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Reisebericht

Wahre Toskana 29.6.2017

Wir fahren vom Meer in die richtige Toskana, wo die Landschaft eben typisch Toskana ist

Morgens baden wir noch im Meer, das sehr aufgewühlt ist und grosse Wellen hat. Wir spielen mit der Brandung und freuen uns wie die kleinen Kinder. Danach duschen wir uns das Salz und den Sand vom Körper, packen zusammen, entsorgen und füllen Wasser. Wir wollen weiter ins Val d‘Orcia, es soll das Tal sein, wo die typischen Fotos der Toscana aufgenommen werden. Sowas interessiert mich natürlich sehr.

Die Fahrt geht anfangs zügig vorwärts, als wir dann aber die Autostrada verlassen und in die Hügel und Städtchen des Hinterlandes kommen, wird es etwas langsamer. Überall müssen wir halten, zücken Fotoapparat und staunen ab der schönen Gegend. Auch in den Städtchen halten wir, trinken einen Aperol Spritz in einer Bar, machen wieder Fotos und sind rundherum zufrieden. Besonders gefallen hat uns San Angelo in Colle. Klein, verträumt, alt und einfach nur schön.

San Angelo in Colle

Mit Verspätung kommen wir in Pioggo Covili an, das Agriturismo mit der Zypressenalle, das auf fast allen Fotoprospekten der Toscana ist. Leider ist weder Sonnenauf- noch untergang, um eine ganz spezielles Foto zu machen, aber auch mit blauem Himmel, weissen Wolken und gelben Feldern sieht es toll aus. Der kleine Umweg hat sich gelohnt. Danach wollen wir weiter nach Pienza fahren, müssen aber einen ziemlichen Umweg machen, weil eine Brücke gesperrt ist.

Dennoch erreichen wir Pienza dann doch noch gut, fahren aber durch, ohne zu halten. Die nach vielen Meinungen schönste Stadt der Toscana besichtigen wir morgen, ist eben auch grad noch Markt und meine Holde Kunigunde muss ja auch mal noch was haben. Wir rasen also durch bis wir den Abzweiger zum Agritursimo Podere il Casale sehen. Danach geht es auf der Strasse, die die Römer erbaut haben und seither nie ein Renovation oder Ausbau erlebt hat, die letzten drei Kilometer berghoch und runter zwischen Zypressen und Schlaglöchern weiter. Der Mist ist geführt, als dann noch ein Sattelschlepper entgegenkommt. Irgendwie können wir dann doch noch kreuzen und wir kommen gut auf dem Bauernhof mit fünf Stellplätzen an.

Ausblick

Wunderschöne Aussicht, einfach nur herrlich. Wie die zwei Pfaus auf dem Gelände stolziere ich mit meiner Fotokamera von einem Eck in das Andere!
Wir haben uns dann auch noch für das Abendessen auf dem Bio-Bauernhof angemeldet. Wir sind ja gespannt, was es da alles Leckeres gibt!

Abendstimmung in der Toscana

Nun haben wir gespeist und einige Überraschungen erlebt. Die Gemüselasagne war eine Erbsensuppe, aber dafür habe ich in meinem Leben noch nie so zartes Schweinefleisch gegessen. Ich glaube, wir hacken dieses Nachtessen als erfolgreich ab. Aber morgen reicht mir dann wieder einmal eine stinknormale Pizza auf der Piazza…

exquisites Nachtessen

Übernachtung

Pienza - Podere Il Casale ***
Italien, Stellplatz
auf einem Bio-Bauerhof mit exquisitem Essen. Nachts bellten die Hunde...
Koordinaten: 43.08139, 11.710743
N 43° 4' 53"  E 11° 42' 38.7"
letzter Besuch: 6.2017

Fototag fällt ins Wasser 30.6.2017

Mein heutiger geplanter Fototag fällt dem Regen und der Bewölkung zum Opfer

Auf einem Biobauernhof ist es ja schön und bio, aber wenn Hunde von hier mit jenen vom Nachbarshof von 24 Uhr bis 4 Uhr kommunizieren, wird es etwas mühsam. Ab 4 Uhr waren sie dann aber heiser und blieben still, allerdings wurde es ab da heller und da begannen die Pfaue zu schreien…

Da viel es mir unheimlich schwer, dem Wecker um 3:30 Uhr zu folgen und aufzustehen. Ich wollte ins benachbarte Pienza und von dort Sonnenaufgangsfotos von der Landschaft mit den Nebelschwaden über der Toscana machen. Aber nach einem kurzen Augenschein vom Womo aus, konnte ich mir die Radtour im Dunkeln sparen, keine Nebelschwaden und grau verhangen. Also wieder unter die Decke, nachdem ich die Hunde in Gedanken erwürgt hatte.

