Die Strassen in Lettland sind holprig, sehr holprig, also schauen wir, dass wir nach Litauen kommen.
Lettland mag uns nicht so richtig begeistern, auch weil die Strassen holprig sind, sehr holprig. Lieber flicken wie neu asphaltieren. Das dürfen sie natürlich, die Letten, und wir als Ausländer sind die letzten, die da reklamieren können. Aber die Fahrrillen sind heute noch viel, viel schlimmer wie gestern. Und wenn dann noch das Verkehrsschild „Achtung Bodenunebenheit“ kommt, heisst es auf die Bremse stehen. Entweder kommt dann so ein richtiger Kamelbuckel oder die Strasse ist so holprig, dass wir statt den erlaubten 90km/h gerade mal 50km/h fahren können. Unser Knutschi ächzt und stöhnt und wir überlegen uns nun echt, 16-Zoll-Räder zu kaufen und Luftfederung zu montieren. 5km vor der Grenze zu Litauen geht die geflickte Asphalt-Strasse dann endgültig in Naturstrasse über und es holpert genau gleich weiter, jetzt ziehen wir zusätzlich einfach noch eine riesige Staubfahne hinter uns her.
Dann erscheint das Schild „Lietuvos Respublika“ und genau auf den Meter ab diesem Schild ist die Strasse wieder schön asphaltiert und picobello. Schon nach wenigen Kilometern Fahrt auf Litauischen Boden müssen wir einfach zum Schluss kommen, dass es Estland und Litauen viel besser geht wie Lettland. Warum ist das wohl so? Alle drei traten zum gleichen Zeitpunkt in die EU, erhalten von dort wahrscheinlich in etwa gleich viel Geld und haben historisch auch ähnliches durchlebt. Den Unterschied finden wir aber frappant.
Erster See in Litauen: wer hat den Stöpsel gezogen?
Egal, wir geniessen nun Litauen, tanken sehr günstigen Diesel (1.11€), bewundern die toll gemachten Rastplätze und sehen wieder sehr viele Storchennester mit Störchen bei den Bauernhöfen und am Strassenrand.
Irgendwann kommen wir in die Stadt Klaipeda, sie ist erstaunlich gross und wir müssen dort die Fährverbindung auf die Halbinsel der Kurischen Nehrung finden. Dank Navi geht es dann doch ziemlich einfach, wir bezahlen 30€ Fährpreis für die 200m Fährfahrt und sind danach auf dieser Halbinsel. Die gesamte Halbinsel ist schmal (wenige 100m) aber richtig lang, etwa 80km. In der Mitte kommt aber die russische Grenze und da wir kein Visum haben, bleiben uns 47km auf dieser Halbinsel. Die Halbinsel ist ein Naturreservat und mit dem Wohnmobil darf man ganz genau an einem einzigen Ort übernachten: auf dem einzigen Campingplatz der gesamten Halbinsel 2km vor der russischen Grenze.
Wir erreichen den Campingplatz problemlos, die Schranke ist aber geschlossen und niemand in Sicht. Also telefonieren wir der angegebenen Nummer und eine freundlicher Herr nimmt ab und erklärt uns alles telefonisch was wo ist. Er komme erst morgen vorbei und er schaue nun, dass jemand die Schranke öffnet. Keine 30 Sekunden später öffnet wie von Geisterhand diese Schranke und wir können auf den Platz fahren.
Zuerst krieche ich mal unter unser Knutschi, wir haben momentan eine ziemlich lange Liste von Verbesserungsvorschlägen und Optimierungen, die wir angehen wollen. Aber zuerst müssen wir mal herausfinden, warum das Wasser vom Küchentrog nicht abfliesst und wenn es abfliesst kommt es nicht im Grauwassertank an, sondern rinnt schon vorher in die Freiheit. Das Abwasserrohr ist nicht mehr mit dem Abwassertank verbunden und es sieht irgendwie aus, als ob es eingegangen oder geschmolzen wäre. Ich habe ja vor ein paar Jahren eine extra Duschablaufheizung installiert wegen dem eingefrieren des Duschablaufs. Ich glaube, ging irgend etwas schief und es wurde so warm, dass das Roh schmolz. Das würde auch unseren unerklärlichen Stromverlust vor ein paar Tagen erklären. Und das allerbeste, der beheizte Duschabluss ist in Wirklichkeit der Küchenabfluss. Ich Depp habe auch noch das falsche Rohr isoliert und beheizt!! Hoffentlich hat niemand meinen Blog als Vorlage für das Nachbauen benützt. Da komme ich nun schön flach raus!
