Als nicht Muslime durften wir nun unsere erste Moschee besichtigen. Eindrücklich phänomenal!
Heute Morgen bestellte uns der Campingplatzchef ein Taxi zur Moschee. Er telefonierte wahrscheinlich mit irgendeinem Cousin und der kam dann mit dem Taxi. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt verhandelten wir mit 300 Dh. Ein guter Preis, denn im Netz bei andern Reiseberichten las ich etwas von 400 Dh. Also sind wir dem Taxifahrer sympathisch, allerdings kommt der Campingchef gleich auch mit, er muss wohl in Casablanca noch etwas erledigen. Die knapp 30km bis zur Moschee schwitzen wir ein wenig, denn wo zwei Fahrspuren sind, stehen die Autos dreispurig... Aber wir kommen sicher bei der Moschee an und sagen dem Taxifahrer, er soll uns in zwei Stunden wieder abholen.
eindrücklich, wie gross alles ist
Die Moschee ist gewaltig und das Minarett 200m hoch, das höchste religiöse Bauwerk der Welt! In Marokko dürfen Nichtgläubige nur gerade zwei Moscheen betreten, und die Hassan II Moschee ist eine davon, übrigens die drittgrösste weltweit. Wir lösen eine Führung (240Dh für Ausländer, also ziemlich teuer ca. 24CHF für zwei Personen). Die Führung startet gleich darauf, allerdings erwischen wir einen französischsprachigen Guide. Man merkt an seinen interessanten Ausführungen, dass die Marokkaner sehr stolz auf diese Moschee sind. Sie ist auch ein technisches Wunderwerk, das Dach lässt sich bei schönem Wetter und voller Moschee öffnen, so ist die Frischluftzufuhr bei vollem Haus mit 25‘000 Gläubigen gewährleistet. Und die Türe auf dem Foto ist 10m hoch und 34 Tonnen schwer!
Wir laufen ehrfürchtig in Socken oder Barfuss in der riesigen Moschee umher, wechseln irgendwann zu einer Gruppe, die einen deutschsprachigen Führer hat und merken auch dort, wie stolz er auf dieses Bauwerk ist. In den heiligsten Teil dürfen wir nicht, denn das ist nur den betenden Muslims vorbehalten. In der ganzen Moschee hat es Teppiche mit parallelen Linien. Diese Linien zeigen an, wo sich die Gläubigen während dem Beten hinzustellen haben, so dass jeder genügend Platz hat, sich hinzuknien und zu verbeugen.
im Innern mit Linien auf dem Teppich
Im unteren Stock, also im Keller, sind die Waschräume mit über 120 Brunnen. Jeder muss sich dort dreimal gründlich waschen (Hände, Gesicht, Nase, Ohren), bevor er beten darf. Es können sich insgesamt 1200 Personen gleichzeitig diesem Waschritual unterziehen. Eigentlich keine schlechte Einrichtung vom Islam, denn so wuschen sich die Gläubigen früher mindestens vor dem Beten gründlich und Seuchen konnten verhindert werden.
Frauen und Männer sind in der Moschee übrigens getrennt, nicht nur während dem Waschen.
Die Besichtigung machte uns mächtig Eindruck und jetzt muss nur noch der Taxifahrer pünktlich kommen. Na ja, er hat 20 Minuten Verspätung, ist das jetzt für marokkanische Verhältnisse pünktlich oder nicht?
Mittags sind wir schon wieder beim Womo und Anita kocht mit den Gewürzen von gestern leckere Teigwaren. Anita schneidet mir vor dem Womo noch die Haare und danach wollen wir einen Verdauungsspaziergang ans Meer machen. Wir finden auch einen tollen Sandstrand aber bis wir wieder zurück beim Womo sind, laufen wir über zwei Stunden. Das haben wir uns definitiv kürzer vorgestellt.
irgendwo in der Pampa auf dem Spaziergang
Jetzt während dem Blog schreiben, bekommen wir noch zwei Kuschelcamper in riesigen Concorde’s aus Finnland. Immerhin beleuchten sie uns unser gesamtes Camping-Equipment draussen und wir können unser Licht löschen und Strom sparen. Wir sitzen nämlich immer noch draussen bei rund 22 Grad. Morgen geht es sowieso weiter nach Marakkesch.
Ach ja, wir fühlen uns noch immer sehr sicher und mussten heute nirgends einen Bettler oder aufdringlichen Verkäufer abwimmeln. Es geht also wirklich ganz einfach und der Erholungswert ist hoch!
