Und unsere Unterschlagungen, nicht nur von Spenden
Auf der gesamten Reise sahen wir bisher noch kein einziges Schwein ausserhalb unseres Knutschis. Das ist ja auch nicht verwunderlich, denn im Koran, 2,173 steht: «Verboten hat er euch nur natürlich Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist. Wenn aber jemand gezwungen ist, ohne zu begehren und ohne das Maß zu überschreiten, so trifft ihn keine Schuld.»
Also sind Abdou und Khalifa auch noch ohne Schuld, nachdem wir ihnen letzte Woche noch ein paar gegrillte Olma-Bratwürste gaben und sie die für lecker befunden haben. Ok, wir haben ihnen gesagt, dass es Kalbsbratwürste sind, was ja auch stimmt, aber dass es auch Schweinefleich darin hat, haben wir ihnen unterschlagen. Aber egal, Schweine haben wir eben noch nicht gesehen, auch heute Morgen nicht, wo wir in diesem Bergdorf ohne Namen auf der Nordseite des Atlas aufgewacht sind. Geschlafen haben wir gut, aber wegen dem platten Reifen gestern fahre ich auch heute wie auf Eiern das Tal hinab. 60 kurvige Kilometer auf schmalen Strassen sind es, die Schlaglöcher sind zwar weniger, aber wir brauchen trotzdem über zwei Stunden.
Und dann endlich sind wir in Asni vor dem ersten Bankomaten seit über 100km. Wir sind echt erleichtert, als er auch für uns Geld ausspuckt und wir die noch verbleibenden 20 Dirham um das 100-fache vermehren können. Mehr spuckt ein Bancomat einfach nicht aus in Marokko.
Jetzt können wir auch endlich wieder etwas einkaufen und unsere Vorräte füllen. Danach sind wir schnell mit unserem Womo im Gewusel von Marrakesch, fünfspurig stehen die Autos auf den drei Spuren, Mopedfahrer, Eselskarren, alles durcheinander und vor jedem Kreisverkehr bekomme ich fast eine Herzattacke, da hier sowieso keiner seine Spur hält und alle andern immer gefährlich nahe an mein Knutschi kommen. Einfach jetzt keinen Unfall mehr, denn nochmals viel Zeit um zu warten, haben wir echt nicht.
Wir lassen auch unseren noch geplanten Abstecher nach Essaouira platzen, wir haben einfach keine Zeit mehr. Ebenso den Ausflug nach Imlil und dem höchsten Berg Marokkos liegt nicht mehr drin. Aber wir brauchen ja auch noch Ziele für die nächste Marokko-Reise.
wir lassen den Hohen Atlas definitiv hinter uns
Anita findet bei schönstem Wetter nach Marrakesch einen perfekten Campingplatz, weist mich professionell dorthin und wir richten uns ein.
Duschen ist angesagt und Körperpflege. Wir sind momentan in Marokko die einzigen zwei Schweine: schon lange nicht mehr geduscht, keine Haarwäsche, keine frischen Kleider mehr. Die einzige Waschmaschine die wir gesehen haben, war in einem kleinen Laden in Mhamid, und Lust, die Wäsche von Hand zu waschen, haben wir nicht, sicher nicht in den Ferien. So sind meine T-Shirts aufgebraucht, ein paar frische Unterhosen und zwei paar Socken bleiben.
Aber, wir haben vor unserer Abreise noch einige Kleiderspenden für Marokkaner von unseren Lesern des Blogs erhalten. Alles ist verteilt an die richtigen Leute, die sich mega darüber freuten. Sogar Abdou haben wir zwei Jacken geschenkt, falls er sie brauchen könne. Er nahm sie gerne und ab da lief er nur noch stolz in «unseren» Jacken herum...