Aber wie weiter? Das Rohrwinkelstück und das Anschlussstück an den Grauwassertank muss neu gemacht werden. Aber selber kann ich es nicht, ich kann ja nicht unter dem Womo liegend dort alles ersetzen, ich muss also irgendwo eine Hebebühne haben. Oder weiss jemand in Polen eine gute Womowerkstatt? Dann könnten wir es dort beheben lassen. Aber wenn ich in so eine Werkstatt telefoniere und ihnen genau erkläre, was für ein Stück ich brauche, fehlt anderntags ein Carado-Wohnmobil in Deutschland, oder mindestens das gleiche Rohrstück…. (sorry, das musste jetzt sein, ist aber als Scherz zu verstehen)
Auf dem Campingplatz ist noch ein anderes uralt-Womo oder Expeditionsfahrzeug eines Deutschen auf dem Platz, und sonst sind wir alleine. Selbstverständlich tauschen wir da noch Erfahrungen aus und wir werden gewarnt, dass die Nebenstrassen in Polen auch nicht besser seien. Er fahre morgen nach Russland weiter, denn heute müsse er noch warten, sein Visum sei erst ab morgen gültig. Mischt, warum haben wir kein Visum für Russland beantragt?
Etwas später findet Anita auf dem Campingplatz noch einen Grill, wir sammeln Holz zusammen, machen ein Feuer und braten noch unsere Pouletschenkel schön knusprig. Wir stinken zwar jetzt richtig nach Rauch, auch unser Knutschi, aber das stört ja niemand hier.
Wir besuchen heute grad die zwei bekanntesten Sehenswürdigkeiten Litauens und sind begeistert
Wir erwachen auf dem ruhigen Campingplatz und wissen nicht so recht, was wir weiter machen sollen. Eigentlich wollten wir noch einen Tag hier bleiben und die Kurischen Nehrung unsicher machen. Aber wir sind vom Campingplatz etwas enttäuscht, weder warmes Wasser gibt es noch funktionierendes WLan und wegen den vielen Bäumen haben wir auch kein Internet über Sat. Von der gesamten Infrastruktur brauchen wir nix, vom Betreiber fehlt auch weit und breit jede Spur. Und wenn wir mit dem Womo den Platz verlassen wollen, müssen wir den Betreiber per Telefon anrufen, damit er die Schranke öffnet. Also rufen wir ihn an, werfen 23 € in den Briefkasten und fahren los.
der etwas verlassene Campingplatz
Wir fahren in die falsche Richtung und stehen 2km später plötzlich vor der russischen Grenze. Mist, falsche Richtung und schade, dass wir kein Visum für Russland haben, denn sonst könnten wir Kalingrad besichtigen und diese Abkürzung nach Polen nehmen. Aber da wir eben dieses Visum nicht haben, müssen wir umdrehen und die ganze Halbinsel oder 45km zurück fahren. Es gibt auf der schmalen Halbinsel nur gerade diese eine Strasse aber der Wald links und rechts ist einmalig. Einmal alles schräge Baumstämme, dann steht der ganze Wald wieder unter Wasser, dann mit Sicht auf die Dünen. Einfach fantastisch. Nur einen Kaffee oder sonst was kriegen wir nirgends, Montag ausserhalb der Saison alles zu, alles verlassen, genau gleich wie der Camping.
So kommen wir schnell beim Fähranleger an, können sofort auf die Fähre und die 200m zurück auf das Festland fahren. Und dann browsen wir los, meistens Autobahn Richtung Südosten. Wir kommen gut voran, fahren heute insgesamt 300km und erreichen unser Ziel Trakai problemlos. Das heisst, etwa 2km vor dem Städtchen müssen wir sofort auf einen Parkplatz fahren, denn wir sehen das Wasserschloss mitten Im See schon von weitem. Erste Fotos werden geschossen, vielleicht hat man ja nachher keine so gute Sicht mehr.
