Städtetrip
Von unserem Standort sind es nur 30km bis nach Dresden und auf GooglMaps habe ich fast im Zentrum einen Stellplatz gefunden. Das wäre doch mal ein Grund, eine Grossstadt zu besuchen. Also machen wir unser Knutschi Reisefertig und fahren ohne Autobahn ins Zentrum von Dresden. Am Stellplatz, den wir von der Strasse aus sehen, fahren wir insgesamt 5x vorbei, ohne irgendwo eine Einfahrt (Baustelle) zu sehen. Und wegen Sackgassen, Einbahnstrassen und Abbiegeverbot werde ich säuerlich, dass wir unbedingt in eine Stadt fahren mussten. Aber ganz am Schluss, beim 6. Mal finde ich die Einfahrt von hinten und wir platzieren unser Knutschi im Schatten von Kastanienbäumen. Der Platz ist quasi am Ufer der Elbe und nur gerade einen Kilometer vom Zentrum weg, also top gelegen.
Kaum steht unser Knutschi still, machen wir uns schon auf die Socken ins Zentrum. Das heisst, wir spazieren der Elbe entlang, unter zwei Brücken hindurch zum Schiffsanleger Nr.3. Um 13 Uhr soll dort eine Schiffsrundfahrt starten. Viel Zeit haben wir nicht mehr, schnell die Tickets lösen, rauf auf das Schiff und schon legt es für die 90 minütige Rundfahrt auf der Elbe ab.
Wir fahren so die Elbe hoch an Villen und Schlössern vorbei bis unter dem Blauen Wunder (Eisenbrücke gebaut 1890) hindurch auf die Anlegestelle Blasewitz. Dort wendet unsere «August der Starke» und fährt wieder ins Zentrum zurück. Wir schiessen Fotos mit blauem Himmel und gehen dann von Bord direkt in wenigen 100 m zur Frauenkirche und dem Neumarkt.
Dort gibt es einen Christkindlmarkt, der jetzt Frühlingsmarkt heisst, mit vielen Essens- und einigen mit Handwerkerständen. Wir genehmigen uns je eine Tüte Kibbelinge (Fischfilet wird in mundgerechte Häppchen geschnitten, mit Backteig überzogen und dann frittiert). Etwas später an einem anderen Stand Anita einen Aperol Spritz, ich eine heisse Schokolade.
Irgendwie sind wir heute nicht so fit und sitzen mehr an der Sonne, statt die Stadt besichtigen. Aber dann raffen wir uns auf und spazieren zum Dresdner Zwinger (grosse Baustelle) und zur Semperoper. Die Gebäude sind schon ganz gewaltig und die Stadt nach der vollständigen Zerstörung im 2. Weltkrieg neu aufgebaut und total schön renoviert. Dresden beeindruckt uns, auch mit den sehr grosszügigen Grünflächen entlang der Elbe. Es sieht nach einer lebenswerten Stadt aus.
Nach dem Rückweg sind wir irgendwie abgekämpft, aber eher noch von gestern wie vom Spaziergang heute. Wir erholen uns nun im Schatten der Kastanienbäume.
Dresden ist eine wirklich besuchenswerte Stadt, aber es bestätigt sich, dass wir eher Landeier sind und uns eine Grossstadt nicht so fest vom Hocker haut, wie eine schöne Natur. Wir geniessen den Aufenthalt hier trotzdem und sind froh, dass wir es wieder mal in einer Stadt versucht haben. Aber morgen geht es wieder auf das Land, wo wir hingehören.
und ein Dummcamper
wir erwachen ziemlich früh und als ich zuerst einmal unsere Verdunkelungsrollos öffne um nach dem Wetter zu gucken, rege ich mich schon mal auf. Wir stehen mitten in der Stadt Dresden auf einem super gelegenen Stellplatz und der Idiot neben uns hat in der Nacht sein Grauwasser abgelassen. Er dachte wohl, dass es ins Gebüsch läuft, aber es ist mitten auf den Platz gelaufen, inkl. aufgeweichte Brotresten. Kann ich nun als Schweizer zu diesem Deutschen in Deutschland hin und ihn darauf aufmerksam machen, dass er ein Idiot sei? Ich bin Gast in diesem Land und kann ich einem Eingeborenen sagen, wie er sich zu verhalten hat? Oder ist das hier normal so? (klar weiss ich, dass es nicht normal ist, aber ich bin echt sauer…). Und es ist kein junger Neucamper, sondern ein ca. 70 jähriger Mann mit nicht dem neusten Wohnmobil. Und dann kommt es aber erst recht dick: der Mann steigt aus und sieht sein Schlamassel, dass jeder sieht, dass die Wasserlache von seinem Womo kommt. So startet er den Motor und parkt sein Womo so um, dass er möglichst weit von der Lache entfernt steht. Wäre es ein Schweizer gewesen oder in der Schweiz passiert, ich hätte ihm die Leviten aber so was vorgelesen… Während dem Umparkieren fuhr seine Sat-Schüssel nicht ein und streifte leider nur ein paar Blätter von einem Baum, schade, war dort nicht ein grosser starker Ast, der ihm seine Anlage gleich zerdrückt hätte... Das einzig Positive: ein paar Vögel frassen sich danach am eingeweichten Brot satt, bis es weg war.
