Wir beeilen uns nicht und fahren gegen 18 Uhr los Richtung Mailand
Wir haben für heute kein Ziel und kein Plan. Wir wissen einfach, dass wir morgen irgendwo in der Toskana ankommen wollen.
Es läuft gut über den San Bernadino, fast kein Verkehr, auch durchs Tessin sind wir schnell und rund um Mailand absolut kein Problem. Wir kommen super gut vorwärts, eigentlich viel zu schnell. Wir bewundern ein paar grossartige Wolkenformationen und Gewittertürme, aber ohne dass wir einen Tropfen Regen bemerken.
Als es eindunkelt beschliessen wir, bis 22 Uhr zu fahren und dann ab der Autobahn irgendwo einen Übernachtungsplatz zu finden. Bei irgend einem Sportplatz oder Friedhof wird es schon noch ein Plätzchen geben.
Kurz nach der Ausfahrt sehe ich im Dunkelen auch schon einen ziemlich grossen Parkplatz. Man könnte meinen, sehr ideal. Allerdings jetzt bemerken wir, dass zwei grosse Kühllastwagen ganz in der Nähe parkieren, ihre Agregate laufen lassen und ein doch ziemlich grosser Lärm ist. Und wie wenn das noch nicht genug ist, rauschte vor 10 Minuten noch die Eisenbahn mit grossem Krawall vorbei. Wäre doch besser gewesen, einen Platz zu suchen, als man noch etwas sah…
Aber irgendwie sind wir zu müde und werden auch bald einschlafen. Ein weiss ich aber jetzt schon, dieser Platz bekommt auf meiner Stellplatzkarte nur ein Stern, das absolute Minimum…
Wir haben es wunderschön, aber gecampt haben wir noch nicht...
Gestern Abend haben wir neben den Kühllastwagen doch noch den Platz gewechselt. Im Pijama sind wir noch zwei Kilometer weiter zu einem Kirchplatz gefahren, schön ruhig auf der Karte von Google Map. Kaum haben wir dort parkiert und wieder ins Bett gekrochen, war 50m neben unserem Parkplatz in einem Restaurant eine italienische Hochzeit am festen. Vom Regen in die Traufe, die gerechte Strafe, wenn man es immer noch besser haben will, wie es schon ist.
Die Weiterfahrt über Bologna und Firenze ging dann heute Morgen reibungslos. Wir wollten noch den Bruder von Anita in der Toscana überraschen. Allerdings sei es für Wohnmobile unpassierbar, um ins Haus hochzufahren. Da hat er aber nicht mit uns gerechnet!
Na gut, zuerst liessen wir unser Knutschi unten auf der asphaltierten Strasse stehen, und inspizierten den 400m langen Aufstieg zu Fuss. Es ist schon verdammt steil und auch sehr holperig. Zwischen den Olivenbäumen ist nur gerade eine Stelle ziemlich schmal, aber das sollte irgendwie gehen. Dennoch sind Anita und ich nach der Inspektion nicht sicher, ob wir es wagen sollen oder nicht. Beim runterlaufen sehen wir in der Mitte des Aufstieges eine kleine Wieseneinfahrt und ein ebenes Plätzchen. Wir könnten allenfalls also hier einen Nothalt machen und wenden, wenn wir es nicht schaffen. Die Gewichtsverteilung von unserem Knutschi ist schon nicht ganz optimal, um 25% sehr unebene Naturstrasse zwischen engen Olivenbäumen hochzufahren. Im Vorfeld wurde uns das Hochfahren abgeraten.
Als wir zu Fuss wieder bei unserem Knutschi sind, schauen wir uns fragend an und beide haben den gleichen Gedanken: Wir probieren es! Schlimmstenfalls müssen wir rückwärts wieder runter.
Unser Knutschi kämpft und im ersten Gang kämpfen wir uns hoch, immer kurz vor durchdrehenden Rädern. Zum Glück müssen wir nirgends halten und schaffen dann auch die letzten beiden scharfen Kurven. Geschafft, allerdings haben wir noch einen ziemlich grossen Ast eines Olivenbaums mitgenommen, der sich an der Markise eingehängt hat.
