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Marokko 2017
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Reisebericht

Handeln und kaufen in Marokko 26.11.2017

Und wie das Marrakesch-Syndrom vieles erschwert

Etwas kaufen in den arabischen Ländern mit dem Wissen, auch über den Preis zu verhandeln ist für uns Schweizer wohl etwas vom Schwierigsten und ein wichtiger Grund, warum viele Leute nicht in solche Länder reisen. Aber eines vorweg, es ist gar nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt und bei weitem nicht über alles muss verhandelt werden.

In Europa verbreitet sich das Verhandeln und die Preise vorwiegend von der Königsstadt Marrakesch. Dorthin reisen am meisten europäische Touristen und jeder Einwohner, Händler, Gaukler etc. weiss ganz genau, dass alle Touristen reich sind, also wird versucht, diese Abzuzocken. Wir Touristen sind dort gezwungen zu verhandlen, denn sonst werden wir über den Tisch gezogen. Und weil jeder dort irgendwann zu viel Zahlt und etwas kauft, dass man gar nicht will, geht man den anderen Händlern im Resten von Marokkos irgendwie aus dem Weg. Und glaubt mir, alle anderen Händler, die nicht in Marrakesch verkaufen, hassen dieses Marrakesch-Syndrom und sind absolut nicht glücklich. Viele Süd-Marokkaner haben uns bestätigt, dass sie in Marrakesch ebenso überfordert sind, wie wir Touristen und darum diese Stadt meiden.

Marrakesch Index (MI)

Um nicht alles x-mal zu erklären habe ich den Marrakesch-Index ins Leben gerufen.

MI3:   Achtung Abzocke, penetrante Händler, keine Preisangaben, Gegenangebot etwa 20% des Händlerpreises

MI2: Aufsässige Händler, die etwas verkaufen wollen, Verhandlungsspielraum eher gering, aber möglich.

MI1: trotz keiner angeschriebener Preise für alle den gleichen Preis, keine Verhandlungen nötig

Es gibt ganz unterschiedliche Regionen, sogar in einer Stadt für unterschiedliche Ware kann der Index total verschieden sein.

Marrakesch und Agadir sind wohl die „schlimmsten“ Städte. Agadir kennen wir aber nur vom Hörensagen. Marrakesch auf dem Markt mit Kleidern (MI3), Dienstleistungen (MI3), Essensständen (MI3), Esseneinkauf (keine Erfahrung), Taxis (MI2), Fotos von Schlangenbeschwörern (MI3), Hennamalerinnen etc (MI3).

Wir haben für uns den Fehler gemacht, dass wir gleich zu Beginn unsere Reise nach Marrakesch fuhren und uns gnadenlos abzocken liessen. Viel besser wäre es gewesen, am Schluss der Reise Marrakesch zu besuchen.

Tafraoute für Berberteppiche (MI3). Lederwaren (MI2) und der gesamte Rest ganz easy mit MI1.

M’hamid und Merzouga mit Kameltouren (MI3), Wüstenausflügen (MI3) und der gesamte Rest wieder easy MI1.

Zagora mit Berberwaren (Schmuck, Teppiche, Wüstenausflügen) zwischen MI2 und MI3, der gesamte Rest wieder MI1.

Tiznit: alles MI1, bei Kleidern vielleicht ein knappes MI2

Bei Kleidern und Stoffen im gesamten Land wenn nicht anders erwähnt ungefähr MI2, bei Esswaren überall MI1 ebenfalls bei Camping- und Stellplätzen MI1. Gemüse und Brot z.B. war auf jedem Markt im gesamten Land ungefähr gleich teuer und nicht verhandelbar. 1kg Gemüse 10 Dh (1€) und ein Fladenbrot 1Dh (10Cent).

Als Faustregel gilt: je weniger Touristen und je weniger ein Gebiet auf etwas spezialisiert ist, desto tiefer ist der Marrakesch-Index.

