Ein Natur-Campingplatz mit Charme
Gegen 10 Uhr fahren wir zu Hause bei schönstem Wetter Richtung Engadin ab. Allerdings schon in Chur beginnt es zu regnen. Schöner Mist, aber egal, wir fahren danach über den Julierpass runter nach Silvaplana, das Wetter ist dort leicht besser, aber eigentlich nicht so, wie wir es vom Engadin gewöhnt sind. Irgendwie ist doch hier immer das bestmögliche Wetter der Schweiz, je nachdem wo die Sonne scheint hat das Engadin doch das Wetter der Alpensüdseite oder wenn auf der Alpennordseite besser ist, halt das Wetter von dort. Heute regnet es aber anscheinend ziemlich überall. Nach dem Silsersee kurz vor Maloja zeigt ein Campingwegweiser links in ein schmales Strässchen.
Diesem idyllisch gelegenen Weg folgen wir einen Kilometer dem See entlang bis wir zu einer kleinen, schönen Bucht kommen und den Campingplatz 100m weiter oben erblicken. Schnell sind wir dort an der Rezeption, melden uns an und können einen freien Platz nach unserem Geschmack wählen.
die kleine Bucht beim Campingplatz
Es sieht nach einem kleinen, unkomplizierten Campingplatz aus. Nicht so pikfein, wie wir das eigentlich hier rund um St. Moritz erwartet haben. Es stehen einige Segelboote, Surfbretter etc. in der Nähe der Rezeption und auf der Wiese Wohnwagen, Wohnmobil, Zelte und Pickups mit Dachzelt wild durcheinander. Und was uns auf den ersten Blick auffällt: es stehen auch einige Zelte im angrenzenden Wald, was wir echt cool finden. Die Eltern im Wohnmobil und die Kinder mit dem Zelt im Wald. Wie genial ist das denn? Überhaupt fällt uns dann auf, dass hier weder eingezäunt noch die Grenze des Campingplatzes irgendwo markiert ist, der Übergang von Wild campieren und Campingplatz ist hier fliessend.
auch die Zelte gehören zum Campingplatz
Als die Sonne kurz nach unserer Ankunft wieder hervorkommt machen wir einen kleinen Spaziergang um das Gelände. Ein Bächlein fliesst dem Campingplatz entlang und mündet in der Bucht in den Silsersee. Es ist eine perfekte Badebucht, wenn nur der See jetzt nicht so kalt wäre (12Grad). Ein grosses Indianerzelt mit super Grillstelle gibt es auf dem Gelände auch noch und gleich daneben sehe wir noch eine Übungstafel des Vita-Parcours. Klar, diesen werden wir dann auch mal noch machen, wir haben uns ja vorgenommen, diese Woche etwas Sport zu treiben.
Allerdings empfiehlt uns Claudio, der Juniorchef, möglichst schnell eine Tour mit den Stand up paddling zu machen, es sei grad so schön windstill. Also sind wir punkt halb drei mit Badehose und T-Shirt bekleidet in der Bucht, wo wir in 5 Minuten ein paar Instruktionen bekommen und dann mit diesen aufblasbaren High-Tech-Surf-Bretter-mit Paddel schon alleine auf den See raus fahren.
Es ist echt genial und es macht riesig Spass. Anita wollte dies schon lange mal ausprobieren und sie ist total begeistert. Der See ist ganz ruhig und wir haben die Paddel-Technik ziemlich schnell einigermassen im Griff. Am anderen Ende des Sees sehen wir eine Insel und schnell beschliessen wir, diese anzusteuern. Kurz vor dieser Insel merken wir dann aber, dass wir Rückenwind haben und es vielleicht besser ist, mal zu testen, wie schnell wir vorwärts kommen, wenn der Wind von vorne bläst. Tja, wie vermutet sinkt unsere Geschwindigkeit und wir wählen dann eine Route nahe dem Ufer. Gut gewählt, denn der Gegenwind wird immer stärker, dunkle Wolken ziehen sich im Himmel zusammen und es fallen die ersten Regentropfen.