Wir sind heil vom Markt in Marrakesch wieder zurück, was nicht selbstverständlich ist.
Aber von ganz vorne. Zuerst fahren wir ganz normal mit unserem Knutschi Richtung Landesinnere und Marrakesch. Die Felder sind fruchtbar, die Autobahn in einem Top-Zustand. Nach 80km und 120km vor Marrakesch ändert sich alles schlagartig, die Erde wird zu Sand, das braun zu rot. Man hat das Gefühl, man komme jeden Moment in die Wüste. Bis anhin war die Landschaft ja noch nicht wirklich zum Ausflippen, aber ab da kommt schon das richtige Feeling auf.
In der Nähe des neuen Stadions in Marrakesch sollte unser anvisierter Stellplatz liegen. Die Karte führt uns rechts von der vierspurigen Strasse auf einen Feldweg. Das kann aber nicht sein und ein Stellplatz ist weit und breit nicht in Sicht. Also langsam geradeaus zur nächsten Kreuzung und dort irgendwie rechts. Wir fahren einfach weiter und halten uns rechts, denn irgendwo in dieser Gegend muss er sein, unser Stellplatz. Dann sehen wir plötzlich ein verwittertes Schild „Relais blue“. So soll doch unser Platz heissen. Und tatsächlich, wir biegen auf einen Feldweg ein, es rumpelt und holpert, aber plötzlich stehen wir vor einer kleinen Oase. Wir sind richtig.
Wenige Minuten später haben wir einen schönen Platz unter Palmen gefunden, eingecheckt und alles ist in Butter. Sogar einen Pool, Bar mit Alkoholausschank und ein paar Holländer mit riesen Klappe gibt es.
Wir sind eingerichtet, erholen uns ein wenig von der Fahrt und erkundigen uns danach, wie man da ins Stadtzentrum zum Markt kommt. Die Oase bietet einen Bus-Service ins ca. 7km entfernte Zentrum an, den wir gerne benutzen und so sind wir dann schon um 16 Uhr mitten in Marrakesch.
Der Platz ist riesig, Menschen aller Rassen, Schlangenbeschwörer mit lebendigen Schlangen, Marokkaner mit traditionellen Gewändern, vollverschleierte Muslime, Touristen in Hot-Paints, einfach alles quer gemischt. Hunderte von Ständen, die Gewürze, Kleider, Säfte, Früchten, Nüssen und was weiss ich noch alles verkaufen. Schnell sind wir als nichtsahnende Touristen entdeckt, werden ausgenommen wie vollgestopfte Gänse und haben eine Stunde später unseren Rucksack voll traditionellen Berberkleidern, Anita zwei Garnituren, ich auch eine. Immerhin liessen wir uns keine Sandaletten andrehen und auch bei den Gurten blieben wir hart.
Auf dem bis jetzt freien Plätzen sind gegen Abend blitzschnell kleine Imbissrestaurants aus dem Boden gestampft. Schon beim ersten werden wir an einen Tisch „gesetzt“ und zeigen auf Pouletspiesse, Zucchetti, Couscous und was noch irgendwie aussieht, als ob man das Essen könnte. Die ganzen Ziegenköpfe auf der Theke lassen wir aber aus.
Danach wird das Essen aufgetischt, und zwar echt lecker und alles in schön kleinen Schalen. Irgendwie fühlen wir uns hier fast etwas beschützt, keiner quatscht uns mehr an und wir können dem Treiben auf dem Markt zuschauen und der Musik der Schlangenbeschwörer, Trommeln der Tänzer und zwischendurch dem Bet-Gesang des Minaretts zuhören. Eine einmalige Stimmung! Inzwischen wurde es dunkel, wir bezahlen den Touristenpreis für das Menu, der garantiert viermal so hoch ist, wie der einheimische Preis, oder eher sechsmal…
was er wohl spannendes erzählt?
