Aber ein schöner Ausklang
Wir fahren viel zu spät ab, das heisst, ich musste noch ausserplanmässig zum Zahnarzt. Besser jetzt noch nachschauen, was die Schmerzen verursacht, wie wenn es in den Ferien immer schlimmer kommt. Ich bekomme Vormittags noch einen Termin, so dass wir dann doch kurz nach dem Mittag Richtung Frankreich losfahren können.
Es geht über Zürich und Basel nach Frankreich. Am Grenzübertritt kein Mensch, niemand interessiert sich für unsere abgelaufenen Pässe oder unser Covid-Zertifikat. Also fahren wir über die Autobahnen via Besançon, Dole nach Beaune. Dann wird es uns irgendwie zu langweilig und wir verlassen die breiten Strassen und fahren auf der Karte an der kürzesten Linie Richtung Nantes entlang.
Sofort wird es interessanter, wir fahren durch endlose Rebberge und enge Ortschaften, bis die Gegend dann etwas hügeliger wird. Um 18 Uhr entscheiden wir, den nächsten Einkaufsladen aufzusuchen und unsere Vorräte zu füllen. Die machen wir in der Ortschaft Autun, die wir vorher noch nie gehört haben. Aber wir sehen einen kleinen See, zwei Wegweiser zu zwei verschiedenen «Parking camping-car», bevor wir die ersten Einkaufsmöglichkeit sehen. Dort parken wir und sind wie immer erstaunt, wie günstig hier die Lebensmittel verkauft werden können. Also decken wir uns mit dem nötigsten ein (das was wir vergessen hatten: WC-Papier und Shampoo) und entschliessen, einem dieser Wegweiser zu einem Wohnmobilstellplatz zu folgen.
Und dann werden wir wieder überrascht. Links sehen wir ein grosses, römischen Amphitheater, links den Stellplatz mit direkter Aussicht zum See. Der Stellplatz ist schon ziemlich voll, wir finden aber noch ein schönes Plätzchen direkt vis-à-vis vom grossen und schönen Friedhof. Hier gefällt es uns!
Da der kleine See in der Abendsonne so schön aussieht, machen wir uns zu fuss auf den Weg und umrunden diese Oase der Stille und Schönheit. Der Weg um den See ist knapp 2,5km und wunderschön! Wir geniessen es und sind in unseren Ferien angekommen, auch wenn wir noch 600km vom Atlantik weg sind.
Wir lesen danach noch etwas über das Städtchen Autun, wo wir gelandet sind und sind begeistert. Sollen wir morgen in dieser römischen Stadt noch einen Aufenthalt einlege? Denn weder das Amphitheater noch die Altstadt, schon gar nicht das Kreuz der Freiheit oder die Pyramide von Couhard haben wir gesehen. Alles sicher sehenswert in der Stadt, die von den Römern gegründet wurde, als die letzten Gallier rund um Asterix endlich besiegt waren.
Wir wollten ja direkt an den Atlantik fahren, aber warum so durchrasen, wenn es so schöne Orte gibt.
Wir haben es nach langer Reise geschafft
Wie immer in unserem Knutschi schlafen wir wie die Hergötter
und wachen pünktlich kurz vor acht auf. Genau richtig, um das MTB-Bike-Rennen
an Olympia mitzuverfolgen und den historischen 3-Fach-Triumpf der Frauen
mitzuerleben. Wahnsinn! Herzliche Gratulation an alle drei!
Als die Medaillen verteilt sind, machen wir uns zu Fuss zum Amphitheater auf. Es sind wenige hundert Meter und es ist beeindruckend gross. Ist ja auch das grösste erhaltener in Gallien aus der Römerzeit. Schade nur, dass zwei Gemeindearbeiter das Gras mähen, bei ihrem Arbeitstempo werden sie mindesten heute den ganzen Tag haben und ihr roter Kastenwagen an bester Fotoposition sicher nicht wegfahren.
Es ist trotzdem sehr schön und so laufen wir dann die knapp 2km zur Pyramide de Couhard (Römisches Mausoleum aus dem 2. Jahrhundert). Der Fussweg geht ziemlich bergauf und wir kommen verschwitzt an. Aber auch hier hat es Arbeiter an dieser Felspyramide, die hinter den Abschrankungen am Arbeiten sind. Also auch hier keine Top-Fotos möglich, auch, weil der Himmel in einem eintönigen Grau ist und das Wetter gegenüber gestern schon etwas schlechter ist.
