Endje van de Welt
Wir überlegen uns, bei diesem tollen Wetter in Giethoorn zu bleiben, entscheiden uns dann aber doch noch für die Weiterfahrt. Wir müssen uns aber schnell entscheiden, ich habe Angst, dass wir heute in Ostfriesland keinen Platz auf einem Stellplatz finden. Es ist Auffahrtswoche, nächste Woche Pfingstwoche, und auch noch Weekend. Wahrscheinlich jeder der ein Wohnmobil hat, ist nun unterwegs und in der Nähe des Meeres wird alles voll sein. Unsere Chance: am Mittag auf einem Stellplatz ankommen, wenn die Weiterreisenden abgefahren sind und die ankommenden noch nicht da sind. So fahren wir um 9 Uhr los, geniessen die Fahrt durch die Niederlande bis wir in Deutschland ankommen. Sofort werden die Strassen schlechter, die Gegend irgendwie ärmlicher.
Wir haben Ditzum im Visier, dort gibt es einen ziemlich grossen Stellplatz, der Ort ist aber etwas abseits und wird darum von vielen als „Endje van de Welt“ bezeichnet. Für uns ist es der Anfang von Ostfriesland. Die Ostfriesen sagen übrigens nicht einfach „Hallo“, sondern meistens einfach nur „Moin“. Und zwar den ganzen Tag. Zwei Ostfriesen können problemlos ein ganzes Gespräch führen mit: „Moin.“ „Moin.“ Das wars dann auch schon. Viel mehr Worte gelten fast schon als verdächtig gesprächig.
Als wir gespannt um die Ecke biegen, sind wir erstaunt: es gibt viele freie Plätze, voll würde anders aussehen. Sagen wir mal so: gut gefüllt. Der Tag ist schon gerettet!
Wir richten uns ein und machen dann einen kleinen Spaziergang auf dem Deich ins Dorf. Keine 5 Minuten später sind wir im Hafen. Ostfriesische Fischkutter, tolles Häfelchen mit Windmühle im Hintergrund, Fischbrötchenstand und eine riesige Deichmauer um den Hafen. Es ist schon krass, wie sich die Leute hier vor dem Hochwasser schützen. Die Deiche sind hoch und der Hafen ist vom Land her entweder nur über den Deich oder durch schwere, hohe Tore passierbar.
Wenn eine Sturmflut droht, werden diese Tore geschlossen und das Wasser vom Ort weggehalten. Der gesamte Ort ist übrigens auf einem künstlichen Hügel gelegen, auch wegen dem Hochwasser…
Einen Kilometer weiter in der Emsmündung hinauf ist das grosse Emssperrwerk. Riesige Tore werden bei Sturmflut geschlossen und so wird der ganze innere Teil des Landes bis nach Papenburg vor Hochwasser geschützt.
Die Tore werden übrigens auch geschlossen, wenn in der Meyer Werft ein riesiges Kreuzfahrtschiff in die Nordsee überführt werden muss. Bei dann geschlossenen Toren staut sich die Ems auf 30 km Länge und es gibt bis 8.50 m Wassertiefe, genug für die ganz grossen Kreuzfahrtschiffe. Schon verrückt: mitten durchs platte Ostfriesland fahren dann Schiffe, die höher sind als alle Häuser in den Dörfern. Zu den Überführungen pilgern jeweils tausende Zuschauer an die Deiche, fast wie an ein Volksfest oder ein ostfriesischer Feiertag.
Jetzt ist aber keines dieser neuen Schiffe in Sicht, darum machen wir einen Spaziergang zur Windmühle. Es ist per Zufall Markt und die einheimischen Landfrauen betreiben eine kleine Kuchenstube.
Leider können wir nix kaufen, wir haben kein Bargeld und Kreditkarten werden nicht genommen. Mist. Der nächste Geldautomat ist 4 Dörfer und 11 km weiter in Jemgum. Also geniessen wir den Markt ohne etwas zu kaufen und zu essen… Wobei es schon schwerfällt, wenn überall frischer Kuchenduft in der Luft liegt. Die Ostfriesen trinken übrigens weltweit am meisten Tee pro Kopf, sogar mehr als die Briten. Tee ist hier keine Getränkewahl, sondern fast schon Religion. Mit Kluntje und Sahne natürlich. Und umrühren darf man traditionell auch nicht.
