Unser Knutschi hängt in der Luft
Wieder machen wir uns kurz nach Sonnenaufgang auf den weiteren Weg. Allerdings ist unser erster Stopp schon nach 6km geplant, es gibt hier eine LPG-Tankstelle und da diese in Spanien nicht so weit verbreitet sind, füllen wir unseren Gasvorrat hier auf. Wir müssen aber unser Knutschi an der Tankstelle drehen, denn der Einfüllstutzen ist auf der anderen Seite. Da aber Sonntag morgen nicht viel los ist in Spanien, ist das kein Problem. Wir füllen auch gleich noch Diesel und so sind wir voll beladen, als wir weiter Richtung Bilbao fahren.
Kurz vor Pamplona verpassen wir die Ausfahrt zum römischen Aquädukt de Noáin, also schiesst Anita mit ihrem Handy schnell ein Foto aus dem fahrenden Auto. Die nächste Ausfahrt ist aber doch schon einige Kilometer weiter, darum lohnt es sich nicht mehr, umzudrehen. Das nächste Mal…
Wir kommen weiterhin gut vorwärts und das Baskenland präsentiert sich so, wie ich es von früher im Kopf habe: bergig, grün und regnerisch.
Wir kommen der Stadt Bilbao immer näher und ich bin ziemlich angespannt, wollen wir doch mit unserem Knutschi die Biskaya-Brücke überqueren. Es ist keine normale Brücke, sondern DIE Schwebefähre schlechthin. Es ist die älteste (1893) Schwebefähre der Welt und noch heute eine von nur acht solchen Brücken, die weltweit noch in Betrieb sind. Allerdings fand ich nirgends einen Reisebericht, wo beschrieben war, wie und von wo man diese Brücke mit einem Wohnmobil überqueren kann. Also einfach mal drauflos…
Wir fahren durch Bilbao und nützen den Sonntag aus, ohne Chaos, ohne viel Verkehr geht es heute ganz easy. Im Stadtteil Las Arenas sehen wir die Brücke hoch in den Himmel ragen, allerdings müssen wir zuerst einen Bogen fahren und die Brücke von Süden her anfahren. Gemäss Google-Map ist dort die einzige Wartezone.
Copyright by Javier Mediavilla Ezquibela
Auch hier kommen wir problemlos an, meine Recherchen waren richtig. Wir sehen die hängende Plattform unter der hohen Eisenkonstruktion gerade auf die andere Seite abschweben und wir können direkt als erstes Auto auf der Wartespur anhalten. Ich steige aus, sehe rechts einen Automaten beschriftet in Baskisch und Spanisch, ich verstehe aber gar nix. Allerdings kann ich die Ziffern entziffern und klicke beim 1 auf den Bus, beim 2 werfe ich Geld ein, beim 3 kommt mein Ticket raus, und beim 4 das Wechselgeld. Ich halte ein Ticket für 2.60 € in den Händen, als ich schon wieder die Plattform auf unsere Seite zuschweben sehe. Also zurück zum Womo. 30 Sekunden später dürfen wir schon unter der Stahlkonstruktion auf diese Plattform fahren. Kaum sind wir drauf, setzt sie sich schon in Bewegung und eine Billettkontrolleurin klopft ans Fenster. Ich muss noch 90 Cent für Anita nachzahlen, in den 2.60 war nur das Fahrzeug und der Fahrer inbegriffen.
Kaum ist bezahlt, sind wir schon über die Mitte des Nérvion geschwebt und wir müssen uns schon auf die Ausfahrt vorbereiten. Alles geht eigentlich viel zu schnell und zu reibungslos und schon sind wir in Portugalete wieder mit festen Boden unter den Rädern.
Das erste Mal, dass unser Knutschi in der Luft hing, aber alles war viel zu schnell vorbei. Geniessen konnten wir es nur ganz kurze Zeit. Jetzt überlegen wir schon, ob wir die Brücke auch noch zu Fuss mit dem Aufzug und dann oben auf der Stahlkontruktion überqueren sollen.