Aber was wir dann sehen, raubt uns den Atem: eine altes, grosses, verwinkeltes Haus in Toscanischem Stil, ein wunderschön angelegter Garten und ein tiefblauer Swimmingpool! Genau richtig bei der Hitze.
Aus dem Besuch wird es jetzt eine Übernachtung, es ist so schön hier, da müssen wir erst morgen wieder weiter. Schlafen tun wir in unserem Knutschi, aber den Pool, den Garten und den Grill benützen wir heute für ein grosses Familiengrillen. Aprospos Familiengrillen: Schwiegereltern, Schwiegerschwiegereltern und Bruder mit Frau sind hier und machen Urlaub…
Siena wird in der Toscana überschätzt, das ist unsere Meinung
Heute morgen sind wir von unseren Bekannten weitergereist und wollten Siena besichtigen. Die kurvige Strecke quer durch einen Teil der Toscana genossen wir, auch die Ausblicke die es da gab. Zwischendurch kauften wir noch ein und Anita schnitt grad neben dem Parkplatz einige Zweige Rosmarin für unseren Gewürzdose von einem wilden Busch ab. Das riecht lecker!
In der Mittagszeit kommen wir in Siena auf dem Parkplatz Polisportiva an, der für Womos ist. Entsorgung auf Platz, bezahlen tun wir 20 € (weniger ist nicht möglich) und dürfen dafür über Nacht bleiben. Das einzige was fehlt, ist etwas Schatten, das Thermometer zeigt 36,9 Grad an und uns rinnt der Schweiss nur so den Körper hinab.
Aber wir hängen die harten raus und laufen los. Zuerst ca. 300m der Strasse nach zum Bahnhof, dann dort im Einkaufszentrum Porta Siena mit dem Lift in den oberste Etage (drinnen ist es sehr kühl) und weiter mit etwa sechs Rolltreppen alles hinauf bis zum ersten Turm der alten Stadtmauer.
endlich etwas kühl und Erholung
Aber dort muss man danach noch etwa 400m nach links laufen (was wir erst im zweiten Anlauf gemerkt haben) und erst dann sind wir beim Tor Camollia, das den Eintritt zur Altstadt ist. Es ist beeindruckend gross, die Hausreihen rund um die alte Strasse mindestens vier Stockwerke hoch, so dass keine Sonne mehr durchkommt und wir wenigstens am Schatten sind. Das macht das Ganze etwas erträglicher. Wir schreiten die 1,3km durch die Altstadt bis wir am Piazza del Campo sind. Dort drehen wir eine Runde, denn der bekannteste Event der Toscana findet dort am 3. Juli statt, ein Pferderennen drei Runden auf dem Platz mit je einem Vertreter jedes Stadtteils. Wer gewinnt, diesem Stadtteil gebührt eine grosse Ehre. Die Reiter dürfen sich übrigens behindern und es zählt das Pferd, das ins Ziel kommt, auch wenn der Reiter nicht mehr draufsitzt. Es muss ein Spektakel sein, in zwei Tagen wäre das erste Trainingsrennen, was ich ganz gerne geschaut hätte.
Wegen der Hitze nehmen wir natürlich in einer Gelaterie direkt am Platz eine Pause und ein Gelato. Wir wissen, dass es hier der teuerste Platz der ganzen Toscana ist, einige sagen auch, der schönste von ganz Italien, aber dass die Gelatti ein chemisches Gemisch sind, ohne Liebe serviert, das überrascht uns. Und dass sie hier nicht auf Gäste angewiesen sind und sich dementsprechend auch so verhalten, ist einleuchtend, aber hat nichts mit italienischer Gastfreundschaft zu tun.
Trotzdem. Die Pause bei 35 Grad ist nicht wirklich Erholung und so machen wir und wieder auf den Heimweg. Allerdings marschieren wir in die Falsche Richtung los und machen dementsprechend Kilometer. Verübeln kann man es uns nicht, alle Strassen in der Altstadt sehen identisch aus, nicht wirklich etwas spektakuläres und auch fünf Kleidungsgeschäfte reichen mir normalerweise, die anderen 48 auf dem Weg wären nicht nötig gewesen.