Danach lauschen wir einem Geschichtenerzähler, dem sicher rund 100 Einheimische zuhören. Trotz Handyzeitalter, Internet und TV (das hier bestimmt jeder hat) lauschen alle ganz gespannt diesen traditionellen Erzählern. Wir verstehen nix und schlendern weiter. Plötzlich hat eine Frau die Hand von Anita und beginnt, mit Henna auf ihren Arm zu malen. Das Muster wird immer grösser und die Frau lässt uns einfach nicht weg. Fünf Minuten später ist die gesamte Hand von Anita voll (ich lass mir in meinem Leben sicher nix malen, sagte sie noch eine halbe Stunde zuvor). Als es endlich fertig ist, will die Malerin 60€ !! Wir kriegen mit ihr fast Krach, ein riesen Palaver, riesen Diskussion und schlussendlich bezahlen wir dann 100 DH (ca. 10€) sie scheint aber beleidigt zu sein, uns aber egal. Wir flüchten in eine Seitengasse, kramen unsere mitgebrachte WC-Papierrolle aus dem Rucksack (hier gibt es auf den WC’s nämlich nirgends Papier) und wischen die Zeichnung so gut es geht irgendwie weg.
auch von ihr liessen wir uns erwischen
Als wir uns umsehen sind wir in irgendeiner Seitengasse, nur einheimische, keine Touristen mehr, ziemlich eng und düster. Wir schlucken zweimal leer und laufen einfach geradehaus, manchmal weghechtend vor hupenden Motorrädern und streifenden Radfahrern. Nach unendlich langen ca. 500m sind wir endlich wieder auf einem grossen beleuchteten Platz irgendwo in der Altstadt von Marrakesch.
Ich krame den Prospekt von unserem Stellplatz hervor, den ich wohlweislich in unserem Rucksack mitgenommen habe und laufe auf ein paar Taxis zu. Sofort sind wir umringt von vier Taxifahrer, die auf uns einreden, ich halte denen den Plan hin und nach etwa drei Minuten Diskussion weiss einer, wo wir hin müssen. Dieser erklärt dann dem, der fahren sollte, nochmals zwei Minuten wo das ist und danach handeln wir den Fahrpreis aus. Was heisst hier handeln, ich versuche es zumindest, aber nicke doch nur noch, als mein Gegenangebot abgelehnt wird und bin richtig froh, als wir vorerst im sicheren und ruhigen Taxi sitzen.
Der Rückweg fährt der Taxifahrer dann aber zz (ziemlich zügig) fährt beinahe fünf Mopedfahrer und zwei Fussgänger um, kollidiert danach fast mit einem Lastwagen und wird beinahe von einem Bus zerquetsch.
Egal, wir sind wieder im Knutschi, ein paar Einheimische verdienten an uns eine goldene Nase und lachen über die Touristen, aber wir haben wieder unser Ruhe und leben noch.
Wir sind wieder weg von den Touristen und werden wie Könige behandelt
Der gestrige Markttag in Marrakesch gibt mir noch viel zu denken. Irgendwie konnte ich die Eindrücke gar nicht richtig aufnehmen, viel zu stark war ich konzentriert auf „Nein“ sagen, Abwinken und abwimmeln. Im Nachhinein muss ich sagen, wir hätten den Markt eher ende Tour anfahren sollen und nicht grad zu Beginn. Das Erlebnis wäre dann wahrscheinlich noch intensiver gewesen und man hätte sich auch mehr getraut. Aber man lernt eben nie aus.
Entsorgung unter Palmen in Marrakesch
Heute Morgen bei Sonnenschein und 26 Grad entsorgen wir unter Palmen und fahren dann weiter auf der Autobahn Richtung Süden. Wir bewundern die karge Gegend, rote Berge, sandige Ebene und freuen uns, wenn wir nach Agadir endlich die meiste Strecke gefahren sind und die Autobahnen meiden können.
Anita fährt, ich navigiere. Sie macht das super im Gewühle vom Grossraum Agadir, gibt nicht immer jedem Taxi nach und weicht auch den Eselsgespannen auf der Autostrasse gekonnt aus. Den anvisierten Campingplatz finden wir nach insgesamt drei Stunden Fahrt auch sofort, auch wenn wir dafür irgendwo im Niemandsland sind. Erst ganz kurz vor dem Meer taucht dann das Dörfchen Sidi-Wassay auf und der Camping ist nicht zu übersehen.