immer noch schöne Landschaften
Und heute entdecke ich «per Zufall» noch zwei T-Shirts aus unseren Spenden in unserem Kleiderkasten. Herrlich riechende, gewaschene, saubere T-Shirts für die armen Marokkaner. Aber bin ich nicht auch arm, wenn ich kein T-Shirt mehr habe? Sorry, liebe Cornelia, zwei T-Shirts deiner Spende an die Marokkaner haben die Marokkaner nicht erreicht, die habe ich heute unterschlagen und laufe mit einem stolz umher! Ich habe wiedermal geduscht im Womo, die Haare gewaschen, rasiert, nochmals die Haare gewaschen und so richtig sauber geschrubbt. Mann, war das eine kleine Sahara voll Sand danach in der Duschwanne. Und dann meine letzte frische Unterhose, eines der unterschlagenen T-Shirts und ich fühle mich echt gut. Und echt, was für ein Waschmittel nimmst du, Cornelia, bei der Wäsche? Die T-Shirts riechen so richtig gut!
So frisch und sauber bleiben wir den Nachmittag auf dem Campingplatz, geniessen die Sonne und die 25 Grad und sind einfach glücklich.
wieder in der Zivilisation zurück
Und wir hatten bisher einfach Glück: alle erzählen von schlechtem Wetter in den letzten vier Wochen in Marokko, von Schnee, Dauerregen, Überschwemmungen und wir hatten in dieser Zeit insgesamt etwa 10 Minuten, wo wir die Scheibenwischer laufen lassen mussten. Wir waren immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
Jetzt sind es noch rund 605 Km bis zum Fährableger, wo wir am Donnerstag spätestens um 18 Uhr eintreffen müssen.
Da haben wir ja doch noch Zeit! Was für einen Abstecher sollen wir noch machen?
Dafür sehen wir das erste Mal das Meer
Der Weg ist schnell erzählt, 260km Autobahn, super Belag, kein Verkehr, einige nicht ganz günstige Zahlstellen und schon stehen wir zwischen Casablanca und Rabat auf einem Campingplatz am Meer. Der Kulturschock ist ziemlich gross, auch schon von Marrakesch zu Casablanca. Casablanca mit Hochhäusern, riesigen Baustellen mit Kranen, leichter Smog über der Stadt. Nichts mehr von Lehmhütten und zweistöckigen Kasbash. Diesem Teil von Marokko geht es anscheinend schon viel besser wie dem Süden, allerdings verstehe ich nun die Berber und Nomaden, die alle sagten: «In den Norden oder an die Küste wohnen? Niemals!»
Aber Anita und ich stürmen doch gleich zum Meer los, schliesslich ist das seit der Ankunft unserer Fähre das erste Mal, dass wir wieder das Meer sehen. Und die Brandung hier am Atlantik ist gross, riesige Wellen brechen schon weit draussen und spritzen dann an den Felsen in die Höhe. Ein fantastisches Schauspiel. Aber Anita wird es schon mulmig und nach der Seekrankheit der Hinfahrt hofft sie einfach auf kleineren Wellengang morgen Abend auf der Fähre. Zur Vorsicht kauft sie in der nahen Apotheke noch eine Packung Reisetabletten…
Danach bereiten wir unsere letzte selbergemachte Tajine in Marokko vor. Ich heize das Stöfchen ein, Anita schneidet das Gemüse und wir überlegen uns, ob wir die andere Hälfte unseres Suppenhuhns auch beigeben sollen oder besser grad wegschmeissen. Wir geben schlussendlich dem Huhn nochmals eine Chance…
Dann lassen wir die Tajine 1:40 Std. köcheln, schauen nochmals der Brandung zu und schwatzen mit den ziemlich zahlreichen Schweizern auf dem Campingplatz. Es macht gerade eine geführte Womotour durch Marokko hier auf dem Campingplatz halt und es sind einige Schweizer hier, die auf der Ünglücksfähre in Barcelona waren, die wir bei der Hinfahrt gesehen haben. Und echt, zwei Womos sind jeweils vorn und hinten beschädigt, es knallte anscheinend ziemlich fest auf dem riesigen Schiff.
eingeschossene Fähre in Barcelona mit Schw. Womos drauf
Die Tajine ist dann so was von gut, die leckerste von ganz Marokko. Und unser Suppenhuhn entpuppt sich als das allerzarteste Hühnerfleisch, das es nur geben kann. Wir rätseln aber echt, warum das so ist. Beim letzten Versuch mit dem genau gleichen Huhn war das Fleisch richtig, richtig zäh. Kann das sein, dass das Fleisch zu frisch war? Wir begannen ja zu kochen, als das Fleisch vom toten Tier noch Körpertemperatur hatte! Haben wir einen Metzger unter den Lesern des Womoblogs, der uns aufklären kann? Jetzt war es zwei Tage im Kühlschrank und echt, sehr, sehr zart.