Wir paddeln wie verrückt aber schön aufpassen, dass wir nicht ins kalte Wasser fallen. Zweimal stürze ich leicht aufs Brett, aber nicht ins Wasser! Und als wir dann nach 90 Minuten endlich wieder beim Campingplatz sind, merken wir unsere Muskeln an den Armen und auch an den Beinen und Füssen vom dauernden ausbalancieren. Es könnte echt noch ein gutes und gesundes Training sein. Anita ist total begeistert und schaut sich schon um, wo sie so ein Stand up paddling kaufen kann, am Besten aufblasbar, so dass wir so ein Ding im Womo mitnehmen könnten. Wenn wir überlegen, an wie viel Seen oder Meer wir schon gestanden sind, wo wir mit so einem Brett das Ufer entdecken hätten können… Es könnte echt nicht mehr lange dauern, und wir besitzen so etwas.
Aber mit dem Wetter haben wir Glück, den kurz nachdem wir sehr zufrieden am Womo ankommen, schüttet es fast zwei Stunden wie aus Kübeln. Uns aber egal, wir sitzen ja drinnen…
Als wir uns an der Campingplatz-Rezeption angemeldet haben, sahen wir natürlich auch das kleine Campingrestaurant und hinten einen tollen Holz-Pizzaofen. Und da ist es ja auch klar, dass wir uns für das Abendessen schon mal einen Tisch reservieren wollen. Es wird hier entweder um 18 oder um 20 Uhr gegessen, also wählen wir 20 Uhr und freuen uns schon jetzt auf die Pizza.
In der Zwischenzeit haben wir vernommen, dass es hier in dem kleinen Campingrestaurant die beste Pizza des gesamten Tals geben soll. Da sind wir ja mal gespannt. Und wir werden nicht enttäuscht! Wir kennen zwar nicht alle Pizzerias des Tals, aber dass diese zu den besten gehört, ist nach heute Abend schon klar. Jetzt sind wir vollgegessen im Womo und freuen uns auf morgen.
Der Campingplatz lohnt sich für Wassersportler, Ruhesuchende, Wanderer und Biker und ist absolut genial, wenn man Kinder hat, die im eigenen Zelt schlafen wollen, denn die dürfen nicht nur vor dem Womo zelten. Falsch am Platz sind die Glamping- und Wellnesssuchenden, die ein pikfeines Restaurant erwarten. Das hier ist eher etwas für die Naturfreaks…
Irgendetwas Negatives müssen wir ja auch noch schreiben, wir können nicht immer nur das Positive erwähnen, allerdings müssen wir da schon sehr suchen. Der Campingplatz sieht vielleicht nicht ganz so strukturiert aus wie all die parzellierten mit Blumenrabatten, aber vielleicht gerade das macht den Charme aus.
Und vielleicht noch etwas: will man nicht den angebotenen Brötchenservice benutzen, sondern selber einkaufen gehen, sind es zu Fuss etwa 1.5km. Tja, aber das ist wirklich schon alles…
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Wir probieren uns in einer neuen Sportart, stehen aber schon wieder direkt an einem See.
Bevor wir heute von Maloja nach Silvaplana losfuhren, klingelte noch mein Handy. Herr Steiner, Brand Manager der Marke Engadin, war am Apparat. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Es ist jeweils meine Art, wenn mich etwas stört, dass ich mich melde und weitere Infos oder Gründe anfordere. So schrieb ich vorgestern dem Toruismusbüro Engadin kurzerhand ein Email, betreffend Campingplätze, fehlenden Stellplätzen und Campingverbotstafeln im Engadin und die Anfrage, ob ich nicht mit einem Verantwortlichen darüber einmal reden könnte. Und dann schon heute Morgen ruft mich der Chef persönlich an. Nur schon mal das finde ich ein super Service, denn meine Telefonnummer musste er selber raussuchen, die gab ich im Mail gar nicht an. Dann wurde es tatsächlich ein längeres, sehr konstruktives Gespräch, das mir viel Mut und Zuversicht für den Besuch von Wohnmobilsten im Engadin gibt. Dazu aber später mehr, wenn die Ideen spruchreif sind.
