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Marokko 2018
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Reisebericht

Helsinki – Tallinn mit dem Womo 17.4.2018

Wir kaufen spontan Tickets und schiffen uns heute schon ein

Irgendwie reisst uns Helsinki nicht vom Sockel, auch bekommen wir Tipps, dass wir die Zeit besser in Tallinn nutzen wie noch in Finnland. Also packen wir zusammen und suchen noch die Waschanlage von gestern. Wir können mit so einem schmutzigen Womo unmöglich auf die Fähre, das muss jetzt heute noch gewaschen werden.

In Finnland gibt es haufenweise Waschstrassen, aber dort passt unser Womo nicht durch und solche Self-Wasch-Boxen sind die Ausahmen, da sie ja nur das halbe Jahr benützt werden können, den die andere Hälfte friert das Waschwasser auf dem Auto ja ein.

Also fahren wir die drei Kilometer zurück und versuchen unser Glück nochmals. Und richtig, heute klappt es am anderen Automaten und wir können unser Knutschi waschen. Zuerst einseifen, dann abspritzen, mit der Waschbürste behandeln, nochmals abspritzen. Dann müssen wir unser Knutschi noch rückwärts einparkieren, da diese Box nur für PW gedacht ist. Nun reichen die Düsen dann auch noch für die Rückwand.

Wir haben danach das Gefühl, unser Wohnmobil war noch nie so sauber wie jetzt. Später merken wir aber, dass überall noch Dreck kleben blieb, aber nicht so schlimm, wenigsten bekommt man keine dreckigen Hände mehr, wenn man eine Tür öffnet.

Danach geht es weiter zu einem der drei Fährverladestationen. Im Internet fand ich gestern, dass die Eckerö-Line nur etwa halb so viel kostet wie die anderen Gesellschaften, also wollen wir es zuerst bei dieser versuchen. Ich finde zwar nicht heraus, wo genau diese Gesellschaft loslegt, aber normalerweise sind die günstigen Gesellschaften immer am Pier, das am weitesten weg liegt. Also versuchen wir es dort. Angeschrieben am Hafen ist es gross mit Port of Helsinki, Gebäude T2 auf der Google Karte bei Jätkäsaari Busholmen. Dadurch müssen wir quer durch die ganze Innenstadt, was aber kein Problem darstellt. Am Terminal auf einen Parkplatz fahren und dann ins Empfangsgebäude T2, dort sehen wir auch grad einen Schalter der Eckerö-Line. Hingehen, fragen, buchen, bezahlen. 130€ für zwei Personen und unser Knutschi ist jetzt wirklich ein moderater Preis, die Fähre legt um 15:15 ab, also perfekt für uns. Wir bekommen dann noch einen Plan mit, wo wir wann genau sein sollen für das Einchecken und auf die Fähre fahren. Natürlich sind wir viel zu früh dort und wie immer, wenn wir Fähre fahren, wir dürfen dieses Mal nicht mit den letzten, sondern als allerletztes drauf!

hinter Helmi als letzte auf das Schiff

Als zweitletztes Fahrzeug ein Uraltwomo (1974) aus Finnland mit sechs alten, knorzigen Finnen, die uns bei der Warterei total zuquatschen und uns ihre gesamte Story von ihrer Helmi erzählen. Sie fahren jetzt nach Minsk, denn die alten Russischen Länder seien noch ein Abenteuer, Mitteleuropa viel zu langweilig.

Als wir dann aus unserem Womo aussteigen, ist die Fähre schon unterwegs, die grossen Tore wurde verschlossen, als wir die Handbremse noch nicht angezogen haben.

Das Schiff, die Finlandia, ist bis jetzt wohl die beste Fähre, die wir je hatten. Ziemlich modern, gute Restaurants, viele Sitzgelegenheiten, und sogar an zwei Orten in den Bars Live-Musik. Und die erste Fähre mit gratis WLan, aber wir haben nur unsere Handys mit fast leeren Akkus dabei... Die Eckerö-Line setzt auf dieser Strecke nur dieses Schiff ein, aus diesem Grund gibt es auch nur drei tägliche Verbindungen: Morgens, Nachmittags und Abends.