Egal, wir sind satt und trauern schon unseren zu enden gehenden Ferien nach. Morgen noch 360km zum Hafen und ab auf die Fähre.
Nachtrag: Sorry, ich dachte, ich hätte es geschrieben: als wir nach Marokko fuhren und im Hafen von Barcelona warteten, kam die Fähre aus Genau und rammte das Dock und brachte einen Kran zum Einsturz. Diese Unglücksfähre hielt gerade neben unserer und wir mussten auch wegen ihr 8 Stunden im Hafen von Barcelona warten.
Und wir werden ausgenommen, schlimmer wie naive Touristen
Wir treffen wie ursprünglich geplant etwas vor 16 Uhr am Hafen Tanger Med an, späteste Check-in-Zeit wäre 18 Uhr und Abfahrt der Fähre nach Barcelona/Sète 22 Uhr. Also eigentlich perfekt, auch wenn es noch etwas früh ist.
Vor dem ersten Durchfahtshäuschen werden wir schon von zwei GNV-Mitarbeiter abgefangen, wir drehen die Scheibe runter und müssen unser Reservierungsformular zeigen. Und dann geht es schnell, zu schnell für mich: Pässe abgeben, grüner Zettel der Einfuhr des Fahrzeuges rausgeben und schon verschwindet eine Person. Mist, schon wieder reingefallen, das ist kein offizeller Mitarbeiter sondern nur ein «freier Mitarbeiter» der den Bürokram macht und anschliessend ein Obolus will. Dabei wollte ich doch dieses Mal nicht auf so einen reinfallen, aber er sah wirklich echt aus mit dem Ausweis der Reederei.
Aber immerhin, keine drei Minuten später kommt er schon zurück, Ein-/Ausfuhrzettel des Womos abgestempelt, unser Check-in gemacht inklusive Kabinennummer und alle Formulare zurück im Womo. Und dann schwatzt er auf mich ein und verlangt einen Obulus. Ich zücke meint Portemonnaie und gebe ihm 100 Dhm. Er sagt, er finde das schon ein bisschen mickrig für diesen guten Service, das sei normalerweise 200 Dhm. Ich Idiot öffne das Portemonnaie nochmals, er sieht, dass da noch mehr Geld drin ist und ich zücke noch eine 200Dhm Note, da ich keine 100 Dhm-mehr habe. Natürlich nimmt er die 200 Dhm auch und gibt mir aber die ersten 100 Dhm nicht mehr zurück. Dann kommt der zweite und sagt, er wolle jetzt auch noch Geld. Da ich in der Kolonne stehe und vorne schon ein Polizist auf uns wartet, zücke ich auch noch für diesen eine 200 Dhm Note. Und dann beginnt er zu diskutieren und zu jammern, dass sein Kollege 300 Dhm bekommen habe und er nicht mal gleichviel. Und wir die Dhm ja doch nicht ausführen dürfen und diese nicht mehr brauchen können. Aber dann erkläre ich ihm, dass man in M’hamid für dieses Geld eine ganze Woche, oder besser einen ganzen Monat, leben kann und er jetzt echt genug bekommen hat. Wir diskutieren weiter, aber ich bleibe hart, und der Polizist weiter vorne winkt immer noch.