Also fahren wir mit Verspätung in Maloja los, werden unterwegs noch bei einer Baustelle für fast 30 Minuten blockiert und treffen so viel zu spät in Silvaplana ein. Wir fahren dort vor die Campingplatzrezeption und werden freundlich angewiesen, wir sollen uns irgendwo einen freien Platz suchen, uns hinstellen und ab 15 Uhr hier anmelden. Das kommt uns sehr gelegen, denn wir rennen direkt zur Kite-Schule Schweiz los, die direkt neben dem Campingplatz liegt.
Ich habe mich im Vorfeld dieser Reise für einen Kurstag überreden lassen. Wir können weder Windsurfen, noch Gleitschirmfliegen, noch normal Surfen, was sollen wir denn da mit Kitesurfen wollen? Aber da wir für neues offen sind, sind wir einfach gespannt.
Zuerst gibt es Theorie, Erklärungen über Wind und fliegen, wie sich Winddrachen verhalten, wer wann wo Vortritt hat, was Lee und Luv ist, auch Steuerbord und Backbord sollten wir nun wissen. Sogar die Theorie war echt interessant und was mich besonders erstaunt, auch hier ist alles geregelt. Wo man Kitesurfen darf, wo die Ausstiegs- und Einstiegszonen sind, wo die «Freien»-Kite-Surfer ihr Revier haben, wo die Schüler, und wo gar niemand darf. Also nichts mit Hippie und einfach drauflos und sich an keine Regeln halten. Die grosse Freiheit ist auch auf dem Wasser vorbei! Nur das Wetter spielt nicht so ganz mit. Ziemlich kalt, und fast windstill. Wir sollen uns aber keine Gedanken machen, um 13 Uhr wird der Südwind von Maloja her anziehen, das sei immer so, erklärt uns Thomas, unser Lehrer.
Weil der Wind auf sich warten lässt, kriegen wir dann einen leichten, top-Modernen Gleitschirm, äh, Kite, den wir nun vorbereiten können. Wir ziehen ein Gstälti an, Thomas startet den Schirm hoch in die Luft und während der Schirm hoch oben (24m) schön ruhig in der Luft fliegt, wird er von Thomas zu mir umgebunden, so dass ich nun alles selber machen kann. Der Schirm ist an meinem Körper via zwei Leinen verbunden, dazu habe ich einen «Steuerknüppel» in der Hand, der die zwei Steuerseile dirigiert. Es ist wirklich faszinierend, wie präzise sich dieser Schirm steuern lassen kann, wie man die Kraft so lenken kann, dass ich problemlos mit nur einer lockeren Hand alles im Griff haben oder dann auf voll Power, dass ich den Schirm fast nicht mehr halten kann und es mich fast vom Boden abhebt. Und dann ist Anita an der Reihe und wieder wird der Schirm von mir zu Ihr umgebunden, ohne dass er zu Boden fliegt.
Auch Anita hat alles super im Griff, so dass wir nun schon Notfälle simulieren können. Sobald man alles loslässt, fällt der Schirm zu Boden. Wird es ganz brenzlig, kann man ihn vom Gstälti auch unter Voll-Last innert Sekunden lösen. Echt Hightech!
Am Nachmittag haben wir dann Level 1 der standardisierten Ausbildung abgeschlossen und könnten bei Level 2 irgendwo auf der Welt weitermachen. Dann sind die ersten Wasserübungen an der Reihe und bei Level 4 kann man schon auf dem Brett auf dem See hin und her fahren. Machbar innerhalb einer Woche.
Anita und ich haben aber momentan nicht grad so Lust, mit den Wasserübungen zu beginnen, es regnet leicht und ist sau kalt. Also machen wir die Theorie-Prüfung, 24 Fragen zur Sicherheit, Lee und Luv und viele anderen Dinge, die wir souverän bestehen.
Ich habe jetzt eine Kitebording Licence mit Nr. 50097277X, Level 1 mit Theorie. Alleine aufs Wasser und Ausrüstung mieten darf man erst, wenn man Level 4 mit Theorie hat, vorher nur alles mit ausgebildetem Lehrer.
Die gesamten Vorschriften bei dieser jungen Trendsportart überraschen mich echt und ich werde diese «Hippis» ab jetzt mit anderen Augen anschauen.
