Wenn wir nicht schon lange Fan von Lappland wären, hätten wir es heute werden müssen.
Schon um 6 Uhr weckt uns die Sonne bei allerschönstem Wetter aus unseren Träumen. Bei so einem herrlichen Wetter können wir einfach nicht unter unseren Decken bleiben. Also streune ich auf dem Platz herum und hoffe insgeheim, jemand anzutreffen, um ihn zu fragen, ob wir nicht heute eine Schneemobil-Tour machen könnten. Der Campingplatz schläft noch, oder besser gesagt, er ist verlassen, wir sind ja die einzigen Gäste und von der Besitzerfamilie ist auch niemand hier. Aber dann entdecke ich den Spark, ein einfach genialen Schlitten, den wir schon ganz viele Male in Skandinavien gesehen haben. Benützt von alten Leuten, Kindern, Müttern oder einfach von jedem. Manchmal gebraucht als Rollator, als Einkaufswagen, als Transportmittel oder als Sitzgelegenheit. Der Schlitten ist kurz und hat hinten erhöhte Griffe, aber seine Kufen reichen etwa einen Meter hinter den Schlitten mit der Möglichkeit, darauf zu stehen. Die Kufen sind ziemlich dünn und nur aus Stahl, so lassen sie sich seitlich verbiegen und man kann Kurven fahren. Ist ja klar, dass wir den sofort ausprobieren müssen.
Einfach genial das Ding, ich glaube, es ist das Beste Fortbewegungsmittel auf Schnee, dass es gibt. Am liebsten würde ich so einen grad einpacken und nach Hause nehmen.
Danach studieren wir die Karte, nehmen einen Kalender zur Hand und legen in ungefähr unsere Reiseroute für die nächsten Tage fest. Wir müssen ja auch schauen, dass wir nicht zu früh oder zu spät zu Hause sein werden. Wir waren am nördlichsten Punkt von Europa und sind nun ziemlich östlich. Wir könnten ja den östlichsten Punkt von Europa grad auch noch besuchen? Aber wo liegt der? Europa ginge ja bis zum Ural, aber Russland gehört meiner Meinung nach nicht dazu, ebenso wenig die Ukraine und Weissrussland. Das würde also heissen, dass der östlichste Zipfel von Finnland auch der östlichste Punkt Europas ist. Nach finnischer Strassenkarte und Google Maps ist der Punkt 62.747428, 31.404103 das östlichste, was man mit dem Womo erreichen kann (oder hat jemand einen anderen östlichsten Punkt?). Also werden wir diesen Punkt besuchen. Aber nicht mehr heute, heute geht es gemütlich weiter.
Als um 10 Uhr immer noch keine Menschenseele anzutreffen ist, packen wir zusammen und fahren los. Allerdings haben wir ein Luxusproblem: nach der Einreise nach Norwegen haben wir 2000 Kronen gewechselt und jetzt haben wir noch 2400 Kronen. Wir bekamen die Mehrwertsteuer von Anitas Stiefeln direkt im Laden bar ausbezahlt... Die müssen wir ja irgendwie brauchen, man weiss ja nicht, wann wir wieder hier sein werden. Also tanken wir unser Knutschi trotz des teureren Diesels noch in Norwegen voll, kaufen einen weiteren Pølse und überqueren kurze Zeit später die Grenze nach Finnland.
Die Fahrt ist wieder einmal unvergesslich: weisse Landschaft, weisse Strasse, lichter Wald und nur ganz selten irgendein Auto. Die Schneehöhe unterschätzen wir immer noch ganz krass, wenn wir etwas in den Schnee weg von der Strasse wollen, um ein Foto zu schiessen. Wir können uns nur auf Wegen und Schneemobiltouren fortbewegen, brauchen also doch noch unbedingt Schneeschuhe.
viel mehr Schnee wie es aussieht (gut, Anita ist ja auch klein)
In Inari, der ersten grösseren Siedlung suchen wir aber Schneeschuhe vergeblich, aber wir besuchen dort Siida, eine Ausstellung und Museum der Sami. Wir sind echt begeistert, es ist toll gemacht und wir erfahren endlich alles über die acht Jahreszeiten der Lappen, ihre Geschichten und die Tiere des Nordens. Alles ist sogar auch auf Deutsch beschriftet und wirklich einen Besuch wert.
