Unsere Essensmenu im Süden
In Italien isst man gut. Das ist ja schon länger bekannt und entspricht der Wahrheit. Mit dieser Einstellung haben wir auch diese Reise nach Sizilien gestartet, ohne zu wissen, dass wir viel mehr in unserem Womo selber kochen werden, wie auswärts Essen gehen. Aber da wir flexibel sind, können wir uns natürlich super schnell anpassen.
Erster Abend in Lucca, wo der Stellplatz etwas abseits ist, haben wir selber gekocht: feine Tomatenspaghetti. Erster Abend auf Sizilien selber gekochte Spaghetti Bolognese, zweiter Abend mit Marc eine Pizza. Danach hatten wir einen kleinen Rückfall, Bratkartoffeln und Schweinsfilet, selber gekocht im Womo. Weiter ging es mit selber gemachten Tomaten- und Gemüsespagehtti, dann in Ragusa wieder Mal auswärts eine Pizza und dann wurden die Restaurants geschlossen, also wieder selber kochen: Carbonara-, Bolognese- und Gorgonzolaspaghetti in dieser Reihe. Und dreimal dürft ihr raten, was es heute vor der Abfahrt der Fähre gibt: richtig, Spaghetti! Unser Menuplan auf dieser Sizilienrundreise: Spaghetti – Spaghetti – Pizza – Filet - Spaghetti – Spaghetti – Pizza – Spaghetti – Spaghetti – Spaghetti.
Wer noch nie in Italien war, kann sich so einen Menuplan nur schlecht vorstellen, ich als ehemaliger Radprofi in italienischen Teams, wo wir sogar morgens Spaghetti zum Frühstück gefuttert haben, das normalste der Welt. Und völlig unbegreiflich: uns hängen die Spaghettis noch lange nicht zum Halse heraus!
Es ist einfach etwas anderes, mit italienischem Wasser und italienischer Luft italienische Spaghetti zu kochen und zu essen. Einfach herrlich!
Und nun zur Tagesaktualität: um an der Sonne zu sitzen, ist es fast schon zu warm. Wir haben aktuell etwa 28 Grad und schon einen Sonnenbrand. Also mache ich mich nun an unsere Formulare für die Heimreise. Zum einen müssen wir ein Formular ausfüllen, dass wir gesund sind und uns nicht krank fühlen. Ohne diese ausgefüllten Zettel kommen wir nicht auf die Fähre. Dazu müssen wir noch das Reiseformular ausfüllen, von wo bis wo wir fahren und was der Grund der Reise ist. Ohne dieses werden wir nicht mal bis zum Hafen von Palermo kommen.
Unsere Fähre fährt um Mitternacht in Palermo los, wir müssen also um 21 Uhr am Hafen sein und fahren um 20 Uhr hier los. Danach werden wir bis zur Ankunft am Sonntag Abend kein Internet mehr haben, wenn ihr heute also nichts neues mehr hört, hat alles geklappt und wir sind wieder auf dem Festland. Dann müssen wir uns noch durch die Seuchenregion Italien und über die Grenze zur andern Seuchenregion Schweiz retten. Dann endlich sind wir in Sicherheit.
Wobei, am allersichersten ist man momentan im Wohnmobil, egal wo das gerade steht…
So kompliziert wie hier war es noch gar nirgends
Wir fahren früh genug von unserem Stellplatz weg, denn ich will einfach immer etwas Reserve an Zeit haben, wenn wir auf eine Fähre fahren. Zum Glück bin ich so…
Auf den Strassen Richtung Palermo ist nix los, hin und wieder fährt ein Polizeiauto mit Blaulicht an uns vorbei, kontrolliert werden wir aber nicht. Im Dunkeln sind die Wegweiser zum Hafen schon nicht wahnsinnig gut beschriftet, aber ohne grosse Umwege sehen wir die grossen Fähren dort stehen. Nur den Eingang zum Hafengelände zu finden, ist nicht ganz so einfach, aber das schaffen wir dann doch. Bei der ersten Schranke sagen wir, dass wir auf die Grimaldi-Fähre nach Livorno wollen. Der hilfsbereite Schrankenwärter zeigt uns das Schiff und schickt uns geradeaus zur nächsten Schranke. 30m weiter vorne stoppen wir bei der zweiten Schranke und ein Sicherheitsbeamte verlangt unsere Reservation. Er schaut etwas argwöhnisch auf unser Nummernschild, wieder auf die Reservation und wieder auf das Nummernschild. «Targa falsa» sagt er uns (falsche Autonummer) und tatsächlich, auf unserer Reservation hat sich ein Zahlendreher eingeschlichen. Wir sollen wieder rückwärts zur Hauptstrasse und zu Fuss zum Billettschalter der Grimaldi-Line, die sollen uns eine neue Reservation ausstellen. Mist, also Rückwärtsgang, und rechts in einen Parkplatz drängen, Parkticket lösen, Womo abschliessen und jemanden Fragen, wo dieser Schalter ist.