Nach diesem Kurs finden wir dann endlich Zeit, uns beim Campingplatz anzumelden, im Campingshop einzukaufen und einen Rundgang zu machen. Auch dieser Campingplatz überrascht uns! Ein sehr schönes Campinggebäude und die Lage direkt am See zum Teil unter Bäumen ist einfach top. Es gibt keine Parzellen, man kann sich hinstellen, wo es Platz hat. Ist ja klar, dass wir den schönsten Platz grad für uns beanspruchen, direkt am grünen Silvaplanersee auf einer Wiese.
Der Campingplatz ist auf ein sportliches Publikum und besonders auf Wassersportler ausgerichtet. Natürlich perfekt für Kite-Surfer, da daneben grad ein perfekter Ort mit der Schule und der gesamten Infrastruktur haben. Alle Wohnmobile im nördlichen Teil (nahe an der Kiteschule) haben Surfbretter und Kite-Segel geladen und die anderen haben mindestens Mountainbikes dabei. Aber auch Stand Up Paddling können gemieten werden und die Tennisplätze und schönen Sportanlagen liegen bei der Kite-Schule. Für Kinder gibt es dort übrigens eine tolle, kleine Bikerunde mit Steilwandkurven künstlichen Hügeln.
Überrascht sind wir auf diesem Campingplatz, dass man am Abreisetag bis Abends bleiben darf und nicht mittags schon draussen sein muss, auch während der Hochsaison. Das finden wir einfach toll und müsste viel mehr verbreitet sein. Auch cool ist, dass man sich so platzieren kann, wie man will, da es keine Einteilung gibt. In der Hochsaison kann es dann aber schon mal eng werden, aber dann rückt man einfach zur Seite und gibt einem Gast mehr, die Möglichkeit hier zu schlafen.
Aber auch wir fühlen uns wohl hier (sind wir jetzt Sportler oder doch eher Geniesser?), der Weg ins Dorf beträgt nur wenige 100m und zwei Restaurants befinden sich grad neben dem Campingplatz. Was will man eigentlich mehr (ausser momentan etwas wärmeres Wetter)?
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Bei strömendem Regen geniessen wir die Bergwelt und ein richtiges einheimisches Fondue.
Die ganze Nacht prasselt es auf das Womodach, und zwar nicht zu knapp. Auch morgens geht es im gleichen Stil weiter und als wir um Mittag auf dem Campingplatz Morteratsch ankommen, immer noch das gleiche Bild. Uns macht es ja eigentlich nichts aus, nur schade, dass wir heute den geplanten Ausflug zum Klettersteig nicht unternehmen können. Ich hätte mich so darauf gefreut, aber bei diesem Wetter hat es absolut keinen Sinn und wäre auch gefährlich. Also erholen wir uns im Womo.
Um 14 Uhr halte ich es dann aber doch nicht mehr aus, ich ziehe die kurzen Hosen an und erkunde barfuss mit Pelerine und Fotoapparat den Campingplatz. Der Campingplatz ist riesig inmitten von kleinen und grossen Bächen, Trampelpfaden, Waldlichtungen, Auen und kleinen Seen inmitten einer grandiosen Bergwelt, wenn man sie denn sehen könnte. Dazwischen immer wieder kleine Platznummern in der Wildnis, wo anscheinend wieder ein Zelt- oder Stellplatz wäre. Irgendwie schon komisch, ich stellte mir das Engadin immer so mondän und edel vor, wie es eben St. Moritz verkörpert, aber die Campingplätze bisher sind eher wild, einfach und sympathisch.
Als ich dann die Sanitärgebäude inspiziere sehe ich plötzlich einen Wegweiser zur Sauna. Wow, das wäre jetzt aber gar nicht schlecht bei diesem Regen. Die Sauna kann zu zweit oder viert reserviert werden und dann hat man von innen einen grandiosen Ausblick bis zum Piz Palü. Gerade als ich sie reservieren will, hört der Regen auf und die ersten blauen Flecken zeigen sich am Himmel.
Also gehe ich ziemlich durchnässt zum Womo zurück und bespreche mit Anita, was wir nun um 16 Uhr noch machen sollen.