Etwas später, genau um 8 sind wir dann doch aufgestanden, richteten unsere Räder her und fuhren auf der küzesten Strecke nach Pienza. Allerdings war es auf der Karte nicht ersichtlich, dass Steigungen von 15, 18, 20 und 25 % folgten, und immer dazwischen wieder rasante Abfahrten. Einmal war sogar die Strasse weggeschwemmt, aber wahrscheinlich schon vor Jahren, und wir mussten über die Felder ausweichen.

Irgendwann kamen wir dann in Pienza an und waren vom Markt so richtig enttäuscht. Ganz wenige Stände und für uns gar nix brauchbares. Dafür entschädigte uns das Städtchen selber mehr wie genug. Wirklich sehr malerisch, viele Topfpflanzen vor jeder Haustür, alles schön herausgeputzt und viele, sehr viele kleine Spezialitätenläden mit Wein, Käse, Lederwaren, Holzspielsachen, Eisenkunstwerke etc, etc. Die grossen Marken, die sonst in allen Einkaufsstrassen sind, fehlen hier ganz. Alles regionale Spezialitäten und Handwerke. Und die Aussicht von der Stadtmauer ist fantastisch. Pienza gefällt uns so gut, dass das Städtchen es sogar auf die Liste der 100 schönsten Orte mit dem Wohnmobil schafft!

Aber leider regnet es nun und die Fotos der Landschaften kann man alle wieder löschen, also ab in die nächste Pizzeria und uns verwöhnen lassen.

Auf der Heimfahrt nehmen wir dann den etwas längeren aber flacheren Weg und kommen gerade noch halbwegs trocken bei unserem Knutschi an. Jetzt regnet es schon ziemlich lange, nicht stark, aber es regnet. Die Bevölkerung, vor allem die Bauern, sind riesen froh, denn heute geht eine mehrmonatige Trockenperiode hoffentlich zu ende. Die Böden sind staubtrocken und alle befürchten einen grossen Ernteausfall. Des einen Leid, des anderen Glücks.

Übernachtung

Pienza - Podere Il Casale ***
Italien, Stellplatz
auf einem Bio-Bauerhof mit exquisitem Essen. Nachts bellten die Hunde...
Koordinaten: 43.08139, 11.710743
N 43° 4' 53"  E 11° 42' 38.7"
letzter Besuch: 6.2017

Morgenstunde hat Gold im Munde 1.7.2017

Um 5 Uhr schellt mein Wecker für eine Fotosafari durch die Gegend

Heute macht auch das Wetter mit und so bin ich um 5:15 Uhr mit Fotokameras ausgerüstet und mache mich mit dem Fahrrad auf den Weg. Für Anita hat die Morgenstund eher Blei im Rücken und daher bleibt sie liegen.

Ich fahre durch Zypressenalleen, kundschafte schöne Spots aus und warte dann auf den Sonnenaufgang. Pünktlich seit Millionen von Jahren klappt es auch heute, ich stehe irgendwo weit weg der Zivilisation und halte meine Umgebung fotografisch fest. Auch mit der Fotodrohne fliege ich eine Runde, denn hier stört es niemanden.

Es ist wirklich ein fantastischer Anblick, wie die Morgensonne alle Felder, Hügel, Bäume und Städtchen rot einfärbt. Ich kann mich fast nicht satt sehen. Aber im Gegensatz zu gestern Abend klappt es auch mit den Fotos.

Morgenstund hat Gold im Mund

Gestern während dem Regen schaute plötzlich die rote Abendsonne hervor und wir erlebten ein wunderschönes Naturschauspiel. Ich völlig überrascht, packte Fotoapparat und Fahrrad und sprintete im regen zwei Kilometer über die Felder, wo ich die Sonne direkt hinter einem toscanischen Bauernhof hatte. Es war einmalig, roter Sonnenuntergang, Regen und eine riesiger Regenbogen. Und genau nach zwei Fotos, die ich zum Einstellen brauchte, machte es klick und die Batterie war alle. Was für ein Mist. Sprint im Regen zwei Kilometer zurück, Batterie wechseln, wieder Sprint im Regen und als ich in Stellung bin, ist das Schauspiel vorbei. Ganz dumm gelaufen, aber leider selber schuld!

