Wir verabschieden uns von den Orkney Inseln und besichtigen Dunrobin Castle
Nach einer lauten Nacht, wir standen zwar ganz ruhig, haben aber die Brandung des Meeres nicht eingerechnet, klingelt der Wecker um 6 Uhr. Schnell Duschen, aufräumen und losfahren. Die fünf Kilometer bis zum Fährableger bringen wir hinter uns und stehen pünktlich um 7 Uhr am Pier. Die Orkney Inseln verabschieden uns mit einem grandiosen Sonnenaufgang und viel Wind.
Auf der Katamaran-Fähre, die wir als Womo rückwärts hinauffahren müssen, ist nur halb gefüllt, legt pünktlich ab und hat einen ziemlichen Speed drauf. Es schaukelt aber ziemlich heftig, der Wind bläst stark und der Kapitän tritt volle Pulle durch die hohen Wellen dem Festland entgegen. Anita hat sich vorsorglich in einer Apotheke noch Orkneysche Seekrankheitspillen gekauft und heute ziemlich skeptisch eingenommen. Normalerweise hätte sie diese Fahrt nie und nimmer gesund überlebt, aber heute strahlt sie bis am Schluss. Welch ein Wunder! Eine Stunde später sind wir wieder auf schottischen Festland, eigentlich ja immer noch eine Insel, und sehen die Ortstafel John O Groats. Dieser Ortsname hatte uns bei der Fahrt Richtung Norden seit der Isle of Skye auf jedem Wegweiser begleitet. Und jetzt stehen wir da, am Land’s End, für uns aber der Beginn für die Reise Richtung Süden.
Die Landschaft ist wieder viel rauer und weniger bewohnt. Auf den Orkney Inseln war sie eher lieblich und gepflegt, wie ein grosser Vorgarten von lieben Bewohnern.
Die Küstenstrasse führt uns über viele Hügel, aber immer dem Meer entlang. Einige Male verlassen wir sie, um den kleinen Dörfern einen Besuch abzustatten. In Wick tanken wir seit langem wiedermal Diesel und schauen uns das beschauliche Städtchen an. Anita sucht einen Mobile-Shop, um eventuell ihr Handy zu ersetzen, aber auch hier Fehlanzeige.
Irgendwann taucht dann vor uns das Dunrobin Castle auf und es sieht sehr einladend aus, so dass wir direkt darauf zu halten. Es ist ein wahrhaftiges Märchenschloss, der Garten ist prächtig und für den Innenrundgang bezahlen wir den Eintrittspreis. Uns gefällt dieses Schloss von Aussen und Innen wirklich sehr gut, es macht Eindruck und ist wahrscheinlich eines der Schlösser von Schottland, wo sich eine Besichtigung wirklich lohnt. Leider darf man Innen keine Fotos machen, aber besonders beeindruckt hat uns das Kinderspiel-, das Kindermädchen- und das Schneiderinnenzimmer. Als wir auf dem Rückweg zum Womo noch an sechs anderen vorbeikommen, machen wir noch den Rückspiegelcheck. Anita links, ich rechts vorbei. Von den sechs Wohnmobilen war nur eines dabei, das noch beide Rückspiegel unversehrt hatte. Wir sind also mit einem geklebten Rückspiegel voll im Trend.
Weit mögen wir nun nicht mehr fahren und sehen schon wenige Kilometer später einen Wegweiser zu einem Campingplatz. Das heisst, es hat zwei Plätze, der erste war uns ein bisschen zu gesnobbt, riesig und mit nach Chlor riechendem Hallenbad und dass die Reception bis 16 Uhr geschlossen hat, kommt uns grad gelegen, haben wir einen Grund zum Weiterfahren. Drei Kilometer später werden wir am anderen Campingplatz in Dornoch sehr freundlich und familiär empfangen. Genau richtig.
Um halb drei stehen wir an unserem Platz und sind gespannt, was nun passiert, wenn wir unser Stromkabel einstecken. Beim letzten Campingplatz hat irgendetwas nicht geklappt. Aber auch hier funktioniert unser Landstrom nicht. Wir sind ziemlich ratlos und telefonieren mit unserem Techniker zu Hause. Er hat wohl eine Idee, die uns weiterhelfen könnte. Also beginnen Anita und ich den Sicherungskasten, wo der 220V Strom hereinkommt, aufzuschrauben und alle Kabelverbindungen zu testen, lösen und wieder zuschrauben. Zwei Stunden später läuft noch weniger wie am Anfang und wir geben entnervt auf. Erstens haben wir nicht das richtige Werkzeug hier und zweitens ist es gar nicht so wichtig. Unsere Batterien werden während der Fahrt geladen, also brauchen wir ja gar keinen Landstrom. Die Zeit hätten wir uns sparen können.