Wir sind wieder neben einem deutschen Wohnmobilpärchen die einzigen Gäste, bekommen vom freundlichen Platzchef Instruktionen, was wir wo im Dorf kaufen können. Nach den Ausführungen solle es drei Supermärkte und eine Bäckerei geben. Da wir uns mit Wasser und Brot eindecken müssen, laufen wir also los. Und tatsächlich, keine 100m vom Campingplatz finden wir die Bäckerei. Allerdings sind die nicht so, wie man sie von uns her kennt. Es ist eine Privatwohnung an der staubigen Dorfstrasse, mit einem grossen Fenster zur Strasse hin. Dort hat es hinter dem Fenster etwa vier verschiedene Gebäckarten ausgestellt und mehr sieht man nicht, da ein Vorhang gezogen ist. Allerdings hören wir Stimmen aus dem Innern und machen uns mit einen freundlichen und lauten „Bonjour“ bemerkbar. Sofort kommt Fatima mit einem Strahlen hinter dem Vorhang hervor und freut sich sichtlich, dass sie Kundschaft hat. Wir fragen nach Brot und sie verschwindet wieder und kommt einigen Sekunden später mit einem Fladenbrot nach vorn. Wir nehmen zwei, decken uns noch mit ausgestelltem Gebäck ein (wie sich später herausstellt, wirklich HERRVORRAGEND) und fragen danach nach dem Preis. Alles zusammen 8 Dh, etwa 80 Pfennig. Wir geben 10 Dh und werden noch mehr angestrahlt. Sie stellt sich vor und ruft sofort Anita hinter die Theke, wo ich dann von Beiden noch ein Foto machen darf.
Anita und Fatima in der Bäckerei
50m weiter kommt dann der erste Supermarkt, ca. 4m2 gross und vollgestopft mit Sachen, aber kein Wasser. Wir stehen auf der Strasse und sagen dem Verkäufer, was wir kaufen möchten, dieser bringt es dann nach vorne. So läuft das überall hier. Wir kaufen eine Aprikosen Konfitüre für 6 Dh und decken uns dann mit 5l Wasserkanister im folgenden Geschäft, etwa 6m2 gross, ein.
Ich glaube, nach unserem 10 minütigen Einkauf kennt uns schon das ganze Dorf, denn jeder begrüsst uns sehr, sehr freundlich.
unsere neue Garderobe von Gestern
Uns gefällt Marokko schon jetzt extrem gut!
Wieder zurück im Womo geniessen wir einen fantastischen Sonnenuntergang über dem Meer und sind einfach nur glücklich! Was will man denn mehr?
Schmuck, marokkanisches Kochgefäss und Teekrug, Kohle und Esswaren und dabei haben wir das Gefühl, gut eingekauft zu haben.
Wir lieben die Marokkaner! Wir sind ja nun ziemlich im Süden von Marokko und es ist einfach super. Zuerst bewunderten wir den super Strand von Sidi Wassay und den fast völlig leeren Stellplatz mit perfekter Meersicht und danach unternahmen wir einen Spaziergang, dorthin wo die Wüste auf das Meer trifft.
Wir konnten uns fast nicht sattsehen, beschlossen dann aber doch, weiter nach Tiznit zu fahren. Es waren zwar nur 40km aber genauso faszinierend. Die Hauptstrasse war sehr gut ausgebaut, nur an die Geschwindigkeitsbegrenzung sollte man sich unbedingt halten. Schon zum vierten Mal sahen wir die Polizei mit ihren Radarpistolen die Geschwindigkeiten messen, wir waren aber immer richtig. Und praktisch an allen grösseren Ortsein- oder Ausgängen werden Kontrollen gemacht, wir als Ausländer mussten aber noch nie anhalten und die bereitgelegten Nagelbretter kamen bei uns auch noch nicht zum Einsatz.
Als wir dann Tinzit erreichen, war der Campingplatz auf sehr alten, fast unleserlichen Tafeln aber dennoch gut gekennzeichnet und wir fanden einen schön sonnigen Platz direkt an der Stadtmauer. Es hat hier doch einige Womos, praktisch alles Franzosen. Und wie immer werden wir sehr freundlich empfangen und das Check-In geht problemlos.
Weil wir so nahe im Stadtzentrum sind, stürmen wir sogleich darauf los und sind gespannt, was uns erwartet. Wir schlendern durch das Stadttor, bleiben auf der Hauptstrasse und kommen an Früchteständen, Metzgereien, Gemischtwarenläden und was weiss ich noch vorbei. Es herrscht ein reges Treiben. Wir kaufen Minze für den Marokkanischen Whisky (süsser Tee), Fladenbrot und ein Baguette. Eventuell machen wir heute Abend noch Fondue.
Zurück im Womo laden wir das unterwegs halb gegessene Fladenbrot und den Rest ab und marschieren schon wieder ins Zentrum los. Dieses Mal mit Tasche, damit wir etwas mehr kaufen können.
