Lagerfeuerromantik auf dem Campingplatz mit selbstgemachter Spezialität
Die gestern auf dem Markt gekaufte Tajine schreit heute geradezu, gebraucht zu werden. Also müssen wir uns zuerst mal erkundigen, wie das genau geht. Schnell wissen wir, dass vor dem erstmaligen gebrauch der Teller und der Deckel drei Stunden im Wasser eingelegt sein müssen, damit sie sich richtig voll saugen können. Es gibt auch glasierte Tajine, aber der gestrige Marktverkäufer riet uns davon ab, die seien nur für die Touristen zum Ausstellen und die müsste man auch nicht in Wasser einlegen.
Also wird heute nichts mit Weiterfahren, wenn wir abends damit kochen wollen. Und die Dinger in Wasser einlegen, gar nicht so einfach, Unser Wasserkessel hat zu wenig Durchmesser und der Waschtrog ist zu wenig tief. Aber wir finden trotzdem eine Lösung und warten dann drei Stunden. Ich arbeite für einen Kunden dringende Dinge ab, Anita lernt für ihre Prüfung.
Beim Whisky (marokkanischer Minztee)
Endlich sind die drei Stunden um und es kann weiter gehen. Im unteren Teil muss ich nun ein Feuer machen mit der gestrig gekauften Holzkohle. Ein schön kleines, denn die Schüssel muss langsam erwärmt werden. Als Tipp müssen wir viel Olivenöl und Zwiebeln miterwärmen. Nach gut einer Stunde über dem Feuer ist die Tajine eingekocht und vom Öl hat sie eine Art Teflonbeschichtung bekommen. Nach dem Abkühlen ist sie bereit, gebraucht zu werden.
Nun müssen wir noch auf den Markt, kaufen Kartoffeln, Tomaten, Peperoncini und Karotten, insgesamt drei Kilo Gemüse zusammen für 20Dh, weiter erstehen wir noch ein Kilo leckere Mandarinen für 10Dh, und beim Metzger 1kg Trutenfleisch für 45Dh, eingepackt in Papier. Fladenbrote und etwas Süsses kaufen wir beim Bäcker für 8Dh und die Bündel voller Kräuter für Minztee und als Würze nochmals 25Dh. Man muss jeweils alles durch zehn rechnen, wenn man die Währung zu unserer umrechnen will. Das Abendessen wird also ziemlich günstig.
Danach schnell nach Hause, mit Kohle anfeuern, Gemüse und Fleisch schneiden, Öl in die heisse Tajine giessen, alles geschnittene hineinschütten, würzen und dann den Deckel drauf. Zuoberst auf dem Deckel gibt es ein kleines Gefäss, wo kaltes Wasser rein kommt. Im Innern wird nun so Dampf gemacht, dieser steigt auf und am obersten Punkt des Deckels, kondensiert der Dampf wegen des kalten Wassers und es Tropft wieder in die Schüssel zurück. Es geht also überhaupt kein Geschmack irgendwo verloren! Und so kochen die Wüstenvölker schon seit Jahrhunderten!
Nach etwa 45 Minuten können wir den Deckel wegheben, und mit der Gabel und dem Fladenbrot essen wir direkt aus der Tajine. Das Gericht, egal was es drin hat, heisst immer gleich wie das Kochgeschirr: Tajine. Wir hatten eine echt leckere Tajine, allerdings etwas gar scharf. Anita meinte es etwas zu gut mit den Gewürzen…
Da man nur das eine Kochgeschirr und zwei Gabeln braucht, ist auch ganz schnell und wassersparend abgewaschen, also das perfekte Campermenu!
Jetzt sind wir sicher schon halbe Marokkaner und wir rätseln, ob all die Franzosen auf dem Campingplatz, wo sie wochenlang bleiben, auch schon mal so etwas ausprobiert haben? Wir glauben nicht, denn sie schauen nur hin, kein einziger sagt oder fragt etwas, ein echt komisches Völkchen. Nur der Platzchef kommt schnellen Schrittes und strahlt über das ganze Gesicht, als er uns beim Kochen in der Tajine erwischt und sagt, das sei das beste Essen in Ganz Marokko!
Jetzt sitzen wir im Dunkeln draussen, schauen in die Glut, während dem vom Minarett wieder die Gebetsgesänge klingen und Anita beginnt noch, eine Banane in der Glut zu braten.
