Einen Drittel der Strecke, nämlich 300km, sind wir heute gefahren, morgen nochmals 600km und dann sind wir in Rotterdam auf der Fähre.
Am Nachmittag musste ich alles alleine Packen, Anita war in einer Weiterbildung und kam erst abends nach Hause. Hoffentlich habe ich an alles gedacht! Ich habe Heizung laufen lassen, Kühlschrank auf Strom und Gas getestet, Wasser gefüllt, Sat-Verbindung geprüft. Alles ok!
Aber auch die Kleider habe ich natürlich nicht vergessen und den Kühlschrank mit dem nötigsten gefüllt.
Nach 300km über Österreich und Deutschland sind wir nun in Pforzheim auf dem Stellplatz gelandet. 48 Stunden stehen sind gratis, aber müssen wir jetzt bezahlen, da wir liegen möchten?
Morgen geht es weiter bis Rotterdam, 600km. Hoffentlich hat es nicht allzuviel Verkehr und Stau, wir müssen um 19 Uhr am Hafen eingecheckt haben, die Fähre nach Hull fährt dann um 20:30 Uhr los.
Bis jetzt lief alles wie am Schnürchen, wir haben schon am Fährhafen eingecheckt und warten, bis das Tor zur Fähre aufgeht.
Ohne Stau, ohne Zwischenfall und ganz entspannt kommen wir schon um 15 Uhr am Fährhafen an. Alles ist gut beschildert, immer Richtung „Europoort“ und dann kommen irgendwann nach 25km Autobahn dem Hafen entlang die Ausfahrt „Hull“. Ich habe es mir schwieriger vorgestellt. Beim ersten Schrankenhäuschen Pass und Reservationsbestätigung zeigen, das ganze wird gegen Tickets und Kabinenschlüssel eingetauscht und jetzt warten wir vor der Fähre auf den Einlass.
Als Tipp für Reisende, die auch viel zu früh dran sind. In Rotterdam dem Wegweiser Kinderijk folgen und dort die schönsten Windmühlen von ganz Holland besichtigen. Ist bestimmt viel schöner die Zeit dort totzuschlagen wie hier auf dem Fährterminal, es hat nämlich wenig bis nix hier.
Die 900 km stimmen ziemlich genau wie geplant und auch der Bordcomputer gab 10,1l Verbrauch an, stimmt haargenau mit den getankten Litern Diesel überein.
Sorry, ich musste vorhin ganz schnell zusammenpacken und einen Kilometer weiter der Kolonne von Womos folgen, die alle nach Hull wollen ;-), aber jetzt stehen wir wieder und ich kann weiter schreiben...
Von Rotterdam nach Hull hat unsere Fähre von P&O Ferries 12 Stunden. Die Strecke beträgt 378km.
Übers Internet muss man die Fährfahrt reservieren und bezahlen. Je nach Wochentag sind diese Fahrten zum Teil relativ früh ausgebucht. Wir haben über zwei Monate zum Voraus gebucht und nicht mehr alle Möglichkeiten waren offen. Man muss also ziemlich früh dran sein.
Am Fährhafen öffnet dann die erste Schranke um ca. 16 Uhr. Dort muss der Ausdruck der Reservation abgegeben werden, Pässe gezeigt und schon erhält man die Bordingkarte und die Kabinenschlüssel. Das ganze dauert keine zwei Minuten, man muss das Auto nicht mal verlassen dafür.
Die eigentliche Fährauffahrt öffnet ca. um 17 Uhr. Mit dem PW muss man eine steile Rampe hochfahren in das dritte Autodek. Mit dem Womo nimmt man das ebenerdige Lastwagendeck. Die Einfahrt ist sehr geräumig, wird aber ziemlich voll parkiert und auch eng aufeinander. Ist aber kein Problem, es wird nicht gestresst und man wird genau eingewunken. Ab ca. 19 Uhr ist die Fähre dann voll und man darf nicht mehr zum Womo und auf die Autodeck. Also einen Rucksack mit Schlafanzug und Übernachtungsutensilien bereit machen, auch eine warme Jacke unbedingt einpacken.
Unsere Fähre ist von 2001 und war bis 2004 die grösste Fähre der Welt. Die Ausmasse sind riesig, 250 Pkw, 285 Lastwagen und 250 Container finden Platz darauf. Dazu hat es insgesamt 556 Kabinen für 1360 Passagiere, ist 215m lang, und fast 32m breit.
Nachtessen muss man bei der Buchung reservieren, hatten wir zum Glück nicht. Es geht da zu und Herr wie in einem Hotel auf Mallorca, schlangenstehen vor der Türöffnung. Es hat auch ein Starbucks Caffee, wo man leckeren Kaffee und kleine Zwischenverpflegungen zu sich nehmen kann. Zwei Dutyfreeshops für die übliche Ware und ziemlich viele Bars und Unterhaltung. Sogar ein Kino mit englischen Filmen gibt es.
Internet gibt es auch, 3 Pfund Sterling für 90 Minuten und ziemlich langsam.
Als Passagier kann man nur hinten hinaus auf verschiedene kleine Decks draussen. Von daher ist die Aussicht nicht wirklich interessant, da man nur nach hinten sieht. Allerdings sind die Decks sicher 30m über dem Wasserspiegel, also wirklich sehr hoch oben.
