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Finnland 2014
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Stadt der 1000 Statuen

Skopje

Kurzfristig entscheiden wir uns auf vielfache Empfehlung, noch einen Tag zu bleiben und die Hauptstadt Nordmazedoniens zu besuchen. Also bestellen wir ein Taxi und bezahlen keine 10 CHF für die 12 km lange Fahrt ins Zentrum.

Schon als wir aus dem Taxi aussteigen, fallen uns die vielen monumentalen Statuen auf. An jeder Ecke oder inmitten jedes Platzes steht eines dieser Riesendinger. Auf dem Macedonia Square (Hauptplatz) steht Alexander der Grosse auf einem Pferd, 24 m hoch! Aber er ist beileibe nicht der Einzige: Alleine auf der Brücke der Kunst gibt es weitere rund 20 Statuen von mazedonischen Künstlern und Persönlichkeiten. Ich glaube, im Zentrum der Stadt hat jeder nur einigermassen berühmte Mazedonier irgendwo eine überlebensgrosse Statue auf einem Sockel. Auch die Gebäude im Zentrum sind irgendeine Mischung aus Moderne, Antike, Römern und Griechen. Irgendwie nicht wirklich einzuordnen.

Ein Blick auf die Geschichte macht dann einiges klarer. Skopje ist eine Mischung aus osmanischen, byzantinischen und europäischen Einflüssen. Diese Stadt wurde am 26. Juli 1963 um 5:17 Uhr durch ein schweres Erdbeben zu grossen Teilen zerstört und über 1000 Menschen verloren ihr Leben. Die alte Bahnhofsuhr steht als Mahnmal noch heute auf 5:17 Uhr und der Stundenzeiger hat sich seit damals rund 50'000 Umdrehungen gespart.

die kaputte Bahnhofsuhr

Danach wurde die Stadt mit internationaler Hilfe modern wieder aufgebaut. Bis die Politiker auf die Idee kamen, die Stadt für über 700 Millionen Euro umzubauen, um sie wieder alt aussehen zu lassen. Das Projekt «Skopje 2014» wurde bereits 2010 vorgestellt und war in der Bevölkerung heftig umstritten. Aber ganz ehrlich: Mir hat der Mischmasch sehr gefallen und so etwas findet man wahrscheinlich sonst nirgends auf der Welt. Mir gefällt es hier.

Beim Alten Basar von Skopje ist alles anders. Er ist das Gegenstück zum modernen Monumentalzentrum. Enge Gassen, Moscheen, Handwerksläden und osmanische Architektur. Hier spürt man das historische Skopje. Die vielen Läden, der grosse Markt, da wird alles verkauft. Von Wasserpfeifen, Gewürzen, grossen Lautsprecherboxen und kupfernen Teekannen bis zu modernen Mobiltelefonen. Eindrücklich, schön, spannend! Und günstig.

die Markhalle

Wir essen das mazedonische Nationalgericht Tavce Gravce, ein traditionelles Bohnengericht, das in einer Tonschale im Ofen gebacken wird, zu Mittag. Dazu Getränke, und das für zwei Personen für umgerechnet zusammen 10 CHF an bester Lage mitten im Basar.

Wir könnten stundenlang durch diesen Basar und die grosse Markthalle schlendern, werden aber um 12 Uhr durch das Freitagsgebet der muslimischen Bevölkerung gestört. Oder sagen wir, der muslimischen Männer. Denn Frauen sehen wir beim Gebet keine.

Rund um die kleinen Moscheen inmitten des Basars werden Gebetsteppiche ausgelegt. Die Männer ziehen ihre Schuhe aus, stellen sich in Richtung Mekka auf und der Muezzin ruft zum Gebet. Das eigentliche Gebet wird dann von einem Imam geleitet. Weil die Moscheen für die vielen Gläubigen viel zu klein sind, knien die Männer mitten auf den Wegen und Gassen des Basars nieder. Sie beten, während andere Passanten vorsichtig um sie herumkurven.

Es ist irgendwie bizarr und gleichzeitig faszinierend. Der Gottesdienst findet einfach mitten im öffentlichen Leben statt. Jeder kann zuhören, stehen bleiben oder vorbeilaufen, wie es ihm gerade passt. Der Basar wird für einen Moment gleichzeitig zum Markt und zur Moschee.

Aber es ist auch klar, dass wir jetzt nicht mehr überall durchkommen. Denn zwischen den betenden Muslimen, die barfuss oder in Socken auf ihren Teppichen knien, wollen wir nun wirklich nicht hindurchlaufen. Und wir sehen auf kleinstem Raum mindestens drei verschiedene Moscheen.