Danach fahren wir die restlichen 2km in das kleine Städtchen weiter und parken auf den vielen Parkplätzen. Auch hier ist wenig los, wahrscheinlich der krasse Gegensatz während der Saison.
Aber das Schloss ist von Aussen wunderschön, bilderbuchhaft und mit der Sonne Abends auch genau richtig beleuchtet. Wow, dieser Anblick hat es einstimmig auf die Webseite der 100 schönsten Orte mit dem Wohnmobil verdient (erfassen werde ich ihn aber erst, wenn wir zu Hause sind…).
Schloss Trakai, (Langzeitaufnahme 15 sec, nicht bearbeitet)
Wir spazieren umher, wollen irgendwo etwas feines Abend essen, aber finden nur gerade zwei Restaurants, die geöffnet haben. Immerhin. Zuerst parken wir aber unser Womo noch um, wir haben eingangs Dorf grad ein schöner Parkplatz gefunden, mit gratis und schnellem WiFi und Sicht auf’s Schloss. Alle Parkplätze im ganzen Dorf sind gleich teuer und mit dem gleichen System: Am Parkautomat 3 € einwerfen, Autonummer eintippen, Quittung hinter die Windschutzscheibe legen und irgendeiner der zahlreichen Parkplätze benützen. Wir dürfen jetzt für die 3 € bis morgen früh 8:30 Uhr hier stehen bleiben.
Danach watscheln wir los und essen ein feines Beefsteak mit Pommes und belegter Artischocke mit direkter Sicht auf das Schloss. Das Personal ist sehr freundlich, der Preis mit 14€ für diese tolle Lage echt günstig. Wir könnten es nicht besser haben. Na gut, wir haben nur 15 Grad hier, zu Hause hatten sie heute 29…
Morgen geht es nach Polen weiter…
Im Land der Lastwagenfahrer und Alleen besuchen wir heute keine Attraktionen und erholen uns einfach nur
Irgendwie sind wir nun etwas müde. Reisen ist anstrengend, auch wenn es wahnsinnig schön ist. Oder gerade deshalb? Wir haben nun jeden Tag mindestens irgendeine Attraktion, einen Foto-Hotspot oder sonst etwas Aufregendes besucht. Immer weiter, immer schöner, immer das gefühl, wir verpassen etwas. Damit ist heute nun Schluss.
Wir wollen einfach nur ein paar Kilometer machen, auf einem Campingplatz eine ruhige Kugel schieben und nicht überlegen, was wir alles verpassen könnten. Zudem machen wir nun den Schritt nach Polen, unserem Land Nummer 28, was wir mit dem Wohnmobil besuchen (nicht übernachtet aber besucht haben wir Liechtenstein, Belgien, Luxemburg, Monaco, San Marino und Bosnien Herzegowina).
Schon vor der Grenze zum Land der Lastwagen stehen wir in einem Lastwagenkonvoi. Vor uns hat es einen Unfall gegeben, die Strasse ist gesperrt. Wir warten ungefähr eine Stunde, bevor es dann wieder weitergeht. Mit dem Womo ist man da ja sehr gut bedient, wir haben einen Kühlschrank voll mit Getränken und Esswaren, dazu eine Toilette. Also nicht aufregen und seelenruhig warten, bis alles wieder frei ist. Und wir können ja Gott danken, dass wir bisher nie in einen Unfall verwickelt waren.
In Polen überschreiten wir dann wieder eine Zeitzone und haben nun auch endlich wieder die gleiche Zeit wie zu Hause. Die einte Stunde hat mir aber jeweils einen Vorsprung gebracht, beim veröffentlichen des Bloggs. Jetzt wird es dann wieder etwas später ;-)
Die Strassen werden nun etwas kurvenreicher, gesäumt von vielen alten Baumalleen und immer noch viele Storchennester entlang der Strassen. Störche sind anscheinend ziemlich gwunderige Tiere, denn wir sehen die Nester nur entlang der Strassen und dort, wo es Häuser hat. Nie irgendwo einsam auf einem Acker oder sonst in der Weite der Natur. Und in fast allen Nestern sehen wir auch die Jungtiere, die entweder gefüttert werden oder heisshungrig auf die Ankunft der Eltern warten. Immer ein schöner Anblick, der uns erfreut.
