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Anita Ostfriesland 2012
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Reisebericht

Ranua Wildlife Park 12.4.2018

Der Besuch der einheimischen Tierarten im Winter war alleine schon eine Reise wert.

Heut stand der Besuch des Ranua Zoos an. Im Winter hat er nur von 10 – 16 Uhr geöffnet, um den Tieren genug Erholung von den Besuchermassen zu geben. Wobei da Massen eine andere Bedeutung haben, ich schätze mal, dass heute den gesamten Tag keine 20 Eintritte einkassiert werden konnten.

vor dem Zoobesuch

Wir standen kurz nach 10 Uhr mit Fotoapparat bewaffnet am Eingang, lösten für 17€ pro Erwachsener ein Ticket und stürmten sogleich los. Nach etwa 100m das erste Gehege, ein Fischotter. Er schlief den Schlaf des Gerechten hinter einer Scheibe, wo wegen dem Spiegeln keine Fotos möglich waren. Also weiter zu einem schönen, schneeweisser Hermelin, der in seinem Käfig umher flitze. Dieses scheiss schnelle flinke Tier war gar nicht einfach zu fotografieren. Also genauer gesagt, es war unmöglich. Entweder war nur der Schwanz drauf, nur Gitter, nur der Kletterbaum oder gar nix. Nach endlosen Versuchen geht es dann etwas konsterniert weiter zum Marder. Sein braunes Fell gibt einen schönen Kontrast zum weissen Schnee aber auch dieses nervöse Viech faszinierende Tier ist schnell unterwegs. Wieder kein Foto. Nach drei Gehegen und drei Tieren noch kein einzig brauchbares Bild. Ich weiss schon, warum ich kein Tierfotograf wurde, nicht mal im Zoo bringe ich was vor die Linse…

Aber ich liebe die Eulen! Die sitzen so schön ruhig da, drehen hin und wieder den Kopf und bewegen sich kaum. Ab sofort meine Lieblingstiere. Nach Adler, Habicht, Gänsen und Schwänen wird es dann wieder interessanter. Wir nähern uns den Bärengehgen.

die zwei Eisbären

Die Wege sind in der Höhe über den Absperrungen, man sieht sehr gut in die grossen Gehege rein und wir erspähen einen an der Sonne schlafenden Eisbär und ein andere trottet umher und geniesst ebenso die warmen Sonnenstrahlen. Es sind sehr imposante und grosse Tiere und im Schnee sehen sie echt super aus. Nur schon dieser Anblick ist das Eintrittsgeld wert. Ich war noch nie im Winter in einem Zoo, aber das sollte man echt machen, vor allem wenn es mal Schnee hat. Hier im Zoo liegt sicher noch einen Meter Schnee, was uns vor allem bei den Elchen auffällt. Tritt mal einer in den Tiefschnee, versinkt er mit seinen langen Beinen bis zum Bauch. Alle anderen Tiere benützen ihre selber getrampelten Wege: der Wolf trabt majestätisch in die hinterste Ecke von seinem Gehege, möglichst weit von den französischen lärmenden Kindern weg und die Füchse tollen herum und machen Jagd auf die Elstern, die ihr Revier betreten.

ein Wolf auf Pirsch

Wir finden es echt toll, dass hier praktisch nur einheimische Tiere gezeigt werden, ausser den Eisbären und dem Sibirischen Moschustier leben alle anderen irgendwo in Finnland. Man kann nun für oder gegen Zoos sein, aber im Winter bei Schnee diese Tiere in ihren „normalen“ Lebensumgebung zu sehen, macht uns schon Eindruck. Ein Zoobesuch hier ist im Winter ein absolutes Muss.

Nach dem Besuch checken wir beim Servierpersonal des Restaurants ab, ob wir hier Abends Essen können, denn gestern sah es ziemlich geschlossen aus. Können wir, zwischen 18 und 20 Uhr sei offen.

Die 200m zurück zum Womo machen wir locker, ich werte unsere Fotos aus und mache endlich mal eine Datensicherung von den inzwischen 3754 Bildern, Anita benützt die Waschmaschine des Stellplatzes für die Wäsche und bäckt danach noch Salzstangen für morgen. 