So spazieren wir wieder zurück und entschieden, das Kreuz der
Freiheit hoch über der Stadt nicht mehr zu besuchen, stattdessen den Weg
Richtung Atlantik unter die Räder zu nehmen.
Das Navi zeit 9 Stunden, schlussendlich werden es 7:51 Std Fahrzeit und 622km. Zu Beginn keine Autobahnen, aber durch riesige Sonnenblumenfelder und unendliche Wälder. Irgendwann sind wir in Nevers, dann beginnen die Kilometer auf den Autobahnen, es regnet schätzungsweise 20x, 20x trocknen die Strassen auch wieder ab, aber Sonne sehen wir nirgends.
Erst als wir in den Abendverkehr von Nantes kommen, diese
hinter uns lassen und die letzten 20km Richtung Atlantik fahren, sehen wir
blaue Fetzen am Himmel. Je näher wir unserem Zielort kommen, desto schöner wird
das Wetter. Jetzt ist nur noch nicht klar, ob wir Platz auf dem anvisierten
Stellplatz haben. Wir halten unsere Karte an den elektronischen Zahlkaste und werden
tatsächlich reingelassen. Wir füllen nun Wasser und suchen uns einen der zwei
letzten Plätze aus. (Laut Webseite hat es noch 10 freie Plätze, na gut, dann
muss man etwas näher zusammenrücken).
Wir haben schnell parkiert und dann sofort los die 200m bis zum Meer. Und dann liegt es vor uns: blau, wellig, salzig. Wir haben es geschafft!
Wir machen einen kleinen Spaziergang dem Meer entlang durch
die kleinen Dünen und sind momentan einfach glücklich und zufrieden. Und auch
etwas müde von der langen Fahrt. Heut werden wir nichts mehr machen, nicht mal
mehr kochen. Aber wir sind endgültig in den Ferien angekommen.
wir haben etwas mehr erwartet.
Unser Stellplatz ist ziemlich in der Nähe der Passage du Gois, auf der Webseite wird dies angekündigt als «Eine weltweit einzigartige Strasse, die bei Flut überschwemmt wird.» Solche Dinge steigern natürlich den Erwartungsdruck und für uns ist es klar, dass wir diese Strasse besichtigen müssen.
Also satteln wir uns Stahlrösser und fahren pünktlich um 10:30 Uhr los. Schliesslich ist die Strasse nur bei Ebbe befahrbar und das wollen wir nicht verpassen.
Zuerst kämpfen wir uns die Brücke hoch, die uns auf die Insel Noirmoutier führt. Sie ist ziemlich hoch, bietet oben einen fantastischen Ausblick. Gut, fahren wir mit den Velos, denn so können wir oben auf dem höchsten Punkt stoppen und ein paar Fotos schiessen. Mit dem Wohnmobil müsste man durchfahren und hat keine Gelegenheit, zu halten.
Hinunter geht es dann in einem Schuss, und schon bald sind wir auf den schönen Radwegen auf der Insel, die vielfach direkt dem Meer entlangführen. Eine Radtour auf der Insel ist wirklich zu empfehlen. Nach 10km sind wir dann an dieser Strasse, die durch das Meer führt. Allerdings viel zu früh, sie ist noch total überflutet. Also drehen wir noch eine Runde der Insel entlang. Es ist herrlich, schöner Rückenwind, ganz flach und keine Autos. In Le Matois essen wir in einem Camping-Restaurants noch zu Mittag (Covid-Zertifikat zeigen? Was ist das?) bevor wir wieder zur Strasse im Meer zurückkehren.
auf der wirklich schönen Insel
Dieses Mal ist die Strasse sichtbar, das Wasser ist zurückgegangen. Allerdings sehen wir auch sehr viele Autos und Verkehrsstau, beinahe schon Verkehrschaos. Fussgänger, Fahrradfahrer, Autos, Traktoren alles durcheinander. Romantisch und abenteuerlich ist anders. Wir fahren bis kurz vor der Mitte auf der Strasse und dann schütteln wir den Kopf. Bringt es wirklich, dass wir da rüber fahren?
Wir drehen nach einem kurzen Halt konsterniert wieder. Dann streichen wir diese Strasse eben und haken sie ab, unter den Strassen, die wir noch nie ganz gefahren sind. Wir sind nicht mal traurig darüber, unsere Erwartungen war wohl zu hoch. Da fanden wir die Passage auf die Insel Mandö in Dänemark um einiges abenteuerlicher, spektakulärer und schöner. Aber wir sind ja bei den Franzosen, und für die ist ja alles sowiso viel schöner und grösser wie im Resten der Welt.