Aber heute klappt es besser, auch der Himmel ist wieder traumhaft und so bin ich dann um 8 Uhr wieder am Wohnmobil. Anita meint dann, dass sie den Bio-Hof hier eigentlich gesehen hat, auch die hunderte von Fliegen um das Womo haben wir satt (nachts schliefen wir heute aber ruhig, die Hunde kommunizierten nicht). Also kriegt sie den Auftrag, nach einem Stellplatz ausschaue zu halten, der etwas näher an zu Hause ist, denn morgen müssen wir heim.

einfach nur schön

Weit kommen wir allerdings nicht, 20km genau, bis nach Montalcino. Dort gibt es ein schönes Städtchen und einen Stellplatz.

ein bekanntes Toscana Motiv

Unterwegs wie immer, Fotos machen und einkaufen und als wir ankommen, sehen wir schon bei der Fahrt, dass dies auch wieder ein schönes Städtchen ist und der Stellplatz genau das, was man braucht. Geräumiger Parkplatz, ruhige Gegend, Ver- du Entsorgung, und das für 5 € die Nacht. Was will man mehr?

Zu Fuss sind es 600m bis zur Burg, die den Beginn der Altstadt markiert. Allerdings steil bergab, was bedeutet, bei der Heimkehr geht es steil bergauf…

Die Burg gefällt uns, das Städtchen gefällt uns, das Wetter gefällt uns und auch mein Tiramisu in einer Taverne ist nicht von schlechten Eltern.

auch diese Personen wunderschön

Wieder ein sehr schöner Tag in der Toskana und morgen müssen wir leider, leider nach Hause. Wir würden es bestimmt noch länger aushalten und kehren irgendwann hierher zurück. Aber das sagen wir irgendwie nach jeder Reise…

Lange Heimfahrt und viele Idee und Fragen 2.7.2017

Leider verlassen wir heute die Toskana und fahren nach Hause

Auch ab dem ersten Kilometer können wir uns wieder nicht satt sehen, auch wenn es nach Hause geht. Wir fahren nun zum ersten Mal an strahlend gelben Sonnenblumenfeldern entlang, die alle mit der Sonne um die Wette strahlen. Es sieht einfach wunderschön aus.

Etwas später auf der Autobahn kommt uns auf der anderen Spur ein Womo entgegen, das ein Dachfenster ganz offen hat. Wir wundern uns, dass dies noch hält. Wenig später ein zweites, dann ein drittes. Äh, wir kapieren das nicht, fahren da alle Italiener mit einem offenen Dachfenster rum? Keine Klimaanlage im Fahrerhaus? Halten diese Fenster bei 110 km/h? Wir getrauen uns nicht mal, die Fenster während der Fahrt einen kleinen Spalt offen zu lassen. Insgesamt kommen uns sicher über 20 Womos mit offenen Fenster entgegen und einige überholen wir sogar (oder werden überholt). Macht man das so? Es sind zu viele, als dass die alle vergessen haben, die Fenster zu schliessen. Sind wir die einzigen, die immer mit geschlossenen Fenstern rumfahren?

Etwas später im Norden sind auch bei allen andern Womos die Fenster wieder geschlossen und wir haben wieder Zeit, über Gott und die Welt zu diskutieren. Auf der letzten langen Heimfahrt wurde Anita’s Projekt Zugvogel geboren und jetzt diskutieren wir über ein neues Womo. 4x4 Rad-Antrieb, nicht grösser wie unser jetziges, gleiche Einteilung, gleich motorisiert, aber schwerer wie 3.5 t, so ungefähr 6 t wäre nicht schlecht, mit automatische Hubstützen und Luftfederung, grösserer WC-Tank, noch grösserer Wassertank (wir könnten dann ja mehr Gewicht mitnehmen). Was für Anbieter gibt es mit solchen Womos? Was für ein Basisfahrzeug müsste man da haben?

Na ja, nur Träume, aber mit Träume beginnen ja die grossen Dinge im Leben…

PS: das Fazit der Toskanareise folgt morgen

Fazit Toskana im Wohnmobil 3.7.2017

Ein wunderschöner Landstrich perfekt, um ihn mit dem Womo zu erkundigen. wir werden hierher noch einige Male zurückkommen.

Die Toskana ist ziemlich gross, und demensprechend auch immer etwas verschieden, aber gemeinsam in der gesamten Toskana, es ist hügelig und warm. Typisch sind die Zypressen, Pinien und die vielen Reben als bekanntes Weinbaugebiet.

Meines Erachten kann man zwischen Küste mit Sandstrand und dem hügeligen Hinterland unterscheiden. Die Küste zeichnet es sich mit langen, flachen Sandstränden aus, die zum grossen Teil auch öffentlich naturbelassen sind. Die „Toskana vero“ ist aber im Hinterland, von dort stammen die typischen Fotos, so wie wir sie auf den Prospekten kennen.