Immerhin bin ich bei dieser grossen Diskussion der kleine Sieger und rücke kein Geld mehr raus. Dennoch wurde ich ausgenommen wie ein naiver Tourist und habe jetzt 500 Dhm (50€) weniger, wie wenn ich diese Formulare selber organisiert hätte. Ich nerve mich zu Tode, oder besser gesagt, ab meiner Naivität, wie einfach ich zu überlisten bin. (Tipp: vor der Ankunft am Hafen Portemonnaie leeren und nur 100 Dhm drin haben, auch keine Euro, dann können sie nicht mehr verlangen). Und das machen sie mit jedem, ausser dem hinter mir. Da hat der Fahrer des Büsschen die Papiere ebenfalls rausgegeben, seine Ehefrau steigt aus und geht resolut dem Marokkaner nach, schimpft mit ihm und reisst ihm die Papiere aus der Hand und nimmt sie in das Büsschen zurück. Die will denen keine Dhm schenken…
Dadurch haben sie uns nun überholt und beim ersten richtigen Polizisten, wo wir die Reservation zeigen müssen, sind wir nun auch durch, beim zweiten, wo wir die Check-in-Daten und den abgestempelten Zettel zeigen müssen, können wir durchfahren und das Büsschen muss wieder drehen und die Formalitäten bei den ersten Marokkanern doch noch machen. Ups, das wird jetzt wahrscheinlich für die teurer wie beim ersten Mal…
100m weiter vorne müssen wir schon wieder den abgestempelten Zettel zeigen und werden auf eine Spur eingewiesen. Wieder bei so einem Kassenhäuschen werden wir forsch angewiesen, «Fiche jaune et passport» Gelber Zettel, haben wir aber keinen «Fiche jaune et Passport!», ich zucke mit den Achseln und sage «pas de fiche jaune» und der Beamte blickt richtig düster. Parkieren, 100m zurücklaufen, gelber Zettel holen, ausfüllen und mit Pass und ausgefüllten Zettel zwischen den Autos wieder zum Beamten. Dieses Mal schaut er freundlich, schnappt sich die gelben Zettel und knallt den Ausreisestempel in den Pass.
In der inzwischen recht grossen Autokolonne 100m weiter bis zum nächsten Häuschen und dort den grünen und weissen Zettel inklusive Pässe abgeben, weisser Zettel wird auch abgestempelt und zurückgegeben, der grüne wird archiviert, die Pässe haben wir auch wieder.
So, die Ausfuhr wäre also gemacht, denn jetzt können wir wieder etwa 500m fahren, bis wir wieder im Stau stehen. Nächstes Häuschen wieder Polizei, Pässe werden begutachtet und dann sind wir auch da durch. Allerdings staut es jetzt zurück vom Röntgengerät, wo alle Fahrzeuge durch müssen. Es wird um jede Position gekämpft, keiner gibt auch nur einen cm nach, wo sich die Spur von drei auf zwei verringert. Als wir dann die einspurige Kurve in Zweierkolonne durchfahren (gar nicht so einfach mit unserem grossen Knutschi) öffnet hinter uns die Absperrung und die normalen PW können durch und nur die Busse und die Womos müssen zum Röntgen. Und da geht es sehr langsam. Sehr, sehr langsam, bis wir endlich auch die nächste einspurige 180 Grad Kurve in Zweierkolonne durchfahren oder besser durchschleichen, cm hinter der Stosstange des Vordermannes, nicht dass noch einer vordrängen kann. Und bis wir dann auf der Röntgenspur sind, wo der Röntgenlastwagen in Zeitlupe röntg, ist schon arg Zeit vergangen. Nach dem Röntgen werden wir dann aus unerfindlichen Gründen nochmals 10 Minuten behalten und als wir endlich weiterfahren dürfen, sind wir auf Position 2899 von 3000 Fahrzeugen, die auf die Fähre kommen.
Dann dürfen wir wieder 300m fahren und werden wieder auf eine Spur eingewiesen, dieses Mal direkt vor der Fähre. Aber man glaubt es kaum, wir sind jetzt 2 Stunden im Hafen, haben unzählige Kontrollen hinter uns sind auf dem allerletzten Platz aller Fahrzeuge abgerutscht, die auf die Fähre wollen!
