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Castlerigg Stone Circle England 2016
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Reisebericht

Die Lofoten müssen gestrichen werden 30.3.2018

Wir müssen unsere Route ändern denn die Strassen an der Küste sind noch immer geschlossen.

Heute Morgen sinnieren wir noch lange, wie es nun weitergehen soll. Wir wollten eigentlich nach Narvik in Norwegen und dann auf die Lofoten. Aber erstens ist der Wetterbericht auf den Lofoten schlecht und zweitens ist es sehr ungewiss, wie es am Sonntag mit den Strassensperrungen aussieht. Heute würde es wohl noch gehen, aber ab morgen ist dann wieder starker Schneefall angesagt. Die Gefahr dass es uns dann gleicht geht wie den eingeschlossenen in Honningsvag, die seit drei Tagen auf die Weiterfahrt warten, ist einfach zu gross. So entschliessen wir im Landesinneren gegen Norden zu fahren. Die Lofoten sind gestrichen, sie werden sowiso überbewertet, denn für die restliche Gegend oberhalb des Polarkreises ist es einfach nicht gerecht, wenn alle nur immer die Lofoten herausheben. Da oben ist es an jeder Ecke traumhaft!

Schneescooterpiste direkt hinter dem Womo

Also müssen wir zuerst mal 120km zurück, dann links Richtung Finnland, dort von Schweden über die Grenze, 60km weiter wieder über die Grenze nach Norwegen und so landen wir in Kautokeino.

Die Fahrt heute ist wieder absolut traumhaft! Einfach unbeschreiblich! Aber ich tappe in die Schneefalle. Hier oben sind die Strassen immer etwa einen Meter über der Umgebung. Das hat den Grund, dass sie so nicht vom Schnee zugeweht werden und weniger geräumt werden müssen. Allerdings haben wir dies ja vor vier Jahren auf unserer Sommertour gesehen, nur jetzt nicht mehr daran gedacht. Momentan sieht es aus, wie wenn es 30cm Schnee hat, aber da muss man den einen Meter eben noch dazurechnen, den man nicht sieht. Und als ich für ein Foto dann die Strasse verlassen, versinke ich bis zu den Hüften im Schnee. Mehr wie 10m kann ich mich nicht durchkämpfen und drehe dann entkräftet wieder um. Wir müssen unbedingt Schneeschuhe kaufen…

Wetter- und Streckentechnisch hat sich die Änderung bezahlt gemacht

Walter aus Selbu hat uns noch den Tipp gegeben, bei der letzten Tankstelle in Schweden den Shop zu besichtigen, die hätten dort einfach alles. Da diese Tipps bis jetzt immer Gold wert waren, stoppen wir dort natürlich. Und was wir in diesem Tante-Emma-Tankstellen-Laden alles sehen, ist wirklich gewaltig. Von Rentierschlitten, Motorsägen, Angelhaken über Frostschutzmittel, Zeichenblock, Jagdgewehr bis hin zu, ja man glaubt es kaum, bis zu den orangen Big 40A Fahrzeugsicherungen! Genau die, die ich in jedem modernen Tankstellenshop nicht finden konnte. Ich nehme gleich eine Handvoll, sicher ist sicher, und ich kann sogar auswählen zwischen 20, 30, 40, 50, 60, 70 und 80 A. Wow, ob die diese Sicherungen auch für die Schneemobile brauchen? Denn davon stehen etwa 10 vor der Tankstelle. Die verkaufen hier mehr Diesel für die Schneescooter, wie für Automobile… Ach ja, Anita hat auch noch Wolle gekauft für eine neue Mütze für mich…

der Allerweltsladen

Danach geht es weiter und wir kommen gut in Kautokaine unserem Tagesziel an. Unser Walter sendete uns die Koordinaten eines super Parkplatzes bei einem Silberschmid. Leider verfahren wir uns im Ort selber so lange, bis wir mit dem Wohnmobil auf einer Schneemobilpiste stehen. Zum Glück kann ich irgendwie drehen und wir erreichen die Hauptstrasse wieder. Dort sehen wir aber ein Schild zu einem Stellplatz und da fahren wir kurzerhand hin, parkieren und stecken unser Knutschi an den Strom. Kurze Zeit Später kommt die norwegische Chefin zum einkassieren und wünscht uns auf dem Sami Oster Festival eine schöne Zeit. Was für ein Festival? Hier findet jede Ostern ein ganz grosses Festival der einheimischen Samen statt. Tönt doch nicht schlecht. Und wenn wir mehr Infos wolle und das genau Programm, sollen wir doch in die Hütte Nummer 6, dort seien Norbert und Marianne, und die können uns alles erklären.

