Ein wunderschöner Tag mit der ersten Enttäuschung. Wir sind heute wieder sehr aktive und bekommen neue Erkenntnisse.
Vom Campingplatz TCS-Samedan kann man in einer halben Stunde auf einem sehr schönen Wanderweg durch den Stazerwald zum Stazersee laufen. Es ist ein wunderschönes Badeseelein, das keinen Zufluss von Gletscherwasser hat. Vorteil dabei: das Wasser wird schnell warm, dadurch ist es der wärmste See des gesamten Engadin. Aktuell hat er ganze 18 Grad und wird bis ende Woche mindestens 20 Grad haben, schwärmen die Einheimischen. Die regelmässigen Blogleser wissen aber, dass ich ein Warmduscher bin und 20 Grad für mich noch viel zu kalt sind. Also ist nicht baden angesagt, sondern nach den letzten Tagen mit Action heute etwas Ruhe. Um 11 Uhr haben wir in Pontresina eine Kutschenfahrt reserviert. Und wir leisten uns den Luxus, eine Privatfahrt zu machen, da die Kutschenomnibusse schon ausgebucht waren.
Toni, ein alter, schrulliger Bündner, empfängt uns freundlich mit der Zigarre im Mund. So sind Anita und ich in der 4er-Kutsche, Toni auf dem Kutscherbock und wir beginnen die 7,5km lange Fahrt durch das Val Rosegg. Die kleine Strasse steigt immer etwas an, durch Lärchenwälder und im Hintergrund die verschneiten 3000er des Bündnerlandes. Toni erklärt uns einiges über Fauna und Flora, dass die Enziane leider vorbei sind und die Alpenrosen noch nicht blühen. Überholt uns ein Mountainbiker, ruft er im ein «Bravo» nach, wenn er kein E-Bike hat und weiss zu jedem einen Spruch. Nur wenn sein Handy klingelt, flucht er vor sich hin und würde es am liebsten auf dem Mond schiessen, aber er muss ran, könnte ja ein zukünftiger Kunde sein.
Auch muss er seine zwei vorgespannten Pferde immer zügeln, sie wollen viel schneller laufen, wie er fahren will, wir sollen die Fahrt ja geniessen können. Und die Fahrt ist wirklich schön, wir fühlen uns wie Prinz und Prinzessin und lassen uns durch das schöne Tal chauffieren. Nur einmal wird es etwas brenzlig, als wir mit der Kutsche den Rückwärtsgang einlegen müssen, weil uns ein 6-Spänner Fuhrwerk entgegenkommt. Ein gewaltiger Anblick.
Nach rund 70 Minuten sind wir an der Endstation und wir reservieren die Kutsche grad auch noch für die Rückfahrt, es war so schön. Aufenthalt im Val Rosegg haben wir etwas mehr wie zwei Stunden, also genug Zeit, ein kleiner Spaziergang zu machen und auch noch etwas zu essen.
Danach rollen wir gemütlich mit der Kutsche wieder nach Pontresina, man könnte übrigens auch gut zu Fuss auf dem Wanderweg zurück laufen oder gar mit dem Rad hin und zurück fahren. Wir hatten wohl die exklusivste Möglichkeit benutzt, ein Weg mit der Privatkutsche kostet für 1-4 Personen 120.- , inklusive Retourfahrt 220.-. Wir finden die Preise gerechtfertigt, denn Toni fährt nur eine solche Fahrt pro Tag. Es gibt auch noch andere Anbieter, kosten alle gleich viel. Der Pferdeomnibus kostet pro Weg und Person 20.- Während der Hochsaison sollte man aber reservieren, sonst sind die Fahrten häufig schon ausgebucht.
Pause beim Spaziergang im Val Roseg
Im Winter wird übrigens mit Schlitten dieser Dienst aufrecht erhalten, romantischer geht es wohl nicht.