Nach diesem Stopp schwenken wir auf die 955 Richtung Kittilä ab und durchfahren den Lemmenjoki-Nationalpark, den grössten in Finnland. Es ist einfach nur Traumhaft und wir saugen jeden Kilometer in uns auf und wir wollen da irgendwo übernachten. Aber wir müssen ganze 70km fahren, bis wir den ersten halbwegs geräumten Rastplatz antreffen. Alle anderen sind unter einem Meter Schnee begraben und auch andere Parkier Möglichkeiten gibt es keine. Wir müssen beim Rastplatz dann noch eine Bucht für unser Knutschi selber vom Neuschnee frei schaufeln, bis wir entgültig stehen können.
zuerst den Rastplatz freischaufeln
Wir sitzen in einer fantastischen Winterlandschaft, geniessen die Sonne, sitzen bei 3 Grad draussen, trinken Kaffee und geniessen die herrliche Ruhe. Wir sitzen etwa drei Stunden draussen, in dieser Zeit fuhren fünf Autos und drei Schneemobile vorbei. Wenn das nicht ein schöner Platz ist?
Jetzt warten wir auf den Sonnenuntergang und hoffen, vielleicht einen Elch zu sehen. Vielleicht fahren wir morgen ja auch um sechs Uhr weg, damit wir grössere Chancen haben. Die Elche benützen momentan die Strassen als Hauptverkehrswege ebenso, weil daneben einfach zu viel Schnee liegt.
Toivotamme sinulle hienon sunnuntain huomenna
Strahlendes Wetter und ein Traum geht in Erfüllung, aber nicht ganz ohne Komplikationen
Der Vorsatz, heute bei Morgengrauen abzufahren um Elche auf der Strasse zu sehen, wird eben bei diesem Morgengrauen über den Haufen geworfen. Wir haben Anlaufschwierigkeiten, um uns um halb sechs von unseren so bequemen Matratzen zu erheben. Die Elche sind uns in diesem Moment gar nicht mehr so wichtig.
Aber die Nacht muss kalt gewesen sein, an unseren Fenstern bildeten sich wieder Eisblumen, aber wie kalt, bleibt leider ein Rätsel. Unser Aussenthermometer hat auch Anlaufschwierigkeiten oder einfach keine Batterie mehr. Jetzt sollte ich unter das Auto kriechen, abmontieren, Batterien wechseln, wieder runter kriechen und montieren. Die erste Frage: wo und wie montiert ihr eure Aussenthermometer? Kriecht ihr auch unters Auto, um die Batterien zu wechseln?
Um neun Uhr krieche ich dann doch unter unser Knutschi. Es hat auch Anlaufschwierigkeiten, weil die Handbremse angefroren ist. Ich weiss, man sollte die Handbremse bei grosser Kälte nicht anziehen, aber wie macht ihr denn das, wenn ihr so schief steht, dass ihr auf einen Keil fahren müsst? Zieht ihr dann keine Handbremse an? Oder was habt ihr da für Lösungen?
Ich vermute Mal, dass die Handbremse die hinteren Räder blockiert und merke: ich habe keine Ahnung von dieser Art Bremse, wie sie unter dem Auto aussieht und wo sie genau liegt. Also hämmere ich mit einem Hammer (gute Idee, den mitzunehmen) überall um das Rad die dicken festgefrorenen Eisbrocken weg. Es tut sich danach aber immer noch nix. Also stecke ich unseren Föhn an und blase unter dem Auto liegend irgendwie in den Bereich Räder oder dorthin, wo ich die Handbremse vermute.