Kabinen müssen meines Wissens zu der Fährfahrt gebucht werden, sie sind aber ziemlich klein und die Betten müssen von der Wand runter geklappt werden. Die Matratzen sind sehr dünn und das Bett schmal. Dusche und WC ist klein, aber mit viel heissem Wasser und auch trockene Handtücher gibt es. Ringhörig ist es auch, die Leute der übernächsten Kabinen konnten wir jedes Wort verstehen, geschlafen haben wir aber trotzdem gut.
Wir hatten ruhigen Seegang, aber das Schaukeln auf dem Schiff spürt man deutlich. Anita ist nicht Seegängig und musste Reisetabletten einnehmen. Damit überstand sie die Überfahrt problemlos (war auch schon anders).
Mir gefällt es im Womo besser wie auf der Fähre und da bin ich froh, als wir wieder an Land fahren können, auf der linken Spur!
Runter von der Fähre und rein nach Hull
Ok, man muss Hull nicht wirklich durchqueren, wenn man weiter in den Norden will. Es lief eigentlich alles problemlos, bei den Kreiseln war es schon etwas ungewohnt, ihn linksherum zu umrunden. Ich fuhr hinter einem anderen Wohnmobilisten aus Luzern her und beim dritten Kreisel ist er dann voll und ganz in die Falle getappt! Rechtsherum in den Gegenverkehr und ein Hupkonzert. Ich wie ein Routinier links herum und weg.
Nach nur gerade 60km und einem Einkauf in einem Supermarkt in Bridlighton (ja, hier hatte mindestens dieser Supermarkt am Sonntag offen) kamen wir dann schon in Flamborouge ein. Aber ehrlich, ich war schon etwas kaputter wie sonst, die Konzentration auf den Strassen muss schon höher sein, Linksverkehr und gerade viel Platz hat man jeweils auf den Strassenseiten nicht…
Die Steilküste mit den Felsen und das Meer war eindrücklich, aber vom Hocker hat es uns dennoch nicht wirklich gerissen, war aber trotzdem sehr schön und zu empfehlen. Nach einem ausführlichen Spaziergang fuhren wir dann der Küste entlang Richtung Whitby, wo wir momentan auf einem schönen Campingplatz stehen.
Heute Abend gehen wir dann zu Fuss die Whitby Abby besichtigen, ein altes, verfallenes Kloster, das als Kulisse in den Dracula-Filmen gedient hat. Ich freue mich darauf, aber es muss schon noch etwas eindunkeln, damit es gruselig erscheint. Jetzt scheint ja die Sonne ;-)
Bei blauem Himmel erleben wir die Klosterruine von Graf Dracula
Nach der Besichtigung von Flamborouge fahren wir auf schmalen Strassen Richtung Norden. Viele Kurven, rauf und runter und bei jedem Auto das entgegenkommt habe ich Angst um meinen Rückspiegel. Aber es geht alles gut, da man hier mit dem Lenkrad an der Strassenkannte fährt, hat nützt man jeden Zentimeter am Strassenrad aus.
Etwas später kommen wir wieder auf eine Hauptstrasse, die etwas breiter ist und wir kommen dann etwas entspannter an.
Eine Meile vor der Whitby Abby zweigen wir rechts Richtung Meer zum Whitby Abby Hollidaypark ab, ein schöner Campingplatz auf den Klippen über dem Meer. Schnell ist eingecheckt, Knutschi aufgestellt und wir bereit für die Besichtigungstour.
Zu Fuss geht’s es immer hoch über dem Meer dem ausgeschilderten Fussweg Richtung Whitby Abby. Schon von weitem sehen wir die Ruine und nach nur 30 Minuten stehen wir am Eingang und lassen uns auf englisch überreden, den 9-Tage-Heritage-Touristpass für zwei Personen zu kaufen. Für zwei Personen mit 53£ eigentlich noch recht happig, aber alles kostet Eintritt und wir können so die Sehenswürdigkeiten dieser Organisation gratis benützen, auch deren Parkplätze. Jeweils für zwei Personen kosten Whitby Abby schon 15£ und später in unserer Reise wird Stonhenge auch nochmals etwa 35£ kosten. Also haben wir den Pass schon bald amortisiert.
Das Besuchercenter ist nicht gross, es interessiert uns auch nur am Rande, da wir bei diesem schönen Wetter nach draussen wollen. Die alte Ruine ist ziemlich eindrücklich, auch wenn sie von weitem noch grösser ausgesehen hat. Alles schön gepflegt und wenn man sich vorstellt, wie hier früher gebaut wurde… Allerdings bin ich etwas enttäuscht, gruselig sieht sie bei solch Sonnenschein und blauen Himmel nicht aus.
Also wieder nach draussen und zum Friedhof, den wir erspäht haben. Bei diesem alten Friedhof sind die Grabsteine aus dem 18 Jahrhundert und sehen ziemlich schief in der Gegend rum. Es sieht top aus, allerdings gibt es fast keine wirklich guten Fotos mit Grabsteinen und Whitby Abby.
Viele Engländer benützen diesen Ort aber, um sich zu erholen, die Ruhe zu geniessen und über die gesamte Stadt von Whitby mit ihrem Hafen zu blicken. Hier hat übrigens der grösste Entdecker James Cook das Segeln gelernt…
Auch den Spaziergang zum Campingplatz zurück geniessen wir in vollen Zügen und können uns von den Klippen auf das Meer nicht wirklich satt sehen.
unseres Reisestrecke