Eigentlich wollte ich nichts darüber schreiben, aber wir sind schon etwas geschockt, vor allem Heute. Ob im Val Rosegg oder beim Stazer See, Auswärtsessen ist hier absolut nicht günstig, z.B. Schweinschnitzel mit Pommes und Gemüse 40 CHF, das kann sich ja keine Familie mehr leisten. Und auch haben wir das Gefühl, dass die Asiaten und Inder hier lieber gesehen sind wie die europäischen Touristen, wenn man die Freundlichkeit berücksichtigt. Und wenn ich da bedenke, dass wir auf dem Campingplatz Maloja die besten Pizzas essen für weniger als 20 CHF, auf dem Campingplatz Morteratsch die einzigen selbergemachten Pastas im ganzen Tal zu absolut vernünftigen Preise bekommen und auch hier auf dem Camping Gravatscha ein super Restaurant zu normalen Preisen haben, werden wir in Zukunft echt nur noch auf den Campingplätzen speisen. Oder auf den Bergstationen der Bergbahnen, denn dort oben sind die Preise günstiger wie im Tal unten, keine Ahnung warum das so ist, muss doch alles zuerst dort hinaufgeschleppt werden. Oder ist es einfach so, dass im Tal die Restaurants voll sind, egal zu was für Preisen?
Jetzt werden sich wahrscheinlich ein paar Wirte aufregen, aber das ist das, was wir hier bisher erlebt haben…
Nach und von Pontresina waren wir heute mit unseren Rädern unterwegs. Und ich bin echt überrascht, wie viele Möglichkeiten man in diesem Tal hat. Es heisst überhaupt nicht, Tal rauf und Tal runter muss man den gleichen Fahrradweg abseits der Autostrassen nehmen, sondern man hat immer mehrere Möglichkeiten. Und man muss schon gar nicht auf der Hauptstrasse fahren, sondern es gibt viele Wege abseits des motorisierten Verkehrs. Auch braucht man nicht notwendigerweise ein E-Bike, denn es gibt ganz viele flachen oder leicht coupierte Strecken. Ich würde sogar so weit gehen, dass es hier ein wahres Velo-Paradis ist! Und damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Im Winter Langlaufloipen, im Sommer Fahrradwege…
Der Campingplatz, wo wir jetzt stehen, liegt quasi hinter dem kleinen Flugplatz Samedan. Man hat einen tollen Überblick über die mit Seilwinden startenden Segelflugzeuge, nur schon das ist spannend und ich könnte den ganzen Tag nur zuschauen. Dazu ist es hier Abends extrem sonnig und er liegt direkt an einem der oben beschriebenen flachen Fahrradwegen die dem Inn entlang führen.
Allerdings ist er ziemlich klein (22 Plätze für Wohnmobile/Wohnwagen) und auch beliebt, sogar jetzt in der Nebensaison haben wir grad noch den allerletzten Platz für ein Womo ergattert, Reservieren ist also keine schlechte Idee. Auch im Winter zum Langlaufen ist er perfekt, liegt er doch direkt an der Marathonstrecke des Engadiners. Für die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel ist er nicht ideal gelegen.
Das angegliederte Restaurant habe ich schon erwähnt, eher gehoben mit sehr schöner Terrasse und trotzdem ganz normalen Preisen.
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Wir lachen uns ins Fäustchen, denn die Hitze lässt sich im Engadin gut überstehen.
Man glaubt es kaum, als wir heute morgen erwachen fröstelt es uns ein wenig, so, dass wir zum Duschen noch die Heizung im Wohnmobil ganz kurz aufdrehen müssen. Ich weiss, ihr im Unterland träumt von so etwas, ihr vergeht wohl in der Sonne so richtig und schwitzt vor euch her. Ich lache mir still und leise etwas ins Fäustchen. Wir hier oben haben aber genau die richtigen Temperaturen, auch wenn meine neue Bräune auf den Armen eher Rot ist, die Sonne ist eben schon etwas stärker in den Bergen.
Nach einem sehr netten und interessanten Gespräch mit dem Platzwart Ivo zeigt er uns noch die toll eingerichteten Bungalow auf dem Camping Gravatscha. Und echt jetzt, auch hier wollen wir zurückkehren, da es uns sehr gut gefällt. Durch das Gespräch sind wir aber schon wieder verspätet, denn wir wollen ab ins Unterengadin. Das Unterengadin kennen wir persönlich nicht wirklich, also müssen wir uns auf etwas neues einstellen.
Die 50km Fahrt geniessen wir in unserem Womo, das Tal wird etwas enger, die Strasse ist gespickt mit Abfahrten, also nicht mehr ganz so flach wie das Oberengadin. Aber bei diesem tollen Wetter auch ein Erlebnis in dieser prächtigen Bergwelt.