Wieder beim Womo machen wir uns mit dem Rad auf den Weg zum Geldautomaten. Die Strecke führt alles dem Deich entlang, zwischen Deichschafen hindurch, die seelenruhig den Fahrradweg blockieren. Die Schafe sind übrigens auf allen Deichen präsent, sie halten das Gras kurz und verdichten mit ihren Hufen den Deich, so dass er besser gegen Sturmfluten schützt. Eigentlich sind sie also lebendige Küstenschutzarbeiter. Und gemütlich sind sie auch: manche schauen nicht mal auf, wenn man mit dem Velo direkt an ihnen vorbeifährt.
Nach einiger Zeit haben wir dann endlich Bargeld und radeln wieder zurück. Anita sucht noch einen Geo-Cache auf dem Deich und dann können wir es nicht lassen und wollen noch Fisch essen gehen. Die Restaurants sind aber fürs Abendessen ziemlich voll, so können wir dann noch reservieren und bekommen einen Tisch auf halb acht. Es geht also noch ein bisschen, bis wir den einheimischen Fisch hier probieren können. Aber Vorfreude gehört in Ostfriesland wohl genauso dazu wie Wind, Tee und „Moin“.
Wir stecken fest
Sonntags gehen wir es gerne gemütlicher an, ausschlafen und so. Das geht so lange gut, bis wir die Idee haben: wir könnten ja nach Norderney fahren? Mit dem Womo auf die Fähre und dann auf der kleinen ostfriesische Insel auf einem Campingplatz. Nachdem wir diese Idee haben kommt Hektik auf, schliesslich müssen wir da eine Stunde mit der Fähre rechnen und einen Platz haben wir auch noch nicht gebucht. Also schnell zusammenräumen, WC leeren, Grauwasser ablassen und los. In Theorie wenigsten. Denn es stockt bei der Ausfahrt beim Stellplatz. Die Schranke öffnet nicht. Was ist los. Also nochmals zurück, unser Parkticket kontrollieren. Alles gut, wir haben bezahlt, bis 14 Uhr muss man draussen sein und unsere Autonummer wurde auch richtig eingelesen. Also nächster Versuch. Aber wieder nichts. Je moderner die Systeme, desto mehr kann etwas nicht klappen. Wir stehen da wie die Esel am Berg.
Irgendwo finden wir die Telefonnummer des Platzwartes. Aber es kommt nur die Combox. Mist. Inzwischen gibt es schon einen ziemlichen Auflauf von Leuten bei der Ausfahrt. Alle wollen uns helfen, aber keiner kann es. Und bei allen andern öffnet sich die Schranke. Ich fahre sogar rückwärts zur Schranke, damit mein hintere Autonummer eingelesen werden kann. Nichts.
Nochmals beim Platzwart anrufen, immer noch nichts. Auch andere Wohnmobilisten wollen anrufen, aber nichts. Nach einer Stunde stehen wir immer noch dort. Anita findet die Telefonnummer vom Ortsbrandmeister der Feuerwehr. Etwas anderes fällt uns nicht ein. Eine freundlcihe Frau gibt uns dann die Tel.Nr. des alten Platzwartes. Aber auch dieser ist nicht zu Hause. Also nochmals zur Feuerwehr. Wieder kriege ich eine andere Nummer, wieder niemand zu Hause. Sind die alle im gleichen Biergarten? Also telefoniere ich nochmals Inke, die ich jetzt schon ziemlich gut kenne. Dann verspricht sie mir, dass sie jemand von der Gemeinde sucht, der uns erlösen kann. 10 Minuten später telefoniert mir Hilda, was unser Problem sei. Ich erkläre es nochmals ausführlich. «Ich komme vorbei, vielleicht kann ich etwas machen.» Hilda braust etwa später mit dem Velo im Regen heran. Und tatsächlich, sie kann unsere Schranke öffnen. Wo der Fehler liegt, ist aber auch ihr nicht klar. Bei unserem Ausfahrttickets ist alles ok.
Wir verabschieden uns und verlassen nun Ditzum mit zwei neuen Telefonnummern von sympathischen Damen.
Allerdings haben wir nun zwei Stunden verloren. Wir begraben die Idee von Norderney und fahren aufs gratewohl nach Greetsiel. Der bekannteste Ort in Ostfriesland. Hoffentlich habe wir Platz auf dem dortigen Stellplatz.
