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Camargue Frankreich 2015
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Reisebericht

Am Aartalsee 28.5.2022

Natur und schwere Beine

Unser Stellplätze bisher: in der Stadt, an einem Fluss, bei einer Burg und jetzt direkt am See. Abwechslungsreicher geht fast gar nicht. Was kommt wohl morgen? Was für ein Stellplatz fehlt nun noch?

Aber der Reihe nach. Nachdem wir heute morgen bei der Burg Herzberg ausgiebig gefrühstückt haben, fuhren wir dann langsam die schmale Zufahrtsstrasse wieder hinunter und dort auf die Autobahn Richtung Frankfurt und dann Richtung Giessen. Von dort über Stock und Stein Berghoch und runter durch eine schöne Gegend mit wenig Verkehr. Gelandet sind wir dann auf dem Stellplatz direkt am See in der Nähe von Bischoffen.

Dort angekommen bin ich mit dem Rad in den 1km entfernten kleine Einkaufszentrum gefahren und habe das nötigste erworben. Eigentlich brauchten wir nur etwas zum grillen, aber es war ja klar, dass mehr daraus wurde. Wieder zurück beim Womo, stiegen Anita und ich in unsere Sportausrüstung und joggten die 5 Kilometer auf dem schönen Spazierweg rund um den Aartalsee. Auch so kann man die Gegend besichtigen und braucht erst noch viel weniger Zeit. Na gut, die Beine schmerzten dann schon ein wenig mehr, als wir wieder zurück waren. Aber ein klein wenig waren wir beide doch stolz, konnten wir die ganze Strecke joggend zurücklegen und mussten zwischendurch nicht ein einziges mal spazieren. Dafür gab es dann im Womo als Belohnung grad ein ziemlich grosses Stück Schockolade. Die verbrauchten Kalorien mussten ja wieder aufgenommen werden, sonst werden wir noch zu dünn. Und in den Ferien leichter werden, wäre ein ganz schlechtes Zeichen…

Wir genossen dann den verbliebenden Nachmittag vor dem Womo an der Sonne, aber gegen Abend fuhren wir nochmals einkaufen: unser WC Papier neigte sich plötzlich dem Ende zu. Warum eigentlich immer dann, wenn ich auf dem WC sitze?

Nach dem Grillen und dem feinen Abendessen waren wir bester Laune, konnten wir doch die Aussicht über den See direkt vom Womo aus geniessen.

Bis jetzt sind wir mit unserer kleinen Deutschlandtour mehr als zufrieden: es gibt viele tolle und schöne Stellplätze, alles ist sehr unkompliziert und überall begegneten wir netten Menschen. Auch mit dem Strassenverkehr hatten wir bisher überhaupt keine Probleme, ziemlich wenig Autos unterwegs. So könnte es bleiben.

Morgen werden wir weiter Richtung Köln fahren um dann nächsten Mittwoch in Lüttich, Belgien anzukommen.

Übernachtung

Bischoffen - Aartalsee ****
Deutschland, Stellplatz
Seesicht, viel Platz, sonnig
Koordinaten: 50.70206, 8.4681961
N 50° 42' 7.5"  E 8° 28' 5.5"
letzter Besuch: 5.2022

Köln 30.5.2022

Und mit dem Porsche ein Bier holen

Gestern fuhren wir fast bis nach Köln, genau gesagt, nach Burscheid zu Beatrice und Frank. Es sind von uns Bekannte, die wir auch auf einer Wohnmobiltour in Frankreich kennen gelernt haben.

So fuhren uns die Beiden heute nach Köln direkt ins Zentrum in ein fast leeres Parkhaus beim Hauptbahnhof. Von dort marschierten wir zum nahegelegenen Dom und danach dem Rhein entlang und durch die Altstadt. Die beiden erzählen uns das eine oder andere über Köln, warum dem Rhein entlang die Häuser so schmal sind und wo so ungefähr der Kölner Fasching stattfindet. Selbstverständlich kehrten wir in einem der vielen Brauhäuser ein bevor wir uns wieder auf den nahen Heimweg machten.

