Es ist nun nach Mitternacht und wir sind grad angekommen.
Der Wind peitscht mit 70 km/h gegen unser Knutschi, mit ihm die Schneeflocken, die alles rundherum in weiss tauchen und wir stehen auf irgend einem Pass (eventuell heisst er Langsvola) in Norwegen auf 920m ü. M. Man könnte meinen, wir sind im Winter am Nordkap.
Aber – es sieht fantastisch aus hier. Alles halbdunkel, weisse Tundra, Eisbären um uns herum, Elche und Rentiere. Na ja, die Tiere fehlen, der Rest stimmt aber.
Den ganzen Nachmittag bis spät Abends haben wir bei Anett und Walter verbracht, haben so manches über Norwegen und Wohnmobile erfahren und hatten es einfach sehr schön.
Darum mache ich es heute kurz und das war es auch schon. Die Bilder von heute kommen morgen.
Gute Nacht
Reisedaten
254km
4 Std
0 - 13 Grad, leicht bewölkt über Regen bis Schnee
Sonnenaufgang: 3:32Uhr
Sonnenuntergang: 23:17 Uhr
Am Morgen war alles weiss übertünkt, die ganze Nacht hat es stark gewindet und das Womo hat geschwankt, dennoch haben wir gut geschlafen in der kuscheligen Wärme.Das Feeling war schon genial, draussen Winter , drinnen schön warm.
Losgefahren sind wir ohne bestimmtes Ziel, aber schon nach wenigen Kilometern habe ich die Karten studiert und den Weg zur Atlantikstrasse rausgeschrieben. Diese Strasse will ich einfach mal sehen und sooo weit sind wir ja auch nicht weg, wir müssen ja nicht mehr heute hinkommen.
Wir fahren quer durch das halbe Land, nehmen ein paar Abkürzungen, die auf der Karte immer noch sehr breit und als Hauptstrassen eingezeichnet sind. Allerdings stellte sich dann heraus, dass die Abkürzungen meistens nur Schotterpisten waren. Es war dann schon sehr seltsam, eine Verkehrsschild „Ende 60“ auf einer Schotterpiste zu sehen, wie wenn wir da überhaupt je mal 60 hätten fahren könnten. Aber immerhin zeigte es uns an, dass wir auf einer Hauptstrasse unterwegs waren... Aber irgendwie eben doch cool, solche Abkürzungen.
In und nach Sundalsørga wollen wir einen Campingplatz ansteuern, um unsere Wäsche wiedermal zu waschen. Und wie es so ist, natürlich kommen jetzt keine Schilder mehr mit Campingplatz. Vorher alle paar Kilometer, jetzt nix mehr. Bis Kristianssund fahren wir, dort ist auf der Karte ein Campingplatz mit Vollausstattung eingezeichnet. Entweder finden wir ihn nicht, oder er sieht ziemlich heruntergekommen aus, so dass wir weiter fahren. Der Nächste gibt’s nicht mehr und beim übernächsten ist das Wohnmobilsymbol durchgestrichen. Langsam werde ich säuerlich, da ich nicht so weit fahren wollte. Zum Glück steuert meine holde Kunigeunde unseren Knutschi. Den überübernächsten finden wir trotz drei Runden nicht und dann beschliessen wir, wieder frei zu stehen, da gibt’s einfach keine Probleme. Just im letzten Augenblick landen wir doch noch auf einem Stell- / Campingplatz bei einem kleinen Fischergebäude. Es hat zwar keine Waschmaschine, aber ein toller Platz, wenn er dann mal fertig wird.
Wir sind aber glücklich, sehen direkt übers Meer zur Abendsonne, kochen uns was feines und ich werde noch die nächsten Tage planen, ist doch etwas einfacher, wenn man am Start schon weiss, wo man hin will.
429km
7:18 Std Fahrzeit
2 - 14 Grad, Schnee, Regen, Sonne,
Sonnenaufgang: 3:10 Uhr
Sonnenuntergang: 23:39 Uhr
Vor dem Wegfahren besuchen wir noch die kleine Reception bei unserem Stellplatz. Dort kann man nämlich frisch gefangen Fisch kaufen der Fischer, die hier stationiert sind.
