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Finnland 2014
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Reisebericht

Im Tour Fieber 18.7.2026

Es hat mich tatsächlich gepackt

Wir fahren heute nach Frankreich und müssen das Dörfchen Les Rousses durchqueren. Und dort ist schon alles nach der Tour de France geschmückt, Fahnen hängen, gelbe Velos überall, Festwirtschafte vorbereitet und die kleinen gelben Pfeile, die signalisieren, wo die Fahrer morgen durchfahren müssen. Es sind immer noch die gleichen gelbe Pfeile wie vor über 30 Jahren, also ich die Tour de France Etappen noch mit allen anderen Rennfahrern absolvieren musste. Mein Fieber ist sogleich da, alles ist wieder präsent, die Tour wieder in meinem Kopf. Es ist unglaublich, was alles wieder hervorkommt.

Es war eine schöne Zeit, auch wenn es jetzt nicht minder schön ist. Vor allem sind die Beinschmerzen und die Leiderei viel kleiner, aber auch die Emotionen und Jubelschrei sind halt schon auch nicht mehr vergleichbar mit der Intensität des erlebten.

Es freut mich richtig, als wir bei der Skistation unser Womo parken und mit Schweizer Fahnen schmücken. Die Tour ist eben Le Tour.

Andere Womos aus unserer Fangruppe sind auch schon hier, mit manchen ist es ein Wiedersehen, andere lerne ich erst kennen. Es sind alles Radenthusiasten, oder einfach Fans, oder einfach Leute, die die Tour de France mal live erleben wollen.

Wir sitzen zusammen, ich erzähle aus alten Tagen, und während dem Erzählen fällt mir immer noch mehr ein. Immer mehr Erinnerungen kommen zum Vorschein.

Irgendwann bekomme ich ein Whatsapp mit einem Zeitungsbericht. Ich habe anscheinend wirklich fast genau diese Etappe, die die morgen Rennfahrer absolvieren und ich sie am Strassenrand anfeuere, tatsächlich gewonnen. Irgendwie ein schöner Zufall, und irgendwie bin ich darauf auch noch immer stolz. Hier an der Tour de France noch etwas stolzer, wie zu Hause. 

Werbekolonne 19.7.2026

und Rennfahrer

Nach einer ruhigen, aber schlecht geschlafenen Nacht müssen wir erst etwas in die Gänge kommen. Aber zuerst müssen wir die Marschtabelle dieser Etappe studieren: Ab 12 Uhr kommt die Werbekolonne, die Fahrer um 14:12 Uhr. Also noch Zeit, mit dem Velo ins nächste Dorf zu fahren und dort den Bergpreis zu inspizieren.

Kaum sind wir 3 km auf der für Autos schon gesperrten Strasse gefahren, werden wir von einem Flic angewiesen, bitte die Velos zu schieben und nicht mehr auf der Strasse zu fahren. Hä, es ist noch nicht 11 Uhr und schon dürfen wir mit den Velos nicht mehr auf die Strasse? Die Fahrer kommen erst in mehr als drei Stunden? Und da wir keinen Bock haben, die gesamten drei Kilometer oder mehr zum Womo zurückzulaufen, machen wir sofort kehrt. Wir laufen so lange, bis uns der Polizist nicht mehr sieht, schwingen uns auf die Velos und fahren zum Womo zurück. Wir müssen aber noch an zwei anderen Flics vorbei. Der erste schaut gerade in die andere Richtung, den zweiten tricksen wir mit einem «Sorry, wir verstehen nicht» aus.

Wieder beim Womo ziehen wir uns um, versorgen die Velos, ziehen die Schweizer Leibchen an, packen die Fahne ein, dazu Campingstuhl und Sonnenschirm sowie weisse Farbe und Pinsel. Dann laufen wir etwa 200 m weiter, bis wir einen tollen Ort an der Strasse finden, wo wir die Fahnen befestigen können und die Fahrer schon von Weitem sehen.

Kaum sind wir einigermassen bereit, rauschen schon die ersten Fahrzeuge der Werbekolonne vorbei. Wir winken wie wild, und schon fliegen uns die ersten Werbegeschenke zu. Und zwischendurch, wenn kein Fahrzeug kommt, pinseln wir schnell einen Buchstaben auf die Strasse, bis wir endlich das «Hopp Schwiz» fertig haben. In der Eile wird das Z noch falsch herum geschrieben, aber das merkt niemand.

Wir sind in Stimmung, erhalten einen französischen Güggel als Kostüm, M&M's, Teigwaren, Flaschenöffner, Gummibärchen, Vergünstigungen für einen Zooeintritt, Sonnenhüte, Halstücher und, und, und. Eine richtig erfolgreiche Stunde.

