Wir sind im ewigen Sand, übernachten bei eisiger Kälte im Zelt und geniessen die einzigartige Natur
Überpünktlich holt uns Abdou mit einem ausgeliehen 4x4 Pickup auf dem Campingplatz ab. Sein Traum ist irgendwann, selber einen Pickup zu besitzen, damit er mehr Touren anbieten kann. Vor der Abfahrt fragt er noch, ob wir eine warme Jacke haben und noch Streichhölzer mitnehmen können. Und dann geht es um 10 Uhr los.
Sofort nach dem Campingplatz beginnt es zu schütteln, kleine Sanddünen hoch, hinten wieder runter. Mit dem Womo ist also beim Camping garantiert fertig und muss nicht meinen, man könne noch weit fahren. Ausser man hat ein 4x4 und mehr Bodenfreiheit. Es schüttelt und slidet im Pickup, obwohl Abdou sehr human fährt, schliesslich haben wir darum gebeten. Alle etwa 30 Minuten machen wir eine kurze Pause, Abdou muss eine Rauchen und wir etwas die Füsse vertreten und Fotos machen. Die Gegend wechselt von kleinen Sanddünen, zu ganz flachem steinigen Gelände zu steiniger Mondlandschaft und zwischendurch sogar etwas grünen Ebene.
„Vor drei Wochen hat es hier geregnet, darum ist jetzt überall grün und der Rucola spriesst aus dem Boden, das ist gut für die Dromedare und gut für uns. Wir machen daraus Suppe und Salat und ist alles gratis“. Allerdings der letzte grosse Regen, der mit Flüssen das Wasser weiter in die Sahara bringt, darauf warten sie schon seit drei Jahren. Jetzt führen die Pisten meist durch die völlig ausgetrockneten Flussbette weiter der Sonne entgegen.
Zwischendurch halten wir auch an Brunnen, es habe ca. alle 15 km einem Brunnen oder eine Wasserstelle. An einem Brunnen besuchen wir kurz eine der noch wenigen Nomadenfamilien, die wirklich noch in der Wüste leben. Sie haben ein technisches Problem mit einem Eselskarren, darum nehmen wir hinten auf der Ladefläche des Pick-Up’s ein Nomade bis zu nächsten Oase mit. Dort steigt er ab und trottet in die Wüste davon. Wohin er denn nun wohl geht?
In der Oase gibt es tatsächlich eine Quelle die ganzjährig einige Lite Wasser in der Minute hergibt und Abdou ist davon ganz begeistert und erklärt uns, wie schön dass es hier doch ist. Aber ganz ehrlich, so wirklich begeistert tut es uns nicht, ein paar Palmen in der Einöde, dazu ein mit Lehmmauern ummauertes Gelände , ein abgewackter 4x4 und 200m von der Quelle auch noch einen Brunnen. Mehr nicht.
„Im Sommer kommen die Nomaden hierher und übersommern bei 55 Grad im Schatten, weil sie hier immer Wasser und Schatten haben“. Jetzt im Winter und während der Touristensaison fährt vielleicht alle 30 Minuten ein Pickup mit Wassertank zum Brunnen, füllt diese Tanks mit 200l und fährt dann wieder zurück in die Camps am Rande der Sand-Sahara. Abdou kennt jeden und hält mit jedem einen Schwatz, dazwischen kocht er uns Tee, tischt einen Salat auf und danach auch noch Trutenspiesse. Er bedient uns wie die Könige, während dem wir im Schatten sitzen.
Nach zwei Stunden Mittagsrast geht es weiter Richtung Sand. Von weitem sehen wir die für uns typische Sahara mit den Sanddünen. Allerdings ist dies nur der allerkleinste Teil der gesamten Wüste, aber den Teil, den man auf den Fotos immer sieht. Die anderen Teile sind eben Steinwüste, Felsen, karges Buschland und kleinere vertrocknete Salzseen.
Dann am Rande des Sandes kommen uns vier Kamele mit einem Führer entgegen und Abdou meint nun, wir müssen jetzt das Gefährt wechseln.