Dann ist erst mal warten angesagt, insgesamt nochmals zwei Stunden, bis unsere Spur endlich an die Reihe kommt. Zuerst alle PW’s, dann alle die in Barcelona raus müssen, dann die Spur rechts und dann die zwei Spuren links und wir stehen immer noch an letzter Stelle und an Ort.
Dann endlich, geht es ganz langsam nach vorne. Denn kurz vor der Fähre werden nochmals die Pässe kontrolliert und 50m weiter vorne auch noch jedes Fahrzeug einzeln unter die Lupe genommen, jeder Kofferraum geöffnet, das Gepäck durchwühlt, mit Hunden um die Autos geschlichen und auf das Dach und unter das Auto geschaut. Hey, wir wurden geröngt!!! Und jetzt nochmals??? Aber das Positive und man glaubt es kaum, wir überholen bei dieser Prozedur zwei Fahrzeuge und können als drittletzte auf die Fähre, wenn das mal kein Erfolg ist?
Und dann stellen wir den Motor ab, ziehen die Handbremse an, verschliessen unser Knutschi und sind endlich, endlich auf der Fähre!
Tipps Fähre zwischen Barcelona und Tanger
Wir liegen faul herum, essen und machen eigentlich gar nix
Der heutige Tag war ruhig wie das Meer. Viel machen auf der Fähre kann man ja nicht, dafür haben wir die Geselligkeit der Marokkaner mitgenommen. Nach dem Ausschlafen schlendern wir um 9:30 Uhr an die Bar, bestellen zwei Cappuccini und vier Croissant und setzen uns zu einem älteren, einsamen Marokkaner.
Der beginnt sofort zu erzählen von Frankreich, wo er jetzt lebt, von Marokko, das er immer noch im Herzen liebt, von seiner Familie und er strahlt über das gesamte Gesicht, dass er nicht mehr alleine am Tisch sitzen muss. Nach einer Stunde brechen Anita und ich dann auf das Aussendeck auf, geniessen die Sonne und als das kleine Shopping-Geschäft im Innern der Fähre aufmacht, sind wir natürlich bereit. Schliesslich kauft Anita noch eine schöne Regenjacke, unsere Kreditkarte funktioniert ja immer und es hat schliesslich noch Geld darauf. Viel davon haben wir übrigens in diesen vier Wochen nicht gebraucht, der Kassensturz machen wir aber erst zu Hause.
Anita, Ideengeberin und Fotografin
Während dem Sonnenuntergang machen wir noch Fotos und beginnen auszurechnen, wann wir denn ungefähr in Sète ankommen. Nach unseren Berechnungen müsste es morgen etwa 15 Uhr sein, wenn wir in den Hafen einfahren. Ab da sind es noch 800km bis nach Hause.
Morgen haben wir dann noch Zeit, um ein Fazit unserer zweiten Marokkoreise zu ziehen. Dass es positiv ausfällt, daran ist schon mal kein Zweifel. Und echt, es schreit nach einer dritten Reise. OB das allerdings schon nächstes Jahr sein wird, glaube ich eher nicht. Denn wir wollen ja noch so viele andere Länder sehen. Nächsten Frühling ist wahrscheinlich Irland dran, aber das kann sich ja noch 10x ändern.
Rolf, Schreiber, Planer und Fotograf
Ach ja, das Meer ist auch ruhig und sehr weit von dem hohen Wellengang der Hinfahrt entfernt. Wir konnten also heute Abend wieder mal so ein richtiges Filetstück Fleisch geniessen…
Unsere Erfahrungen mit dem Wohnmobil in Marokko
Wir fuhren mit einem ganz normalen Teilintegrierten 2017 und 2018 für je 4 Wochen nach Marokko. Unsere ersten aussereuropäischen Reisen und in einem muslimischen Land. Insgesamt mit Hin- und Rückfahrt fuhren wir auf beiden reisen ca. 13'000km. Wir reisten zweimal im November, also ausserhalb der Saison und im marokkanischen Winter. Beide Male waren und sind wir von Marokko begeistert.
