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Marokko 2017
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Reisebericht

Von Nord nach West 12.11.2021

Mit dem Herkulesturm

Nach einer sehr ruhigen Nacht können wir uns morgens fast nicht von diesem schönen Ort trennen. Der nördlichste Punkt Spaniens hinterlässt bei uns einen bleibenden Eindruck. Abends sind wir dann am westlichsten Punkt Spaniens, aber das wissen wir jetzt noch nicht.

wir geniessen den Morgen

Unser Ziel ist eigentlich A Coruña und der Herkulesturm. Dies ist der einzige Leuchtturm, der seit der Römerzeit ununterbrochen in Betrieb war (seit ca. 110 nach Christus). Damit ist dies der weltweit älteste Leuchturm. Die 110km Fahrt bis in die Hauptstadt Galiziens geht durch eine schöne Gegend mit wenig Verkehr. Erst in der Stadt wird es dann etwas hektischer und die Fahrspuren zum Teil etwas eng. Nachdem wir aber die gesamte Stadt gut durchquert haben, stehen wir auf dem Parkplatz vor dem Herkulesturm. Dieser ist imposant und sieht toll aus. Auch die breite gepflasterte Strasse zu diesem hinauf sieht wirklich toll aus.

Wir umrunden den Turm, geniessen den weitläufigen naturnahen Park und den Blick auf die Stadt und das Meer. Aber irgendwie stellt sich bei uns nicht die tolle Begeisterung ein, wie an den anderen bisher besuchten Orten. Wir sind eben doch keine Grossstadtmenschen, auch die Besichtigung von A Coruña (inoffiziell heisst sie La Coruña) reizt uns plötzlich nicht mehr. Eigentlich wollten wir auf dem Stellplatz beim Hafen übernachten, aber sollen wir wirklich? Irgendwie gefällt es uns in der Abgeschiedenheit einfach besser, oder bei einem kleinen Städtchen.

So entschliessen wir uns, zum Faro de Cabo Touriñán weiter zufahren. Es ist zudem der westlichste Punkt Spaniens. Zuerst raus aus der Stadt fahre ich nach meiner Eingebung und nicht nach dem Navi, das klappt super gut und wir sind wahrscheinlich schneller durch die Stadt wie jeder Einheimische. Toll gemacht, ein Kompliment an mich! Danach verlasse ich mich wieder aufs Navi, was ein totaler Fehler war. Wir landen auf engen Feldwegen, die parallel der neuen Autostrasse folgen, aber ohne eine Chance zu haben, je auf die Autobahn zu kommen. Ich Fluche wie ein Rohrspatz, bis dann Anita die Navigation manuell übernimmt und uns endlich wieder auf grössere Strassen führen kann. Ab da ist es dann kein Problem mehr und wir kommen um 16 Uhr bei diesem kleinen, herzigen Leuchtturm an. Dies ist nun eher unsere Welt, hier gefällt es uns sehr, auch weil wir die einzigen sind, die hier stehen.

Der westlichste Punkt Spaniens! Hier geht die Sonne unter, um in Amerika aufzugehen.

Aber das will ich nun genauer wissen: genau gegenüber liegt Portsmouth, New Hampshire, 4868km von unserem Leuchtturm entfernt. Die Sonne geht hier heute um 18:16 Uhr unter und in New Hampshire um 6:33 Uhr auf. Zeitverschiebung 6 Stunden. Nach dem Rechnen bin ich ein bisschen enttäuscht, wenn hier Mittag ist und die Sonne ganz hoch steht, wird es in Amerika ja schon hell. Also nichts mit Sonnuntergang hier und gleichzeitig Sonnenaufgang dort.

Nochmals eine leichte Enttäuschung ist dann der Sonnenuntergang, genau als es spannend wird und der Himmel sich rot verfärbt, zieht ein dunkles Wolkenband vorbei und fertig Sonnenuntergang.

