Heute geht die Fahrt weiter in den Lake District
Morgens fangen wir gemütlich an, schlafen aus, geniessen die Aussicht über die Bucht und das Meer, leeren unser WC und füllen unseren Wassertank. Die Aussicht des Versorgungsplatzes ist einmalig, viele Campingplätze würden dies als Premiumplatz teuer vermieten.
Die Fahrt geht durch Whitby und quer durch ganz England auf die andere Seite. Es ist einmalig schön, nur Landschaft, Schafe und die Strasse die sich durch die Hügel und Täler windet. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie grün und menschenleer dieses Land sein kann.
Zwischendurch halten wir noch beim Brougham Castle, schiesslich haben wir ja jetzt freien Eintritt und freies Parking. Danach geht die Fahrt weiter bis zum Castlerigg Stone Circle. England hat nicht nur Stoneheng, sondern ganz viele solche kleinere Steinkreise. Die Strasse dorthin ist schmal und steil bergauf, aber ohne Probleme zu meistern.
Dort regen mich dann aber eine Gruppe Chinesen auf, die mit ihren Sonnenschirmchen mitten in den Steinen picknicken, so dass kein Foto ohne Menschen möglich ist. Nach etwa 90 Minuten geben wir auf und fahren 3km weiter ins Tal auf einen Campingplatz.
Vielleicht kehre ich beim Eindunkeln mit dem Rad zurück und mache dann ein paar Fotos, momentan sieht es aber nach Gewitter aus (und es geht steil bergauf…)
Abends besuchen wir dann den Steinkreis doch noch mit dem Rad. Eine super Idee! Wir sind ganz alleine und saugen die Energie dieses magischen Ortes inmitten einer tollen LAndschaft ganz in uns ein. Der schönste Steinkreis!
Die Fahrt geht weiter Richtung Wales.
Trotz schlechtem Wetterbericht haben wir heute Morgen wolkenloser Himmel und schön warm. Wir müssen uns also nicht beeilen und geniessen das schöne Wetter. Gegen Mittag fahren wir dann südwärts durch den Lake Distrikt von Keswick nach Windermere. Hauptstrasse, aber irgendwie ziemlich eng, kurvig, hoch, runter und rechts entweder Steinmauern oder Hecken! Der linke Rückspiegel schrammt immer knapp am Kratzen vorbei und der rechte ragt auf die andere Strassenseite. Und wenn ein Bus oder Camion entgegen kommt, Augen zu und durch. Ich bin echt froh, als wir ohne Berührung endlich nach 40km auf eine breitere Strasse kommen und sich mein Schweiss an den Händen wieder trocknet.
Auf der Autobahn durch Liverpool beginnt es dann etwas zu regnen und bei diesem Wetter haben wir ja nichts Besseres zu tun, als zu fahren. Die Stimmung an Bord ist super gut und dann, als wir in Wales ankommen, beginnt es zu trocknen und wir sehen in der Ferne ein grosses Schloss. Nächste Ausfahrt Bangor raus, dieses Schloss wollen wir uns ansehen. Den Wegweisern Penrhyn Castle folgen, durch einen riesigen Park zu den Parkplätzen. Parken, Eintritt bezahlen (diese Sehenswürdigkeit gehört dem National Trust, dessen Mitgliederkarte wir nicht haben) und dann zu Fuss zum alten Schloss.
Es sieht fantastisch aus, so richtig englisch. Wir umrunden es, machen Fotos und können uns nicht satt sehen. Danach machen wir auch den Innenrundgang. Zum Glück lebte ich nicht in jener Zeit, dunkel, eng, irgendwie muffig, und von aussen viel grösser wie von innen. Aber die Fotos sind gut und der Halt hat sich gelohnt.
Danach fahren wir weiter nach Caernafon, dort auch wieder direkt zum Parkplatz am Meer bei der Festung. Irgendwie müssen wir aber durch die Fussgängerzone fahren, aber egal, wir kommen hin, bezahlen Parkgebühren und Eintritt (wieder National Trust).
