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Schweden 2018
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Reisebericht

Alp d’Huez 23.7.2026

viel steiler wie früher

Heute kommen keine neuen Womos mehr auf der Alp d’Huez an – alles voll, unten ist abgeriegelt. Es gibt kein Durchkommen mehr. Nur noch diejenigen Womos dürfen hoch, die zum offiziellen Tour-Tross gehören, also Womos von Arbeitern, Teams, Streckenausschilderung etc. etc.

Wir von unserer kleinen Reisegruppe haben verschiedene Ziele: Die einen biken zu den drei Seen hoch, die anderen fahren den ganzen Tag mit den Gondeln herum, vom Pic du Lac Blanc bis hinunter nach Auris-en-Oisans. Schliesslich kann man für 23 Euro den ganzen Tag alle Gondeln benützen. Und nur die ganz, ganz Harten fahren mit dem Velo die 14 Kilometer bis ins Tal hinunter, zwischen Tausenden von anderen Velofahrern bergauf oder bergab fahrend, nur um unten im Tal um den Kreisel zu fahren und sich anschliessend wieder den Berg hochzukämpfen. Schliesslich will man auch einmal die Strecke der Profirennfahrer hochfahren. So weiss man wenigstens, was die eigentlich leisten.

ein buntes Treiben

Anita und ich sind natürlich in der dritten Gruppe. Wir fahren ganze 45 Minuten runter, bis wir unten sind. Und dann kommen die ersten Gedanken: War das wohl richtig? Mögen wir da wirklich wieder hochfahren? Die Strecke war schon extrem lang und auch sehr steil. Viel steiler, als ich sie in Erinnerung hatte. Na gut, ich war vor 30 Jahren das letzte Mal hier. Es scheint, als wären die Berge in der Zwischenzeit einfach noch etwas gewachsen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Aber egal, wir fahren den Berg hoch. Jeder in seinem Rhythmus. Gianna und Riccardo schlagen mit ihren Velos ohne Motor ein ziemliches Tempo an. Ich selber gehe die Sache ganz gemütlich an. Schliesslich warten noch über 1100 Höhenmeter auf mich. Und nicht nur auf mich. Schliesslich ist auch Anita runtergefahren. Silvia, Fritz und viele andere ebenfalls. Hut ab vor allen, die mit uns da runtergerast sind – egal ob mit E-Bike oder normalem Velo. Einigen wurde ihr Mut, glaube ich, erst unten im Tal so richtig bewusst.

Die Steigung legt gleich richtig los. Auf den ersten 2,5 Kilometern beträgt die durchschnittliche Steigung über 10 Prozent. Das ist schon eine ziemlich unfreundliche Begrüssung. Ich trete meinen Tritt, langsam aber stetig. Unten geht es noch gut. Natürlich auch deshalb, weil Tausende andere dasselbe machen und man garantiert immer jemanden findet, der noch langsamer ist. Das baut auf.

Anita und ich noch ziemlich frisch

Die bereits postierten Zuschauer für morgen feuern einen an. Es herrscht ein wildes Treiben. Rennvelofahrer fahren runter, Rennvelofahrer fahren hoch – einige laufen auch – und dazwischen zwängen sich immer wieder Lastwagen hindurch, die noch Absperrgitter aufstellen. Frankreich eben. Irgendwie funktioniert am Ende doch alles.

Nach einigen Kilometern treffen wir uns alle in einem kleinen Festzelt. Cola trinken, Kräfte tanken, jammern. Danach geht es weiter den Berg hoch. Und es zieht sich. Und wie. Bloss nicht nach oben schauen. Die nächsten Kehren liegen gefühlt irgendwo im Nachbarkanton.

Ich fahre meinen Rhythmus, Anita mit E-Unterstützung neben mir. Aber immer auf der kleinsten Stufe. Man weiss ja nie, ob die Batterie bis ganz nach oben reicht. Zwischendurch fliegt ein bergabfahrender Fahrer in ein Auto, das ihm den Weg abschneidet, und landet sozusagen direkt vor unseren Füssen. Zum Glück scheint ausser Blech und Stolz nicht allzu viel kaputt zu sein. Es wird wohl nicht der einzige Sturz des Tages bleiben.