Wir hoffen, mit diesen Angaben Neu-Marokkanern das Leben zu erleichtern und von erfahrenen Touristen wären wir eventuell um Ergänzungen froh.

Es gibt übrigens noch einen sehr guten Blogartikel über die Methoden, Betrügereien und Fallen in Marokko. Vor der Reise lesen und im Hinterkopf behalten.

Zurück in Europa und Mühe 26.11.2017

Wir sind wieder zurück auf dem alten Kontinent und haben plötzlich Mühe mit der Mentalität

Es ist einfach krass, wenn man das nicht selber erlebt hat, kann man dies irgendwie gar nicht vorstellen.

Hafen von Nador: wir waren die einzigen Wohnmobilisten auf der Fähre und die einzigen nicht Marokkaner, Franzosen oder Spanier. Dies sah man uns im Hafengelände schon von weitem an. Aber jede Person vom Personal, ob Putzfrau oder Zöllner, zeigt uns immer, wohin wir müssen. Wir mussten kein einziges Mal irgendjemanden fragen. Immer bekommen wir unaufgefordert und sehr freundlich Hilfe. Klar, man hätte die ganze Zollabfertigung wahrscheinlich effizienter organisieren können und die Registratur in einem grossen Buch weiss ich auch nicht, ob das zielfördernd ist. Aber das müssen die Marokkaner selber wissen und es generiert schliesslich auch Arbeitsplätze.

Aber jeder Zöllner hat uns gefragt, wie der Urlaub in ihrem Land war und strahlte über das ganze Gesicht, wenn wir geschwärmt haben. Alle waren bei der gesamten Zollabfertigung sehr freundlich und entschuldigten sich fast, als wir auf den Scanner mussten.

Danach die Fährüberfahrt mit der Maroc Ferry war dann halt auch nicht ganz europäischen Standard, aber es war ja nur eine Nacht und kein Problem.

Komfortkabine, die teuerste auf der Fähre

Die Zollabfertigung in Spanien war dann auch nochmals gründlich, effizient und anonym. 450km weiter bei der Ankunft auf dem kurzfristig ausgewählten Stellplatz dann irgendwie ein Schock. Wir fahren auf den Platz, schauen uns um, ent- / versorgen und lesen uns dann einen Stellplatz aus. Keiner, aber gar keiner der anderen Wohnmobilisten fragte oder sagte irgendetwas. Nur auf unser freundliches Grüssen nickten zwei Paare zurück. Die restlichen drei Paare schauten weg oder sahen uns nicht. Ok, es kann sein, dass dies alle „Überwinterer“ hier sind und wir nicht zu diesen gehören. Und die Schweizer und Deutschen haben jetzt Glück: es waren nur Italiener, Spanier, Franzosen und Holländer. Die Deutschen waren zu weit weg und sind in einer anderen Ecke platziert.

Wir sind zurück am europäschen Mittelmeer

Und als ich mich an der Rezeption anmelden ging, keine einzige Frage, woher wir kommen, was wir so machen oder irgendetwas. Der einzige Hinweis kam, dass wir morgen vor Mittag den Platz geräumt haben müssen. Sowas sind wir echt nicht mehr gewohnt, einfach so anonym und schnell abgefertigt zu werden.

Wir sind ja normalerweise auch nicht die grossen Schwätzer und gehen überall quatschen, aber der Unterschied zu Marokko ist enorm.

Wir müssen uns nun aber selber an der Nase nehmen und nicht alles sofort wieder vergessen. Auch das auf dem Stellplatz verdirbt unsere Laune nicht, wir bemühen uns, weiterhin auch hier offen und sehr freundlich zu sein. Mal schauen, ob wir uns wirklich verändern oder ob wir in ein paar Wochen wieder ganz die alten sind und so griesgrämig, kleinkariert und neidisch wie die Europäer eben ;-)

Anita klaut ihr erstes Mandarinli ab Baum

PS: es soll sich nun nicht jeder angegriffen fühlen, erträgt es mit einem Achselzucken und einem freundlichen Lächeln…