Bei Beatrice und Frank zu Hause angekommen, öffnet Frank uns seine Garage und fragt, wer mitkommt, noch schnell einen Kasten Bier holen. Schnell meinte er dann etwas anderes, wie wir geglaubt haben, denn in der Garage steht ein knallroter Porsche 911 Carrera RS 3.8. Wer sich mit den Autos nicht so auskennt, soll sich dieses Modell mal googeln… Selbstverständlich meldet sich Anita da freiwillig und genau so selbstverständlich fahren Frank und Anita nicht direkt zum Getränkehändler für das Bier, sondern machen noch einen Umweg über die Autobahn.

Eine halbe Stunde später steigt sie dann mit etwas zittrigen Knie und lachend wieder zu mir ins Womo, aber sie ist ganz wohlbehalten zurück. Und der Porsche verschwindet wieder in der videoüberwachten Garage.

Morgen geht es weiter nach Blagny in Belgien.

Blegny-Mines 31.5.2022

in Belgien

Wir verlassen heute Morgen unsere lieben Freunde und fahren weiter Richtung Belgien. Bei Köln müssen wir aber noch einen Umweg von 10km in Kauf nehmen, denn eigentlich sollten wir über die Levnerkuser Rheinbrücke. Diese Brücke ist wegen Überlastung und Rissen in der Stahlkonstruktion seit 2012 für Fahrzeuge über 3.5t gesperrt. Wir würden da ja vom Gewicht drüber fahren dürfen, aber die maximale Breite ist auf 2.30m begrenzt. Vor der Brücke gibt es eine Sperranlage, die verhindert die Zufahrt auf die Brücke für Fahrzeuge über den maximal zugelassenen Massen, dies führt zu Verkehrsproblemen vor der Brücke, da jeder falsch fahrende LKW oder Womo zu einer zeitweiligen Sperrung der Autobahn führt. Also besser nicht darüber. Es kann übrigens noch dauern bis die neue Brücke steht, denn wie es in Deutschland so ist bei Grossprojekten üblich ist, gibt es die eine oder andere Verzögerung. Geplant ist momentan die Eröffnung auf Ende 2023, allerdings musste ja die Vergabe des Bauauftrages wegen Mängeln nochmals ausgeschrieben werden.

So umfahren wir Köln südwärts und kommen danach gut voran. Vorbei an Aachen kommen wir wenig später über die Grenze zu Belgien, wo sofort all die Strassenlaternen entlang der Autobahn beginnen. (Mindestens 335’000 Lampen auf 150’000 Masten sind es, die die Autobahnen und andere Schnellstraßen des Königreiches bis dato erhellen.) Auch die Betonbauten der Brücken sehen in Belgien wieder stabiler und wuchtiger aus und die Häuser in ihren dunklen Backsteinwänden versprühen nicht gerade pure Lebensfreude. Wenn man will, könnte man meinen, hier seht alles ein bisschen trister aus. Aber das ist sicher nur ein Gefühl.

Auf alle Fälle kommen wir gegen 13 Uhr gut auf dem Parkplatz der Kohlemine von Blegny an, inklusive Ent-/Versorgung für Womos. Um 14 Uhr haben wir übers Internet eine Führung gebucht, wir sind also genau richtig.

Einleidung mit Helm und Jacke

Am empfang werden wir schon mit Namen gegrüsst, denn wir waren wohl die einzigen, die Vorreserviert haben. Wir fassen eine Bergmannsjacke, einen Helm und für die in niederländischer Sprache abgehaltene Führung einen deutschen Audioguide.

unter Tags

Mit dem alten Bergwerkslift geht es 30m unter Tags in den Kohlestollen. Die Führung ist interessant, auch wenn wir die Witze und Geschichten von unserem Guide nicht ganz verstehen, das wichtigste erklärt uns unser umgehängter Audioguide. Es ist interessant, denn alle Geräte in der Mine funktionieren noch, ob das nun die Frischluftzufuhr, der Bohrhammer oder die Wasserpumpe ist, alles macht in den engen Gängen einen höllen Krach und man kann sich bildhaft vorstellen, wie bei diesem Lärm die Mineure hier früher gearbeitet haben. Nach dem Ende des unterirdischen Teils auf 60m tiefe, fahren wir mit dem alten Aufzug direkt unter das Dach des oberirdischen Gebäudes. Hier ist es fast noch spannender wie unter tags, es wird erklärt, die die Kohlekarren geleert werden (jeder einzelnen wird einmal um die eigene Achse gekippt), wie der kleine Bahnhof funktioniert, die Kohle vom Gestein getrennt und gewaschen und schlussendlich in Bahnwagons abgefüllt wird. Wir sind beeindruckt.