Die Gebetsgesänge beginnt der erste übrigens um 5 Uhr morgens, dann irgendwann um 11 Uhr und halb drei, um 17 und jetzt um 19 Uhr. Gibt es da Regeln, weiss das jemand?
Wir verbringen mit einem lustigen Marokkaner und Ex von Angelina Jolie den gesamten Nachmittag.
Wir fahren relativ früh von Tiznit weg, erwischen aber zuerst zweimal die falsche Richtung, denn Wegweiser sehen wir da keine. Erst als wir unsere Offlinekarte auf dem Handy aktivieren, wissen wir, wo wir sind und welche Richtung wir einschlagen müssen.
Die Strasse durch Niemandsland über Hügelketten zum Meer ist einfach wieder schön. Verkehr hat es fast keinen, links und rechts meistens Sand und es wird wärmer und wärmer. Das Maximum erreichen wir bei 32 Grad. Nicht schlecht für November. Aber ab da geht es wieder ans Meer und da wird es dann auch wieder etwas kühler.
Wir kommen in Sidi Ifni an und haben die Wahl zwischen drei Campingplätzen. Wir entscheiden uns für den mittleren direkt am Strand. Allerdings keine direkte Meersicht vom Womo aus, da Mauern den gesamten Campingplatz umschliessen. Für heute aber kein Problem.
Kurz darauf marschieren wir mit der Fotoausrüstung ins Städtchen, um einen Geldautomaten zu suchen. Gar nicht so einfach, und viel los ist hier nicht. Ein mittelalterlicher Marokkaner sitzt auf der Strasse mit riesigen Kopfhörern und sieht, dass wir etwas verloren umherirren. Er kommt auf uns zu und fragt, was wir suchen. Selbstverständlich begleitet er uns zum nächsten Bancomat, nicht ohne uns vorher mit Stolz noch Fotos von früher vom Städtchen zu zeigen, als die Spanier noch ier waren.
Nach dem Bancomat fragen wir Chamal, wie wir am besten zum Tor von Legzira kommen, einem bekannten Fotosujet aus der Gegend. Er würde den Bus nehmen, das sei am günstigsten. Allerdings gebe ich ihm dann den Auftrag ein Taxi zu finden, was er mit bravour löst und mit dem Taxifahrer auch ziemlich verhandelt, damit wir einen guten Preis bekommen. Dann frage ich ihm, ob er nicht Zeit hat, uns diesen Felsbogen zu zeigen und da hellt sich seine Miene noch mehr auf und er steigt mit uns ins Taxi und beginnt zu erzählen. Er habe mal in München gelebt, darum spreche er so gut deutsch (wir verstehen aber nur ca. 30% von dem, was er sagt) und dass er in jungen Jahren ein Hippie und Surfer war, jede Woche eine andere Frau hatte und dass das ein schönes Leben war. Als Moslem darf man das, solange man nicht verheiratet ist und Kinder hat. Sogar Angelina Jolie kenne er und sie seien auch ein paar Monate zusammen gewesen. Aber dann habe sie Brat Pitt geheiratet und zwischen ihnen sei es aus gewesen. Allerdings hätten sie noch heute Kontakt miteinander. Ebenfalls kenne er den König von Marokko, dem er mal einen Gefallen gemacht hätte und darum von ihm 40‘000 Euro bekommen hätte, das ihm dann aber später gestohlen wurden. Er habe acht Brüder und vier Schwestern und sei nun mit 36 Jahren das Oberhaupt der Familie, darum sei es in Marokko besser, als Knabe geboren zu werden wie als Mädchen. Ein Gramm Haschisch koste hier nur 1€, falls wir einen Joint wollen, könne er ihn organisieren. Wir lehnen aber dankend ab. Und so weiter und so fort!
Als wir in der Nähe des Felsbogens ankommen, müssen wir noch ca. zwei Kilometer laufen, einer davon dem Strand entlang, bis wir beim Felsen ankommen. Wir machen ein paar gute Fotos und ich überlege mir schon, wie wir Chamal dann auch wieder los werden. Er will uns schon zu sich zum Abendessen einladen. Auf dem Rückweg laden wir ihn dann noch in ein Restaurant ein, denn wir haben Durst. Er wählt es aus und kennt anscheinend wirklich alle hier in der Gegend. Und einige Geschichten, die er uns auftischte, scheinen doch wirklich zu stimmen. Und auch hier schaut er, dass wir nicht zu viel bezahlen müssen.