Aber der gesamte Rest ist super. Wir stehen wirklich gerade vor dem Leuchtturm, man kann in Spanien keine 4m westlicher mit einem Womo stehen, wie wir jetzt parkiert sind. Einfach toll!

Auch die Klippen wie immer sensationell und die grossen Wellen, die direkt von Amerika ankommen, sind auch der Hammer. Was will man mehr?

Die Reise hat sich absolut gelohnt und wir sind schon lange Fans von Spaniens Norden, was es uns heute nur nochmals bestätigt hat.

Übernachtung

Touriñán - Faro de Cabo Touriñán ****
Spanien, frei
kleiner Parkplatz direkt vor dem Leuchtturm
Koordinaten: 43.05330, -9.297723
N 43° 3' 11.9"  E -9° 17' 51.8"
letzter Besuch: 11.2021

Auf dem Pilgerweg 13.11.2021

Santiago de Compostela

In der Nacht begann es etwas zu winden und die Brandung aus Amerika wurde stärker. Geschlafen haben wir trotzdem sehr gut, auch wenn das Licht des Leuchtturms die ganze Nacht rund ums Knutschi kreiste und uns dadurch bewachte.

So fahren wir erholt und ausgeschlafen die 20km nach Fisterra, übersetzt zum Ende der Welt. Während Jahrhunderten glaubte man, dass hier die Welt endet und dass es nur noch Wasser bis zum Horizont gibt. Erst ein Herr Kolumbus hat dann etwas anderes bewiesen…

Hier am Kap Finisterre steht auch die Wegmarkierung des Jakobsweges mit der Markierung 0,000km. Viele Pilger, die in Santiago de Compostela ankommen, wandern den Weg noch 64km weiter bis hierhin zum Ende der Welt. Dieses Ende des Weges geht aber bis weit vor die christliche Zeit, denn hier war die größte Nähe zu den Inseln der Seligen möglich, welche die keltische Sage jenseits des Horizonts im Atlantik platziert, gleichbedeutend mit der Auseinandersetzung mit dem Tod (Wikipedia, ich wusste das natürlich nicht).

Wir sind nun also beim Kilometer Null. Es ist schon etwas touristisch, das schönste an allem ist unser Stellplatz hoch über dem Meer mit Sicht auf den Leuchtturm. Fast ein Grund, hier zu bleiben.

Allerdings fährt dann ein spanischer Reisebus vor, entlädt 50 gackernde Spanierinnen, die sich sofort über das Kap hermachen, lautstark an den schönsten Fotospots telefonieren, andere machen Selfies und blockieren so die andern Fotospots, weil sie grad auch noch die geschossenen Fotos auswählen und direkt irgendwohin posten, statt andern Leuten Platz zu machen. Jetzt ist nur ein Bus hier, wie ist es dann aber im Sommer, wenn kolonnenweise Busse hierhin fahren?

Wir können uns irgendwie nicht so recht begeistern, vor allem wegen den Leuten. Also nehmen wir nochmals 60km unter die Räder und folgen dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Am Ziel angelangt machen wir noch die eine oder andere Ehrenrunde, bis wir die Einfahrt zum Stellplatz erwischen. Es ist ein grosser Parkplatz für Reisebusse und Wohnmobile fast mitten in der Stadt. Zu Fuss sind es nur 20 Minuten bis zur Kathedrale, und da ist es ja klar, dass wir gleich losmarschieren.

Die Kathedrale von Santiago ist die Grabeskirche des Apostels Jakobus, und darum auch das Ziel aller Jakobswege. Es gibt da ganz verschiedene, da ja jeweils der Startort auch unterschiedlich ist. Es ist ein imposantes Bauwerk, aber ungewöhnlicher sind die ankommenden Pilger. Einige liegen mitten auf dem Platz, erholen sich und denken wahrscheinlich über den zurückgelegten Weg nach. Ander Ankömmlinge liegen sich in den Armen und freuen sich über den zurückgelegten Weg. Wir schauen faszinierend zu und sind etwas neidisch, dass wir so einfach und fahrend hier angekommen sind, wahrscheinlich kein Vergleich mit den Pilgern zu Fuss.