Nach vier Stunden Siena sind wir wieder an unserm Womo und irgendwie konsterniert. Klar, die Altstadt ist schön, aber nach 300m sieht alles gleich aus, die Piazza ist auch spektakulär, aber ganz ehrlich: ein kleines verträumtes toscanisches Städtchen auf einem Hügel mit ein paar Geschäften und freundlichen Einheimische ist uns echt viel lieber!
Bei 38 Grad im Womo (mischt, wir haben keine Klima) und mitten auf dem grossen Asphaltplatz ohne Charme und jetzt wenigstens ein wenig Schatten, halten uns trotz der 20€ kein Pferd mehr hier. Kurze Beratung, während uns der Schweiss auch noch die letzten Unterhosen durchnässt, gibt es nur eine Lösung: ab ans Meer!
Wir hatten vor drei Jahren so gute Erfahrungen und eine schöne Zeit auf dem Stellplatz ai Delphini in Albinia gemacht, dass wir uns auf keine Experimente mehr einlassen und die 70km dorthin fahren.
Jetzt sitzten wir in der kühlen Meeresbrise, hören das Meer rauschen und sind rundum glücklich!
Genau darum sind wir mit unserem Womo diese Woche los, damit wir mal nichts machen müssen
So wie heute. Die Nacht haben wir gut überstanden, es war nicht so heiss wie befürchtet. Morgens war es sogar stark bewölkt und einige Regentropfen vielen. Die Temperatur ging bis auf 28 Grad zurück. Der Wind wurde dann etwas stärker und verbliess die letzten Wolken bis wir wieder strahlblauen Himmel und Sonne hatten.
Mittags machten wir dann einen langen Strandspaziergang dem naturbelassenen Sandstrand entlang, gingen zwischendurch in das warme Mittelmeer und haben es einfach genossen. Ich glaube, ich bin schon jahrelang nicht mehr so viel im Meer schwimmen gegangen, wie heute. Das Wasser ist sehr warm und auch sehr sauber.
Auf unserem Stellplatz gib es vier verschiedene Zonen, in einer Zone werden alle Womobesatzungen mit Hunden untergebracht. Sehr schön gelegen und direkten Blick auf das Wasser. Aber da wir keinen Hund haben, wurden wir in der Zone links eingewiesen und da stehen wir nun unter ein paar Pinien auf einem Gelände von ca. 80 x 100m nur mit einem andern Womo zusammen, also fast ganz alleine. Zum Strand sind es gerade mal 100m. Es gibt sogar noch eine schönere Zone in einem Pinienwäldchen, diese ist aber nur klein und wahrscheinlich während der Saison nur mit Vorreservieren möglich. Vor drei Jahren im Oktober standen wir aber dort sogar alleine.
Uns gefällt dieser Stellplatz, der fast einem Campingplatz gleicht, aber nur für Womos ist, sehr gut. Die Sanitären Anlagen machen einen guten Eindruck, aber da wir sie nicht brauchen, können wir nicht viel darüber sagen. Ver- und Entsorgung ist gerade beim Platzeingang, die Toilettenkasette muss direkt in die Grauwasserrinne gekippt werden, was ich nicht so als ideal bezeichne. Man muss sie also ziemlich weit tragen oder rollen, bis man sie entleeren kann. Der Frischwasseranschluss ist auch gerade neben dem Anschluss um die Kassette zu spülen, also nicht ganz ideal.
Das Gelände selber ist aber ganz eben, der Strom ist überall dabei und abgerechnet wird nach Stunden im kleinen Restaurant, das dem Gelände angehört. Dort gibt es übrigens super Fisch, Muscheln und Teigwaren, aber keine Pizzas.
Direkt vorne am Meer muss man für Sonnenschirme und Liegestühle bezahlen, läuft man aber nicht mal 100m weiter, hat man einen kilometerlangen öffentlichen Sandstrand, wo sich die Leute ganz sicher nicht auf die Füsse treten. Heute waren wir praktisch alleine dort…
Ach ja, Hunde sind am Strand verboten.
Will man einkaufen, muss man die etwa zwei Kilometer bis ins Dorf Albinia zurücklegen. Es gibt einen schönen Radweg ohne zusätzlichen Verkehr. Zu Fuss kann es aber ganz schön lange werden, denn die Sonne brennt unerbitterlich und viel Schatten gibt es unterwegs nicht.