Leider sind die Fischer von heute noch nicht zurück und wir kaufen tiefgefrorenen Hyse (Schellfisch) von gestern, filetiert, 750gr für 35 Kronen (4.20 €). Wer sagt, Norwegen ist teuer?
Das Abendessen haben wir also eingekauft und ab geht’s zur Atlantikstrasse. Wir sind schnell dort, sie ist sehr eindrücklich aber auch sehr kurz. Ich habe mir da mehr versprochen. Sieht gut aus, muss man aber nicht unbedingt gesehen haben. Ich bin leicht enttäuscht, aber dennoch froh, hier gewesen zu sein, denn sonst hätte ich immer das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Eine Ortschaft nach Molde fahren wir zu einem Caravan-Händler. Wir brauchen noch WC-Chemie. Anfangs Reise hatten wir zwei verschiedene Packungen für das WC dabei, eine blaue mit Chemie, und eine grüne ökologisch. Aber da müssen wir beide sagen, die ökologische taugt aus unserer Sicht nichts. Es riecht im WC strenger, wie wenn man nichts hinzugibt. Bei der blauen hingegen, absolut kein Geruch. Wir brauchten also nur noch die blauen, mit dem Ergebnis, dass jetzt alles aufgebraucht ist. Beim Händler funktioniert keine unsere Kreditkarten und an Norwegischen Kronen haben wir nur noch Kleingeld, das nicht reicht. Also ab zum nächsten Bancomaten. Denkste – 100km weiter finden wir endlich einen, aber da drehen wir nicht mehr um. In unserem Navi sind die POI anscheinend total veraltet, lotste er uns doch an Bancomaten, wo das Gebäude schon zerfallen und sicher kein Geldautomat mehr da war.
Auf der Fahrt kommen wir noch in ein norwegisches Radrennen – Zeitfahren - und wir fahren eine zeitlang hinter diesen jungen Rennfahrern nach. Der eine oder andere hätte schon noch einen Tipp vertragen können, ihre Technik war noch nicht ganz ausgefeilt. Klar machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Ziel, um noch ein wenig Radlerluft zu schnuppern (und Geld aus dem Bancomaten zu lassen). Dabei fällt mir auf, wir haben nun den 22. Tag, also genau jeweils die Schlussetappe der Tour de France. Bin ich darum etwas ausgelaugt und sehne mich nach einem Ruhetag? Haben sich bei mir die acht TdF-Teilnahmen eingebrannt?
Ein paar Kilometer später stehen wir bei Regen auf dem Mjelva-Campingplatz in Andalsnes und beraten uns, ob wir morgen hier einen Ruhetag machen sollen. Die Wäsche wird aber heute noch gewaschen…
Anita hat Halsweh, ist erkältet mit Gliederschmerzen, bei mir ist es wieder am Abklingen und auch meinem etwas geschwollenen Auge geht’s wieder besser. Vielleicht ist es ja doch klüger, bei Regen einen Faulenzertag zu machen. Sonst meinen wir ja nur, dass wir noch alles schnell besichtigen müssen.
Als nächstes würde ja der Trollstigen und eine Fährenfahrt durch den Gairangerfjord anstehen, macht bei schönem Wetter aber bestimmt mehr Spass.
Daten:
240km
4:10 Std
regnerisch, 7 - 11 Grad
Sonnenaufgang: 3:10 Uhr
Sonnenuntergang: 23:30 Uhr
100 schönste Orte mit dem Reisemobil
Den ganzen Tag hat es geschifft, wir haben unser Knutschi nicht einen Meter bewegt. Zuerst richtig ausgeschlafen, gefrühstückt mit frischen Zopf, den meine Holde gestern noch gebacken hat. Hat das lecker geschmeckt!