Und dann ist es schon 18 Uhr und wir machen uns wieder auf den Weg. Das Bestellen ist nicht ganz so einfach, aber wir einigen uns auf Perinteinen Lappilainen poronkäristys mit Perunamuusi, puolukkaa sekä suolakurkkua. Und dann warten wir gespannt, was wir bekommen werden.

was hättet ihr bestellt?

Es ist tatsächlich Rentierfleisch, kleine Scheiben gekocht mit Kartoffelstock und heissen Gurken. Das Fleisch ist wirklich sehr lecker und extrem zart.  Überhaupt, inklusive der Vorpeise und dem Dessert wirklich von sehr guter Qualität und sehr fein. Wir können das Zoorestaurant nur empfehlen, auch die Bedienung war sehr freundlich und hat uns auf Englisch erklärt, was wir da bestellen. Na ja, englisch verstehen wir eben auch nicht, darum war es ziemlich spannend.

Jetzt sind wir mit vollen Mägen im Womo und freuen uns schon auf die Nacht. Letzte Nacht nach Sonnenuntergang begannen die Wölfe oder waren es nur die Huskys zu heulen und es ist einfach eingefahren. Sonst bin ich ja kein Hundefan, aber hier in dieser Umgebung gehört das einfach dazu.

Morgen geht es dann wieder mit einem Fahrtag weiter, wir wollen nun südöstlich durch Finnland, bis wir am östlichsten Punkt der EU sind.

(mehr Bilder aus dem Zoo auf unserer Facebookseite oder wenn wir zu Hause sind in der dann neuen Bildgallerie)


Übernachtung

Ranua - WildlifePark ****
Finnland, Stellplatz
direkt neben dem Zoo mit super Sanitärgebäuden
Koordinaten: 65.94432, 26.461879
N 65° 56' 39.6"  E 26° 27' 42.8"
letzter Besuch: 4.2018

Karelien, das vergessene Land 13.4.2018

Wo sich Bären und Wölfe gute Nacht sagen und wir im Wald unverhofft einen offiziellen Stellplatz finden.

Wir verlassen den Stellplatz beim Zoo und fahren auf Nebenstrassen ost- und südwärts. Das Wetter ist einmal mehr bombig, die Strassen meistens gut geräumt, die Gegend waldig und hügelig. Einmal mehr eine Traumfahrt.

Wir sind inzwischen in der Region Karelien. Durch verschiedene Kriege seit dem Mittelalter war Karelien russisch, finnisch oder schwedisch. Alle paar Jahrzehnte einem anderen Staat angegliedert. Das letzte Mal änderte die Grenze nach dem zweiten Weltkrieg, als grosse Gebiete an Russland vielen. Ein kleiner Teil gehört nur noch zu Finnland, die Finnen im russischen Teil flohen nach Finnland und die Russen bevölkerten diesen Teil mit Ukrainern. Karelien ist also seit daher getrennt und hat sich weit auseinander gelebt, im Glauben und in der Bevölkerung. Nicht mal die Finnen wollen aktuell eine Wiedervereinigung. Exkurs abgeschlossen…

auskundschaften

Irgendwann gegen 14 Uhr wollen wir entweder einen Übernachtungsplatz finden oder sonst einen Stopp einlegen. Die Möglichkeiten sind gar nicht so vielfältig, denn auf den meisten Waldwegen und –Parkplätzen liegt noch einen Meter Schnee und dieses Gebiet ist nun auch nicht wirklich touristisch erschlossen. Irgendwann sehen wir aber doch ein Schild zu einem Ausflugsparkplatz für Fischer und Wanderer. Sofort zweigen wir ab und folgen dem Strässchen etwa einen Kilometer bis zu einem kleinen Parkplatz und dahinter prangt eine grosse Fahrverbotstafel. Knutschi parkieren, Fotoapparat schnappen und auf einen Spaziergang die Gegend erkundigen.