Aber zuerst geht es durch die Stadt zu dem uns empfohlenen Stellplatz hoch darüber. Wir haben von da einen sensationellen Ausblick über einen grossen Teil von Bilbao.
Was machen wir mit dem angebrochenen Nachmittag? Runter, die Stadt besichtigen?
Wir besichtigen das berühmte Guggenheim Museum, das Fussballstadion San Mamés (Atletice Bilbao engagiert nur Baskische Fussballer aus der Region, spielt in der obersten spanischen Liga und stieg noch nie ab, obwohl sie den Transferwahnsinn der Fussballgladiatoren nicht mitmacht. Ich bin ab sofort Fan dieses Teams), dann sehen wir uns die Pedro Arrupe Zubia an und die Altstadt. Nach 10 Minuten haben wir alles gesehen und legen den Feldstecher zu Seite…
Jetzt warten wir zufrieden auf die Nacht, wo wir dann auf die beleuchtete Stadt runterschauen dürfen.
Wir kommen ans Meer
Wir haben morgens keine Eile, ich arbeite noch ein wenig, Anita geniesst die Aussicht auf Bilbao hinab. Dann vor dem Mittag nehmen wir die heutigen 40km in Angriff. Wir kommen wieder sehr gut durch Bilbao, und überhaupt, mit dem Strassenverkehr haben wir bis anhin in Spanien absolut keine Probleme. Die Spanier fahren sehr zivilisiert und allzu viel Verkehr hatten wir bisher noch nirgends.
So kommen wir gut in unserem Tagesziel in Bakio an und sehen nun das erste Mal seit wir unterwegs sind, das Meer. Alles ging heute so reibungslos, dass wir gleich entscheiden, auch noch drei Kilometer weiter zur Klosterinsel Gaztelugatxe weiter zu fahren. Dort finden wir schon einen Parkplatz und sparen uns so den Spaziergang. Aber weit gefehlt, auf allen Parkplätzen prangt ein grosses Womofahrverbot und der einzige legale Parkplatz für uns ist so klein, dass wir unser Knutschi nicht darauf abstellen können. Also fahren wir 2km weiter zu einer Aussichtsplattform. Dort prangt kein Womoverbot, aber die Aussicht ist nun auch nicht so gewaltig, dass man unbedingt hier gewesen sein muss. Also kehren wir um und fahren in Bakio auf den Womostellplatz, wenigstens bis zu Schranke. Wir müssen da zuerst ein App runterladen, dann einen SMS-Code abwarten, um die Telefonnummer zu bestätigen, dann die Kreditkarte in der App hinterlegen und eine Zahlung von 1 Rappen machen, um auch die Kreditkarte zu bestätigen. Nun müssen wir einen Platz in der App reservieren und dann in der App irgendwo auf den richtigen Knopf drücken, und die Schranke öffnet sich via Bluetooth. Und das alles auf Spanisch, Baskisch, Katalonisch, Französisch oder Englisch. Nicht ganz einfach, aber nach 10 Minuten haben wir es dann doch geschafft und die Schranke steht offen vor uns. Der Platz ist etwas schräg, dafür sind wir die einzigen und hören das nahe Meer rauschen.
Ich packe unseren neuen Fotorucksack, ziehen Turnschuhe an und wir laufen die ca. 3km dem Meer entlang zu der Klosterinsel. Es ist toll, das Meer zu sehen, zu schmecken und zu hören. Der Spaziergang gefällt uns sehr gut, auch wenn es viel und steil den Berg hochgeht. Aber nach ¾ Stunden haben wir es geschafft. Es läuft nicht viel an diesem Touristenort, die Parkplätze sind leer und nur ganz wenige andere Touristen schlendern herum.