eines von vielen Storchennestern
Wir fahren einen Teil durch die Masuren, einfach wieder herrlich, wie viele Seen und Flüsse es hier hat. Schlussendlich kommen wir auf dem sehr grossen Campingplatz „Camp Park Sonata“ direkt an einem See an. Es stehen insgesamt zwei Wohnwagen und ein anderes Wohnmobil da. Und das erste Mal seit unserem Reisestart werden wir nun auf Deutsch begrüsst. Bis anhin mussten wir uns jeweils mit Englisch durchschlagen. Der Campingplatz eröffnete die Saison erst vor einer Woche und nun sei noch nicht alles bereit, meint der Chef. Wir sollen aber einfach an den See fahren und uns ein schönes Plätzchen aussuchen. Alles inklusive kostet der Platz gerade mal 14€ pro Nacht.
Wir richten es uns schön ein, Sicht auf den See und ins Grüne, machen natürlich ein paar Fotos und essen nun endlich die gestrigen gekauften schon gebackenen Pouletschenkel… Einfach mal nicht viel tun…
ein schöner von vielen Sonnenuntergängen
Für morgen hätte ich eben schon wieder eine Idee, die speziellen Schleusen des Oberlandkanal zu besichtigen. Es sind schiefe Ebenen, wo die Schiffe hinaufgezogen oder hinuntergelassen werden. Wäre doch mal was. Allerdings entfernen wir uns dann wieder etwas mehr von unserem Heim, das wir am 30. Erreichen sollten, momentan sind wir davon noch 1536km entfernt. Da liegt doch ein kleiner Umweg schon noch drin, oder?
Es plätschert auf das Dach und regnet in Strömen, ein guter Moment, auch noch einen tristen Ort zu besuchen.
Wir müssen erst gar nicht richtig erwachen, denn schon im Halbschlaf hören wir das Prasseln der Regentropfen auf das Womodach. Da nützt uns auch der schöne Platz am See nichts, Augen wieder schliessen, sich drehen und weiter dösen. Es ist der 38. Tag unserer Reise und das erste Mal, dass wir die Regentropfen auf dem Dach hören. Wir hatten bisher unglaubliches Wetterglück, und da macht es auch nichts, wenn es mal einen Tag regnet.
Irgendwann stehen wir dann aber doch auf, strecken den Kopf zur Tür hinaus und begutachten das Wetter. Grau in Grau, der Himmel in einer einfarbigen, hellen Suppe, keine Struktur, kein Kontrast. Der Regen ginge ja noch, aber bei diesem Himmel kann man gute Fotos vergessen. Hierbleiben, rumsitzen, erholen und nicht mal eine Möglichkeit haben, gute Fotos zu schiessen, der Horror. Bei so einem (Regen)Wetter kann es gute Fotos nur in einem Wald geben.
Und dann meint es das Schicksal, oder besser gesagt, Julia Schlüter besonders gut mit uns. „Kommt ihr an der Wolfsschanze vorbei?“ werden wir von ihr über Facebook gefragt. Wolfsschanze? Ist das hier in der Nähe? Kurze Zeit später wissen wir, dass dieses Führerhauptquartier von Adolf Hitler wirklich keine 20km von unserem Standort weg liegt. Wir wussten vorher nicht mal, dass das in Polen liegt aber zu diesem tristen Wetter passt dieses triste Ort ja hervorragend und im Wald liegt es auch noch (wegen den Fotos). Das ist eben der grosse Vorteil des Bloggschreibens, man bekommt immer und überall Tipps!
Der Entschluss ist dann schnell gefasst, wohin wir fahren werden. Auf schmalen Strassen durch Alleen und Wälder kommen wir kurze Zeit später dort an. Bezahlen Eintritt und parkieren unser Womo.