Kohlewagenbahnhof oben in der Mine

Als wir nach zwei Stunden wieder beim Womo sind, hat sich der Stellplatz arg gefüllt, Womos von Belgien, Spanien, Deutschland etc. sind alle hier. Denn ab übermorgen findet in der Nähe das europäische Wohnmobiltreffen EuroCC statt, das dieses Jahr von den Belgiern organisiert wird. Aus diesem Grund sind wir auch hier, um morgen an der Sitzung der Wohnmobilclubs teilzunehmen und hereinzuhören, was in Sachen Womopolitik in Europa laufen wird.

Das Treffen selber werden wir aber nicht mitmachen, wir werden dann wieder alleine unterwegs sein und Belgien auf eigene Faust erkunden.

Übernachtung

Blegny - Kohlemine ***
Belgien, Stellplatz

Koordinaten: 50.68574, 5.7231454
N 50° 41' 8.7"  E 5° 43' 23.3"
letzter Besuch: 5.2022

Gent-Brügge-Kanal 1.6.2022

aber erst nach einer Sitzung

Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt, als wir Richtung Euro CC fahren. Dies ist ein Treffen von Wohnmobilisten aus 10 Ländern. Der FICM, der europäische Verband der Wohnmobilisten, hat hier in Belgien ein Treffen und die alljährliche Delegiertenversammlung. Und wegen dieser Versammlung bin ich nun hier und möchte mal etwas reinschnuppern.

Auf dem Gelände werden wir sehr freundlich empfangen und gleich einen Platz zugewiesen. Das ging schneller wie gedacht, so haben wir noch etwas Zeit, die provisorischen Entsorgungsstationen, Stellplatzeinteilungen etc. auf dem Fabrikareal zu begutachten.

Entsorgung über einem Schacht

Punkt 10 Uhr geht dann die Sitzung los, nur durch ein Mittagessen unterbrochen bis Abends um 18 Uhr. Ein langer Tag, vor allem weil praktisch nur französisch und englisch gesprochen wird, das ermüdet irgendwie schon noch mehr. Aber es war ein interessanter Tag mit vielen Gesprächen, die sich dann vor allem über den Mittag ergaben. So haben wir viele neue Menschen kennengelernt, die sich in allen möglichen Bereichen für den Wohnmobiltourismus einsetzen.

Abends um 19 Uhr nach den letzten Gesprächen, entscheiden Anita und ich, dass wir doch noch heute weiterfahren werden. Das Treffen zwischen den Wohnmobilisten geht zwar erst morgen richtig los, aber irgendwie müssen wir das im Fabrikareal nicht wirklich haben, irgendwo in der Natur fühlen wir uns wohler.


Während dem wir dann auf der Autobahn Richtung Brüssel fahren, sucht Anita auf einem Stellplatzapp einen Stellplatz an einem Fluss heraus. Wir programmieren unser Navi und fahren einfach den Anweisungen nach. Es hat wenig verkehr auf den dreispurigen Autobahnen, das kenne ich in Belgien ganz anders und bin darum positiv überrascht. Es ist alles auch an den Strassenrändern sauber und die Strassen habe ich auch viel schlechter in Erinnerung. Als wir dann kurz vor dem Eindunkeln auf dem Stellplatz ankommen, sind wir wiederum total erfreut. Sehr idyllisch, ruhig, direkt am Gent-Brügge-Kanal, kostenlos und dafür ohne Servicestelle. Das macht aber ncihts, wir müssen uns hier die Nacht ja nur erholen können.

Übernachtung

Aaltebei - Camperplaats Bellem *****
Belgien, Stellplatz
ruhig, idyllisch, direkt am Kanal, ohne Service, kostenlos
Koordinaten: 51.09947, 3.4933835
N 51° 5' 58.1"  E 3° 29' 36.2"
letzter Besuch: 6.2022