Ein paar Kilometer nach Scoul zeigt uns ein Wegweiser die Strasse steil hinab zum Campingplatz Sur En. Die alte Holzbrücke über den Inn ist mit einer Höhe von 3.3m begrenzt, also ganz grosse Womos können nicht bis zum Campingplatz fahren. Natürlich kommen wir wieder gerade über den Mittag dort an, wo die Reception nicht besetzt ist. Aber wie fast überall, hineinfahren, freien Platz suchen, hinstellen. Wir wählen die grosse Wiese zwischen Waldrand und dem Fluss Inn, drehen sofort die Sonnenstore raus, denn hier ist es nun schon merklich wärmer, da wir nur noch auf etwa 1100m sind. Der Campingplatz hat übrigens einen Quick-Stop, also wenn man nach 17 Uhr kommt und am andern Tag vor 10 Uhr weg ist, kann man zum reduzierten Tarif übernachten, quasi ein Stellplatz für Wohnmobile...
Wir haben diesen Campingplatz in der Hitze (momentan 30 Grad) gut ausgewählt, denn hier gibt es sogar einen Swimming Pool. Sehr gut, um sich abzukühlen. Überhaupt, hier ist ein kleines Paradis entstanden, vor allem auch für Kinder. Weit weg von einer Hauptstrasse, mit dem Postauto direkt vor dem Campingplatz und dahinter ein Seilpark.
Ist ja klar, dass wir auch den inspizieren. Seile, Brücken, Holzleitern bis weit unter die Baumwipfel kreuz und quer. Es ist gerade eine Schulklasse daran, diesen Seilpark zu absolvieren. Die Computer- und Gamer-Generation in der Wildnis! «Hey Mann, i schwör bi miner Muetter, dass isch krass do!» «Mann, i han angscht do, wer chunt mi go hole?» und ähnlich tönt es auf die armen Verantwortlichen von überall. «Lueg die Chline, für die isch da voll easy mann» als ein paar 10 jährige Einheimische den Parcours auch absolvieren. Anita und ich schauen über eine Stunde dem bunten Treiben nach und lachen uns ins Fäustchen, wenn wieder ein grosser aus Angst nicht weiter kann, auf dem Pausenplatz nächste Woche aber wieder den Chef markiert…
Unsere Beobachtungen bleiben nicht ohne Konsequenzen, ein Seilparkverantwortlicher überredet uns, nicht nur still und heimlich zu lachen, sondern den Parcours selber zu absolvieren. Also geben wir zähneknirschend nach und machen einen Termin für morgen Vormittag ab. Jetzt lachen sich mal andere ins Fäustchen über uns.
Erschrocken über unsere eigene Courage müssen wir im Campingbeizli zuerst mal einen Coup essen, bevor wir unter unserer Markise die Wärme geniessen und einfach nur faul rumliegen.
Abends ziehen wir dann doch noch unsere Joggingkleider an und joggen auf dem Waldweg, der am Campingplatz vorbeiführt, los. Nach kurzer Zeit merken wir, dass wir auf einem Skulpturenweg sind und folgen den Wegweisern und den Skulpturen. Mindestens alle 50m steht irgend eine Skulptur eines Künstlers, manche sind sensationell, andere verstehen wir irgendwie nicht. Von Waldfeen, bissigen Wölfen, Kind im Schatten oder der rostigen Truppe (die Originalnamen wissen wir nicht mehr 100%ig) joggen wir vorbei und hin und wieder lesen wir, was auf den Erklärungsschildchen stehen, vor allem wenn es bergauf geht. Diese Joggingrunde von schlussendlich 5km ist wirklich mit all den Skulpturen (dürften wohl an die 100 sein) sehr abwechslungsreich und gegen den Schluss lesen wir immer mehr Schildchen… Es reut mich ein wenig, dass wir keinen Fotoapparat dabei haben, es gäbe tolle Bilder in der Abendsonne und dem vermoosten Wald hinter den Skulpturen. Die heimlichen Stars auf dieser Runde sind aber die riesigen Waldameisenhaufen, wo wir sicher insgesamt 10 Stück sehen. Ist einfach schon gewaltig, was diese kleinen Tierchen alles zusammentragen können.
Als wir wieder im Womo sind, muss Anita noch schnell zur Skulptur stehen, die am nächsten beim Campingplatz ist, damit wir doch noch ein Bild davon haben.