Flut und Ebbe rund um die Strasse
Ach ja, als ich später dann in Wikipedia lese, dass die Tour de France das erste Mal 1993 über die Passage du Gois fuhr, merke ich, dass ich sie anscheinend dazumal doch schon mit dem Fahrrad absolviert habe. Allerdings mag ich mich überhaupt nicht daran erinnern, also war es schon damals nicht spektakulär genug, um es in meinem Hirn einzubrennen.
Macht nichts, der Rest der Insel und der Velotour hat uns übrigens sehr gut gefallen. Immerhin fuhren wir 32km ohne Elektrounterstützung (wir Arme).
Noch ein paar Worte zur Situation hier: das Wetter ist nicht strahlend blau, immer wieder gibt es ein paar Wolken. Aber Regen hatten wir am Meer nicht, auch keine schwarzen Gewitterwolken. Die Temperaturen sind so zwischen 20 und 23 Grad, ohne Sonne fast etwas kühl nur mit dem T-Shirt, mit Sonne viel zu warm für eine dünne Jacke. Das Wasser fühlt sich bis zu den Knien ganz ordentlich an, aber darüber kam es bei mir noch nie. Abends ist es dann schon frisch, und eine Jacke ist angesagt.
Zu Corona. Merkt man hier eigentlich fast nichts, Maske in Restaurants und zum Einkaufen ist man sich ja nun gewohnt, aber mehr spürt man nicht.
Es sind viele Wohnmobilisten unterwegs, die Stellplätze fast voll, aber nur fast. Man findet also noch Platz. Was aber auffällt: fast keine kleinen Campingbusse, sondern nur «normale» Wohnmobile.
Von säuerlich bis überglücklich
Auf dem Stellplatz ent- und versorgen wir, bevor wir dann um 10 Uhr abfahrbereit sind. Gestern habe ich unsere Route festgelegt und auf den ersten 30km dem Meer entlang Richtung Süden wollen wir noch drei Stell-/Parkplätze anschauen. Sie sehen sehr schön aus, perfekt gelegen, aber wir sind nicht sicher, ob man dort mit dem Wohnmobil stehen darf. Uns nimmt dies einfach wunder, weil die offiziellen Stellplätze irgendwie immer etwas vom Meer weg sind.
Also stelle ich das Navi ein, starte den Motor und fahren los. Anita drückt da noch etwas auf dem Navi rum, um eine andere Ansicht zu bekommen, klickt überall auf ok und sagt dann plötzlich. «Mist, ich habe glaub die Route gelöscht». Macht doch nichts, du musst nur das letzte Ziel ansteuern, sage ich zu ihr. Und statt die letzte Meldung zu lesen, einfach mal auf ok drücken und das letzte Ziel ist auch gelöscht. Typisch Frau, einfach drücken, statt zu lesen!
In meiner Souveränität gebe ich zu verstehen, dass das doch nichts macht, aber innerlich zerreisst es mich fast und ich bin ziemlich säuerlich. Habe ich doch gestern so lange gesucht und eingegeben, und nun alles weg. Mein Kunigunde merkt, dass ich nicht mehr der alte bin und gibt sich eine grosse Mühe, wenigstens unser letztes Ziel wieder zu finden. Na ja, sie schafft es, sogar das Navi ist wieder programmiert. So was hätte keine andere Frau geschafft, meine ist einfach die Beste. Aber zwei Ziel sind uns durch die Lappen, nicht so schlimm, auch wenn es tief in mir drinnen noch etwas rumort.
Aber dann erreichen wir nach 31km tatsächlich den anvisierten Parkplatz und dieser hat keine Höhenbeschränkung, aber eine Breitenbeschränkung. Wir kommen nicht durch, und auch wenn, es ist ein grosses Womo-Verbot. Jetzt kommt mein Unmut wieder gewaltig zurück, ich suche entnervt in der Umgebung einen Stellplatz, finde nichts passendes und habe innerlich die Atlantikküste schon abgeschrieben. Was sollen wir hier, wenn es keine weiteren schöne Plätze gibt? Also bleibt das Navi aus, ich starte den Motor, am ersten Kreisel rechts der Küste entlang und ich bin richtig, richtig säuerlich. Einfach alles ist in diesem Moment Scheisse. Beim nächsten Kreisel sehe ich plötzlich einen Wegweiser zum Strand mit einem Wohnmobilsignet drauf. Ich reisse das Steuer herum und folge dem Wegweiser, zu verlieren haben wir ja nix.