Udo gut gelaunt bis ganz oben

Ich gebe es ehrlich zu: Zwischendurch musste ich im Schatten eine kleine Pause machen, bevor es weiterging. Man könnte natürlich auch sagen, ich habe die Aussicht genossen. Die obersten fünf Kilometer sind dann für Autos gesperrt. Abschrankungen links und rechts, und wir Velofahrer sind unter uns. Obwohl es nun etwas weniger steil ist, kann ich trotzdem nicht mehr schneller fahren. Aber wen interessiert's? Ich bin ja nicht auf der Flucht.

Dann endlich, nach rund zwei Stunden, sind wir oben und kommen auf der Restaurantterrasse bei den anderen an, um uns zu stärken. Ich bin unterwegs bestimmt tausendmal überholt worden. Aber ich denke immer: Ihr seid doch nicht wirklich gut, wenn ihr das Gefühl habt, in 70 Minuten hochfahren zu müssen. Macht das doch. Kämpft. Leidet. Ich bin hier früher schon unter 45 Minuten hochgefahren – und damals nicht einmal am Limit. (ich dachte das jeweils nur, um mich selber zu motivieren! Es war heute jeder stark, der die Steigung bezwang!!!)

Allerdings nützt mir das heute herzlich wenig und ich komme fix und fertig oben an. Aber irgendwie bin ich doch stolz, dass ich mit meinen rund 200 Trainingskilometern die Alp d’Huez nochmals geschafft habe.

Jörg mit allen Siegern

Und ganz ehrlich: Es war heute genauso beeindruckend wie damals, als ich während des Rennens hochgefahren bin. Eigentlich war die Leistung heute sogar grösser. Damals konnte ich die Etappe sowieso nicht gewinnen. Also bin ich locker vor der Besenwagenkolonne hochgefahren und musste mich deutlich weniger anstrengen als heute. Und auch nicht so lange.

Heute hingegen habe ich zwar auch nicht gewonnen. Aber immerhin bin ich oben angekommen. Und manchmal fühlt sich genau das wie ein Etappensieg an.

9:35 Std warten 24.7.2026

bis die Fahrer kommen

Noch 10:07 Std. bevor der 1. Fahrer durchfährt: wir ziehen als kleines Grüppchen los Richtung Ziel und Kurve Nr. 1. Es hat 8 Grad, Laune ist sehr gut.

Tagesstart

Noch 9:45 Std.: wir sind nach einem schnellen Marsch bei Kurve 1 angekommen. Zwei andere Fangruppen mussten wir überholen, falls diese auch zur Kurve 1 wollen. Wir kommen aber gut an, die Kurve ist noch frei. Die Sonne erfrischt die Kurve, langer Pullover ausziehen, ins T-Shirt wechseln.

Noch 9:35 Std.: die wichtigen Schweizerfahnen hängen, die Kurve ist als Schweizer Kurve markiert. Blöd nur, mitten auf der Strasse ist eine Norwegenflagge hingemalt. Wenn wir nun dort das dunkelblau mit weiss übermalen, hätten wir fast eine Schweizer Flagge.

Bereit, die Fahnen hängen

Noch 9:20 Std.: wir hängen auch noch Flaggen an die Bäume im Hang oben, die Norwegenflagge haben wir doch nicht mehr übermalt, das wäre nicht fair. Aber erste slowenische Pogi-Fans kommen und müssen sich nun am Hang oben positionieren mit ihren gelben Leibchen

Noch 9:10 Std: die Norweger kommen und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Innenseite der Kurve zu nehmen.

Noch 9:00 Std.: der Veloverkehr nimmt schlagartig zu, von oben und unten fahren tausende Velofahrer in beide Richtungen.

Noch 8:50 Std.: weitere Schweizer aus unsere Gruppe kommen und bringen weitere Schweizer Fahnen mit. Auch die werden aufgehängt. Inzwischen hängt auch eine Flumser-Flagge, was auch immer die hier zu suchen hat.

Noch 8:40 Std.: mit dem Velo hochfahrende Schweizer sehen die Flumserflagge und fragen, ob sie sich etwas später zu uns stellen dürfen. Ja, dürfen sie, wenn sie eine Kiste Bier mitbringen und ein Cola.

Noch 8:20 Std: Otmar hat endlich seinen Sonnenschirm mit Ästen fixiert, damit wir den Schatten am richtigen Ort haben.

Noch 8:00 Std.: Der Veloverkehr ist unfassbar, geschätzte 100'000 Tausende fahren den Berg hoch und runter. Stimmung sehr gut.