Der Entscheid ist schnell gefällt, wir ziehen die Wanderschuhe an und wollen den Themenpfad Gletscherwelt begehen. Vor acht Jahren waren Anita und ich das letzte Mal auf dem Morteratschgletscher, um Steigeisen laufen und Seilhandhabung zu üben und das wäre ja jetzt die Gelegenheit um zu schauen, wieviel sich der Gletscher zurück gezogen hat.
Vom Campingplatz laufen wir einen Kilometer durch die Natur zur Bahnstation Morteratsch, von wo der Gletscherpfad startet. Der schöne Spazierweg (Wanderschuhe sind überdressed) führt von der Bahnstation bis zum Gletscher und unterwegs stehen 16 Informationsstellen zum Gletscherschwund. Es ist eindrücklich, wie weit die Infotafeln von jeweils 10 Jahren Zeitdifferenz auseinander stehen. Der Gletscher hat sich in den letzten Hundert Jahren fast 3km zurückgezogen und ganz eindrücklich wird es dann ab dem Jahr 2000. Da stehen die Tafeln alle 5 Jahre und als wir bei der Tafel 2015 ankommen trifft mich fast der Schock. Etwa hier haben wir beim letzten Besuch die Steigeisen auf dem Gletscher montiert und jetzt sieht man den Gletscher nicht mal mehr von hier aus. Unsere Gletschertour von damals, notabene nur acht Jahre her, würde jetzt komplett auf Fels stattfinden! Schon wahnsinnig und macht extrem nachdenklich.
vor acht Jahren war diese Stelle noch mit etwa sieben Meter Eis bedeckt, und jetzt sieht man den Gletscher kaum noch
Ich glaube, jeder sollte diesen Themenpfad Gletscher mal ablaufen, oder mit dem MTB abfahren. Das gratis-App auf dem Handy kann bei jeder Infotafel mit Geschichten und Wissenswertes über die Gletscher abgespielt werden. Die Geschichten erzählen Anekdoten, Gedichte und Tour-Berichte aus verschiedensten Zeitepochen. Kinder können in der einzigartigen Gletscherwelt den Geschichten des Morteratsch-Kinderbuchs "Sabis grosser Traum" folgen und dabei spannende Eindrücke sammeln. Die Kinder bekommen ein Mini-Buch, das eine Geschichte erzählt und Aufgaben beinhaltet. Die Aufgaben können Schritt für Schritt auf dem Wanderweg Richtung Morteratsch-Gletscher gelöst werden. Auf dem Weg befinden sich mehrere Informationsstellen mit Stempelbuttons, wo die Kinder im Buch Prägungen sammeln können. Am Ende der Tour und wenn alle Prägungen gesammelt wurden, kann das Heftlein mit der Lösung bei der Tourist Information Pontresina vorgezeigt werden und die Kinder erhalten eine kleine Überraschung. Die Büchlein sind beim Camping Morteratsch erhältlich.
Der Weg ist übrigens problemlos auch für Wandermuffel zu machen, er ist gut ausgebaut, aber man muss sich bewusst sein, dass er eben doch auf knapp über 2000m liegt und die Luft schon etwas dünner ist.
Will man den Gletscher aber auch bestaunen können, ist eine Wanderung zur Boval-Hütte oder die Fahrt mit dem Bähnchen zur Diavolezza-Bergstation wohl die besser Wahl. Denn von unten sieht man den Gletscher einfach nicht mehr wirklich, er ist verschwunden…
Als wir nach knapp zwei Stunden wieder beim Womo zurück sind, wechseln wir unsere Schuhe und ab ins Reschti, wo wir uns ein wirklich gutes Käsefondue gönnen und den Tag zufrieden ausklingen lassen.
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Wir haben viele Möglichkeiten auf dem Camping Morteratsch und entscheiden uns für einen Klettersteig.
Es ist so schön herrlich, am Sonntagmorgen bei einem plätschernden Bergbach einfach liegen zu bleiben, obwohl man genau weiss, dass es draussen schon lange hell ist. Als wir dann doch unter der Bettdecke hervorkriechen, duschen und im Camping-Shop feine Gipfeli kaufen, frühstücken wir ohne Stress. Das Wetter ist noch bewölkt, noch nicht ganz so gut, wie die Wettervorhersage eigentlich hatte.
