Heute war alles irgendwie zu viel: zu viele km, zu viele Baustellen, zu viele Kristallverkäufer.
Anita und ich sind erledigt, total. Es ist jetzt hier 18 Uhr, stockdunkel, wir tragen schon unsere Pyjamas und haben uns in unserem Knutschi blicksicher eingeschlossen. Wir wollen einfach nur noch unsere Ruhe!
Es begann schon in der Nacht, dauernd viele Hunde die bellen und jaulen, keine Ahnung von wo die herkommen. Bis jetzt fiel uns das noch nie auf, diese Nacht aber nervte es ganz gewaltig.
Morgens dann wieder strahlender Sonnenschein und wir gute Laune, Ent- und Versorgen, Frischwassertank wieder voll. Und wir fahren Richtung Hoher Atlas auf einer kleinen Bergstrasse. Wieder sind wir überwältigt von der Natur und den Ausblicken hinter jeder Kurve. Es ist einfach so unglaublich schön und friedlich, kein Verkehr, freundliche winkende Leute am Strassenrand und hin und wieder ein vollbeladener Eselskarren.
Wir durchqueren erstaunlich viele Bergdörfer, völlig abgelegen und klein. Und da ist es auch nicht verwunderlich, dass es weder eine Tankstelle hat (wir brauchen heute irgendwo noch Diesel) noch einen Bancomaten (auch Bargeld brauchen wir dringend). Alles auch noch nicht beunruhigend.
Dann nach zwei Stunden traumhafter Fahrt stehen wir an der Kreuzung der Haupstrasse Marakkesch- Ouarzazate, der grössten Strasse quer durch das Atlas-Gebirge. Während wir an der Kreuzung stehen kommt ein alter (mindestens so sah er aus) Berber an unser Womo und will uns einen Kristall verkaufen. Wir haben kein Interesse, aber diese Kristalle sind schon unheimlich schön… Aber weil wir kein Interesse haben, fällt und fällt der Preis, und als er dann nur noch 100Dhm (10 €) beträgt, schlage ich doch zu. So, nun ist auch unser fast letztes Geld noch weg.
Aber wir biegen auf die Hauptstrasse Richtung Marakkesch ab und sind seit sehr langem wiedermal im Verkehr. Die Strasse führt berghoch und bergab, ziemlich schön die ersten 20km. Aber keine Tankstelle, keinen Bancomaten. Und dann beginnt die Baustelle. Und das nervt in Marokko! Die können keine normale Baustelle machen, sondern reissen mal auf 60km den gesamten Belag weg und bauen alle Brücken gleichzeitig neu. Aber überall gleich weit, nirgends fertig, überall Schlaglöcher, mit überladenen Lastwagen die mit 20 den Berg hoch schnaufen und noch langsamer bergrunter. Wie wäre es, wenn die Baustelle auf 5km länge beschränkt wäre, dann aber alle dort am Arbeiten sind und das Stück fertig machen und dann den nächsten Abschnitt beginnen? Nein, die beginnen lieber grad alles miteinander…
Und weder eine Tankstelle noch einen Bancomaten…
Die Hauptstrasse durch den Hohen Atlas
Und dann wäre ich gerne die P2016 gefahren, 70km und zwei Stunden durch die Berge. Keine Ahnung ob wir dort durchkommen, aber ganz sicher hat es auf diesem Weg weder Tankstelle noch Bancomaten und ohne Geld dort durch, will ich nicht wagen. Der Diesel wird zwar reichen, aber man weiss ja nie, wenn man wieder drehen müsste.