Noch 7:00 Std.: die Nachhut kommt mit einer Kanne heissem Kaffee und frischen Gipfeli, was für eine Wohltat.

Noch 6:30 Std.: wegen den vielen Leuten müssen wir uns absichern. Zwei Absperrgitter trennen wir, damit können Zuschauer in die hintere Wiese ausweichen und sich nicht zu uns drängen. Dazu rücken wir unsere Absperrgitter etwas zum Strassenrand, damit zwischen Mauer und Gitter nur noch 50cm sind, so kommt keiner auf die Idee, bei uns durchlaufen zu wollen.

Noch 6 Stunden.: Die anderen Schweizer kommen tatsächlich mit Bier und einem Cola den Berg runter. Also gesellt euch zu uns.

Noch 4 Stunden.: erste Polizisten tauchen auf

Noch 3:10 Std.: ein Merchendaising-Fahrzeug hält vor unserer Schnauze und verkauft überteuerte gelbe Regenschirme und TdF-Mützen. Dazu macht es dauernd Werbung durch ein penetrantes Megafon. Die Leute stehen vor unserer Schnauze Schlange und kaufen wie wild.

Noch 2:45 Std.: das penetrante Fahrzeug steht immer noch vor unserer Schnauze und die Leute stehen noch immer Schlange und das Megaphone ist noch immer in Betrieb.

Noch 2:30 Std.: die Strasse wird durch die Polizisten subito gesperrt. Kein Velofahrer darf sich mehr auf der Strasse bewegen. Alles ist nun frei, nur ein paar unverbesserliche werden deutlich und harsch von den Polizisten weggeputzt. Das penetrante Auto ist endlich weg.

Noch 2:21 Std.: die ersten Fahrzeuge der Werbekolonne passieren. Es ist die Kurve mit den meisten Zuschauer, und so werden fleissig Werbegeschenke rausgeworfen. Aber meistens auf die Innenseite der Kurve. Aber als die Leclerc-Wagen kommen, die, wo wir unbedingt ein weisses T-Shirt mit roten Punkten ergattern wollen, sieht alle unsere Schweizer Fahnen, fährt zu uns und verteilen unserer Gruppe doch wirklich fast jedem ein T-Shirt!

Noch 2:18 Std. Fast jeder von uns trägt nun eines der gepunkteten T-Shirts.

Noch 1:15 Std.: das letzte Fahrzeug der Werbekolonne passiert uns. Nun wird es ruhiger. Hin und wieder passiert ein Teamwagen oder ein Pressefahrzeug die Strasse. Kein Mensch, der nicht zum Tourtross oder zur Polizei gehört, darf die Strasse betreten oder befahren. Die Norwegischen Fans gegenüber, die mit der Flagge auf dem Boden, beginnen zu rudern…

Noch 30 Minuten: die vier Übertragungshelikopter kreisen über uns, der TV-Helikopter ist aber noch nicht in Sicht.

Noch 15 Minuten: Polizeitöffs passieren die Strecke, unsere Polizisten vor Ort setzen den grimmigen Blick auf. Strasse überqueren ist nicht mehr möglich. TV-Helikopter sehen wir am Himmel.

Noch 5 Minuten: das gelbe Motorrad passiert und gibt den Rennstand an. Pogacar nur noch 1:05 Min Rückstand auf die Spitze.

Noch 2 Minuten: Fotografen- und Polizeitöffs en Mass, auch der blaue neutrale Materialwagen fährt vorbei.

Noch 1 Minute: die Spannung steigt ins unermessliche, wir hören die Zuschauer weiter unten höllisch applaudieren und schreien.

0: P. Carapaz fliegt in einem unheimlichen Tempo an uns vorbei den Berg hoch, der Lärm von den Zuschauern ist ohrenbetäubend. Wir sind ca. 0.8 Sekunden in der Live-Übertragung des TV’s.

Nach 15 Sekunden: T. Pogacar fliegt noch schneller in Gelb an uns vorbei, der Lärm wird noch lauter, vor allem von den Pogi-Fans oben am Hang. Kurze Zeit später holt er Carapaz ein.

Danach alle 20 Sekunden leidet ein Fahrer den Berg hoch, die Meute applaudiert, egal was für ein Fahrer kommt. Einige sehen ziemlich kaputt aus, aber die hinteren geniessen den Jubel sichtlich oder feuern sogar die Zuschauer an. Ein Mannschaftswagen von Tudor (Schweizer Mannschaft) hält bei unserer Gruppe und den vielen Schweizer Fahnen und schenkt uns noch 30 kleine Schweizerfahnen für unsere Autos. Unsere Stimmung ist auf dem Siedepunkt!