PS: es ist unsere allererste Übernachtung mit dem Knutschi in Spanien! Wer hätte das gedacht bei insgesamt über 300 Übernachtungen…

Übernachtung

Taverne - La Finca ***
Spanien, Stellplatz
keine Meersicht aber Meeresrauschen
Koordinaten: 39.08085, -0.212977
N 39° 4' 51.1"  E -0° 12' 46.7"
letzter Besuch: 11.2017

Kürzeste Mautstrecke Europas 27.11.2017

Heute haben wir sie innerhalb einer Minute absolviert, Ticket nehmen und 550m weiter vorne bezahlen

Gestern Abend waren wir noch in einer Pizzeria essen, darum sind wir heute dann verschlafen. Wir kommen erst um halb zehn vom Stellplatz in Südspanien weg und wollen eigentlich noch bis nach Frankreich.

Es läuft ganz gut, wir fahren alles Autobahn und kommen dadurch ziemlich gut vorwärts. Aus verschiedenen Gründen (entweder zu viel Verkehr, oder nirgends ein Einkaufszentrum, oder keinen Hunger, oder kein LPG an der Tankstelle oder oder) gehen wir die allerletzte Ausfahrt in Spanien Jonquera endlich von der Autobahn.

Wir haben uns fest vorgenommen, in Spanien einzukaufen und endlich LPG zu tanken. Denn gestern hatten wir es total vergessen und Abends als wir wieder begannen zu frieren, war es zu spät. Also musste heute unbedingt Gas her.

Im Einkaufszentrum decken wir uns mit Nahrungsmittel ein und bei einer Tankstelle in der Nähe fanden wir dann sogar LPG und konnten endlich wieder füllen. Heute Abend gibt es eine kuschelige Nacht und wir können morgen sogar warm duschen!

Als wir auf die Autobahn fahren, staunen wir nicht schlecht. Es ist die letzte Auffahrt Richtung Frankreich und wir müssen noch so ein Ticket lösen. Aber bevor wir noch auf die Autobahn fahren können, kommt schon die letzte Zahlstelle vor Frankreich! Und dort müssen wir das noch warme Automatentiket schon wieder in den nächsten Automaten einstecken und mit Kreditkarte die 85 Cent bezahlen. 550m durften wir fahren und davon keinen Meter auf der richtigen Autobahn. Das ist bestimmt die allerkürzeste Mautstrecke einer Autobahn in Europa! Oder wer kennt noch eine kürzere Mautstrecke?

Egal, wir kommen gut in Frankreich an und wollen zum Stellplatz bei Narbonne Plage, wo wir schon vor zwei Jahren direkt am langen Strand stehen konnten. Es ist stockdunkel, als wir endlich ankommen und die Enttäuschung riesig! Riesige Steinbrocken versperren den Weg, der Stellplatz ist zu. Ich enerviere mich ziemlich stark, bin müde und genervt, und jetzt noch das. Meine marokkanische Gelassenheit ist schon wieder weg. Aber Anita beruhigt mich und findet einen Stellplatz 6km weiter.

Eine Viertelstunde Später sind wir dort installiert. Jetzt könnten wir mit Gas kochen oder sogar mit Holzkohle die Tajine anfeuern, aber wir sind beide zu müde und lassen nach dem Mittagessen auch das Abendessen aus.

Morgen geht es weiter Richtung nach Hause in den Schnee. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Übernachtung

Fleury - Fleury dAude ****
Frankreich, Stellplatz
alles elektronisch, gut zum Übernachten und Natur
Koordinaten: 43.19096, 3.197145
N 43° 11' 27.5"  E 3° 11' 49.7"
letzter Besuch: 11.2017

Brrr, ist das kalt 28.11.2017

Wir verbringen nun die letzte Nacht in unserem Knutschi bevor es morgen definitiv wieder nach Hause geht.