Danach läuft aber eine Stunde fast nichts mehr, bis dann immer mehr Polizeimotorräder, Mannschaftswagen und noch mehr Polizei kommen und wir am Himmel zuerst einen, dann einen zweiten, dritten, vierten und fünften Helikopter sehen. Die Fahrer können nicht mehr weit sein.

Und dann rauschen sie vorbei: zwei an der Spitze, etwas dahinter ein kleines Feld, mit etwas Abstand ein weiteres und dann ein dritter Teil. Anscheinend sind sie sehr, sehr schnell gestartet, wenn nach erst 40 km schon alles so aufgesplittert ist.

Und dann, nach endlosen vier Minuten, fährt noch Tom Van Asbroeck an uns vorbei, kurz vor dem Besenwagen. Er wird wie wild von den vielen Zuschauern angefeuert, aber ich kenne diese Situation nur zu gut: Lange wird er alleine nicht mehr weit fahren und irgendwann aufgeben. Das ist dann auch so. Aber auch der Zweite des Gesamtklassements muss wegen eines Sturzes die Segel streichen. Für uns wichtiger: Die Schweizer zeigen ein beherztes Rennen und wir haben riesige Freude, auch wenn sie es am Schluss knapp nicht in die ersten 10 schaffen.

Der erste Tag an der Tour war toll. Weniger toll war dann das Finalspiel im Fussball, das wir gemeinsam in unserem improvisierten Kino schauen: Mittels eines Beamers projizieren wir die TV-Bilder auf ein weisses Womo.

Was wir morgen genau machen, wohin wir fahren, ans Ziel des Zeitfahrens oder direkt auf die Alp d'Huez, wissen wir momentan noch nicht. Das wird sich morgen zeigen…

Noch klappt alles 20.7.2026

Nicht selbstverständlich

Wir sind als Gruppe mit 16 Womos an der Tour de France unterwegs. Da ist es nicht selbstverständlich, dass wir a) Platz haben, wo wir hinkommen, und b) auch noch in der Nähe der Strecke stehen können.

Heute ist die Weiterfahrt ans Zeitfahren mit Ziel in Thonon-les-Bains hinter dem Genfersee angesagt. Eine kleine Vorhut ist schon früher losgefahren, um die Lage zu checken und Standplätze zu suchen. Vor der Abfahrt hören wir von ihnen, dass es heute wohl keine Probleme geben wird. Das ist schön zu hören. Also fahren wir individuell zu unserem Zielpunkt. Von Reisezeiten zwischen zwei und drei Stunden ist alles dabei, und so treffen wir gestaffelt am Ziel des Zeitfahrens ein.

Und es ist wirklich problemlos, ausser dass bei der zweiten Kreuzung ein Wegweiser fehlt und alle gleich falsch fahren. Aber schlussendlich kommen alle beim sehr grossen temporären Stellplatz der Tour de France an. Und ein riesiges Kompliment an das lokale Organisationskomitee! Es gibt einen wirklich grossen Stellplatz für mehr als hundert Fahrzeuge auf einer grossen Wiese, total eben, schön und ruhig gelegen, mit Toiletten und temporärer Entsorgung, nicht einmal 700 m vom Zielstrich entfernt – und dies alles kostenlos. Was will man noch mehr? Ja, etwas gäbe es: wenn wir alle nebeneinander stehen könnten.

mit Manu und Robert

Aber unsere Vorhut mit Conny und Dominik lässt sich nicht lumpen: Auf dem grossen Gelände ist ein Bereich genau für unsere Schweizerecke abgesperrt und reserviert. Deutlich markiert mit einer grossen Schweizer Fahne. Was will man da mehr? Besser geht einfach nicht.

Zielaufbau

Und so werden wir von den lokalen Parkplatzeinweisern freundlich empfangen und zu unserer Schweizerecke hingeführt. Dass so etwas nicht selbstverständlich ist, ist allen bewusst, und unsere Vorhut hat wohl ihren ganzen Charme spielen lassen, damit so etwas möglich ist. Und natürlich haben sie nebenbei auch erwähnt, dass ich an der TdF schon eine Etappe gewonnen habe, und das öffnet im Radsport immer noch die eine oder andere Türe. Als Dank veranstalten wir für Manu und Robert, die lokalen Organisatoren, wobei wir noch immer nicht genau wissen, wofür sie eigentlich zuständig sind, einen kleinen Apéro. Den haben sie sich aber auch verdient, schliesslich hätten wir ohne sie keinen so schönen Stellplatz.

