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Morschach Schweiz 2014
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Reisebericht

Wohnung zu verkaufen 22.11.2018

Und ein Rundgang durch M’hamid

Wir fragen Abdou, wo er hier im Ort seine Tücher für den Turban kauft. Ich, Rolf, suche schon länger ein schwarzes, denn viele Einheimischen tragen schwarze Turbans. Abdou ist grad etwas beleidigt und sagt, das sei nicht schwarz, sondern Indigo. Natürlich entschuldige ich mich sofort und muss dann im Internet nachschauen, was Indigo überhaupt ist. Aha, ganz eine dunkelblaue Farbe, so wie das Auge, das ich mir fast mit dieser Frage geholt habe…

Auf alle Fälle braucht man für einen richtigen Turban etwa 7m Stoff, besser 8m, denn man weiss nie, wann man ein Stück Stoff nötig habe und so könne man sich vom Turban ein Stück abschneiden. Aber hier im Dorf gibt es einen alten Händler, der von allen Leuten, egal ob Touristen oder Einheimische, das gleiche verlange, etwa 15Dhm pro Meter und das sei gute Qualität dort. Natürlich lassen wir uns den Laden zeigen, aber Abdou fährt mit dem Auto eines Freundes des Cousins mit uns weiter zum alten Teil von Mhamid, über die grosse Brücke des ausgetrockneten Flusses und dann rechts. Da gibt es eine etwa drei Kilometer lange asphaltierte, im Kreis geführte Strasse, die schlussendlich wieder bei der Brücke endet.

enge Gassen in der Altstadt von Mhamid

Abdou will uns sein Heimatdorf zeigen und parkiert dann etwa zwei Kilometer entfernt vom Campingplatz bei einer alten Kasbha, also einer Überbauung von Lehmhäusern, die alle zusammengebaut sind, zweistöckig und so im Innern einen kühlen Lebensraum auch im Sommer gewähren. Diesen Sommer hätten sie z.B. 52 Grad im Schatten gemessen und innen in den Häusern war es nur etwa 34 Grad. 

Er zeigt uns die verwinkelten Gassen, zum Teil stockdunkel, und bei einer Tür bleibt er stehen und sagt, ich müsse da ein Foto machen. Der Besitzer dieser Wohnung sei ausgezogen und habe hier seine Mobile-Nummer angemalt und wer diese Wohnung jetzt kaufen will, kann sich bei dieser Nummer melden. Also, wer auf der Suche nach einer Wohnung in Marokko ist, hier gibt es eine zu verkaufen, allzu teuer kann sie aber nicht sein…  Danach stehen wir vor einem kleinen Verkaufsladen. Dieser Laden wird von Frauen aus dem Ort geführt, die hier selbstgemachte Handwerkskunst verkaufen. Wahrscheinlich verirrt sich hier höchstens ein Tourist pro Woche hierher und da ist es klar, dass wir so einiges zusammenkaufen. Auch Dinge, die wir nicht unbedingt brauchen, die aber einfach schön aussehen und wir wissen, dass das Geld hier am richtigen Ort angelegt ist.

Anita, eingekleidet von einer Einheimischen

Abdou erklärt uns dann auch, dass die Frauen seit dem König Mohamed VI viele Rechte dazugewonnen hätten. Vorher hätten sie gleichviel Rechte wie ein Stück Plastik gehabt, jetzt sei es aber viel besser. Sie hätte z. B. auch das Recht, sich Scheiden zu lassen und bei einer Scheidung müsse der Mann Alimente bezahlen. Das sei vorher nicht so gewesen. Wer nicht bezahle, lande im Gefängnis. Auch halte der König das Land in dem vielvölker-Staat zusammen und habe auch die Sicherheit stark erhöht. In welchem afrikanischen Land sei das schon so, dass die Polizei nicht korrupt sei und sich auch die einfachen Leute ohne Angst an die Polizei wenden könnten? Klar, es gäbe im Land noch einiges zu tun, aber das komme schon mit der Zeit, Lamushkilah (kein Problem), erklärt uns Abdou nicht ohne stolz.