Was machen wir heute? Eine Wanderung zur Boval Hütte SAC und auf die Gletscherwelt runterschauen oder doch ein Spaziergang zur Diavolezza Talstation und mit der Gondelbahn auf 3000m hochfahren und die Gletscher von dort bewundern? Beides haben wir früher schon gemacht, auch eine Zugsfahrt über den Berninapass zur Alp Grüm wäre eine Möglichkeit, aber Fondue assen wir schon gestern, und so entscheiden wir uns, am Nachmittag das Formel 1 Rennen im TV zu schauen.
Falsch gedacht! So eine schöne Bergwelt vor der Womotüre und TV schauen geht ja gar nicht. Nein, wir radeln die 3km vom Campingplatz flach auf dem schönen Spazierweg nach Pontresina und wollen dort im Bergsteigergeschäft «Go Vertical» ein Klettersteigset mieten. Das Geschäft hat eben auch Sonntags ab 14 Uhr offen und wir lassen uns grad noch etwas beraten. Da wir Gstältli, Helm und gute Bergschuhe selber haben, müssten wir nur ein Klettersteigset und Handschuhe mieten. Daraus wird aber nichts, denn durch die sehr freundliche und kompetente Bedienung kaufen wir schlussendlich das Klettersteigset, da es viel günstiger ist, wie gedacht. Danach radeln wir den einen Kilometer wieder zurück zum Werkhof, stellen unsere Räder dort ab und marschieren 15 Minuten zum Start des Klettersteiges «La Resgia». Dort ziehen wir unsere Ausrüstung an und checken alles. Die Info-Tafeln lesen wir auch durch, denn es sind schon Jahre vergangen, als wir zum letzten Mal so einen Klettersteig absolviert haben.
wie ein Pirat in einer Felswand.
Etwas mulmig ist uns schon, als wir die Felswand hochschauen…
Wir hacken uns im Stahlseil ein und beginnen, die Felswand entweder in mithilfe der Eisen-Stufen oder auf dem Felsen hoch zu klettern. Es geht ganz gut, und wir sind immer höher und höher, unter uns wird es aber auch immer tiefer und tiefer. Und dann kommen wir zu einer Leiter mitten in der Felswand. Das ist für uns die erste Mutprobe, denn die Leiter ist leicht überhängend und nur so mit dünnen Schrauben im Fels befestigt, dass einem Angst und Bange wird. Der Puls steigt rasant und als wir beide diese Hürde geschafft haben, müssen wir uns zuerst gesichert etwas hinsetzen, das war grad nicht ganz so ohne.
Nach der Rast geht es weiter, die Kletterpartieren werden etwas anspruchsvoller, aber zum Glück hat es ja das Sicherungsseil und auch viele Eisentritte, wo man doch etwas mehr Halt hat. Nach einer coolen Querpassage kommt ein Stahlseilnetz, wo wir hoch müssen. Innen oder Aussen? Richtigerweise Innen, was wir dann auch machen und ganz ehrlich, ich bin froh, als wir auch das meisterten.
Der Klettersteig ist für unsere Verhältnisse ziemlich lang und wir sind dann ziemlich kaputt, als wir um halb fünf endlich den ersten Sektor geschafft haben. Wir waren fast zwei Stunden in der Wand. Nun könnte man noch 15 Minuten hochlaufen und den zweiten Teil des Klettersteiges absolvieren. Mit einer 15 Meter langen Seilbrücke im Fels und dem «Adlerhorst» als anspruchvollste Stelle. Wir könnten jetzt sagen, dass wir wegen der Gewittergefahr um diese Zeit nicht mehr weiter klettern, in Wahrheit sind wir aber einfach zu kaputt und mit der Müdigkeit steigt eben auch die Gefahr von Fehlern. Also brechen wir da ab und marschieren auf normalen Wanderwegen zur Alp Languard.
Der Klettersteig ist absolut genial mit einem unheimlichen Gefühl, wenn man ihn gemeistert hat. Wenn man viel in den Bergen unterwegs ist und mal Zeit hat, sollte man sich eine Ausrüstung mieten und dieses Erlebnis fühlen, es ist echt toll!