Aussicht im Städtchen

Etwas später fahren die einen die Zeitfahrstrecke mit ihren Velos ab, andere schauen interessiert dem Aufbau des Zielbereichs zu oder geniessen ein feines Essen im Städtchen.

Ich teste natürlich das Zielpodium: Weiss ich noch, wie es sich damals angefühlt hat? Na ja, die Gefühle kommen nicht mehr hoch, schliesslich ist es auch schon sehr lange her. Und mit kurzen Jeans auf dem Podium??

Test des Podiums

Anita und ich essen am Seeufer einen feinen Znacht, schauen bei der Werbebeschriftung der Strasse etwas zu und sitzen abends dann noch ziemlich lange mit den anderen Mitreisenden vor den Womos zusammen.

Morgen schauen wir das Zeitfahren, und danach geht es an die grosse Unbekannte. Wie und wann kommen wir noch auf die Alp d'Huez?

Irrlaufen 21.7.2026

Strenger wie die Radprofis

Wir schlafen aus, geniessen das schöne Wetter auf dem Platz, z’mörgelen vor dem Womo. Wir haben es nicht eilig, denn die Werbekolonne kommt hier im Ziel erst um 12 Uhr an und der erste Rennfahrer ca. um 14 Uhr. Ab dann wird jede (oder am Schluss alle zwei) Minuten ein Fahrer im Ziel sein. Der letzte also erst kurz vor 18 Uhr. So lassen wir bewusst die Werbekolonne aus und wollen danach die 700 m bis zum Ziel laufen.

Kurz vor Mittag erreicht uns dann die Meldung, dass die Zufahrt zur Alp d’Huez immer ab 22 Uhr bis 6 Uhr morgens gesperrt ist. Mist, wir wollten nach dem Zeitfahren dorthin fahren und wären erst um Mitternacht da oben angekommen. Was machen wir nun? Es gäbe die Möglichkeit, um 16 Uhr hier wegzufahren, damit wir früh genug vor der Schliessung oben sind. Aber dann sehen wir nur die Hälfte der Rennfahrer.

der Beweis, dass wir hier sind

Anita und ich entscheiden, dass wir heute das ganze Rennen geniessen und also hier schlafen, dafür um 4 Uhr wegfahren, so dass wir etwa um 7 Uhr unten an der Alp d’Huez sind und dann schon hochfahren können, um so noch einen Platz ergattern zu können. Die Meinung in unserer Gruppe ist geteilt, und so fährt etwa die Hälfte heute Nachmittag los und die andere Hälfte morgen früh noch fast mitten in der Nacht.

Also marschieren wir zuerst mal ins Ziel, bestaunen die Bauten, die extra aufgestellt wurden, und beklatschen die ersten kaputten Fahrer, die ins Ziel kommen. Danach laufen wir zwischen vielen Leuten der Strecke entlang zum Genfersee. Immer wieder quietschen Reifen von Mannschaftswagen, die hinter ihren Fahrern nachhetzen, um bereit zu sein, wenn ein Defekt eintritt. Wir geniessen den Rummel, die immer zahlreicheren Leute, die Verkaufsstände, die Lautsprecherdurchsagen.

überall sehr viele Zuschauer

Nach zwei Kilometern sind wir am Fusse der Funiculaire, einer kleinen Standseilbahn, die uns weg vom Genfersee hoch in die Altstadt von Thonon-les-Bains bringt. Die Schlange davor ist lang, in dieser Hitze will niemand hochlaufen, aber es geht sehr gesittet zu und wir sitzen nach kurzer Wartezeit in der Bahn und steigen oben aus. Dort ist der Rummel sogar noch etwas grösser, wieder fahren die Fahrer vor der Nase durch, Zuschauer applaudieren, Leute (und Järmanns) kaufen in den Souvenirshops unnötige Dinge der Tour de France.

Weiter schlendern wir der Strecke entlang und bei der Kilometermarke 4 bis zum Ziel hören dann die Absperrgitter auf und wir können die Strasse überqueren. So entscheiden wir, nun der gesamten Strecke bis zum Ziel zurückzulaufen und so 4 km lang die Fahrer anzufeuern.