Die Fahrer motivieren die Zuschauer

Ein anderer Fahrer hält in unsere Kurve an, umarmt und küsst eine Frau und ein Kind, in der Zwischenzeit wird er von drei anderen Profis überholt. Ihm ist es egal, er küsst weiter und danach fährt er dann endlich weiter.

Einzelne fahren freihändig den Berg hoch und feuern die Zuschauer mit einer Welle an. Sie fahren übrigens freihändig schneller, wie alle, die wir vor dem Rennen gesehen haben.

Exakt 30 Minuten nach dem ersten Fahrer fährt der letzte vorbei. Dahinter der Besenwagen, der keinen Besen mehr sichtbar angebunden hat. Die Tour ist vorbei. Das Gewühle und Gedränge geht los.

11:02 Std nach dem Start sind wir endlich wieder beim Wohnmobil, braungebrannt, müde und mit einem Erlebnis zurück, das wir wahrscheinlich nie mehr erleben werden.

Die grimmige Polizistin 25.7.2026

Auf dem Pass

Wir sind heute Morgen etwas kaputt. Der gestrige Tag hat bei uns Spuren hinterlassen, also schlafen wir etwas länger als normal. Abgemacht war, dass wir heute um 9 Uhr Richtung Col de la Sarenne laufen bzw. fahren. Mit dem Velo die fünf Kilometer von unserem Womo bis dorthin und dann dort die Fahrer anfeuern. Die Kurve 1 an der Alp d’Huez haben wir gestern lange genug gesehen. Heute sollen andere Fans diesen genialen Platz erhalten.

Um 9 Uhr verzichten wir aber. Wir werden etwas später hinlaufen, denn mit den Velos wird es dann sowieso nicht mehr gehen. Erst um 11 Uhr können wir uns endlich entscheiden, etwas zu unternehmen. Wir packen unseren Rucksack und fahren mit der Bergbahn auf die erste Station Richtung Pic du Lac Blanc.

Bei der Station wären wir eigentlich gerade in Stimmung gewesen, auf der Restaurantterrasse etwas Feines zu essen. Leider gibt es dort nur eine Imbissbude, und darauf haben wir keine Lust. Also wandern wir los Richtung Südwesten. Wir müssen irgendwie links von der Landepiste hier oben hinunterkommen. Die Wanderwege führen nämlich alle direkt nach Alp d’Huez runter, und genau das wollen wir nicht.

auf dem Weg zur Tour de France

Also geht es zuerst etwas querfeldein und irgendeine Skipiste hinunter, bis wir endlich wieder auf einem richtigen Wanderweg landen. Zum Glück habe ich so eine unkomplizierte Frau. Ich glaube, wenn ich sagen würde: «Wir gehen jetzt da den Hang runter, dort hinten sieht es irgendwie nach einem Weg aus», kommt höchstens ein: «Na gut.» Andere hätten an dieser Stelle wahrscheinlich schon Google Maps verklagt.

Entlang eines Bergbaches ist es wunderschön und wir geniessen es, einmal ganz alleine zu sein. Weit unten sehen wir die Strasse, wo die Zuschauer schon stehen, und viele Womos, die dort auf einem anderen Stellplatz stehen. Genau dort wollen wir hin.

Quer über die Wiese sind wir dann doch recht schnell am Streckenrand und am Treffpunkt mit den anderen. Wir haben abgemacht, hier die Rennfahrer zu schauen, und Riccardo, Sandra und Gianna haben uns direkt an der Strecke zum Grillieren eingeladen. Mit Sicht auf die Rennfahrer, besser geht es kaum.

Aber kaum läuft der Grill, kommt eine Polizistin heranmarschiert, schaut streng und wedelt mit dem Finger. Kein Feuer. Waldbrandgefahr. Auch mit dem Gasgrill. Mist, also keine feinen Würstchen heute.

Den Grill dürfen wir aber auch nicht zu ihrem Womo bringen, denn dafür müssten wir die Strasse überqueren. Und das liegt nicht drin. Obwohl die Fahrer erst in vier Stunden kommen.

