Nicht selbstverständlich

Wir sind als Gruppe mit 16 Womos an der Tour de France unterwegs. Da ist es nicht selbstverständlich, dass wir a) Platz haben, wo wir hinkommen, und b) auch noch in der Nähe der Strecke stehen können.
Heute ist die Weiterfahrt ans Zeitfahren mit Ziel in Thonon-les-Bains hinter dem Genfersee angesagt. Eine kleine Vorhut ist schon früher losgefahren, um die Lage zu checken und Standplätze zu suchen. Vor der Abfahrt hören wir von ihnen, dass es heute wohl keine Probleme geben wird. Das ist schön zu hören. Also fahren wir individuell zu unserem Zielpunkt. Von Reisezeiten zwischen zwei und drei Stunden ist alles dabei, und so treffen wir gestaffelt am Ziel des Zeitfahrens ein.
Und es ist wirklich problemlos, ausser dass bei der zweiten Kreuzung ein Wegweiser fehlt und alle gleich falsch fahren. Aber schlussendlich kommen alle beim sehr grossen temporären Stellplatz der Tour de France an. Und ein riesiges Kompliment an das lokale Organisationskomitee! Es gibt einen wirklich grossen Stellplatz für mehr als hundert Fahrzeuge auf einer grossen Wiese, total eben, schön und ruhig gelegen, mit Toiletten und temporärer Entsorgung, nicht einmal 700 m vom Zielstrich entfernt – und dies alles kostenlos. Was will man noch mehr? Ja, etwas gäbe es: wenn wir alle nebeneinander stehen könnten.
mit Manu und Robert
Aber unsere Vorhut mit Conny und Dominik lässt sich nicht lumpen: Auf dem grossen Gelände ist ein Bereich genau für unsere Schweizerecke abgesperrt und reserviert. Deutlich markiert mit einer grossen Schweizer Fahne. Was will man da mehr? Besser geht einfach nicht.
Zielaufbau
Und so werden wir von den lokalen Parkplatzeinweisern freundlich empfangen und zu unserer Schweizerecke hingeführt. Dass so etwas nicht selbstverständlich ist, ist allen bewusst, und unsere Vorhut hat wohl ihren ganzen Charme spielen lassen, damit so etwas möglich ist. Und natürlich haben sie nebenbei auch erwähnt, dass ich an der TdF schon eine Etappe gewonnen habe, und das öffnet im Radsport immer noch die eine oder andere Türe. Als Dank veranstalten wir für Manu und Robert, die lokalen Organisatoren, wobei wir noch immer nicht genau wissen, wofür sie eigentlich zuständig sind, einen kleinen Apéro. Den haben sie sich aber auch verdient, schliesslich hätten wir ohne sie keinen so schönen Stellplatz.
Aussicht im Städtchen
Etwas später fahren die einen die Zeitfahrstrecke mit ihren Velos ab, andere schauen interessiert dem Aufbau des Zielbereichs zu oder geniessen ein feines Essen im Städtchen.
Ich teste natürlich das Zielpodium: Weiss ich noch, wie es sich damals angefühlt hat? Na ja, die Gefühle kommen nicht mehr hoch, schliesslich ist es auch schon sehr lange her. Und mit kurzen Jeans auf dem Podium??
Test des Podiums
Anita und ich essen am Seeufer einen feinen Znacht, schauen bei der Werbebeschriftung der Strasse etwas zu und sitzen abends dann noch ziemlich lange mit den anderen Mitreisenden vor den Womos zusammen.
Morgen schauen wir das Zeitfahren, und danach geht es an die grosse Unbekannte. Wie und wann kommen wir noch auf die Alp d'Huez?