Danach habe ich gemerkt, dass es meinen Router verjaggt hat und er nicht mehr funktioniert. Also kein Internet mehr für die Allgemeinheit, bis ich wieder SAT-empfang habe. Na ja, das Camping-WLan geht zur Not, aber ich habe mich fürchterlich aufgeregt, wegen diesem kaputten Router, wo soll ich jetzt einen hernehmen? Meine Anita hat die Situation sofort erkannt, blieb ganz ruhig und sagte mir, dass in Andalsnes ein grosser Wohnmobilhändler existiert der zwischen 13 und 15 Uhr am Sonntag offen hat. Ich soll doch schnell mit dem Fahrrad dorthin, diese Chemiklo-Tabletten holen. Ich also in strömendem Regen los, diese Tabletten gekauft und auch noch zwei unzerbrechlichen Weingläser (die letzten aus Glas überlebten die Schlaglöcher hier in Norwegen nicht) und klatschnass wieder beim Knutschi angekommen. Aber, ich habe mich abreagiert und bin wieder ganz ruhig.
Danach haben wir die Planung unsere letzten 10 Tagen begonnen. Wir haben noch viel Zeit und so haben wir in Norwegen schöne Landschaftsrouten herausgesucht und auf der Karte eingezeichnet. Danach legten wir fest, welche und wie wir diese Routen fahren. Ich bin jeweils für Abkürzungen und da ist es ganz praktisch, dass auf unserer Strassenkarte die Feldwege auch eingezeichnet sind mit den Gewichtsbeschränkungen z.B. 4 t oder 6 t oder so. Da weiss ich jeweils, dass ich nur über 4 t fahren kann, die anderen sind mir zu riskant.
Ich am planen und meine holde Kunigunde plötzlich: In der Legende der Karte steht aber, dass dieses Wanderwege sind und die Zahl jeweils die Stundenangaben sind! Nichts mit Tonnen! Ups, zum Glück habe ich meinen Engel. Also nochmals umplanen.
Das Abendessen schlage ich etwas einfaches und schnelles vor und so einigen wir uns auf eine Büchse Ravioli. Allerdings merken wir, dass wir gar keinen Büchsenöffner hier haben, zum Glück bin ich ein ehemaliger Schweizer Soldat und habe mein Sackmesser hier. Die Büchse kann also doch noch geöffnet werden.
Endlich geht es weiter. Wir sind einfach nicht geboren, um mit dem Wohnmobil zu stehen. Beide freut es, dass es heute weiter geht, auch wenn es nicht weit sein wird.
Zuerst fahren wir an die Tankstelle und tanken voll. Danach nochmals in das grosse Wohnmobilcenter um ein bisschen zu schauen, was es so in Norwegen gibt. Einkaufen und die Vorräte auffrischen muss auch noch sein und endlich fahren wir Richtung Trollstigen los.
Wir sind schnell da, machen Fotos von unten, mitte und oben. Es sieht imposant aus, auch zum Fahren ein gutes Gefühl, allerdings habe ich es mir enger vorgestellt und es ist überhaupt kein Problem. Überall Ausweichstellen und die Kehren sind breit.
Oben sind wir natürlich auch noch ins Touristencenter rein, da wir ja Touristen sind. Auch die Aussichtsplattform haben wir für Fotos benützt.
Danach sind wir weiter Richtung Valdall gefahren. Wir wollen irgendwo wieder frei stehen diese Nacht, da wir morgen um 9:30 Uhr die Ausflugsfähre-Fähre über den Geiranger-Fjord nehmen wollen. Morgen ist strahlend schönes Wetter angesagt. Bis Valdall gibt es nur Campingplätze und keine Möglichkeit, frei zu stehen. Am Fjord sind wir dann links Richtung Fjørå abgebogen, durch ein Tunnel mit Höhenbegrenzung 3.1m und schon haben wir einen Stellplatz direkt am imposanten Fjord entdeckt. Zwar direkt neben der Strasse aber was macht das schon, wenn alle Viertelstunde ein Auto durchfährt.
Zum Zvieri gibt es Lachsbrötchen und Internet via Satelliten habe ich auch wieder, obwohl wir mitten in den Bergen sind. Damit haben ich nicht gerechnet….
67km
1:45 Std
9 - 16 Grad, regnerisch, bewölkt
unseres Reisestrecke