Wir nerven uns ein bisschen. Jedes Mal, wenn wir uns dem Strassenrand nähern, schaut die Polizistin grimmig und macht ein paar Schritte auf uns zu. Es darf niemand auf die Strasse. Auch nicht für fünf Sekunden. Weit und breit aber kein Auto in Sicht und wir sehen fast zwei Kilometer weit die Strasse hinunter. Ein paar hundert Meter weiter unten sind die Absperrungen zu Ende und die Holländer feiern und singen mitten auf der Strasse. Und wir dürfen nicht einmal mit dem kleinen Zeh den Asphalt berühren.

Na gut, dann ist es eben so. Aber was die da unten können, können wir auch. Über den Lautsprecher laufen Mundartlieder, unsere Cheerleader tanzen und unterhalten die anwesenden Zuschauer. Die Stimmung ist gut, die Aussicht ebenfalls und überhaupt kein Gedränge wie in Kurve 1. Wir sitzen am Strassenrand, liegen in der Wiese, diskutieren, fachsimpeln oder schlafen. Also nicht alle gleichzeitig.

Cheerleaders für die Stimmung

Es geht noch lange, bis die Fahrer kommen, aber nicht mehr lange bis zur Werbekolonne. Allerdings müssen wir dann mit Bestürzung feststellen, dass die Werbekolonne den Col de la Sarenne auslässt und gar nicht hier hochkommt. Keine Mützen, keine Schlüsselanhänger, keine Gummibärchen. Das Warten geht aber trotzdem bei guter Stimmung weiter.

Irgendwann kommen dann wieder die Übertragungshelikopter in Sicht, etwas später der Kamerahelikopter, dann viele Polizeitöffs, Materialwagen und bald sehen wir unten die Fahrer.

einfach tolle Stimmung und toller Sport

Fast einzeln fahren sie an uns vorbei. Hoch konzentriert, kämpfend, leidend und unglaublich schnell. Schliesslich sind es von hier nur noch acht Kilometer bis ins Ziel. Zuerst vier hinunter und dann die letzten vier wieder hinauf. Als ob der Tag noch nicht hart genug gewesen wäre.

Die Etappe war brutal. Das sieht man den Fahrern an. Nicht einmal im Grupetto, der letzten Gruppe, wird gemeinsam gefahren. Fahrer werden abgehängt, andere fahren vorne weg. Das ist ungewöhnlich und zeigt, wie hart diese Etappe wirklich war.

Dann ist der Besenwagen vorbei und wir sind bereit, die Grillutensilien zum Womo über die Strasse zu tragen.

Aber nix ist.

Die Polizistin schaut grimmig, winkt und signalisiert wieder: Kein Zeh auf den Asphalt!

Also warten wir nochmals fünf Minuten. Und nochmals fünf. Und nochmals fünf. Wir dürfen immer noch nicht auf die Strasse. Die Zuschauer mit den Velos müssen ihre Räder durchs Gras schieben, die Strasse ist aber komplett leer und seit zehn Minuten ist kein einziges Auto mehr vorbeigefahren. Wir begreifen die Welt nicht mehr.

warum dürfen wir nicht rüber?

Ich weiss, mit einer französischen Polizistin diskutiert man besser nicht. Aber irgendwann verjagt es mich und ich rufe ihr ein paar nicht ganz freundliche Wörter zu. Wir wollen ja nur über die Strasse. Auf einem Pass auf 2000 Metern Höhe. Die Strasse ist drei Meter breit und normalerweise kommt hier pro Stunde etwa ein Auto vorbei.

Die Polizistin bleibt unbeeindruckt. Die Strasse sei gesperrt. Das seien ihre Anweisungen.

Ich kann es nicht fassen.

Zehn Minuten später kommt ein anderer Polizist vorbei, der vorher etwa 50 Meter weiter oben gestanden hat. Er schaut uns an, schaut auf die völlig leere Strasse und scheint unsere Verzweiflung zu verstehen. Er redet kurz mit seiner Kollegin und überzeugt sie tatsächlich, dass wir jetzt über die Strasse dürfen.

Wir marschieren rüber, als hätten wir soeben die Landesgrenze überschritten.

Kaum sind wir drüben, wird hinter uns sofort wieder gesperrt.

Grund: unbekannt.