Einige von denen werden dann noch die 64km zum Kilometer Null laufen und dort aus Dankbarkeit ihre Wanderschuhe deponieren und verbrennen.

Wir hingegen statten der Kathedrale noch einen Besuch ab, aber jeder für sich. Der Zutritt mit einem Rucksack ist nicht gestattet, also bleibt jemand draussen und passt auf. Drinnen ist der Hochaltar von einem vergoldeten Baldachin umgeben und sieht toll aus. Auch der Botafumeiro hängt brav an der Decke. Dieser Weihrauchkessel wird bei bestimmten Gottesdiensten pendelnd an einem 66m langen Seil durch die ganze Kathedrale geschwenkt.

Wir überlegen uns, ob wir morgen Sonntag um 11 Uhr die Pilger-Messe in der Kathedrale besuchen sollen. Das wäre doch was, oder? Anschliessen in einer Bar und bei Tappas verwerfen wir die Idee aber wieder. Die Messen werden auf spanisch abgehalten und dauern wahrscheinlich ewig…

Es war schön, hier gewesen zu sein, aber es ist nicht der Ort, der uns extrem viel Eindruck hinterlassen wird. Die Kathedrale und die Altstadt sind schön, aber doch nicht so aussergewöhnlich. Am beeindruckendsten sind die ankommenden Pilger und für die ist es ein mehrfach schöneres Gefühl als für uns, die wir hierher gefahren sind.

Wir werden morgen Sonntag für uns fahrend weiter pilgern, irgendwo Richtung Süden, Ziel noch unbestimmt.

Übernachtung

Santiage de Compostela - Area de Autocaravanes **
Spanien, Parkplatz
grosser Parkplatz mit Entsorgung
Koordinaten: 42.89429, -8.53307
N 42° 53' 39.5"  E -8° 31' 59.1"
letzter Besuch: 11.2021

Gold 14.11.2021

1600 Tonnen Gold wurden hier geschürft

Die Nacht auf dem grossen Parkplatz mitten in der Stadt ist erstaunlich ruhig. Wir sind ganz zufrieden. Vor der Abfahrt müssen wir aber nun endlich noch den Griff des Kühlschrankes und des Gefrierfaches wechseln. Der Kühlschrankgriff ist ein weiteres Mal kaputt und auf der heutigen geplanten Bergstrecke soll die Kühlschranktüre nicht in jeder Kurve aufspringen, also wechsle ich den Griff mit dem Gefrierfach.

So starten wir beruhigt Richtung Osten. Die Gegend und die ausgebaute Strasse führen durchs Gebirge, im Tal teils Nebel und wir meistens an der Sonne. Dann verlassen wir die Hauptstrasse und fahren den Wegweisern Mirador de Orellan nach. Die Strasse wird schmaler, steiler und der Wegweiser immer etwas älter und verwitterter. Uns kommen langsam Zweifel auf, ob wir noch richtig sind. In den Dörfern wird es Tricki, also so richtig Tricki. Die Balkone und Terrassen ragen immer weiter in das schon schmale Strässchen und wir würgen uns mit unserem 3m hohen Womo grad so durch. Mein Puls ist leicht erhöht und beruhigt sich erst wieder, als die Strasse etwas breiter wird. Aber schon wieder wird es eng und wir kämpfen uns im Schritttempo durch. Noch 1km auf den Parkplatz. 