Kein Problem, wir kommen gut an, und weil es grad nicht regnet, zu Fuss vorbei an den Zwilingsmühlen, durch das schicke Dörflein, zu den Krabbenfischerbooten und dann sehen wir hinter dem Hafen ein kleiner Markt. Also zuerst endlich mal ein Fischbrötchen. Und diese sind extrem lecker, wirklich. Viel, viel besser wie das Fischabendessen gestern Abend. Wenn man böse sein wollte, könnte man sagen, uns hat man gestern trockene Fischstäbchen serviert. Aber eben, vielleicht haben wir keine Ahnung von Fisch.
Wir geniessen Greetsiel und etwas später unser Womo. Um 18 Uhr packen wir dann noch unsere Räder aus, fahren nochmals durch Dörfchen und 5km weiter dem Deich entlang. Diese Deiche sind hier übrigens überlebenswichtig. Ohne sie würden grosse Teile Ostfrieslands regelmässig unter Wasser stehen. Nach den verheerenden Sturmfluten der vergangenen Jahrhunderte, besonders der Weihnachtsflut von 1717, bei der an der Nordseeküste Tausende Menschen starben, wurden die Deiche immer höher und stärker gebaut. Heute wirken sie friedlich, aber sie schützen das Land Tag und Nacht vor der Nordsee.
Die Fahrt ist wunderschön, bis wir beim Leuchtturm Pilsum sind. Gelb-rot gestreift, im Film hat da Otto gewohnt. Der kleine Leuchtturm ist nur elf Meter hoch und eigentlich viel kleiner, als er auf Fotos wirkt. Berühmt wurde er erst durch Otto Waalkes und ist heute wahrscheinlich der bekannteste Leuchtturm Ostfrieslands.
Wir sind alleine dort, machen ungestört Fotos und Anita findet sogar noch einen Geo-Cache.
welches ist der richtige Cache? Keiner, ist ganz an einem anderen Ort.
Aber dann heisst es, tempo nach Hause. Dunkle schwarze Wolken ziehen sich zusammen, wir fahren immer schneller, die ersten Tropfen spürend. Dann mit Volldampf durch das inzwischen leere Greetsiel zu Knutschi. Kaum sind die Velos in der Womogarage verstaut, prasselt ein Platzregen runter. Glück gehabt.
Und seither regnet es, Anita kocht, ich schreibe.
direkt am Wattenmeer
Nachts goss es wie aus Kübeln, was uns aber nicht stört, wenn es morgens wieder trocken ist. In Ostfriesland sagt man zum schlechtes Wetter ganz einfach Schietwetter. So arbeite ich zuerst noch ein bisschen (muss leider sein) und dann spazieren wir nochmals durch Greetsiel. Anita findet noch zwei Geo-Caches und ich eine Bäckerei bei der Mühle mit frischem Mühlen- und Rosinenbrot, wo wir je ein halbes kaufen und das Rosinenbrot direkt danach verdrücken bis zum letzten Krümmel. Auch hat Anita noch andere Ideen, um unser Geld zu verpulvern, will sie doch noch ein weiches Fell von einem original Deichschaf, bevor wir dann erst nach dem Mittag losfahren.
Ich habe gestern im Web noch den Campingplatz in Bensersiel gefunden (und gleich gebucht) vor dem Deich, also auf der Seite wo das Meer ist. Eigentlich ist ja vor dem Deich immer dort, wo man steht und hinter dem Deich stehen höchstens die andern. Aber in Ostfriesland ist vor dem Deich die Meerseite und hinter dem Deich die Landesseite. Es gibt wenige Plätze, wo man vor dem Deich stehen kann und direkte Sicht aufs Meer hat. Meistens ist zwischen Stellplatz und Meer dann noch der Deich, wo man nicht einfach so drüber schauen kann, alo fast niergends direkte Meersicht. Die Deiche sind hier in der Regel ca. 8 m hoch und für die Menschen lebenswichtig. Ohne sie würde bei Sturmfluten ein grosser Teil Ostfrieslands unter Wasser stehen.
Nach einer Stunde Fahrt sind wir schon auf unserem Campingplatz am Meisenweg 21, zuvorderst beim Wasser, wenn es denn da ist. Es ist wirklich ein toller Platz, 2 m vor dem Wohnmobil beginnt der Sandstrand, und bei Flut ist das Wasser keine 20 m entfernt (bei unserer Ankunft), bei Ebbe aber mehrere Kilometer… (jetzt am Abend). Das Wattenmeer gehört übrigens zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist das grösste Wattenmeer der Welt. Zweimal täglich verschwindet hier das Meer fast vollständig und kommt dann wieder zurück, als hätte jemand den Stöpsel gezogen und später wieder eingesetzt.