Den Abend geniessen wir trotzdem. Die Laune lassen wir uns von nix und niemanden verderben!
Es ist so unglaublich schön, obwohl die Nessi-Hochburg ein Flop war.
Wir könnten schreien vor Glück! Ich sitze jetzt am Laptop, schreibe den Blog, im CD-Player läuft schottische Musik und unsere Aussicht direkt am Loch Tarff ist gigantisch! Dazu stehen wir ganz alleine in der Natur und können unser Glück gar nicht in Worte fassen.
Aber eigentlich hatte der Tag mit zwei Enttäuschungen begonnen. Morgens schauten wir im Internet noch nach, wo wir hier in der Gegend LPG-Gas auffüllen könnten. Wir haben zwar noch 2/3 einer Flasche voll, aber sicher ist sicher. Wir finden auch ziemlich schnell zwei Tankstellen auf der heutigen Strecke. Aber die erste gross an der Hauptstrasse angeschrieben, führe schon lange kein LPG mehr, der nette Tankwart hat uns aber genau erklärt, wo wir die nächste Tankstelle finden. Wenn wir das nur alles verstanden hätten! Aber auf der Hauptstrasse Richtung Inverness und Fort William gibt es einige angeschriebene LPG-Tankstellen, also auch kein Problem hier in Schottland unseren Gas aufzufüllen.
In Inverness machen wir einen Halt und geniessen das Grossstadtfeeling. Anita zieht es in den Mobile-Shop um ihr Handy Motorola X zu finden und zu ersetzten. Wir finden es sogar, war aber leider nicht auf Lager. Als wir zu unserem Womo laufen, merkt meine Holde, dass das Leben ohne Handy eigentlich gar nicht so schwer ist und mehr Spass macht. Drei Tage Entzugserscheinungen und jetzt ist sie darüber hinweg und kommt ganz gut ohne zurecht.
Und dann passiert es beim Wegfahren, was wir schon so lange erwartet haben: mitten in Inverness auf einer Kreuzung kommt mir auf meiner Fahrbahn ein Auto entgegen! Hat der denn keine Augen im Kopf! Na ja, im gleichen Augenblick merke ich, dass ich wohl der bin, der falsch ist. Der entgegenkommende lacht sich schier tot, wahrscheinlich auch ein Tourist in einem gemieteten Auto? Glück gehabt.
Dann geht es weiter nach Drumnadrochit, das Zentrum aller Nessi Fans. Aber was für ein Flop! Ein paar Souvenirläden, Restaurants und weit und breit nicht mal ein See in der Nähe. Das war wohl der Reinfall von ganz Schottland, nach 20 Minuten haben wir es hier gesehen. Etwa drei Kilometer später steht das Urquhart Castle, das entschädigt dann etwas für den Flop vorher. Direkt am Loch Ness sieht die Ruine echt gut aus und wir schauen immer wieder auf den See hinaus, ob wir nicht Nessi irgendwo erblicken. Ganz kurz taucht es dann sogar auf, aber im Gegenlicht wird das Foto leider nicht super gut ;-)
Zufrieden fahren wir auf der Hauptstrasse dem Loch Ness entlang bis wir in Fort Augustus eine Schleusenleiter von etwa fünf Schleusen hintereinander sehen. Sofort umgekehrt und auf dem grossen Parkplatz parkiert. Die Schleusen sind schön anzusehen und direkt daneben betreten wir endlich unser erstes Pub und essen den Hous Beef Burger und trinken schottisches Bier. Fort Augustus finden wir zehnmal schöner wie Drumnadrochit.
Nach der Schleusenbrücke fahren wir direkt links und wollen das Loch Ness östlich umrunden. Weit kommen wir nicht, diese Strasse ist fantastisch, in einsamen Gegenden, entlang von Seen und unsere Stimmung ist auf dem Höhenpunkt. Es geht nicht lange, und wir finden einen perfekten, einsamen Parkplatz direkt am Loch Tarff. Wir könnten schreien vor Glück!
Jetzt können wir die Highland-Rinder und eine Whisky-Destilliere auch abhacken
Morgens geht es zuerst los über die Berge, einsame Strassen, schöne Landschaft, wie wir es von Schottland schon gewohnt sind. Irgendwann sehen wir einen braunen Wegweiser mit der Aufschrift Drumin Castle. Der Umweg beträgt fast acht Meilen und hätten wir uns sparen können. Solch eine Ruine haben wir zu Hause gleich vor der Haustüre und erst noch etwas grösser mit schönerer Lage.