Besuch aus der Schweiz

Danach fahren wir noch durch die Gärten und sind kurze Zeit später wieder bei der Brücke und dann beim Campingplatz. Da steht ein Wohnmobil aus Luzern neben uns und klar, da haben wir zu tratschen und etwas später fährt ein oranger Jeep aus Obwalden neben uns und das Tratschen und Kaffeetrinken geht weiter… Irgendwie findet man auch in der Wüste immer Landsleute.

Überhaupt fühlen wir uns heute ein wenig wie kleine Stars. Unser Foto letzte Woche auf dem fliegenden Teppich hat unter den Einheimischen die Runde und viel Eindruck gemacht. Abdou, Kahlifa und einige Freunde bitten schon einige Zeit, dass wir doch von ihnen auch so ein Foto schiessen könnten. Heute war es den endlich so weit. Ich richtete mein Fotostudio auf dem Campingplatz auf, d.h., der Fotoapparat wurde auf das Stativ geschraubt, ein Teppich vorne ausgerollt und alle anstehenden Leute setzten sich auf den Teppich in ihrer Pose, ich schiesse von jedem ein Foto und jetzt geht es dann an die Bearbeitung dieser Bilder, muss ich doch die Personen mit dem Teppich ausschneiden, auf einen anderen Hintergrund setzen und dann das Foto ausdrucken.

auch Mustafa will ein Foto

Ich glaube, ich könnte hier ein Fotogeschäft eröffnen. Aber ob ich genug verdienen würde?


Neue Rückwand 23.11.2018

Wir haben die Rückwand neu verzieren lassen

Heute Morgen besucht uns Naij, der Maler der Table Orientation. Wir haben einen Termin ausgemacht, um zu besprechen, ob wir eventuell unsere auf der Rückwand aufgeklebten Kamele durch eine Bemalung ersetzen.

Vorgängig habe ich Khalifa etwas über Naji ausgefragt, wie man hier Maler am Rande der Wüste wird. Er erzählte mir, dass er aus einer ganz armen Familie aus dem Dorf stammt und jetzt mit seinen Bildern (von denen er praktisch keine verkauft) die gesamte Sippe finanziert. Er sei ein wirklich lieber Kerl und komme ihnen immer sofort etwas Helfen, wenn Not am Manne sei.

Also bestellten wir ihn heute Morgen her, er solle uns einen Vorschlag machen, wie man die Kamele ersetzen könnte. Vor der Table Orientation zeigten wir ihm, was uns gefällt und an der Womo-Rückwand zeigte ich ihm ungefähr die Grösse, die wir wollten. Wir legten den Preis auf 300Dhm (30€) fest und er begann, Umrisse auf unser Womo zu zeichnen.

Naji am Malen

Da das Wetter nicht allzu gut ist, es fielen sogar einige wenige Regentropfen, schauten Anita und ich (und die andern anwesenden Wohnmobilisten) Naji zu, wie er mit einer Inbrunst zeichnet und malt. Das Bild der Sanddünen wird immer plastischer und am Mittag finden wir es mit dem Dromedar wirklich perfekt! Uns gefällt es super gut!

Aber jetzt passt der kleine, schwarze Elch auf der anderen Womoseite nicht mehr wirklich dazu…

Was sollen wir machen? Anita meint dann, er könne uns ja auch die Nordkapp-Kugel dorthin malen wenn wir vorgängig den Elch töten. Wir zeigen Naji ein Foto dieser Kugel und fragen ihn, ob er das auch malen kann. Klar, er sei Künstler und könne alles malen.

Also dann los, zuerst einigen wir uns auf nochmals 200 Dhm für die Weltkugel und dann beginnt er das Ding auf die andere Seite zu malen, ob er noch nie etwas anderes gemacht hat. Dabei kennt er weder dieses Symbol noch hat er je irgendetwas vom Nordkapp gehört.

fertig

Wir sind echt gespannt, wie das schlussendlich rauskommt und etwa zwei Stunden später ist er fertig und präsentiert uns seine Arbeit. Wir finden, es sieht toll aus und bezahlen Naji aus. Ich mache noch Fotos von seiner Arbeit, drucke sie aus und gebe sie ihm mit auf den Weg.