einfach nur schön

Also klopfen wir dort und ….. ja und darum kommt der Blog erst jetzt. Wir haben uns dort verquatscht, wissen aber das heute das Schneemobil-Rennen war und morgen das Rentierskiing und der Markt, und und und. Na gut, wir haben nun zwei Nächte gebucht und werden morgen an das Sami Beassasmarkanat 2018 gehen. Wir sind einfach Glückskinder und immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Ach ja Walter: deine Angaben stimmten, aber wir sind zu früh abgebogen, darum hat es mit deinem Platz nicht geklappt, aber jetzt haben wir es auch super gut.


Übernachtung

Kautokeino - Duottar Camp ****
Norwegen, Stellplatz

Koordinaten: 68.99955, 23.037616
N 68° 59' 58.4"  E 23° 2' 15.4"
letzter Besuch: 3.2018

Renn-Rentiere 31.3.2018

Am Sami Beassasmarkanat und World Cup Reinkappkjöring

Gestern Abend schaute ich noch auf meine App, die anzeigt, wann und wo Polarlichter erscheinen sollten. Nach App wären wir ab 21 Uhr in der Polarlichtzone aber die Wahrscheinlichtkeit liegt nur bei 14%. Trotzdem schnappe ich den Fotoapparat und gehe in die Kälte nach draussen und suche den sternenklaren Himmel ab. Schnell sehe ich eine weissliche Wolke am Himmel die schwache Polarlichter sein könnten. Die Wolke bewegt sich langsam und beginnt dann plötzlich grün zu leuchten. Der Wahnsinn! Ich kann nur noch heftig an unser Womo poltern, damit auch Anita sofort rauskommt. Was wir dann erleben ist für uns ein wirkliches Spektakel. In Wellenbewegungen ziehen die Nordlichter von Westen nach Osten über uns Wohnmobil hinweg. Kaum ist die eine Welle im Osten verschwunden, beginnt die nächste im Westen. Bis so eine Welle wieder aus dem Sichtfeld verschwindet dauert es sicher drei bis vier Minuten. Die Nordlichter hatten in dieser Stunde nur die Stärke 4 von 10. Die Norweger hielten nicht mal die Köpfe nach oben aber für uns war es wie ein Sechser im Lotto. Denn ganz ehrlich, wir hätten nicht gedacht, dass wir auf unserer Reise tatsächlich Nordlichter sehen würden. Einfach gigantisch, auch wenn der Fotoapparat fast eingefroren wäre.

fantastisches Spektakel


Nach einer ruhigen Nacht gehen wir den Tag dann auch ruhig an. Zuerst fahren wir in den Supermarkt und füllen unsere Vorräte. Wir kaufen ein ganzes Brot, nur um es durch die Brotscheibenschneidmaschine rattern zu lassen… Selbstverständlich kaufen wir auch norwegischen Lachs und andere einheimischen Leckereien. Das ausländische Zeugs ist schweine teuer, ein 6er Pack CocaCola 1.5l Flaschen z.B. etwa 20 € Da verzichten wir eben auf so modisches Zeugs und kaufen einheimisch ein.

Danach folgen wir 2km mit unserem Womo den Wegweisern zu Juhls’ Silvergallery, Finnmarks første Sølvsmie. Diese Silberschmiede ist wirklich genial, schon nur das Gebäude lohnt sich anzusehen. Und drinnen Schmuck mit sämischen Motiven und die gesamten Werkstätten, wo der Schmuck auch produziert wird.

Juhls Silberschmiede von Aussen

Schmuck

Danach geht es den Wegweisern Reinkappkjøring nach, dem heutigen Hauptprogrammpunkt des hiesigen Oster-Festivals. Die Strassen werden schmaler und haben noch mehr Schnee drauf wie bisher. Wenn uns jetzt einer entgegenkommt, ist aus die Maus, denn wir können nicht ausweichen und neben der eigentlichen Fahrspur hat es nur Tiefschnee. Wir schaffen mit unserem Knutschi dann auch diesen letzten Kilometer und können uns auf den Parkplatz retten. Allerdings weiss ich noch nicht, ob wir da jemals wieder wegkommen.