Ab jetzt schaukelt es mehr, wir sitzen höher aber auch auf einem 4x4. Geradehaus und berghoch geht es einigermassen und wir können sogar Fotos vom Rücken der Dromedare machen, geht es aber etwas bergrunter, ist gut festhalten angesagt… Nach 30 Min machen wir eine Pause und Anita und ich klettern natürlich auf die höchste Sanddüne, die wir finden, währendem sich die Dromedare etwas ausruhen.
Es ist fantastisch hier oben, genauso, wie man sich die Wüste vorstellt, einfach faszinierend!
Danach geht es wieder weiter und ich wäre eigentlich ganz froh, wenn wir endlich am Ziel währen. Dann, nach weiteren 30 Minuten steigen wir in einem Zeltcamp ab und Abduo fährt mit seinem Pick-Up vor.
Wir sind noch nicht ganz am Ziel, Abdou sagt, wir nehmen ein Camp zum Übernachten, dass ausserhalb der Touristenströme liegt, wo es schön ruhig ist. Touristenstöme? Wir haben gerade mal eine Dromedarkarawanne, vier andern Pickups und etwa an fünf andern leeren Zeltcamps vorbeigefahren / geritten.
Nach nochmals einer Stunde schütteln sind wir dann im richtigen Zeltcamp. Es sieht echt edel aus, inkl. Duschzelt mit warmem Wasser, Keramiktoilettenschüsseln, Küchen- und Restaurantzelt. Dazu vier Zelte mit jeweils einem Doppelbett drin! Wow, was für Luxus.
Wir können schnell unser Zelt beziehen und werden dann auf einer Sanddüne zum Tee erwartet, wo wir den Sonnenuntergang geniessen können. Was für ein Verwöhn Programm!
Etwas später kommen dann noch drei französische Touristen aus Paris, wir sind also fünf Touristen mit insgesamt sechs „Bediensteten“. Es wird uns wirklich jeden Wunsch von den Augen abgelesen und sie kochen uns ein zauberhaftes Abendessen mit verschiedenen Salaten, Rinds-Tajine und einen leckeren Früchtekompott zum Dessert. Und das alles an gedeckten Tischen unter freiem Himmel mit einem unglaublichen Sternenhimmel!
Zum ersten Mal beobachte ich das famose Kreuz des Südens, das bei uns in Europa am Himmel nicht sichtbar ist und nach dem früher alle grossen Seeexpeditionen navigiert haben. Während dem Staunen sehen wir drei wunderschöne Sternschnuppen vom Himmel fallen, einfach perfekt.
Nach dem Essen wird ein grosses Lagerfeuer angezündet, das in der eisigen Nacht (8 Grad) schöne Wärme verstrahlt. Alle nomadischen Helfer versammeln sich auch um das Feuer, zaubern Gitarre und Trommeln hervor und dann werden die Nomadenlieder der Sahara gesungen.
Eine fantastische Stimmung an einem fantastischen Ort. Zum Glück haben wir diesen Ausflug gebucht! Er hat uns insgesamt 3200 Dh gekostet, (ca. 300€) für zwei Personen, und war bis jetzt jedes einzelne Dirham Wert.
Wenn jetzt nur nicht das Schlafen im kalten Zelt kommen würde…
Weitere Fotos folgen.
Die Sternennacht und der Sonnenaufgang waren gewaltig.
Es war kalt nachts, wir schätzen so um die 7 bis 8 Grad. Im Nomadenzelt sind wir nur gerade durch halbdurchsichtige Tücher gegen das Wüstenklima geschützt. Allerdings haben wir ein richtiges Bett mit Matratzen, dazu ein grosses Leintuch und zwei (wahrscheinlich) Kamelhaardecken.
Die Berber-Nomaden beim Zeitvertreib am Abend - Musizieren
Es sieht schon ziemlich warm aus. Zur Vorsicht schlafen wir aber mit Socken, langen Trainerhosen und Jacke. Wir ziehen also fast alles an, was wir in der Wüste dabei haben und kuscheln uns dann eng aneinander. So haben wir erstaunlich warm und keine Probleme. Nur das WC-Zelt ist etwa 100m weit weg und der Weg dorthin und zurück ist affenkalt. Dafür sieht man den unglaublichen Sternenhimmel im Dunkeln der Wüste funkeln. So stark, dass ich mich um 4 Uhr Nachts anziehe und eine Stunde Fotos rund um das Camp mache. Um fünf kuschele ich mich wieder unter die Bettdecke bis sechs Uhr und stehe dann auf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Es war also eine ziemlich kurze Campingnacht.