Wir durchfahren ganz Südfrankreich und es wird von Kilometer zu Kilometer etwas kälter. Wir wechseln uns während dem Fahren ab und gehen dann Mittags endlich nach über vier Wochen wieder mal Schweinefleisch essen. Meinen wir wenigstens am Anfang, denn wir steuern direkt einen Mc Donalds an und vertilgen wiedermal einen Hamburger mit Pommes. Erst als wir fertig sind, merken wir, dass die Hamburger ja doch nicht aus Schweinefleisch sind. Wir müssen beide lachen und verschieben den Verzehr dieses „unreinen“ Fleisches auf den Moment, wo wir dann zu Hause ankommen.

Wir fahren bis nach Aix-les-Bains, kurz vor der Schweizer Grenze und fahren dort auf einen Stellplatz in der Ortschaft und nahe am See. Beim anschliessenden Spaziergang sind wir wohl die braungebranntesten aller Spaziergänger, aber auch jene, die am meisten frieren. Wir hätten in Marokko doch Handschuhe und Wollmützen kaufen sollen… Wir sind absolut noch nicht an die Kälte gewöhnt und die momentan vier Grad machen uns grad ein wenig zu schaffen. Aber zum Glück haben wir es nun in unserem Knutschi so schön kuschelig warm, dass gar nix mehr passieren kann.

Anita beginnt drinnen zu kochen, für eine Tajine draussen ist es uns einfach zu kalt.

Und jetzt freuen uns wir auch auf morgen, auf unsere Heimkehr und das Wiedersehen mit unseren Lieben zu Hause.

Übernachtung

Aix-les-Bains - Air Campingcars ***
Frankreich, Stellplatz
etwas komplizierter Anmeldevorgang, aber ziemlich nahe am See
Koordinaten: 45.69665, 5.888947
N 45° 41' 47.9"  E 5° 53' 20.2"
letzter Besuch: 11.2017

Mit Verlusten muss man rechnen 29.11.2017

Wir sind gut zu Hause angekommen, aber nicht mit allem Hab und Gut

Die letzten Kilometer unserer 7324km langen Reise waren dann wieder etwas Stress vom Autoverkehr her. Die Schweiz hat eben schon sehr viele Autos auf den Autobahnen.

Aber leider mussten wir auch einen Verlust melden. Die Handtasche von Anita mit ihrer Geldbörse, iPad, Bankkarten und einer Kreditkarte ist weg. Die muss uns irgendwo an der Grenze zu Frankreich oder in Frankreich selber zur Beifahrertüre unseres Womos entwendet worden sein. Nach intensivem Nachdenken und Studieren kommen genau drei Orte in Frage: Stellplatz, Einkaufszentrum oder eine Tankstelle. An diesen drei Orten wir unser Womo ganz kurz ohne Aufsicht und wir können nicht 100% sicher sein, dass wir es auch abgeschlossen hatten. In Marokko wurden wir halt etwas unvorsichtig, weil dort nie die Gefahr bestand, dass irgendetwas geklaut wurde. Aber hier in Europa wurden wir sehr, sehr schnell eines Besseren belehrt. Wir haben also sehr schnell bemerkt, dass wir wieder zu Hause sind. Übrigens auch beim Wetter, Schneeregen auf der Heimfahrt.

Ok, wir haben auch andere Verluste zu beklagen. Eine leicht kaputte Sonnenbrille liegt von uns irgendwo in den Sanddünen der Wüste. Selber schuld. Und was mich am meisten Nervt, ich habe irgendwo meinen Fotoknopf, wo man den Fotoapparat auf das Stativ befestigt, verloren, darum kamen in der zweiten Hälfte keine Top-Fotos mit Sternen, Langzeitbelichtung und so… Das nervt mich am meisten, alles andere kann man wieder ersetzen.

Also, wir sind gut zu Hause angekommen, haben viel Wäsche und müssen unser Knutschi noch von den letzten Sandresten befreien.

Aber zuerst geht es nun wieder ans Geld verdienen….

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