Die verschiedenen Landschaften auf kurzer Distanz waren absolut atemberaubend. Der Süden mit den Wüsten, der Atlas mit den einsamen Bergstrassen, überall kleinen, abgelegenen Städtchen hat uns landschaftlich viel besser gefallen wie der Norden und die Meeresküste.
Wir sind total hingerissen von der Freundlichkeit, der Hilfsbereitschaft und vor allem von der Gastfreundschaft. So etwas haben wir in unserem Leben einfach noch nie erlebt. Von A-Z freundlich: viele Male haben wir uns selber geschämt, weil wir zuerst immer Hintergedanken vermuteten und überlegten, ob die uns jetzt ausnehmen oder überfallen wollen…
Wir haben uns noch nie so sicher gefühlt und hatten keine Sekunden bedenken, dass z.B. unser Auto aufgebrochen wird oder sonst was passiert. Es war in dieser Hinsicht echt entspannend. Auch gibt es vor allem im Süden bei jeder grösseren Ortschaft beim Ortseingang Polizeikontrollen. Aber wir Touristen wurden nur einmal etwas kontrolliert und immer, aber gar immer, sehr freundlich empfangen.
Aufpassen sollte man nur wie überall in den grossen Städten. In den Touristenorten ist noch wenigerkeine Gefahr durch viele patrouillierenden Polizisten. In den Quartieren der Einheimischen sollte man sich wie in normalen Grosstädten etwas in acht nehmen.
Auch hier wurden wir immer sehr freundlich empfangen und immer lag auch ein längeres Gespräch mit den Platzchefs drin. Es wurde jeweils das möglichste gemacht, damit wir einen tollen Aufenthalt hatten, auch die Preise wurden uns immer schon bei Ankunft mitgeteilt. Klar, die Sanitären Anlagen entsprachen nicht immer dem europäischen Standard, aber Wasser fassen und entsorgen konnte man immer und wurde zum Teil sehr kreativ , aber sehr gut gelöst.
Ist eigentlich verboten in Marokko. Aber mehr darum, weil die Polizei Angst hat, es könnte irgendetwas passieren und so ein schlechtes Licht auf Marokko werfen und dann weniger Touristen kommen. Und wenn jemand sieht, dass man frei steht, wird man vielfach nach Hause eingeladen, weil sich die Leute dort irgendwie nicht vorstellen können, dass wir in so einem Gefährt auch leben können. Entlang der Küste macht die Polizei zum Teil auch Kontrollen und weisst einem dann Plätze vor dem Polizeiposten oder sonst an einem "sicheren" Ort ein. Dort also immer besser die Campingplätze benützen.
Geld kann man in Marokko natürlich sehr viel sparen. Für einen Campingplatz haben wir selten mehr als 6€ bezahlt, ein Brot kostet ca. 10 Cent und ein Kilo Gemüse oder Früchte etwa 1€. Die grossen Supermärkte sind relativ teuer, da es dort auch ausländische Produkte gibt. Sie sind im Süden dünn gesäht. In den kleinen Einkaufsläden und auf dem Markt ist es wesentlich günstiger, da es lokale Produkte sind. Vielfach muss man in diesen Läden dem Ladenbesitzer mitteilen, was man will, er krämt es dann hervor und stellt es auf die Ladentheke. Dann kommt das nächste Produkt usw.
Gewöhnen mussten wir uns an den Fleischkauf. Beim Metzger hängen einige grosse Fleischstücke, halbe Ziegen etc. an einem Hacken. Dann wählt man das Fleischstück und sagt, wieviel man in ungefähr möchte und mit einem Biel oder grossen Messer wird dann einen Teil abgehackt. Oder auf dem Markt kann man ein lebendiges Huhn auswählen, Kopf weg, in eine Entfederungsmaschine oder es wird von Hand gerupft, und dann bekommt man das frische Huhn mit allen Innereien. Wir haben also ziemlich wenig Fleisch gegessen, aber es war immer hervorragend!