Immerhin sind wir jetzt beim Womo von Riccardo und dort wird der Grill endlich wieder aufgestellt. Die Würstchen brutzeln doch noch und wir geniessen den Abend. Es ist herrlich friedlich hier. Wir sind noch immer an der Strecke, haben aber eine völlig andere Stimmung erlebt als gestern. Gestern war Trubel, Menschenmassen, Lärm und Alp d’Huez. Heute war Passfeeling, Ruhe, Natur, Velorennen und eine Polizistin, die wahrscheinlich sogar einer Fliege ein Fahrverbot erteilen würde.

Als wir langsam zusammenräumen, schickt diese nochmals fünf Holländer mit ihrem Bollerwagen in die Wiese. Sie dürfen noch immer nicht, mehr als eine Stunde nach den Fahrern, die Strasse betreten.

Dreissig Sekunden später steigen sämtliche Polizisten in ihre Autos und fahren davon. Einfach so.

Wir schauen uns nur an und getrauen uns fast nicht, Richtung unserem Wohnmobil auf den Asphalt zu laufen. Aber da niemand mehr grimmig schaut und niemand mehr da ist, der uns zurechtweist, werden wir langsam mutiger. Am Schluss laufen wir sogar mitten auf der Strasse.

Wo in der letzten Stunde nicht einmal ein Auto gefahren ist.

Und ganz heimlich strecke ich dieser grimmig schauenden, oberkorrekten, sich strikt an jede Anweisung haltenden Polizistin die Zunge heraus. Aber nur innerlich. Sie konnte es nicht gesehen haben. Zum Glück.

Sonst müssten wir vermutlich heute noch im Gras warten.

Tipps, mit dem Wohnmobil an die Alp d'Huez 26.7.2026

ein unvergessliches Erlebnis

Die Tour de France einmal live zu erleben, ist ein unvergessliches Erlebnis. Noch schöner wird es, wenn man mehrere Tage mit dem Wohnmobil direkt an der Strecke verbringen kann. Nach unseren Erfahrungen, insbesondere an der legendären Alp d'Huez oder anderen Bergankünften, haben wir einige Tipps zusammengestellt, die euch die Reise erleichtern.

1. Früh anreisen ist ein muss

Bei der Alp d'Huez gilt: Wer einen guten Platz möchte, muss früh kommen. Allerspätestens eineinhalb Tage vor der Etappe wird die Auffahrt für Wohnmobile gesperrt. Danach kommt niemand mehr mit einem Auto den Berg hinauf. Plant eure Anreise deshalb frühzeitig.

Wenn die Fahrer am Freitag hochfahren, ist der späteste Termin der Mittwoch morgen früh. Für einen Platz im Ort muss man aber schon am Dienstag hoch…

ohne Velo ein besseres Durchkommen

2. Die Heimfahrt gut planen

Direkt nach dem Rennen ist der Berg gesperrt. Erst wenn das Ziel abgeräumt ist, kommt man den Berg runter. Unsere Empfehlung: Bleibt noch eine Nacht stehen und fahrt erst am frühen Morgen (6:00 Uhr) nach dem Rennen ins Tal, auch nicht bis um 10 Uhr warten, dann ist der Stau am längsten. Oder bis 15 Uhr warten.

3. Ihr könnt euch den Stellplatz nicht aussuchen

Oben auf der Alp d'Huez gibt es verschiedene Bereiche für Wohnmobile. Meistens könnt ihr nicht selbst entscheiden, wo ihr stehen möchtet. Die Gendarmerie weist euch einen Platz zu. Freundlichkeit hilft dabei oft weiter.

Die ersten werden im Dorf platziert, parallel zur Zielgerade oder oberhalb. Die anderen Plätze sind ausserhalb des Dorfes. Gutes Schuhwerk oder Velos sind dann zu empfehlen. Nehmt hohe Keile mit, nicht überall kann man gerade stehen.

4. Toilette und Grauwasser

Bei den Stellplätzen im Dorf gibt es Tanks zum Entleeren der Toilettenkassette. Auf den weiter aussen gelegenen Plätzen fehlen diese Möglichkeiten meist. Wichtig: Bitte kein Grauwasser in diese Toilettentanks leeren. Sie sind ausschliesslich für Toiletten vorgesehen und wären sonst sehr schnell überfüllt.

5. Frischwasser gibt es trotzdem

Frischwasser kann an verschiedenen öffentlichen Wasserhähnen im Dorf bezogen werden. Nehmt einen Kanister oder Giesskanne mit, je nachdem, wo ihr steht.

6. Öffentliche Toiletten nutzen

Im Dorf stehen öffentliche Toiletten zur Verfügung.