Als wir wieder kurz vor der Hauptstrasse ankommen, fährt gleich der Bus weg. Aber Chamal sagt, kein Problem, wir machen Autostopp das komme günstiger, ein Taxi komme hier sowieso nicht so schnell.
An der Hauptstrasse steht Chamal an den Strassenrand und hält gleich das erste Auto auf. Es sind zwei Surfer in einem Jeep, die uns sofort mitnehmen. Zwischen Surfbrettern und einem Hund zwängen wir uns zu dritt auf die Rückbank. Die Surfer und Chamal palavern in einem fort, bis kurz vor dem Städtchen Sidi Ifni, denn dort hat es wieder eine der vielen Polizeikontrollen. Die Surfer schnallen sich nun beide an, drehen das Radio stumm, setzten die Sonnenbrillen ab und warten ganz brav am Stoppschild, bis sie vom Polizisten herangewunken werden. Sie dürfen aber ohne Kontrolle durchfahren, danach Radio aufdrehen, Sonnenbrillen anziehen, Gurte lösen und weiter palavern.
Direkt vor dem Campingplatz laden sie uns aus und ich überlege mir 1000 Ideen, wie ich nun Chamal loswerden kann und wieviel Trinkgeld er wohl verlangen wird. Ich bin auf alles gefasst! Während der Rückfahrt habe ich mir überlegt, wieviel mir seinen Dienst heute wohl Wert ist. Er war immerhin den gesamten Nachmittag mit uns unterwegs, wir haben eine Taxifahrt gespart, die im Hinweg rund 85 Dh gekostet hat, er hat uns die günstigsten Lokale fürs Abendessen gezeigt (25 Dh für gebratenes Poulet mit Pommes und Salat), auch einen Markt, wo nur die Einheimischen einkaufen und ob wir diesen Felsbogen ohne Chamal gefunden hätte, bezweifle ich stark. Also zücke ich vor dem Campingplatz 200Dh hervor, (ziemlich viel, aber es war mir das wirklich wert) und stellte mich schon auf harte Verhandlungen ein. Aber Chamal strahlt über das ganze Gesicht, bedankt sich und macht sich schnell davon. Anscheinend ist er doch nicht so reich, wie er erklärt hatte ;-)
Auch wenn er mit nur 100Dh zufrieden gewesen wäre, ich bereue dieses Trinkgeld in keinster Art und Weise, denn er hat uns wirklich geholfen, war nicht aufdringlich, sehr freundlich und hatte ein lustiges, sehr ansteckendes Lachen. Es war heute ein schöner Nachmittag mit Chamal.
Erster Vorgeschmack auf die Wüste und wir nehmen einen Autostöppler mit
Heute Morgen verabschieden wir uns vom Meer mit guter Laune und sind extrem gespannt, was uns im Landesinneren alles erwartet. Wir wollen ungefähr 200km fahren und dann irgendwo zwischen Assa und Icht einen Übernachtungsplatz finden.
Wir kommen gut aus Sidi Ifni raus, nicht ohne vorher in so einem marokkanischen, extremwinzigen Supermarkt noch zwei 5l-Flaschen Wasser und Brot zu kaufen. Man weiss ja nie, wenn wir in die Wüste kommen...
Und dann geht es los Richtung Guelmim. Die Gegend ist etwas bergig und schon karg und trotzdem stoppen wir schon einige Male, um Fotos zu machen. Wir sind einfach fasziniert von der Landschaft. Hin und wieder überholt uns ein PKW oder wir einen alten Camion. Die Strassen sind eigentlich ganz gut.
Erst in Guelmim ist wieder etwas los, die Schüler sind gerade auf dem Heimweg, überall ist viel Betrieb und es hat sogar wieder ein paar Ampeln. Unser Knutschi findet den Weg zwischen Taxis, Eselkarren, Fussgänger und Mopedfahrer durch die Stadt problemlos. Ausserhalb Guelmim gibt es eines der grosses Einkaufszentrum Marjane. Wir lassen es aber links liegen, uns gefallen die ganz kleinen irgendwie besser, die sind auch viel günstiger, da sie nur einheimische Ware anbieten.
Ausserhalb Guelmim Richtung Assa wird die Strasse frisch asphaltiert, man winkt uns mit Handzeichen durch die Baustelle und danach haben wir über viele Kilometer einen nigelnagelneuen, ausgezeichneten Bodenbelag und es rollt einfach perfekt geradeaus.