finnische Eisfischerin

Wir treffen auf einen wunderschönen, zugefrorenen See worauf etwa sechs Eisfischer verteilt auf anbeissende Fische warten. Danach treten wir wieder in den lichten Tannenwald ohne Unterholz, folgen dem Strässchen bis wir zu einigen Blockhütten stossen. Ein schöner Grillplatz am See, Abfallentsorgung und wahrscheinlich kleine Blockhütten zum Mieten während der Saison. Es ist keine Menschenseele sonst hier und wir erkunden weiter. Plötzlich stehen wir vor geräumten Parkbuchten im Wald und es hat sogar Stromsäulen bei jeder dieser Parkbuchten. Es sieht etwas aus wie ein offizieller Stellplatz. Wir schauen uns um und kommen immer mehr zum Schluss, das muss ein Stellplatz sein.

Wir diskutieren, wer Weissen und kommen zum Schluss, dass wir hier unser Knutschi hinstellen und eine wunderprächtige Landschaft aus dem Fenster geniessenkönnten. Da ja keine Person weit und breit zu sehen ist, fahren wir mit unserem Womo die 300m durch die Fahrverbotszone zu diesem geheimen Stellplatz.

Feriensiedlung am See

Zuerst ist es uns noch etwas mulmig, aber es ist soooo schön hier. Inzwischen haben wir auch schon 10 Grad (über Null) und das ist doch das Zeichen, dass wir heute und hier grillieren könnten. Gesagt getan, wir geniessen den Nachmittag in vollen Zügen.

Plötzlich um 17 Uhr kommt ein Caravangespann und stellt sich drei Plätze neben uns auf. Also doch ein Stellplatz. Ich gehe dann scheu fragen, ob sie englisch sprechen und wo und wie man hier bezahlen muss und ob ich überhaupt stehen darf. Ich bekomme nur ein paar Worte als Antwort: „no Problem in e half our“. Na ja, viel schlauer bin ich jetzt auch nicht geworden, aber das war wiedermal eine typische skandinavische Antwort: Nur immer das Nötigste und keine Informationen zusätzlich, was man nicht gefragt wurde. Das ist mir jetzt schon einige Male aufgefallen, z.B. bei einem Stellplatz nur immer kurz und knapp, nie woher wir kommen, was wir vorhaben oder das Angebot des Camping- oder Stellplatzes erklären. Wenn wir dann merken, dass es WLan hat, zurück zur Reception und nach dem Preis und Passwort fragen: ist gratis und Passwort ist …… Hätten sie ja auch am Anfang schon sagen können. Und wenn wir merken, dass es eine Sauna gibt, wieder zurück und fragen, wann die offen ist. Man bekommt immer eine Antwort, aber nur genau das, wonach wir gefragt haben. Nix zusätzlich, gar nix. Aber das ist anscheinend in Skandinavien so, wir erleben es in Norwegen, Schweden und jetzt in Finnland.

faszinierender Wald

Egal, nach einer halben Stunde fährt tatsächlich ein weisser Pickup mit einem Gemeindearbeiter am Steuer (vermuten wir mal) vor, er dreht die Scheibe runter, lässt den Motor laufen und wartet, bis ich zu ihm treten. Ich sage „one Night“ und kriege als Antwort „maksaa kahdeksan euroa viisikymmentä“. Hä? Danach schreibt er mit einem Kuli 8.50 auf ein Blatt Papier und das verstehe ich nun. Ich hole 8.50€ gebe es der Person im Pickup mit laufendem Motor und er gibt mir im Gegenzug einen kleinen Schlüssel und zeigt auf den Stromkasten. Ah ok, ich nehme den Schlüssel, laufe zum Stromkasten, öffne ihn und bringe der Person im weissen, laufenden Pickup den Schlüssel zurück. Er lächelt und braust davon.

Das war ja jetzt mal ein cooler Platzwart und anscheinend haben wir alles richtig gemacht. Die Fahrverbotstafel gilt also nicht für Wohnmobile, die hier übernachten wollen. Wissen müsste man es. Beschrieben auf einer kleinen Infotafel beim Parkplatz vorne auf finnisch und russisch… Und echt jetzt, dieser Stellplatz ist nirgends an der Strasse oder auch nur beim Parkplatz beschrieben, wissen muss man es einfach und ihn finden.