2 km vor dem Ziel gibt es in einer Abfahrt eine spektakuläre Spitzkurve, es hat besonders viele Zuschauer, das Durchkommen ist gar nicht so einfach. Dann wird es immer enger und wir kämpfen uns durch die Massen der Zuschauer. Dann, 1,5 km vor dem Ziel, gibt es plötzlich kein Durchkommen mehr. Die Fahrer brauchen unsere gesamte Strassenseite, der Weg ist versperrt. Wenn wir auf der anderen Seite der Strasse wären, ginge es weiter, aber es gibt kein Überqueren der Rennstrecke, unmöglich (es hat viele Polizisten, die das kontrollieren). Absolut nichts zu machen. Mist, also wieder zurück durch alle Leute, bis es dann irgendwann, nach unendlich langer Zeit, eine Passage unter der Strasse durch ein Parkhaus gibt, wo wir endlich wieder auf der anderen Seite sind.

der grosse Radstar

Nun also schnellstens zum Ziel zurück und so sind wir gerade rechtzeitig dort, um die letzten zehn Fahrer zu sehen. Evenepoel, der zweitletzte Fahrer, gewinnt das Zeitfahren, Pogacar, der letzte, wird Zweiter. Genau mein Tipp der Rangliste heute. Gut, so schwer war das jetzt nicht. Wir machen ein Foto von Pogi und Remco, schauen von Weitem die Siegerehrung und danach sind wir nach kurzer Zeit zurück beim Womo.

Der Weltmeister als Etappengewinner

Fix und fertig, nach 11 km Laufen durch Menschenmassen in der Sommerhitze der Tour de France.

Ich glaube, viele Fahrer hatten heute einen leichteren Tag und weniger Schmerzen in den Beinen wie wir. Es war aber absolut ein toller Tag und unbedingt auch eine Empfehlung wert.

Nun heisst es aber, früh ins Bett zu gehen, denn der Abreisezeitpunkt wurde auf 3:30 Uhr vorverlegt. Auf der Alp d’Huez soll alles schon ziemlich voll sein… Wenn alles klappt, stossen wir dort wieder zum anderen Teil unserer Reisegruppe.

Organisation français 22.7.2026

Chaos, Polizei und andere Unannehmlichkeiten

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende. So könnte man den heutigen Tag mit der Anfahrt auf die Alp d’Huez betiteln.

Aber von Anfang an. Unser Wecker klingelte um 3:25 Uhr, um 3:30 Uhr wurden die Motoren gestartet und unser Abenteuer Alp d’Huez beginnt. Mit uns fahren noch zwei andere Womos. Hanspeter fährt später, da er noch eine Sicherung für sein Elektrik-Problem suchen muss, Markus ist seit drei Tagen oben und sechs Womos sind seit gestern Abend auf der Alp.

Was wir von ihnen hören: Wahrscheinlich hat es noch Platz. Nicht ganz so vertrauenswürdig diese Infos. Oder anders gesagt: ungefähr gleich präzise wie ein Wetterbericht für nächsten Monat.

Also fahren wir Richtung Grenoble, entsorgen auf einer Autobahnraststätte und weiter nach Le Bourg-d'Oisans. Jeden Kilometer, den wir näher kommen, steigt die Spannung: Ist die Bergfahrt für Womos noch geöffnet? Dann der letzte Kreisel und siehe da, wir fahren tatsächlich in die Steigung rein. Ein wichtiger Teil ist geschafft.

Nun geht es steil hinauf, 21 Kehren, jede einzeln beschriftet und nummeriert. Jeder nur erdenkliche Ausweichplatz ist von Wohnmobilen, Dachzelten oder Wohnwagen besetzt. Offenbar hat ganz Europa dieselbe Idee gehabt. Da es erst 7 Uhr ist, hupen wir zur Begrüssung bei keinem Rennvelofahrer, den wir überholen. Man muss es ja nicht gleich am ersten Morgen mit allen verderben.

warum dürfen andere und Markus nicht!

Dann kommt die Kehre Nr. 6, dort, wo die Polizei Markus vor drei Tagen weggeschickt hat: Es darf kein Womo an der Strecke stehen! Was machen denn alle anderen? Und in der Kehre 6 stehen nun zwei Dänen und ein Belgier, aber kein Markus. Er ärgert sich grün und blau, dass er auf Befehl weggefahren ist und nachher nicht mehr zurückkehrte. Offenbar gilt das Halteverbot nicht für alle gleich.

Nach der Kurve 1 sind wir bald im Dorf. Nichts angeschrieben, keine Ahnung, wo die Parkplätze für Wohnmobile sind. Wir fahren die Zielgerade hoch, die noch ganz leer ist, immer weiter hoch, bis wir irgendwo zwischen einer Baustelle auf eine Wiese fahren, wo schon andere Camper platziert sind. Frei nach dem Motto: Wenn schon alle hier stehen, kann es ja nicht ganz falsch sein.

