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Schweden 2018
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Verzicht auf Aussicht

Wenigstens einmal vernünftig sein

Nach der gestrigen Stadtbesichtigung und den vielen Leute brauchen wir heute wieder etwas Ruhe und Erholung. Wir duschen ausgiebig im Womo, brauchen unser Wasser, bevor wir es auf dem Stellplatz wieder auffüllen, lassen unser Grauwasser ab, leeren WC, so dass wir die nächsten Tage wieder versorgt sind. Ich habe auf Google Maps einen tollen Platz an einem see gefunden und bei diesem wolkenlosen Wetter genau das richtige.

Wir fahren nun Richtung Bulgarien, wollen dort ganz kurz hineinschauen, bevor es dann nach Serbien geht.

Auf der Autobahn oder Schnellstrasse umfahren wir Skopje und dann geht es durch das mazedonische Hinterland Richtung Grenze. Es ist ein Traumtag, Traumstrasse und Traumlandschaft. Es ist so schön, dass wir vergessen, Fotos zu machen. Darum folgt nun eine Beschreibung der Fotos, die wir nicht gemacht haben:

Wie goldene Wellen ziehen sich sanfte Hügel bis zum Horizont, wo sie mit dem tiefblauen Himmel verschmelzen. Die Landschaft erinnert an eine endlose Steppe, ein Meer aus strohgelben Feldern, durchsetzt mit bunten Sträuchern und Bäumen, deren Herbstkleid in Rot, Orange und Gold leuchtet. Wie ein seidenes Band schlängelt sich die Strasse durch dieses Farbenmeer, steigt sanft an, taucht wieder ab und verschwindet hinter der nächsten Hügelkuppe. Mit gemütlichen 80 km/h gleiten wir fast alleine durch diese märchenhafte Weite. Ein einziges Auf und Ab, als würde die Landschaft langsam atmen.

Wir gehen noch in Mazedonien tanken. 1.50 CHF der Liter Diesel, da schütten wir jeden Tropfen hinein, der noch Platz hat. 88 Liter haben Platz, da sparen wir ganze 80 CHF gegenüber der Schweiz mit einer einzigen Tankfüllung. Das Geld werden wir in diesen Ferien verjubeln… In Mazedonien sind übrigens die Dieselpreise staatlich geregelt und an allen Tankstellen gleich günstig, egal ob Autobahn oder in einer Stadt.

unterwegs Richtung Bulgarien

Je näher wir der bulgarischen Grenze kommen, desto steiler werden die Berge. Auf dem höchsten Punkt erreichen wir den Grenzposten. Auf mazedonischer Seite machen wir dem Zöllner ein Kompliment für sein Land, er strahlt über das ganze Gesicht und fragt nach: Ohrid? Skopje? Essen? Leute? Überall nicken wir und zeigen den Daumen hoch.

Dann einige hundert Meter weiter sind wir an der Aussengrenze zur EU und Bulgarien, die Zeit verschiebt sich wieder eine Stunde nach vorne (oder zurück), und seit 1. Januar 26 ist auch hier der Euro das offizielle Zahlungsmittel. Also kein Umrechnen mehr.

Begegnung unterwegs

Es geht aber ganz gut und schon nach kurzer Zeit fahren wir das erste Mal auf bulgarischen Strassen. Die Gebäude sehen etwas ärmlicher aus, aber ansonsten kein grosser Unterschied. Nach wenigen Kilometern stelle ich den Blinker und zweige Richtung anvisiertem See ab. Auf der Strasse vor dem Abzweiger zu meinen Freistehplatz (der Vorsatz, nicht mehr frei zu stehen, wurde inzwischen fallengelassen) schalten wir den Warnblinker ein, stoppen unser Knutschi und inspizieren zu Fuss den Platz. Etwas schlauer sind wir ja geworden. Der Platz wäre fantastisch, ein 5-Sterneplatz, alleine, an einem Seeufer, tolle Aussicht, Ruhe. Aber die Zufahrt ist bedenklich. Wir marschieren 3x hinunter und hinauf, wägen ab. Wagen oder nicht wagen? Runter an den See würden wir irgendwie kommen. Allerdings dann wieder rauf? Ich zweifle. Anita zweifelt noch mehr. Nach 10 Minuten entschieden wir, es nicht zu wagen. Schade um den super Platz. Ein 4x4 mit viel Bodenfreiheit wäre jetzt perfekt. (Platz bei 42.303703, 22.6949131).

Mist, es wäre so schön

Was machen? Ich habe keine Alternative. Und so viele Stellplätze gibt es in der Gegend nun auch nicht, das heisst, keinen einzigen. Also nehme ich mir ausnahmsweise park4night zu Hilfe, der mir in 14 km die nächste Gelegenheit anzeigt. Sieht auch nicht so schlecht aus.

Also fahren wir nochmals ein Stückchen und es ist auch hier ein toller Platz. Eine grosse Wiese mit einigen Autospuren drin (also ein guter Untergrund), an einem Bach vor einem farbigen Waldrand.

Wir hätten es schlimmer treffen können und entscheiden sofort, hier zu bleiben.

Da wir einen Erholungstag haben, holen wir unsere Stühle hervor, stellen sie im Laub am Bachufer auf und geniessen den Moment.

Wir geniessen aber nur ca. 20 Minuten lang mit einem Vesperplättchen, denn dann ist die Sonne weg und es wird kalt. Wir zehren aber von der schönen Fahrt an diesem schönen Tag und trauern nur noch ein ganz klein wenig dem Platz am See nach.

auch hier ist es schön

Wir haben aber auch heute alles richtig gemacht und schlafen das erste Mal in Bulgarien. Anita wird vorher dann noch etwas feines kochen, denn der Grill holen wir trotz Vorsatz nicht hinaus, zu kalt bei 6 Grad.


Fazit Nordmazeodonien

Super Land, unkompliziert, sehr schöne Hauptstadt und freundliche Menschen. Auf den ersten Blick sieht es sauberer aus als Albanien, aber in den Bergen hinter jeder Parkbucht hat es eine Abfallhalde mit Polstermöbeln, Abfallsäcken etc. 

Mit dem Wohnmobil ist es sehr unkompliziert zu reisen, es gibt immer mehr Stellplätze, aber auch frei übernachten kann man, mindestens jetzt ausserhalb der Saison. Offiziell ist es verboten, aber irgendwie gibt es immer wieder offizielle «Free Camping», Freistehplätze, die kostenlos und halb offiziell sind.

Mazedonien, wir kommen wieder. Wir haben nur den kleinsten Teil gesehen, aber was wir gesehen haben, macht Lust auf mehr.

Übernachtung

Kyustendil - Chardak ****
Bulgarien, frei
sehr schön. Wenn es nass ist, wäre ich skeptisch
Koordinaten: 42.39074, 22.704085
N 42° 23' 26.7"  E 22° 42' 14.7"
letzter Besuch: 11.2026

 

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