Dieses Weltcuprennen im Rentier-zieht-Skifahrer müssen wir natürlich sehen. Rentiere sind ziemlich scheue Tiere und lassen sich auch nicht direkt dressieren. Sie werden dann in das Startgatter gezerrt, ein Skifahrer kommt an die Leine und wenn das Gatter hochschnellt, rennen diese Tiere so schnell wie möglich davon. Die Rennstrecke ist etwa 700m lang und auf beiden Seiten eingezäunt. Das Gespann mit der schnellsten Zeit gewinnt.

Für uns, die weder norwegisch, noch samisch sprechen, ist das Ganze nicht sonderlich interessant, wir sind dann eher im Rennpark der Renn-Rentiere anzutreffen und bestaunen diese Tiere aus der Nähe. Das Festzelt und die Festwirtschaft ist dann ein kleiner Autoanhänger, wo aus Thermoskannen heisser Kaffee und Tee ausgeschenkt wird. Alles ziemlich unkompliziert.

die Athleten

Nach einer gewissen Zeit wollen wir das Festival wieder verlassen und zurückfahren. Es herrscht grad ein kleines Chaos auf dem Parkplatz und die Norweger mit ihren 4x4 und Spikes haben das Gefühl, jeder hat sowas, auch die Schweizer Wohnmobile. Dabei müssen wir verhindern, dass wir auf dieser Eisbahn am Berg anfahren und auch nicht in den Tiefschnee ausweichen müssen. Das Ausweichen können wir dann aber nicht verhindern und auch den Tiefschnee nicht, aber irgendwie mit viel Glück (oder doch Können vom Fahrer) retten wir uns dann nach einigen Slides doch wieder auf die fast geräumte Strasse. Unser Knutschi ist eben doch das Beste!

Ich werde nun etwas vorsichtiger mit der Wahl der Parkplätze aber das Versprechen, den Markt zu besuchen, muss ich gegenüber Anita dann doch halten. Samische Wollpullover und Pelzkappen haben es uns am meisten angetan. Rentierfelle sehen wohl sehr kuschelig aus, können wir aber momentan nicht wirklich brauchen. Und auch die Fellschuhe mit den runden Spitzen vorne kaufen wir dann doch nicht.

Um 16 Uhr sind wir wieder auf dem Stellplatz zurück und erholen uns nun einfach mit Nichtstun. Klar, wir könnten noch Langlaufen, aber damit warten wir nun und geniessen das schöne Wetter und die Wärme in unserem Knutschi. 

Eventuell mache ich mich heute Abend dann nochmals auf die Jagd nach Polarlichtern (die aber leider nichts ergab).

Übernachtung

Kautokeino - Duottar Camp ****
Norwegen, Stellplatz

Koordinaten: 68.99955, 23.037616
N 68° 59' 58.4"  E 23° 2' 15.4"
letzter Besuch: 3.2018

Wir wünschen allen Frohe Ostern 1.4.2018

Leider ist das Nordkap noch immer gesperrt. Zum vielen Schnee kommen nun auch noch zwei streunende Eisbären. Bevor die nicht geschossen sind, wird die Strasse sowiso nicht geöffnet.

Wir sind eindeutig Fahrertypen 1.4.2018

Das Wetter ist einfach zu fantastisch, um Bauten oder andere Kunstwerke zu besichtigen, die Natur ist eben doch am allerschönsten

Nach einer wieder bitterkalten Nacht (draussen) freuen wir uns, dass es wieder weiter geht. Wir sind eben doch eher die Fahrer-Typen wie die Steher-Typen. Man sieht doch beim Fahren so viel mehr, als wenn man am Ort stehen bleibt. Und die vorbeiziehende Natur ist eben doch das grösste Kunstwerk.

Bis wir alles bereit haben und endlich abfahrfertig sind, ist es doch schon 12 Uhr aber immer noch -10 Grad kalt. Wir haben es nicht eilig, wollen wir doch nur 130km bis Alta zur nördlichsten LPG-Tankstelle um unser Gas aufzufüllen.

Als wir dann endlich losfahren haben wir Sonne im Rücken und einen tiefblauen Himmel über uns. Wir könnten im Auto jauchzen, so schön ist es. Der weisse Schnee wird immer höher, wie hier oben üblich kein Verkehr und trotz Sonne wird es einfach nicht merklich wärmer. An jedem Parkplatz, an jedem Aussichtspunkt müssen wir stoppen und Fotos machen. Es gibt einfach nichts schöneres, wie unterwegs zu sein.