Heute Abend bei Sonnuntergang wollen Anita und ich noch eine Schneeschuhtour um den See machen…

Übernachtung

Kuhmo - Syväjärvi ****
Finnland, Stellplatz
im Wald in der Nähe eines Sees, nicht beschrieben und ohne Wegweiser
Koordinaten: 64.19274, 29.194497
N 64° 11' 33.9"  E 29° 11' 40.2"
letzter Besuch: 4.2018

Shit happens 14.4.2018

Der Übermut bestraft uns und wir erreichen unser Ziel nicht mehr

Der Tag beginnt wie fast immer mit Sonnenschein und wir fahren Richtung Osten zur russischen Grenze. Die Nationalstrasse, die wir nehmen, ist eine derer 30% in Finnland, die nicht asphaltiert sind. Und durch das Schmelzwasser vom Schnee (Aussentemperatur heute +8 Grad) wir die Strasse zu einer richtigen Schlammpiste. Unser Knutschi war noch nie so dreckig wie heute. Und das Fahren fühlt sich auf der aufgeweichten Strasse wie auf einer Gummimatte an. Irgendwie kein so tolles Gefühl. Und anscheinend sind wir da wirklich im Niemandsland, denn wir treffen nur ganz selten mal irgendein Fahrzeug.

Dann, in der östlichsten Ortschaft Finnlands (und Europas) kommt die Abzweigung zum östlichsten Punkt Europas. Klar, man kann jetzt diskutieren was genau zu Europa gehört, aber für uns ist weder die Ukraine, Weissrussland oder Russland Europa, also ist hier die Grenze und der östlichste Punkt. Basta!

Wir haben jetzt noch 16km vor uns über schmale Waldstrassen. Zum Glück sind sie etwas ansteigend und so wird aus Schlamm wieder Schnee, immer mehr Schnee bis links und rechts wieder mindestens einen Meter liegt.

Es sind nun noch 6km und die Strasse wird noch etwas schmaler, aber unser Knutschi meistert das grandios. Dann, genau 2.7km vor dem Ziel ist Endstation, die Strasse ab da ist nicht mehr geräumt. Mischt, also müssen wir die Schneeschuhe auspacken. Gerade als wir bereit sind zum Loslaufen, fährt in einem kleinen roten VW ein Jäger hin, der auch zu diesem Punkt will. Es soll dort fantastisch sein, aber komisch, dass die Strasse nicht geräumt ist. Ob wir nicht mit unserem Wohnmobil etwas Platz machen könnten, damit er mit seinem Auto durch kann.

Jetzt beginnt das Zirkeln und irgendwie kommen wir aneinander vorbei und der Jäger fährt an uns vorbei in die nicht geräumte Strasse und braust davon. Na, das sind ja nur etwa 10 cm Neuschnee auf dem Eis der letzten Tage, da könnten wir ja doch noch zu diesem Punkt hinfahren. Anita hat die Idee zur Sicherheit die Schneeketten zu montieren und ich finde sie toll (die Idee und Anita). Keine fünf Minuten später sind sie montiert, wir im Knutschi bereit zum Abfahren.

Die Strasse ist schon ziemlich eng und irgendwie hat es auch doch mehr Schnee als es ausgesehen hat. Aber bis wir das realisieren ist mein Vorderrad links irgendwie im Tiefschnee, das hintere Rad rutsch nach, unser Knutschi legt sich in die Schräglage, die Motorhaube pflügt die meterhohe Schneemade vor sich her, die sich auf der Seite den Dreck von unserem Knutschi schabt und 10m weiter ist ende Feuer. Aus die Maus!

es sieht richtig übel aus am Ende der Welt, gelben Pfosten markieren die Sperrzone

Ich muss gar nicht irgendwie probieren, dass ich da wieder rauskomme, das ist uns beiden sofort klar. Anita steht unter Schock und ich weiss nicht was machen. Handy starten und feststellen, dass weit und breit kein Handyempfang ist und links und rechts der Strasse hat es die gelben Markierungen, die das Sperrgebiet der Grenze festlegen. Nur gerade auf der Strasse darf man sich aufhalten…

Wir sitzen am A… der Welt fest, 2km von der Russischen Grenze weg, kein Handynetz. Ein Rudel Wölfe wird sich nähern, heulen und sich auf ein Häppchen vor dem Nachtessen freuen. Ein Bär wird sie verscheuchen und uns dann noch ganz auffressen.