Es hat nun noch mehr Leute aber es ist hier viel angenehmer wie in Marrakesch. Keiner quatscht einem an, keiner ist aufdringlich, man kann ungestört schauen und schlendern. Einfach nur Top! Anita will so ein marokkanisches Teeservice, also halten wir bei einem Eselkarren an, der solche Kannen geladen hat. Der alte Verkäufer zeigt uns verschiedene Modelle von Teekrügen und schnell haben wir einen schön silbrig glänzenden mit sechs verzierten Gläsern gekauft. Handeln ist irgendwie gar nicht nötig, es kostet insgesamt nur gerade 45Dh (4.50€). Voller Stolz marschieren wir in den immer enger werden Gassen weiter. Der absolute Renner hier bei den Kindern sind rot, blau, grün und orange gefärbte junge Hühnerkücken! Viele kaufen da die farbigen, lebendigen Bibeli und den ganzen Abend piepst es immer wieder aus Kartonschachteln, die Kinder freudestrahlend nach Hause tragen.
Auch wir werden frecher, betreten Geschäfte, fragen die Verkäufer, verhandeln (nicht viel, es ist so günstig hier) und Anita kauft ihre farbigen Stofftücher, auf die sie schon lange ein Auge geworfen hat. Drei Stück für insgesamt 90 Dh, und sie sind echt schön, muss sogar ich sagen. Es ist hier 10x günstiger wie in Marrakesch, die Leute freundlicher und so kommen wir in einen Kaufrausch. Denn wir wollen schon lange so eine Tajine (marokkanisches Kochgeschirr in Kegelform) aus Ton. Der ca. 90 jährige Verkäufer erklärt uns ganz genau, wie man darin Couscous macht, verpackt alles in Zeitungspapier und verlangt danach 45 Dh. Da verhandeln wir echt nicht mehr, die 4€ 50 ist uns das allemal wert. Wir fragen ihn aber danach noch, wo man denn dafür noch Kohle kaufen kann. Er schickt uns Richtung Polizeiposten, dort soll es in einer Garage Kohle zu kaufen geben. Allerdings finden wir diese Garage nicht und fragen dann einen ärmlich aussehenden Jüngling. Er strahlt über das ganze Gesicht und führt uns in einen Hinterhof, wo kiloweise Kohle in Säcke abgefüllt werden. Wir nehmen drei Kilo, bezahlen 21 Dh, geben dem Jüngling für das Zeigen auch noch 5Dh.
Er strahlt über das ganze Gesicht, nimmt mir die Kohle und die Tajine ab und sagt, wir müssen unbedingt noch mit ihm kommen. Er kenne noch einen Handwerkshop der Berber, wo alles selber gemacht wird, nicht solche Chinaware wie in Marrakesch. Eigentlich wollen wir ja nicht, aber wir laufen ihm hinterher, er schwatzt und schwatzt, und schon sind wir in so einem Berbergeschäft. Der Chef dort ist sehr freundlich, nicht aufdringlich, zeigt uns die Werkstatt und erklärt, wie das hier abläuft. Das was uns gefällt können wir in eine Tonschale legen und er sagt uns am Schluss dann den Preis.
Anita verliebt sich sofort in so ein wirklich schönes Stück, Fingerring und Armreif, verbunden mit einer Silberkette. Ich schlucke schon mal leer und lege das Stück in die Tonschale. Anita strahlt über das ganze Gesicht und ich überlege mir, was ich denn für dieses Ding bereit wäre, zu bezahlen. Ich muss aber sagen, dass sie von mir schon lange keinen Schmuck mehr bekommen hat und das Stück ist wirklich sehr schön, gefällt mir ausserordentlich gut und es steht ihr super. Zähneknirschend komme ich dann mit mir zum Schluss, dass ich dafür schon 100€ bezahlen würde, bin aber nicht sicher, ob das wirklich reicht.
Dann beim entscheidenden, gespannt herbeigesehnten Moment der Verhandlung, will der Berber 450 dH (ca. 40 €) mir bleibt grad die Spucke weg und bin so baff, dass ich als Gegenangebot nur gerade 400 Dh rausbringe. Schnell haben wir uns auf 425 Dh geeinigt und wir verlassen das Geschäft wirklich mit einem guten Gefühl. Klar, wir hätten noch mehr Handeln sollen, aber echt, es war auch so ein Schnäppchen! (nicht ironisch gemeint, sondern ehrlich). Sofort ist der Junge von vorhin wieder da und trägt uns unser ganzes „Gepäck“ bis zum Eingang des Campings. Dort fragt er eher scheu, ob wir vielleicht nicht noch ein T-Shirt oder eine Hose für ihn hätten.
