Headbild
Toskana Italien 2017
Du befindest dich hier: Blog \ Reisebericht

Ver- und Festgefahren

Feuchte Angelegenheit

Die Nacht verbrachten wir direkt unter einer Gewitterwolke. Es goss aus Kübeln und auch morgens um 9 Uhr sieht es noch nicht besser aus. Also Regenjacke anziehen und auf dem Campingplatz ver- und entsorgen. Jeder Platz hat einen Wasseranschluss in einem Rohr im Boden. Das mag ja während des Sommers in Albanien extrem bequem sein, aber wenn es im November regnet und das Rohr mit Wasser gefüllt ist, ist es vielleicht etwas weniger hygienisch. Aber was soll's, der Wassertank wird gefüllt.

ob das hygiensch ist mit dem Trinkwasserschlauch?

Danach machen wir uns auf in die Berge. Eigentlich hätte ich eine Abkürzung gefunden, die aber eine ziemlich schmale Strasse wäre. Wegen des sintflutartigen Regens lassen wir die aber aus, so ganz wohl wäre es mir nicht, diese kleine Strasse könnte ja durchaus auch weg- oder überspült sein.

Also nehmen wir die Hauptstrasse, sie ist neu asphaltiert, durchgezogene weisse Mittellinie, auch wenn auf einer Fahrbahnhälfte unser Knutschi keinen Platz findet. Es sieht ein wenig so aus, als wäre die Strasse eher für Spielzeugautos gebaut worden.

Die Fahrt ist aber wunderschön. Quer durch die Berge und mit vielen Kurven. Die Bäume leuchten in rot-gelblichen Farben. Wenn die Sonne scheinen würde, wäre es der perfekte Indian Summer in Albanien.

Wir kommen aber nicht so richtig vorwärts, fahren vielleicht mit 30 km/h, zwischendurch der griechischen Grenze entlang, bevor es wieder steil den Berg hoch geht. Ich glaube, es ist eine der schöneren Strecken, die wir je gefahren sind. Sehr wenig Verkehr, gute Strasse und als dann auch noch der Regen aufhört, einfach perfekt.

Wir passieren kleine orthodoxe Kirchen am Wegesrand, dazwischen immer wieder Kriegsdenkmäler aus dem 2. Weltkrieg, als die Wehrmacht hier Gräueltaten beging. Gerade in dieser Grenzregion zwischen Albanien und Griechenland wurde im Krieg heftig gekämpft. 1940 griff Italien von Albanien aus Griechenland an, wurde aber von den Griechen zurückgedrängt. Später besetzte die deutsche Wehrmacht die Region.

Dann, nach der kleinen Stadt Erseka, wird die Strasse plötzlich sehr, sehr schlecht. Es rumpelt, wir kommen noch langsamer vorwärts als vorher. Aber es sollte doch hier eine grosse neue Autostrasse geben? Nach 20 km Rumpelstrasse fahre ich links in eine Ausbuchtung, wir müssen Pause machen. Aber von wo kommt denn der Autolärm? Schliesslich haben wir auf diesem Streckenabschnitt noch kein Auto getroffen?

Wir laufen dem Lärm nach auf eine ganz kleine Kuppe und was sehen wir? Weit unter uns eine dreispurig ausgebaute Schnellstrasse! Wo zum Kuckuck kommt die denn her? Und wie kommen wir da hinunter auf die Strasse?

Schliesslich ist es einfacher als gedacht, 500 m später sind wir auf der Schnellstrasse. Unser Navi hatte die nicht drin. Und es ist nicht das einzige Mal heute. Albanien hat viele neue Strassen, auch hier im Süden, die unser Navi noch nicht registriert hat. Wir sollten dringend ein Kartenupdate machen.

Dann beginnt es wieder zu regnen und wir fahren im strömenden Regen durch die Aussenbezirke von Korça. In diesem Wetter sieht die Stadt hier erbärmlich aus. Heruntergekommen, Müll liegt herum, die Fabriken aus einem anderen Jahrhundert. Das ist sicher dem Wetter geschuldet und schliesslich haben wir das Zentrum nicht gesehen. Dabei gilt Korça als eine der kulturell bedeutendsten Städte Albaniens und ist unter anderem für ihre orthodoxen Kirchen und ihre Bierbrauerei bekannt.

Nun geht es im Regen weiter Richtung nordmazedonische Grenze. Dazwischen kaufen wir noch ein und bezahlen in Euro (nur 13 Euro der gesamte Einkauf).

Danach stehen wir an der Grenze, die Einreise nach Nordmazedonien wird auch gründlich kontrolliert. Fahrzeugausweis, ID, Versicherungskarte, Führerausweis, alles wird miteinander verglichen. Dann bekommen wir grünes Licht und sind in einem neuen Land.

Wir wollen nicht mehr fahren und suchen uns ein Plätzchen am Ohridsee. Der See gehört übrigens zu den ältesten Seen Europas und ist stellenweise fast 300 m tief. Seit 1979 gehört er zum UNESCO-Weltnaturerbe, ein Jahr später wurde auch die Stadt Ohrid mit ihrem kulturellen Erbe aufgenommen.

Schnell haben wir einen Platz gefunden und ohne zu überlegen fahre ich auf den schönen Platz. Unser Womo schwimmt seitlich in alle Richtungen, und schon nach 30 m stehen wir still mit durchdrehenden Rädern. Scheisse! Die Pneus sind dick mit rotem Lehm eingepackt, nichts mehr von Profil. Aber weil wir grad einigermassen gerade stehen, stellen wir den Motor ab und bleiben platziert.

Hoffentlich regnet es in der Nacht nicht mehr, damit der Lehm etwas trocknen kann und wir morgen wieder wegkommen. Das ist aber das Problem von morgen. Notfalls montieren wir im Dreck unsere Schneeketten…

Nun backt Anita noch ein Brot, danach essen wir ein feines Fondue.

Etwas später kommt noch ein 4x4-Kastenwagen und stellt sich einige Meter neben uns. Neidisch schaue ich auf dieses Gefährt, wie leicht und einfach es überall hinkommt und wir können uns keinen cm mehr bewegen…

Übernachtung

Opština - Aussichtspunkt ****
Nordmazedonien, frei

Koordinaten: 40.99202, 20.799941
N 40° 59' 31.3"  E 20° 47' 59.8"
letzter Besuch: 11.2026

 

Diesen Artikel kommentieren oder Fragen dazu stellen