Musik auf der Fähre

Nach zwei Stunden Fahrt treffen wir ohne Probleme pünktlich in Tallinn ein, fahren dort grad auf den Hafenparkplatz für 6€ 24/h und dieser Platz ist sogar Videoüberwacht. Perfekt für uns.

einbruchsicher mit den normalen Gurten

Wir machen unser Knutschi mit den Gurten Einbruchssicher (sorry, aber Hafenparkplatz und in einem neuen, fremden Land...) und ziehen zu Fuss sofort los in die nahe Altstadt. Um es ganz kurz zu machen: wir sind begeistert und freuen uns, morgen mehr Zeit zu haben, diese herrliche Altstadt zu erkunden und gute Fotos zu schiessen. Was wir heute Abend schon gesehen haben, war der Hammer und die Pizza, die wir auch noch verschlungen haben, war wirklich, wirklich lecker.

fein war es.....

Aber zu Tallinn dann morgen mehr, wer nicht warten kann, hat hier schon mal einen Link.

Übernachtung

Tallinn - Hafenparkplatz **
Estland, Parkplatz
nachts ziemlich ruhig, Videoüberwacht, günstig, gratis WLan
Koordinaten: 59.44318, 24.757815
N 59° 26' 35.5"  E 24° 45' 28.1"
letzter Besuch: 4.2018

Tallinn und wir haben doch einige Defekte 18.4.2018

Tallinn gefällt uns sehr gut aber vorher merken wir, dass unser Knutschi doch mehr gelitten hat.

Die Nacht auf dem Parkplatz am Hafen ist erstaunlich ruhig. Allerdings merken wir, dass wir in den letzten Tagen unseren Urintank nicht geleert haben und er nun ziemlich voll ist. Noch einen Tag damit halten wir nicht durch. Aber wo leeren mitten in der Stadt? In einer Papiertüte zum nächsten öffentlichen WC (700m) tragen?

Auch haben wir es nun mit dem Strom relativ knapp. Wir waren nicht gerade sparsan die letzten Tage und gefahren sind wir auch nicht. Wenn nicht endlich die Sonne hervorkommt, wird es ganz knapp, damit es bis morgen reicht.

All das zusammen führt zu der Überlegung, ob wir nicht besser zum etwa 5km entfernten Stellplatz am Yachthafen fahren sollen, dort Ent- und Versorgen und unser Knutschi an den Strom hängen und aufladen. Da wir auch schon im roten Diesel-Bereich von der Fähre fuhren, könnten wir auch grad noch tanken.

Also fahren wir Vormittags los in das Gelände der Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele von 1980. Entgegen der offiziellen Info hat der Stellplatz tatsächlich offen und nicht erst ab dem 1. Mai. Wir bezahlen 20€ für eine Nacht, schliessen unser Knutschi an den Strom an und leeren unseren Urintank. Den Feststoffbehälter haben wir bisher immer noch nie geleert, muss aber in den nächsten Tagen nach insgesamt rund 5 Wochen dann schon mal sein. Aber noch nicht heute.

Danach krieche ich unters Auto und befehle Anita, sie solle mal Wasser laufen lassen. Unser Ablassventil ist nämlich undicht, denn sobald wir Wasser laufen lassen, tropft es unter dem Wohnmobil raus und auf einem öffentlichen und asphaltierten Parkplatz nicht gerade prickelnd.