Dann geht es steil den Fussweg hinunter zu einer Aussichtsplattform. Es sieht wirklich toll aus und wir können jeweils etwas warten, bis sich die Wolken vor der Sonne verzogen haben und die Insel schön beschienen wird.
Dann nehmen wir den Resten des Abstiegs unter die Füsse, bis uns ein grosses Gitter den Weg versperrt. Mist, die Insel ist geschlossen, Bauarbeiter machen irgend etwas am Weg vor der Brücke. Schade, dass wir da nicht über die Brücke laufen dürfen, aber dafür können wir viele Fotos machen, ohne dass auch nur eine Person auf dem Bild ist. Im Sommer undenkbar!
Nach einiger Zeit nehmen wir den Rückweg wieder in Angriff. Wir könnten auch mit dem Bus fahren, ziehen aber den Spaziergang eindeutig vor.
Kurz vor der Ortschaft biegen wir zum Sandstrand ab und laufen endlich auf einem feinen Sandstrand dem Meer entlang. Einige Surfer versuchen in den Wellen des Atlantiks ihr Glück. Ob das Wasser nicht etwas gar kalt ist? Wir testen es aber nichts, zweigen in der Ortschaft wieder auf die Strasse ab und kaufen in einem kleinen Lebensmittelgeschäft noch ein. Bakio hat wohl schon bessere Zeiten wie heute erlebt, es ist nicht gerade der luxuriöseste Badeort am Atlantik, und jetzt im November sieht es zum Teil schon grad etwas heruntergekommen aus. Und los ist absolut nix.
Macht uns aber nichts aus, auch wenn wir heute wohl selber kochen müssen. Ein Restaurant, das geöffnet hat, sehen wir nämlich nirgends.
Als wir dann endlich wieder beim Womo sind, sind wir schon etwas müde, so viel gelaufen sind wir schon längere Zeit nicht mehr. Also machen wir uns einen kleinen Apero mit feinem Olivenöl, gekauften Gewürzen und frischem Brot. Einfach lecker!
Leuchtturm und Felsenfenster
Morgens beim Ver- und Entsorgen können wir das Wasser via gestern installiertem App laufen lassen, auch die Schranke öffnet sich via App und wir sind wieder in Freiheit und fahren Richtung Westen. Zuerst müssen wir aber wieder zurück durch Bilbao. Auch dieses Mal geht es reibungslos und wir kommen problemlos durch.
Das Navi führt uns dem Meer entlang, bis wir dann auf kleiner werdenden Strassen und Strässchen Richtung Ajo geleitet werden. Den anvisierten Parkplatz hoch über dem Meer finden wir problemlos, auch wenn wir echt froh sind, dass uns auf den letzten 500m kein anderes Auto mehr entgegen kommt.
Es ist herrlich hier, auf drei Seiten sehen wir das Meer und es wird noch fantastischer, als wir auf den Felsen ganz raus zu den Klippen laufen. Zwei riesige Felsenfenster, Höhlen, die hinten auch einen Ausgang haben, finden wir da hoch über dem Meer. Total faszinierend! Anita und ich klettern, entdecken und laufen noch viele Höhlen und Durchgänge mehr, einige sind 50m tief, bevor sie wieder ans Tageslicht kommen. Die Felsformationen sind wirklich gewaltig!
Hin und wieder kommen einzelne andere Touristen oder Einheimische, die hier kurz eine Pause machen und diesen Ort geniessen. Und wir entschliessen uns, heute nicht mehr weiter zu fahren und die Nacht hier zu verbringen.
Am Nachmittag laufen wir dann einen Kilometer der Küste entlang auf dem Extremo septentrional de Cantabria zum Faro de Ajo, dem Leuchtturm von Ajo. Der Weg führt hoch über der Küste nahe am Abgrund vorbei (nichts für Familien mit kleinen Kindern) bevor wir dann vor dem bunt bemalten Leuchtturm stehen. So einen habe ich nun wirklich noch nie gesehen!