Jetzt kennt man uns also schon von weitem…

Und falls jemand etwas ähnliches machen lassen will, hier auf dem Campingplatz fahren und nach Naji fragen. Dann kriegt man nicht nur eine schöne Rückwand, sondern macht auch grad noch etwas gutes für eine ganze Familie.

Morgen werden wir wieder weiterfahren, schliesslich wollen wir noch einiges sehen und müssen am 29. abends in Tanger wieder auf der Fähre sein. Wie schnell die Zeit immer vergeht, wenn man unterwegs ist?


Abreisetag 24.11.2018

Wir reisen endlich weiter und geniessen die Fahrt durch die Wüstengegend.

Wir können heute weiterreisen, wir haben hier in Mhamid alles erledigt, was wir konnten. Das Spendengeld für die Solarpumpe, ist gestern hier in Marokko auf dem richtigen Bankkonto angekommen. Nochmals ein herzliches Dankeschön, all den Wohnmobilisten und auch den anderen, die diese Aktion unterstützt haben! Kommt allenfalls noch etwas mehr Geld zusammen, wird das in die geplanten neuen Sanitärräume des Campingplatzes gesteckt und Mitte Dezember geschickt.

Die Verabschiedung von Abdou und Khalifa geht ziemlich lange, sie sind sichtlich gerührt, was wir für sie alles erreicht haben. Sie schenken uns noch zwei Keramikteller, damit wir beim Essen immer an sie denken. Im Gegenzug lassen wir noch eine kleine 1. Hilfe-Apotheke hier, Kahlifa hat an Händen und Füssen eine Wunde unter dem Verband. Das komme vom Arbeiten und er sei nicht immer der Geschickteste…

Abdou geht nun mit unseren anderen neuen Freunden, Anna und Markus, auf eine Wüstentour und wir reden verabschieden uns nochmals von Khalifa. Dann er klärt er mir, dass wir nicht nur ihre Freunde seien, sondern zur Familie gehören. Ich müsse das aber unbedingt Anita übersetzen, denn das sei wichtig.

Bevor wir dann endlich losfahren können kommt auch noch Narbji, der Maler, vorbei und bedankt sich auch nochmals ganz herzlich, dass wir ihm einen Auftrag gegeben haben.

Dann endlich, endlich, sind wir wieder auf Fahrt. Irgendwie etwas wehmütig verlassen wir Mahmid, müssen auf der Strasse im Dorf noch eine Dromedar-Karawane überholen, winken noch Larbi zu, der sich auch noch verabschieden will und sind erst dann wieder alleine unterwegs.

noch mehr Tajinen kaufen

In Tamegroute stoppen wir noch im zweiten Töpferladen bei Mohamed (er ist nicht so aufdringlich wie andere Läden) und kaufen noch drei Tajinen. Schliesslich haben wir den Spendern der grösseren Beträge noch eine Tajine versprochen und unser Womo ist jetzt voll beladen mit diesen Nordafrikanischen Kochgeschirr.

In Zagora tanken wir noch voll und dann rast auch noch Mustafa in seinem kleinen Renault heran. Er winkt wie verrückt und will sich auch noch von uns verabschieden. Der «Rastaman» von Mhamid passt irgendwie einfach nicht in dieses Dorf (Rastfrisur mit Turban) aber er ist genauso liebenswürdig wie alle anderen. Ich musste von ihm gestern auch ein Foto mit dem fliegenden Teppich machen…

Zwischenstopp

Und dann, jetzt wirklich, sind wir alleine unterwegs. Wir geniessen die Fahrt durch wüstenähnliches Gebiet Richtung Foum Zguid und dann Richtung Sonnenuntergang und Tata. Allerdings wird es dann schon langsam dunkel, bevor wir in Tata ankommen, also suchen wir uns noch schnell ein Plätzchen neben der Strasse, platzieren unser Knutschi, geniessen den Sonnenuntergang und dann beginnen wir zu kochen. Für einmal gibt es wieder etwas westliches, Nudeln mit Bolognese-Sauce.