Ich stelle aber keine Verbesserung fest und versuche nochmals etwas vor- und zurück zu fahren. Dabei fällt mir auf, dass die Räder gar nicht blockiert sind, sondern nur die rote Kontrollleuchte der Handbremse leuchtet. Eventuell ist ja auch nur der Seilzug eingefroren? Die Bremsbacken können nicht an den Rädern angefroren sein, denn sonst würden die Räder ja blockieren. Also fahre ich mal 200m über rüttelige Stellen auf der Strasse, stoppe und schaue, ob irgendwo etwas glüht oder nach Gummi stinkt. Aber nichts dergleichen und der Handbremshebel lässt sich nun auch wieder normal anziehen und lösen. Problem richtig fachmännisch gelöst!
Und als wir dann endlich mit einer Stunde Verspätung losfahren können, geniessen wir die wunderschöne Fahrt über die nächsten 90 km. Auf dieser Fahrt sehen wir genau drei Pkw’s und ein Lastwagen. Und die Gegend ist superschön, strahlend weiss und blauer Himmel. Die Sami haben insgesamt acht Jahreszeiten und die jetzige Hankikanto (Frühlingswinter) sei die Schönste. Das empfinden wir hier im Herzen von Lappland auch.
Wir schätzen, dass hier mindestens 1.50m Schnee liegt, wenn nicht gar mehr. Und wir werden da wieder erinnert, dass wir eigentlich Schneeschuhe brauchen, wenn wir nur 5m neben die Strasse wollen. Über Levi erreichen wir dann schon gegen Mittag Äkäslompolo, dort soll es einen Stellplatz direkt neben der Langlaufloipe haben.
Zuerst fahren wir aber ins Dorf selber, denn es ist ein bekannter Ski-, Langlauf- und allgemein ein Sportort. Es hat mindestens drei grosse Sportgeschäfte, die wie die meisten anderen Geschäfte hier auch Sonntags offen haben. Kurze Zeit später besitzen wir echte, finnländische Tiefschneeschneeschuhe, das Beste vom Besten (nach dem Preis zu beurteilen).
Endlich können wir nun den Stellplatz anfahren und erschrecken: da stehen ja schon insgesamt mindestens 50 Wohnmobile und –wagen! Was ist denn hier los? Bis jetzt haben wir auf der gesamten Reise nicht so viele zusammen gesehen! Anscheinend sind wir in der Zivilisation zurück, auch wenn wir noch oberhalb des Polarkreises sind und es stehen nur Finnen hier, wir sind die einzigen Ausländer.
Knutschi hinstellen, Langlaufausrüstung aus der Garage kramen, uns in den Dress werfen und merken, dass dieser schon wieder kleiner geworden ist seit letztem Jahr. Gehen die denn immer ein? Nach einer riesen Portion Spaghetti Bolognaise zum Mittagessen starten wir unser Lappland-Langlaufabenteuer. Es war schon seit meiner Kindheit der Traum, einmal im Leben in Lappland mit den Langlaufskis in den Wäldern unterwegs zu sein. Es ist echt traumhaft, Loipen bis zum abwinken, Wegweiser in alle Richtungen, über Seen und durch Wälder und immer ganz einsam. Hin und wieder kommt uns ein anderer Skilangläufer entgegen, aber sonst sind wir sehr einsam unterwegs. Zum Glück machen die etwa 1000 finnischen Braunbären ihren Winterschlaf, denn wenn uns einer fressen würde, würde das hier gar niemand merken.
Das Problem ist dann nur der Rückweg, erstens weil wir in der Euphorie nicht daran gedacht haben, dass wir ja auch mal Müde werden und die Wälder und Wegweiser sehen alle so verdammt ähnlich aus! Hier waren wir doch schon mal! Siehst du irgendwo einen Campingplatz oder Wohnmobile? Ich habe Blasen, nimm doch einfach den kürzesten Weg! Wo ist denn der kürzeste Weg, verdammt nochmal? Wir müssen nur noch dort über den See! Nein, dort durch den Wald!
