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Italienische Kuschelcamper

Es gibt sie wirklich, die Kuschelcamper, die nicht alleine stehen können und darum immer so nah wie möglich an jemand anders andocken müssen.

Bis jetzt habe ich diese Art von Camper nur via Camperlatain wahrgenommen und immer gezweifelt, ob es diese Spezies auch gibt. Übertreibungen, Räubergeschichten und sich wichtig tun habe ich die Erzähler jeweils in den Senkel gestellt. Aber heute Nacht und jetzt Morgens früh werde ich eines besseren belehrt. Und wenn ich die Statistik so anschaue, sind sie gar nicht so selten, wie man meinen könnte.

In unserem abgegrenzten Stellplatzsektor gibt es insgesamt 78 Steckdosen, dann nehme ich mal an, dass es auch 78 Plätze gibt. Bis jetzt waren zwei dieser Plätze belegt und gestern Nacht um 23:30 Uhr fuhr ein drittes Womo auf den Platz. Kann ja mal sein, dass man spät dran ist, nicht so schlimm. Aber von den 76 freien Plätzen, kann man ja die links und rechts eines schon gestellten Womos abziehen, bleiben 72 freie Plätze zur Auswahl. Aber nein, diese 72 Plätze interessierten den italienischen Womofahrer nicht, es musste einer von den andern vier sein, die direkt neben einem schon besetzten Platz sind. Und wenn das nicht schon komisch genug ist, musste es auch gerade der sein, der neben unserer Eingangstür ist. Und wer jetzt denkt, es ist vorbei, jetzt fängt es gerade erst richtig an. Natürlich stellt der neue Kuschelcamper sein Womo so hin, dass seine Eingangstür gegen unsere schaut!

Und dann, um 24:15 Uhr, als er endlich auf seinen Keilen steht und endlich seinen Motor abschaltet, das heisst, seine Frau versuchte auf die Keile zu fahren obwohl hier alles waagrecht ist, und man meinen könnte, es kehrt jetzt Ruhe ein, beginnen sie all ihr Material, Campingstühle und zwei Tische, Bodenmatte, Markise und was noch dazugehört, zu installieren.

Wir spionieren durch unser Schlafzimmerfenster dem Treiben zu und können es irgendwie nicht fassen, dass jemand so dreist sein kann. Die Situation ist mitten in der Nacht so bizarr, dass wir einfach nur schmunzeln müssen. Sogar einen unserer Campingstühle rücken sie noch etwas zu unserem Womo hin, damit er ihnen nicht in die Quere kommt… Immerhin nehmen sie insofern Rücksicht auf uns, dass sie nur flüstern und nicht palaveren wie richtige Italiener.

Heute Morgen stand ich dann um halb acht auf, drehte die Sonnenstore auch raus, obwohl wir sie nicht bräuchten, nur um den Abstand zwischen beiden Storen zu messen (1m und 12cm). Na ja, gar nicht so schlimm. Blöd nur, dass ich jeweils frischen Kaffee und danach auch noch WC-Papier und etwas später noch meine Turnschuhe aus der Garage holen musste. Und unsere Garagetür habe ich wegen dem Wind jedesmal mit einem lauten Klick einhängen müssen, so dass die anderen garantiert erwacht sind. Nun machen wir Frühstück und essen ganz gemütlich vor der anderen Tür...

Zum Glück hatten wir vorgesehen dass wir heute weiterreisen. Wir wollen nach Pienza und soll eine wirklich schönes Städtchen sein.

Ach ja, zur Statistik der Kuschelcamper: hier stehen jetzt drei Wohnmobile auf einem Platz für 78 und einer dieser drei ist ein Kuschelcamper, statistisch gesehen sind also ein Drittel aller Wohnmobilbesatzungen Kuschelcamper. Da hatten wir unheimliches Glück, dass es über drei Jahre dauerte, bis wir die ersten echten Kuschelcamper der Gattung Womofahrer trafen.

 


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