super Landschaft

ähnliches Foto wie letztes Jahr, einfach andere Richtung


Übernachtung

Tissint-Tata - N12 ***
Marokko, frei

Koordinaten: 29.75878, -7.745870
N 29° 45' 31.6"  E -7° 44' 45.1"
letzter Besuch: 11.2018

Wir kaufen ein lebendiges Poulet 25.11.2018

Wir erreichen das Ziel unserer Reise, ein Poulet wie ein richtiger Marokkaner zu kaufen

Zuerst haben wir morgens früh aber ein Treffen mit einem Schafhirten. Wir werden um 7 Uhr durch das geblööcke von Schafen geweckt. Ein Blick auf die aufgehende Sonne zeigt uns noch etwa 1000 Schafe, die das Tal hinauf ziehen.

frühmogens zieht eine Schafherde vorbei

Ich ziehe mich schnell an, trete nach draussen und mache Fotos. Es ist eine wahnsinns Herde, die mit insgesamt vier Schafhirten und einem vollgepackten Esel an unserem Womo vorbei ziehen. Der Schafhirt, der uns am nächsten ist, hat die Aufgabe, die Schafe nicht auf die Strasse zu lassen. Als er an unserem Womo vorbei läuft, frage ich ihn, ob er einen Kaffee möchte. Er nimmt danken an und wir versuchen uns auf französisch zu verständigen. Es ist ein ungefähr 18 jähriger Bursche, der wahrscheinlich noch nicht weit in Marokko umhergekommen ist. Er fragt mich, was so ein Fahrzeug wie wir fahren denn kostet. Ca. 50'000 Euro sage ich ihm. «Euro, ist das das Geld, was ihr bei euch benutzt? Wir in Marokko haben hier Dirham!» Ich rechne ihm dann den Preis in Dirham um und ich glaube, er kann sich so eine grosse Zahl gar nicht vorstellen. Nach dem Kaffee fragt er mich dann tatsächlich noch, ob ich nicht noch einen Stylo (Kugelschreiber) für ihn hätte. Klar haben wir ihm grad zwei und er zieht mit einem breiten Grinsen im Gesicht seinen Schafen nach.

Vor unserer Abfahrt denke ich noch diesem Schafhirten lange nach, hat er echt noch nie etwas von Euro gehört? Und ein 18jähriger Bursche fragt nach einem Schreiber? Die Begegnung geht mir echt ziemlich nahe und als wir dann mit unserem Knutschi auf der Strasse die Schafherde wieder überholen winkt er uns freundlich und ziemlich heftig nach.

Hätten wir ihm mehr geben sollen, noch einige Kleider oder so?

Diese Frage beschäftigt uns bis nach Tata, und dort zweigen wir dann rechts ab. Die Strasse ist zwar auf unserer Karte nicht eingezeichnet, aber laut meinen Recherchen soll sie durchgehend asphaltiert bis Igherm sein. Und das wäre doch eine ganz schöne Abkürzung.

Dromedare als Besuch

Und dann mit dieser Strasse beginnt wieder jenes Marokko, das ich so liebe. Fantastisch gezeichnete Felsformationen, nach jeder Kurve, nach jeder Kuppe sind wir gespannt, wie es weiter geht und immer wieder eröffnet sich vor uns ein fantastisches Panorama. Dann sehen wir mittendrin wieder einige Dromedare, bevor wir uns wieder auf die Landschaft konzentrieren können.

zum Schreien schön

Plötzlich sind wir in einer grossen, grünen Oase mit drei Dörfern, die Strasse ist da schmaler, wir müssen noch langsamer fahren. Die Bewohner winken uns zu und bei einem kleinen Laden halten wir und kaufen noch ein. Anita kauft noch zwei Schleckstengel, denn die Kinder des Ladenbesitzers schauen so freundlich mit ihren kugeligen Augen, dass meine Holde nicht widerstehen kann. Die Augen leuchten dann natürlich sofort, als die Schleckwaren ausgehändigt werden.