Langlaufwegweiser, sorry, die Linse des Fotoapparates war auf dem Heimweg vom Schwitzen angelaufen
Na egal, nach 25km Langlaufen kommen wir totkaputt endlich bei unserem Knutschi an und ich kann wieder einen Punkt in meiner Liste abstreichen, von den Dingen, die ich unbedingt einmal in meinem Leben machen will (es bleiben jetzt nur noch ganz wenige übrig).
Wir sind glücklich, frisch geduscht und völlig kaputt.
Ungefähr die Hälfte unserer Reise ist nun um, da haben wir uns einen Tag mit Nixtun verdient.
Es war bis anhin eine fantastische Reise, immer irgendwie auf Adrenalin: weil es so schön war, weil immer wieder Neues kam, weil nicht alles planbar ist, weil wir Angst haben, einen tollen Moment zu verpassen. Typisches Beispiel gestern Nacht: Womoblog geschrieben, gekocht, Haushalt gemacht und bereit, sich endlich mal hinzulegen und früh schlafen zu gehen. Ein letzter Blick aufs Handy, mein App der Nordlichter öffnen und erschrecken, trotz schlechten Prognosen soll nun plötzlich eine Wahrscheinlichkeit von 25% bestehen, an unserem Ort Polarlichter zu sehen. Also doch den Kopf zur Tür in die sternenklare Nacht halten um tatsächlich hinter dem Campingplatz einen grün schimmernden Himmel zu erspähen. Der Campingplatz ist hell erleuchtet, wenn wir diese Lichter also genauer anschauen wollen, müssen wir die 200m zur dunkeln Langlaufloipe marschieren. Schuhe anziehen, Jacke, Handschuhe, Mütze, Fotoapparat und Stativ packen und in die Kälte hinausziehen.
Und dann stehen wir da, starren in den Himmel und staunen einfach nur, mal ganz schwach, dann wieder ganz starke Lichter. Ich mache ein Foto am andern, habe Angst, dass der Apparat nicht richtig eingestellt ist und stehe schon wieder unter Adrenalin. Es folgt eine fantastische halbe Stunde mit Polarlichtern, ja keinen Blick vom Himmel wenden, wir könnten ja etwas verpassen.
Nordlichter über der Langlaufloipe
Und schon wieder ist es Mitternacht nach unserer Zeit, in Finnland sind sie eine Stunde voraus, das heisst also, es ist ein Uhr nachts. Wie soll man sich so in den Ferien erholen können? Und wie muss ich nun diese Eindrücke wieder verarbeiten?
Darum kommt der heutige Tag mit Schneefall und Wind grad richtig. Wir müssen keine Angst haben, irgend etwas zu verpassen. Ich grabe morgens unser Womo aus, erledige dann einige berufliche Pendenzen und Anita liest in Seelenruhe ihr neues Buch und beginnt zum etwa vierten Mal meine neue blau-weisse Mütze zu stricken. Die soll nun einfach perfekt sein und zur gekauften Winterjacke passen.
Als das Wetter etwas besser wird, marschieren wir zum nahegelegenen Supermarkt, kaufen das nötigste ein und verkriechen uns wieder im Womo.
Unser Dachboden im Hubbett hat sich total bewährt. Wir haben dort die Matratze rausgenommen und alle unsere Skikleider so auf das Bett versorgt. Wir können so die Kleider jeden Morgen frisch gebügelt in Empfang nehmen.
der herunterlassbare Kleiderschrank
Ich kann auch unsere weitere Route in Ruhe planen. Morgen geht es nach Rovaniemi, wir wollen natürlich den echten Santa Claus besuchen, dieses Mal mit Schnee. Bei unserem letzten Besuch hatten wir 28 Grad und das war nicht gerade romantisch. Abends ist dann noch die beste Polarlichternacht unserer Reise prognostiziert, also werden wir mit unserem Knutschi irgendwo hin fahren, wo es schön dunkel und einsam ist.