Dann sehen wir unser erstes Schild, dass uns vor Dromedaren warnt und schon 500m später eine riesige Dromedarherde, die über karges Land zottelt. Natürlich müssen wir stoppen und einmal mehr Fotos machen. Das Land nimmt uns total in den Bann.
15km vor Assa macht ein alter Tuareg in seinem blauen Gewand und schwarzen Turban Autostopp. Und da wir seit längerem keinem anderen Fahrzeug mehr begegnet sind, halten wir ein und laden in ein, mit uns bis Assad zu fahren. Er nimmt dankend an, spricht aber leider kein Französisch, wahrscheinlich nur Arabisch und den hiesigen Berberdialekt. Beim Ortseingang Assa kommen wir noch in die Polizeikontrolle, das erste Mal, dass sie uns nun anhalten und kontrollieren. Wahrscheinlich müssen die zwei Polizisten sich vor Langweile die Füsse in den Bauch stehen, denn wir haben schon lange kein Auto mehr gesehen.
Mit unseren beiden Pässen verschwinden sie in ihrem Karbäuschen und kommen einige Minuten später zurück und fragen uns, wohin wir gehen. Ich will im sagen, dass wir irgendwo nach Assa einen Platz suchen wollen. Allerdings macht er mir klar, dass es da kein Campingplatz gibt. Und als ich dann was von der Ortschaft Icht sage, nickt er freundlich und sagt, dass wir uns da vorne dann links halten sollen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass er uns genau registriert und seinem Kollegen in Icht auch telefoniert hat, dass irgendwann ein Womo kommt. Frei campen ist in Marokko verboten, aber nicht aus umweltschutzgründen, sondern die Regierung hat einfach Angst, dass irgendetwas passieren könnte und dann keine Touristen mehr kommen. Also wird rigeros kontrolliert.
Ungefähr im Zentrum lassen wir dann unseren Fahrgast aussteigen, er schüttelt uns die Hand und macht sich davon. Was er wohl heute seiner Familie alles erzählen wird?
Wir biegen Richtung Icht ab und wissen genau, dass wir heute dort noch durch die Kontrolle müssen. Die 60km zwischen Assa und Icht gehen mehr oder weniger Geradeaus, doch die Strasse ist etwas rumpeliger. Auf diesem ganzen Weg sehen wir kein einziges Auto, nur ein mopedfahrender Thuareg, viele Dromedare und Esel, ein paar Beduinenzelte und millionen von Steinen. Man könnte echt meinen, wir seien schon in der Wüste.
Kurz vor Icht wieder die obligate Polizeikontrolle und dann sehen wir schon ein Schild Camping. Wir folgen dem Schild über eine staubige Sandpiste bis wir in einer lieblichen Oase mit Dattelpalmen und Pool landen. Wir sind die einzigen Gäste und der Besitzer entschuldigt sich, dass sie momentan überall noch eine Baustelle haben, da sie gerade renovieren. Wie lange sind sie wohl schon dran ;-) ? Wir klauen im dafür einige Datteln, die er sonst an den Palmen vertrocknen lässt und lassen sie uns herzlich munden.
Uns gefällt es aber trotzdem und wir richten uns bei ca. 30 Grad schön bequem ein. Obwohl es den ganzen Tag bewölkt war, ist es doch sehr warm und trocken, man hält es also sehr gut aus.
Etwas später wollen wir dann noch ins Städtchen, mal schauen, ob dort überhaupt etwas los ist.
Ein Abendspaziergang mit vielen neuen Eindrücken
Gegen fünf Uhr gestern Abend wollen Anita und ich noch ins nahe gelegene Dorf. Der Campingplatzbesitzer erklärt uns, wo es durch geht: aus dem Campingplatz heraus, dann der Mauer entlang und dann die Piste immer geradeaus. Ganz einfach.
Wir sind im Offroadbereich, Piste werden die Strassen genannt, die nicht befestigt sind. Also laufen wir los. Die erste Abzweigung des sandigen Weges finden wir ohne Probleme, dann geht es zwischen Palmen Richtung Dorf. Allerdings alle 100m zweigt wieder eine andere Piste in irgendeine Richtung ab und geradeaus geht keine. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir dann das Dorf, sicher nicht auf dem küzesten Weg, aber immerhin. Zwischendurch kommen uns noch zwei Hirtinnen mit einer Ziegenherde und zwei Esel entgegen.