Wir fahren weiter, im durchschnitt vielleicht 30km/h, geniessen Marokko bis wir in Igherm ankommen, ein etwas grösseres Bergdorf. Der verschneite Atlas im Hintergrund, die gelb-roten Berge vorne.

ohne Worte

Nachmittags kommen wir dann schon um 15 Uhr in Taroudannt an, finden den dortigen Campingplatz problemlos und erholen uns von den heutigen Eindrücken.

Etwas später marschieren wir in die Stadt los, der Campingplatz ist etwa zwei Kilometer ausserhalb. Es hätte schon kleine Läden lange bevor wir im Zentrum ankommen, aber wir wollen auch das Zentrum sehen. Da ist innerhalb der schönen Stadtmauern mächtig betrieb, Wir gucken, es wird freundlich zurückgekuckt und gegrüsst, und einmal mehr, kein Mensch, kein Händler ist aufdringlich. Wir sehen auch keine anderen Touristen! Zuerst kaufen wir zwei Brote und dann sehen wir eine Metzgerei. Ich bestelle Fleisch für eine Tajine für zwei Personen, ein halbes Kilo Rindsfleisch wird für 40 Dhm (4 €) bereit gemacht und etwas weiter vorne sehen wir einen Metzger für Hühner. Das Hühnerfleisch wird immer in anderen Metzgereien verkauft, wie das restliche Fleisch. Natürlich gehen wir schauen und im Hintergrund scharren und gackern alles lebendige Hühner. Ich kann nicht widerstehen und beschliesse, so ein lebendiges Poulet zu kaufen. Schliesslich habe ich mir Anfang der Reise das zu einem meiner Ziele gemacht…

Der Metzger fragt, wie gross es denn sein soll und ich zeige auf ein Huhn. Er nimmt es, legt es auf die Waage (2kg Lebendgewicht, 4.50€) und ich nicke. Mit diesem Nicken habe ich das Todesurteil dieses Huhnes gesprochen, Anita wird daneben etwas bleich und sagt, sie esse aber heute kein Poulet mehr.

Der Metzger fragt, ob wir das Poulet ganz mitnehmen oder in Stücke geschnitten wollen. Wir wählen in Stücke geschnitten, denn sonst haben wir Angst, das Huhn noch selber ausnehmen zu müssen. Er verschwindet mit dem Huhn im hinteren Teil der Metzgerei und 5 Minuten später kommt er mit dem verpackten Fleisch wieder nach vorne.

Vom lebendigen Markt und ehemalig lebendigen Huhn haben wir nun genug gesehen und ergattern uns irgendwie ein «petite Taxi» das uns zurück zum Campingplatz bringt.

Jetzt kocht die Poulet-Tajine vor dem Womo und wir sind gespannt, wie so frisches Fleisch schmeckt, das noch warm war, als wir es in die Tajine legten…

Poulet-Tipp: beim Auswählen des Huhns nicht auf die Grösse achten, sondern es nach dem Kriterium des Alters auswählen! Wir erwischten eines, dass in der Metzgerei ziemlich lange überlebt hat…


Übernachtung

Taroudannt - Camping du jardin ****
Marokko, Camping
alles sauber, ruhig,
Koordinaten: 30.47724, -8.843511
N 30° 28' 38.1"  E -8° 50' 36.6"
letzter Besuch: 11.2018

Ersatzreifen Fehlanzeige 26.11.2018

Hätte auch nichts genützt, denn Wagenheber haben wir auch nicht

Vor der Abfahrt sagt Anita allen Ernstes zu mir: «Du, heute will ich mittags mal eine längere Pause machen und nicht immer den ganzen Tag fahren.» Wenn sie da gewusst hätte, was für fatale Folgen dieser Satz noch hat, hätte sie sicher den Mund gehalten.

Vom Campingplatz weg nehmen wir eine Abkürzung, die wir auch hier besser nicht genommen hätten: Die Strassenverhältnisse! Aber wir können uns auf die Hauptstrasse retten und fahren dann an einem Bancomaten am andern vorbei Richtung Gebirge. Wir brauchen noch kein Geld, schliesslich habe wir noch etwa 2000 Dhm.