Dann wird es wieder steil und 500m vor dem Ziel kommt eine Fahrverbotstafel für längere Fahrzeuge wie 6m. Hä? Wir können hier auf keinen Fall umdrehen und müssen irgendwie weiter. So schlimm sind dann die letzten 500m auch nicht mehr, es geht ganz gut bis wir auf dem Parkplatz sind. Die Längenbeschränkung wird wegen den Parkplätzen sein, während der Saison wird hier alles voll sein, aber jetzt hat es genug Platz. Hierher ist es wohl besser, nur einen kurzen Kastenwagen zu haben, wie so ein ausgewachsenes Womo wie wir. Mit einem Liner kommt man aber nicht bis hierher…

Wir parkieren uns Knutschi total schräg, packen unsere Fotoapparate und marschieren die 600m los bis zum Aussichtspunkt. Der Mirador de Orellan bietet einen fantastischen Ausblick über Las Médulas, eine Landschaft die von den Römern geprägt wurde. Hier befand sich die wichtigste Goldmine im römischen Reich und die Berge wurden mit Stollen durchlöchert und dann mit viel Wasser geflutet, so dass ein Teil der Berge weggespült wurde und die Römer ans Gold kamen. In 250 Jahren förderten die Römer hier über 1600 Tonnen Gold, das sind jeden Tag 18 Kilo… Ob da nun wirklich alles weg ist?

Wir geniessen den fantastischen Ausblick und entschliessen uns, am Aussichtspunkt weiter zu laufen und dann den Weg steil hinab durch den Kastanienwald zu nehmen. Es geht einen Kilometer wirklich steil hinunter (und wir müssen den nachher wieder rauf) und dann wird es etwas flacher und wir sind dann unten zwischen den orangen Felsformationen. Wir marschieren zwischen den anmutig aussehenden orangen Gesteinsformationen und können uns kaum satt sehen. Irgendwann sind wir dann am untersten Punkt und wir müssen alles wieder hinauf… (der ganze Rundgang vom Parkplatz weg ist 6km mit 260 Höhenmetern)

Als wir dann endlich wieder oben sind, hat die Galeria de Mirador offen, eine Besichtigungstour in einem der römischen Stollen, der nach einem Berechnungsfehler der Römer nicht den Berg weggesprengt hat. Der Stollen ist zum Teil so nieder, dass wir uns bücken müssen, zum Glück gibt es beim Eintritt einen Helm auf den Kopf, wir hätten sonst einige Beulen bekommen.

Am Ende des Stollens gibt es dann mitten in der Felswand einen grandiosen Ausblick.

Dann auf dem Rückweg zum Stollenausgang sehen wir ihn, den Klumpen Gold, den die Römer übersehen haben. Wir schätzen diesen auf ca. 5Kg und packen ihn heimlich in unseren Rucksack. So viel Glück kann man ja gar nicht haben. Zurück im Womo polieren wir ihn, um ganz sicher zu sein, ob es wirklich Gold ist. Kein Zweifel! Und was jetzt? Wir entschliessen, kein Foto von diesem Goldklumpen zu veröffentlichen und ihn gut im Womo zu verstecken. Zum einen wollen wir keinen Goldrausch lostreten, zum Andern keine Diebe anlocken. Ich hoffe, ihr versteht das.

Auf alle Fälle sind wir um 17 Uhr endlich wieder in unserem Knutschi, warten bis 19 Uhr, bis alle anderen Autos vom Parkplatz weg sind und versuchen dann, unser Knutschi irgendwie gerade hinzustellen, was uns aber nicht gelingt. Wenigstens sind jetzt die Betten so, dass die Köpfe oben sind, aber die Pizza, die Anita im Ofen hat, rutscht fast vom Blech. Sollen wir den Goldklumpen wohl besser auf der anderen Seite verstauen?

Übernachtung

Las Médulas - Mirador de Orellan ***
Spanien, frei
schräg und nur für Womos bis 6m ausserhalb der Saison geeignet.
Koordinaten: 42.45947, -6.745386
N 42° 27' 34.1"  E -6° 44' 43.4"
letzter Besuch: 11.2021

Portugal estamos chegando 15.11.2021

Zwischen Nebel und Sonne

In der Nacht haben sich ein paar Wildschweine vor unsrem Womo gestritten, das hat getönt, gequitscht und gegrunzt, wir waren hellwach. Bei dieser Gelegenheit mussten wir auch die Heizung etwas hinauf schrauben, es war bloss 1 Grad draussen.