Blick zurück auf die Gegend von Kautokeino

Wir kommen gut in Alta an, finden auch die Tankstelle problemlos und füllen unser Gasvorrat auf. Wir haben tatsächlich nur gerade 22 l Gas verbraucht! Ich dachte schon, unsere Anzeige sei falsch, denn nun sind wir über eine Woche bei eisigen Temperaturen unterwegs und keinen grösseren Verbrauch. Unsere Isolationen mit Aussenabdeckung und Innen-Isovorhang hat sich voll bewährt. Wir können uns nun also bei der Rückfahrt und ähnlichen Temperaturen zwei Wochen Zeit durch Finnland nehmen, denn dort gibt es keine LPG-Tankstellen.

Während wir in Alta stehen, sehen wir auf der Webseite, dass die Strasse nach Hammerfest nun für den Verkehr offen ist. Auch die Strasse bis Honningsvag wird nun geräumt und die dort eingeschlossenen können nach einer Woche endlich mit ihren Fahrzeugen in Kolonnenfahrt von dort Weg. Nur die Strasse ganz ans Nordkap ist noch immer für jeglichen Verkehr gesperrt und sind sie auch noch nicht am Räumen. Aber falls sie morgen damit beginnen und das Nordkap vielleicht doch noch öffnen würden, müssten wir schon etwas näher dran sein als in Alta.

ein Rastplatz in Alta

So schauen sich Anita und ich nur an und die Entscheidung fällt gänzlich ohne Worte. Wir starten den Motor, nützen das schöne Wetter aus und fahren weiter Richtung Norden.

Kurz nach Alta geht es auf die Hochebene von Sennalandet. Diese Ebene auf fast 400m hat uns schon vor vier Jahren beeindruckt, aber ob wir da überhaupt hochkommen? Für LKW herrscht Schneekettenpflicht. Wir versuchen es und fahren los. Die ersten Steigungskilometer gehen wie am Schnürchen, in der Mitte der Strasse hat es meistens einen schneefreien Asphaltstreifen. Wir schaffen es dann auch bis ganz oben, auch wenn es zeitweise wirklich nur noch Eis auf der Strasse hat. Aber die Räumfahrzeuge fräsen Rillen in dieses Eis und so ist es doch nicht ganz glatt.

Auf der Ebene erleben wir dann ein besonderes Naturschauspiel. Die Sonne genau im Rücken, leichter Bodennebel (ganz genau Frostdunst oder norwegisch Frostrøyk) und Temperaturen von -13 bis -10 Grad, das gibt den Effekt, dass wir vor uns einen weissen Regenbogen sehen. (Der weiße Bogen ist tatsächlich ein gefrorener Regenbogen. Flüssige Wassertröpfchen reflektieren das Sonnenlicht und zerlegen es in die einzelnen Spektralfarben und es entsteht der bunte Regenbogen. Gefrorene Wassertröpfchen, also Eiskristalle reflektieren ebenfalls das Sonnenlicht, können aber nur den Weißanteil reflektieren und es entsteht ein nur weißer Eiskristallbogen.)

Dieser Bogen begleitet uns über mehrere Kilometer! Alles ist weiss, der Nebel, die Strasse, die Landschaft und dann auch dieser Bogen. Wir haben bisher noch nie so etwas sehen können.

der Eisbogen

Der Verkehr nimmt etwas zu, aber es sind alles Norweger, die mit den Autos zu einem Parkplatz fahren, dort auf das Schneemobil umsatteln um dann zu ihren Ferienhäusern zu gelangen. Jedes Haus das wir sehen, hat eine Schneemobilspur, das zu ihm hinführt und es kommen uns neben der Strasse nicht gerade wenige Norweger mit Schneemobile entgegen, einige haben die Kindern zwischen den Beinen oder einen Last- oder Personenanhänger angehängt. Echt faszinierend.

Wir sind von den wenigen Fahrzeugen das Langsamste und so fahre ich bei den Parkplätzen langsam rechts an, nachdem ich den Blinker gestellt habe. Ich kam nie zum Stoppen, die Norweger haben mich dann jeweils sofort überholt und rauschen auf der schneebedeckten Strasse mit 90 davon. Uns ist es wohler, wenn wir nur 70 fahren, 60 wäre wahrscheinlich noch besser gewesen…

Am Fjord Richtung Hammerfest

Richtung Hammerfest hat dann ein ausgeschilderter Stellplatz noch mindestens einen Meter Schnee, der nicht geräumt wurde und so übernachten wir heute auf einem normalen Rastplatz direkt am Meeresufer. Endlich sehen wir nun auch mal Wasser, das nicht gefroren ist.