Es ist aber wunderschön hier und total einsam. Wir geniessen die Stille, den Spaziergang und das Meer. Etwas später kraxeln wir nochmals auf den Felsen herum, bevor wir nun das tolle Abendrot, den Leuchtturm am Horizont und die totale Ruhe geniessen.
Ein wirklich magischer und schöner Ort.
Morgens laufe ich die 300m ins Lebensmittelgeschäft, um frisches Brot zu kaufen. Auf dem Hinweg sehe ich, dass Gemeindearbeiter beim Parkplatz die Höhenbeschränkung abmontieren. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Nach dem Einkauf auf dem Heimweg merke ich, dass ich für Womotouristen genau die richtige Bekleidung trage. Ich trage den schwarzen Hoody von Wohnmobilland Schweiz mit dem Logo; jeder im Laden sieht, dass ich ein Wohnmobilist aus dem Ausland bin und so auf dem Stellplatz übernachte. Ich muss mich also nicht mal zu erkennen geben und die Ladenbesitzer wissen, dass sie von den Wohnmobilisten profitieren. Wohnmobilland Schweiz hat also genau das richtige Logo…
Etwas weiter vorne sehe ich aber einen VW California mit Markise auf dem Parkplatz stehen, obwohl ein grosses Schild die Womos auf diesem Platz verbietet. Sorry, das finde ich nun einfach rotzfrech, schliesslich ist der Stellplatz nur gerade 100m weiter. Solche Touristen machen es den verantwortungsbewussten Womofahrern einfach immer schwerer. Leider ist grad niemand da, sonst hätte ich ihn da angesprochen.
Dem Kantabrischen Meer entlang nach Tapia
Ich will heute unbedingt den Sonnenaufgang fotografieren, denn aus der Höhlen muss das auf diesem Kap wunderschön aussehen. Und eilig muss ich es auch nicht haben, laut App schaut die Sonne erst um 8 Uhr hinter dem Horizont hervor.
Während Anita sich nochmals dreht, spaziere ich um halb acht im Halbdunkeln los zur Höhle. Es sieht alles etwas unheimlich aus, aber wunderschön. Plötzlich ein ohrenbetäubender Krach, ich fahre zusammen und denke nur noch, raus hier, bevor alles zusammenkracht. Mir steckt der Schreck noch richtig in den Gliedern, als es schon wieder extrem laut donnert. Ich merke, dass es irgend etwas mit den Wellen zu tun haben muss und mache mich auf die Nachforschung. 10 Minuten später kenne ich den Grund des unregelmässigen Lärms. Wenn unten am Meer eine grosse Welle in eine gewisse Höhle peitscht, ist die Höhle verschlossen und die Luft wird innen komprimiert. Zum einen jagt es dann wie bei einem Wal eine riesiges Luftwassergemisch 15m weit ins Meer zurück, zum andern presst es durch ein 20cm grosses Loch oben mitten in «meiner» Höhle Luft mit enormen Druck und riesigem Lärm aus diesem Schnorchel. Es ist richtig unheimlich, den Kopf getraue ich mich nicht darüber zu halten, zum Einen hätte ich meine Haare in 3 Sekunden geföhnt, zum Anderen aber wahrscheinlich ein Glatze…
Das Loch ist in der Höhle von oben herab auf der rechten Seite und das Phänomen wird schätzungsweise kurz vor dem Höchststand der Flut aktiviert.
Durch diese bannbrechende Entdeckung und das Zeigen derjenigen Anita’s, verpassen wir fast den Sonnenaufgang. Bilder sagen mehr als 1000 Worte
Wir sind immer noch Baff von dieser Entdeckung als wir weiterfahren. Wir müssen heute etwas Kilometer machen, sonst kommen wir nie rund um die iberische Halbinsel. Geplant sind 300.
Es geht auf der Autobahn A8 über 100 Viadukte an Gijon vorbei, rechts das Meer, links die Berge. Die A8 ist Maut frei, wie alle Autobahnen mit einem A. Bezahlen muss man nur diejenigen, die die Bezeichnung AP haben...