Middelkerke 2.6.2022

an Belgiens Küste

Die Nacht war am Kanal grandios. Hin und wieder begann es von weitem zu grummeln, immer lauter bis dann ein Frachter auf dem Kanal auftaucht, schön beleuchtet, und mit einem immer leiserwerdenden Rumoren auf der anderen Seite wieder verschwand. Wir mussten ein paar Mal einfach die Verdunkelungen wieder öffnen, um dieses Schauspiel zu geniessen. Es war einfach grandios. Auch morgens fuhren Frachter von links und rechts an unserem Womo vorbei. Anita hatte von diesen Anblicken so viel Kraft getankt, dass das 3-Minuten-Ei zum Frühstück keine reellen Chancen hatte und nicht überlebte…

Danach mussten wir einfach noch dem Kanal entlang eine Joggingrunde machen, bis zur nächsten Brücke und auf der anderen Seite wieder zurück. Die Strecke war dann knapp 7 km lang, aber immerhin 5 davon legten wir joggend zurück. Nicht, schlecht, oder?

Nachmittags packten wir dann endlich zusammen und ich erfülle Anita den Wunsch, die belgische Küste anzuschauen. Ich selber hatte von meiner Velozeit eher schlechte Erinnerungen: immer viel Wind, unfreundliche Städte, Tramschienen in den Strassen und diese erst noch voll eingewehtem Sand. Was soll daran auch schön sein?

Nichtsdestotrotz fahren wir weiter gegen Norden und kommen nach knapp 50km bei Knokke ans Meer. Danach fahren wir wie geplant auf dieser Strasse alles dem Meer entlang Richtung Westen, stoppen hin und wieder, um das Meer zu sehen. Es ist genauso, wie ich es in Erinnerung hatte. Durch Ostende läuft dann vor meinem inneren Auge alles wieder ab, die Strassen, der Sand, die Häuserschluchten, die gefährlichen Velorennen, die Windkante, die Belgier, die uns keine Chance liessen und die Strassen durchzogen mit Tramschienen und gefüllt mit Sand.

In Middelkerke fahren wir dann auf den Stellplatz Zeester, wo ich schon bei der Anmeldung eine halbe Krise bekommen. Bis da alles ausgefüllt ist, inklusive Name, Adresse, Telefonnummer, Emailadresse etc etc. ist ganz schnell 10 Minuten um, bis wir endlich auf einen Platz fahren können. Allerdings muss ich sagen, es ist dann gar nicht so schlecht, der Platz wurde vor ganz kurzem grosszügig erweitert.

Aber kaum sind war da, fahren wir mit dem Velo die 500m zum Meer und dort auf meiner berüchtigten Strasse zwischen den Tramschienen Richtung Middelkerke. Mit einer Länge von 67 Kilometern und 67 Haltestellen gilt das «Kusttram» als längste Straßenbahnlinie der Welt. Immerhin wurde diese Strassenbahn seit 1994 sehr modernisiert und ist nicht mehr die alte Klapperbahn, die ich in Erinnerung hatte. Auch die Städte Ostende (liegt am früheren östlichen Ende der ehemaligen Insel Testerep), Westende (wo lag wohl dieses Dorf, wenn die Belgier keine Fantasie haben?) und Middelkerke (und wo lag dieses Dorf? Richtig !!!) sehen aber irgendwie noch genau gleich aus. Hohe, ältere Hotels, tiefe Strassenschluchten und nichts romantisches, nur verbauter Beton und Glas. Noch ist momentan nicht viel los, aber über Pfingsten werden diese Orte explodieren, und im Sommer dann endgültig zur Hochform auflaufen, bevor sie die restliche Zeit wieder in den Dornröschenschlaf verfallen.

wegem dem Wind extra hohe Rückenlehnen

Wir geniessen den Betoncharme, nehmen in einer offenen Strandbar noch einen Drink und radeln danach im extrem starken Gegenwind wieder zum Stellplatz. Zwischendurch müssen wir uns auf die Ruhebänke mit der sehr hohen Rückenlehnen etwas ausruhen, denn dahinter ist es praktisch windstill…

Aber ich muss sagen, obwohl es hier den Charm eines Toasters nicht übertrifft, ist es doch gut, wieder einmal hier gewesen zu sein. Denn auch Toaster können hin und wieder schön sein.

Übernachtung

Middelkerke - Camperpark Zeester ***
Belgien, Stellplatz
aktuell vergrössert, die besten Plätze sind Nr. 20 - 50
Koordinaten: 51.19117, 2.8336555
N 51° 11' 28.2"  E 2° 50' 1.2"
letzter Besuch: 6.2022

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