Selbstverständlich machen wir sofort einen Strandspaziergang zu den Strandkörben. Diese muss man hier mieten, ansonsten bleiben sie mit einer Holzpalette geschlossen. Ein Strandkorb kostet pro Tag 13 €, aber auch der Strandbesuch kostet für Erwachsene 4 €. Ausser man übernachtet in der Gegend und erhält dann die Nordsee-Card, womit man kostenlos an den Strand kann (wie wir). Die Strandkörbe sehen zwar gemütlich aus, sind hier oben aber nicht nur Deko. Wenn der Wind von der Nordsee her bläst, ist man froh um jeden Windschutz.
Bei der Fähreinfahrt auf der Moole kommen wir mit zwei einheimischen Frauen ins Gespräch, die uns gute Tipps geben. Auch, wo man die besten Fischbrötchen bekommt. Bisher hatten wir ja nur sehr leckere Backfischbrötchen, also Fisch, der mit Bierteig umgeben ist. Heute stehen so richtige Fischbrötchen an, diejenigen, die man von den Spielfilmen oder Krimis der Norddeutschen her kennt.
Wir nehmen an einem Stand Bismarkfischbrötchen mit Zwiebeln, solche, wo der Fisch nach Fisch aussieht, nach Fisch schmeckt aber nicht nach Fisch riecht. (Im Schweizerdeutsch: wo der Fisch nach Fisch schmeckt aber nicht nach Fisch schmeckt. Schweizerdeutsch kennt keinen Unterschied zwischen schmecken und riechen. Zum Glück schreibe ich nicht Schweizerdeutsch…)
Ich bin überrascht, dass diese Fischbrötchen mir wirklich schmecken (oder riechen? Nein, wirklich schmecken). Als Alpenbewohner sagt mir Fisch sonst nicht ganz so viel (na gut, ein Fisch sagt meistens nichts).
Nachdem wir eines verdrückt haben, geht’s grad nochmals zurück zum Stand und dann kaufen wir auch noch das Bensersiel-Brötchen mit Krabben und Matjes. Die Nordseekrabben werden hier übrigens meist noch von Hand gepult und Matjes ist ein besonders milder, junger Hering, der fast schon butterweich schmeckt.
Da wir noch nichts zu trinken haben, müssen wir danach noch einen Stopp in der Strandbar machen, bevor es zurück zu unserem Knutschi geht.
Wir schauen zu unserem Küchenfenster hinauf auf das Wattenmeer, sehen draussen die letzten Spaziergänger durchs Watt laufen und sind glücklich, dass wir hier sind und dass wir bisher eine solch tolle Reise hatten. Die Ostfriesen sagen nicht umsonst: „Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt.“
mit Dorfführung
Um 9:30 Uhr fährt unser Schiff zu einer der sieben bewohnten ostfriesischen Inseln: der „langen Insel“ Langeoog. Wir haben dort eine Führung gebucht, die bereits auf der Überfahrt beginnt. Wobei „Fähre“ etwas hoch gegriffen ist: Langeoog ist autofrei, man kann also höchstens mit dem Velo übersetzen. Wir sind heute aber zu Fuss unterwegs, vom Campingplatz zum Hafen sind es gerade einmal 1,5 Kilometer.
Kurz nach der Hafenausfahrt sehen wir bereits eine Gruppe Seehunde, die sich auf einer Sandbank genüsslich an der Sonne herumlümmeln. Schon während der Überfahrt erfahren wir einiges Interessantes über das Wattenmeer, die Schiffsverbindungen und die Insel.
Nach rund 40 Minuten kommen wir auf Langeoog an und müssen in die farbige Inselbahn umsteigen. Nun geht es noch knapp drei Kilometer bis ins Zentrum zum Inselbahnhof. Während rund 80 Minuten lauschen wir unserem Guide gespannt. Immer wieder wechseln wir den Standort und hören Geschichten über Sturmfluten, das Leben auf der Insel und die besondere Geschichte Langeoogs.
Besonders eindrücklich ist die Erzählung über die Weihnachtsflut von 1717. Damals überlebten angeblich nur diejenigen, die sich gerade im Weihnachtsgottesdienst befanden. Der Inselpastor hatte zuvor eine schwere Flut vorhergesagt, welche die Ungläubigen, Trinker und „Putzdamen“ (also Frauen, die sich aufputzten und schminkten) mit in die Hölle nehmen würde. Dass die Sturmflut dann tatsächlich am Weihnachtsabend kam, festigte den Ruf der Inselbewohner allerdings eher noch: Die Langeooger galten lange als trinkfest und nicht gerade zimperlich.