Also weiter Richtung Balmoral. Wir wollen dort Queen Elizabeth noch schnell Hallo sagen, das Schloss ist ja für Besucher jetzt gesperrt, da die königliche Familie jeweils Urlaub dort macht. Mensch, das liegt im Nirgendwo, das glaubt man kaum. Und die Königin macht Urlaub dort? Es geht über Berge, durch Täler und engen Strassen, ich glaube, wir kommen nie mehr an. Dafür sehen wir zum ersten mal die Higland-Goves mit Hörner, diese urige, zottelige Rinderrasse. Klar machen wir auch davon Fotos und was uns im allgemeinen in Schottland beeindruckt: Kühe aller Farben weiden friedlich mit ihren Kälbern in derselben Weide wie Schafe. Immer sind die Jungtiere auch dabei, in der Schweiz wird da getrennte Tierhaltung betrieben nach Rasse, Farbe und Alter der Tiere sortiert nach der Nummer in der Ohrmarke , oder so ähnlich.
Endlich zeigt unser Navi nur noch 500m bis zum Schloss und wir sind immer noch im Nirgendwo. Dann plötzlich eine Hauptstrasse und ein riesiger leerer Parkplatz. Unser Knutschi abgestellt und die letzten Meter zu Fuss zum Tor. Die wachhabende Polizistin glaubt uns irgendwie nicht, dass wir eine Audienz haben und lässt uns einfach nicht durch. Verdrossen zotteln wir wieder ab, nur das Eingangstor haben wir gesehen, nicht mal ein kleiner Blick auf Schloss wurde uns gegönnt. Gibt es das wirklich hier?
Na gut, ein bisschen mussten wir damit rechnen, darum hatten wir auch schon ein Alternativprogramm: Besichtigung der königlichen Whisky Destilliere nur zwei Kilometer neben dem Schloss „Royal Lochnagar Destillery“. Genau um 15 Uhr treffen wir dort ein und die Führung geht los. Nun müssen die acht anderen Leute extra noch auf uns warten, bis wir die Tickets gelöst haben. Aber dann geht es los, fotografieren verboten, das habe ich verstanden. Den Rest müssen wir uns zusammenreimen, die Führung war aber trotzdem toll und einige Fetzen haben wir ja auch verstanden. In der ganzen Destilliere gibt es keinen Computer, hier wird der Whisky echt noch nach alter Tradition von Hand gemacht. Ein deutsches Infoblatt gibt es auch noch, das lese ich aber erst nach der Führung. Bei der anschliessenden Whisky Degustation probieren wir den „normalen“ 12 jährigen und einen Limited-Edition. Ich sehe zwar einen Unterschied bei der Farbe, aber als einer der nichtalkoholtrinkende Spezies schmecken wir schlussendlich beide nicht, gebe ich dort aber nicht zu.
Trotzdem kaufen wir zwei Flaschen von dem 12jährigen königlichen Whisky, schliesslich habe wir noch Mitbringsel nach der Heimkehr zu verteilen.
Nun ist es Zeit, uns nach einer Schlafgelegenheit umzuschauen. Wo vorher noch jeder Kilometer perfekte Freistehplätze vorhanden waren, ist nun alles wie ausradiert, einfach nix mehr. Ich werde langsam säuerlich, die Gegend ist wohl super schön, aber nicht mal mehr Parkplätze gibt es. Ausser schnell einen weiteren Halt bei einem Castle sehen wir einfach nix mehr. Als wir endlich einen Parkplatz sichten, prangt ein altes blechernes Schild dort: strictly no camping. Noch säuerlicher respektieren wir das und fahren weiter. Schliesslich landen wir total kaputt und müde nach 19 Uhr auf irgendeinem Parkplatz im Wald, Sicht null weil dunkel, Internet keines. Aber momentan ist mir alles egal!
Erst al mir meine Holde eine riesen Portion Spaghetti macht, bessert sich mein Befinden wieder und ich kann den Abend doch noch geniessen.
Wie blöd können zwei Landeier in der schottischen Grossstadt nur sein
Auf unserem Waldparkplatz fehlten am Morgen meine Crocks, die ich vor der Womotüre deponiert hatte. Wahrscheinlich hat die der Fuchs gestohlen, haben wir doch aus unserem Fenster Füchse und Hasen gesehen, aber nicht gleichzeitig.
Auf dem Weg nach Edinburgh (ausgesprochen Edinböro, wurde mir gesagt) sind wir über die grosse Forth Bridges gekommen, und rechts davon ist die alte Eisenbahnbrücke. Wow, ist das ein Werk, so eine imposante Brücke habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen! Viel grösser wie auf allen Bildern, unglaublich, dass die schon über 130 Jahre alt sein soll! Waren diese Ingenieure Künstler, dass sie so ein Bauwerk mit den damaligen Mitteln fertiggebracht haben! Es ist ja klar, dass ich davon ein Foto haben muss. Also die erste Gelegenheit von der Autobahn (ja das gibt es wirklich in Schottland) links runter und der Nase nach zum Meer hinab. Dort sehe ich einen Wegweiser zum Hafen, den wir nehmen und schon stehen wir perfekt, müssen noch 200m zu Fuss und wir haben einen sensationellen Ausblick zur Brücke. Mein Tag ist schon gerettet, als das Foto im Kasten ist.