So fuhren wir dann im Nebel nach dem virtuellen Sonnenaufgang um halb neun los den schmalen Bergweg hinunter. Wobei wir bemerkten, dass wir nun auch eine etwas breitere Strasse nehmen können. Es gibt also Alternativen zu gestern.

Mal im Nebel, mal darüber

So fahren wir Richtung Portugal, manchmal im Nebel, manchmal über dem Nebel in der Sonne. Das Spiel mit dem Licht ist fantastisch und wir geniessen auch diese Fahrt. Und da es Nebel hat, entschliessen wir den Weg über die Berge zu nehmen. Das Navi meinte am Morgen noch, unsere Strecke sei 600km, gemäss Karte und unserem Weg sind es aber nach meinen Berechnungen nur 300. Immer noch genug, darum sind wir auch so früh unterwegs.

Die Strecke durch die Berge ist aber super ausgebaut und wir kommen viel schneller voran, wie wir gedacht haben. Da liegt der eine oder andere Fotostopp schon noch drin.

Vor der Portugiesischen Grenze tanken wir noch günstigen Diesel in Spanien und fahren dann auf der A24 über die Grenze. Nicht mal ein Zollhaus oder ähnliches hat es, nur die EU-Tafel. Auch eine Kontrolle des Covid-Zertifikates ist weit und breit nicht in Sicht.

Und dann sind Anita und ich zum ersten Mal in unserem Leben in Portugal. Fühlt sich gut an.

Ca. 2km hinter der Grenze kommt dann die erste vollautomatisch Zahlstelle. Ausser man ist ein ausländisches Fahrzeug wie wir. Wir müssen vor der Zahlstelle rechts an die Registrierstelle, stoppen, Kreditkarte reinstecken, Quittung herausnehmen und fertig.

Registrieren für die Autobahn

Nun ist unsere Kreditkarte unserem Fahrzeug zugeordnet und bei allen elektronischen Zahlstellen blochen wir ab jetzt einfach durch, die Gebühren werden automatisch der Kreditkarte belastet. Das geht ja wirklich super einfach und schnell, warum ist das nicht bei allen Ländern so möglich? Wir sind jetzt für 30 Tage registriert und haben freie Fahrt. Das ist aber noch nicht bei allen Autobahnen so möglich, aber auf unserer A24 von heute schon. Alle paar Kilometer kommt so eine elektronische Zahlstelle und es wird wenig Geld abgezogen. Wieviel es am Schluss sein werden, haben wir noch keine Ahnung.

automatische Zahlstelle

Dann müssen wir irgendwann die A24 verlassen und fahren wieder rein in die Berge. Von der super ausgebauten Autobahn mit sehr wenig Verkehr auf die super schlechte Bergstrasse N225 mit gar keinem Verkehr. Es holpert und rumpelt, ein Schlagloch am andern und der Asphalt ist aus der Zeit von Christoph Kolumbus. Jetzt wird auch deutlich, dass die Portugiesen Seefahrer waren und keine Strassenbauer. Es ist echt schlimm, mit höchstens 40km/h fahren wir diese Rumpelstrasse, das Navi zeigt mögliche 90km/h an und die Schilder am Strassenrand machen uns darauf aufmerksam, dass hier Überholverbot ist. Völlig unnötig, man kann sowieso nicht überholen.

bald am heutigen Ziel

Es nervt mit der Zeit wirklich und als nach 25km endlich eine leicht reichere Provinz beginnt, ist die Strasse auch leicht besser, aber nur leicht. Nach 35km Kurvenfahrt fahren wir endlich auf den Parkplatz des Passadiços do Paiva, einem Wanderweg durch die Schlucht mit der längsten Hängebrücke. Für heute reicht es aber nicht mehr, also kaufen wir online Tickets für morgen und geniessen heute die Sonnenstrahlen vor dem Womo.