Während dieser Sturmflut wurde die Insel in zwei Teile gerissen und war danach mehrere Jahre unbewohnt, bis sie erneut besiedelt wurde. Noch heute wird jener Abschnitt, der damals überspült wurde, regelmässig mit Sand verstärkt und gesichert.
Überhaupt wandern alle ostfriesischen Inseln langsam nach Osten. Im Westen wird Sand abgetragen, im Osten wieder angeschwemmt. Langeoog hat sich seit etwa 1650 um rund 700 Meter ostwärts verschoben. Heute geschieht das langsamer, weil Dünen, Strände und Küstenlinien aktiv geschützt werden.
Etwas länger verweilen wir auch beim Denkmal von Lale Andersen, der berühmtesten Bewohnerin der Insel. Ihre Lieder Lili Marleen und „Ein Schiff wird kommen“ wurden weltberühmt.
Nach den Ausführungen beim Wasserturm, einer Erhebung von rund 20 Metern und damit höher als jeder natürliche „Berg“ auf dem ostfriesischen Festland, werden wir entlassen. Um 16 Uhr wieder am Bahnhof zu sein, ist unsere einzige Aufgabe.
Da unser Guide viele Jahre ein Hotel auf der Insel geführt hat, gibt er uns zum Schluss noch Tipps, wo man besonders gut essen kann. Das nutzen wir natürlich aus und landen in der Alten Post. Dort essen wir Buntbarschfilet „Nizza Art“ und Filet vom Nordsee-Wittling. Der Tipp war Gold wert.
Danach schlendern wir durch das Dörfchen, schlecken zum Dessert ein Glacé und besichtigen den 14 Kilometer langen, extrem flachen Sandstrand auf der Nordseite der Insel. Es ist traumhaft und unglaublich erholsam. Barfuss im Sand zu laufen, haben wir schon lange nicht mehr gemacht.
Irgendwann wird es dann wieder Zeit, sich Richtung Bahnhof zu bewegen und die Rückreise zu Knutschi anzutreten.
Der Versuch gestern Abend von Anita, ein Fondue zu machen, ging übrigens gewaltig in die Hosen. Schlussendlich entstand irgendwo eine Mischung zwischen Käseschnitten und Käsespätzli. Aber schuld daran war sicher, dass Fondue auf einem Meter über Meer wahrscheinlich einfach nicht funktioniert, egal was man macht. Eventuell lag es aber auch am ostfriesischen Käse. Auf alle Fälle waren die Älplermagronen mit den Resten des Fondues heute ausgezeichnet.
Sie wuchs in Bremerhaven auf und arbeitete zunächst als Sekretärin. Schon früh interessierte sie sich für Musik und Theater. Mit 17 Jahren heiratete sie den Maler Paul Ernst Wilke. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, die Beziehung zerbrach später, weil sie um jeden Preis Sängerin und berühmt werden wollte. In den 1930er-Jahren trat sie in Berliner Kabaretts und Varietés auf. Dort nahm sie den Künstlernamen „Lale Andersen“ an. Als Sängerin war sie allerdings nicht gefragt, weil ihre Stimme nicht der damaligen Zeit entsprach. 1939 nahm sie das Lied „Lili Marleen“ auf. Zunächst blieb es unbeachtet. Erst durch Radiosendungen des Soldatensenders Belgrad während des Zweiten Weltkriegs wurde das Lied weltberühmt auf deutscher wie auch auf alliierter Seite. Und auch nur darum, weil der Sender eine begrenze Auswahl von Schallplatten hatte und dieses Lied erst am Schluss der Sendezeit um 22 Uhr spielte, weil dann am wenigsten Höhrer zuhörten. Aber weil das Lied jeden Tag das letzte war, wurde es so bei allen Soldaten quasi zum Ritual und wurde sehr bekannt.