Inspektion

Was ich danach aber sehe, ist noch viel weniger prickelnd, die Abwasserleitung in den Abwassertank ist geplatzt und das Rohr hat sich vom Abwassertank gelöst. Entweder zu kalt und eingefroren, dass es geplatzt ist oder es wurde bei unserem Schneeabenteuer auf und abgerissen. Klar ist, dass wir das hier und jetzt nicht reparieren können und mit dem Wasserverlieren momentan leben müssen. Beheben wir, wenn wir zu Hause sind und achten nun einfach drauf, wo wir dann Wasser laufen lassen. Wir bemerken auch noch, dass das Schneeabenteuer doch noch eine Delle in unseren Kotflügel hinterlassen hat. Na ja, Kampfspuren gehören ja zu einem interessanten Gefährt dazu.

Anfangs Nachmittag nach einer gründlichen Körperpflege, füllen des Wassertankes und den Batterien, machen wir uns wieder auf den Weg zum Hafenparkplatz und erkunden dann die Stadt zu Fuss.

Tallinn

Die Stadtmauer mit einigen Türmen

Wir sind begeistert von der Altstadt. Die Stadtmauer ist auf 2km noch gut erhalten und die Türme sehen so Bilderbuchmässig aus, wie man sich die nur vorstellen kann. Hätte ich als Kind eine Stadtmauer zeichnen müssen, sie sähe genaue so aus wie die in Tallinn! Und nicht nur dass, die Stadt wirkt herausgeputzt, die alten Häuser alle renoviert und der Marktplatz in der Mitte einfach herrlich. Das Prunkstück ist aber die Alexander-Newski-Kathedrale, ein orientalisch anmutendes Gebäude mit Zwiebeltürmen auf dem Domberg und Estlands Hauptkathedrale des russisch-orthodoxen Glaubens. Sie sieht wirklich wunderprächtig aus.

auf der Stadtmauer

Die Eintrittspreise für die Besichtigung der Stadttürme sind wirklich niedrig, dafür sind die Preise für Essen und Getränke happig. Trotzdem assen wir aber im Zentrum auch heute zu Abend und wieder hervorragend. Dieses Mal probierten wir estnische Gerichte mit Fleisch und Kartoffelstock. Kochen können sie, die Esten.

der Platz im Zentrum der Altstadt

Wir wurden von dieser Stadt richtig Fan. Die Stadt hat einen Auftritt bei den 100 schönsten Orte mit dem Wohnmobil redlich verdient

Auch wenn man etwas ausserhalb ist, gibt es so alte, russische Denkmäler genau im sowjetischen Stil, wie man es sich vorstellt: gerade, schnörkellos und aus Beton.

Wir hätten übrigens noch einen perfekten Freistehplatz 3km ausserhalb der Altstadt erspäht, direkt am Meer, leer und viel Platz, auf einer asphaltierten Fläche (59.462457, 24.818493) Vielleicht fahren wir ja noch hin.

Ach ja, mein Rücken ist zu 99% wieder gut


Übernachtung

Tallinn - Hafenparkplatz **
Estland, Parkplatz
nachts ziemlich ruhig, Videoüberwacht, günstig, gratis WLan
Koordinaten: 59.44318, 24.757815
N 59° 26' 35.5"  E 24° 45' 28.1"
letzter Besuch: 4.2018

Stillgelegter Bahnhof und verrostete Lokomotiven 19.4.2018

Es gibt sie doch noch, die Perlen von einer vergangenen Zeit.

Vormittags können wir es gemütlich nehmen, wir haben kein Programm. Aber um 13 Uhr treffen wir einen alten Teamkollegen von mir. Ich bin mit Jann Kirsipuu verabredet, einer der grössten und besten Radrennfahrer meiner Zeit. Er feierte über 120 Siege und doch kennt ihn fast keiner. Warum? Weil er zur ganz seltenen Spezies der Radprofis der 90 Jahre gehört, die nie gedopt haben. So reichte es ihm fast nur zu Siegen in kleineren Rennen, bei den grossen war er jeweils chancenlos, obwohl, er gewann auch Etappen an der Tour de France. Auf dieses Wiedertreffen nach 20 Jahren freute ich mich auf dieser Reise ganz besonders. Wir quatschten auf französisch von vergangenen Zeiten, auch gab er mir noch Tipps für Tallinn und den Rest von Estland.

mit Jann Kirsipuu

Die Verabschiedung viel uns schwer und Anita und ich machten uns dann auf den Weg nach Haapsalu. Dort soll es nach Jann einen alten Bahnhof geben, der nach dem Zerfall der UDSSR stillgelegt und dort ein paar Looks vergessen wurden. Also genau das richtige für uns.