Morgen gehen wir also wandern und ab dann sind wir reif, am Meer mal einen Ruhetag zu machen. Gibt es Stellplätze direkt am Meer zwischen Porto und Lissabon, wo man auch draussen sitzen und das warme Wetter geniessen kann?

Übernachtung

Areinho - Parque de Estacionamento **
Portugal, Stellplatz
etwas schräg, kostenlos
Koordinaten: 40.95586, -8.178489
N 40° 57' 21.1"  E -8° 10' 42.6"
letzter Besuch: 11.2021

516 Arouca 16.11.2021

Die weltweit zweitlängste Fussgängerhängebrücke

Diese Nacht waren keine Wildschweine zugegen, sondern eine ganze Ziegenherde, die sich um unser Knutschi eingerichtet hat. Ich musste einige Mal nachts aufstehen und diese Biester vertreiben, da wir das Gefühl hatten, die wetzten ihre Hörner an unserem Womo. Morgens waren sie dann alle weg und das wichtigste, unser Knutschi nahm keinen Schaden. Allerdings waren auch meine Turnschuhe weg, die ich vor dem Womo wegen Geruchsemmissionen gelagert hatte, das merkten wir dann aber erst am Nachmittag…

Morgens musste wir uns dann doch noch etwas beeilen, schliesslich hatten wir für 9:30 Uhr die Passage auf der 516 Arouca gebucht und bis dahin sind es eine Stunde Fussmarsch. Wobei wir dann kurz vor Abmarsch feststellten, dass in Portugal die Uhren gegenüber Spanien eine Stunde nachgehen und wir dann plötzlich nochmals eine Stunde Zeit hatten.

Also nochmals alles kontrollieren und den Rucksack packen. Die Infos im Netz waren über diese Brücke etwas spärlich darum rechneten wir mit einer Stunde Wanderung hin und auf der anderen Seite ca. 90 Minuten zurück. Ich kann es nun aber Kurz machen und gleich die richtigen Infos weitergeben.

Passadiços do Paiva

Vom Parkplatz der Womos, wo wir geschlafen haben, geht es zuerst mal 10 Minuten Steil hinunter zum Rio Paiva. Dort unten hat es nochmals einen Parkplatz und dort startet auch der Passadiços do Paiva. Im Internet muss man für diesen Wanderweg ebenfals Online-Tickets lösen, löst man für den Wanderweg, darf man aber nicht über die Brücke, also die Tickets für die Brücke lösen (12€), dann ist der Wanderweg inbegriffen.

Gemäss Infos dauert der Weg zur Brücke eine Stunde und beinhaltet 500 Treppenstufen bergwärts. Wir benötigten ca. 25 Minuten plus 10 Minuten vom oberen Parkplatz also insgesamt 35 Minuten. Der Weg führt vielfach über gut ausgebaute Holzstege und viele Treppen unten vom Fluss zur Brücke hoch, die man doch schon von weitem sehen kann. Der ganze Wanderweg ist 8,7km lang, die Brücke kommt nach ca. 2km.

Wir, die viel in den Bergen und auch auf 4000er waren, war dieser Weg nicht wirklich spektakulär, zwar schön und ausgebaut, aber gesehen muss man den nicht unbedingt haben. Da ist z.B. der Fürstensteig bei uns zu Hause viel eindrücklicher und kostenlos.

516 Arouca

Die Brücke selber ist dann aber der Hammer! Parktisch neu, gebaut und eröffnet im 2020 und 516m lang, 175m über dem Rio Paiva. Echt ein Hingucker. Die reservierten Tickets sind auf eine bestimmte Uhrzeit gelöst, und da gibt es kein 5 Minuten früher oder später, man muss Punktgenau dort eintreffen. Ein Guide erklärt zuerst die wesentlichen Merkmale der Brücke und was man genau darf und was nicht. Verboten: rennen, absitzen, essen, springen, schwanken. Auch Kinder unter 6 Jahren dürfen nicht über die Brücke.