Da habe ich einen extra Beitrag geschrieben, da es sonst zu lange geworden wäre
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wir benützen bisher Barcelona – Tanger Med, Nador – Almeria, Sète - Nador und Tanger Med - Nador. Auch hier bitte die verlinkten Beiträge lesen. Aber kurz: absolut keine Probleme und der HAfen in Nador sind die Leute irgendwie noch etwas hilfsbereiter wie in Tanger Med.
Da gab es wirklich keine Probleme. Zuerst waren wir sehr skeptisch, jetzt sind wir Fan geworden, echt! Hier unsere Gedanken dazu: Muslime, Verschleierung und andere Gedanken
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, aber bei Notfällen kann fast überall geholfen werden. Apotheken gibt es in jeder Ortschaft die mit dem wichtigsten Medikamenten ausgestattet sind. Auch Spitäler haben wir einige gesehen und Krankenwagen auch. Unser Notfall: Medizinische und andere Notfälle
Die Marokkaner (vor allem im Süden) und auch einige Sackmesser für ganz spezielle Hilfeleistungen und eventuell ein paar alte Kleider (T-Shirt, Pullis, Hosen) mitnehmen. Alte Smartphones sind heiss begehrt und ebenfalls eine Möglichkeit und auch Süssigkeiten (als Schweizer natürlich Schweizer Schokolade). Gefragt wird man auch nach Wein und Bier, hatten wir aber nie dabei.
Wir haben ziemlich viel gekauft, Teppichkauf in Tafraoute, ein Kamel für die Weihnachtskrippe, Schmuck, Tücher und natürlich eine Tajine, das perfekte Kochgefäss aus Nordafrika.
Das Land selber ist eine absolute Sehenswürdigkeit, aber speziell haben wir uns angeschaut:
Alle Marokkaner, die mit Touristen in Kontakt kommen, sprechen französisch, sehr viele Englisch und einige Brocken Deutsch. Im Süden auf dem Land trifft man dann aber noch wirklich viele Einheimische, die nur arabisch sprechen. Da ist die Konversation mit Händen und Füssen dann an der Tagesordnung ;-) Im Osten des Landes kommt man auch mit Spanisch sehr gut zurecht.
Nicht alle lieben es, fotografiert zu werden. Vor allem die ganz verschleierten Frauen drehen sich sofort weg, wenn sie merken, dass man mit dem Fotoapparat "zielt". Also immer fragen und viel diskreter anwenden, wie in Europa. Wir haben deswegen auch nicht allzuviele Fotos von Märkten und anderen Menschenansammlungen.
Die Tankstellen sind im Süden etwas spärlicher, vor allem in den Bergen. In den grösseren Städten hat es aber immer eine Tankstelle. Auch in den Bergen wird zum Teil bei Mechanikern Diesel aus Fässern verkauft. Für eine Überbrückung reicht das jeweils locker, würde ich aber wegen der Dieselpest nur im Notfall benützen.
Innerhalb der Städte ist es ein echtes Gewusel von Autos, Motorrädern, Radfahrer, Eselskarren, Tucktucks und Fussgängern. Echt ein Wirrwar, es wird auch schnell gehupt, aber man nimmt Rücksicht aufeinander. Ausserorts ist dann praktisch nichts mehr los und man ist auf weiten Strecken ganz alleine.
Die Strassen holpern manchmal schon etwas mehr, aber aufpassen muss man vor allem von Schlaglöchern oder manchmal fehlen ganze Schachtdeckel. Im dunkeln also besser nicht mehr fahren und möglichst bei Tageslicht einen Platz anfahren. Denn auch für Fahrräder ist Licht ein Fremdwort.
Ist man viel in den Bergen und dem hohen Atlas unterwegs, empfhilet sich ein Reserverrad. Wir fuhren ohne und promt schlitze es uns den Pneu auf. Es wurde aber wie immer sehr freundlich und schnell von Einheimischen geholfen.
Was nicht so toll war: Steinewerfende und bettelnde Kinder, dazu auch manchmal aufsässige Händler, aber nur in den Touristenorten.
unseres Reisestrecke