Übermorgen werden wir den Zoo in Ranua besuchen. Es sollen dort viele der arktischen und einheimischen Tiere gezeigt werden und es soll ein schöner Campingplatz angegliedert sein. Danach wollen wir dann den östlichsten Punkt der EU anfahren und erwandern. Schliesslich haben wir jetzt ja Schneeschuhe. Und wenn alles klappt, will ich dann um den Grenzstein laufen, das heisst, ich hätte meine Füsse zum ersten Mal auf russischem Boden, falls keine Grenzwächter in Sicht sind. Ein Visum für Russland haben wir nämlich nicht.
Es steht also noch viel an, ein weiterer Grund, heute einfach nur Kräfte zu sammeln.
Bei unserem Womo haben wir nun glaub ich jeden Winterkniff erprobt und ausprobiert, so dass wir in Zukunft überhaupt keine Angst mehr haben müssen, dass irgendetwas im Winter nicht mehr funktioniert. Auch die Ausrüstung ist optimiert, ebenso die Einrichtung. Z. B. unsere Kaffeemaschine, die hat nun vier Jahre jede Reise über holprige Strassen mitgemacht und noch nie hatten wir Probleme damit. Auch den Kaffee dafür fanden wir bisher vom Polarkreis bis nach Marokko, von Kroatien bis nach Frankreich immer in einem Supermarkt. Oder auch der Kühlschrank, der jetzt wieder optimal funktioniert.
Ich glaube, wir würden auch jetzt nochmals genau das gleiche Wohnmobil kaufen, denn unser Knutschi ist einfach perfekt. Als Luxus wäre eigentlich nur eine Ausführung als 4x4 Modell, das würde uns auf den jetzigen über 1000km auf schneebedeckten Fahrbahnen etwas mehr Sicherheit geben.
Eigentlich glauben wir nicht mehr, dass diese perfekte Reise noch perfekter werden könnte, aber wir täuschen uns.
Gestern Abend nach dem Schneefalltag verzogen sich plötzlich die Wolken und der Sternenhimmel kam zum Vorschein. Genau richtig für die Polarlichtsession. Wir sahen echt gute Polarlichter, aber um 22 Uhr war es einfach noch zu hell für top Fotos. Bei unserem Standort über dem Polarkreis wird jeder Tag nun mindestens 10 Minuten länger dauern wie sein Vorgänger, aktuell sind wir schon bei 15 Std. und 6 Min Tageslänge. Da bleibt schon nicht mehr viel Zeit übrig um eine dunkle Nacht zu erleben, vor allem wenn Schnee liegt. Astronomische Morgen- und Abenddämmerung findet schon gar nicht mehr statt.
Wir verschieben unsere Fotosession auf Mitternacht und kehren wieder zum Womo zurück, vor allem auch, weil es wieder unter -10 Grad kalt ist. Um halb zwölf tritt Anita vors Womo und klopft sofort an die Tür. Unser Zeichen, dass sich was am Himmel tut. Sofort warm anziehen, Fotoapparat schnappen und vor das Womo treten.
Und was wir dann sehen stellt alles Bisherige weit, weit in den Schatten. Am Himmel genau über uns ein Lichterregen in allen Farben, das Licht tanzt wild umher und es ist fast tageshell. Es ist besser wie jedes gesehene Feuerwerk! Bei den Fotos muss ich die Sekunden und die Iso-Zahl herunterschrauben, damit sie nicht überbelichtet werden. Ich mache aber gar nicht viele Fotos (und ein paar noch mit dem falschen Womo drauf) sondern staune nur und geniesse die Show.