Wir haben nur 100km über gute Strassen zu fahren und treffen dann um 16 Uhr bei diesem Bahnhof ein. Es ist wahrlich ein Bild aus vergangenen Zeiten! Der Bahnhof sieht so aus wie zur Zeit, als dies noch zu Russland gehörte. Das Gebäude ist ziemlich gepflegt mit einem Bahnmuseum drin. Aber es hat schon geschlossen oder öffnet nur Freitags bis Sonntags, so genau verstehen wir die Schilder auf Estnisch und Russisch nicht.

aber in einem jämmerlichen Zustand

Aber die alten riesigen und grossen Dampflokomotiven sehen einfach super aus. Und dann hat es auch noch alte Dieselloks mit Güter- und Personenwagen, alles verrostet und vergammelt. Eisenbahnfreunde würden da wahrscheinlich alle Finger lecken, wenn man diese Lokomotiven restaurieren könnte.

Der Bahnhof hatte bei seinem Bau 1907 den längsten überdachten Bahnsteig Europas, aber 1995 wurde unter Protesten der Bevölkerung die Linie für den Personenverkehr geschlossen und 2004 demontiert. Die da noch stehenden Loks und Züge kommen nun nicht mehr weg und sind bis in alle Ewigkeit an diesen Bahnhof gebunden. Das ehemalige Bahntrasse ist nun ein 50km langer Veloweg.

verrostete und irgendwie doch schöne Wagen

Wir können uns fast nicht sattsehen von diesem nostalgischen Ort. Danach fahren wir nur gerade zwei Kilometer weiter und sind auf einem fantastischen Parkplatz auf einer Landzunge zwischen dem Meer. Wir lieben Estland! Viele leere Parkplätze, ein fast leeres Land mit viel Platz zum Übernachten und strahlend blauem Himmel. Die Sonne wird genau vor unserem Knutschi im Wasser versinken und das gibt sicher noch ein paar gute Fotos heute Abend.

1907 der längste überdachte Perron von Europa

Ach ja, hier hätte es diesen Winter übrigens eine Strasse über das Eis zu den vorgelagerten Inseln gegeben. Das wäre ein Ding gewesen, mit unserem Knutschi auf dem Eis über das Meer zu einer Insel zu fahren. Aber jetzt ist ja alles getaut…


Übernachtung

Haapsalu - Suur Viik ****
Estland, frei
einfacher Parkplatz direkt am Meer
Koordinaten: 58.95386, 23.521843
N 58° 57' 13.9"  E 23° 31' 18.6"
letzter Besuch: 4.2018

Storchen- und andere Nester 20.4.2018

Mit dem Womo ist Estland super, wir staunen nur immer wieder

Gestern Abend gesellten sich noch andere Womofahrer zu uns auf diesen schönen Parkplatz, insgesamt übernachteten hier dann schlussendlich vier Womos. Es muss also ein ganz heisser Hot-Spot sein hier.

Wir erwachen relativ früh, packen unsere sieben Sachen zusammen und fahren genau 1,4km weit ins Dorfinnere Richtung Haapsalu zur Bischofsburg. Eine gut restaurierte Ruine einer imposanten Festung inklusive Kathedrale. Man hat viel Platz, die Mauern der Burg umschliessen ein ziemlich grosses Gebiet, ca. 200 x 200m und im Inneren hat es grosse Bäume, die Festungsanlage die zum Teil grad noch renoviert wird und viel Grün. Uns gefällt es auch hier sehr gut, aber ich will weiter.