Das Wetter ist bedeckt mit Hochnebel, darum fotografieren wir im Tal noch nicht allzu viel. Danach geht es von der grossen Hauptstrasse weg Richtung Hoher Atlas und Marrakesch. Quer durch! Die Strasse ist schön, steigt stetig mit vielen Kurven den Berg hoch. Als wir die Nebeldecke durchbrechen und an die Sonne kommen, wird aber auch die Strasse schlechter. Nichts beunruhigendes, haben wir schon zu Hauf erlebt.

dieses Foto wurde uns zum Verhängnis

Wir machen viele Fotostopps und beim allerletzten lichte ich unser Knutschi ab, denke beim Durchschauen durch den Fotosucher, warum das hintere Rad in einem Loch steht. Dann wird mir halb schlecht als ich realisiere, dass wir einen Platten haben! Und was für einen, im Reifen auf der Seite klafft ein riesiges Loch, durchgeschauert von den fiesen Asphaltkanten am Rande der Strasse. Zu flicken oder zu pumpen muss man gar nicht daran denken. Schöne Scheisse, und wir sind auf 2000m im Niemandsland. Dann sehen wir per Zufall etwa 600m weiter ein Gebäude mit Terrasse an der Strasse.

Irgendwie schaffen wir es im Schritttempo noch bis dorthin, parkieren unser Knutschi und steigen aus. Wir haben schon mal riesen Glück, dass wir nicht die Strasse blockieren hier und noch mehr Glück haben wir, dass jemand in diesem Hotel ist. «Ca va?» ruft uns der Chef zu und wir verneinen. Wir hätten an unserem Wohnmobil einen kaputten Reifen. «Nicht so schlimm, ich montiere euch das Ersatzrad rauf.» Ich schüttle den Kopf, nix Ersatzrad, nix Wagenheber! Er kann es nicht glauben und meint an einen Scherz. Er habe in seinem ganzen Leben noch nie ein Fahrzeug ohne Ersatzreifen gesehen, schon gar nicht so ein grosses. Tja, dann ist es eben sein erstes!

Gestrandet vor dem Hotel Bellevue

Er zaubert einen Wagenheber irgendwo hervor und versucht, unser hinteres Rad anzuheben, aber der Wagenheber gibt grad sofort den Geist auf und verspritzt eine riesen Ölfontaine aus seinem Zylinderkopf.

«Er kenne eine Garage, da telefoniere er jetzt hin, und die kommen dann und flicken unser Rad» meint er freundlich, sprintet aber grad auf die Strasse um ein vorbeifahrendes Taxi zu stoppen und beginnt zu diskutieren.

5 Minuten später stehen sechs Männer um unser Knutschi, zwei Autos auf der Strasse und alle diskutieren miteinander. Wenn das nur gut geht. Mich haben sie irgendwie total vergessen. Dann beginnen sie grosse Steine und Holzbalken herzutransportieren, zaubern irgend aus einem Auto einen zweiten Wagenheber hervor und beginnen, unser Knutschi cm um cm anzuheben, legen einen grossen Stein unter die Achse, haben es wieder etwas an, ein zweiter Stein und so fort, so lange, bis das hintere Rad tatsächlich in der Luft schwebt. Alle montieren das defekte Rad ab. Heben es dem Taxi auf den Dachträger und dieses rast davon, notabene, ohne mein Rad auch nur ansatzweise darauf zu befestigen.

die Aussicht ist grandios

Dann tritt der Hotelchef das erste Mal zu mir und beginnt zu erklären: «ich rufe jetzt drei Garagen an, das Taxi fährt ins Tal, ich sage ihm dann zu welcher Garage, die flicken das Rad und danach bringt mir das Taxi das Rad wieder. Aber es könne etwas dauern, ist aber die günstigste Lösung». Nach ein paar Minuten kommt er mit einem Zettel zu mir, Pirelli 1600 Dhm, Michelin 1400 Dhm, und etwas anderes mit 1250 Dhm. Ich wähle das andere aus, denn jetzt muss es ziemlich günstig sein, wir haben insgesamt nämlich nicht mal mehr 2000 Dhm und einen Bancomaten kennen sie hier nicht.