Nach etwa fünf Minuten ist der ganze Glitzerglammer vorbei und die Polarlichter sind wieder „nur“ grün. Immer noch toll und einmalig, aber wir können uns von der vorherigen Show gar nicht erholen. Um Mitternacht ist dann alles mehr oder weniger vorbei und wir treten ins Womo. Wir müssen morgen etwas früher abfahren und da brauchen wir dringend den Schlaf. Wir schliessen alle Verdunkelungen und schauen extra nicht mehr zum Fenster hinaus, denn sonst schlafen wir noch lange nicht und erwarten immer die nächsten Nordlichter.
Morgens um 8 weckt uns neben dem Wecker schon die Sonne weit am Himmel oben. Wir packen zusammen, leeren unseren Urinkanister (der Feststoff-Behälter des WC’s haben wir immer noch nie geleert. Ist echt super so!), bezahlen den Campingplatz und wollen um 9 Uhr wegfahren. Wie immer starte ich vorsichtig den Motor, er kommt in die Gänge dreht aber etwas unruhig, so wie fast immer nach sehr kalten Nächten. Aber plötzlich nach ein paar Sekunden beginnt es zu Qualmen und zu stinken, ich stelle sofort ab. Was zum Teufel ist denn das wieder? Ich öffne die Motorhaube und als Nicht-Fachmann sehe ich genau gleichviel, nämlich nichts. Wie soll ich da etwas von einem Defekt merken, wenn ich nicht mal weiss, wie so ein Motor funktioniert? Ich sehe ein paar ganz wenige Eiszapfen und Vereisungen (meine Motorabdichtung zeigt also voll Wirkung) aber das kann doch das Problem nicht sein? Anita und ich raten, was wir machen sollen und was es sein könnte. Einzige Idee: nochmals probieren.
Also Motor starten und er kommt wie immer in die Gänge, dreht nun aber runder und kein Rauch und kein Stinken mehr. Auch alle Kontrolllampen erlöschen und nirgends zeigt es ein Problem an. Was war denn das vorher? Öl eingefroren? Also fahren wir vorsichtig Richtung Süden ab und alles geht gut.
Wir wollen heute bis nach Rovaniemi, also etwa 180km. Nach einer wieder wunderschönen Fahrt auf schneebedeckten Strassen ist sie plötzlich Eis- und Schneefrei. Das hatten wir nun doch schon sehr lange nicht mehr. Ich kann sogar den Tempomat einwerfen und wir cruisen mit 90km/h Richtung Stadt am Polarkreis.
In Rovaniemi fahren wir direkt zum Santa Claus Village aber wir wissen genau, dass etwa drei Kilometer vorher noch der Santa Claus Park kommt und das ist nicht das gleiche und dort wollen wir auch nicht hin. Vor vier Jahren bei unserem ersten Besuch hier haben wir dort nämlich noch eine oder zwei Ehrenrunde gedreht.
Mittags sind wir dann dort, wo der richtige und weltweit einzige Santa Claus wohnt und arbeitet. Wir haben bei ihm ja schon einen Besuch abgestattet und müssen ihn darum nicht noch einmal sehen. Wir wollen aber zum Santa Claus Postamt, wo seine Wichtel die Briefe erledigen. Wir kaufen Ansichtskarten und vor allem die Sonderbriefmarken, die es nur hier gibt. Und dann werden wir Postkarten schreiben und in den roten Briefkasten werfen. Die Briefe dort werden dann erst vor Weihnachten mit einem Sonderstempel abgeschickt und unsere Empfänger kriegen Post vom echten Weihnachtsmann!