Wie berauscht kommen wir dann um 16:59 Uhr in der Bergstation an, die um 17 Uhr schliesst. Wir können gerade noch die Getränke bestellen und dann schliesst die Kasse. Die Sesselbahn läuft zum Glück noch bis 17:30 Uhr und so fahren wir danach glücklich und bequem wieder ins Tal zurück.
In Pontresina laufen wir noch an einem Eis-Stand vorbei, wo wir natürlich noch ein feines Glace kaufen, damit der einte Kilometer bis zu unseren Rädern noch etwas erträglicher wird.
10 Minuten später sind wir wieder bei unserem Knutschi und geniessen die warme Abend-Sonne, bevor sie dann um 20 Uhr hinter den Bergen verschwindet.
Ein absolut genialer Tag
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Nochmals Action hoch in der Luft bis wir danach endlich mal grillen können.
Bei allerschönstem Wetter und blaustem Himmel erwachen wir heute. Keine Zeit, um sich da lange im Bett wälzen zu können, sondern raus in die Berge. Schon vor dem Frühstück ziehe ich los und mache ein paar wahnsinns Bilder von den verschneiten, schneeweissen Bergen, blauen Himmel und spiegelndem Bergseelein auf dem Campingplatz. Ich flippe fast aus, so schön ist das hier! Auf dem Rückweg hole ich noch frische Gipfeli im Shop und dann essen wir draussen gemütlich Frühstück auf 1900m.
Leider heisst es zusammenpacken und weiter, obwohl wir es hier noch einige Tage ausgehalten hätten. Aber unser heutiges Tagesziel, der TCS-Campingplatz in Samedan ist ja nur 8km weiter, also sind wir ganz schnell an unserem neuen Standort. Allerdings haben wir da nicht gross Zeit, denn wir montieren sofort die Wanderschuhe, lange Berghosen, Jacke, Sonnenbrille und Fotoapparat und laufen nur gerade 400m zur Talstation der Standseilbahn von Muottas Muragl. Wir haben dort um 11:30 Uhr einen Termin zum Gleitschirm fliegen! Ja, ihr habt richtig gehört, ich habe mich doch wirklich überreden lassen, dass Anita und ich einen Tandemflug mit dem Gleitschirm machen! Ist ja sau gefährlich nur mit einem solch dünnen Schirm weit in der Luft oben zu sein, auch wenn es die Versicherungen nicht mal als Risikosportart einschätzen. Was haben die sich denn gedacht dabei?
Peter und Davide erwarten uns schon bei der Talstation und jetzt gibt es keinen Rückzieher mehr. Ihre grossen Rucksäcke werden in die Bahn verladen und wir fahren danach schön gemütlich zur Bergstation hoch. Ein erstes flaues Gefühl im Magen macht sich breit, obwohl die beiden erfahrenen Piloten ganz beruhigt auf uns einreden und uns erklären, dass gar nichts passieren kann. Bei so perfekten Bedingungen wie heute müsse man einfach fliegen, da könne man doch nicht am Boden bleiben!
Anita vor dem Start gut gelaunt
Oben angekommen, geniessen Anita und ich die tolle Aussicht, währenddem unsere Piloten den Aufstieg zum Startplatz in Angriff nehmen. Wir machen Fotos von der herrlichen Aussicht über die Engadiner Seen und machen noch unseren Angst-Toilettengang. Danach nehmen auch wir den 400m langen Aufstieg noch unter die Beine und sind grad am Startplatz, als die Schirme ausgerollt werden. Wir ziehen Helm und Sitzgurten an und werden instruiert, wie wir uns beim Start verhalten sollen. Einfach gesagt: einfach rennen, auch wenn wir mal kurz in der Luft sind, weiter rennen, falls wir nochmals Bodenkontakt haben. Und das wars dann auch schon. Ich werde an Davide angeschnallt und dann an den Schirm, die Startbedingungen sind perfekt, Davide zieht mit einem Ruck den Schirm in die Höhe und gibt Zeichen zum losrennen. Nach kaum fünf Schritten spüre ich keinen Boden mehr unter den Füssen und wir sind in der Luft.