Anita und ich laufen in die Richtung, die uns der Beamte gezeigt hat und laufen, und laufen. Irgendwann kommt der Schalter der Fährline GNV, aber keiner der Grimaldi-Line. Also fragen wir nochmals jemanden mit Mundmaske. Wir waren nahe dran, aber der Ticketschalter ist auf der anderen Strassenseite, schön unscheinbar in einem Container. Noch hat es keine Leute, also können Anita und ich sofort in den Container. Dort werden wir von der freundlichen Angestellten zuerst aufgefordert, unsere Hände zu desinfizieren. Dann können wir ihr das mit der Autonummer und dem Zahlendreher erklären. Kein Problem, zwei Minuten später haben wir die neue Reservierung.
Zurück zum Womo, Parkticket bezahlen (3€) und dann durch die Schranke, die für PW gemacht sind, irgendwie mit rangieren aus dem Parkplatz fahren, wieder vor die erste Schranke. Dort werden wir durchgelassen und wieder zur zweiten Schranke geschickt, dort, wo wir schon einmal standen. Freudestrahlend geben wir diesem Beamten die Reservation mit der richtigen Autonummer ab. Er zeigt uns welches Schiff, aber nicht, wo wir parken und warten können. Lastwagen von rechts, da unsere Fähre entladen, Sattelschlepper von links, da die andere Fähre von GNV gerade beladen wird. Wir irgendwo mittendrin, keine Ahnung wohin, wir wissen nur, wo unser Schiff steht. Nach zwei Runden um den Hafenpier parkiere ich in der Nähe vom Billettschalter und unserem Schiff. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nun ein Checkin am Schalter machen muss oder im Auto warten soll. Aber wir stehen ganz sicher nicht in der Kolonne nach Livorno… Also raus und zur Sicherheit nochmals an den Billettschalter. Wegen dem Virus müssen die Leute alle draussen warten, ich bin aber nun der Dritte in der Kolonne. Eine Viertelstunde passiert gar nichts und ich werde langsam grummlig. Dann geht es plötzlich schnell und ich kann wieder zur Dame, die ich schon von vorher kenne. Aber wieder zuerst die Hände desinfizieren, Sauberkeit muss sein. Dort am Schalter muss man tatsächlich das Checkin machen. Ich bekomme zwei Zettel, einer fürs Auto, einer für unsere Kabine. Aber erst, als ich nochmals ein Formular ausfülle, wo wir bestätigen, nicht krank zu sein und nochmals zwei Formulare, von wo wir kommen und wohin wir gehen und was der Grund ist. Also wieder zurück zum Womo, klappt ja tiptopp. Jetzt kann ich auf den sehr kleinen Parkplatz vor dem Bilettschalter fahren, denn die Polizisten haben hinten ein Tor aufgemacht, wo man durchfahren könnte, sobald man an der Reihe ist. Nach gefühlter Ewigkeit kommt dann der erste Polizist endlich zu uns, verlangt ID, Tickets und Formulare. Er schaut auf das Ticket, auf die Autonummer und wieder auf das Ticket. «Targe false» sagt er mir und drückt wieder alles in meine Hände. Zum Kuckuck nochmal, jetzt ist auf dem Ticket wieder die alte, falsche Autonummer. Also wieder zurück in die Schlange vor dem Billettschalter, die nun schon wieder länger ist. Als ich endlich, endlich wieder bei meiner Freundin am Schalter bin, nachdem ich nun schon zum dritten mal meine Hände desinfiziert habe, schreibt sie einfach die korrigierte Autonummer mit Kugelschreiber auf mein Ticket. Das hätte ich ja auch selber machen können, aber da sie so charmant lächelt…. Also nach 40 Minuten wieder zurück zum Womo, das immer noch zuvorderst in der Kolonne steht, und als auch der Polizist lächelt, dachte ich schon, wir haben es geschafft. Aber denkste, die Autonummer wird nun so akzeptiert, aber unsere Zettel mit unserer vorgesehenen Reise haben keine Stempel. Also wieder zu Fuss inkl. einem Zettel pro Person und ID zum Polizeicontainer und warten bis wir an der Reihe sind. Es wird langsam nervig. Als wir endlich vorne sind, haben wir nur zwei Zettel für zwei Personen. Aber da sie keinen Kopierer haben, brauchen wir zwei Zettel pro Person. Also nochmals die gleichen zwei Formulare wie vorhin ausfüllen und wieder hinten in die Schlange stehen (Unser Knutschi ist immer noch zuvorderst in der Kolonne). Als wir endlich bei dieser Dame ankommen (die ist nicht so freundlich und auch nicht so hübsch) müssen wir ihr erklären, warum wir heim wollen, seit wann wir hier auf Sizilien sind und sie irgendwie überzeugen, dass wir einen Grund haben, nach Hause zu fahren. Als endlich alles Schleimen bei dieser immer hässlicher werdenden dicken Frau nützt, knallt sie auf jedes Blatt einen Stempel und gibt uns zwei Blätter und unsere ID zurück.