Also fahren wir sicherheitshalber weiter Richtung Marakkesch. Und dann endlich, endlich eine Afrique Tankstelle. Sind das nicht die, wo man nicht mit Kreditkarte tanken kann? Wir halten trotzdem, aber «no card». In diesem Moment nervt Marokko! Die grösste Hauptstrasse mit am meisten Verkehr aber keine Tankstelle, die Kreditkarten akzeptiert. Aber wir hätten es wissen müssen…
Also weiter Richtung Marakkesch. Und dann endlich viel weiter, eine Tankstelle mit Kreditkarte. Immerhin. Wir lassen voll tanken und beim Bezahlen sehe ich meine erste Gefriertruhe in Marokko mit Glaces. Natürlich kann ich nicht widerstehen und kaufe zwei. Allerdings muss der Tankwart die Gefriertruhe erst mit einem Schlüssel aufschliessen.
Zurück im Knutschi bessert sich die Laune, Tank voller Diesel und zwei Glaces in der Hand. Allerdings, die Glaces kann man nicht wirklich essen, uralt und nicht mal richtig kalt. Ich hätte es wissen müssen, Marokkop nervt schon wieder…
eine der vielen Brückenumfahrungen
Wir fahren weiter bis nach Ait Ourir, einer ziemlich grossen Stadt. Unser einziges Ziel: ein Bancomat für Cash! Das geht dann dort auch problemlos und wir fühlen uns wieder etwas besser mit einem vollen Portemonnaie. Im nächsten kleinen Ort kaufen wir dann 3,7kg Gemüse für 37 Dhm und drei Brote für 6 Dhm (immer durch 10 teilen, dann bekommt man den Euro-Preis). Unser Geld hätte also schon noch eine Weile gereicht.
Aber nun sind wir immer noch 129km von unserem Tagesziel entfernt und das zieht und zieht und zieht sich… Dann endlich kommen wir ziemlich erledigt bei den Cascades d’Ouzoud an. Irgendwo rechts gibt es nach Karte einen Campingplatz. Haufenweise Parkplatzeinweise wollen uns auf ihren Parkplatz locken und winken wie verrückt. Ich fahre zum allerhintersten, der auch von weitem wie verrückt winkt und folge ihm. Er verscheucht mal alle Touristen vor uns aus dem Weg, denn wir fahren quasi durch die enge Fussgängerzone. Ich werfe dem Platzwärter einen fragenden Blick zu und er nickt nur und winkt weiter, wir sollen ihm folgen. Dann geht es ganz knapp an einem ganz engen Tor vorbei und wir stehen im Grünen, das Rauschen der Wasserfälle im Hintergrund. Wow, wir stehen wohl ganz nahe.
Aber es ist schon ziemlich spät und ein «Führer» kommt zu uns und erklärt uns, dass wir jetzt noch die Wasserfälle besichtigen sollen, denn es hat nun keine Touristen mehr und wir könnten gute Fotos machen. Wir lassen uns weichklopfen, machen das Führerhonorar ab (wir haben ja wieder Geld jetzt), schnappen unsere Fotoapparate und marschieren, fast rennend, zu den Wasserfällen und ganz hinab (100m Höhenunterschied) schiessen vor dem Eindunkeln die Fotos, danach steigen wir wieder alles hoch, bezahlen den Führer und sind total erledigt im Knutschi.
Einfach zu viele Eindrücke heute, zu viele Kilometer, zu lange Fahrzeit, zu wenig gegessen (allerdings haben wir nicht mal Hunger, so kaputt sind wir) und schnaufen nun in unserem Knutschi erst einmal ganz in Ruhe durch.
Wow, was für ein Tag, was für eine Fahrt und was für Sehenswürdigkeiten.
Wir sind ganz baff und noch sprachlos, was wir heute alles erlebt haben. Das würde alleine schon ein Buch füllen. Aber nun der Reihe nach.
Morgens spazierten wir fast als einzige rund um die Cascade d’Ouzoud. Die Wasserfälle sind echt beeindrucken, viel besser als wir gedacht haben. Diese Wasserfälle bekommen etwas später noch einen separaten Eintrag in unseren Blog.