Am Beginn der Brücke dürfen von der Gruppe alle noch Fotos machen, ohne Leute drauf und dann wird mit dem Guide über die Brücke gegangen. Unser blieb dann in der Mitte stehen und ging wieder zurück. Wir durften die Brücke überqueren und hatten dafür 15 Minuten Zeit, und danach auch wieder zurück bis zum Ausgangspunkt. Es hat ganz schön geschwankt und die Gitter auf dem Boden lassen den Blick senkrecht runter, sie sind also praktisch durchsichtig. Schon ein mulmiges Gefühl, den Fluss so weit unter seinen Füssen zu sehen.

Nach etwa ¾ vom Weg fehlte im Boden ein 1-m breites Stück, das war echt mulmig. Mit einem grossen Schritt musste man diesen Abgrund überwinden, unter einem fast 200m Nichts. Das braucht echt Mut und man muss schwindelfrei sein. In unserer Gruppe schafften es alle bis ans Ende und auch wieder zurück, auch die Engländerin, die ziemlich Schiss hatte. Eine Tschechin hatte wohl das Ticket gelöst, machte dann aber keinen Schritt auf die Brücke und wartete, bis wir wieder zurück waren.

Nach einer halben Stunde waren wir also wieder auf «unserer» Seite der Brücke. Wir verfolgten dann diesen Wanderweg nicht weiter, sondern drehten um und kehrten zum Anfang zurück.

Jetzt im November konnten wir die Tickets buchen, ohne Wartefristen. Unsere Gruppe umfasste 8 Leute.

Dort hatte inzwischen die kleine Bar offen, wo wir uns noch eine kleine Stärkung genehmigten, bevor wir den steilen Aufstieg zu unserem Wohnmobil in Angriff nahmen.

Nach diesem kleinen Abenteuer suche ich in der Nähe des Meeres eine Entsorgungsstation heraus, um Frischwasser zu tanken und Abwasser abzulassen. Allerdings gab es schon im nächsten Dorf eine gut ausgeschilderte Entsorgungsstation. Wir erledigten das Geschäft hier und suchten in GoogleMaps einen Parkplatz am Strand und setzten diesen als neues Ziel.

Eine Stunde später standen wir am portugiesischen Meer, schauten den Wellen zu, machten einen Sandstrandspaziergang und genossen die 18 Grad.

Da in Portugal das freie Stehen am Meer verboten ist, packten wir vor der Dunkelheit unsere sieben Sachen zusammen und dislozierten 20km auf den nächsten offiziellen Stellplatz. Wir wollen uns schliesslich an die Gesetze halten und nicht noch mehr Unmut über die Wohnmobilfahrer bei der Bevölkerung schüren. Wahrscheinlich hätten wir hier jetzt im November schon problemlos übernachten können. Das Gesetz über das Freistehen wurde letztes Jahr wegen vielen Freisteher ohne Toilette im Womo an der Algarve rigeros verschärft. Kann man ja auch verstehen… Aber wir halten uns selbstverständlich daran und sind jetzt auf einem kleinen Stellplatz direkt an einem kleinen Hafen (wenn der nicht gerade mit einer Grossbaustelle umgestaltet würde).

Wir sind auch heute mit Portugal sehr zufrieden, wobei auch heute waren sie eher Seefahrer wie Strassenflicker…

Ach ja, das mit dem fehlenden Boden auf der Brücke war Brückenlatain, selbstverständlich fehlte nichts und auf Sicherheit wird grossen Wert gelegt…


Übernachtung

Fonte - Parque de Pernoita de Autocaravanas ****
Portugal, Stellplatz
Platz für 3 Womos
Koordinaten: 40.80123, -8.63485
N 40° 48' 4.4"  E -8° 38' 5.5"
letzter Besuch: 11.2021

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