Die Toskana ist bekannt und beliebt, nicht nur im deutschsprachigen Raum, auch viele Amerikaner und Chinesen besuchen diesen Landstrich, wenn sie Italien sehen wollen. Demensprechend hat es während den Urlaub- und Feiertagen viele Leute. Diese beschränken sich aber meisten auf die ganz bekannten Orte: Pisa, Florenz, Volterra, San Giminiano und Siena.

Demgegenüber gibt es viele kleinere Städtchen, die ebenso schön, ebenso alt und noch italienischer sind, wo grosse Designerketten fehlen und das einheimische Handwerk die kleinen Läden beherrscht: Pienza, Montalcino, Montepulciano, Lucca und wie sie alle heissen. Jedes dieser Städtchen ist einzeln einen Besuch wert und man kann den ganzen Tag dort verweilen, einkaufen, essen. Tipps zu geben, ist all den anderen Städtchen nicht gerecht, die nicht erwähnt werden.

Am Meer gibt es hunderte von schönen Camping- und auch Stellplätzen, aber auch im Landesinneren hat fast jedes Städtchen einen eigenen, einfachen Stellplatz, wo man sich zu Fuss ins Zentrum machen kann.

Fotos

Die typischen Fotos der Toskana stammen viele vom Val d’Orcia, im Süden der Toskana. Dort gibt es einsame, von Zypressenalleen eingesäumte Gutshöfe, goldgelbe Felder, Hügel, auf deren Spitze die Städte thronen. Diese Gegend ist bei Fotografen vor allem im Herbst total beliebt, denn dann gibt es in den Tälern den Morgennebel, der die gesamte Landschaft mystisch erscheinen lässt.

Hier geht es zur Fotogalerie

Essen

Wie in Italien üblich, kann man in jeder Bar, in jeder Spelunke oder auf jedem Campingplatz gut essen. Feine Pasta oder Pizzas gibt es fast überall. Aber die Region hat noch viel mehr zu bieten: Der Ziegenkäse ist berühmt, und der Rohschinken würzig, Olivenöl, Honig, alles aus lokaler Produktion. Und wer den Wein liebt, sollte unbedingt Montalcino besuchen, dutzende von Vinotheken, wo man den einheimischen Wein probieren und vergleichen kann. Der Brunello di Montalcino ist einer der besten und teuersten Weine von ganz Italien.

Menschen

Die Toskaner sind freundlich und nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Vielfach wird man auf Englisch angesprochen, da sie das Gefühl haben, alle Turisten sprechen englisch und sie gar nicht auf die Idee kommen, man könnte auch ein paar Brocken italienisch verstehen. Der Unterschied der italienischen Dialekte fällt sogar uns Ausländer auf, z.B. jener in Ceccina mit ihrem Genuschel.

Reisezeiten

Im Sommer kann es sehr heiss werden, und dann ist man froh, irgendwo in der Nähe des Wassers zu sein. Es hat im Sommer allerdings auch am meisten Leute. Dabei ist der Reiz des Herbstes und des Frühlings ebenso gross. Im Winter dann ist die Toskana fast ausgestorben, mich wundert es immer wieder, wohin dann all die Leute verschwinden. Besucht man die Toskana im Winter tut man gut daran, auch die Winterpneus zu montieren, denn dort wurde ich schon einige Male fast eingeschneit, auch wenn der Schnee dann nicht lange hält.

Übernachten

Viele Städtchen bieten einen Stellplatz für Wohnmobil an, besonders gefallen hat uns Montalcino und Radicondoli. In Siena hat uns der Platz gar nicht gefallen. Es gibt auch einige Agriturismo, die Stellplätze anbieten, unbedingt prüfen, da man dort dann sehr, sehr gut isst. Vom Stellplatz am Meer gefällt uns Ai Delfini in Albinia. Während der Sommersaison würde ich vom Freistehen abraten, ausserhalb der Saison kann man es auch schon mal wagen.

Kosten

Wie überall, wo es viele Leute hat, wird ein Geschäft gemacht. Entlang des Meeres und in den Hotspots ist es nicht billig, aber sobald man weg von den Touristenströmen ist, wird es günstiger. Ganz billig ist es aber in Italien nie, ausser der Vino della Casa ;-)

Mitbringsel

Die Toskana kann man nicht verlassen, ohne frisches Olivenöl, Aceto Balsamico, einen Rohschinken und einen Käse nach Hause zu nehmen…

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