Nach der Besichtigung fahren wir Richtung Süden, durchqueren die lebhafte Stadt Demnate am Fusse des Atlas. Danach beginnt die Strasse zu steigen und kurze Zeit später erreichen wir einen Punkt auf der Landkarte, der Beschriftet mit «pont naturel», natürliche Brücke. Also schnell parkieren, Fotoapparate schnappen und mit einem Fremdenführer einen Rundgang machen. Und Wow, es ist gewaltig! Eine 20m hohe Höhle, die etwa 50m lang ist und durchgehend. Man kann hinten und vorne hinaus. Diese Himmelsbrücke hat nur einen arabischen Namen, den ich leider nicht lesen kann. Es ist aber so beeindruckend hier, so dass auch diese Himmelsbrücke einen eigenen Blogeintrag erhält, aber erst heute späteren Abend.
Danach kommt eine Strecke, auf die ich mich schon lange freue. Die R307 quer durch den Hohen Atlas. Der Fremdenführer fragt noch, ob wir einen vollen Tank haben, es komme keine Tankstelle mehr bis Quarzazate und wir sollen schauen, dass wir vor dem nächsten Regen dort sind, sonst könnte die Strasse unpassierbar werden. Nach Karte sind es 96km durch das Gebirge.
Also, wir fahren los und schon beginnt die erste marokkanische Baustelle, eine von denen, wo sie überall beginnen und nirgends fertig machen. Wenig später merken wir dann, dass es gar keine Baustelle ist, sondern die Strasse ist hier einfach so. Manchmal Asphalt, manchmal ist der von 50cm Schutt bedeckt und die Strasse führt einfach darüber und manchmal fehlt einfach der Asphalt, weil der weggespült wurde. Die Strasse ist schmal, aber das kreuzen mit dem sehr seltenen Gegenverkehr kein Problem.
Es geht berghoch über kleine Pässchen, dann wieder in Tälern den Flüssen entlang, immer weiter in die Berge. Die Strasse bleibt unterschiedlich gut, nur die Schlaglöcher kommen mit häufiger Regelmässigkeit. Aber die Gegend ist fantastisch, wie in einem Märchen! Wir machen wie immer ein um den anderen Fotostopp.
Die Strasse wird aber etwas schlechter, die Asphaltabschnitte jeweils immer kürzer aber kein Grund zur Beunruhigen. Dann wieder auf einem Pässchen kommt uns ein riesiges französisches Expeditionsmobil entgegen, 4x4, Achsfreiheit etwa einen Meter, Scheinwerfer, Elchgitter, Seilwinde, Kanister auf dem Dach, so wie man sich so ein Gefährt eben vorstellt. Aber dieser Idiot will irgendwie nicht in s Kies raus fahren, also fahre ich mit meinem Knutschi fast den Abhang hinunter, damit dieser französische Truck vorbei kommt. Dahinter zwei Jeeps 4x4, Pneus breiter wie das gesamte Auto, mit Nummern und Werbung beklebt. Der Hintere hält neben uns, dreht die Scheibe runter und fragt, wohin wir wollen. «Nach Quarzazate» sage ich und denke «du Idiot, die Strasse geht ja nirgends anders hin!» Der Fahrer, ein Franzose, schüttelt den Kopf und zeigt auf unser Knutschi: «Mit diesem Gefährt kommt ihr nicht dahin!» «Warum nicht, wo ist das Problem?» «Zuviel Risiko!» Ich werde stutzig und frage dann ganz höflich, was denn für ein Risiko, wo sind die Gefahren? «Die Strasse ist sehr uneben und mit Schlaglöcher übersäht!» Mann, ist das in Vollpfosten, wir konnten bis anhin auch allerhöchstens im dritten Gang fahren und sind nicht schnell unterwegs. Ich hasse überhebliche Franzosen! Wenn er mich gewarnt hätte, dass Regen kommt und dass es dann zu gefährlich wird wegen Erdrutschen, überspülten Strassen etc, hätte ich im sofort geglaubt und gedreht. Es hat nämlich ziemlich schwarze Wolken und ich habe echt am meisten Angst vor einem richtigen Platzregen, der Erdrutsche auslöst und wenn man dann am falschen Ort ist, gute Nacht. Aber er warnt uns vor Schlaglöcher! Wahrscheinlich haben wir jetzt diesen Möchtegern-Offroadern wieder den Traum gestohlen, weil wir die gleiche Strasse mit unserem Knutschi fahren!