Davide erklärt mir, wie ich mich bequem in die Gurten setzten kann und dann geht es mit Aufwind immer höher und höher. Weit unter mir sehe ich dann Anita mit Peter starten und auch da lief alles glatt.
Blick auf die Engadiner Seen aus der Luft
In der Luft ist dann die Aussicht super und die Fluglage echt stabil und bequem. Hin und wieder geht es wie in einer Achterbahn mal rauf und runter, je nach Wind den wir erwischen, meistens aber schön ruhig geradeaus. Ich geniesse den Ausblick und das Fluggefühl und bin echt froh, dass ich mich dazu überreden liess. Anita und Peter haben uns inzwischen eingeholt und wir kreisen weit über der Bergstation von Muottas Muragl im blauen Himmel.
Plötzlich sagt mir Davide, ich solle mal die Steuerseile halten, seine GoPro Filmkamera habe keinen Akku mehr. Und während ich da verkrampft die Seile halte und möglichst keine Bewegung mache, wechselt er seelenruhig 1000m über Boden die Batterien und sagt mir, ich solle ruhig mal etwas dran ziehe. Rechte Seite ziehen, Rechtskurve, linke Seite ziehen, Linkskurve, beide Seile nach oben, schneller, beide nach unten, bremsen. Wie wenn das so einfach wäre…
In der Zeit, wo ich nicht gerade steuern muss, kann ich übrigens problemlos Fotos aus der Luft schiessen. Einfach genial!
Es ist wirklich fantastisch, auch während dem wir dann langsam runter Richtung Landeplatz gleiten. Auch die Landung verläuft problemlos und ich bin doch irgendwie froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Anita ist noch etwas froher, denn sie sieht nach der Landung ziemlich bleich aus. So ganz wohl ist ihr nicht mehr.
einfach herrlich, auf dem Bild sind Peter und Anita
Ich habe übrigens eine neue Geschäftsidee: Um die Lizenz für Partnerflüge zu erhalten, muss der Lernende unter anderem 40 Flüge mit Gleitschirmpiloten als Partner absolvieren. Nur: ein Gleitschirmpilot will ja viel lieber selber fliegen als nur als Anhängsel mitgenommen werden. Und da man als Flugschüler schon als Pilot zählt, könnte man ja die Flugschule beginnen und sich dann ausschreiben lassen, dass man als Partner mitfliegen würde. So müsste man sich keine eigene Ausrüstung kaufen und könnte in der ganzen Schweiz gratis solche Tandemflüge mitfliegen. Toll nicht, oder?
Egal, ich bin abgeschweift. Es war ein tolles Erlebnis und ein super Gefühl, so in der Luft wie ein Vogel umherzufliegen. Keinen Moment hatte ich Angst oder ein ungutes Gefühl. Nur Anita büsst es nun ein wenig, da ihr immer noch etwas schlecht ist… Aber bei solch einem Wetter empfehle ich jedem mal einen solchen Flug zu machen. Es fühlt sich viel sicherer in der Luft an, wie vom Boden aus. Uns (auch Anita) hat es echt gefallen!
Nach der Verabschiedung laufen wir wieder zum nahen gelegenen Campingplatze und richten uns dort mit Grill draussen und Stühle unter den Bäumen ein. Der Campingplatz liegt zwischen Fluss und Hauptstrasse in einem kleinen Wäldchen. Man kann wählen zwischen Schatten- oder Sonnenplätzen. Für heute wählen wir Schatten, denn ich habe gestern am Klettersteig doch noch etwas meine Arme verbrennt…
Neben dem Plätschern des Flusses hinten hört man aber auch die Hauptstrasse ziemlich gut an einigen Stellplätzen vorne. Von daher nicht ganz so romantisch wie die bisherigen Campings aber nichts anderes auszusetzen. Aber auch hier, keine Parzellen, man stellt sich hin, wo man grad Platz hat.
So, und gerade eben habe ich für morgen noch eine Kutschenfahrt gebucht, mal etwas mit weniger Action und mehr fürs Gemüt. Anita freut sich jetzt auf alle Fälle auf den morgigen Tag…
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
unseres Reisestrecke