Quellen von Bënjë

Auf unserem Nachtparkplatz fuhren immer wieder Autos hin, Jugendliche trafen sich, hörten Musik und verliessen den Platz wieder. Nicht, dass sie nun mega laut waren, idyllisch ist aber anders. Auch regnete es zwischendurch immer wieder, also nicht eine Nacht, die ewig in Erinnerung bleiben wird.
Morgens kaufen wir am Getränkestand dann noch etwas ein, schliesslich haben wir hier kostenlos übernachtet. Danach machen wir uns gemütlich auf den Weg. Wir fahren bewusst nicht die grosse Umfahrungsstrasse, sondern nehmen den kürzeren Weg über die SH100, die über hügeliges Land bis zum Fluss Vjosa führt.
Mitten in den Hügeln sehen wir plötzlich viele so alte Ölfördertürme, solche, die in alten James-Dean-Filmen vorkommen. Wo noch jeder eine Zigarette im Mundwinkel hat und alle besonders cool sind.

Selbstverständlich stoppen wir und gehen zu Fuss so einen alten Förderturm anschauen. Der quietscht und macht Lärm für eine ganze Armee, dazu trieft er vor Rost. Fördern die hier wirklich mit so alten Geräten noch Erdöl? Es sieht so aus. Und tatsächlich, als wir uns informieren, erfahren wir, dass hier in der Gegend von Selenicë schon seit über 100 Jahren Erdöl gefördert wird. Albanien gehört übrigens zu den ältesten Erdölförderländern Europas. Die Bohrtürme sehen aus, als wären sie auch noch aus dieser Zeit. Es ist eindrücklich und irgendwie so, als wären wir um Jahrzehnte zurückversetzt. (Bei Anita auf ihrem Blog hat sie ein Video des laufenden Bohrturms, es lohnt sich, hineinzuschauen).

Wir fahren danach weiter, dem Fluss folgend aufwärts. Gefühlt nach dem vierten Abzweiger im vierten Quertal sehen wir rechts unten eine alte, rostige Hängebrücke. Ist die noch in Betrieb? Kann man da noch drauf? Wer getraut sich? Klar müssen wir das ausprobieren.

Es ist einfach fantastisch hier, wie in einer anderen Zeit, das Leben dreht langsamer, die Autos sind viel weniger (mindestens 50 % fahren aber Mercedes, Jahrgang vor 1980 …).
Dann, vor Mittag erreichen wir schon unser Ziel, die warmen Quellen von Bënjë. Wir checken auf dem kleinen Campingplatz ein, der grosse neue gleich bei der Quelle ist noch nicht fertig.
Sofort packen wir Rucksack und Badehosen und marschieren 5 Minuten Richtung Thermalbad. Wir müssen über die gebogene Steinbrücke, ohne Geländer und ohne nichts. Bei uns unmöglich vorstellbar. Die Brücke stammt übrigens aus der osmanischen Zeit und ist mehrere hundert Jahre alt. Sie wird auch Kadiut-Brücke genannt.
Dann sind wir dort und steigen in das rund 30 Grad warme Wasser. Es fühlt sich wärmer an, weil wohl die Luft kälter ist. Es gibt vier verschiedene Naturpools mit dem warmen Thermalwasser, das aus der Tiefe der Erde kommt, in die Pools fliesst und danach über den Rand in den Bach daneben. Das Wasser ist mineralhaltig und riecht stellenweise leicht nach Schwefel. Die Quellen liegen am Eingang der eindrücklichen Lengarica-Schlucht, durch die sich der Fluss über Jahrtausende seinen Weg durch die Felsen gegraben hat.

Dieser Schwenker hierhin hat sich absolut gelohnt. Wir sind nicht die Einzigen, aber insgesamt ist sehr wenig los hier. Genau nach unserem Geschmack. Alle Pools probieren wir aus. Eintritt oder so kostet es keinen, nur der Parkplatz oder Camping muss bezahlt werden. Wahrscheinlich wird sich das im grossen Stil ändern, wenn dann der neue, grosse Campingplatz fertig sein wird.
Uns gefällt es, wie es jetzt ist.
Nach zwei Stunden sind wir wieder beim Knutschi und heute werden wir wohl auf dem Campingplatz Pizzas essen. 7 CHF pro Pizza.
Wir haben hier übrigens WLAN, also endlich mal eine Verbindung, wo ich wieder etwas arbeiten kann, ohne dass ich mein beschränktes Datenvolumen der Balkanländer anknabbern muss.