Aber ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch im Bauch zurück. Was wird noch kommen? Ist das wirklich nicht passierbar für uns?
Und dann setzt tatsächlich noch Regen ein, aber nur leicht, die Strasse und der Lehm wird rutschig und klebrig. Aber jede Offroadpassage von ein paar 100m schaffen wir eigentlich problemlos und sind danach wieder auf dem Asphalt. Und es kommen einige von diesen Passagen!
In den zu passierenden Dörfern winken uns die Leute und die Kinder immer freundlich zu, ich glaube, es kommen da nicht sooo viele Womos durch. Aber sobald wir in einem Dorf sind, sehen wir auch wieder ein paar Lastwagen oder ein gössere Taxis, die hier sind und die müssen ja auch irgendwie hierher gekommen sein. Also ist die Strasse doch durchgehend. Bei jedem Dorf sind wir wieder etwas ruhiger.
Dann der letzte Aufstieg auf den letzten und hohen Pass hat es dann wirklich noch in sich, wir kommen aber mit unserem Knutschi auch da problemlos hoch. Auf dem Tizi n’Fedrate (keine Ahnung, wie hoch wir sind) sehen wir weit im Süden die Ebene von Quarzazate, links den 3607m hohe, total verschneite J.Anrhomer und eine unglaubliche Aussicht. Die Passhöhe ist übrigens nicht weit unter der Schneegrenze. Aber wir sehen auch noch einen ebenen, grossen Kiesplatz der so einladend ruft: kommt her und übernachtet bei mir! Wir können nicht widerstehen.
Sonnenuntergang auf dem Tizi n’Fedrate
Bis ins Tal schaffen wir es sowiso nicht mehr heute und auch wenn noch ein Gewitter aufziehen würde, hier sind wir vor Felstürzen, Schlammlawinen und übertretenen Bäche sicher.
Anita backt nun noch ein Brot, und ich sichte die viel zu vielen Fotos des heutigen Tages und bin rundherum glücklich. Einfach ein perfekter Tag mit Abenteuer. Und echt, jeder der Nerven und Zeit hat, ist diese Strasse zu empfehlen.
Anita macht den Brotteig auf über 2000m
Momentan hat es draussen 2 Grad, sollte es also regnen, schneit es. Aber ihr könnt beruhigt sein, auf morgen Vormittag ist schönes Wetter angesagt und wir haben Winterpneus drauf! Und sonst warten wir halt, bis der Schnee weg ist.
Ein gewaltiges Naturschauspiel, das man sehr leicht übersehen kann
Fährt man mit dem Womo auf diese Kreuzung zu, sieht gar nichts spektakulär aus und man fährt leicht einfach daran vorbei. Es fallen einem höchsten ein paar Leute auf, die auf Touristen warten. Aber die Kreuzung der R307 und R302 liegt auf einer grossen, natürlichen Felsenbrücke, von der Strasse aus nicht einzusehen.
Es lohnt sich also sehr, R302 etwa 100m zu folgen und dann links in einen Parkplatz zu fahren. Man bezahlt 10 Dhm für das parkieren des Womos und dann wird man von Abdoul oder einem anderen Fremdenverkehrsführer in Empfang genommen. Hat es sehr wenige Touristen, lohnt es sich, Abdoul zu engagieren (für die Führung möchte er am liebsten 100 Dhm), da der Weg und das Tor nicht einfach zu finden sind. Abdoul ist nicht aufdringlich und macht seine Sache wirklich gut.
ein natürliches Schwimmnbecken
Sind viele Touristen am rumlaufen, braucht man keinen solchen Führer, dann findet man den Weg auch selber.