Zielgerade noch leer

Wir finden ein kleines Fleckchen, das noch frei ist. Allerdings müssen wir unsere Womos so hinquetschen, dass wir die Garage nicht mehr öffnen können, Jörg total schräg steht und Dominik nicht zur Ausbautüre raus kann. Einmal eingeparkt, gilt: Bitte bis Freitag nichts mehr brauchen. Aber wir haben einen Platz, das ist das Wichtigste. Da es erst halb acht ist, legen wir uns nochmals aufs Ohr.

endlich schön platziert

Wir werden von Klopfen an der Türe geweckt und einer angeregten Diskussion draussen. Anscheinend stehen wir auf einem Durchfahrtsweg für Biker und der Chef des nebenanliegenden Bikeparks ist überhaupt nicht zufrieden und ruft die Polizei. Die macht uns schnell klar, dass wir hier weg müssen. Aber wohin denn? Sie machen uns den Vorschlag, gleich daneben ins knietiefe Gras zu fahren. Wenn sie das meinen? Also spielen wir nochmals Tetris mit unseren Womos und parken alle schön nebeneinander im Gras. Der neue zugewiesene Platz ist viel, viel besser als der alte und vor allem haben wir jetzt sogar Platz zum Atmen. Manchmal muss man eben zuerst vertrieben werden, um den besseren Stellplatz zu bekommen.

Wir haben sogar Platz, um Fritz anzurufen, ob er auch hier stehen will, und für Hanspeter haben wir ebenfalls noch Reserve. Wenn das nicht purer Luxus ist? Allerdings gibt es gleich das nächste Theater mit den Arbeitern der Baustelle daneben. Fritz darf den Zufahrtsweg nicht benützen und wir müssen ihn von der anderen Seite umleiten. Also Zaun öffnen, durchs Gras fahren und dann ist auch sein Womo platziert. Ganz offiziell... oder zumindest fast.

Fast gleichzeitig bekommen wir die Meldung, dass Hanspeter das Sicherungsproblem gelöst hat und in Grenoble im Stau steht. Es könnte also noch dauern.

Wir sitzen natürlich nicht untätig zusammen, sondern schnappen unsere Velos und fahren vier Kilometer runter zur Kurve 1. Nach intensiven Diskussionen befinden wir, dass dies der richtige Ort ist, um am Freitag die Rennfahrer anzufeuern. Wir müssen nur früh genug da sein, um diese Kurve zu besetzen.

Kehre 1

Also wieder vier Kilometer hoch zum Womo – ohne E-Motor, wohlgemerkt – und endlich etwas ausruhen.

Aber nichts da. Hanspeter telefoniert. Er steht unten an der Alp d’Huez und die Strasse ist gesperrt. Sie lassen keine Wohnmobile mehr hoch! Der Streckenposten redet nur Französisch, Hampi alles, nur das nicht.

Also rede ich via Telefon mit dem Streckenposten und erkläre ihm, dass wir Hampi dringend brauchen, er einen reservierten Platz hat und wir eine Reservation im Restaurant etc. etc. etc. Schliesslich maile ich Hampi unsere Reservation, die er dann gemeinsam mit dem Streckenposten durchackert. 45 Minuten läuft das Theater und dann darf Hampi tatsächlich mit dem Womo noch hochfahren. Alle jubilieren. Fast ein bisschen wie ein Etappensieg.

Keine fünf Minuten später wieder ein Telefon. Schon wieder ein Streckenposten, der ihn nicht hochfahren lässt. Das Theater beginnt von vorne, geht aber etwas schneller, bis das Womo sich wieder bergwärts in Bewegung setzen darf. Wie viele solcher Streckenposten kommen denn bitte noch? Wahrscheinlich einer pro Kehre.

Aber schlussendlich quetscht sich auch Hampi zu unseren Womos. Gerade rechtzeitig, um wieder ins Dorf unterwegs zu unserem reservierten Restaurant zu sein für einen kleinen Vortrag über Radsport, Tour de France und Doping. Und das für alle unsere Mitreisenden in der Gruppe.

Als wir beim Restaurant ankommen: niemand hier. Restaurant geschlossen. Merde, was ist heute nur los? Das Hotel nebenan telefoniert dem Besitzer und der hat unseren gemieteten Raum total vergessen. Auch das noch. Wenigstens ist ihm unsere Reservation fürs Nachtessen noch im Gedächtnis geblieben. Immerhin etwas.

20 Minuten verspätet beginne ich dann zu erzählen. Auch das Nachtessen danach war echt fein und der Abend nach etlichen Schwierigkeiten doch noch gerettet.

Rückblickend war es eigentlich ein ganz normaler Tag an der Tour de France. Nur mit etwas mehr Französisch, etwas mehr Polizei und deutlich mehr Tetris als erwartet.

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