Nachdem das Gebet beendet ist und alle wieder ihre Schuhe angezogen haben, strömen die Männer in alle Richtungen, setzen sich in Cafés oder öffnen ihre Läden. Das Leben ist mit voller Wucht zurück.

Es werden türkischer Kaffee, mazedonische Baklava oder amerikanische Hamburger angeboten, alles quer durcheinander. Dazwischen Marronibrätler, Gewürzverkäufer und was weiss ich nicht alles. Auf einer Werbung vor einem Laden sehen wir ein Angebot für eine E-SIM-Karte für alle Balkanländer, 30 GB Daten für 35 €. Zwei Minuten später ist alles auf dem Handy von Anita installiert und wir haben nun endlich genügend Daten, um im Internet zu sein. Bei vielen Roamingangeboten in der Schweiz sind nämlich die Balkanländer ausgeschlossen.

Wir besichtigen übrigens auch noch die Burg, die orthodoxe Kirche der Heiligen Konstantin und Helena und das Mutter-Teresa-Gedenkhaus. Sie wurde in Skopje geboren, erhielt 1979 den Friedensnobelpreis und wurde später heiliggesprochen.

ein paar Statuen

Alles ist übrigens praktisch im Zentrum und zu Fuss erreichbar. Einfach nur toll.

Dann warten wir, bis es endlich dunkel wird. Sonnenuntergang ist hier aktuell schon kurz nach vier, um halb fünf ist es dunkel und kalt und die Beleuchtung der Brücken ist immer noch nicht an. Um 17 Uhr ist es dann stockdunkel und um 17:01 Uhr geht die Beleuchtung der Brücken an. Und nicht nur der Brücken, auch viele Restaurants werden nun aus dem Dunkeln erhellt, alles in der gleichen Sekunde. Irgendwo muss da eine Zeitschaltuhr eingebaut sein. Aber nur eine Minute später ist das Wahrzeichen der Stadt, die Steinerne Brücke, wieder erloschen.

Sie ist über 500 Jahre alt und verbindet nicht nur die beiden Ufer des Vardar, sondern irgendwie auch zwei Zeitalter. Auf der einen Seite das moderne Skopje mit seinen überdimensionierten Denkmälern, auf der anderen Seite der jahrhundertealte osmanische Basar. Die Brücke überstand Erdbeben, Hochwasser und auch den Zweiten Weltkrieg. Aber die Beleuchtung heute will nicht.

Wir warten und warten, machen dazwischen Fotos von der Brücke der Kunst, die am meisten Lampen besitzt. Sie wäre toll anzusehen, wenn nicht mindestens die Hälfte kaputt wäre … So sieht sie leider nicht so eindrücklich aus, wie sie es könnte.

Brücke der Kunst mit 50% kaputten Lampen

Nur das Wahrzeichen der Stadt will nicht mehr leuchten. Einmal flackert die Beleuchtung noch für etwa drei Sekunden auf, zu kurz, um den Fotoapparat zu zücken und abzudrücken. Danach ist es wieder dunkel und kalt.

Dann fahren plötzlich Limousinen vor, Kamerateams mit Scheinwerfern filmen, es werden Ansprachen gehalten. Alles direkt vor der dunklen Brücke.

Wir frieren. Und ich bin leicht säuerlich. Nur wegen diesen Politikern lassen sie die Brücke nicht leuchten? Es regt mich immer mehr auf, es erscheinen immer mehr Krawattenträger, Bodyguards und Filmteams. Und echt, mir wird es zu kalt, mich scheisst es an und nach insgesamt eineinhalb Stunden Warten auf die Beleuchtung verzichte ich auf ein Foto der hell erleuchteten Brücke in der Nacht und suche säuerlich ein Taxi für die Heimfahrt.

Wenigstens ist es schön warm im Taxi und der Taxifahrer erzählt uns noch einiges über Nordmazedonien. Denn auch er hat, wie viele andere hier, einige Jahre seines Lebens im deutschsprachigen Raum verbracht.

Ach ja, wie ich eben vernehme, war Bundesrat Ignazio Cassis für heute, den 6. November 2026, zu einem offiziellen Besuch in Skopje angekündigt. Hat uns etwa unser eigener Bundesrat die Beleuchtung vermiest? Das wäre ja der Gipfel und ein Protestschreiben nach Bern wäre nötig…

Übernachtung

Skopje - Matka Eco RV Camp ****
Nordmazedonien, Stellplatz

Koordinaten: 41.99257, 21.321069
N 41° 59' 33.3"  E 21° 19' 15.9"
letzter Besuch: 11.2026

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