Zuerst geht es südlich der Strasse ein kleines Weglein steil bergrunter und dann wird man sich erst bewusst, was für ein gewaltiges Naturspektakel sich hier bietet. Es ist eine riesige Höhle, ca. 20m hoch und 50m lang. Oben über der Höhle auf dem Felsen ist die Strassenkreuzung…
Man muss etwas klettern, dazwischen hat es Treppen, als Schuhwerk sind Adiletten oder Sandalen nicht wirklich perfekt, Turnschuhe sollten es schon sein. Aber der Weg ist sehr eindrücklich, die Fotos geben dieses Spektakel nicht wirklich wieder.
Grössenverhältnis: links unten steht ein Mann
Auf der nördlichen Seite gibt es zwei grosse Quellen, eine mit Süsswasser, eine mit etwas salzigem Wasser. Die Quelle mit dem salzigen Wasser wird für die Bewässerung der Plantagen gebraucht, angeblich spriessen mit diesem Wasser die Pflanzen besser und es sollen schon kranke Leute damit geheilt worden sein. Alleine findet man diese Quellen eher nicht, da ist der Führer schon hilfreich.
Steht man unter dem Tor und blickt Richtung norden, sieht der Ausgang mit dem Himmel im Hintergrund aus wie der Kontinent Afrika. Die Einheimischen nennen diesen Ausblick "das Herz Afrikas".
Alles in allem ist es ein unbedingtes Muss, diesen Ort zu besuchen, wenn man irgendwo in der Gegend ist. Wir waren wirklich sehr, sehr beeindruckt, auch die Einheimischen waren überhaupt nicht aufdringlich.
Unser Tipp: unbedingt besuchen und etwa 1 Stunde Zeit einrechnen.
Google Koordinaten: 31.724048, -6.971717
fünf Vogelarten leben unter der Brücke
Einige Tipps für den Besuch dieser Naturlandschaft
Vorweg: der Besuch der 110m hohen Wasserfälle lohnt sich, auch wenn ich als Schweizer, der schon viele Wasserfälle gesehen hat, zuerst etwas skeptisch war. Die Anfahrt mit dem Wohnmobil gestaltet sich unproblematisch, die Strassen sind gut und es hat wenig Verkehr.
Kommt man dann in die Ortschaft Ouzoud (übersetzt von der Berbersprache:Oliven) muss man rechts um einen grossen Kreisel fahren und danach stehen «Parkplatzeinweiser» die die Wohnmobilfahrer auf ihren eigenen Campingplatz locken wollen. Gleich zu Beginn rechts ist der Camping Amalou, problemlos zu erreichen und auch schön gelegen. 200m weiter vorne, beim allerletzten Platzeinweiser gibt es nochmals ein schön ruhiger Platz praktisch auf den Wasserfällen drauf. Da muss man allerdings durch die engen Gassen fahren und streift auch ein paar Äste eines Olivenbaums. Es geht problemlos mit unserem 7.50m Gefährt, ist allerdings knapp. Mit einem grösseren Gefährt unbedingt den ersten Camping nehmen. Preis für eine Übernachtung im Wohnmobil 50 Dhm, auf dem Schild steht zwar 30Dhm, aber das zählt nur beim Parken nicht beim Campieren ;-)
Vom Ort aus gibt es einen Rundweg 100m hinab zum Fusse der Wasserfälle, dann 10m Bootstour über das Wasser (20 Dhm pro Person) und auf der anderen Seite wieder hinauf. In Fliess- und Anfahrtsrichtung rechts durch das Dorf zwischen Souverniershops hinunter kann man getrost auf einen sich anbietenden «Fremdenverkehrsführer» verzichten, da sie auch überaus teuer sind und als Mindestangebot 200 Dhm akzeptieren (kann aber täglich verschieden sein). Will man auf der rechten Seite zuerst runter, ist der Einstieg etwas schwieriger zu finden.