7. Abfall wird eingesammelt

Während der Tour werden in der Regel Abfallsäcke verteilt. Nutzt diese und hinterlasst euren Stellplatz sauber. Das hilft mit, dass Wohnmobile auch in Zukunft willkommen sind.

8. Sichert euch früh einen Zuschauerplatz

Habt ihr euren Stellplatz eingerichtet, solltet ihr euch am Renntag spätestens um 8 Uhr morgens euren Platz an der Strecke sichern oder bereits dort sein. Wer erst gegen Mittag kommt, muss meist nehmen, was noch übrig bleibt. Die besten Plätze sind dann längst besetzt.

Keine Sorge: Langweilig wird es garantiert nicht. Entlang der Strecke herrscht schon Stunden vor dem Rennen eine einmalige Stimmung. Packt deshalb unbedingt Sonnencreme, eine Picknickdecke oder Campingstühle, einen Sonnenschirm, genügend Getränke und etwas zum Essen ein. Die Wartezeit vergeht wie im Flug. Es gibt nicht viele Essens- und Getränkestände.

9. Das Fahrrad lieber stehen lassen

Am Renntag wirkt das Velo zwar wie das ideale Verkehrsmittel. In der Praxis ist es jedoch oft das Gegenteil. Tausende Radfahrer fahren den Berg hinunter oder wieder hinauf. Dadurch kommt man kaum vorwärts und muss häufig absteigen.

Zu Fuss seid ihr an diesem Tag meist schneller und wesentlich entspannter unterwegs.

10. Die Strassensperren ernst nehmen

Spätestens drei Stunden vor den Rennfahrern wird die Rennstrecke vollständig gesperrt. Danach gibt es keine Möglichkeit mehr, auf der Strasse zu Fuss oder mit dem Velo weiterzukommen. Sogar eine Strassenüberquerung ist nicht mehr möglich. Für Fahrzeuge beginnen die Sperrungen deutlich früher.

Wer noch einen bestimmten Zuschauerplatz erreichen möchte, sollte deshalb rechtzeitig loslaufen.

11. Es wird viel gelaufen

Egal wo ihr steht, stellt euch darauf ein, viele Kilometer zu Fuss zurückzulegen. Gute Schuhe gehören deshalb fast zur wichtigsten Ausrüstung.

12. Wohnmobil an der Strecke

Die Polizei kontrolliert sehr genau, dass kein Fahrzeug in die Fahrbahn hineinragt. Nicht einmal die Reifen dürfen den weissen Randstreifen berühren. Stellt euer Wohnmobil deshalb genügend weit hinter die Markierung. So erspart ihr euch unangenehme Diskussionen oder die Aufforderung, nochmals umzuparkieren. Allerdings müsst ihr in den Berganstiegen schon drei bis vier Tage vorher dort sein.

13. Werbegeschenke? Macht auf euch aufmerksam!

Die Werbekolonne verteilt unzählige Give-aways. Die besten Chancen habt ihr dort, wo nur wenige Zuschauer stehen. Seid kreativ: Tanzen, Musik machen oder mit Kuhglocken ordentlich Lärm machen – alles, was gute Stimmung verbreitet, fällt den Teams auf. Oft fliegen dann besonders viele Werbegeschenke in eure Richtung.

1 Stunde Werbekolonne

14. Fahnen, Fahnen und nochmals Fahnen

Die Fernsehbilder leben von den Farben entlang der Strecke. Hängt deshalb nicht nur eine Fahne auf, sondern möglichst mehrere. Das sorgt für Stimmung, sieht toll aus und erhöht die Chance, im Fernsehen zu erscheinen.

Unser Fazit

Eine Tour-de-France-Etappe mit dem Wohnmobil zu erleben, ist weit mehr als nur ein Radrennen. Es ist ein riesiges Volksfest mit einer einzigartigen Atmosphäre. Wer früh anreist, die Regeln respektiert und sich auf viele Kilometer zu Fuss einstellt, wird mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt.

Und noch ein persönlicher Tipp: Geniesst nicht nur die wenigen Sekunden, in denen die Fahrer vorbeirasen. Die Tage davor, die Stimmung unter den Fans, die Werbekolonne und das gemeinsame Warten gehören mindestens genauso zur Tour de France wie das Rennen selbst. Das Ganze ist in einer Gruppe noch spezieller wie nur alleine.

Fest unter den Zuschauern

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