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Krka Nationalpark Kroatien 2015
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Reisebericht

Der Duft der weiten Welt 29.10.2018

Wir sind endlich unterwegs Richtung Marokko!

Es ist einfach ein schönes Gefühl, den Motor zu starten und alles hinter sich zu lassen. Vor einem die Weite, das Unbekannte und das Gefühl von Freiheit und Abenteuer.

Na gut, es hat gerade etwa einen Kilometer gedauert und dann standen wir schon vor der Autobahnauffahrt im Stau. Die Freiheit war nicht wirklich gross, das Abenteuer auch noch ziemlich klein und der Motor brummte mehr im Leerlauf wie dass er uns vorwärts brachte.

Aber nach einer halben Stunde waren wir dann durch und konnten endlich gegen Südwesten fahren. Die Grenze nach Frankreich passierten wir problemlos, und dann war der Duft wieder da, der Duft der grossen weiten Welt. Andere Sprache, anderes Land, anderes Geld.

Bei der ersten Mautstelle wurde dann schon über 21 €uro abgebucht und so landeten wir schon wieder auf dem Boden der Realität.

Egal, es regnet, wird dunkler und Anita findet in der Nähe von Grenoble einen schön kuscheligen Stellplatz mit Strom, Entsorgung und sogar WC. Nur die Bezahlstation finden wir nicht. Soll uns auch recht sein, vielleicht wird die im Winter eingeräumt. Und da wir weder Strom, noch WC brauchen noch Entsorgen müssen, haben wir auch kein schlechtes Gewissen, wenn wir gratis stehen. Morgen füllen wir dann noch den Wassertank mit Wasser (was denn sonst), das bis nach Marokko reichen muss.

Wir stehen jetzt da, Anita kocht, ich schreibe, wir haben Internet und dieser einmalige Duft von vorhin ist wieder da. Der Duft der grossen weiten Welt. Er vermischt sich später mit einem Duft von Sauce Bolognaise und frischen Spaghettis. Was gibt es schöneres wie eine Womoreise?


Übernachtung

Le Cheylas - Le Baptistin ***
Frankreich, Stellplatz
für eine Übernachtung auf der Reise perfekt inklusive Strom und allem.
Koordinaten: 45.37172, 5.990111
N 45° 22' 18.2"  E 5° 59' 24.4"
letzter Besuch: 10.2018

Ihr habt die Uhr, wir die Zeit 30.10.2018

Zeitchaos in Marokko

Nein, wir sind noch nicht in Marokko angekommen und dennoch erreicht uns die marokkanische Mentalität schon heute im Regen von Frankreich.

Marokkaner haben ja Zeit, viel Zeit, vor allem im Süden. Da ist es nichts aussergewöhnliches, wenn sie ein Werkzeug brauchen um ihren Eselskarren in der Wüste zu reparieren, dass sie zwei Tage hin und wieder zwei Tage zurück marschieren, damit die Reparatur weiter gehen kann.

Aber nun hat dieses Sprichwort auch wieder den Norden von Marokko erreicht. Marokko stellt die Uhren jeweils zur Sommer- und Winterzeit eine Stunde um, genau wie wir. Dazu aber auch eine Stunde vor und zurück vor und nach dem Ramadan. Also vier Mal pro Jahr diese Zeitumstellung. Nun hat das Parlamant 48 Stunden vor dem Begin der Winterzeit diese Umstellerei abgeschafft. Es sei für die Wirtschaft nicht einträglich.

Blöd nur, dass nicht alle davon erfahren haben. Die Fährgesellschaften haben andere Zeiten wie die Fluggesellschaft. Alle Handys haben andere Zeiten wie die Bahnhöfe und offiziellen Uhren. Die Internetportale zeigen verschiedene Zeiten an. Aber was gilt nun? Keiner weiss es. Für uns, die wir dann ankommen, wissen es noch nicht, nicht mal der Botschafter von Marokko in der Schweiz weiss, wie spät es nun effektiv in seinem Heimatland ist.

Mal schauen, um welche Zeit wir am Donnerstag ankommen.

Die Leute im Süden, unserem Ziel der Reise, wird das völlig egal sein. Sie haben sowiso keine Uhren und werden von dem gar nichts mitbekommen. Bei ihnen zählt das, was auf dem Handy angezeigt wird, alles andere ist ihnen egal. Manchmal auch das, denn sie kommen, wenn sie kommen. Ihr habt die Uhren, wir die Zeit.