Ich verfalle in Panik, könnte mich ohrfeigen, dass ich im Schnee nach Skandinavien wollte und verfalle in einen blinden Aktionismus und habe die Idee, ich könne mit der Schneeschaufel mein Knutschi ausgraben. Und dann kommt Anita und schnauzt mich an, ich solle auf meine neue blaue Jacke aufpassen, die wird ganz schmutzig! Ich versuche unser Leben zu retten und ihre einzige Sorge ist eine dreckige Jacke!!!

Nach einer halben Stunde kehrt der Jäger von vorhin zurück und kann natürlich bei uns nicht vorbei. Er steigt aus und sagt, dass wir hier kein Handynetz haben um nach Hilfe zu rufen. Mann, das weiss ich auch! Und er kommt nicht an unserem Knutschi vorbei und kann auch keine Hilfe holen. Dann sagt er, er fahre zurück (rückwärts) und klettere dann auf einen Hügel, und rufe einen Kollegen an der einen Traktor besitzt. Irgendwo finde er schon Verbindung. Das beruhigt ein Wenig, so fressen die Wölfe nicht nur uns.

10 Minuten später ist er wieder da und sagt, dass wir nun einfach eine Stunde warten müssen, bis sein Kollege da ist und das Schaufeln kann ich sein lassen, das bringe nichts. Das einzige was wir jetzt machen können, er bringe uns zum östlichsten Punkt, trinken dort ein Bier zusammen und kehren in einer Stunde zu unserem Womo zurück.

Nach genau 300m bleibt uns nur noch das Bier übrig, denn auch er sitzt mit uns im Auto im Tiefschnee fest. Immerhin können wir sein Auto nach 20 Minuten mit meiner Schneeschaufel befreien und kehren zu unserem immer noch ganz schrägen Womo zurück.

Hoffnung naht

Bis unsere Rettung kommt, vergehen 2 ½ Stunden und in dieser Zeit redet er über seine Biberjagd, dass es jetzt noch zu früh sei dafür, da das Eis noch zu dick ist und dass er auch Wölfe Jagd. Das beruhigt, dann werden wir heute noch nicht gefressen, solange Jukka bei uns ist.

Und dann hören wir den Traktor kommen mit Schneefräse und Schauffellader, vier montierten Schneeketten und ziemlich viel Erfahrung, da der Fahrer zuständig ist für den Winterdienst hier. Er schaut unser Malheur an schüttelt den Kopf und erklärt dann, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir unser Womo nach vorne rausziehen können.

Also beginnt er zu baggern und zu fräsen, macht aus dem Waldweg eine Autobahn bis er an uns vorbei ist und vor uns steht. Abschleppseil montieren und dann sind wir tatsächlich wieder frei!

unser Knutschi wird ausgegraben

Man, sind wir erleichtert, zwischendurch dachten wir schon, wir müssen hier auf den Frühling warten.

Zum Glück habe ich die Schneeketten montiert, denn so kann ich im Schnee langsam bis zum letzten Abzweiger rückwärts zurückfahren, wo wir das erste Mal Jurko getroffen habe. 

Der Schneepflugfahrer möchte dann auf meine Frage hin 80€, da er extra 20km hin und jetzt wieder zurück fahren müsse. Ich hätte ihm alles gezahlt, erhöhe darum dann auf 140€. Jukka will kein Obolus und sagt nur, dass er wieder zwei Freunde getroffen hat und falls er mal Probleme in der Schweiz habe, uns anrufen werde.