Obwohl sie so in Deutschland berühmt wurde, geriet sie zeitweise unter Druck der Nationalsozialisten. Unter anderem wurden ihre Kontakte ins Ausland misstrauisch beobachtet. Zeitweise erhielt sie Auftrittsverbote und hat sich dann gerade auf der gesperrten NS-Insel Langeoog versteckt. Nach dem Krieg wurde sie von dort stationierten Kanadischen Soldaten erkannt und ab da wurde sie erfolgreich und trat international auf. Sie sang Chansons, Seemannslieder und melancholische Balladen. Lale Andersen starb 1972 in Wien im Alter von 67 Jahren. Sie wurde auf dem Dünenfriedhof von Langeoog beigesetzt. Ihr Grab ist bis heute ein bekannter Ort für Besucher der Insel.
an der Weser
Heute lassen wir die Küste Ostfrieslands hinter uns und verlassen unseren schönen Platz direkt am Meer. Es läuft etwas zähflüssig, ziemlich Baustellen und in den Dörfern kennen sie hier keine grüne Welle. An jeder, wirklich jeder Ampel haben wir rot und müssen stoppen. Dann kommen noch gesperrte Strassen hinzu, wo wir wieder Umwege machen müssen. So haben wir nach 160km genug und schauen nach einem Stellplatz Ausschau. Anita findet einen direkt an der Weser, der toll aussieht. Er sieht so toll aus, dass wir etwas Angst haben, er könnte schon voll sein. Zum Glück sind wir heute Morgen zeitig losgefahren, so ist jetzt erst Mittag und wir haben Chancen auf einen freien Platz.
Als wir an der Schranke ankommen, sehen wir, dass noch mehr wie die Hälfte leer ist. Irgendwie schon erstaunlich, ist doch der Platz wunderschön an einer tollen Lage. Später kriegt dieser Platz bei uns 5 Sterne, auch wenn das kleine Camperbeizlein erst morgen Abend für das Weekend öffnet.
Wir lesen uns den ersten Platz aus, parken unser Knutschi und nehmen auch unsere Campingstühle heraus. Von unserem Platz aus haben wir freie Sicht auf die grosse schiffbare Weser. Immer wieder gleiten Frachtschiffe gemächlich direkt vor uns vorbei. Für Menschen aus dem Binnenland wie uns ist das jedes Mal spannend zu beobachten, auch wenn die Schiffe hier etwas kleiner sind wie auf den ganz grossen bekannten Kanäle Europas.
Die Weser gehört zu den bedeutenden Wasserstrassen Norddeutschlands. Sie entsteht aus dem Zusammenfluss von Werra und Fulda in Hann. Münden und fliesst über mehr als 450 Kilometer bis zur Nordsee. Seit Jahrhunderten wird sie als wichtige Handelsroute genutzt. Heute transportieren die Schiffe vor allem Kies, Sand, Baustoffe und Container zwischen den Häfen und dem Landesinneren.
Wir sitzen einfach draussen, geniessen die zwischenduch immer wieder hervorkommende Sonne, sind glück und erholen uns weiter. Unser Body-Index ist inzwischen auch wieder bei 100%.
Besonders beeindruckt uns ein schwer beladenes Kiesschiff. Es liegt so tief im Wasser, dass die Reeling stellenweise bereits im Wasser steht und sogar ein Teil des Schiffes geflutet ist. Langsam und kraftvoll zieht es an uns vorbei, während sich die Wellen vor uns am Ufer brechen.
Zwischendurch gibt es wieder ein kleiner Regenguss, also wieder ins Knutschi, fünf Minuten warten und wieder nach draussen.
Der Stellplatz Weser - Ufer – Urlaub (so heisst der Platz) ist genau so, wie ein Stellplatz sein soll: super Lage, grosse Plätze, ruhig, die gesamte Infrastruktur, also Ver-/Entsorgung und Strom. Und das alles für 20€ (Strom und Frischwasser extra). Es gibt ein kleines Beizlein, das über die Wochenenden geöffnet ist. Es ist wirklich ein toller Ort, für mich unerklärlich, dass dieser Platz nicht ausgebucht ist. Ach ja, er ist auch mit Schranke gesichert, aber viel einfacher organisiert und sehr gut beschrieben. Bezahlen kann man nur mit Kreditkarte, dafür 24h an- und abfahren.
Wir geniessen den Nachmittag und schauen den Schiffen zu. Sollen wir noch einkaufen gehen, oder mit den wenigen Resten, die wir noch haben, ein Abendessen machen? Einkaufen können wir morgen wieder, also bleiben wir sitzen, erheben uns nur, wenn ein Schiff vorbei fährt und winken dem Kapitän zu. Wobei einen kleinen Spaziergang machen wir doch noch. Zum kleinen Yachthafen, der wie alle anderen Teiche in der nahen Umgebung, aus einer gefluteten Kiesgrube in den 70er Jahren entstanden ist.
unseres Reisestrecke