Eventuell machen wir diesen Weg morgen nochmals aber spazierend und alles lesend…
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Wir bekommen die Quittung für das Grinsen gestern
Punkt 9 Uhr stehen wir im Seilpark bereit. Ritschi gibt uns die obligatorischen Sicherheitsinstruktionen. Eigentlich ganz easy, die Karabinerhacken müssen immer bei den rot markierten Drahtseilen eingehängt sein, die gelbe Rolle bei den gelb markierten Seilen, falls vorhanden. Klettergurt, Handschuhe und Helm sind angezogen und schon stehen wir etwas Vorlaut an der Infotafel, wo alle möglichen Parcours aufgestellt sind. Wir sollen am Besten mit dem grünen beginnen, der sei nur zwischen 5 – 7m hoch und auch für 10 jährige geeignet, meint Ritschi. Hä!? Wir sind nicht 10 jährig, wir sind Erwachsen! Aber eventuell ist es doch nicht so schlecht, auf jemand zu hören, der Erfahrung hat.
Also klettern wir gesichert die Mini-Holzleiter hoch und balancieren die erste Seilbrücke zum nächsten Baum hinüber. Easy, wir sind total unterfordert! Aber dann werden die Brücken schaukliger und irgendwie hat man nirgends mehr Halt. Bei den hängenden Holzpfählen wird dann der Einstieg schon ziemlich knifflig, Ritschi sieht meine Unsicherheit und gibt mir Tipps, wie ich es schaffen könnte. Und wie gesagt, wir sind bei den 10 jährigen… Danach kommt das auf Seil fahrenden Skateboard, wo balancieren, fahren und sich festhalten alles miteinander klappen muss. Wir kommen aber gut durch diesen Parcour und Anita und ich schauen uns etwas beschämt an: ist für 10 jährige…
Die nächste Strecke ist dann schon zwischen 7 -15m hoch und wenigstens für Alter 12. Es ist schon verdammt hoch über den Boden, wenn man nur so in den Seilen hängt und sich irgendwie festhalten muss. Und dann stehen wir vor unserem schwierigsten Teil: wir sind 10m über dem Boden auf einer Holzplattform und sollen uns mithilfe eines Seils wie Tarzan in ein 10m entferntes Seilnetz schwingen. Wenn man sich im ersten Schwung nicht am Netz festhalten kann, habe hat man eine zweite Möglichkeit, aber keine dritte mehr. Dann hängt man am Seil über dem Boden und muss einer Sicherheitsperson rufen, die einem dann ins Netz schwingt. Das wäre ja schön peinlich, aber mir schlottern echt die Knie. Ich brauche drei lange Minuten, bis ich den Sprung wage! Wow, das Herz ist mir in die Hosen gerutscht und danach kommt nochmals so ein ekliger Lianenschwung auf eine andere Plattform. Man das braucht echt Mut! Wie haben das die Kinder gestern nur geschafft? Heute grinsen wir garantiert nicht mehr…
Aber auch diesen Parcour schaffen wir einigermassen und den nächsten lassen wir aus. Mit den Armen an einer Leiter hängend und sich zum nächsten Baum hangeln, nein danke! Da habe ich als Radfahrer viel zu wenig Kraft in den Armen, das weiss ich schon nur vom hinschauen…
Aber der letzte Parcour machen wir dann wieder, da kann man von 15m Höhe jeweils an einer Rolle zum nächsten Baum runtergleiten, umhängen und wieder weiter gleiten, so lange, bis wir am Boden sind.
Dieser Seilpark ist echt genial, für Familien mit Kindern jeden Alters der perfekte Ausflug mit garantiertem Nervenkitzel. Die einfachsten Parcours sind schon mit Kindern von drei Jahren möglich und für 53jährige Kinder wie wir eine veritable Mutprobe. Dieser Seilpark ist mit viel Herzblut erstellt und die Verantwortlichen probieren immer wieder neue Tricks und Bahnen aus, was den Leuten noch gefallen könnte. Man kann im Seilpark auch grillen und den ganzen Tag verbringen.
Wir haben aber leider nicht den ganzen Tag Zeit, auch können wir die Schluchtenwanderung durch die Uina Schlucht, die uns empfohlen wurde, nicht mehr machen. Ist schon krass, wie viele Attraktionen das Engadin zu bieten hat!