Also zuerst links an Marktständen und vielen kleinen Restaurants vorbei dem guten Weg und über Treppen immer weiter hinunter. Zwischendurch kommt eine Aussichtsplattform, wo man wirklich einen schönen Überblick auf halber Höhe über die imposanten Wasserfälle hat.
Dann immer weiter hinunter, bis man am Fusse des Flusses ankommt. Man muss etwas über die grossen Felsen klettern, damit man den Wasserfall gut im Bild hat. Leider fallen die Wasserfälle gegen Norden und so steht für tolle Fotos die Sonne nicht ideal, die Wasserfälle im Schatten und der Himmel viel zu hell (ausser im Hochsommer). Kann man aber nicht ändern.
Danach muss man mit kleinen Fähren die 10m über das Wasser fahren. Die Brücke habe es letztes Jahr bei einem Hochwasser fortgeschwemmt und darum habe man jetzt die provisorischen Schiffe hier. Das ist aber Berberlatain, denn mit den Schiffen lässt sich ein grösseres Geschäft machen wie mit einer Brücke.
Auf der anderen Seite geht es dann durch einen Olivenhein wieder ganz hoch. Oben warten dann zum Teil schon auch frei lebende Berberaffen und betteln die Besucher um Nahrung an. Bitte nur Früchte füttern und kein Brot und andere behandelte Lebensmittel (hält sich zwar keiner dran, aber die Einheimischen bitten darum).
Die gesamte Tour dauert vielleicht eine Stunde wenn man es gemütlich nimmt. Man ist auch nicht gezwungen, unten über den Fluss überzusetzen, man kann auch problemlos wieder auf der gleichen Seite hoch gehen.
Es gibt auch noch eine grössere Runde von rund 3 Stunden, die wir aber nicht gemacht haben und darum auch nichts schreiben können.
Nachmittags nach 16 Uhr und morgens bis 11 Uhr ist man fast alleine, die Händler haben meistens schon zusammengeräumt, die Busse aus Marrakesch sind schon weg oder noch nicht angekommen. Alles also ziemlich easy. Dazwischen kann in vielen Restaurants gut gegessen werden…
Wir fahren am weltweit grössten Solarkraftwerk vorbei und dürfen nicht mal fotografieren.
Die Nacht auf dem Pass verbringen wir im schön kuscheligen Womo, währendessen draussen das Thermometer auf unter Null Grad sinkt. Die Nacht ist aber extrem ruhig, kein einziges Fahrzeug hat die Passhöhe passiert und bis um 11 Uhr, wo wir endlich Richtung Tal hinunterfahren waren gerade mal 5 Fahrzeuge hier oben.
Die Abfahrt ist nun nicht mehr so löchtig wie gestern, die Gegend und die Berge wunderschön, nur die grossen Stromleitungen über den Atlas stören das Bild etwas. Aber es ist auch nicht verwunderlich, im Tal unten bei Ouarzazate steht das grösste Solarbetriebene Kraftwerk weltweit.
Noor 1 ist ein Parabolrinnenkraftwerk, das auf einer Fläche von 450 ha errichtet wurde. Die Parabolrinnen erwärmen einen zirkulierenden Wärmeträger dabei von 297C auf 393C. Die Anlage hat einen thermischen Speicher, der die volle Leistung für drei Stunden bereitstellen kann. So kann der Strom nicht nur tagsüber, sondern auch noch bis zu drei Stunden nach Sonnenuntergang erzeugt werden, dann ist der Stromverbrauch in Marokko am höchsten.