Bischofsburg


Ich will endlich nach Tartu, der zweitgrössten Stadt Estlands. Dort auf dem Friedhof ist ein Freund von mir begraben, der während dem Training von einem alkoholisierten LKW-Lenker über den Haufen gefahren wurde. Ich habe sein Grab noch nie in echt gesehen und das lasse ich mir nun nicht entgehen. Ich weiss auf welchem Friedhof und ungefähr die Lage und das Aussehen des Grabes.

Der Friedhof ist riesig, aber echt stilvoll. Es scheint nicht alles so peinlichst geregelt zu sein, wie bei uns in der Schweiz. Alt und Jung , grosse und kleine Grabsteine, Familiengräber und solche von unbekannten Soldaten, alles durcheinander in einem Wald. Nach einem Weilchen Suchen und mit Hilfe von alten Fotos wo eine Kapelle im Hintergrund stand, finden wir das schöne Grab und halten ein paar Momente inne. Warum erwischt es immer genau die lieben, tollen Menschen so früh?

Grab von meinem Freund Lauri Aus


Eindruck macht mir auch, dass auf seinem Grabstein schon Platz reserviert wurde für die Namen seiner Kinder und seiner Frau. Das muss ich zuerst mal verdauen und ich merke, dass ich ziemlich selten auf Friedhöfen bin und gar keine Ahnung habe, was da so üblich ist.

Mit etwas gedrückter Stimmung fahren wir noch etwas weiter Richtung Süden. Die Landschaft ist ziemlich flach, sumpfiges Land, viele Wälder. Wir sehen Rehe und viele Störche, die in ihren Nestern hoch oben Junge füttern. Irgendwie auch eindrücklich und wir sehen auch Warnschilder von Elchen, aber keiner in lebendiger Form.

eines der vielen Storchennester

Schon früh kommen wir in Rôuge an, dort soll es seit 2016 in einem Erholungsgebiet ein 30m Aussichtsturm geben, der die Form von Vogelnestern hat. Wir finden die Stelle problemlos und sind schon von weitem schon wieder begeistert.

Auf der gesamte Anlage gibt es Blockhütten, Feuerstellen und beim Parkplatz sogar ein Infohaus, das aber erst ab Mai öffnet. Und wie in Estland üblich, auch öffentliches WLan. Estland ist in Sachen Internet der Vorreiter in Europa, per Gesetz muss da jeder Bürger Zugang zu gratis Internet haben und darum gibt es fast überall freie WLans. Wenn das nur überall in Europa so wäre.

zuoberst auf dem Turm beim Vogelei


Aber in den Bann zieht uns natürlich der Vogelnest-Turm! Er ist riesig und echt cool gemacht, so einen Turm habe ich wirklich noch nie gesehen! Selbstverständlich steigen wir sofort hoch in ein Nest und merken, dass er im Wind ganz oben ziemlich fest schwankt! Ein mulmiges Gefühl, die Aussicht auf unser Knutschi ist aber fantastisch. Wir spazieren herum, geniessen wieder den sonnigen Tag und dann hat Anita die Idee: Komm, wir leeren nun mal unser WC, wir haben ja Zeit!

Wir sind nun etwas mehr als einen Monat unterwegs, waren vor dieser Reise schon vier Tage im Engadin und haben den Feststoffbehälter unserer Trenntoilette noch nie geleert. Wenn das kein Luxusleben ist, sich nicht dauernd überlegen zu müssen, wo leere ich nun die Toilettenkassette?

Ich mach‘s jetzt kurz und über unsere erste Leerung gibt es dann einen Blogeintrag, wenn wir zu Hause sind. Aber jetzt nach 36 Tagen gebrauch riecht der Inhalt des Feststoffbehälters überhaupt nicht! Er ist nicht wirklich kompostiert, aber viel sieht man nun wirklich nicht mehr. Es ist einfach genial! Und es gibt etwa so viel Inhalt wie einen Wassereimer, nur trocken und nicht riechend. Wir leeren ihn in einen festen Abfallsack von zu Hause und schmeissen ihn gut verschlossen in einen Kehrichtcontainer. Das ging ja wirklich easy.