Beim Zurückfahren der 14km bis auf die Hauptstrasse können Anita und ich gar nicht glauben, wie blöd wir waren, diesen Weg zu fahren, denn wir kommen trotz Schneeketten fast nicht mehr auf die rettenden, geräumte Asphaltstrasse.

gerette und schön langsam rückwärtsfahren auf der frisch gefrästen Strasse

Ich habe genug Schnee gesehen und halte nur noch Ausschau nach einem ebenen, schneefreien und asphaltierten Parkplatz, wo wir übernachten können.

Wir haben den östlichsten Punkt der EU mit dem Womo nicht erreicht, aber glaubt mir, es ginge keinen cm näher…


Übernachtung

Ilomäki - Likoniemi **
Finnland, Parkplatz
Rastplatz, direkt am See
Koordinaten: 62.74329, 30.995843
N 62° 44' 35.9"  E 30° 59' 45"
letzter Besuch: 4.2018

Via Karelia 15.4.2018

Nach kurzer Fahrt lockt uns das Abenteuer doch wieder und wir sehen die russische Grenze doch noch

Heute wollen wir es einfach ruhig angehen und nur der schönen, asphaltierten und schneefreien Hauptstrasse Richtung Helsinki folgen. Wir haben gestern genug Abenteuer erlebt, so viel, dass ich sehr schlecht geschlafen habe. Es hat uns doch mehr mitgenommen, als wir zuerst gedacht hatten.

Also fahren wir manchmal mit 80, dann wieder mit 100km/h durch Wälder und Seen entlang auf der langweiligen Hauptstrasse. Nach etwa 20 km sehen wir das Schild „Via Karelia“ links abbiegen. Dieses Schild begleitet uns seit vorgestern regelmässig, wir schauen uns kurz an, nicken, stellen den Blinker und folgen dem Schild. Da unser Navi partout nicht dadurch will, stoppen wir kurze Zeit später und holen die Landkarte hervor. Wir müssen eine Standortbestimmung machen, und sehen, dass diese Strasse ganz nahe an der russischen Grenze vorbeiführt und es dort auch einen Zollübergang nach Russland gibt. Der Umweg bis Helsinki beträgt nur etwa 20 km auf über 500, also nichts Nennenswertes. Wir beschliessen, dieser Zollstation einen Besuch abzustatten, denn wer weiss, wann sind wir wieder mal so nahe an einem Zarenland? Wir starten den Motor, schalten das Navi aus und folgen einfach dem Schild „Via Karelia“. 

Die Gegend ist wieder sehr verlassen, wir sehen einige tolle Übernachtungsplätze, gehen auch zu Fuss einige Seen besichtigen, machen Fotos. Eine wirklich schöne Strecke.

unser möchtegern Ferienhäuschen

Dann in Nirala weisst dieses Schild nach rechts, ein anderes Schild mit „Russia“ nach links. Ich weiss, wir hätten gestern diese „Via Karelia“ besser nicht verlassen, aber heute ist ein neuer Tag, neues Schicksal. Also fahren wir Richtung Russland, links die gelben Tafeln und gelben Baummarkierungen die das Sperrgebiet kennzeichnen. Das kennen wir von gestern. Man darf dieses Sperrgebiet nicht betreten, da hier die russische Grenze sehr nahe ist. Dann sehen wir auch einen Wachturm hoch über den Bäumen. Ist der jetzt finnisch oder schon russisch? Können wir nicht herausfinden. Die beiden Länder führten etliche Male Krieg (Finnland verlor jedes Mal) und von daher ist das gegenseitige Misstrauen noch immer vorhanden. 

es ist kein Elch

Um die gestrige Strasse benützen zu dürfen, war übrigens bis vor etwa 10 Jahren noch eine Genehmigung der finnischen Behörden nötig. Das wurde dann aufgehoben aber nicht mal der Jäger gestern wagte ein paar Schritte in die Absperrzone. Und schon gar nicht in die Nähe der russischen Grenze. Er meinte nur, wenn wir die Ferien um zwei Wochen in Russland verlängern möchten, könnten wir direkt zum Grenzstein gehen. Er würde aber nur Zuschauen…

Das im Gedächtnis wird uns schon etwas mulmig, als wir dann auf die Grenzstation zufahren. Etwa 50m vor der Station ist die letzte Möglichkeit zu wenden und wir schauen uns wieder beide an, nicken wieder, wenden und fahren wieder Richtung Finnland. Sicher ist sicher…

Russische Zollstation (oder erst die finnische?)