Noch immer aufgewühlt und ärgerlich über mich selber, dass ich nicht doch ausgestiegen bin, fahren wir durch Dresden Richtung Heimat. Wir kommen gut vorwärts und nach 340km biegen wir auf den Wohnmobil Stellplatz - Lände Hilpoltstein, ein, den ich auf GoogleMap gefunden habe. Er liegt direkt, aber ganz direkt am Main-Donau-Kanal. Kein Strom, Entsorgung 1km entfernt, also quasi mit nix. Dadurch hat es auch nicht viele Womos hier aber ich verliebe mich sofort in diesen Platz. So genial, mitten im Grünen direkt am Wasser. Wir stellen unser Womo 3m vom Wasser weg und sind einfach glücklich.
Auf der Karte sehe ich, dass es Flussab- und aufwärts je eine Schleuse hat, ca. 1km entfernt. Also packen wir unsere Fahrräder und besichtigen die Schleuse Eckersmühle. Wir müssen uns beeilen, dann ein Frachtschiff fährt grad an unserem Womo vorbei und wir wollen dies ja bei der Schleuse erleben. Die Schleuse hat übrigens eine Besucherplattform, einfach nur genial.
Einfahrt in die Schleuse von unten
Das riesige Schiff trifft die Schleuse haargenau, auf jeder Seite vielleicht nur 30cm spatzig, aber langsam und zielgenau platziert es sich mittendrin. Das Schleusentor wird geschlossen und das Wasser wird nun in das danebenliegende Wasserreservoir gepumpt. Das grosse Schiff sinkt mit dem Wasserspiegel Meter um Meter. Nun ist es schon 5m tiefer und das untere Schleusentor wird sich wohl bald öffnen. Aber es dauert, und das Wasser sinkt und sinkt. Wir haben das Gefühl, das Schiff versinkt irgendwo in der Erde, denn erst nach 25m Tiefe, ist der Wasserspiegel dort, wo er sein soll. Unglaublich eindrücklich, so etwas hätten wir niemals erwartet. Es geht ca. 20 Minuten, bis alles Wasser ausgepumpt ist, ca. 1m pro Minute.
Später sehen wir auf der Webseite Schiffsradar, dass auch noch ein Schiff von unten kommt und natürlich schauen wir da nochmals zu. Wir sind begeistert.
Die Schleuse Eckersmühle hat eine Aussichtsplattform, die genau baugleiche Schleuse Hilpotstein bietet diesen Service nicht, dafür sieht man dort besser, wie die Schiffe unten in die Schleuse einfahren. Der Main-Donau-Kanal ist übrigens 171km lang und war das letzte Stück auf der Wasserstrasse zwischen Rotterdam und dem schwarzen Meer. Der Kanal ist nach der Schleuse Hilpotstein die höchste Stelle der Europäischen Wasserstrasse mit 406m über dem Meeresspiegel. Die Schiffe können also über 400m in die Höhe fahren…
Wir interessieren uns plötzlich für diesen Kanal, bis heute Morgen wussten wir nicht mal, dass es den gibt.
Anita bäckt nun ein frisches Brot und ich informiere mich über diesen Kanal, schaue auf das Wasser und sehe, dass gerade das Flusskreuzfahrtschiff Beethoven an uns vorbeituckert.
Empfehlenswert
Unser Fazit ist klar: die Landschaft ist extrem eindrücklich, sehr imposant und man sollte wenn immer möglich diese Gegend besuchen. Allerdings sind die ganzen Dimensionen nur bedingt tauglich für eine Womoreise, man kann also nicht wochenlang mit dem Wohnmobil innerhalb der Sächsischen Schweiz umherreisen. Es empfiehlt sich eher, etwas länger auf einem Stellplatz zu sein und die Gegend danach mit einer Kombination aus ÖV, Fahrrad und auf Schusters Rappen zu erkunden. Die eindrücklichen Felsformationen erreicht man nur zu Fuss. Was aber absolut top ist: bei jeder Übernachtung auch auf einem Stellplatz ist der ÖV kostenlos inkludiert.
Es hat einige Stellplätze, entweder unten an der Elbe oder in der Nähe der Bastei. Ist man vor allem mit dem ÖV unterwegs, ist Königstein oder Bad Schandau das richtige, ist man vor allem zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs, liegt «unser» Platz bei der Bastei sehr gut.
In vier Tagen kann man sehr viel sehen, hat man mehr Zeit, kann auch noch die Böhmische Schweiz (tschechischer Teil der gleichen Landschaft) mitgenommen werden.
Uns hat der Teufelsgrund in der Nähe der Stadt Wehlen, die Bastei und das Felsentor Kuhstall sehr, sehr gut gefallen. Diese drei Sehenswürdigkeiten sollte man schon besuchen. Ein Muss: die Wanderung vom Stellplatz Bastei über den Teufelsgrund zur Stadt Wehlen, ab dort mit dem Schiff weiter nach Rathen und zu Fuss via Amselsee und Schwedenlöcher auf die Bastei und dann mit dem Bus zum Stellplatz zurück, das ist der perfekte Tagesausflug, wo man sehr viel Sehenswertes auf der Strecke hat.
Ist man auf der Durchfahrt durch Deutschland und hat noch ein paar Tage Zeit, sollte die Sächsische Schweiz unbedingt einen Besuch abstatten. Wandert man gerne, sollte dieses Ziel ziemlich weit oben auf einer ToDo-Liste sein.
Aber, Deutschland ist kostenmässig auch nicht mehr ganz so günstig wie vor wenigen Jahren, die Stellplatzpreise haben extrem angezogen, man darf also nicht mehr mit früher vergleichen. Wir bezahlten zwischen 7 und 28€ pro Nacht ohne Strom und Sanitäranlagen.
Ach ja: Mami, wir sind wieder gut nach Hause gekommen, auch wenn es während der ganzen fahrt geregnet hat.
unseres Reisestrecke