Navi neu programmiert nach Edinburgh Pier, dort soll es einen Womoparkplatz geben. Aber nach einer Fahrt quer durch die Grossstadt landen wir vor einem Parkhaus, wo wir niemals reinpassen. Rückwärtsgang rein, irgendwie mitten auf der Strasse drehen und ein bisschen am Hafen herumfahren, aber nichts von Parkgelegenheit für Womos, schon gar nicht zum Übernachten. Also programmieren wir einen Campingplatz im Süden der Stadt und stellen uns da auf.
Dann beginnt die Geschichte von zwei Landeiern in einer englischen Grossstadt. Beim Bushäuschen vor dem Campingplatz gibt es sogar eine deutsche Beschreibung, wie man richtig Bus fährt und die Tickets bezahlt. Punkt 3: Das Kleingeld bereithalten und dem Busfahrer in so eine Zahlbox werfen. Mischt, wir haben nur für 2.40 Münz, kosten würde es 3.20. Also machen wir einen 10 Pfund-Schein bereit. Als der Bus kommt, wir haben in Vorschriftsgemäss mit Handzeichen gezwungen, anzuhalten, besteigen wir ihn und geben dem Busfahrer die Geldnoten. Der zuckt nur die Achseln und sagt in ungefähr, was wir so verstanden haben, man kann kein Geld im Bus wechseln. Tja, was jetzt? Wir stehen wie die Esel am Berg im Eingang des Buses und wissen nicht weiter. Der Busfahrer sagt auch nichts und wartet. Dann fällt mir nichts anderes ein, als meine 2.20 in die Box zu werfen und wieder zu warten. Nach endlosen Sekunden lässt der Busfahrer dann zwei Tickets raus und gibt sie uns, obwohl wir nicht den ganzen Betrag bezahlen konnten. Bedankend nehmen wir dann Platz und lesen bei jeder Station den Namen. Aber die Station „Prinzess Road“, kommt nie und nach einer Stunde Busfahrt sind wir an der anderen Endstation, steigen aus und haben immer noch kein Münz. Um den Bus zurück zu nehmen. Wie blöd können eigentlich zwei Schweizer im Ausland sein? Zum Glück hat es ein Shoppingcenter, wo ich mit dem Geldschein ein Cola kaufe. Das Münz reicht aber immer noch nicht für zwei Buskarten, also muss Anita noch einen Kaffee kaufen, damit es dann klappt.
Danach haben wir aber alles im Griff, steigen im Zentrum aus (die Strasse heisst Prinzess Road, nicht die Station), besichtigen die Altstadt, gehen auch noch Haggis und Fish and Chips essen, damit wir auch noch das schottische Essen kennenlernen. Haggis schmeckt zu meiner Überraschung ganz wunderbar, würde man nicht denken, wenn man weiss, was in Haggis drin ist (besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird).
Nun sind wir wieder in unserem Womo und trauern jetzt schon dieser Schottlandreise nach. Morgen müssen wir auf die Fähre und dann geht es wieder heim. Schade, wir würden es noch viel länger hier oben aushalten.
Leider schon wieder zu Hause
Von Edinburg fahren wir über die A679 nach Newcastle. Die Fahrt geht da sehr zügig voran, die Strasse meist gerade aus. Nur der Grenzübertritt von Schottland nach England geht über eine schöne Brücke und nach der Brücke gibt es einen schönen Grenzstein, der England ankündigt. Auf die andere Seite gibt es nur zwei offizielle Tafeln: "Willkommen in Schottland". Der Grenzübertritt bei Carter Bar auf der A68 ist auf alle Fälle schöner gemacht, diesen hier hat man schnell mal verpasst und nicht bemerkt.
Wir sind schon um 14:20 Uhr beim Fährhafen, können aber sogleich einchecken und sind meiner Meinung nach, schon sehr früh auf der Fähre. Zum Glück haben wir auch für diese Fahrt wieder eine Commodore Kabine, so können wir uns so richtig entspannen bis das Schiff dann loslegt.
Die Beschreibung für unseren letzten Tag von Amsterdam nach Hause spare ich mir, das ist nur Autobahnraserei. Nachtrag: wo wir dreimal falsch fahren, aber gut zu Hause ankommen.
unseres Reisestrecke