Keinen Kilometer später biegen wir in einen perfekten Stellplatz ein, sehr gross, nur zu einem viertel belegt, direkt hinter den Dünen. Einfach nur perfekt! Es gibt keinen Strom, aber eine neue Ver- und Entsorgungsstation, und die Tagespauschalte kostet wahnsinnige 6:50 € ! Wir hätten es nicht besser treffen können. Sogar das Meer hören wir rauschen, nur eine kleine Düne zwischen uns und dem Wasser. Dazu blauer Himmel, Sonne und schön warm.
Augenblicklich verliebe ich mich in den Ort und merke, dass ich Anita auch wahninnig liebe. Was für ein toller Ort und was für eine tolle Frau. Hier bleiben wir aber ganz sicher!
Sofort packen wir unser Strandtuch aus und liegen wenig später am Meer, alleine, weit und breit niemand. Etwa einen Kilometer entfernt sehen wir eine Ortschaft, dessen Häuser in der Sonne leuchte. Das Leben könnte nicht schöner sein.
Etwas später machen wir dann noch eine Radtour dem Meer entlang, über Saint-Hilaire-de-Riez fahren wir nach Saint-Gilles-Croix-de-Vie, natürlich fotografieren wir die fünf Felsen im Meer noch und bewundern danach den Hafen in der Ebbe.
Es ist einfach fantastisch am Atlantik.
Beim Rückweg verfransen wir uns mit den Velos aber noch so richtig, machen ein paar Extrakilometer, bis wir wieder an unserem tollen Stellplatz sind.
Jetzt sitzen wir nach dem feinen, selbstgemachten Nachtessen (Kartoffelsalat und gebratene Pouletbrüstchen) vor dem Womo und warten auf den Sonnenuntergang.
Einfach nur herrlich!
Keine Zeit für den Blog
Viel haben wir gestern eigentlich nicht unternommen. Morgens sind wir dem Meer entlang 5km joggen, um unsere Körper stahlhart zu trainieren. Na gut, wir haben eigentlich mehr das Meer und die Aussicht genossen.
Zurück beim Knutschi berieten wir, was wir heute alles unternehmen sollen. Der Wetterbericht hatte noch schön warm und ab Samstag dann eher etwas schlechter. Also entschlossen wir, die sonne nicht während dem Fahren zu geniessen, sondern am Meer sitzend.
Es war eine gute Entscheidung, einfach wieder mal abschalten und nichts tun. Den Nachmittag verbrachten wir dann vor dem Womo, fanden neue Freunde, wo wir dann abends gemeinsam grillten und noch lange redeten. Es ist schon ein Unterschied, ob man nette Nachbarn hat, oder solche, worauf man verzichten könnte. Vorgestern Abend hatten wir Natalie, eine älter alleinlebende Französin, die mich vollquatschte und ich nach 30Minuten ihr ganzes Leben kannte. Mindestens dass, was ich bei ihrem schnellen reden überhaupt auf französisch alles verstehen könnte. Kaum nickte ich und holte etwas Luft, damit ich auch mal etwas sagen konnte, schwallen ihre Worte weitere 15 Minuten heraus. Und so ging es dann immer weiter, über die Flora, die Gegend, die Bretagne, ihre Kinder, das Einkaufen und ihr Buch, das sie geschrieben hat. Immerhin waren dann auch noch ein paar Besichtigungstipps dabei. Jetzt werden die sortiert und geschaut, wie es bei uns weitergeht.
Da war der Abend gestern schon viel erholsamer, wir konnten auf Schweizerdeutsch reden und kamen auch zu Wort. Danke Bea und Frank.
Nun sind wir am schauen, was wir heute alles machen und wohin wir fahren sollen. Das Wetter ist tatsächlich nun stark bewölkt, aber die Luft riecht so schön salzig, also immer noch Ferienstimmung puur.
Ach ja, jetzt fuhr jeden Morgen die Gendarmerie mal durch und schaute zum Rechten. Es gab tatsächlich Franzosen, die die 6.50€ nicht bezahlt haben... Einfach beschämend...
unseres Reisestrecke