Ich hole ein T-Shirt von meinem Kleiderstapel und bringe es ihm vor dem Campingplatz. Er strahlt wirklich und verabschiedet sich überschwenglich von uns.
Wir sind echt zufrieden hier und wie gesagt, 10x besser wie in Marrakesch! Das Fondue haben wir ganz vergessen, Anita kocht einen feinen Whisky, läuft mit Schmuck und Kopftuch als Marokkanerin durch den Campingplatz und strahlt über das gesamte Gesicht. (Fotos folgen morgen)
Wenn das kein perfekter Tag war!
Ein paar persönliche Gedanken über die Kultur unseres Ferienlandes
Ich geben es zu, ich bin nun zum ersten Mal in einem wirklich muslimischen Land. Auf der Strasse, am Markt und überall gehören verschleierte Frauen zum Alltag. Einige tragen nur ein Kopftuch, bei andern sieht man nur die Augen. Wenn in unserem Dorf zu Hause eine solch ganzverschleierte Frau entgegenkommt, schiessen mir viele Gedanken durch den Kopf und dann eher negative. „Warum passt sich diese Frau nicht an in unserem Land?“ „Macht sie das freiwillig?“ „Sie sieht aber gefährlich aus!“ und ähnliches.
Und hier plötzlich ist alles anders. Ich freue mich richtig, wenn solche Frauen uns entgegenkommen, in farbigen Gewändern, lachend, tratschend und freundlich. Bei manchen sieht man nur die Brille, bei andern vermutet man eine ältere oder jüngere Frau unter den Gewändern. Und es sehen bei weitem nicht alle gleich aus! Einige haben einen tollen Gang, andere kunstvoll gewundene Kopftücher oder leuchtende Augen, manche Figurbetont, andere eher in alten Bademänteln. Die einen gestresst schnell gehend, die anderen schlendernd, einige grüssen freundlich, andere gehen stumm vorüber. Aber keine einzige ist bedrohlich, gefährlich oder abweisend, und das, obwohl wir ja ganz anders gekleidet sind. Klar, es gibt auch Marokkanerinnen, die so gekleidet sind wie wir, vor allem die Jungen, aber ebenso viele Junge sieht man in den traditionellen Gewändern, alles bunt gemischt.
Ich glaube nicht, dass mir in solch einem Gewand wohl ist. Wir haben sogar so ein Gewand gekauft und obwohl fast alle so rumlaufen, getraue ich mich nicht, es zu tragen. Ich fühle mich einfach nicht wohl, bin nicht ich selber. Da fühle ich mich in Jeans und T-Shirt einfach sicherer, auch wenn alle anderen anders rumlaufen. Und warum soll das den verschleierten Frauen in der Schweiz anders ergehen? Wenn sie plötzlich in Blusen und Röcken auf die Strasse müssten, die würden sich ja so fühlen, wie wenn wir nackt die Zürcher Bahnhofstrasse hochlaufen müssten.
Ich nehme mir fest vor, die nächsten verschleierten Frauen in der Schweiz freundlich zu grüssen und nicht einfach nur negative Gedanken zu zulassen.
Und zum andern, obwohl man hier nicht mal die Gesichter ganz sieht, gibt es hübsche und weniger schöne Gestalten. Durch die Art, wie sie sich kleiden, gehen, bewegen und sprechen teile ich sie unbewusst in sympathisch oder nicht ein. Wäre das nicht viel schlauer auch bei uns? Bei uns ist doch unter den Frauen ein Kampf ausgebrochen, wer ist die hübscheste, wer gefällt am Besten. Und die Auswüchse mit vollschlanken Weibern in engen Leggins, Knochengerüsten in Miniröcken, blondgefärbten Haaren der 70jährigen, ist doch überhaupt keinen Fortschritt im fortschrittlichen Europa. Und warum darf bei uns denn eine 50jährige keine grauen Haare haben? Der Wettkampf um Aufmerksamkeit bei unseren Frauen nimmt doch extreme Auswüchse an, und wir Männer machen da voll mit.
Da bewundere ich hier die Sitten und Gebräuche, ohne dass eine Frau sich als Sexobjekt fühlt, kann sie sich doch mit verschiedenen Faktoren von der Mehrheit abheben, egal welche Figur und Aussehen sie hat. Manchmal ist das neue eben nicht besser.
unseres Reisestrecke