beizchen, verwinkelte Strässchen und dazwischen die alten «Abwassergässlein», schmale enge Gassen, wo man die Abfälle einfach aus den Fenstern warf. In den Gässchen lebten Schweine, und weil Schweine nie rückwärtslaufen, mussten die Gässchen so breit sein, dass sich ein Schwein (ein Wildschwein ist das Wappentier von Pruntrut) auch drehen konnte.
Danach schauen wir uns den Botanischen Garten an und schlendern zurück Richtung Schloss. Aber schon jetzt wissen wir, dass wir nicht zum letzten Mal hier waren. Pruntrut überrascht uns sehr positiv.
Unten am Schloss haben wir etwas Mühe, den Eingang zu finden, aber es geht wirklich durch eine Haustüre in ein Haus, das nur aus einem alten hölzernen Treppenhaus besteht. Und die Treppe knirscht so stark und laut, dass wir Angst bekommen, sie könnte zusammen brechen. Aber wir kommen gut oben an, danach geht es durch einen Mauergang und dann in einem Rundturm vier Stockwerke die Treppe hoch und erst dann kommen wir im Schlosshof an.
Selbstverständlich klettern wir auch noch die Treppen zum Turm hoch, wo wir weit unten unser Knutschi sehen. Die gesamte Besichtigung ist kostenlos und toll gemacht. Unbedingt empfehlenswert.
Wieder in unserem Knutschi beschliessen wir, einfach hier zu bleiben und auch hier zu übernachten. Das ist so eine tolle Stadt, die hat es einfach nicht verdient, dass wir hier schon wieder wegfahren… Für uns lohnt sich ein Stopp in Pruntrut viel mehr, wie in Saint Ursanne, auch wenn letzteres bekannter ist.
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