Dann geht in der Sonne das Warten los. Wenn nur mein Knutschi nicht von den Keilen und Steinen fällt, ist momentan meine einzige Sorge. Und das Geld natürlich. Der Wirt macht uns eine Eier-Tajine mit Salat, und ein alter Berber-Händler quatscht uns mit seiner Lebensgeschichte voll und was für ein Glück wir haben, dass Allah uns die Panne hier geschenkt hat. Denn sonst wären wir vielleicht in einen schlimmen Unfall verwickelt. Er könnte ja recht haben.

Dann beginnt er seine echten Berberware auszupacken und will uns noch Schmuck verkaufen. Wir erklären ihm dann das mit dem Geld und wir zuerst das Rad, den Taxifahrer und das Essen hier bezahlen müssen und wenn dann noch etwas übrigbleibt, wir immer noch etwas kaufen können.

So geniesst Anita ihre gewünschte längere Mittagspause und mir ist immer noch flau im Magen, wenn ich unser Knutschi anschaue. Hoffentlich hält das und hoffentlich ist das ein schlauer Reifen, der dann irgendwann kommen sollte.

Und dann nach vier Stunden fährt hupend ein Taxi vor mit einem Rad auf dem Dach. Nicht befestigt…

Henkersmahlzeit

Der Wirt kommt dann zu mir und sagt, das Taxi koste leider 300 Dhm (30€) (EIN Weg 80km) denn es sind 5 Plätze frei à 50 Dhm, sonst hätten wir noch viel länger auf das Rad warten müssen, wenn der Taxifahrer noch Leute einsammeln müsste, die nach Marrakesch wollen. Ist mir natürlich so was von egal und ich bezahle auch erleichtert, auch wenn ich erst jetzt beim Schreiben merke, dass er noch einen Rechenfehler gemacht hat. Rechnen liegt den Marokkanern einfach nicht im Blut.

Egal, das Rad ist dann schnell montiert und jetzt wird fachmännisch ohne Wagenheber, der ist ja längst mit einem andern Auto weiter gereist, abgebockt. Und ich muss echt sagen, das geht ziemlich gut, wenn man weiss wie. Und Marokkaner können so was einfach!

Nachdem wir dann dem Wirt alles inklusive Reifen bezahlt habe und ihm auch ein ordentliches Trinkgeld, Kleider und Spielwaren für seine Tochter gebe, haben wir noch genau 250 Dhm. 200 Dhm zieht uns dann noch der Händler-Berber aus der Tasche für eine Kette, haben wir noch 50 Dhm (5€) um uns bis zum nächsten Bancomaten 80km weiter zu retten.

Allerdings schaffen wir das heute nicht mehr, ich fahre wie auf Eiern und es dunkelt schon bald ein. In der nächsten Kleinstortschaft macht ein weiterer Berber ein Zeichen, dass wir dort auf dem Platz schlafen könnten, wenn wir wollten.

Wir nehmen das Angebot an, aber auch dieser will uns dann noch echte Berberware verkaufen. Wir haben aber kein Geld mehr, schenken ihm noch ein 5€ Schein für die Übernachtung und bezahlen mit 15 Dhm Münzen noch einen Tee, den er uns zubereitet. 

Jetzt haben wir genau noch 20 Dhm (2€), sind aber glücklich, dass wir einen ruhigen und schönen Übernachtungsplatz haben.

Und morgen retten wir uns einfach zum nächsten Bancomaten und ich hoffe, Anita wünscht sich keine Pause, weder morgens, mittags noch abends.

Mit den Fotos sind wir heute etwas knapp dran, ich habe in der Aufregung einfach vergessen, Fotos zu schiessen...


Übernachtung

Mouldikht - Hotel Atlas ***
Marokko, frei
erlaubter Platz zum Schlafen bei einem Berber, der dann etwas verkaufen will
Koordinaten: 30.91497, -8.290142
N 30° 54' 53.9"  E -8° 17' 24.5"
letzter Besuch: 11.2018

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