Ich marschiere durch den feinen, weichen Sand auf die höchste Düne, die ich finde. Dort warte ich mit Skijacke geschützt und ganz alleine in der Wüste, bis die Sonne auf geht. Es ist wahrlich ein fantastisches Schauspiel und ich geniesse die Einsamkeit.
Die Fotos werden super und bis ich wieder im Camp bin, ist es schon sieben Uhr, wo gerade das Frühstück draussen serviert wird. Von Eierspeisen in der Tajine, über frisches Brot gebacken in einem Sandloch, frischen Kaffee und frisch gepressten Orangensaft, wir werden verwöhnt wie es nur geht.
Gegen acht Uhr brechen wir dann mit Abdou mit dem 4x4 auf und müssen nun die 60km durch die Wüste zu unserem Campingplatz zurückfahren. Es rumpelt und schüttelt, und wir haben viel Zeit, um Abdou Fragen zu stellen und wie dass dann genau so läuft hier in der Wüste mit den modernen Nomaden.
Zuerst will er nicht so recht rausrücken, aber mit der Zeit wird er immer gesprächiger. Mhamid, das Städtchen am nächsten an der Wüste, lebt momentan nur von den Touristen. Das Problem sei aber, dass immer mehr grössere Reiseanbieter kommen und die Gäste mit Prospekten und Websiten locken. Für die einheimischen Führer und echten Nomaden bleibt immer weniger. Darum besuche er mit seinen Gästen auch nur bestimmte Camps, die von den Einheimischen geführt werden und vieles hier sei auch gespielt. Alles was Thuareg angeschrieben sei, sei Betrug, denn hier in Marokko habe es noch nie Thuareg gegeben und die sähen ganz anders aus, haben schmalere Gesichter und längere Finger. Sie hätten zwar auch blaue Gewänder, aber das sei das einzig gemeinsame.
Er führt mit seinem Bruder den allerletzten Campingplatz vor der Wüste und bis die Touristen auf dem Platz ankommen, sei ihnen jweiles im Dorf schon Kameltouren verkauft worden, obwohl es nur Dromedare sind. Auch die Wüstenführungen in die Camps seien da schon gebucht. Die Verkäufer seien im Dorf ziemlich aufdringlich. Ihnen bleibe nur die Brotsamen des Campingplatzes übrig, dabei wären die Führungen viel lukrativer und für sie auch eine Möglichkeit, ihr Wissen zu teilen. Wir seien die Ausnahme, dass wir so eine Tour bei ihm gebucht hätten. Aber wenn er sich dann mal ein eigenes Auto leisten könne, könne er sparen für den Ausbau des Campingplatzes. Die Miete des Autos, auch wenn es einem Freund gehöre, verschlinge viel Geld. Er habe übrigens seit neustem eine Facebookseite und wenn alles gut gehe, habe er in einem Jahr das Geld zusammen, um eine eigene Website machen zu lassen.
Nach einer weiteren Stunde Autofahrt verspreche ich ihm für seinen Campingplatz, den allerletzten vor der Wüste, eine Website zu machen. Fotos habe ich ja jetzt genug und eine einfache Website stürzt mich auch nicht in den Ruin. Er bedankt sich mit 100 Inschallah‘s und ich sei in seinem Haus zu Lebzeiten immer willkommen, inklusive meine Familie und Freunden…
nach Mhamid hier rechts zum Campingplatz
Und er hat mich schon eingeladen, im März zum Internationalen Nomadenfestival zu kommen. Das müsse ich unbedingt sehen, da gäbe es drei Tage Musik, Essen, Dromedar-Rennen mit Nomaden aus der ganzen Welt. Und wir seien mit dem Wohnmobil ja auch irgendwie Nomaden… So, und jetzt habe ich den ersten Kunden aus Afrika!