Und da wir an diesem Kraftwerk vorbeifahren (die Solarpanels sind auf einer Fläche von 2 x 1.5km aufgestellt) wäre eine Besichtigung doch gerade recht. Von der Hauptstrasse führt die schönste und breiteste Strasse direkt zum Kraftwerk, allerdings steht da ein grosses Schild, dass diese Strasse nur für Berechtigte ist. Sind wir nun berechtigt oder nicht? Wir spielen die Unwissenden und fahren die drei Kilometer frech bis vor das Tor. Dort frage ich, ob es eine Möglichkeit gibt, dieses Kraftwerk zu besichtigen. Ein Beamter schüttelt den Kopf und gibt freundlich zu erkennen, dass für die gesamte Zone der Zutritt verboten ist. Mist, aber ich habe es mir schon gedacht, hier in Marokko hat die Sicherheit irgendwie eine andere Bedeutung wie bei uns. Der Beamte sagt dann aber von sich aus, wenn ich ein Foto machen wolle, könne ich es von hier aus tun. Dankbar nehme ich den Fotoapparat in die Hand und trete vor das Tor. Aber da beginnt ein anderer Beamte im Wachhäuschen wild mit den Armen zu fuchteln und gibt zu verstehen, auch fotografieren ist verboten. Der erste Beamte entschuldigt sich und sagt, der Sicherheitschef habe eben zu verstehen gegeben, dass ich nicht fotografieren dürfe.
Schade, nicht mal ein Foto gibt es. Dabei wäre das doch eines der Vorzeigeprojekte von Marokko. Das Kraftwerk soll im Endausbau 580 MW Leistung mit der Sonnenkraft bringen (AKW Beznau 1 : 380 MW).
Dann fahren wir halt weiter über nun schöne, breite und ohne Schlaglöcher-Strassen, bis wir in Agzd sind. Dort hat uns Abdou einen Campingplatz empfohlen, der von einem seiner Freunde geführt wird.. Selbstverständlich hören wir auf seinen Tipp, der auch hier goldrichtig ist.
Irgendwo im Niemandsland ein wunderschöne, grüne Oase, mit wunderschönen Feldern und Dattelpalmen. Und wir stehen nun mit dem Womo mittendrin. Said macht uns eine Führung im Gebäude, dass sie nun grad vollständig renovieren. Er kann vier Gästezimmer anbieten, Restaurant, Küche und echt ganz tolle Sanitärräume mit Duschen, funktionierenden Wc’s, und alles ganz lieblich gemacht. Alles schön aufgeräumt und nirgends auch nur eine Pet-Flasche Abfall, gar nicht Marokko üblich…
Wir geniessen den Aufenthalt im Grünen, machen mit unseren «Berg»-Adiletten noch einen kleinen Spaziergang und beginnen dann wieder einmal eine feine Tajine zu kochen.
Anita mit den Wanderadiletten und Whyskas vom Campingplatz
Dazwischen kommt dann noch die Frau von Said und wie es sich herausstellt, eine geborene Französin. Und sie freut sich riesig, dass wir merken, dass hier alles sauber ist. Das sei nämlich ihre Aufgabe und sie versuche den Marokkanern schon lange beizubringen, dass man Abfall nicht einfach wegwirft, sondern richtig entsorgt. Das sei aber ein schwieriges Unterfangen, hier im Dorf hätten sie es nun langsam geschnallt. Bei der ersten Putzaktion in und ums Dorf (10 Wohnhäuser) habe die Bewohner schlussendlich ganze 12 Lastwagenladungen Abfall abgeführt… Und jetzt dürfen diese Leute hier auf der Anlage die 10 Hektaren zusammen mit Said bewirtschaften, Weizen, Dattelpalmen, Melonen, Tierfutter und noch andere Gemüse, das ich leider nicht verstanden habe. Said stelle Wasser, Strom und die Werkzeuge zur Verfügung, die Dorfleute dürfen hier alles bewirtschaften und bei der Ernte gehöre eine Hälfte Said und die andere Hälfte der Bevölkerung. Alle seien so glücklich und sie, die Frau, müsse nicht auf dem Feld arbeiten und könne sich um den Camping und das Haus kümmern.
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