Im Dorf fühlt man sich dann 1000 Jahr zurückversetzt, viele verfallene, kleine Lehmhäuser, aber Kinder spielen auf der Strasse und auch die Frauen sind unterwegs Richtung oberen Teil des Dorfes. Alle sind verschleiert, nicht mehr mit den farbigen Gewändern, sondern der Schleier ist nun bei allen Schwarz. Wir laufen einfach die Richtung, die die Frauen auch gehen. Sie sind freundlich, tratschen untereinander, grüssen uns mit einem freundlichen „Bonjour“ obwohl es Abend ist, und kichern jeweils, wenn wir vorüber sind. Irgendwie sehen wir wohl nicht standesgemäss aus. Auch die Kinder sind überfreundlich und geben uns sogar die Hand. Wahrscheinlich erwarten sie irgendein Trinkgeld, aber keines getraut sich, uns zu fragen oder gar zu betteln. Sie gehen aber alle Leer aus, denn einfach so Geld oder anderes verteilen wir nicht, das gibt es nur für eine Gegenleistung.
Die Menschen auf den Strassen vermehren sich, die Männer sitzen vor den Häusern, Flicken uralte TV-Geräte oder trinken Tee, die Frauen laufen Richtung Dorfzentrum. Als wir dort ankommen, gibt es etwa sechs- sieben Markstände, d.H. Händler haben ihre Sachen auf Tüchern am Boden ausgelegt. Die Frauen mit ihren Kindern sind alle dort, stehen um die Händler rum und kaufen Dinge, die eher nach Occasionen aussehen. Es ist ein reges Treiben am Ende der Welt zwischen Lehmruinen und Staub. Als ich die Situation mit einem Foto einfangen will, rücken einige erschrocken zurück und drehen sich blitzschnell um. In alten muslimischen Gemeinschaften stiehlt man einer Person die Seele, wenn man sie fotografiert. Anscheinend sind sie hier viel religiöser wie in den bisher gesehen Ortschaften. Darauf schliesst auch, dass alle nur schwarze Kopftücher tragen und der Muezzin, der vom Minarett die Beetgesänge vorträgt, hier nicht einfach nur ein Lautsprecher ist, sondern eine wirkliche Person auf dem Minarett. Und die Gesänge dauern hier nicht einfach zwei-drei Minuten sondern eine geschlagene halbe Stunden.
Fortan bleibt auf dem Markt der Fotoapparat unten und ich mache keine Fotos mehr. Wir kaufen bei einem Gewürzhändler ein halbes Kilo Paprika, halbes Kilo Curry, 250g Ingwer und ein halbes Kilo Linsen, alles zusammen 4.50 €. Danach machen wir uns wieder auf den Weg zurück.
Beim Dorfausgang wird es dann schwierig. Welche Piste ist es jetzt genau? Wir haben keine Übersicht mehr, wissen nur noch die ungefähre Richtung. Da Entdeckt Anita im Sand ihre Sandalenspuren vom Hinweg. Wir sind gerettet und so laufen wir wie Fährtenleser den eigenen Spuren nach nach Hause. Es wird nur dort knifflig, wo wir der Ziegenherde begegnet sind, aber auch das meistern wir perfekt und treffen wohlbehalten beim Campingplatz ein.
Der Besitzer lädt uns zu einem Tee ein und erklärt voller Stolz, dass er ein richtiger Berber ist, schon immer hier gelebt hat und nie weg will. Immerhin kann er einigermassen Französisch, wenn das hier auch nicht selbstverständlich ist. Das Wüstenvolk der Berber hat ihre eigene Sprache und eigene Schrift. Wir schenken ihm dann noch einige mitgebrachte Schweizer Schoggi-Brügeli, was ihn sichtlich freut.
Danach müssen wir uns beeilen, denn es ist schon stockfinster und wir wollen noch auf unsere Tajine kochen. Mit Holzkohle ist schnell ein Feuer gemacht (wie gut das in diesem Stöfchen brennt!) und lassen es uns bis weit in die Nacht schmecken, sitzen um das kleine Lagerfeuer und erzählen uns von allen möglichen Dingen. Wie richtige Berber eben.
Vorbereitung Abendessen und der Schuhabdruck, der uns rettet
Icht - Tafraoute, die coolste Womostrecke ever ohne 4x4
Man soll sich mit Superlativen eher zurück halten, aber was wir heute gesehen haben übertrifft alle Erwartungen. So etwas kann man sich gar nicht vorstellen.