Heute Abend mache ich dann noch ein paar Nachtfotos vom Vogelnestturm…


Ach ja, heute ist definitiv klar geworden, dass wir nicht das letzte Mal in Estland sind. Wir finden es für Womofahrer einfach genial hier!

Übernachtung

Rôuge - Vaatetorn ****
Estland, Parkplatz
vor dem Turm in einem Naherholungsgebiet, Campingplatz hätte es in der Nähe
Koordinaten: 57.72820, 26.938898
N 57° 43' 41.5"  E 26° 56' 20"
letzter Besuch: 4.2018

Schlösser, Burgen und eine Kaninchen-Stadt 21.4.2018

Wir sind nun in Lettland und die Sehenswürdigkeiten nehmen etwas ab. Dafür nehmen unsere Defekte zu, nun läuft das Wasser nicht mehr ab.

Letzte Nacht fotografierten wir nochmals den Aussichtsturm mit den Vogelnestplattformen, danach brechen wir auf Richtung Lettland. Den Grenzübertritt verpassen wir beinahe, es ist einzig und alleine ein EU-Schild mit der Aufschrift Lettland sichtbar. Kein Zollhaus, rein gar nichts. Was wir aber spüren, die Strassen werden rumpeliger und die Ortschaften und Weiler sind nicht mehr so herausgeputzt, alles etwas älter, etwas zerfallener und etwas urchiger. Wir vermuten, die Letten sind Spezialisten im Reparieren. Die Strassen haben tausende von Reparaturstellen, sehr selten mal ein ungeflicktes Stück Asphalt. Und die Hauptstrasse Richtung Riga, notabene die grösste Strasse in Lettland, hat Fahrrillen, wo ich Angst habe, ich fahre mein Abwasserrohr weg, so tief versinken die Pneus in den Asphaltspuren.

keine zu kleinen Spurrillen

Auch war es nicht ganz einfach, Sehenswürdigkeiten zu finden, die uns interessieren und gute Fotos hergeben, lässt man mal die Hauptstadt Riga weg. Wir wollen nicht schon wieder eine Stadt besichtigen und brauchen sowieso mal einen Grund, hierher zurück zu kommen.

Also machen wir einen Abstecher zur Burg Turaida, es soll in ganzes Gelände mit Kunstwerken und alten Gebäuden haben. Wir finden alles, schiessen ein paar Fotos der Burg, besichtigen den Turm und das Museum, aber so ganz in den Bann ziehen kann es uns nicht. Aber man muss zu Gute halten, vieles ist auch in Deutsch beschriftet und der Eintrittspreis für alles kostet mickrige 3€ / Person.

Burg Turaida

Wir fahren weiter und es wird immer grüner. Das ist ein Vorteil, wenn man im Frühling vom Norden gegen den Süden fährt, wir haben das Gefühl, wir fahren dem Frühling frontal entgegen und es geht wahnsinnig schnell. Morgens noch eine Vegetation im Winterschlaf, Mittags schon Knospen an den Bäumen und Abends saftig grüne Wiesen und die ersten Bäume haben auch schon junge Blätter. Dazu blauer Himmel mit weissen Wolken, die Fotos werden schon mal schön farbig, der Tag also fast gerettet.

Plötzlich sieht Anita etwas entfernt von der Strasse eine kleine Stadt aus kleinen Holzhäuschen. Blinker einschalten, raus auf die Naturstrasse schwenken und die 100m bis zu einem kleinen Parkplatz fahren. Wir steigen verwundert aus und schlendern zum grossen Eingansgatter. Da hat es ein Schild mit einer Familie drauf 9€, ein Mann 3€ eine Frau 3.50€. Wir werden nicht ganz schlau daraus, die Verwirrung ist noch grösser als wir unten lesen: visit for free. Weit und breit kein Mensch zu sehen also treten wir einfach mal ein. Erst jetzt merken wir, dass diese herzigen Häuschen und auch die zwei grösseren Kirchen Kaninchenställe sind, alle bewohnt von den Einwohnern dieser Stadt. Es ist sehr herzig gemacht, sogar ein kleiner See und ein Picknickplatz gibt es, wo sich Enten und Gänse tummeln. Wir sind begeistert und froh, gibt es solche spontane Orte, die in keinem Reiseführer verzeichnet sind.