Wir sind wieder auf unserer Via Karelia und sehen wenig später einen kleinen offenen Supermarkt. Anscheinend haben in Finnland sonntags doch auch viele Läden offen. Wir kaufen wieder einmal viel zu viel ein, auch wenn wir uns weiterhin auf die Bilder der Verpackungen verlassen müssen. Vieles ist nicht nur finnisch, sondern auch russisch angeschrieben, was uns aber nicht weiterhilft.

Da unser gestriges geplante Fondue am östlichsten Punkt dem Schnee zum Opfer fiel, beschliessen wir, es heute anlässlich eines heiligen Sonntages zu machen. Und als idealer Übernachtungssplatz bietet sich da natürlich eine ruhige, schöne Kirche an.

meine neue Mütze

Ach ja, wir hatten heute wieder blauen Himmel, Sonne, Schnee und noch kein Elch. Und ich muss noch unbedingt ein Foto von der neuen Mütze veröffentlichen, die Anita in den finnischen Landesfarben passend zu meiner coolen Jacke gestrickt hatte. Eigentlich wollten wir das schon gestern schreiben, aber das fiel auch dem Schnee zum Opfer. Also machten wir das Foto heute (ich habe meine blaue Polarjacke frisch geputzt) bei 14 Grad Wärme, wo ich weder die Mütze noch die Jacke bräuchte…

Morgen soll es übrigens wirklich bis nach Helsinki gehen, wo wir die Stadt übermorgen besichtigen und dann irgendwann auf die Fähre nach Tallin fahren wollen, Tickets haben wir aber noch keine.

Übernachtung

Rautjärven - Kirkko ***
Finnland, frei
schön ruhig vor der schönen Kirche
Koordinaten: 61.29873, 29.132098
N 61° 17' 55.5"  E 29° 7' 55.6"
letzter Besuch: 4.2018

Regen, Rückenweh und kein Geld mehr 16.4.2018

Heute war Skandinavien nicht so prickeln. Wohl weil wir in der Zivilisation zurück sind?

Morgens sagt der Wetterbericht nicht mehr eitler Sonnenschein voraus. Also mal etwas Abwechslung. Abwechslung kriege ich auch, als ich vor dem Wegfahren meine Keile versorgen will. Ich kriege einen Zwick im Rücken und kann mich kaum mehr zur Fahrertüre schleppen. Vergeht dann schon wieder.

Kurz nach unserer Wegfahrt beginnt es tatsächlich etwas zu regnen. Wir fahren auf der Hauptstrasse Richtung Helsinki. In Imatra haben wir auf unserer Strasse plötzlich ein Autobahnsignal, es wird getrennt zweispurig und wir fahren tatsächlich auf einer Autobahn weiter. Nach 6000km Landstrassen sind wir wieder auf einer Autobahn und damit wohl in der Zivilisation zurück.

nach 6000km Landstrassen wieder eine Autobahn

Überall wo wir unterwegs Zwischenhalt machen wollen, dreckig, nass, sumpfig. Das wird wohl so sein, wenn die Schneeschmelze, Regen und warme Temperaturen zusammen kommen. Dazu kann ich mich fast nicht vom Sitz erheben. Alles irgendwie nicht so prickelnd.

Irgendwann bekomme ich dann noch geschäftlich ein Telefon: Notfall auf einer Webseite. Also wieder raus auf einen schlammigen Parkplatz. Computer starten, Internet verbinden. Mischt, das gesamte Datenvolumen von 10GB über das Mobilenetz aufgebraucht. Also Satellitenschüssel starten und Internet suchen. Ich kriege zwar den Satelliten rein, aber eine zu schlechte Qualität für Internet. Die Schüssel schaut hier so knall senkrecht, dass ein Baum in 100m Entfernung noch immer ein Problem darstellen kann. Und da steht ein ganzer Wald, ich komme nicht zum Äquator durch. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als zusätzliches Datenvolumen kaufen. Würd ich ja gerne, aber unsere Kreditkarte hat anscheinend ihr Limit auch erreicht. Es ist zum aus der Haut fahren! Würd ich ja, wenn ich nicht so Rückenweh hätte. Einfach nicht prickelnd heute.

Wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr lange unterwegs sind und das Kreditkartenlimit nicht reicht? Habt ihr mehrere Kreditkarten? Nimmt ihr Kredit auf oder raubt ihr jemanden aus?

Irgendwann kann ich dann den Notfall beheben und wir können weiter. Eingangs Helsinki erspähe ich dann eine Autowaschanlage für Kleinbusse und Camions. Endlich und genau das richtige für unser Knutschi und das könnte meinen Tag noch retten. Nach 10 Minuten probieren und versuchen haben wir immer noch kein Wasser, es ist alles nur finnisch angeschrieben und hilft einfach nicht weiter. Dann kommt ein alter Finne, redet und redet bis ich ihm klarmachen kann, „ich nix versteh“. Er redet unbeirrt weiter und sagt dann das einzige Wort, was ich verstehe „kaputt“. Verd…. Mischt, heute geht auch alles schief.

noch immer dreckig, unser Knutschi

Aber immerhin, etwas später kommen wir mit unserem dreckigen Knutschi auf dem Parkplatz vom Zoo an. Der Parkplatz soll ziemlich schön und zentral sein und man kann direkt am Meer stehen. Wir haben aber dann genau die Wahl zwischen: einem nicht so prickelnden, weil schlammigen Platz am Meer ohne Chance auf Sattelitenverbindung, oder etwas weiter oben ohne Meerblick aber mit Chance auf Internet.

Wir entscheiden uns vorerst mal für den Platz oben.

Dann entscheiden wir, dass wir nun doch zu Fuss in die Stadt laufen wollen. Das Wetter wurde inzwischen trocken und relativ warm. Aber nach einigen hundert Metern muss ich einsehen, dass es heute nichts wird mit einem langen Spaziergang, der Rücken. Also biegen wir ab und laufen dem Wegweiser Zoo nach und zahlen dort mit unserem letzten Baren den Eintritt (wenn ich jedem Leser des Blogges 10 Rappen abknöpfen könnte, wäre ich in den letzten zwei Tagen reich geworden. Der Beitrag von unserer Panne sprengte alle Rekorde, aber so müssen wir leider weiter unten durch ;-).

Der Zoo ist auf einer wunderschönen Insel gelegen mit Sicht auf Helsinki. Er ist auch ziemlich schön gemacht mit Tieren aus dem Amazonas, Afrika, und weiss ich wo alles. Immerhin hat er auch Rentiere und Elche. Aber die Jahreszeit dafür ist einfach auch nicht prickelnd, nicht mehr Winter, noch nicht Frühling, einige Schneeresten mit dreckigem Schnee, Splitt und Sand auf den schneelosen Wegen. Alle Restaurants und Kioske zu und einfach tote Hose. Ein Zoobesuch im tiefen Winter wie in Ranua macht einfach schon viel mehr Spass und Eindruck…

Der Zoo von Helsinki

Aber durch das Spazieren geht es meinem Rücken schon wieder etwas besser und ich kann mich wieder halbwegs bewegen. Anita kocht uns jetzt noch ein feines Abendessen mit dem gestrig gekauften Schweinsfilet, dazu Bratkartoffeln und Salat. Wenn nur dieses Abendessen nicht in die Hose geht… (würde grad noch zum Tag passen).

Morgen wollen wir dann doch noch mit dem Bus in die Stadt Helsinki. Weiss jemand, was man dort gesehen haben muss und was schön ist, auch in der Jahreszeit zwischen Winter und Frühling?

den Humor haben wir noch nicht verloren

Übernachtung

Helsinki - Parkplatz Zoo ***
Finnland, Parkplatz
an den Weekends ziemlich betrieb, unter der Woche schön ruhig, WC 200m
Koordinaten: 60.18226, 24.991063
N 60° 10' 56.1"  E 24° 59' 27.8"
letzter Besuch: 4.2018

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