Also, wenn ihr mal nach Mhamid kommt, unbedingt durch das ganze Dorf fahren, bei niemanden anhalten und nur freundlich lächeln, dort wo die asphaltierte Strasse und die Zivilisation aufhört insgesamt 300m weiter, sich zuerst links und dann rechts halten und dann kommt man beim allerletzten Gebäude vor der Wüste zu dem schönen Campingplatz "La Boussoule" mit umwerfender Aussicht. Bis dorthin kommt man mit jedem Wohnmobil problemlos, aber ja nicht auf eigene Faust weiter fahren, denn danach kommt der Sand und man bleibt stecken. Und die Einheimischen haben das als neue Geschäftsquelle entdeckt. Denn die, die stecken bleiben, bezahlen alles, um wieder heraus zu kommen (haben wir von einem Einheimischen als Ratschlag bekommen, ratet mal von wem?)…
Der Rest des Tages ist schnell erzählt, wir machen einen kleinen Spaziergang durch Mhamid und Anita kauft ihr Tuch Nr. 9 in Marokko….
Es hat gedauert, aber nun lassen wir uns nicht mehr übers Ohr ziehen
Heute verlassen wir das kleine Städtchen Mhamid am Rande der Wüste, verabschieden uns von den neuen Freunden Abdou und Kalifa vom Camping Boussoule und machen uns in die nächste etwas grössere Stadt Zagora auf. Auf den 100km passieren wir etwa drei Städtchen, ansonsten Wüste und zwei kleinere Hügelketten.
Die Strasse nach Mhamid ist noch nicht lange durchgehend asphaltiert und auch jetzt noch gibt es einige Baustellen. Die neuen Abschnitte sind schön breit und die alten immer noch wie typisch Marokko. Die Strasse ist zwar breit, aber asphaltiert ist nur die Mitte für ein Motorfahrzeug. Kommen andere Autos entgegen, müssen beide Parteien auf das Bankett ausweichen und danach wieder auf den Asphalt einschwenken. Irgendwie cool und richtiges Marokkofeeling.
Auch in Zagora haben wir wieder Marokkofeeling. Einige Ladenbesitzer warten vor ihren Läden und zehren die Touristen (wir sind momentan ziemlich die einzigen) mit irgendwelchen Tricks in ihr Lokal. Dort zeigen sie dann ihre Schatzkiste von Alibaba und betören die Frauen und Männern mit Komplimenten, so dass man dann etwas kauft, was man gar nicht will.
In der Boutique Ali Caravane Mille Etoiles, wo man auch den Laden verlassen kann, ohne etwas zu kaufen
Wir haben uns nun daran gewöhnt und sind schon ganz gut im Abwimmeln. Wir besuchen trotzdem drei Läden. In zweien kaufen wir rein gar nix, trotz Teeangebot und des arabischen Gesülze. Wir sind also schon ganz gut. So gut, dass wir uns nicht mal auf Verhandlungen einlassen. Beim dritten Laden haben wir das eigentlich auch vor, aber Anita findet Ohrringe, die ihr super gefallen und von der Art Hänger, die nicht schwer sind. In der Schweiz fand sie bisher nie sowas, was sie auch tragen könnte und was schön ist. Aber hier gibt es doch tatsächlich das eine Paar, das ihr wirklich zusagt. Und nun sind wieder meine Verhandlungsgeschicke gefragt. Der Ausgangspreis ist 650 Dh, als 65€. Ok, meine Holde Kunigunde hätte sie für diesen Preis absolut verdient, aber wir sind in der arabischen Welt. Mein Gegenangebot sind 200Dh und nicht mehr. (Ich komme mir schon etwas schäbig vor, für Anita Ohrringe zu kaufen die sie unbedingt will und ich dann nur 20€ biete). Es geht hin und her, echt Silber, einzigartig, Handarbeit etc etc. Aber der Händler geht schon auf 450 Dh runter. Danach verlange ich den „Armeschluckerpreis“ und dass wir in der Schweiz für unser Geld hart arbeiten müssen, was den Preis auf 400Dh runterbringt. Da meine Kreditkarte gesperrt wurde (zuviel eingekauft) habe ich nicht mehr viel Bares und würde 300Dh mit der Kreditkarte bezahlen, falls sie geht. Kein Problem, meint der Händler, auf seinem Gerät gehen immer alle Kreditkarten. „Ok, dann sind wir uns Handelseinig“ frage ich „falls die Kreditkarte akzeptiert wird? „Wieviel Bares ich denn aufbringen könne?“ ist die Gegenfrage. Ich schaue entgeistert in mein Portemonnai, ohne dass der Andere sieht, wieviel ich drin habe. Nuschele etwas umher und sage, dass ich Maximum 250 Dh momentan aufbringen könne, ansonsten er bis morgen warten müsse, da wisse ich, ob die Kreditkarte wieder akzeptiert wird (Guter Trick, nicht?). Das ist ihm dann zu unsicher und er willigt bei 250Dh ein. Immerhin, ich bin 50Dh rauf, er 400 runter. Langsam lerne ich dazu.