Kaninchenstadt

Danach geht es weiter Richtung Rundale Pils (Pils ist kein Bier, das heisst Schloss auf Lettisch). Unterwegs gibt es eine kleine Umleitung und just auf dieser Umleitung sehen wir ein weiteres Schloss. Also wieder abzweigen, parkieren, Fotoapparate holen und losmarschieren. Pils Krog sieht von Aussen toll aus, eine Innenbesichtigung ist aber wegen zu nicht möglich. Wir sind anscheinend zu spät dran. Irgendwie schliessen hier die Sehenswürdigkeiten recht früh, vor allem jetzt ausserhalb der Saison.

Pils Krog

Also geht es weiter bis wir kurz darauf beim Schloss Rundale ankommen. Es ist das Verseille des Osten und sieht fast auch so aus. Es ist von Aussen wunderschön und eine Innenbesichtigung ist auch hier wieder nicht möglich, es schliesst um 17 Uhr und wir sind um 17:05 Uhr hier. Macht irgendwie nix, wir haben auch morgen noch Zeit.

Es soll hier aber irgendwo einen Stellplatz für Wohnmobile haben, finden tun wir aber nichts ausser einem Hinweisschild mit einer Telefonnummer drauf. Die gleiche Telefonnummer sehen wir dann aber grad beim Restaurant „Balta Maya“ neben dem Schloss und da wir heute sowieso mal noch essen gehen wollten, steuern wir direkt hinein und fragen nach dem Stellplatz. „Ob wir Strom brauchen“ werden wir gefragt, „Nein“ unsere Antwort, „und die Toilette“ auch wieder nein. Die Serviertochter schaut uns ungläubig an und kann es irgendwie nicht glauben. Also wenn wir kein Strom und keine Toilette brauchen, können wir grad auf dem Parkplatz hier übernachten, dann öffne sie den Stellplatz nicht extra. „Ob wir was essen könnten?“ ist dann unsere Frage: „Sorry, nur bis 18 Uhr“ und wir haben jetzt 17:50 Uhr. Also wieder nichts und da uns der zugewiesene Parkplatz nicht wirklich gefällt, bleiben wir auf unserem Schlossparkplatz stehen und richten uns dort ein. Übrigens auch das einzig andere Restaurant in der Nähe hat geschlossen, so dass Anita wieder kochen darf.

Tja, und jetzt läuft unser Abwaschwasser nicht mehr aus dem Trog. Einfach nichts! Auch mit pusten und drücken bleibt das Wasser im Trog. Und was noch viel mysteriösere ist, unser Abwassertank ist wieder halbvoll Wasser! Von wo kommt denn das nun wieder her? Die Abwasserleitung ist seit dem Schneeabenteuer ja gar nicht mehr mit dem Abwassertank verbunden? Haben die Dusche und der Waschtrog verschiedene Zuläufe in den Grauwassertank? Weiss das jemand? Wenn ja, würde das heissen, dass nur die Leitung des Küchenwaschtroges nicht mehr in den Grauwassertank läuft. Aber da sie nun gar nicht mehr läuft, wo bliebt dann da die Verstopfung? Aber heute ist es zu spät, wir schauen morgen weiter.

Übernachtung

Rundale - Schloss ***
Lettland, frei
hinterer Parkplatz beim Schloss, Stellplatz wäre hier: 56.416576, 24.030155
Koordinaten: 56.41458, 24.021677
N 56° 24' 52.5"  E 24° 1' 18"
letzter Besuch: 4.2018

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