Für die Souvenirläden haben wir nicht mehr so viel Zeit, denn um 13:45 Uhr müssen wir beim Artic Circle Snowmobil park sein, ein Haus des Santa Claus Villages. Ich habe da gestern per Mail naiv angefragt, ob es möglich wäre, heute eine 2-stündige Snowmobil-Tour zu buchen, aber wir kommen leider erst um 14 in Rovaniemi an. Die normalen Touren für die Touristen beginnen eben um 12 Uhr und da wir nicht Kolonne fahren wollen, fragte ich um einen Termin um 14 Uhr. Über diesen Veranstalter von Snowmobil-Touren habe ich bis jetzt nur immer gutes gelesen und war darum sehr gespannt, wie es ausgehen wird. Lange Rede kurzer Sinn: es hat hervorragend geklappt!
Anita und ich konnten alleine mit Roman, unserem Guide, ein 60km lange Snowmobil-Tour machen. Jeder auf einem eigenen Snowmobil und es war herrlich. Zuerst noch etwas vorsichtig wurden wir dann auf dem Kemijoki, dem längsten Fluss Finnlands, quer durch Rovaniemi immer etwas mutiger und rasten mit 70km/h über Schnee und Eis. Es ist schon cool, mit einem Schneemobil unter Brücken hindurch auf einem zugefrorenen Fluss dahin zu brausen. Später ging es dann durch Wälder auf Hügel, wir kamen an Picknickplätzen, Aussichtspunkten und schmalen Brücken vorbei, die wir überqueren mussten.
Aber ich muss sagen, von der Landschaft selber habe ich nicht so viel gesehen, ich musste voll Gutzi geben, damit ich Roman und Anita hinterher komme. Anita ist glaub ein Naturtalent für Schneemobile, denn ich habe gegen sie keine Chance. Ihr Geschwindigkeitsrekord heute: 80km/h.
Es war echt toll, ein super Erlebnis und auch eindrücklich, dass es genau gleich wie auf der Strasse Verkehrssignale, Hinweisschilder, Wegweiser und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Schneemobil-Strassen und Wege gibt. Ich bin ja nicht so ein Fan von allem was Motoren hat (ausser Womos), aber das hat mir echt gefallen!
Nach der Tour beschliessen wir, dass wir noch ein Stückchen weiterfahren und nicht im Santa Claus Village übernachten.
Irgendwie ist das Dorf und auch der Polarkreis viel schöner und interessanter, wenn man sich von Süden nähert. Kommt man von Norden, hat man das Gefühl, das Ganze sei schon wirklich touristisch und man kommt hier in die „Zivilisation“ zurück.
bei unserem Übernachtungsplatz
Jetzt stehen wir auf dem Vikaköngäs-Rastplatz, echt sehr schön und ich hoffe, ich könne dann Abends noch ein paar Langzeitaufnahmen von Fluss und Hängebrücke machen, und wenn sich noch ein paar Nordlichter zeigen, umso besser. Aber schöner wie Gestern, das geht einfach nicht und da mache ich mir auch keine Hoffnungen.
Nochmals Nordlichter und nun geht es langsam südwärts in die Zivilisation zurück
Gestern spät abends machten wir noch einen kleinen Rundgang um unseren Übernachtungsplatz und blieben bei einer tollen Feuerstelle hängen. Da es wieder ziemlich kalt war (ca. -8 Grad) entfachten wir in der Feuerstelle ein schönes Feuerchen und warteten auf die Nordlichter. Etwas später gesellten sich zwei Japanerinnen und ihr finnischer Guide zu uns. Die Japanerinnen sind genau zwei Tage in Finnland und haben nun einen Nordlichttripp gebucht. Also müssten wir da ja am genau richtigen Ort sein, wenn ein Guide mit denen hierher kommt.