Von dieser Festung bin ich noch mehr begeistert, wie beim Halt vorhin. Einfach super, überall kann man dunkle Treppen hinauf und hinunter nehmen, auf die höchsten Türme und immer wieder Sackgassen. Plötzlich pfeift der Billetkontrolleur im Hof und fordert alle Besucher auf, die Festung zu verlassen, es ist 17 Uhr. Mischt, wie kommen wir nun in den Hof? Treppen runter, Sackgasse, Treppen hoch, nach links, wieder Sackgasse. Als allerletzte finden wir endlich einen Ausgang. Mir fällt ein Stein vom Herzen!
Danach gibt es ein weiteres Problem. Mit unserem Knutschi können wir die Parkplatzausfahrt unmöglich passieren, viel zu eng und zu scharfe Kurve. Was machen? Also zur Einfahrt hinaus?! Uns bleibt nichts anderes übrig und der Parkplatzwächter lächelt und winkt uns zu. Der hat das genau gewusst! Und dann Achtung, mit Wohnmobil nur den Wegweisern zur A87 nach, denn für alle anderen Möglichkeiten sind die Durchfahrten zu niedrig oder zu eng. Keine Chance!
10 Minuten Später sind wir dann auf dem anvisierten Stellplatz Bryn Gloche (könenn wir sehr empfehlen). Kein Mensch hier, Rezeption schliesst auch um 17 Uhr. Was machen? Schon wieder kalter Schweiss auf der Stirn. Aber dann kommt ein anwesender Camper und klingelt an einer Geheimklingel an einer Geheimtür die Chefin heraus und wir kriegen doch noch einen sehr schönen Platz für heute.
Was für ein perfekter Tag, obwohl wir 300km gefahren sind!
Dies ist kein Tastaturklemmer, sondern der offiziell längste Namen einer Ortschaft weltweit.
Gestern fuhren wir am Schluss nur drei Kilometer an dieser Ortschaft mit dem längsten Namen der Welt vorbei, ohne es zu wissen. Ein Grund also, heute Morgen zurückzukehren, unser Knutschi beim Bahnhofsgebäude unter dem Namen in Szene zu setzten und dann ein paar Fotos zu machen. Ein paar andere Fotografen mit Profiausrüstung beobachteten unser Treiben und als wir alles fertig im Kasten hatten, kamen sie auf uns zu und sagten, dass wir mitkommen sollen (wenigstens haben wir das so verstanden). Sie führten uns auf die andere Seite der Geleise und sagten „waiting hier“. Sie brachten ihre Kamers in Position, wir unsere und harrten den Dingen, die da passieren werden. Und keine fünf Minuten später kam ein nostalgischer Zug mit Dampflock vorbeigerauscht, vor dem Bahnhof mit dem längsten Namen! An der Anzahl der Fotografen ein seltenes Ereignis und ich habe sogar noch zum richtigen Zeitpunkt abgedrückt. Davon gibt es nun weltweit höchstens ein paar wenige Fotos! Was sind die echt wert?
Glücklich, mit diesem Foto wahrscheinlich schon unsere gesamte Englandreise finanziert zu haben, machen wir uns etwas später auf den Weg Richtung Süden. Wir durchqueren im Landesinnere ganz Wales, über einen Berg am anderen, eine Strasse schmäler wie die andere um endlich nach sechs Stunden Fahrt abgekämpft hoch über der Rhossili-Bay anzukommen.
Auf der Zugangsstrasse zu einem Campingplatz, breite der Strasse 2.76m (breite des Knutschis, 2.75m), fängt uns ein geschäftstüchtiger walisischer Bauer ab und verspricht uns einen super Platz, wenn wir ihm 300m folgen. Klar machen wir das und kurze Zeit später stehen wir mitten in einer Wiese, ganz alleine, weit und breit niemand auch nur Ansatzweise in der Nähe, hoch über der Bucht an der Sonne. Was für ein Traum!
Und es ragen sogar ein paar Stromsäulen aus dem Boden hervor, einen Wasseranschluss und 30Min nach Ankunft kommt der Bauer mit einem Rasenmäher und mäht noch die gesamte Wiese extra nur für uns.