Nach dem Mittag fahren wir auf den Stellplatz in Tapia mit Blick aufs Meer. Sofort packen wir unsere Schuhe und machen nach der langen Fahrt einen Spaziergang ans Meer. Eine wunderschöne Bucht mit einem noch schöneren Hafenörtchen und einer noch schöneren geöffneten Bar, wo man draussen sitzen kann. Und endlich auch mal etwas zu Trinken bekommt…
Wir geniessen es an der Sonne, haben keine Eile mehr und lassen das Leben der Einheimischen auf uns einwirken. Ferien pur!
Wir besichtigen auch die Leuchtturm-Insel und die Hafenanlagen, wo gerade ein Fischer mit seinem Fang vom Meer heim kommt. Einfach idyllisch bei allerschönstem Wetter und ca. 16 Grad. Nicht gerade warm, aber was will man im November im Norden mehr?
Auf dem Rückweg gehen wir dann noch einkaufen und schlendern zu unserem Womo zurück. Insgesamt sind wir hier fünf Womos, zwei Schweizer, ein Österreicher, Engländer und Spanier.
Wir haben nun die Nordküste fast geschafft und können die jedem empfehlen. Bald geht es Richtung Portugal und Süden.
Wie geil ist dass denn!
Als wir morgens aufstehen, wissen wir noch nicht, was für ein toller Tag uns erwartet. Zuerst klingelt das Telefon, als wir noch unter der Bettdecke stecken und dann ist zuerst einmal Arbeiten angesagt. Ich muss noch die wichtigsten Arbeiten erledigen und Anita macht im Knutschi den Haushalt.
Wir haben es noch nicht eilig, denn wir wollen 20km weiter der Strand der Kathedralen anschauen (Danke Mariann für den Tipp, der war Gold wert!!) und das geht nur bei Ebbe. Heute also von ca. 15 bis 19 Uhr.
Also fahren wir dann doch gegen Mittag los 7 km nach Ribadeo. Dort gibt es einen Beeb-Shop (es sollen die kompetentesten sein betreffend Internet und Pre-Paid) um doch noch eine spanische Mobile Datenkarte für unsere Internetverbindung zu kaufen. In der Nähe hat es einen grossen Parkplatz und nach zwei Minuten stehen wir im Shop und erklären dem Spanier, was wir wollen. Dann geht es ratzfatz, keine 10 Minuten später haben wir eine Datenkarte von simyo für 25GB und 9€ gekauft, der nette Herr hat es uns gleich eingerichtet und nach einem Neustart läuft alles schon perfekt auf dem Handy von Anita. Wenn wir gewusst hätten, wie schnell, einfach und günstig das geht, hätten wir das schon längst gemacht. Jetzt hat also Anita auch Daten und muss nicht über meinen Hotspot ins Internet.
Weil das alles so schnell geht, fahren wir natürlich viel zu früh auf den Parkplatz der Playa de les Catedrales. Wir staunen, dass es doch einige Besucher hat und etwa 10 Womos hier stehen, das sind wir uns gar nicht mehr gewohnt. Aber dieser Strand ist wohl der Berühmteste von ganz Spanien, im Sommer gibt es Zutrittsbeschränkungen und nur mit Vorreservation darf man den Strand betreten. Jetzt im November ist das alles ausser Kraft gesetzt und jeder darf ans Wasser.
Es ist eine gewaltige Kulisse, die uns hier erwartet. Felstürme, Felstore und brandendes Meer. Da wir noch etwas zu früh dran sind und die Ebbe noch nicht den tiefsten Stand erreicht hat, sind wir beim zweiten Felsenvorsprung blockiert. Die Ebbe will aber noch nicht so recht eintreffen und zwischen zwei grossen Wellen setzen wir zum Sprint an und retten uns auf einen Felsen. Dieser Felsen dient andern Touristen auch als sicherer Hafen, aber es schaffen nicht alle ganz trocken bis dahin. Immer wieder hört man einzelne Schreie, als wieder jemand von einer Welle überrascht wird und bis zum Knöchel Nass ist.