Es war ein fantastischer Ostertag, der schöner nicht sein könnte. Jetzt kocht uns Anita feine Spaghetti, wir sitzen im Warmen mit Sicht auf das Meer und weisse Berge im Hintergrund, das Außenthermometer zeigt -11 Grad und innen ist kuschelig warm.

Übernachtung

Kvalsund - Repparfjord ***
Norwegen, Parkplatz
Direkte Sicht auf das Meer (bei Flut)
Koordinaten: 70.44899, 24.300836
N 70° 26' 56.4"  E 24° 18' 3"
letzter Besuch: 4.2018

Knapp vor dem Nordkap gescheitert 2.4.2018

Ein traumhafter Tag auf den nördlichsten Strassen, aber es hat einfach zu viel Schnee

Wieder nach einer ruhigen Nacht direkt am Fjord schaue ich nach dem Erwachen um 7 Uhr zuerst auf mein Handy und schaue den Strassenzustandsbericht an. Alles beim alten, Nordkap zu und die Zufahrten auch. Also haben wir einen gemächlichen Tag und überlegen uns in Ruhe, wohin es heute geht.

Aus unerfindlichen Gründen schaue ich aber fünf Minuten später nochmals nach und plötzlich fehlen auf dieser Karte rote Kreuze. Sofort aufstehen und Laptop holen, dort habe ich einen besseren Überblick.

Wow, die Konvoifahrten bis Honningsvåg sind aufgehoben, jeder kann nun wieder dorthin gelangen und ab 9 Uhr fährt die erste geführte Autokolonne von Honningsvåg nach Skarsvåg, also quasi am Nordkap vorbei. Und bei der Strasse zum Nordkap steht die Bemerkung: geschlossen wegen Räumarbeiten. Gestern hiess es noch, geschlossen wegen Sturm. Wenn ich das jetzt richtig interpretieren, könnten wir sofort abfahren nach Honningsvåg, und dort im Konvoi zum Abzweiger Nordkap und dann dort warten, bis die Strasse für den Konvoi zum Nordkap freigegeben wird und wir würden heute noch an den nördlichsten Punkt unserer Reise kommen.

Strassenverhältnisse über mehr als 100km

Ich breche in Hektik aus, trommle Anita aus dem Bett, mache unser Knutschi abfahrbereit, räume innen auf und zwinge Anita zu einem mürrischen Blick, denn ich streiche ihren Morgenkaffee und das ganze Frühstück. Es muss schnell gehen, denn wir haben knapp drei Stunden Zeit für 130km auf verreisten und schneebedeckten Strassen bis zum Abzweiger ans Nordkap.

Wir düsen los, so schnell es eben geht und durchfahren eine noch traumhaftere Landschaft wie gestern. Dunkelblaues Meer, weisse Hügel, blauer Himmel. Wir sind alleine unterwegs und vergessen bald, dass wir eigentlich in Zeitnot sind. Wir geniessen die Fahrt, stoppen wieder überall und machen Fotos. Vor den Steigungen hole ich jeweils etwas Anlauf, damit wir sicher hoch kommen. Es geht immer weiter, immer mehr Schnee, immer schöneres Wetter. Es ist einfach eine geniale Fahrt durch eine geniale Winterlandschaft.

Im Nordkap-Tunnel geht es steil nach unten, unter dem Meer durch und dann wieder rauf fast direkt nach Honningsvåg. Dort ist nun die Schranke offen, also ist die Kolonnenfahrt auch schon aufgehoben. Die räumen aber zügig, diese Norweger! 

zwischen Honningsvag und Nordkapp

Beim geschlossenen Nordkap-Campingplatz 20km vor dem Nordkap montieren wir dann doch die Schneeketten. Bis jetzt ging es problemlos ohne, aber da nun eine 3km lange Steigung, die bis zu 9% steil ist, ansteht montiere ich die Ketten aus Sicherheitsgründen. Ich will dann nicht wie ein Depp aussehen, der von der Strasse rutscht oder steckenbleibt. Und ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass wir ohne hochkommen. Wir wissen es auch jetzt schon, dass es auf den 11 Uhr Konvoi nicht mehr reicht, nehmen wir eben den nächsten um 12:30 Uhr.