Jetzt warten wir auf den Sonnenuntergang und erholen uns. Der Strand steht morgen auf dem Programm.
www.llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogochuchaf.org.uk
Eigentlich wollten wir einen Ruhetag machen, vier Stunden Wanderung wurden es schlussendlich.
Wir haben so einen schönen Platz in der Natur, dass wir heute den ganzen Tag unser Knutschi nicht bewegen. Wir wollen zu Fuss „unsere“ Strände erkunden, wenn es Ebbe ist. Dafür müssen wir bis am Nachmittag warten, geniessen den Morgen so mit Nichtstun und Erholung.
Um 13 Uhr marschieren wir mit Rucksack los zum Strand hinunter. Der ist riiiesig und traumhaft, wir nehmen Richtung Rhossily Bay, das soll der schönste Strand Englands sein. Am Ende des ersten Strandes versperrt uns eine Klippe den Weg, eine Stunde warten bis das Wasser noch mehr zurückgeht, oder hinaufklettern. Wir entscheiden uns fürs Klettern, was bei den Brenneseln vielleicht nicht die beste Lösung war. Aber kurze Zeit später sind wir wieder auf einem Footpath und laufen durch endlose, grüne Sanddünen Richtung Norden.
Plötzlich öffnet sich uns ein atemberaubenden Blick und wir sehen diesen famosen Sandstrand vor uns, d.h. nicht den ganzen, er ist so lange, dass er am Ende im Dunst verschwindet. Wir natürlich sofort auf den Sand und beginnen unseren Marsch ans Wasser. Es ist extrem weit draussen und die Zeit vergeht wie im Fluge und wir merken nicht, wie uns die Sonne langsam aber unaufhaltsam leicht rötet…
Eine Stunde später sind wir dann wieder bei den Dünen und machen uns ungefähr Richtung Heimat auf.
Nach vier Stunden Fussmarsch sind wir abgekämpft wieder beim Wohnmobil, wir haben vielleicht 10 Leute getroffen, keine Bar, kein Shop oder andere Häuser, nur drei von den grossen Campingplätzen mit ihren reihenweise festinstallierten Wohnhäusern auf Rädern, dessen Räder nie gebraucht werden.
Uns hat diese Tour wahnsinnig gut gefallen, aber jetzt sind wir froh, uns etwas ausruhen zu können.
Wir haben unseren Fehlkauf zubereitet und ich weiss auch, das Profiterols eigentlich italienisch sind.
An unserem ersten Tag in England machen wir einen Grosseinkauf, Kühlschrank füllen. In meinem Hunger sehe ich bei den Top-Angeboten eine riesen Schachtel Profiterols mit einer Schokoladensauce. Sofort in den Einkaufswagen, bevor meine Holde Kunigunde dies bemerkt.
Abends habe ich sie dann probiert. Die Schokoladensauce war pampig und hart, die eigentlichen Profiterols schmeckten mehr nach Karton und irgendwie nicht durchgebacken. Abbruch und zurück in den Kühlschrank. Heute beim Abendessen ist unser Kühlschrank schon wieder ziemlich leer, nur die grosse Packung Profiterols ist immer noch drin. Also nehme ich sie nochmals hervor und beginne aus Langweile mal zu lesen. Aha, die sind für den Mikrowellengrill gedacht. Aber woher nehmen im Womo?
Der Gasgrill steht noch draussen, also nochmals anwerfen, die Profiterols in die noch nicht abgewaschenen Bratpfanne und unten einschieben. Vier Minuten warten, und dann die Pfanne oben auf die Kochplatte und die Schokosauce dazu geben. Ist gar nicht so einfach, wenn diese Sauce nicht aus dem Plastikbecher kommen will. Nach einem ziemlichen gekleckere habe ich dann die Schokolade in der Pfanne und sie wird auch langsam weich. Die Profiterols darin etwas wenden und fertig.
Echt jetzt, 5 Minuten später haben wir einen leckeren Dessert und der Fehlkauf war gar keiner!
unseres Reisestrecke