Von uns kriegt dieser Platz ein unbeschränktes empfehlenswert, denn so nahe am Sandstrand ist in der Toscana nicht selbstverständlich.
Es gibt sie wirklich, die Kuschelcamper, die nicht alleine stehen können und darum immer so nah wie möglich an jemand anders andocken müssen.
Bis jetzt habe ich diese Art von Camper nur via Camperlatain wahrgenommen und immer gezweifelt, ob es diese Spezies auch gibt. Übertreibungen, Räubergeschichten und sich wichtig tun habe ich die Erzähler jeweils in den Senkel gestellt. Aber heute Nacht und jetzt Morgens früh werde ich eines besseren belehrt. Und wenn ich die Statistik so anschaue, sind sie gar nicht so selten, wie man meinen könnte.
In unserem abgegrenzten Stellplatzsektor gibt es insgesamt 78 Steckdosen, dann nehme ich mal an, dass es auch 78 Plätze gibt. Bis jetzt waren zwei dieser Plätze belegt und gestern Nacht um 23:30 Uhr fuhr ein drittes Womo auf den Platz. Kann ja mal sein, dass man spät dran ist, nicht so schlimm. Aber von den 76 freien Plätzen, kann man ja die links und rechts eines schon gestellten Womos abziehen, bleiben 72 freie Plätze zur Auswahl. Aber nein, diese 72 Plätze interessierten den italienischen Womofahrer nicht, es musste einer von den andern vier sein, die direkt neben einem schon besetzten Platz sind. Und wenn das nicht schon komisch genug ist, musste es auch gerade der sein, der neben unserer Eingangstür ist. Und wer jetzt denkt, es ist vorbei, jetzt fängt es gerade erst richtig an. Natürlich stellt der neue Kuschelcamper sein Womo so hin, dass seine Eingangstür gegen unsere schaut!
Und dann, um 24:15 Uhr, als er endlich auf seinen Keilen steht und endlich seinen Motor abschaltet, das heisst, seine Frau versuchte auf die Keile zu fahren obwohl hier alles waagrecht ist, und man meinen könnte, es kehrt jetzt Ruhe ein, beginnen sie all ihr Material, Campingstühle und zwei Tische, Bodenmatte, Markise und was noch dazugehört, zu installieren.
Wir spionieren durch unser Schlafzimmerfenster dem Treiben zu und können es irgendwie nicht fassen, dass jemand so dreist sein kann. Die Situation ist mitten in der Nacht so bizarr, dass wir einfach nur schmunzeln müssen. Sogar einen unserer Campingstühle rücken sie noch etwas zu unserem Womo hin, damit er ihnen nicht in die Quere kommt… Immerhin nehmen sie insofern Rücksicht auf uns, dass sie nur flüstern und nicht palaveren wie richtige Italiener.
Heute Morgen stand ich dann um halb acht auf, drehte die Sonnenstore auch raus, obwohl wir sie nicht bräuchten, nur um den Abstand zwischen beiden Storen zu messen (1m und 12cm). Na ja, gar nicht so schlimm. Blöd nur, dass ich jeweils frischen Kaffee und danach auch noch WC-Papier und etwas später noch meine Turnschuhe aus der Garage holen musste. Und unsere Garagetür habe ich wegen dem Wind jedesmal mit einem lauten Klick einhängen müssen, so dass die anderen garantiert erwacht sind. Nun machen wir Frühstück und essen ganz gemütlich vor der anderen Tür...
Zum Glück hatten wir vorgesehen dass wir heute weiterreisen. Wir wollen nach Pienza und soll eine wirklich schönes Städtchen sein.
Ach ja, zur Statistik der Kuschelcamper: hier stehen jetzt drei Wohnmobile auf einem Platz für 78 und einer dieser drei ist ein Kuschelcamper, statistisch gesehen sind also ein Drittel aller Wohnmobilbesatzungen Kuschelcamper. Da hatten wir unheimliches Glück, dass es über drei Jahre dauerte, bis wir die ersten echten Kuschelcamper der Gattung Womofahrer trafen.
unseres Reisestrecke