Blöd ist nur, dass Anita dabei war und weiss, dass ich nur 25€ für ihre schönsten Ohrringe bezahlt habe…
Wir sind übrigens auf dem Campingplatz palmeraie d‘amezrou in Zagora gelandet. Echt schön, unter hohen Dattelpalmen im Grünen, gute Infrastruktur und mit allerherzigsten, freundlichen Kindern der Besitzer (echt jetzt, und überhaupt nicht sarkastisch gemeint). Auch durften wir unsere Wäsche der Frau des Besitzers geben und sie wäscht sie uns in ihrer neuen Waschmaschine. Sie spricht zwar nur arabisch (die Frau, nicht die Maschine) aber wir haben dennoch irgendwie mit ihr geplaudert. Jetzt gehen wir in das Berberzelt auf dem Campingplatz essen und sind gespannt, was es gibt.
90Minuten später
Es gab eine Tajine, was denn sonst in Marokko. Aber es war echt lecker mit einem fast ganzen Poulet, viel Gemüse und Kartoffeln. Und dann immer noch diese herrlichen Fladenbrote. Mit dem Resultat, dass wir wiedermal zu viel gegessen haben…
Wir landen in der Gegend von Quarzazate und erleben einen fantastischen Sonnenuntergang an einem See.
Morgens nehmen wir noch unsere gewaschene Wäsche von der Trockenleine ab, packen zusammen, Ent- und Versorgen, bezahlen den Campingplatz und das gestrige Nachtessen und sind wieder on the Road. Heute geht es Richtung Norden. Wir überqueren wiedermal richtige Berge, sehen die Schlucht Tizi'n-Tinififft und fahren dann runter bis Quarzazate, das aber immerhin auch noch auf 1150m.ü.M. liegt. Wir sind also ziemlich hoch da, merken von dem aber nix.
Hier im Ort gibt es zwei Grosse Filmstudios und grosse Filmgelände. Klar lösen wir die 4€ Eintritt pro Person und lassen uns von einem Führer die Filmstudios und Requisiten erklären. Wir rudern in der Galeere von Ben Hur, gehen auf das gleiche WC wie Brad Pitt, sehen die Hügel von Asterix und Kleopatra und wissen dass im Film die Mumie diese in Küchenpapier eingewickelt war. Unser Führer, ein junger Marokkaner vom Ort, kommt immer mehr ins schwärmen, erklärt uns die arabische Sprache und welche Wörter im Englischen vom Arabischen abstammen und so weiter und so fort.
Nur ein Sklave am Rudern von Gladiator
Danach können wir auch noch die Aussendrehorte anschauen, die etwa 2km in der Wüste gelegen sind. Wir fragen unseren Führer, ob er Lust habe, uns auch diese zu zeigen. Auf eigene Faust ohne Hintergrundwissen ist es doch nur halb so spannend.
Wir fahren mit unserem Knutschi und unserem Guide die zwei Kilometer Piste fast im Schritttempo und kommen dann bei einer mächtigen Burg an. Alles nur Styropor, Gips und Holz, gehalten von Baugerüsten. Aber trotzdem, im Innenhof sieht es echt imposant aus. Es gibt insgesamt etwa fünf verschiedene Innenhöfe, wo zum Teil Games of Thrones, Gladiator, Prince of Persia oder Die Mumie gedreht wurden. Dazu wurde in der Umgebung von unzählige Bibelfilme bis über James Bond sehr viele Wüstenszenen gedreht.