Die fehlende Stunde 31.10.2018

Plötzlich fehlt uns die marokkanische Stunde doch noch

Wir schlafen wie immer in unseren Knutschi einfach fantastisch, obwohl es richtig fest und laut auf unser Womodach prasselt. Wir haben es nicht eilig, es sind nur 370km bis nach Sète und die Fähre legt nach Fahrplan erst um 20 Uhr ab. Und bei dem schlechten Wetter der letzten Tage rechne ich eigentlich mit Verspätung.

Also tuckern wir gemütlich los, entsorgen noch unser Grauwasser und den Abfall, aber frisches Wasser füllen können wir nirgends. Zum Teil sind die Wasserleitungen wegen dem beginnenden Winter schon abgestellt oder der Wasserhahn hat kein Gewinde und dann müsste ich das Wasser mit der Giesskanne umfüllen. Das ist mir zu mühsam. Wenn ich allerdings gewusst hätte, dass kein einziger funktionierender Wasseranschluss ein solches Gewinde hatte, hätte ich es gemacht. Na, jetzt haben wir kein frisches Wasser mehr und müssen dann marokkanisches irgendwo finden.

Danach gehen wir in Frankreich noch einkaufen. Auf Parkplätzen vor Einkaufszentrenten in Frankreichs Süden habe ich immer so ein mulmiges Gefühl. Ich traue diesen Südfranzosen einfach nicht. Also wird unser Womo vor dem Einkauf bunkermässig gesichert: mit den Sicherheitsgurten die Türen gesichert, das Aufbautürschloss zweimal gedreht und alle Rollos an den Fenstern runter, damit man nicht hineinsehen kann. Der Einkauf wird so schnell wie möglich gemacht und als wir zum Womo zurückkommen, ist alles noch wie wir es verlassen haben. Glück gehabt.

Quiz: als wievieltes Auto fuhren wir auf die Fähre?

Dann geht es gemütlich weiter Richtung Süden, bis ein SMS der Fährgesellschaft kommt. Die Fähre fährt heute schon um 19 Uhr und späteste Checkin-Zeit ist 15 Uhr. Mist, unser Navi gibt als Ankunftszeit 15:45 Uhr an, also aufs Gas drücken. Nichts mehr mit bummeln und Mont Ventoux anschauen. Und da sie wegen des hohen Wellengangs nicht so schnell fahren kann, kommt die Fähre statt Donnerstag um 5 Uhr morgens erst Abends um 20 Uhr an! 13 langweilige Stunden auf der Fähre zusätzlich.

Und als es dann die letzten 3km vor dem Hafen im Stau im Schritttempo fahre, werde ich leicht säuerlich. Aber wir schaffen es auf 15:30 Uhr ins Hafengelände, dann mit der Reservationsbestätigung zum Checkin-schalter und dort nochmals etwa eine Stunde Schlange stehen, bis wir die Tickets endlich in den Händen halten.

Und danach heisst es in der 4. Spur hinter all den vollgepackten Büsslis, beladen bis weit übers Dach mit alten Fahrrädern, Stühlen, Matratzen und was weiss ich noch alles. Und dann können wir um 18:52 Uhr endlich auf die Fähre fahren. Quizfrage: wie viele Autos fuhren nach uns noch auf die Fähre? (ein kleiner Hinweis, mehr als minus 1 und weniger als plus 1). 

wir verabschieden uns von Marokko

Aber jetzt liegen wir in der Kabine, Anita geht es momentan noch gut. Das Schiff schaukelt schon ziemlich für seine Grösse, aber wir sind noch nicht grün im Gesicht und konnten auch noch eine Pizza verdrücken.

Ach ja wegen den Süd-Franzosen: ich hatte viele Vorurteile gegenüber diesen Menschen und da ich diese aus der Welt schaffen wollte, heuerte ich in meinem früheren Berufsleben extra zwei Jahre in einem französischem Team an, um diese Leute besser kennen zu lernen. Resultat: alle Vorurteile wurden bestätigt!