Ab hier wird es dann etwas Tricky, wir warten etwa 5 Minuten, bis wir uns weiter wagen und unser Weg halbwegs trocken ist. In der nächsten Bucht sind wir dann nur noch ca, 10 Leute, die es bis hierhin schafften. Jetzt versperrt uns aber ein ca. 50cm tiefer Wassergraben das Weiterkommen.
Anita und ich betreten eine der Felshöhlen, um einige Fotos zu machen, sehen aber ca. 20m im Fels innen einen Sonnenstrahl. Die Höhle muss also irgendwo einen Ausgang haben. Wir müssen wieder etwas warten, bis das Wasser darin abgeflossen ist, bis wir uns dann etwas weiter vorwagen und tatsächlich einen Ausgang sehen. Jetzt darf einfach keine hohe Wellen kommen…
Wir schaffen es so durch den Fels tatsächlich in die dritte Bucht, wo vorerst aber Endstation ist. Wir beobachten 10 Minuten lang diese kleine Bucht und wissen, ganz trocken schaffen wir es nicht zum nächsten Felsen. Ein Fotograf mit Fischerstiefeln bis zur Brust ist bei diesen Felsen aber schon die längste Zeit am Knipsen. Ist dort der Ort mit den Bögen der Kathedrale?
Einzige Lösung: jetzt müssen die Turnschuhe und Socken weg, Hosen bis übers Knie hinaufgerädelt und einen guten Moment wartend. Dann sprinte ich los und rette mich auf einen kleinen Felsen, auf einem Stein. Neben mir steht nur noch Uwe, der einzige, der es ausser mir auch noch bis hierhin geschafft hatte. Anita blieb zurück, ihr ist das Wasser barfuss zu kalt.
Uwe und ich müssen sicher 5 Minuten warten, bis wir wieder etwas weiter können und dann tatsächlich vor diesen Kathedralen-Bögen stehen. Ich höre Uwe immer wieder sagen «Wie geil ist das denn!!» Auch dann, als eine grössere Welle kommt und den kleineren Stein von Uwe bis zu den Knien überspült und er nun auch Nass ist. Zum Glück war mein Stein etwas höher.
Es ist ein unglaublicher Ort, auch weil er nicht ganz einfach zu erreichen ist bei diesem hohen Wellengang von heute.
Uwe und ich werden für kurze Zeit Freunde, finden es einfach toll. Wir sind mit dem einheimischen Fotografen nur zu dritt, die es bis hierhin geschaffen haben. Auf dem Rückweg sammle ich Anita und meine Schuhe wieder ein, zeige Uwe die sichere Abkürzung durch die Höhle und wir kommen dann wieder in der ersten Bucht an, wo alle anderen Touristen stecken geblieben sind.
Anita war übrigens die einzige, die die Schuhe nicht ausgezogen hat und ganz trocken blieb. Auch die Welle, die uns kurz vor Schluss überrascht hat und eine ganzen Haufen Touristen platschnass machte, konnte sie intelligent umlaufen.
Zwei Touristen waren übrigens bis zu den Schultern nass und 90% der andern hatten nasse Schuhe.
Wieder bei unserem Womo schauen wir uns gegenseitig an und sagen «Wie geil war das denn!!»
am nördlichsten Punkt Spaniens
Dann fahren wir 63km weiter zum nördlichsten Punkt Spaniens, dem Leuchtturm Faro da Estaca de Bares. Als wir 100m vor dem Leuchtturm hoch über dem Meer unser Knutschi parken, weit und breit keine Menschenseele sehen, einen Wahnsinns Ausblick auf die untergehende Sonne haben, gibt es nur eines: Wie geil ist das denn!
unseres Reisestrecke