Mit den Schneeketten kommen wir dann problemlos hoch und wir können uns einfach nicht satt sehen. Unglaublich schön. Nach ein paar Kilometern sehen wir dann unsere wichtige Abzweigung und sind zuerst etwas enttäuscht: die Schranke ist unten, eine Schneefräse parkiert und die gesamte Strasse zum Nordkap tief eingeschneit. Absolut kein Durchkommen und so kann diese Strasse auch heute nicht mehr geöffnet werden.

Die Enttäuschung verschwindet aber schnell, wir haben es soweit geschafft, wie es eben ging und wenn zu viel Schnee liegt, dann ist es eben so. Immerhin sind wir ja nun die ersten Touristen seit einer Woche, die es immerhin bis hierhin geschafft haben.

Wir holen nun das Frühstück nach, geniessen die Sonne, machen Fotos und fahren danach als Alternative zum nördlichsten Fischerdorf nach Skarsvåg. Die paar Kilometer schaffen wir auch noch.

Hafen von Skarsvag

Der Rundgang zu Fuss ist auch ein Erlebnis in dieser Landschaft und wir sind absolut zufrieden, auch wenn wir es doch nicht ganz bis ans Nordkap geschafft haben. Irgendwie sind wir doch stolz auf uns und auf unser Knutschi. Wir haben dem Winter so viel Weg abgetrotzt, wie es nur möglich war.

Wir beschliessen dann, nach Honningsvåg zurück zu fahren und uns dort einen Übernachtungsplatz zu suchen. Beim Nordkapabzweiger treffen wir nun noch ein chinesisches Pärchen, das auch etwas enttäuscht ist, aber wir fotografieren uns gegenseitig vor der Schranke und verabschieden uns dann herzlich.

Ein paar Kilometer später sehen wir ein französisches Auto mit Warnblinkanlage im Tiefschnee festsitzen. Der spanische Fahrer kam von der Strasse ab und kommt mit seinem 4x4 Audi nicht mehr weg. Gleichzeitig mit uns fährt noch ein Einheimischer und nochmals Touristen an die Stelle. Mit Schieben bringen wir dieses Auto nicht mehr auf die Strasse. Der Einheimische wendet sein Auto mit den Spikes und Anhängerkupplung, ich hole mein Abschleppseil und die Antirutschmatten und so können wir den Spanier aus seiner misslichen Lage befreien. Er bedankt sich überschwänglich und mag danach auch wieder strahlen.

praktisch nur solchen Gegenverkehr

Wir setzen unser Fahrt fort und finden direkt am Hafen beim geschlossenen Touristenbüro einen Parkplatz 2m vom Meer entfernt. Den Souvenir-Shop der gerade mit Hurtigrouten-Touristen überfüllt ist, betreten wir erst, kurz bevor dieses Schiff wieder ablegt. Wir sind nun wieder die beiden einzigen Touristen hier im Laden. Die Verkäuferin und ihr Sohn beraten uns dann bei den Jacken. Ich habe so eine schön blaue gesehen, Anita eine weisse und einen extrem schönen Norwegerpulli. Und jetzt im Frühling alles um 50% reduziert. Und jetzt mal ehrlich, wo findet man so tolle Jacken für den Winter wenn nicht im allerhöchsten Norden? Wir kaufen schlussendlich alle drei Stücke und sind ganz stolz. Allerdings merken wir auch nicht, dass sie den Laden nun eigentlich schliessen wollen, denn das Schiff ist weg und die nächsten Touristen kommen erst morgen mit dem nächsten.

Wir fragen auch noch höflich, ob wir da auf dem Parkplatz wohl übernachten dürften und klar, dürfen wir, das sei doch selbstverständlich. Und die Verkäuferin schaut dann noch auf ihrem Handy die Wetterprognosen nach und erklärt mir, dass sehr wahrscheinlich die Nordkapstrasse auch morgen noch nicht geöffnet wird. Zuviel Wind morgen und auch Schneefall, da wird nicht mehr geräumt.

Für uns irgendwie schon nicht mehr wichtig, wir hatten bis anhin eine so tolle Fahrt, da muss das Nordkap nicht mehr unbedingt sein.

Die Arbeit kommt aber jetzt: wie finde ich aus 400 tollen Fotos die fünf allertollsten?

Übernachtung

Honningsvåg - Hafen ***
Norwegen, frei
am Hafen ohne nichts
Koordinaten: 70.98257, 25.966750
N 70° 58' 57.3"  E 25° 58' 0.3"
letzter Besuch: 4.2018

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