Und tatsächlich, sind wir auch. Und schon wieder sehen wir fantastische Nordlichter! Wir sind einfach glücklich und dem finnischen Guide ist die Erleichterung anzumerken… Für uns wäre es nicht so schlimm gewesen, wenn die heutige Show am Himmel ausfallen würde, denn wir haben ein warmes, romantisches Feuerchen in einer fantastischen Landschaft.
versprochen, das letzte Nordlichtbild
Die anschliessende Nacht war dann nicht mehr so kalt und als ich um 9 Uhr müde im Womo erwache, wende ich die Taktik von Anita an: Hier ist es 9 Uhr, in der Schweiz aber erst 8 Uhr und wenn man bedenkt, dass draussen noch viel Schnee liegt und wir eigentlich in Winterzeit rechnen müssten, haben wir erst 7 Uhr. Ein Grund also, noch liegen zu bleiben…
Irgendwann stehen wir dann gegen 10 Uhr doch auf (Nach welche Zeit genau, überlassen wir euch) und dann müssen wir noch all die Postkarten schreiben, da wir gestern keine Zeit mehr hatten.
Als auch das erledigt ist, fehlen uns noch zwei Karten, aber da wir im Santa Claus Village doch nochmals stoppen wollen, kein Problem.
Jetzt geniessen wir dieses Village total. Vor allem das Santa Claus Postoffice und das eigentliche Heim des Santa Claus sind echt wirklich schön gemacht und auf jedes Detail wird da geschaut. Die Angestellten sind alle als Elfen verkleidet und eine Elfe klebt den ganzen Tag im Postoffice die original Santa Claus Briefmarken von Hand auf tausende von Postkarten. Diese Briefmarken gibt es nur hier und nur hier haben sie ihre Gültigkeit. Wenn ich jetzt einen Briefmarkensammler kennen würde, könnte ich ihm sicher eine Freude machen.
Wir kaufen noch zwei Postkarten, schreiben diese auch direkt auf den dafür extra vorgesehen Tischen im Postoffice und dann können wir den Briefkasten wählen: entweder den, der jeden Tag geleert wird oder den roten, der nur vor Weihnachten geleert, alle Karten mit dem exklusiven Stempel abgestempelt und in alle Welt verschickt werden. Ist ja klar, dass wir unsere Karten in den roten werfen. Ein paar ganz liebe Leute können sich also kurz vor Weihnachten auf Post vom Santa freuen…
wer bekommt wohl von uns Post?
Übrigens auch das Heim des einzig wahren Santa Claus ist wirklich schön gemacht. Leider darf man dort keine Fotos machen, denn die geschäftstüchtigen Elfen wollen dort ihre eigenen Fotos verkaufen. Wer kann es ihnen schon verübeln.
Klar, es ist touristisch, aber uns gefällt es da wirklich gut. Auch wenn die Weihnachtsmusik kitschig ist, was sollen sie denn im Weihnachtsdorf anderes Spielen? Hardrock etwa? Wir haben schon viel kitschigere und plumpere Touristenattraktionen besucht… Wer in der Gegend von Rovaniemi unterwegs ist, sollte dieses Dorf wirklich besuchen.
der markierte Polarkreis lassen wir nun hinter uns
Nachdem wir uns vom Polarkreis und von der Weihnachtsmusik verabschieden, geht es Richtung Süden. Aber nur gerade 80km, dann sind wir beim Ranua Artic Zoo (deren Webseite hat grad einen Aussetzter und funktioniert nicht..), dort gibt es 100m vorher einen neuen Stellplatz. Dieser Stellplatz ist für uns echt perfekt, schön angelegt, super Sanitärgebäude inklusive Sauna, und auch schnelles WLan (mit Zusatzantenne). Was für ein schönes Leben.
Allerdings schliesst der Zoo im Winter schon um 16 Uhr und darum können wir heute den Tieren keinen Besuch mehr abstatten. Wir verschieben es aber gerne auf morgen und gehen stattdessen noch einkaufen. Oder sollen wir doch noch eine Hundeschlittenfahrt mit den Huskys machen? (machen wir aber heute nicht mehr).
Jetzt geniessen wir (ich) das schnelle Internet und bereit mich seelisch auf den Saunabesuch vor. Aber vorher sassen wir sicher noch eine Stunde im Schnee an der Sonne und machten genau gar nix.
unseres Reisestrecke