Unser Guide kommt wieder ins Schwärmen und sagt, dass viele Hollywoodfilme hier gedreht werden, weil sich auf kleinstem Raum in Marokko sehr viele verschiedene Landschaften finden und die Leute auch alle sehr unterschiedlich aussehen, von Schwarzen über Berber, Weissen, braunen und dunkelbraunen. Mit ihren Gesichtern passen sie vor allem zu Filmen, die viel Früher spielen. Nur Asiaten können sie nicht bieten und für den Film Kundun (über den Dalei Lama) wurden alle asiatisch aussehenden Schauspieler eingeflogen. Auch viele „Ballerfilme“ in der Wüste mit Militär und so wurden hier gedreht.
Danach geben wir Mohamed, unserem Guide, 100 Dh, weil er es wirklich gut gemacht hat und uns über zwei Stunden bestens unterhalten hat. Er strahlt aus beiden Augen und ich frage ihn dann, wie dass den sei mit seinem Verdienst.
Es ist sehr unterschiedlich, viele ausländischen Touristen wollen auf keinen Fall einen Guide, weil sie Angst haben, sie werden über den Tisch gezogen. Die Ausländer haben dann alle das Marrakesch-Syndrom, wie das hier intern heisst. Die Guide und Händler in Marrakesch machen allen anderen im ganzen Land das Leben schwer und vermasseln ihre Geschäfte, einfach, weil dort die Touristen über den Tisch gezogen werden. Auch meinen viele, dass er einen Lohn von den Filmstudios beziehe, dem ist aber nicht so. Er lebe ausschliesslich vom Trinkgeld und das sei zwischen 10 und 50 Dh. Dass er mal 100 bekomme sei sehr selten. Er sei aber so ganz zufrieden, denn so könne er das machen, was er liebe (die Filme) und verdiene erst noch Geld für die Familie.
Wir haben jetzt für rund 2 ½ Stunden Führung, inklusive Eintritt und kleiner arabisch-Kurs insgesamt für zwei Personen nicht mal 18 € bezahlt… Ich finde das auch für Marokko sehr gut vertretbar.
Nach den Filmstudios fahren wir weiter durch die Stadt Quarzazate und biegen nach einigen Kilometern von der Hauptstrasse rechts weg an die Ufer einer der wenigen Seen von Marokko. Hier ist es geduldet, frei zu stehen. Das erste Mal, dass wir das nun benützen. Bis anhin waren wir immer auf Campingplätzen, aber die waren zum Teil so, wie frei Stehen. Wir haben es also nicht vermisst bisher.
Es steht noch ein Holländer hier und auch einige Marokkaner verbringen den Abend mit einem fantastischen Sonnenuntergang am Ufer des Sees.
Ein herrlicher Abend und danach gibt es das erste westliche Abendessen, seit wir in Marokko unterwegs sind: Spaghetti! Wir sind einfach zu faul, heute etwas mit mehr Aufwand zu kochen…
Wir sind gespannt, ob wir die Strecke heute mit unserem Womo schaffen oder umkehren müssen. Einfach nicht steckenbleiben!
Nach einer sehr ruhigen Nacht beim See machen wir uns auf eine ungewisse Etappe. Wir wollen die Schlucht Gorges Dadés besichtigen und danach auf der kleinen Strasse immer weiter ins Tal fahren. Dort soll es eine Abkürzung in das Tal der anderen Schlucht Gorges Toudra geben. Es soll aber nichts asphaltiert sein und eine Strecke, die die 4x4-Touristen häufig fahren. Falls das nicht geht, ist auf einer Karte der Weg geradeaus nach Agoudal eingezeichnet, das soll aber auch nicht durchgehend asphaltiert sein. Wirkliche hilfreiche Infos im Netzt finde ich aber auch nicht, also fahren wir ziemlich ins Ungewisse.