Wir wollen heute von Icht nach Tafraoute fahren, direkte Route, 110km. Allerdings weiss ich auch, dass zwischendurch eine Piste kommt, also nicht asphaltiert ist. Darum frage ich vor der Abfahrt den Platzwart, wie die Strassenverhältnisse sind. Ach, kein Problem, super schön und nur etwa 4 km holprig, der Rest ist alles perfekt. Wenn ein Marokkaner sagt, 4km dann rechne ich mit 8 km, denn sogar die Kilometerzahlen der Wegweiser geben eher etwas unter dem Minimum an, wie zuviel. 8km Piste sollte also zu machen sein.
Wir fahren also von Icht weg Richtung Norden. Schon hier sind wir fasziniert von der Strasse durch die Wüste Richtung Berge. Schon da stoppen wir, um Fotos zu machen. Nach ein paar Kilometer müssen wir rechts abzweigen und einem riesigen Flussbett ohne Wasser folgen. Als wir 24km auf dem Tagestacho haben, müssen wir das Flussbett ein erstes Mal durchqueren. Asphalt gibt es nun keinen mehr und die Piste folgt dem Flussbett, mal rechts, mal links. Jedes Mal wenn der Fluss Wasser führt, werden die ganzen Wege weggeschwemmt und müssen danach wieder angelegt werden. Auf der rechten Seite des Flusses sind nun arbeiten im Gange, um dort in der Höhe eine Strasse zu bauen. Wir allerdings fahren immer noch im staubigen Flussbett, es rüttelt und schüttelt, wir fahren höchsten 10km/h. Immer wenn wir die Flussseite wechseln müssen, ist eine betonierte Furt unser Weg, jeweils zur Hälfte weggespült und es schüttelt noch mehr wie auf der Piste.
Links und rechts ragen hohe, gelbe Felsen in den Himmel und wir kleine Europäer in riesigen Flussbett und Steinwüste. Wir sahen schon lange kein Auto mehr, und das sollte auch so bleiben Auf 70km Fahrt sahen wir kein einziges anderes Auto!
Wir kommen zum Staunen einfach nicht heraus, die Gegend ist einfach fantastisch. Nach vier Kilometer im Flussbett ist keine Änderung in Sicht, bei 8 auch noch nicht, auch nicht bei 12km. Dann, nach 14 km kommen wir wieder auf etwas asphaltierte Strasse. Allerdings zwischendurch immer wieder staubige Piste. Die Schlucht und die gelben Felsen werden immer imposanter. Wir können uns einfach nicht sattsehen und stoppen mindestens jeden Kilometer um Fotos zu machen.
Inzwischen geht es steil, sehr steil berghoch. Die Strasse rau und holperig, und zwischendurch kommt wieder ein grüne Oase mit Palmen und Gärten unten im Tal. Die Berghänge immer steiler und immer noch gelb.
Es ist unsere imposanteste Fahrt und schönste Strecke, seit wir unser Wohnmobil haben, nicht mal Norwegen oder Schottland hat da eine Chance. Und unser Knutschi meistert alles bravourös. Oben auf dem Pass angekommen, geht es Kilometerlang auf der Hochfläche durch die Mondlandschaft. Die Strasse ist nun besser, aber andere Menschen sehen wir immer noch keine.
Irgendwann kommen dann wieder Dörfer, die Gegend wird etwas grüner, aber immer noch faszinierend. Und dann beginnt es plötzlich zu regnen, nicht stark, aber wir sehen danach wenigstens wieder zu unserer Windschutzscheibe durch. Der Staub ist wenigstens ein bisschen abgewaschen. So schnell wie es begonnen hat, so schnell hört es wieder auf und die Sonne kommt wieder hervor.
Danach kommen wir in Tafraoute an, erschlagen von den Eindrücken und irgendwie fixfertig. Wir gehen nicht mal mehr die „blauen Steine“ anschauen, die kurz vor der Stadt eine Touristenattraktion sind. Was sollen wir künstlich bemalte Steine gucken, wenn wir eine so imposante Landschaft hatten!
Die Fotos heute können gar nicht zeigen, was wir erlebt haben und meine Beschreibung ist nicht annähernd so plastisch, wie diese Landschaft.
110km, viereinhalb Stunden Fahrzeit, 250 Fotos
unseres Reisestrecke