Nach dem Mittagessen im Campingrestaurant verquatschen wir uns wie fast immer mit den andern Gästen und fahren Nachmittags los wieder Richtung Oberengadin, Ziel noch unbekannt.
Nach dem Einkaufen landen wir schlussendlich auf dem Campingplatz in Madulain. Ein kleiner, familiärer Platz, den wir schon vom Winter her kennen. Wir wollen dort den Besitzer einen kleinen Besuch abstatten und falls es noch Platz für uns hat, auch dort übernachten. Es gibt Platz und so richten wir uns dort in der Sonne ein. Hier im Engadin ist es 31 Grad heiss, aber wenn man bedenkt, dass es im Unterland viel heisser ist, geht es uns hier richtig gut.
Renato, der den Campingplatz in der 2. Generation leitet, gibt uns dann einen Tipp mit der natürlichen Klimaanlage: Dachfenster und Türen öffnen, aus dem nahen Brunnen viel Wasser holen und die Wiese vor der Türe befeuchten. Die heisse Luft zieht aus den Dachfenstern und zur Türe kommt die kühle Luft der Verdunstung hinein. Das habe man früher immer so gemacht und funktioniere auch heute noch prima. Klar probieren wir das aus und tatsächlich haben wir nun innen nur noch 33,4 Grad statt 36,3 Grad wie vorher.
Unser Campingnachbar nimmt mich dann mit zum kleinen Hofladen der Engadiner River Ranch, wo wir uns unter anderem ein feines Engadiner Glace kaufen. Das tut so richtig gut!
Heute Abend wäre in Prontresina noch der schöne Laret-Markt, mit Musik, einheimischen Produkten und kleinen Strassenbeizchen. Dieser Markt benutzen vor allem die Einheimischen als Treffpunkt und zum gemütlich zusammen sitzen. Hier vom Camping Madulain könnte man grad vom kleinen Bahnhof mit der Bahn innerhalb 15 Minuten nach Prontresina fahren. Allerdings geniessen wir heute den Abend in Ruhe hier auf dem Platz, denn der super Grill wir angefeuert. Und was gibt es besseres, wie ein selbstgegrilltes Angus-Steak aus dem einheimischen Hofladen?
Im Engadin gibt es idealere Campingplätze für Kinder wie hier in Madulain, aber für Personen die Ruhe in einer sehr gepflegten Umgebung haben wollen, einfach perfekt. Auch muss man vor der Lärmbelästigung der Eisenbahn keine Angst haben, es fahren pro Stunde zwei knallrote Züge hier vorbei, die jeweils ein top Fotomotiv abgeben...
Inzwischen sind wir Fans vom Engadin und wir werden noch etwas länger bleiben, wie ursprünglich geplant, uns gefällt es so gut. Wir haben eigenmächtig bis Sonntag verlängert…
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Wir fahren mit dem Wohnmobil von Ort zu Ort und testen die Parkplätze und Verbotsschilder…
Wir können uns einmal mehr vom Camping Madulain fast nicht trennen. Da die Bahnstation grad neben dem Campingplatz ist, könnten wir bis zur Station Punt Muragel fahren und dann zu Fuss zum Stazersee und dort etwas baden, danach weiter mit dem Zug bis zur Diavolezza Bergbahn und dort hinauf auf 3000m und danach mit der RhB wieder zurück nach Madulain.
Aber das wäre zu einfach, wir wollen diese Tour mit dem Womo fahren und schauen, ob es wirklich überall Parkverbote für Womos gibt.
Also verabschieden wir uns von Renato und fahren nach Celerina. Schnell sehen wir noch vor Ortseingang ein Schild «Parkplatz für Busse» und folgen diesem, gespannt, wo es uns hinführt. An der Via San Gian (46.512711, 9.867959) können wir mit dem Womo problemlos gratis parkieren, auch kein Womo-Verbotsschild weit und breit. Nur die Wiese darf man nicht betreten. Der perfekte Platz, um die Räder zu besteigen und zum Stazersee zu fahren (zu Fuss hätte man 44 Minuten steht auf dem Wegweiser..). Vorher machen wir aber noch ein Foto von der alten Kirche San Gian, einfach weil es so schön ist.