Versauern in Barcelona 31.10.2018

Wir sitzen seit über sieben Stunden im Hafen von Barcelona fest

Nein, unser Tracker ist nicht kaputt, er sendet alle 5 Minuten ein neues GPS-Signal. Auch unsere Karte wird halbstündlich aktualisiert aber wir sitzen tatsächlich immer noch auf der Fähre im Hafen von Barcelona. Warum mussten wir wohl eine Stunde früher in Sète auf der Fähre sein, wenn das Fährschiff danach über 7 Stunden am Hafen wartet? Jetzt nämlich erst wird das Schiff beladen, 7 Stunden einfach nichts machen im Hafen. Ok, während diesen Stunden wurde zwischendurch das Schiff noch mit Diesel betankt, aber sonst lief gar nichts, absolut nichts.

Die nächtliche Fahrt bis Barcelona verlief relativ schauklig, aber im Liegen in der Kabine ging es ganz gut und geschlafen haben wir auch nicht schlecht. Auch das jahrelange Duschtraining im Wohnmobil zahlt sich aus. Die Duschkabine auf der Fähre in der Kajüte ist noch wesentlich kleiner wie im Womo! Aber dank des Trainings ging es problemlos, man durfte nur auf keinen Fall den Duschvorhang berühren, denn dann kriegte man ihn nicht mehr los und er klebte am Körper, während dem das Wasser den Boden des Bad(chen) überflutete.

unsere Kajüte, die beste, die wir kriegen konnten

Aber wir sind ja Wohnmobilisten und uns das improvisieren gewohnt. Also Karte von Marokko hervornehmen, schöne Strecken einzeichnen, die wir vielleicht fahren wollen dieses Jahr, dann einen Jass machen, oder auch mehrere, unser Knobelspiel spielen, Blogeintrag schreiben, 10x rund um die Fähre schlendern, um alles anzuschauen und wieder zurück in die Kabine. Und ja, wir sind immer noch im Hafen von Barcelona…

Meine geniale Planung der Reise rinnt langsam aber sicher ins Meer, wie die Regentropfen entlang unserer Scheibe. Unser Womo steht im Schiffsrumpf, ohne Strom und mit inzwischen warmem Kühlschrank. Ohne Gas taut auch das Gefrierfach auf und damit unsere Schweinswürste…

Es hätte so gut gepasst, 5 Uhr morgens in Nador ankommen, zwei Stunden für die Einreiseprozedur, zwei Stunden fahren, eine Stunde, um eine marokkanische Telefonkarte zu kaufen und am Mittag wären wir spätestens in Marokko auf Achse. Nun wird es so aussehen: 20 Uhr ankommen, 22 Uhr durch den Zoll, im Dunkeln irgendwohin fahren (ich wollte vermeiden, im Dunkeln zu fahren) im Dunkeln irgendwo einen Übernachtungsplatz suchen und dann keinen Blog schreiben können, weil wir noch keine Telefonkarte haben. Und das alles wissen wir schon im Hafen von Barcelona,

Momentan habe ich nicht gerade beste Laune, denn auch beim Jassen habe ich gegen Anita verloren. Auch unser Tracker ist im Tiefschlaf, er muss ja keine neue Positionen senden…


Uns geht es mies 31.10.2018

Wir sind nun wieder auf hoher See und wünschen uns in den Hafen zurück

Man ist ja nie zufrieden mit dem, wo man hat. Uns geht es momentan auch so, und noch viel schlechter. Wie schön friedlich war es doch in Barcelona am Hafen, wo wir so lange auf die Abfahrt warten mussten.

Jetzt sind wir auf hoher See und ich wusste gar nicht, dass so ein grosses Schiff so fest schaukeln kann! Etwa jede Minute einmal trifft uns eine grosse Welle frontal oder in einem bestimmten Winkel, dann gibt es einen riesen Knall und ein paar Sekunden später geht ein Zittern durch das Schiff. Danach folgen ein paar Schaukelbewegungen die einem den Magen ins Gehirn katapultieren und umgekehrt, bevor es wieder für ein paar Sekunden fast ruhig dahingleitet. Und das nun schon seit Stunden.

Anita sieht aus, wie das grüne kotzende Smily und kennt den Weg zur Toilette auswendig. Die Türe muss aber jedesmal gut eingerastet werden, sonst schlägt es sie wieder auf.

Mir geht es noch so knapp, aber diesen Bericht kann ich nur Satz um Satz niederschreiben, sonst ist es auch um mich geschehen.

Und das soll noch so gehen bis morgen gegen 21 Uhr, bis wir endlich in Nador in den sicheren Hafen fahren. 

Gut Nacht

Ach ja: normalerweise haben Anita drei Stugeron jeweils gerettet, heute hat auch das nichts mehr gebracht

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