Irgendwie eine bizarre Stimmung, meterdicke Betonmauern, Bunker um Bunker, halb zerfallen, gesprengt und dann wiederum total vermoost mit Bäumen auf den Dächern. Die Natur holt sich ihr Gebiet zurück. Allerdings können wir das Ganze irgendwie nicht richtig einordnen, zum Teil Personal in Militärkleidung, dann eine Touristengruppe mit ihrem (Touristen-)Führer in schallendem Gelächter. Wir checken irgendwie nicht, ist das nun ein Mahnmal gegen den Krieg, ein Museum oder einfach eine Freizeitattraktion mit Grillstellen und Wohnmobilstellplatz? Wir als Schweizer haben ja keinen wirklichen Bezug zum Weltkrieg, ja wir haben nicht mal ein schlechtes Gewissen wegen Kriegen, schliesslich datiert der letzte Krieg auf Schweizer Boden von 1847 mit 150 Toten.
In etwas komischer Stimmung setzten wir im Regen dann unsere Fahrt fort. Wir passieren Baustellen um Baustellen, stehen im Stau fest und kommen irgendwie nicht vom Fleck. Das hebt die Stimmung nicht unbedingt, ich bin etwas angesäuert und nicht mal unser kleiner Eisbär, der die gesamte Reise mitmacht, kann mich etwas erheitern. Meine bessere Hälfte macht das Beste aus der Situation und schweigt.
da werden die Schiffe hochgezogen...
Aber dann kommen wir doch noch am Oberlandkanal an, an der Schleuse Buczyniec. Dort werden die Schiffe quasi auf einen Eisenbahnwagon verladen, 550m weit und 30m hoch gezogen und dann oben wieder ins Wasser gelassen. Sehr eindrücklich, wenn man das sehen könnte, wenn wirklich ein Schiff kommt. Die Anlage ist verlassen, die Saison beginnt erst in einer Woche. Schon wieder sind wir zu früh dran. Nicht zu früh sind wir aber für die Sonne, sie schaut tatsächlich zwischendurch durch die Wolkendecke und schon sieht alles ganz anders aus. Am Fusse der Schleuse gibt es einen schönen Stellplatz, auch er ist verlassen aber wir können trotzdem herrlich in der Natur stehen bleiben. Ringsum nur Vogelgezwitscher und schon werden die Fotos vor dem nächsten Regenschauer auch wieder gut…
... und hier wieder eingewassert
Morgen müssen wir tatsächlich Richtung Süden fahren, wer hat eine Idee, wo sich ein Stopp zwischen Danzig und Posen lohnt?
Eine wahnsinns Burg und eine tolle Besichtigung und plötzlich ist es schon ende Nachmittag
Wir hatten selten so einen romantischen Übernachtungsplatz wie heute und dennoch müssen wir weiter, denn sonst kommen wir nie nach Hause. Den kleinen Umweg über Rumpelstrassen und durch Baumalleen nach Mazurow (Marienburg) nehmen wir aber trotzdem in Kauf. Wir haben nur knapp 50km zu fahren und kommen darum ganz erholt an. Am anvisierten Parkplatz sollten wir 50 Zloti Münz in den Automat werfen. Soviel haben wir natürlich nicht dabei und die polnische Parkplatzwärterin, die keine einzige Silbe englisch spricht, will partout nicht, dass wir die Kreditkarte benützen. Warum ist und bleibt ein Rätsel. Sie will uns irgendwie nicht auf dem Parkplatz. Na dann, fahren wir halt weiter, im letzten Moment schwenke ich dann aber auf den sehr schönen Stellplatz grad hinter dem Parkplatz ab. Wir brauchen ihn eigentlich nicht, denn wir wollen ja weiter.
unterwegs in einer der vielen Alleen
Der Empfang da ist sehr freundlich und der Platzwart strahlt über beide Ohren. Er erklärt alles, wo was liegt und will dann pro Nacht für zwei Personen und Womo 50 Zlotis. Häh? Gleichviel wie auf dem Parkplatz ohne nix? Und hier ist es viel schöner, mit See und direkter Sicht auf die Burg, die sehen wir schon von hier aus. Da zahle ich natürlich gerne, auch wenn wir nicht bis morgen bleiben wollen. Also dieser Stellplatz ist wirklich zu empfehlen (54.045200, 19.025835).
Wir packen unsere Fotoapparate und marschieren sofort zur Burg los. Es sind keine fünf Minuten und wir machen die ersten tollen Fotos. Allerdings sind dann der Eingang und der Ticketverkauf genau auf der gegenüberliegenden Seite und so bekommen wir einen ersten Eindruck von der Grösse dieser Burg des Deutschritterorden und später der Polnischen Könige. Wir haben den Tipp bekommen, unbedingt das Museum zu besuchen. Wer uns kennt, weiss, dass wir ja nicht die Museumstypen sind, aber auf diese Empfehlung hin lösen wir den Eintritt.