Danach steigt der Radweg durch den Stazerwald an und schon 2.5km später sehen wir den wärmsten Bergsee des gesamten Engadins. Er ist herrlich blau und idyllisch, Leute baden und schwimmen darin, es gibt fünf kleinere und grössere Stege um den ganzen See. Auch das Restaurant hat eine sonnige Terrasse, (ist aber ziemlich teuer finden wir) aber auf der andern Wegseite gibt es auch noch etwas günstigere Verpflegungsstände mit Selbstbedienung.
Es ist herrlich kühl da, nicht ganz so eine Hitze wie im Unterland. Ins Wasser gehen wir aber nicht, obwohl es heisst, dass es schon 20 Grad warm ist. Aber eventuell haben da die Engadiner ein etwas getürktes Thermometer, mein Fuss schätzt es auf höchstens 18 Grad…
Wir liegen da an der Sonne, machen Fotos, picknicken wie andere Leute auch, die aber zusätzlich noch bei den zahlreichen Feuerstellen grillieren. Wirklich ein schöner Ort hier.
Danach rasen wir den Radweg wieder runter zu unserem Knutschi, und fahren Richtung Berninapass, wo wir schon nach wenigen Kilometern bei der Talstation Diavolezza ankommen.
Auf diesen Parkplatz bin ich gespannt, denn ich bin der Meinung, dass hier mal ein grosses Womo-Verbotsschild hing. Und das wäre die Ideale Gelegenheit, um die Verantwortlichen nach dem Grund zu fragen. Allerdings finden wir kein Womo-Verbotsschild, sondern nur ein Verbot, den Parkplatz zwischen 24 und 7 Uhr zu benützen wegen der Schneeräumung. Aber jetzt bei 29 Grad und kein Schnee? Aber immerhin werden die Womos nicht diskriminiert und so wie alle anderen Fahrzeuge behandelt. Aber da werde ich schon mal noch bei den Bahnen nachhacken, warum man das Fahrzeug nicht über Nacht stehen lassen darf.
Egal, wir bezahlen die 36.- pro Person für Berg und Talfahrt (hatte ich auch teurer in Erinnerung) und fahren mit der Gondel in 12 Minuten auf fast 3000m. Und was für ein Ausblick hier oben! Direkte Sicht auf den Piz Palü (den ich mit Anita schon bestiegen habe) und auch Sicht auf den Bianco-Grat (ist noch ein Bergsteigerwunsch von mir). Wir nehmen auf der Terrasse Platz und wählen die obere Tischreihe, die ist bedient, die untere ist Self-Service (eine coole Idee, oder?).
Ich esse eine Diavolzza Rösti und Anita Schnitzel Pommes. Warum finden wir auf 3000m die günstigsten Schnitzel Pommes für 21.- bisher auf der gesamten Reise? Irgendwie checken wir es nicht ganz, dass hier auf dem Gipfel die Preise günstiger sind wie im Tal unten. Aber davon habe ich glaub schon mal geschrieben. Egal, wir geniessen die Aussicht und die Sonne. Mit jeder Bahn kommen etwa 30 asiatische Touristen hoch, die aber nach einer halben Stunde immer schon wieder weg sind. Es ist trotzdem herrlich ruhig und um 17 Uhr nehmen wir wieder die Talfahrt zu unserem Knutschi.
Dort angekommen, machen wir noch einen ganz kleinen Umweg zur Lagalp-Bahn, die haben einen riesigen Parkplatz und die Bahn fährt den gesamten Sommer nicht. Aber auf dem Parkplatz ist es verboten zu parkieren und so liegt kurz vor dem Berninapass ein riesiger Parkplatz brach, wo doch auch einige Womos Platz zum übernachten hätten. Aber auch dem werde ich mal nachgehen.
Nach der Inspektion dieses Parkplatzes fahren wir wieder gegen Pontresina und beschliessen spontan, beim Camping Morteratsch noch einen Halt einzulegen. Der Campingplatz ist nun rammelvoll (ist das wegen der Beschreibung in unserem Blog?), aber der Chef und das Personal finden für jeden Neuankömmling irgendwo doch noch ein Plätzchen am Schatten. Auch für uns auf dem Platz Nr. 0. Ok, es ist offiziell kein Platz, aber wir stehen mit Sicht auf den Fluss und die Berge einfach wieder perfekt. Wie viele Plätze haben die hier wohl mit der Nummer Null?