Zuerst auf gut ausgebauter Strasse 80km über die Hochebene und dann kommt 20km eine Ortschaft an der anderen, praktisch immer Häuser. Total ungewohnt. Die Abzweigung in das Dadés-Tal ist nicht zu übersehen und schon sind wir fast alleine. Die Landschaft wird wieder sehr bergig, die Strasse schmaler und schlechter. Noch geht aber alles gut.
Bei der ersten Engstelle der Schlucht geht die Strasse spektakulär zwischen den Felsen durch. Sieht wirklich gut aus. Danach kommt das erste Fragezeichen von Heute: es solle eine steile Passstrasse sein, die die Busse nicht hochkommen und auch die grossen Taxis sollen hier nicht mehr weiterfahren. Es geht aber ziemlich easy mit unserem grossen Womo von 7.50m Länge, also kein Problem, die erste Hürde ist geschafft und bei weitem nicht so schlimm, wie auf dem Web überall beschrieben.
das Pässchen im Dadés-Tal meistert ein Womo ohne Probleme
Jetzt fahren wir in einer fantastischen Landschaft immer weiter in das Tal hinein. Schnell fahren können wir nicht, die Strasse ist schmal und holprig, aber asphaltiert. Als wir ca. 60km im Tal sind, kommt die Ortschaft M’semrir und dort soll die asphaltierte Strasse fertig sein.
Ist sie nicht, also fahren wir die nächsten drei Kilometer weiter bis zur Abkürzung über die Berge. Der Abzweiger ist nur mit weisser Farbe auf der Strasse markiert und die Piste sieht schon etwas mitgenommen aus. Wir inspizieren sie genau und müssen dann schweren Herzens sagen, das schafft unser Fiat Ducato mit Vorderradantrieb nicht. Und der höchste Punkt der Strecke ist auf 2800m, also wird es noch arg berghoch gehen. Die Vernunft siegt vor dem Abenteuergeist und wir entscheiden, der asphaltierten Strasse im Tal weiter zu folgen.
unser Abzweiger, und darum haben wir es nicht gewagt
3km später fragen wir einen LKW-Fahrer, wie die Strasse weiter im Tal nach Agoudal geht. Er mustert unser Wohnmobil und sagt dann, dass wir das auch nicht schaffen, es sei eine 4x4 Piste. Aber er kennt doch unser treues Knutschi nicht! Aber es ist vielleicht auch besser, wenn wir drehen statt noch satte 60km über Rüttelpiste zu fahren und mit unsicherem Ausgang, ob wir das überhaupt schaffen.
Also drehen wir und fahren die inzwischen fast 70km im Tal zurück. Wir geniessen dafür nochmals die herrliche Landschaft und rasen dann wieder auf einer gut ausgebauten Strasse nach Tinghier. Dort schwenken wir zum erst besten angeschriebenen Camping ab und landen auf einem schön angelegten Stellplatz eines Hotels.
Wir sind ziemlich kaputt heute, fuhren lange und sehnen uns nach einem Ruhetag. Wir haben in den letzten Wochen so viel Neues gesehen, jeden Tag entweder auf einem Ausflug oder mit dem Knutschi herumgereist, so dass wir nun die Karte studieren und entschliessen, morgen nach Merzouga zu fahren und dann dort am Rande der Sandwüste Nummer zwei mindestens zwei Tage zu bleiben. Das morgen schaffen wir noch locker…
Irgendwie juckt es mich aber ein bisschen, dass wir diese Strecken nicht doch probiert haben! Hat das schon jemand gemacht, M’semrir – Gorges Toudra oder M’semrir – Agoudal? Wie sind die Strassen dort wirklich?
Ach ja, wir haben jetzt gerade das Essen hier im Hotel bestellt: Hähnchen-Gemüse Tajine für zwei Personen und der Stellplatz alles zusammen, 195Dh (knapp 20€).
Ach ja zum zweiten: Anita läuft mit einem pinken Turban, ich mit meinem blauen umher und der Chef hier sagte uns, dass in dieser Region weiss oder gelb angesagt ist. Wir müssen also noch wechseln, wenn wir zu den Einheimischen zählen wollen…
unseres Reisestrecke