Und was für ein Museum! Die gesamte Burg ist das Museum! Wir bekommen ein Audioguide-Kästchen um den Hals mit Kopfhörern, Jakob unser deutsch akustische Reiseführer leitet uns sofort ab dem Kauf der Tickets perfekt um das ganze Schloss, darin umher, in verschiedene Ausstellungen und das alles via GPS und WIFI und was weiss ich wie gesteuert. Wir müssen nichts machen, nur zuhören und den Anweisungen folgen.
Es ist echt fantastisch gemacht und wir kriegen von allem einen Eindruck und viele Hintergrundinformationen: Bernstein, Waffen, Bau, Münzprägungen und das gesamte Leben in der Burg in der damaligen Zeit. Nach zwei Stunden drücken wir beim Kästchen auf Pause und gehen in das Burgeigene Restaurant Gothic eine Pause machen.
Was ist denn das für ein Schuppen! Alles alte, gotische Grund-Menus, auf die heutige Zeit angepasst. Wir können uns schon fast von der Speisekarte nicht losreisen, da dort alles auch auf Deutsch erklärt wird, wie das früher gemacht wurde. Als wir endlich bestellen, erklärt uns der junge Kellner, dass er noch am Lernen ist und vielleicht noch nicht alles perfekt mache, aber er würde uns als Vorspeise die frischen Brötchen der Küche empfehlen. Klar bestellen wir die und ich kann euch sagen: wir haben selten so gut gegessen wie hier in der Burg. Das können wir unbedingt empfehlen.
Vollgegessen gehen wir mit unserem Jakob dann weiter, aber ganz ehrlich, im Klosterteil können wir dann nicht mehr und kürzen ab. Diese Audioführung ist zwar der Hammer, aber sie dauert zwischen 2,5 bis 3,5 Stunden.
Zurück beim Womo, überlegen wir, was wir machen sollen. Den Stellplatz haben wir bezahlt, wir könnten also hier bleiben und er ist wirklich sehr schön gemacht. Aber wir entschliessen uns, doch weiter zu fahren, denn sonst kommen wir ja nie nach Hause. Wir sind schliesslich immer noch in Nordpolen.
Per Autobahn geht es dann noch rund 160km weiter nach Torun, dort habe ich einen Parkplatz gefunden, der grad bei der Altstadt und am Ufer der Weichsel liegt. Ich habe Anita versprochen, dass sie heute nicht kochen muss und wir auswärts essen gehen. Aber als wir bei diesem Parkplatz ankommen, sind wir immer noch gesättigt vom Essen in der Burg. Dennoch machen wir noch einen kurzen Spaziergang in die Altstadt.
Und hier fällt uns wieder der Kinnladen runter: Backsteinkirchen und Kathedralen, eine grosse Fussgängerzone und noch echt viel los. Wir haben in unserem Leben noch nie von dieser Stadt gehört, aber sie stellt einiges in den Schatten, was wir bisher kannten.
Polen, wir lieben dich immer mehr! Die Zeiten sind vorbei, als ich nach der ersten Nacht zuerst nach draussen ging, um zu schauen, ob beim Womo die Räder schon geklaut sind…
Auch der Parkplatz entpuppt sich als wahre Perle, wir stehen mit den Fenstern direkt an der Weichsel, kommen vom Parkplatz nichts mit über und denken, wir sind mitten im Grünen.
Nur das Internet klappt nicht richtig, bis ich meine WLan-Verstärker-Antenne anschliesse und sofort einige WLans empfange. Das mit dem besten Empfang ist vom Hotel Copernicus, aber verschlüsselt. Bei Hotel-WLans sind die Passwörter nie wirklich einfallsreich, also probiere ich zuerst den Hotelnamen und wumm, schon bin ich drin.
Schnelles Internet, schöne Aussicht, tolle Frau, was will man mehr? Tja, nur fünf Fotos von heute auswählen, das wir eine echte Höllenqual…
unseres Reisestrecke