Und dann dürfen wir wieder zu unserem Knutschi, dass immer noch zuvorderst in der Kolonne steht und zum Polizisten, den wir inzwischen auch schon zum dritten Mal sehen. Jetzt lässt er uns passieren und schickt uns auf die Hafenmole neben der Fähre zum parken. Kurz darauf kommt ein weiterer Beamte mit einem Fiebermesser und uns wird die Temperatur auf der Stirn gemessen. Es würde gemessen werden, wenn das Gerät funktionieren würde. Aber die Batterien sind glaub alle, denn dieser Beamte verschwindet wieder und kommt kurze Zeit später zurück. Juhuii, wir haben kein Fieber und dürfen auf die Fähre fahren, sobald wir dann als fünftletzte vom ganzen Schiff endlich, endlich im Bauch des Schiffes verschwinden.
So kompliziert und mühsam war nicht mal die Verschiffung nach Marokko und diese Fahrt ist ja nur landesintern und geht nicht mal über eine Grenze.
Ach ja, als wir auf dem Schiff in die Kabine wollen, funktioniert auch der Kabinenschlüssel nicht…
Wir sind wieder zu Hause, wo wir auch bleiben
(Video: uns war langweilig)
Die Fährfahrt verlief sehr ruhig, die Menschen auf der Fähre verhielten sich sehr diszipliniert, 80% trugen eine Mundmaske. Wir übrigens auch, ein freundliches Schweizer Wohnmobilpaar gab sie uns kurz vor der Fährfahrt, denn auch auf Sizilien waren diese Dinger ausverkauft.
Was dann aber nach der Fähre kam, schockte schon ein bisschen. Von Livorno bis auf Höhe La Spezia (85km) überholten wir drei Lastwagen und wurden von 4 PW überholt, ansonsten kein Verkehr. Danach die 101km bis Parma, 0 (Null) Lastwagen, 0 (Null) PW und zwei Krankenwagen mit Blaulicht! Auf einer Autobahn in Italien um 20 Uhr. Dann kam der Abschnitt auf der Hauptverkehrsader von Italien, der Autobahn, die normalerweise am meisten Verkehr in ganz Italien hat. Bis Mailand überholten wir alle 5,7km einen Lastwagen und wurden alle 24,5km von einem PW überholt. Und sonst gar nix. Ausgestorben! Es war gespenstisch, und es war nicht irgendwann um 3 Uhr morgens oder so, nein, zwischen 21 und 22 Uhr. Danach um Mailand rum haben wir aus Langeweile aufgehört zu zählen. So leer habe ich diese Strecke noch gar nie erlebt (und ich bin die schon ein paar Dutzendmale gefahren). Der Verkehr vom Tessin über den San Berardino um 2 Uhr morgens war wesentlich verkehrsreicher…
Wir kamen in Italien nie in eine Polizeikontrolle, was sollten die auch kontrollieren, wenn niemand rum fährt? Erst an der Grenze in die Schweiz wurden wir vom Schweizer Zoll kontrolliert, mussten seit langem wieder mal die ID zeigen und Auskunft geben, wohin und warum.
Es war eine gespenstig einsame Fahrt, genug Zeit, um zwischen uns die Massnahmen gegen den Kampf gegen den Carona-Virus zu diskutieren. Wir erlebten die erste Woche eigentlich normal, die zweite Woche erlebten wir dann immer mehr mit einschränkenden Bestimmungen. Die Italiener haben den Ernst der Lage erkannt inkl. der Bevölkerung, alle halten sich auch strikte daran.
Anfangs habe besonders ich diese Corona-Hysterie auch belächelt und nicht wirklich ernst genommen. Aber jetzt, wo wir es mit eigenem Leib erlebt haben, fährt das schon ein. Es geht nicht darum, dass wir krank werden, es geht um die Anzahl der Kranken, die Spitalpflege brauchen. Wenn die Spitäler voll sind, und ein junger, kräftiger Mensch einen Autounfall hat, wohin mit ihm? Es kann jeden treffen, darum sollte, nein muss man sich an die Vorgaben der Behörden halten. Oder noch mehr. Ich finde die Massnahmen der Schweiz eigentlich noch viel zu mild. Es sollte viel härter durchgegriffen werden, Ausgangssperre und verhalten wie in Italien, wäre das einzig richtige. Klar, warum sollte man nicht Radfahren oder bei diesen herrlichen Verhältnisse eine Skitour machen? Dort steckt man niemand an und wird auch nicht angesteckt. Aber eben, es können Unfälle passieren und man kann im Spital landen. Und wenn man keinen Platz mehr hat? Wer soll draussen bleiben?
Anita und ich werden nun zu Hause bleiben, richtige Quarantäne machen. Anita kann heute Nachmittag als Pflegefachfrau einen Test machen, ist dieser negativ, darf sie in einer Woche arbeiten gehen. Ich werde mich 10 Tage im Homeoffice bewegen, unser Knutschi sauber reinigen und nur noch virtuell Kontakte pflegen.
Ich mache das für mich, oder besser gesagt, für mein Gewissen.
In diesem Sinne hoffen wir, dass dies bald vorbei geht und freuen uns wieder auf bessere Reisezeiten.
unseres Reisestrecke