Hinweis: für diese Reise wurden wir von den Engadiner Campingplätzen, SCCV und ACS eingeladen.
Ein ruhiger Tag mit ein bisschen Nervenkitzel, der immer grösser wurde…
Wir gehen es ruhig an und schlafen aus. Auf dem Campingplatz Morteratsch ist ziemlich Hektik heute, An- und Abreisetag. Uns betrifft es nicht, wir beschlossen, nochmals bis Morgen hier zu bleiben. Heute wollen wir den oberen Teil des Klettersteiges La Resgia noch nachholen, da wir diesen letzten Sonntag gar nicht mehr begonnen hatten.
Also fahren wir gemütlich auf den Radwegen nach Pontresina und lösen dort eine Berg- und Talfahrt mit der Sesselbahn. Hinauf zu wandern ist uns irgendwie zu heiss und runterlaufen haben wir schon jetzt keine Lust. Auch hier werden wir an der Talstation in ein nettes Gespräch mit dem Angestellten verwickelt, da unsere Kreditkarte den Geist aufgibt (zu wenig Geld auf dem Konto). Es ist uns hier schon mehrfach aufgefallen, die Leute sind sehr freundlich, ob bei den Bergbahnen oder in den Geschäften. Liegt das an uns, weil wir auch eher gesprächig sind? Die Einheimischen meinen nur, das dies damit zu tun habe, dass das Engadin seit Generationen ein offenes Tal ist und immer schon ein Kommen und Gehen war und man sich so die Offenheit eben in den Genen hinterlegt sei. Na, wir glauben auf jeden Fall, dass dies so ist, da Anita und ich extrem freundlich und sympathische Menschen sind ;-). Egal, wir geniessen die Bergfahrt an der warmen Luft zur Alp Languard. Von dort müssen wir 5 Minuten runter und wieder 10 Minuten hoch laufen, bis wir beim Einstige in den Klettersteig sind.
Momentan die Zeit der blühenden Alpenrosen
Gstältli, Helm und Handschuhe anziehen, alles kontrollieren und los in den Felsen rein. Irgendwie finden wir diesen Teil des Klettersteiges ziemlich schwieriger (ich wenigstens), es ist Nervenkitzel pur, wenn ich keine Griffe im Fels vorfinden und die Arme zu brennen beginnen, weil ich zu wenig Kraft habe. Und wenn man runterschaut, geht es senkrecht bis auf den Boden. Irgendwann nach einer Felstraversierung kommt eine Seilbrücke, das heisst, es hat unten ein Seil für die Füsse und oben zwei Seile, um sich daran zu halten, sonst gar nix. Im Seilpark vor einigen Tagen war das ja noch irgendwie easy, aber jetzt in den Bergen, wo unter dir die nächste Alp ganz klein erscheint, schon etwas anderes. Aber ich schaffe das irgendwie und danach kommt ein für misch schwieriger Übergang und senkrecht hoch. Ich habe echt Mühe, bin klitsche Nass vor (Angst-)Schweiss und schaffe es mit den letzten Kraftreserven zum Ende. Erst hier oben merke ich, dass ja Anita auch noch hinter mir ist, und die das nie schaffen wird. Aber schon steckt sie den Kopf über die Kante und klettert zum Ausstieg. Ich konnte in dieser Phase kein einziges Foto von ihr machen, das habe ich völlig verschwitzt in meinem Stress. Und sie hat seelenruhig mich fotografiert, wo ich doch fast abgestürzt bin.
Echt jetzt, ich bin oben total geschafft und fix und fertig, aber wir geniessen die Sonne auf einer schönen Bank, bevor wir wieder im Sessellift zu Tale fahren.
Wieder beim Womo sitze ich nur noch halb tot in meinem Campingstuhl, schone meine Arme und versuche, mich zu erholen, währenddem Anita unser Nachtessen vorbereitet.
Ich sage es euch: es war echt gefährlich und streng, auch wenn ich gesichert war und eigentlich nicht abstürzen konnte. Aber in diesem Moment vergisst man das völlig und starrt nur unter sich in den Abgrund und sieht sich schon irgendwo am Fels zerschmettern, während dem die Arme zu zittern beginnen. Und Anita macht seelenruhig Fotos und sagt danach: war ja gar nicht so schlimm!
unseres Reisestrecke